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50 mm sind eine vielfältige Brennweite, die vor allem Einsteigern in die Widefield-Astrofotografie aus diversen Gründen ideal entgegen kommt.
Aber nicht nur Anfängern, denn mit 50 mm lässt sich sehr viel ‚anstellen‘:
Beispielsweise hochauflösende Panoramen, die weitaus mehr Details zeigen als normale Landschafts-Astrofotos. Oder tief belichtete Mosaike ganzer Himmelsregionen.
Ich nutze diese „Normalbrennweite“ sehr häufig, was zunächst erstaunen mag, da mir auch wesentlich längere Brennweiten zur Verfügung stehen und ich darüber hinaus ein Teleskop besitze.

Wie und warum ‚das 50er‘ bei mir regelmäßig im Einsatz ist, für welche Zwecke ich es nutze und warum ich es gerade auch Anfängern empfehlen kann, möchte ich in diesem Bericht darstellen.

Aber – und ich denke, dass das den Artikel auch für fortgeschrittene Astrofotografen spannend macht – darüber hinaus habe ich ein ‚Shoot-out‘ mit verschiedenen 50 mm Objektiven gemacht.
Der Artikel ist also neben der allgemeinen Vorstellung dieser Brennweite auch ein vergleichender Testbericht bezahlbarer 50 mm-Objektive ‚live‘ am Stern‘, der einige Überraschungen bereit hält:
Finde ich „das beste“ 50 mm-Objektiv?

Selbstverständlich ist dieser Bericht reich bebildert, was Dir einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten dieser Brennweite bietet.

Was Dich genau erwartet, zeigt diese Übersicht:

Zum Aufbau dieses Berichts:

PART 1 – Das 50 mm Objektiv
Einsatzzweck #1 – Widefield-Deep-Sky
Einsatzzweck #2 – Panoramen und Mosaike der Milchstraße
Vor- und Nachteile von 50 mm

Part 2 – Shootout – Vergleichstest
Die Testteilnehmer
Testbedingungen
Testbilder und Ergebnisse

Part 3 – Fazit und freundliches Schlusswort


PART 1 – Das 50 mm Objektiv

50 mm sind eine spannende Brennweite für die Astro-Fotografie, die sich besonders, aber nicht nur, für Anfänger eignet.
Obwohl 50 mm als ‚Normalbrennweite‘ in etwa unserem menschlichen Sichtfeld entspricht, ermöglicht sie fotografisch schon einen recht tiefen Blick ins All – zumindest verglichen mit weitwinkligen Landschaftsfotos.
50 mm sind ungefähr die Grenze zur Deep-Sky-Fotografie, der Widefield-Astrofotografie.

Darüber hinaus eignen sich 50 mm aber für weitaus mehr:

  • Man kann mit 50 mm mit noch vertretbarem Aufwand Panoramen des Sternenhimmels und der Milchstraße anfertigen, die enorm viele Details aufweisen.
    Auch wenn sich letzendlich ein „Landschaftsastrofoto mit Milchstraße“ ergibt, erhält man doch einen ganz anderen Bildeindruck: Sterne werden klarer und schärfer abgebildet und Nebelgebiete treten wesentlich deutlicher hervor. Ein 50 mm Panorama vom Typ „Milchstraßenlandschaft“ hebt sich merklich von einem 10 oder 14 mm Einzelbild ab; und das, obwohl beide denselben Blickwinkel zeigen.
  • Man kann natürlich Mosaike einzelner Himmelsregionen erstellen. Von der technischen Seite betrachtet sind Panorama und Mosaik letztendlich dasselbe. Sie zeigen nur andere Motive: Nächtliches Landschaftsfoto vs. Widefield-Deep-Sky.
  • Und man kann selbstverständlich stundenlang eine einzelne Region am Himmel fotografieren, die Bilder stapeln und entwickeln. Dann ergibt sich eine Deep-Sky-Aufnahme, die bereits zauberhafte Details größerer Sternenfelder inkl. Nebelgebieten mit einer starken Tiefenwirkung sichtbar machen kann.

Dank der aber doch noch relativ kurzen Brennweite ist es auch mit nicht perfekt eingenordeten einfachen Startrackern möglich, vergleichsweise lange zu belichten.
Für Anfänger sicherlich ein Vorteil. Genauso wie das große Bildfeld, das das Auffinden einer Region am Himmel einfach gestaltet.

Abseits der Astrofotografie sind 50 mm auch die Brennweite schlechthin für Portraits:
„Kopfaufnahmen“, bei denen (zumindest bei lichtstarken Brennweiten) der Hintergrund in einer sanften Unschärfe verschwindet und der Fokus des Betrachters somit auf dem portraitierten Gesicht liegt, sind seit jeher das Standard-Einsatzgebiet einer 50 mm Linse.
So ein Objektiv gehört schlichtweg zur Grundausrüstung jedes Fotografen.
(Das aber nur nebenbei. Hier porträtiere ich nur Sterne).

Anfängern der Fotografie, also Leuten, die „richtig fotografieren“ erlernen möchten, wird oftmals zu einem „50er“ geraten. Mit dieser Brennweite kann man den richtigen Umgang mit der Kamera üben. Dank der ’normalen Brennweite‘ und der relativ hohen Lichtstärke bekommt man ein Gefühl für vieles, beispielsweise auch für die Wechselwirkung der verschiedenen Parameter (Blende, ISO und Belichtungszeit). Man lernt seine Kamera kennen und verstehen.
Dass es keinen Zoom gibt, ist hierbei nur von Vorteil. Man muss wesentlich bewusster die Entscheidung für oder gegen einen Bildausschnitt treffen, man muss sich Gedanken über die Bildkomposition machen. Der Zoom liegt in den Füßen.
Das gilt natürlich auch für die Astrofotografie und gehört zum Handwerkszeug jedes (auch Hobby-) Fotografen.

Übrigens:
Auch für mich war das 50 mm Objektiv vor vielen (schon sehr vielen) Jahren die erste Anschaffung, die ich nach dem Kauf meiner ersten Spiegelreflexkamera getätigt habe. Eine Weitwinkellinse kam erst später dazu.


All das gibt schon einen groben Überblick, wohin die Reise geht: 50 mm sind einfach sehr vielfältig.
Zwei der typischen „Astro-Einsatzgebiete“ stelle ich nun genauer vor.


Einsatzzweck #1 Widefield-Deep-Sky

Widefield im Zentralbereich der Milchstraße – Canon 6Da mit Samyang 50 mm f1.4 – 9 x 60 Sekunden – nachgeführt mit Omegon Minitrack LX3.

