Wie schnell so ein Jahr doch vergeht…
…doch gleichzeitig erscheint es im Rückblick vielfältig und ereignisreich.

Wie schnell so ein Jahr vergeht…
…doch gleichzeitig erscheint es im Rückblick vielfältig und ereignisreich.


(M)ein astrofotografischer Jahresrückblick in (vielleicht) 4 Teilen.

EDIT:
Dieser Jahresrückblick 2018 ist natürlich nicht mehr in allen Teilen und zu 100% aktuell.
Aber gleichzeitig ist er dennoch eine spannende Reise, auf der Du mich hinaus in die Nacht begleiten kannst.
Schau mir über die Schulter, freue Dich mit mir und teile meine Frustration. Erfahre wie es so ist, als mobiler Astrofotograf dem Sternenhimmel hinterher zu jagen und immer wieder auf die eine Nacht und das eine Foto hinzufiebern.

Übrigens: Es sind 6 Teile geworden.

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TEIL4

Der letzte Teil meines Jahresberichts spielt nun im Herbst. Eine Zeit, die für Astrofotografen besonders spannend ist:
Anfangs zeigt der Sternenhimmel noch die Schätze der Sommermilchstraße; es ist noch relativ warm, aber bereits wieder länger dunkel.
Zum Ende des Herbstes stehen dann die Wintersternbilder schon hoch am Himmel. Trübes Wetter und Nebelfelder verhindern zwar oftmals den Blick in die Weiten des Alls, aber wenn es klar wird, ist die Freude, die “guten alten Bekannten” Orion, Stier und Co. wieder zu sehen umso größer.

September

Ein durchwachsener Astrourlaub – Vorarlberg

Wie auch in den letzten Jahren sollte zu Neumond Ende August/Anfang September ein längerer ‘Astrourlaub’ stattfinden. In diesem Jahr außergewöhnlich spät, da Neumond auf den 09. September fiel.
Wie so oft (viel zu oft) in diesem Jahr war es ein einziges Hin und Her: Wo sollte ich nur hinfahren?

Ich hatte theoretisch 10 Nächte frei (wobei je nach Fahrtstrecke evtl. die erste und die letzte Nacht nur eingeschränkt nutzbar sein würden).
Aber hey: Auch 8 klare Nächte irgendwo an einem hoch gelegenen, dunklen Ort können im September eine ganze Menge Lichtinfos auf die Sensoren bringen – zumindest theoretisch.

Diese Woche zum Ende des Sommers ist für mich jedes Jahr das “Astro-Highlight”.

Meine Freundin akzeptiert (und unterstützt) mein Hobby zum Glück und so ist diese “Foto-Woche” mein “Jahresurlaub”, bevor ich traditionell im Anschluss einen (nicht ganz so) klassischen Erholungs- und/oder Erlebnis-Urlaub mit ihr verbringe.
Das ist für beide Seiten von Vorteil:
Ich bin “satt fotografiert” und sie macht ausschließlich mit mir Urlaub, nicht mit einem Typen, der die ganze Zeit eine Linse vor dem Gesicht hat und den sie somit auch nicht mit der Kamera teilen muss.

So gesehen ist die Wahl des Fotoortes noch wesentlich wichtiger als bei den sonst üblichen Kurzausflügen.
In den letzten Jahren war ich (anfangs freiwillig, später aufgrund des Wetters gezwungenermaßen) in Zentral- und Süditalien unterwegs gewesen. In diesem Jahr sollten es endlich die Alpen werden.
Aber nur bei gutem Wetter, bei einer wolkenreichen Wettervorhersage würde ich wohl oder übel wieder 1000 km oder mehr fahren, um “meinen Sternenhimmel” zu bekommen.

Bis zuletzt war ich unschlüssig, doch schien immer mehr auf Italien hinzudeuten. Neben den beiden Nachteilen (lange Anfahrt und ein nicht ganz so dunkler Himmel) bietet sich dort allerdings auch ein nicht zu unterschätzender Vorteil: Es bleibt auch nachts warm. Ich habe zwar zum Glück eine Heizung im Bus, aber verbringe dennoch die meiste Zeit draußen. Und da macht es schon einen Unterschied, ob es 19° oder 7° hat. Vor allem, wenn es mehrere Nächte hintereinander sind.