Deep-Sky beschreibt, ohne dass es eine ganz genaue Definition gäbe (hier hab ich mich an einer versucht), langbelichtete Aufnahmen von Himmelsobjekten ohne Vordergrundmotiv (die Erde).
„Richtige“ Deep-Sky-Fotos zeigen meist ein einzelnes Objekt sehr nah, beispielsweise einen Nebel und werden mit Teleskopen und Brennweiten jenseits der 500 mm gemacht.
„Widefield“ ist eine Spielart der Deep-Sky-Fotografie, wobei das alles keine ‚genormten‘, festgelegten Begriffe sind und es somit auch keine Grenzen gibt.
Allgemein zeigt ein Widefieldbild eben ein weites Feld. Dies können Nebel in ihrer Umgebung sein, aber auch ganze Sternbilder oder großflächige Abschnitte der Milchstraße.

Das folgende Bild der sommerlichen Milchstraße ist ein Beispiel für so eine Darstellung.
Während Deep-Sky-Bilder mit langen Brennweiten (die nebenbei recht viel Equipment erfordern, wie große und gute astronomische Nachführungen) nur einen einzelnen Nebel zeigen, ist hier die gesamte Region des Schwans zu erkennen.
Das erlaubt den Wechsel zwischen leuchtend roten Regionen, sehr hellen sternenreichen Gebieten und fast schwarzen Materiestrukturen (sog. Dunkelnebeln) darzustellen.
Man erhält einen faszinierenden Einblick in das Zusammenspiel und die Vielfalt ‚da oben‘. Und zwar ganz ohne große technische Anstrengungen, hohe Ausgaben und weitere Herausforderungen.

Diese Art der Deep-Sky-Fotografie bietet sich für Anfänger perfekt an. Und 50 mm sind hierfür aus mehreren Gründen (gerade, aber nicht nur, für Einsteiger) wunderbar geeignet.

Widefield im Sternbild Schwan und Perseus – Canon 6Da mit Samyang 50 mm f1.4 – 37 x 60 Sekunden – nachgeführt mit Omegon Minitrack LX3.
Hier kann eine größere (allerdings immer noch web-komprimierte) Ansicht in einem neuen Tab geöffnet werden.

Wie Du der Bildunterschrift entnehmen kannst, stecken in dem Bild gerade einmal 37 Minuten Belichtungszeit; wahrlich nicht viel. Und dennoch ist schon eine große Detailfülle gegeben.
Die genutzte Technik ist dabei ausgesprochen überschaubar.

Ich kann hier unmöglich auf die einzelnen Schritte eingehen, mit denen so eine Aufnahme erstellt und bearbeitet wird.
Letztendlich ist es eine simple Serie von (in diesem Fall) 37 identischen Fotos, die im Nachhinein verrechnet werden.
Damit die Sterne nicht zu Strichen verzogen werden (was aufgrund der Erdrotation passieren würde), wurde ein einfacher Astrotracker, der Omegon Minitrack LX3 genutzt. (Der Link leitet zu meinem Testbericht mit vielen Beispielfotos).

Mehr zu solchen astronomischen Nachführungen, deren Funktionsweise und gleich mehrere Tests findest Du in diesem Artikel:

Astronomische Nachführungen - ÜbersichtEin Artikel, der Anfängern und interessierten Laien einen gut strukturierten Überblick zum Thema „Teleskop“ im Allgemeinen gibt und helfen soll, die Grundzüge zu verstehen und einige Begriffe zu erlernen. Dabei wird auch auf die Grundlagen der Beobachtungspraxis und der Teleskopbedienung eingegangn. Der Leser wird ganz am Anfang abgeholt und muss keinerlei Vorwissen mitbringen. Nach dem Lesen des Artikels sollte klar sein, wie ein Teleskop aufgebaut ist, welche Teile man benötigt und wie man das Gerät benutzt.


Hier ein weiteres Bild (fast) derselben Region. Zentral kann man das Sternbild Eidechse erkennen. Oben das Band der Milchstraße und wieder diverse rötliche Wasserstoffnebel.
Das Zusammenspiel dieser Nebel bleibt Teleskop-Fotografen verborgen. Mit z.B. 750 mm Brennweite kann man gerade mal einzelne dieser Nebelgebiete erwischen; der große unterhalb des Eidechsenschwanzes (Sh 2-216) ist dafür sogar schon viel zu groß.
50 mm sind so gesehen auch für Teleskop-Fotografen mit langen Brennweiten eine bereichernde Ergänzung.

Apropos Größe:
Viele der Nebelgebiete am Himmel sind weitaus größer als der Vollmond. Sie leuchten nur viel schwächer und sind daher (mit Ausnahmen wie dem Orionnebel oder der Andromedagalaxie, die sehr hell und gleichzeitig ca. 4x so groß wie der Mond ist) nicht ohne Hilfsmittel sichtbar.
Daher braucht man keine unfassbar riesige Brennweite, um sie zu fotografieren, sondern nur ein lichtstarkes Objektiv, ein bisschen Technik und Freude an der Astrofotografie.

Widefield rund um das Sternbild Eidechse – Canon 6Da mit Samyang 50 mm f1.4 – 46 x 60 Sekunden – nachgeführt mit Omegon Minitrack LX3.
Hier kann eine größere (allerdings immer noch web-komprimierte) Ansicht in einem neuen Tab geöffnet werden.


#2 Panoramen und Mosaike des Nachthimmels und der Milchstraße

Panorama Milchstraße 50 mm Mosaik Bayern

Panorama aus rund 50 nachgeführten Aufnahmen mit 50 mm

Für viele ’normale‘ Fotografen ist Deep-Sky nicht das Ziel ihrer nächtlichen Ausflüge. Sie sind auf der Suche nach einem tollen Motiv für ihr persönliches Landschaftsfoto mit Sternenhimmel und Milchstraße.
Üblicherweise werden für diesen Zweck sehr weitwinklige Objektive im Brennweitenbereich um 14 mm genutzt. Auch ich mache das (bzw. mittlerweile allerdings immer seltener), da es eine ganze Menge Vorteile bietet:
Man kann lange belichten, ohne dass sich die Sterne zu Strichen verzerren. Die Ursache liegt in der Erdrotation und je weiter eine Brennweite ist, desto länger kann man belichten, bevor die Erddrehung sichtbar wird.
Auch kann man mit nur ‚einem Schuss‘ einen sehr großen Abschnitt des Himmels einfangen. Zuhause muss dann nur dieses eine Foto bearbeitet werden.
Beide Punkte sind enorm praktisch. Man kommt schnell und einfach zu einem ansehnlichen Foto.

Mein 14 mm Objektiv habe ich inkl. vielen Beispielfotos hier vorgestellt:

Samyang 14 mm Weitwinkelobjektiv für MilchstraßeDas Samyang 14 mm Ultraweitwinkelobjektiv ist das beliebteste Objektiv für eindrucksvolle Milchstraßenfotos – Nicht ohne Grund!
Mein Artikel zeigt die Vorteile der wohl am weitesten verbreiteten „Astrolinse“ auf, ohne dass Dir die Grenzen dieses klaren Preis-Leistungs-Siegers verschwiegen werden.
Warum dieses Objektiv so beliebt ist, erfährst Du hier in klaren Worten, aber auch anhand vieler Beispielfotos.


Aber:
Die Annehmlichkeiten, die ein Weitwinkelobjektiv mitbringt, haben ihren Preis:

Weitwinkellinsen verzerren Sterne in den Randbereichen. Es ist schwieriger, sie perfekt zu fokussieren (wobei ein geringer Fehlfokus da nicht so auffällt), sie zeigen wesentlich weniger Details und den Himmel etwas ‚matschiger‘. Darüber hinaus sind die Sterne mit solchen Objektiven sehr groß und dominant.
Das kann man alles hinnehmen, so wie es sehr viele Landschaftsastrofotografen machen und auch ich es gelegentlich tue.

Hat man allerdings die Muse, etwas mehr Zeit und Arbeit zu investieren, so kann man mit längeren Brennweiten wesentlich eindrucksvollere, detailreichere, schärfere und somit schlichtweg bessere Landschafts-Astrofotos erstellen. Fotos, die bis in die Ecken knackscharf sind, die viel mehr zeigen und bei denen die Sterne weit weniger dominieren.
Dabei zeigen diese Panoramen nicht zwangsläufig mehr ‚Fläche‘, also einen größeren Ausschnitt als ein 14 mm Einzelbild. Sie zeigen dasselbe Motiv; nur eben in vielerlei Hinsicht besser.

Die folgenden zwei Bilder illustrieren das sehr gut. Der Bildausschnitt ist immer mehr oder weniger derselbe; Details, Sterngröße und (die hier leider komprimierte Auflösung) hingegen wesentlich angenehmer.



Das Vorgehen dabei ist schnell erklärt:
Man fotografiert nicht ein einziges Weitwinkelbild, sondern beispielsweise 4 Fotos nebeneinander und das in drei Reihen übereinander. Also 12 Bilder. Diese verbindet man dann zu einem Bild. Das lässt sich mit spezieller Software für Panoramen erledigen. Allerdings sind die üblichen Bildbearbeitsprogramme wie Lightroom oder Photoshop dazu seit einigen Jahren ebenfalls in der Lage. Die Panoramaerstellung erfolgt automatisch.

Natürlich benötigt man dann für den Vorgang der Fotografie länger als für ein Einzelbild. Aber das macht kaum etwas aus.
Belichtet man mit 14 mm beispielsweise 20 Sekunden, so sind es bei 50 mm beispielsweise 12 x 8 Sekunden, also auch nur etwas über eine Minute + die Zeit, die Kamera zu bewegen. Das ist nach nicht mal 5 Minuten erledigt. Ein deutlich kürzerer Zeitraum als jener, den man für die Motivsuche investiert.
Und da man lichtstärker fotografiert, hat man trotz der kürzeren Belichtungszeit die gleiche oder sogar mehr Lichtinformation auf dem Sensor, verglichen mit einem lichtschwächeren 14 mm Objektiv. Denn für Panoramen/Mosaike kann man fast ganz offenblendig fotografieren und muss nicht (weit) abblenden. Warum, folgt gleich.

Persönlich ist mir das deutlich hübschere Ergebnis den Mehraufwand meistens wert. Denn es stecken doch sehr viele Vorteile in diesem Vorgehen, die ich hier noch ansprechen möchte:

Neben der hohen Detailauflösung, die Nebelgebiete wesentlich klarer erscheinen lässt, bietet ein Panorama oder Mosaik noch einen weiteren Vorteil: Man kann auch etwas schlechtere Objektive nutzen bzw. allgemein die Blende weiter öffnen.
Wie unten (Teil 2 – Test) ersichtlich wird, haben alle Objektive bei Offenblende Probleme, Sterne in den Randbereichen rund und scharf abzubilden. Guten gelingt es besser bzw. bereits bei größeren Blendenöffnungen, aber perfekt wird die Sternabbildung immer erst, wenn mehr oder weniger weit abgeblendet wird.
Da jedoch bei einem Panorama bzw. Mosaik zwangsläufig eine Überlappung der einzelnen Teilfelder erfolgt, wird von jedem Bild-/Teilfeld nur der schärfste Bildbereich genutzt: Das Bildzentrum.
Unschöne Randbereiche eines Bildfeldes werden vom Zentrum des benachbarten ersetzt. Daher kann mit einer sehr großen Blende fotografiert und somit die Lichtstärke des Objektivs ausgenutzt werden.

Ein weiterer Vorteil sind die kleinen Sterne. Wie meine Vergleichsbilder zeigen, sind die Sterne wesentlich weniger dominant. Strukturen und Farben der Milchstraße oder Details in Nebelgebieten treten deutlicher hervor. Ich habe in keinem der Bilder die Sterne in der Bildbearbeitung verkleinert.

16 Bilder Mosaik, annähernd unbearbeitet.
Kein spektakuläres Foto und starke Lichtverschmutzung. Aber ein hervorragendes Beispiel für die perfekte Abbildung der Sterne: Sie sind bis in die Ecken hinein scharf und insgesamt sehr klein/fein.

Was ebenfalls sehr angenehm ist: Ein 50 mm Objektiv lässt sich viel leichter scharfstellen.
Aufgrund der Tatsache, dass man ’näher dran‘ ist, sind die Sterne im Live-View-Monitor viel klarer und deutlicher zu sehen. Es ist somit ein Kinderspiel, den Punkt der perfekten Schärfe zu treffen. Dies ist viel einfacher als bei einem sehr weitwinkligen Objektiv (allerdings fällt da ein geringer Fehlfokus kaum auf. Landschftsastrofotos mit beispielsweise 10 oder 14 mm wirken auch etwas unscharf sehr gut. Die Unschärfe ist längst nicht so deutlich zu erkennen wie bei Aufnahmen mit längeren Brennweiten).
Besonders einfach funktioniert das Fokussieren natürlich, wenn man ein Objektiv mit einem feinfühligen Fokusring hat. Das gilt selbstverständlich für jede Brennweite: Wacklige, ungenaue, zu leichtgängige Fokusringe erschweren das Scharfstellen immer und sie sind leider gar nicht so selten. Im Vergleichstest unten mehr dazu.