Noch am Tag vor meiner Abreise hatte ich Italien fest im Blick, die Aussichten für den Alpenraum waren zu ungewiss.

Die für Italien allerdings auch nicht perfekt.
Im letzten Moment entschied ich mich dann um: Die Vorhersage hatte sich nur ein bisschen gewandelt, aber das genügte mir: Italien schien schlechter zu werden und die Westalpen zumindest für 4 bis 5 Nächte überwiegend gut. Damit war die Entscheidung gefallen: Es sollte (zumindest für die nächsten Nächte) Vorarlberg werden; die Möglichkeit, kleinräumig im Umkreis von 400 km einen anderen Patz aufzusuchen, blieb mir ja noch immer.
Doch zunächst musste noch ein Regengebiet vorüberziehen, sodass ich meine Abfahrt um einen Tag verschob.

So wirklich begann mein Astrourlaub also an einem Freitagabend um 19:30 Uhr auf einer Passstraße irgendwo in Vorarlberg.

Noch hing der Himmel voller Wolken, doch in den wenigen Lücken konnte ich immer wieder die leuchtend-orange Sonne beim Untergehen beobachten: Das perfekte Zeitraffer-Motiv und auch der Anfang meines kleinen Zeitraffer-Clips unten.
Hier schon mal ein Standbild:

Sonnenuntergang in den Westalpen, Vorarlberg

Der erste Abend – die Sonne geht unter und es wird rasch kalt.

Es wurde schnell kalt und ich erinnerte mich, dass ich ja auch nach Italien hätte fahren können. Dort würde es jetzt mindestens 10°, wenn nicht gar 15° wärmer sein.
Nach einer Stunde verließ ich diesen Ort und begab mich ein paar Km weiter zu meinem endgültigen Standplatz. Es war fast ein heimisches Gefühl, hatte ich doch hier erst vor knapp 4 Wochen die fantastischen Sternschnuppen-Nächte erlebt.

Auch hier stellte ich die Kamera sofort raus und versorgte sie gleich mit einer Objektivheizung; dass es heute Nacht eine starke Taubildung geben würde, war bereits jetzt um 21 Uhr unübersehbar.
Während ich mir ein Abendessen kochte und die Kamera von Zeit zu Zeit nachregelte, wurde langsam klar, dass ich meine weiteren Gerätschaften an diesem ersten Abend wohl nicht mehr auspacken würde. Es gab zwar immer wieder Wolkenlücken, aber ein durchgehend oder zumindest überwiegend klarer Himmel war nicht abzusehen. So wurde es ein gemütlicher erster Urlaubsabend, an dem ich, zum letzten Mal für einige Tage Nächte, relativ früh ins Bett ging.

Der zweite und der dritte Tag waren ausgesprochen schön – sommerliches Wetter, aber dennoch kühl. Oben in 1600 m Höhe wurde es kaum wärmer als +/- 20°. Diese Gegend in Vorarlberg ist die schneereichste der ganzen Alpen und im Regelfall gibt es nur 3 bis 4 Monate, in denen es nicht schneit.
Das Leben der Bauern ist trotz moderner Infrastruktur noch immer hart: Hier gedeihen keine Kartoffeln, für Äpfel ist der Sommer zu kurz und auch sonst gibt es nicht viel, was ein auskömmliches Leben ermöglicht. Das alles erfuhr ich von einer alten Bäuerin, die an einem Nachmittag plötzlich vor meinem Bus stand und das Gespräch suchte. Einige Zeit nachdem sie sich verabschiedet hatte, kehrte sie nochmal zurück, in der Hand eine Gurke, eine Tomate und ein Glas selbstgemachtes und noch warmes Apfelmus.