Milchstraßenbogen im März – Panorama aus rund 100 nachgeführten 50 mm Fotos.

Alles, was ich bis hierhin gesagt habe, gilt nicht nur für kleine Teilpanoramen, die den Bildausschnitt eines weitwinkligen 14 mm Bildes ’nachahmen‘.
Es gilt genauso für die typischen breiten Panoramen, die (meist im Frühjahr) den kompletten Milchstraßenbogen zeigen, wie er sich über den gesamten Himmel spannt. Ein Beispiel ist oberhalb und auch am Anfang dieses Abschnitts zu sehen.
(Oftmals werden solche Bilder auch als ‚Gigapixel-Panoramen‘ bezeichnet.)

Natürlich bieten sich all die Vorteile auch, wenn man Fotos ganz ohne Landschaft fotografiert:

Mosaike von Himmelsregionen oder ganzen Sternbildern
Bei diesen Bildern handelt es sich letztendlich aus technischer Sicht um nichts anderes als um Panoramen. Der Unterschied liegt nur im „Fehlen“ der Landschaft.

Das folgende Bild zeigt als einfaches Beispiel die Überlappung der beiden oben eingebundenen Widefield-Deep-Sky-Aufnahmen (+ einem 3. Bild, das hier im Artikel keinen Platz mehr gefunden hat).

Nimmt man mehrere solcher Mosaik-Teile oder -Felder auf, so lassen sich ausgesprochen spannende Ansichten großer Himmelsregionen kreieren.
In dem oberhalb gezeigten Beispiel hat sich die Überlappung allerdings zufällig und nicht geplant ergeben.
Mir fiel beim Schreiben schlicht auf, dass die Bilder teils dieselben Bereiche abdecken und ich finde, dass dies ein sehr anschauliches Beispiel ist: Aufgrund der zufälligen und daher verschiedenartigen Bildfeldausrichtung (bzw. -drehung) erkennt man gut, wie Mosaike aus mehreren Bildern entstehen können.

Ein zweites Beispiel (die Umgebung der herbstlichen Milchstraße mit der Andromedagalaxie im Zentrum) hänge ich hier an. Diese Aufnahme ist allerdings nicht fertig und final bearbeitet – sie ist ein Zwischenergebnis „work in progress“.

Die verkleinerte und stark komprimierte Abbildung dieses „Gigapixel-Panoramas“ für die schnelle Darstellung hier auf der Website kann die vorhandene Detailfülle selbstverständlich nicht vermitteln.
Wenn es fertig ist, wird es ‚zoombar‘ und hochauflösend präsentiert.

Wer möchte, vergleicht daher obiges Mosaik nun zum Abschluss noch mit diesem Deep-Sky-Bild des sog. „Himmels-W“ (Sternbild Cassiopeia) und bekommt damit einen Eindruck, wieviele Details sich in einem Mosaik finden lassen.

Canon 6Da – Samyang 50 mm f1.4 – 59 x 90 Sekunden

Vor- und Nachteile des 50 mm Objektivs

Die Vorteile ergeben sich einerseits aus der vergleichsweise einfachen Handhabung, also der Einsteigerfreundlichkeit. Andererseits aus den oberhalb beschriebenen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Kein anderes Objektiv lässt sich derart nutzen:

Kürzere Brennweiten wie 35 mm (von noch kürzeren ganz zu schweigen) sind für Deep-Sky-Widefiled-Aufnahmen einfach zu kurz. Ich liebe mein 35 mm Objektiv für Panoramen von Landschaften mit Sternenhimmel, aber für reine Himmelsaufnahmen ist es mir zu wenig detailreich. Ich habe es mehrfach versucht. Für mich lohnt es sich nicht wirklich.

Längere Brennweiten hingegen, wie 85 mm , (eine Brennweite, die ich auch oft nutze) eignen sich für Widefileds des Himmels noch etwas besser als 50 mm. Man ist schließlich ’näher dran‘ und hat daher auch mehr Details. 135 mm oder gar 200 bieten da noch viel mehr…
Aber großflächige Panoramen einer Landschaftsszenerie sind mit 85 mm schon eine sehr herausfordernde Aufgabe – für mein Gefühl fast unmöglich. Man benötigt so viele Einzelfelder, um den gewünschten Bereich abzudecken, dass man die halbe Nacht damit beschäftigt wäre – ein Zeitraum, in dem der Himmel weit wandert, was das Zusammenfügen noch weiter erschwert.
(Lange Brennweiten (wie die angesprochen 135 oder 200 mm) fallen da natürlich komplett raus. Für Mosaike sind sie mit einem enormen Aufwand zu gebrauchen.)

So gesehen bietet tatsächlich nur das 50er die Vielfalt in beide Richtungen:
35 mm sind ‚zu kurz‘ für Deep-Sky, 85 mm ‚zu lang‘ für Landschaftspanoramen.
50 mm sind da der perfekte Kompromiss – und zwar in der positiven Bedeutung dieses Wortes: Eine hervorragende Lösung, die beiden Bereichen gerecht werden kann.

Nachteile gibt es hingegen keine. Eher Gegebenheiten, mit denen man umgehen muss:
Man benötigt für ein Panorama mehr Bilder als mit 20 oder 35 mm (bekommt dann aber mehr Details).
Man kommt nicht so nah heran wie mit 85, 135 oder 200 mm (kann dafür aber viel einfacher die Stelle am Himmel finden und muss nicht so genau einnorden).

All das erklärt, warum mir ‚das 50er‘ als ideale Linse für Einsteiger erscheint, die mehr wollen als normale Landschafts-Astrobilder.
Aber auch für mich; ich nutze es einfach gerne.

In Anbetracht all dieser Faktoren, also dem recht weiten Einsatzgebiet, erschien mir ein Test mehrerer 50 mm Objekte doch recht reizvoll.
Denn: Nicht alle 50 mm Objektive eignen sich gleichermaßen.


Und damit kommen wir zum zweiten Teil: Dem eingangs versprochenen „Shoot-Out‘.

Part 2 – Shoot-out – 3x 50 mm

3x 50 mm. Nein, das sind nicht 150 mm. Das ist ein (hoffentlich auch für Dich) interessanter Test direkt ‚am Stern‘.

Zwei Gründe führten zu diesem Shoot-out:
– Die Neuanschaffung des Samyang 50 mm f1.4
– Die Erinnerung an einen ähnlichen Test:

Die grundlegende Idee für diesen Test basiert auf Vergleichsfotos von zwei 50 mm Objektiven, den ich vor einigen Jahren mal gesehen hatte:
Beide, das eine mehr, das andere weniger, hatten echte Probleme gehabt, Sterne in den Randbereichen des Bildfeldes richtig, also als runde Punkte, abzubilden.

Mein schon recht lange genutztes Canon 50 mm f1.4 Objektiv erschien mir zwar als ganz ok, aber auch weit von der Perfektion entfernt. Schade, denn ich mag diese Brennweite gerne. Aber bisher hatte ich mich mit den Gegebenheiten abgefunden:
Ich musste es weit abblenden (auf f4 bis f5.6, wobei ich mich als Kompromiss auf f4 eingepegelt hatte), um die Sterne akzeptabel abzubilden. Akzeptabel, aber nicht so richtig perfekt. Und auch das Scharfstellen war, aufgrund des etwas wackligen und hakenden Fokusrings, nicht ganz so einfach, wenngleich mit Übung schon machbar.
Es ist allerdings mehr als nur ein bisschen enttäuschend, wenn man ein eigentlich sehr lichtstarkes f1.4 Objektiv auf f4 bzw. ehrlich betrachtet sogar noch weiter abblenden muss. Etwas Abblenden ist immer sinnvoll bzw. notwendig. Aber so weit?

Nach vielen Jahren mit „meinem“ Canon 50 mm f1.4 entschied ich mich also irgendwann, dem Samyang 50 mm f1.4 eine Chance zu geben. Mein Vorurteil „50 mm machen Probleme“ bestand (obwohl ich mir im Hinterkopf dachte: „Das ist ein Vorurteil und sicherlich Quatsch“) und daher erwartete ich nicht zu viel.
Insgeheim hoffte ich aber doch, dass mich das Objektiv überraschen würde. Bisher war ich von Samyang-Objektiven noch niemals enttäuscht worden und hatte die Erfahrung gemacht, dass sie im Regelfall mindestens genauso gut waren, teils jedoch besser, als vergleichbare ‚Markenobjektive‘. Eine persönliche Erfahrung, die aber in weiten Zügen auch von Testlaboren und anderen Astrofotografen geteilt wird.

So hätte es eigentlich ein einfaches ‚Shoot out‘ zwischen zwei vergleichbaren Objektiven (sowohl hinsichtlich der Objektivleistung auf dem Papier als auch hinsichtlich des Preises) werden können: Das vorhandene 50 mm von Canon vs. der Neuanschaffung von Samyang.

Aber wenn schon testen, dann doch gleich richtig – und zwar nicht im Vergleich zu den teuersten (und vermeintlich besten 50 mm Objektiven in Preisregionen über 1500.- Euro), sondern mit gängigen Anfänger-Objektiven. Denn (fortgeschrittene) Einsteiger und totale Anfänger sind doch diejenigen, für die ich vieles hier auf der Website schreibe.
Profis, die 1700.- für ein Objektiv locker machen können und wollen, brauchen diesen Test nicht unbedingt.
(Außerdem kann ich mir solche Objektive nicht leisten).

Ich hörte mich im ‚Astro-Freundeskreis‘ um und bekam ein weiteres 50 mm Objektiv geliehen.
(Vor kurzem kamen dann noch zwei weitere hinzu, aber das Wetter erlaubt es nicht, sie zu testen. Das muss ich nachreichen.)


Doch bevor Du weiter liest, ein Hinweis:

Ich bitte zu beachten:
Alles, was ich hier mache und zeige, ist mein persönlicher Eindruck, zu dem ich meine Meinung äußere.
Ich habe faire Testbedingungen geschaffen, die mir als ambitioniertem Amateur einen vergleichenden Eindruck ermöglichen.
Diesen Eindruck, diese Meinung teile ich mit Euch.
Ich sehe meinen Test, der Markennamen nennt und auch ein Fazit zieht, daher klar von dem Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.
(Leider kommt es vor, dass ’schlechte Verlierer‘ versuchen, solche Tests mit einstweiligen Verfügungen, Unterlassungserklärungen und der Androhung hoher finanzieller Belastung zu unterbinden. Daher dieser Hinweis.)

Die Testteilnehmer – Übersicht über die 3 Objektive

ObjektivMax. OffenblendeHerstellerNeupreis (Hersteller)
Canon 50 mm f1.8 IIf1.8Canon120 (139.-)
Canon 50 mm f1.4f1.4Canon362.- (449.-)
Samyang 50 mm f1.4f1.4Samyang327.- (419.-)

Preise geben den Listenpreis des Herstellers und den aktuellen Neupreis an.

Die Testbedingungen – Ein fairer Vergleich

Die Objektive wurden unter identischen Bedingungen getestet:
–> Kamera
–> Zeitpunkt
–> Himmel
–> Region am Himmel/Bildfeld
–> Belichtungszeit
–> ISO

Um (möglichst) denselben Bildausschnitt zu behalten, wurde eine Nachführung genutzt. So sind dieselben Sterne immer an derselben Stelle im Bild und Unschärfe-Effekte aufgrund der Erdrotation sind ausgeschlossen.
Es wurde ein relativ hoher ISO-Wert von 6400 gewählt, um über alle Blenden hinweg alle Sterne sichtbar zu halten.
Es wurden einfach die Objektive, eines nach dem anderen, auf die jeweilige Kamera gesetzt und dann sämtliche verfügbaren Blenden von offenblendig bis f8 durchfotografiert.

Somit haben alle Objektive dasselbe ‚gesehen‘, die gleiche Menge Licht abbekommen und denselben Sensor belichtet. Fairer kann ich den Test nicht gestalten.

Testbilder

Ich zeige Dir zunächst einfach nur die Bilder. Teils als Gegenüberstellung, teils als Einzelbild. Mal als Gesamtansicht und mal einen Ausschnitt einer Ecke.
So kannst Du Dir zunächst selbst ein Bild machen, bevor ich meinen eigenen Eindruck beschreibe.
Ich bitte Dich sogar: Vertraue nicht nur meinen Einschätzungen, lass‘ Dich davon nicht beeinflussen.
Mach Dir erst selber ein Bild und lese dann, wie mein Eindruck ist!