Abgesehen von diesem Gespräch war ich alleine. Und das war mir auch ganz recht so. Ich brauche weder tagsüber und erst recht nicht am Abend und in der Nacht aufdringliche neugierige Leute, die mir beim Einrichten meiner Gerätschaften zusehen, mir 1000 Fragen stellen und mich eigentlich nur ablenken. Das mag sich hart anhören, aber ich genieße die Ruhe und Einsamkeit und möchte meiner Fotografie gerne konzentriert nachgehen.
Tagsüber beim Erstellen der Zeitraffer (die Bäuerin schaffte es natürlich, sich direkt vor die Kamera zu stellen, sodass eine Sequenz unbrauchbar wurde) geht das ja noch, aber zum Abend hin bin ich wirklich sehr beschäftigt und jede Ablenkung bringt mich aus meiner Arbeitsstimmung.
Ich habe im “normalen Leben” in der Stadt so viele Menschen, Geräusche, so viel Bewegung und Sinneseinrücke um mich herum, dass ich diese Auszeit, fernab von allem, einfach alleine verbringen möchte.

Ja, der Abend. So gemütlich die Tage auch vergehen, so stressig und arbeitssam wird es dann zur Dämmerung und während der hereinbrechenden Nacht. Es will ja nicht einfach nur eine Kamera hingestellt, sondern ein ganzes Dutzend Gerätschaften soll aufgebaut, eingerichtet und justiert werden.

Wie aus diesem und auch anderen Artikeln hervorgeht, habe ich schon seit langer Zeit mehr als eine Kamera und mehr als eine astronomische Nachführung.
Ich habe leider nicht im Lotto gewonnen und auch keinen großzügigen Geldgeber, auch wenn sich das bei der nun folgenden Aufzählung meines Equipments so anhören mag. Darum schicke ich das vorweg.
Alle meine Gerätschaften haben sich über einen Zeitraum von 10 Jahren angesammelt, vieles wurde gebraucht gekauft und einiges hat seine besten Zeiten schon hinter sich. Es hört sich zwar nach einem kleinem Vermögen an, aber über die Zeit betrachtet ist es dann doch nicht so viel.
Für alle fast alle Geräte habe ich gespart und (abgesehen von ganz wenigen günstigen Teilen) keines einfach so aus einer Laune und einem Überfluss an Geld gekauft. Denn das muss ich mir, wie fast jeder, hart erarbeiten.
Apropos “hart erarbeiten”. Auch mein Equipment muss das, wie das folgende Bild einer geringfügig kühlen Nacht im Winter 2016 zeigt. 😉

Frost Raureif gefrorener Tau auf Kamera Astrofotografie, Milchstraße, Teleskop, Objektivheizung, Heizung

-12° – läuft! (2016)

Für diesen Astrourlaub hatte ich mein Equipment jedoch wieder geringfügig erweitert, aber vor allem für mich passend umgebaut und angepasst:
Ich hatte für günstige 100.- € eine gebrauchte Canon 550D (zusammen mit dem schlechtesten aller Objektive, der Canon 18-55 Plastik-Kitlinse) erworben und diese gemeinsam mit meinen beiden 10 und 7 Jahre alten Canon 7D astromodifizieren lassen. Somit war ich nun in der glücklichen Lage, 5 Canon “a”-Kameras nutzen zu können.
Eigentlich hatte ich den Traum gehabt, pünktlich zum Urlaub eine modifizierte Canon 6D zu besitzen, dieses Vorhaben nach monatelanger Suche nach einem bezahlbaren Gebrauchtgerät jedoch vorerst aufgegeben*. Dankenswerterweise hatte mir dafür ein guter Astrofreund eine modifizierte Canon 5D Mk2a geliehen, sodass ich noch eine weitere Kamera dabei hatte.

Einen Bericht, wie sich die alte 550D + das miese Kit-Objektiv geschlagen haben gibt es hier.
Sowohl mit der Milchstraße (18 mm) als auch mit einem Deep-Sky-Bild (55 mm)
(2020)

*Mittlerweile habe ich zwei 6Da + eine 6Da-mono (2022)

So viele Kameras?