Die nun folgenden Bilder können auch in einem neuen Tab (100% Ansicht) bzw einer Slideshow geöffnet werden.
Vorsicht: Die beiden Übersichtsbilder sind sehr groß! (6000 x 4000 px – 7 MB)
Alle Bilder sind RAWs, so wie sie aus der Kamera kommen. Keinerlei Entwicklungseinstellungen, Objektivkorrekturen oder sonstiges.
Einzige Ausnahmen: f5.6 und f8 wurden in Lightroom mit dem Helligkeits-Regler um +1 bzw. +2 angepasst, da sie andernfalls viel zu dunkel gewesen wären.


1. Gegenüberstellung aller Bilder ohne Beschnitt
2. Gegenüberstellung der rechten oberen Ecke

Hier kann die Vollansicht in einem neuen Tab geöffnet werden
(Wenn das Bild fertig geladen ist, mit Mausklick auf 100%-Ansicht gehen)

Vergleich Test Samyang Canon

Hier kann die große Vollansicht in einem neuen Tab geöffnet werden
(Wenn das Bild fertig geladen ist, mit Mausklick auf 100%-Ansicht gehen)

Mein Fazit

Ich werde hier keine endlosen Texte schreiben und dabei jede einzelne Blendenstufe bei jedem der Objektive kommentieren.
Mach‘ Dir bitte selber ein Bild – dafür sind die Testbilder da und auch in der großen 100% Ansicht verfügbar.
Aber ein paar meiner Eindrücke gebe ich wieder.

1. Offenblende
Keines der Objektive ist offenblendig perfekt.
Das ist schade, war aber kaum anders zu erwarten.

Das Canon 50 mm f1.4 zeigt jedoch deutlich das schlechteste Ergebnis. Man weiß kaum, wo man anfangen soll, wenn man die Fehler aufzählen möchte: Die Vignettierung in den Ecken, also die Randabschattung, ist stärker ausgeprägt als beispielweise beim Samyang. Aber dieser Bildfehler ist in Anbetracht der anderen nebensächlich.
Die deutlich sichtbare chromatische Aberration wäre der nächste Punkt. Am deutlichsten fällt jedoch das harte Koma (die brutal verzerrten Sterne in den Ecken) und – in dieser Deutlichkeit nur bei diesem Objektiv und dieser Blendenöffnung – die ringförmige sphärische Aberration auf. Die Sterne sind also nicht nur mit einem Farbfehler versehen und in den Ecken stark verzerrt. Sie bilden auch auf eine ganz seltsame Art einen Kreis.

Schaut man sich die anderen beiden Objektive an, so muss man sagen: Besser, aber offenblendig auch nicht optimal nutzbar.

2. Beim Abblenden
Alle Objektive werden in ihrer Abbildungsleistung besser, wenn man sie abblendet. Auch das war zu erwarten.
Aber auch hier zeigen sich Unterschiede:

Das Canon f1.4 muss mindestens auf f4 abgeblendet werden, damit es nutzbar ist. Richtig gut ist es dann noch nicht. Eine ähnliche Abbildung erreicht das Samyang bereits bei f 2.8.
Und das ist weitaus mehr als ein ‚kleiner Unterschied‘. Die Bildhelligkeit, oder besser ausgedrückt das Signal, das ‚gesammelt‘ wird, ist merklich heller/stärker.

Hier nochmal der direkte Vergleich:
Canon f1.4 @ 2.8 – Samyang 1.4 @ 2.8 – Canon f1.4 @ f4
Das Samyang zeigt bei f.2.8 deutlich weniger Coma als das Canon. Bei f4 erreicht das Canon etwa das Level des Samyangs.

Anklicken für eine große Ansicht. Kann mit den Pfeiltasten der Tastatur durchgeklickt werden.

Abblenden und der Verlust an Lichtstärke

Recht interessant, wenngleich nicht Teil dieser Testreihe, ist der Vergleich der Lichtstärke bzw. besser des auf dem Sensor ankommenden Signals beim Schließen der Blende.

Wie Du gesehen hast, ist es bei allen Objektiven (und das gilt generell für praktisch jedes Objektiv jeder Brennweite!) sinnvoll bis notwendig, etwas oder sogar ’sehr weit‘ abzublenden.
Wie weit man abblendet, welche Bildfehler dabei einerseits vermieden werden, aber auch welchen Verlust an Lichtstärke andererseits man dafür in Kauf nimmt, muss man jeweils selber und individuell entscheiden:
Ist die Lichtstärke wichtiger, so kann f2.8 evtl. ausreichend sein. Ist die Schärfe der Sterne in den Ecken wichtiger, so blendet man ggf. weiter ab, was man dann allerdings mit „Lichtschwäche“ erkauft.

Ich habe daher zum Spaß mal die Bilder der Testreihe genommen und spaltenweise übereinander gelegt.
(Vorsicht: f3.5 ist keine echte volle Blendenstufe!)


Die Bilder entstammen der Testreihe. Alle mit identischen Parametern fotografiert, keinerlei Nachbearbeitung. Einzig die Blende wurde Schritt für Schritt geschlossen.

Jede volle Blendenstufe halbiert das eintreffende Licht und somit das Signal (und erhöht damit anteilig das kamerainterne Rauschsignal im Bild).
Bei f8 tifft nur noch 1/32 Signal ein (wobei das interne Rauschsignal der Kamera selbstverständlich gleich ‚groß‘ bleibt und somit einen größeren Anteil ausmacht).

Man müsste daher, um bei f8 ein identisch helles (und signalreiches) Bild zu erzeugen, wie es bei f1.4 möglich ist, 32x so lang belichten.

Ich habe bei den Bildern der Testreihe 20 Sekunden belichtet und bin bei f1.4 und ISO6400 im Idealbereich der Signalsättigung.
Bei f8 müsste ich, um ebenfalls in diesen Idealbereich zu kommen, 540 Sekunden, also über 10 Minuten belichten.
(Wobei sich da wahrscheinlich ein recht starkes thermisches Rauschen einstellen würde. Aber das mal außen vorgelassen, ergäbe sich ein annähernd gleich helles Bild mit dem gleichen Nutzsignal- zu Rauschsignal-Verhältnis.)

Achtung: Was jetzt folgt, ist etwas ’nerdig‘ und detailverliebt. Dieser Absatz kann daher auch problemlos übersprungen werden.
Für fortgeschrittene Astrofotografen aber evtl. ganz interessant:

Wie bekannt sein dürfte, geht es bei der Deep-Sky-Fotografie immer darum, das gewünschte Nutzsignal möglichst weit über die verschiedenen Rauschsignale zu heben. Denn nur so ist es möglich, Details im Himmel rauscharm aus Bildern herauszuarbeiten.
Dabei gilt, dass man das Signal vervierfachen muss, um das Verhältnis zwischen Nutzsignal und Rauschquellen (das SNR = signal to noise ratio) zu verdoppeln.

So verdoppelt man das SNR z.B., indem man statt nur einem eben vier 20-Sekunden Bilder macht und verdoppelt es erneut, indem statt vier dann sechzehn Stück aufnimmt.
Das Gleiche gilt natürlich auch bei f8.
Nur wären es da nicht 4 bzw. 16 Bilder mit je 20 Sekunden, sondern diese Anzahl an 540-Sekunden-Bildern.

Und das hieße dann:
16 x 20 Sekunden bei f1.4 = 320 Sekunden (5,3 Minuten)
16 x 540 Sekunden bei f8 = 8640 Sekunden (144 Minuten)

Man kann also klar sagen (die negativen Effekte des thermischen Rauschens mal außen vor gelassen), dass man mit f1.4 nach nur rund 5 Minuten ein so gutes Signal im Bild hat, wie man es bei f8 erst nach runden 2,5 Stunden erhalten würde!

Das bedeutet (auf Bildhelligkeit bezogen), dass man mit f8 32x so lang belichten muss, um ein identisch helles Bild zu erhalten.

Da nun für ein Deep-Sky-Bild eine Serie von Bildern beispielsweise über einen Zeitraum von einer Stunde aufgenommen wird, um ein angemessenes SNR zu erhalten, bedeutet das (im unrealistischen Extremfallbeispiel), dass man mit f8 ganze 64 Stunden belichten müsste, um ein identisches SNR zu erhalten, wie man es bei f1.4 nach nur 1 Stunde hätte.

Selbstverständlich wird das niemand machen. Weder wird f1.4 genutzt noch f8!
Aber, um realistisch zu bleiben, stellt sich eben doch die Frage, ob man mit f2.8 oder mit f5.6 fotografieren muss, damit die Sterne akzeptabel sind.
Man vervierfacht von f5.6 zu f2.8 das Signal und verdoppelt damit das SNR.
Man hat also in der gleichen Zeit das doppelte SNR! Oder in einem Viertel der Zeit das gleiche SNR!
Und jetzt kann man wieder erkennen, was Lichtstärke bedeutet. Oder was es bedeutet, wenn man bei f2.8 von 1 auf 4 Stunden geht bzw. bei f5.6 von 4 auf 16 Stunden.
Egal, von welcher Seite man es betrachtet: Signal oder Zeit. Der Unterschied ist gewaltig.

All das gilt sinngemäß auch für Einzelbilder.
Ein f2.8 Weitwinkelbild hat in der gleichen Zeit das vierfache Signal (bzw. die vierfache Helligkeit) im Vergleich zu einem f5.6 Bild. Und damit das doppelte SNR.
Dieses Bild kann man viel stärker bearbeiten und so die Milchstraße viel schöner herausarbeiten, ohne, dass alles im Rauschsignal untergeht.


ENDE detailverliebter Nerd-Absatz

Anhang – Sigma 50 mm ART


Angeregt durch die ersten Testbilder, die ich auf Facebook veröffentlichte, übersandte mir ein ‚Astrofreund‘ Rohbilder, die er mit dem Sigma 50 mm ART gemacht hatte.

Der Bekannte hat zwar meine Bedingungen so gut wie möglich nachgestellt, dennoch waren es nicht die identischen Bedingungen: Er fotografierte an einem anderen Standort und in eine andere Himmelsregion. Zwei Punkte, die eigentlich irrelevant sein müssten. Er nutzte außerdem eine andere Kamera. Diese weist zwar einen identisch großen Sensor auf, was somit auch eine identische Abbildungsleistung erbringen müsste, aber es ist eben doch eine andere Kamera. Zuletzt nutzte er für einige Bilder auch einen anderen ISO-Wert als ich, da sein Himmel heller war als meiner.
All diese Unterschiede sollten für die Darstellung von Sternen keinen Unterschied machen. Realistisch betrachtet könnte man seine Bilder problemlos mit in meine Testreihe einfügen.
Ich mache es jedoch nicht, da mir ein möglichst fairer Test unter tatsächlich identischen Bedingungen wichtig ist.

Mein persönlicher Eindruck ist der, dass das Sigma ART deutlich besser ist als das Canon und in der Tendenz ähnlich dem Samyang. Auch das Sigma zeigt offenblendig starkes Coma, ist ab f2.8 nutzbar und ab f4 ziemlich gut.
Allerdings muss man dafür auch knappe 700.- hinlegen. Man bekommt also für den doppelten Preis keinen echten Zugewinn.

Testsieger und Fazit

Ich denke, die vielen Bilder, die sich in diesem Bericht finden, sprechen schon für sich allein eine deutliche Sprache: 50 mm sind ungemein vielfältig.

Für mich persönlich ist das Canon f1.4 der klare Verlierer und das Samyang f1.4 der klare Testsieger. Das dritte reiht sich, was die Abbildungsqualität anbelangt, dazwischen ein, was durchaus verwundert.

Ein Punkt, in dem das Samyang allen anderen haushoch überlegen ist, ist die Verarbeitungsqualität und hier vor allem der Fokusring! Keines der getesteten Objektive kommt da auch nur im Ansatz ran. Nur mit dem Samyang ist es möglich, jederzeit und ohne viel ‚Rumgespiele‘ präzise und schnell zu fokussieren. Möglich ist es mit allen Objektiven, aber die wackeligen Fokusringe der anderen sind tatsächlich ‚ein Graus‘.
Neben dem Fokus hat man darüber hinaus beim 1.8’er das Gefühl, eine billige Plastikscherbe anzufassen.

Klar – es geht natürlich vornehmlich um die Abbildungsqualität. Aber ein gut einzustellender Fokus ist sicherlich die Voraussetzung dafür. Da enttäuschen die Canons auf ganzer Linie.

Nachdem ich für mich nun das Samyang 50 mm f1.4 ‚auserwählt‘ habe, zeige ich Dir noch ein paar Bilder, die mit diesem Objektiv nach zwei langen Astronächten entstanden sind.
Denn auch wenn es hier um Astrofotografie geht, möchte man ein Objektiv evtl. auch mal tagsüber nutzen.
Wie ganz oben bereits angeklungen ist, eignet sich diese Brennweite für Einsteiger hervorragend, um das Fotografieren zu erlernen. Abgesehen davon ist es einfach eine klassische Linse.

Das sind wahrlich keine Meisterwerke, sondern übermüdete Schnappschüsse.
(Ich hätte vielleicht früher auf die Idee kommen sollen, in den Artikel auch Tageslichtbilder einzubauen. Dann müssten jetzt nicht so schnelle Knipsbildchen herhalten 😉 )
Aber sie zeigen doch, das man mit so einem 50er z.B. auch schnelle Panoramen aus der Hand knipsen oder Objekte dank der hohen Blendenöffnung vom Hintergrund freistellen kann. Sogar Landschaftsfotos sind mit 50 mm möglich. (Ein Stativ wurde übrigens auch für die Panoramen nicht genutzt).

Alternativen

Gibt es Alternativen zum ’50-mm-Testsieger‘?
Ich würde sagen Nein.
Klar, wenn es sehr günstig sein soll, dann kann man auch weniger ausgeben, bekommt dann aber ein Objektiv, das relativ weit abgeblendet werden muss, sich nach Plastik anfühlt und schwerer zu fokussieren ist.
Und dann gibt es noch die extrem teuren Linsen. Aber ob die merklich besser sind, bezweifle ich (aus guten Gründen!) stark.
Einzig das Sigma ART 50 mm könnte eine Alternative sein, eine gleichwertige, nicht bessere. Für Astro lohnt sich der Aufpreis in meinen Augen nicht. Und: Die Fokus-Feineinstellung ist beim Samyang einfach unschlagbar gut.

Gibt es Alternativen zu 50 mm?
Sicherlich! Es kommt halt auf den Einsatzzweck an.

Stehen Panoramen eher im Blickfeld, dann eignen sich mit Sicherheit das Samyang 35 mm f1.4 (eine der besten Weitwinkellinsen auf dem Markt, über alle Herstellergrenzen und Preise hinweg) oder wenn es noch weiter sein darf, (aber ohne die typischen Weitwinkeleffekte, wie Verzerrungen) das Samyang 20 mm f1.8 und ähnliche.
(Hier finden sich übrigens viele Bilder mit dem 20er.)

Gilt das Interesse eher der Widefield-Astrofotografie, dann bietet sich das ebenfalls sehr gute Samyang 85 mm f1.4 an. Gerade für Himmelsmosaike ist es wunderbar.
Mit dem Samyang 135 f2.0 kommt man dann noch tiefer ins All. Dieses Objektiv ist weit verbreitet und genießt zurecht einen ausgezeichneten Ruf in der Astroszene. (Hier einige meiner Bilder mit dem guten Stück.)
Mosaike werden damit aber schon recht aufwändig.
Zuletzt wäre noch das Canon 200 mm f2.8 zu nennen (Bilder, aber schon ältere gibts hier). Auch ein tolles Objektiv, wenn man es etwas abblendet; preislich aber Canon-typisch etwas ‚anspruchsvoller‘.

Freundliches Schlusswort/Fazit

Was bleibt als Fazit und welche Schlussfolgerung ziehe ich daraus?
Nun – einerseits natürlich das, was der Test zeigt: Wenn man sich für ein 50 mm Objektiv entscheidet, das preislich im Rahmen liegt, dann ist das Samyang 50 mm f1.4 offenbar mit die beste Wahl, und wenn es um die Astrofotografie mit dieser Brennweite geht; nicht nur aufgrund der Abbildungsleistung.
Andererseits stellt sich natürlich die Frage, ob man überhaupt ein 50 mm braucht. Und diese Frage ist sicherlich nicht mit einem einfachen Ja zu beantworten. Eher mit einem „Ja, aber…“ oder „Ja, wenn…“.

Dieser Bericht gibt Dir, so hoffe ich, ausreichend Entscheidungskriterien an die Hand, ob 50 mm für Dich und Deine Art der Fotografie die richtige Brennweite sind.
Ich denke, die vielen Bilder, die sich in dem Artikel finden, sprechen schon für sich allein eine deutliche Sprache: 50 mm sind ungemein vielfältig. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass man auch tagsüber einiges mit 50 mm anstellen kann.
Anfängern in der Fotografie wird oftmals aus gutem Grund geraten, sich ein 50er zuzulegen: Mit diesem Objektiv lernt man Sehen und Fotografieren, wie ich oben bereits angesprochen habe.

Persönlich habe ich über die Jahre eine ganze Reihe an Objektiven und somit Brennweiten angesammelt. Verzichten möchte ich auf keine. Ich schätze es sehr, die Entscheidungsfreiheit zu haben, welches Objektiv ich, abhängig von Lust und Laune, vom Motiv und dem Ziel der jeweiligen Fotosession, einsetze.
Mosaike des Sternenhimmels mache ich beispielsweise nur mit 50 und 85 mm. Panoramen fast ausschließlich mit 35 und 50 mm (ab und an mit 20). Meine Weitwinkellinsen nutze ich fast nur noch tagsüber bzw. für Zeitraffer.
Für mich ist es keine Frage: Ich brauche ein 50er!
Und: Meine Tests haben mir klar gezeigt, dass es die richtige Entscheidung war, nach vielen Jahren mit dem Canon, trotz meiner Befürchtung, dass 50 mm immer fehlerbehaftet sind, doch noch dem Samyang eine Chance gegeben zu haben. Es ist nicht perfekt, aber schlichtweg besser. Es ist in diesem Preissegment meiner Meinung nach die beste Wahl und ich werde es daher weiterhin einsetzen. (Wenn Du mich bei Facebook oder Instagram besuchen kommst, so wirst Du dort immer wieder Bilder finden, die ich mit „meinem 50er“ mache.)

So. Mit der schwierigen Entscheidung für Dein persönliches Objektiv entlasse ich Dich nun hinaus in die (hoffentlich) sternenklare Nacht.

Lass‘ Dir aber zuvor noch eines mit auf den Weg geben:
Die Wahl eines richtigen Objektivs ist zwar wichtig und es ist absolut sinnvoll, ein gutes und lichtstarkes (f2.8 oder besser) zu nutzen.
Aber:
Die Freude an der Astrofotografie kommt von Dir! Und wenn Du Freude daran hast und Du noch ganz am Anfang stehst, so lass sie Dir niemals nehmen. Du kannst mit praktisch jeder Kamera und jedem Objektiv zu tollen Ergebnissen kommen, zu Deinem persönlichen Astrofoto.
Und die Erfahrungen, die Du dabei machst, die Zeit, die Du draußen unter dem Himmelszelt verbringst, kann Dir niemand nehmen und kein noch so tolles Objektiv ersetzen.
Also:
Genieße den Sternenhimmel, wann immer Du kannst.

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