Der Umbau der beiden alten Canon 7D und der billigen 550D hatte folgenden Grund (dazu muss ich nun ein bisschen ausholen):
Wie erwähnt hatte ich mir im Juni eine CEM25p Nachführung und ein dazu passendes f4 600 mmm Newton-Teleskop besorgt. Das sollte in diesem Urlaub ausführlich getestet werden. Da meine bisherige Teleskopkamera (eine Canon 1100Da) bei den letzen Einsätzen nicht wirklich zufriedenstellend gewesen war (es lag allerdings an mir, nicht an der Kamera), sollte die 550Da an diesem Teleskop fotografieren.
Meine alte (im wahrsten Sinne des Wortes, sie ist schon arg abgerockt) EQ5-Montierung war somit arbeitslos. Zunächst hatte ich überlegt, sie irgendwo zu verscherbeln, mich aber dann darauf besonnen, sie mit einer Kamera zu bestücken. Mit der Zeit und den Überlegungen, wie ich das meiste aus meinen wenigen Astronächten holen könnte, waren daraus zwei Kameras geworden – eben jene zwei alten Canon 7D.
So entstand der Plan, mit zwei gleichen Kameras und zwei gleichen Objektiven in einer Nacht doppeltes Licht zu sammeln*.
(*Mittlerweile mehr als verwirklicht)

Mit viel Geduld und langer Suche fand ich auch noch ein bezahlbares Samyang 135 mm Objektiv, nicht die VDSLR-Version, die ich bereits besaß, aber technisch identisch. Auch bastelte ich mir an das Kabel, das die EQ5 mit Strom versorgt, noch zwei Objektivheizungen.
So konnte ich, das war meine Hoffnung vor dem Urlaub, in jeder Nacht über 10 Stunden Licht von ein und derselben Himmelsregion sammeln. Genial für tiefe Einblicke in Dunkelwolken und in kurzen Sommernächten (die zwar erst in rund 10 Monaten bevorstanden) eine gute Möglichkeit, mehr als nur 1 bis 2 Stunden zu belichten.

Nach diesem kleinen Ausflug in die Welt der Kameras fällt es bestimmt leichter sich vorzustellen, was “Aufbau der Gerätschaften” bedeutete. Und wohl auch, wie viele Stolpersteine dabei im Weg liegen.

Wenngleich ich mich glücklich schätzen kann, an dunklen Orten weit oben in den Bergen zu fotografieren, so beneide ich doch immer wieder diejenigen, die das direkt im eigenen Garten mit einer fest aufgestellten Säule machen können.

Während meines Urlaubs war der Beginn der astronomischen Nacht um 21:30 Uhr.
Bis dahin, so war es mein unerreichbares Ziel, sollte zumindest die Hälfte der Gerätschaften laufen. Geschafft habe ich das nicht, maximal ein oder zwei Kameras arbeiteten pünktlich. Und das obwohl ich immer um etwa 20 Uhr die ersten Teile nach draußen trug: Die Stative für die beiden großen Montierungen. Es folgten die ganzen Kabel, Steuergeräte, Okulare… die Batteriebox, die Kameras und so weiter.
Sobald der Nordstern zu sehen war, wurden die CEM25p und die EQ5 erstmalig grob eingenordet. Die Bedienung der beiden mit 135 mm bestückten Kameras und deren Ausrichtung ist das einfachste, sodass diese immer zuerst ihre Arbeit aufnehmen konnten und problemlos bis zum Morgengrauen fotografierten.

Je nach Lust und Laune stellte ich dann auch noch andere Kameras auf. Immer mit unterschiedlichen Objektiven bestückt, mal als stationäre Zeitraffer-Kamera, mal auf eine der drei kleinen Montierungen (Star Adventuer, Vixen Polarie und Omegon Minitrack LX2).
Ich fotografierte Panoramen, Deep-Sky-Bilder und -Mosaike mit Brennweiten zwischen 50 und 200 mm und probierte einiges aus.

Die größte Herausforderung war die CEM25p.
Nicht, weil sie außergewöhnlich schwer zu bedienen ist. Verglichen mit meiner EQ5 sogar in einigen Punkten wesentlich einfacher und vor allem technisch deutlich besser. Ich würde nie wieder zu Skywatcher greifen, nachdem ich die Geräte von iOptron kennengelernt habe.
Aber in Zusammenspiel mit dem Teleskop immer wieder eine Herausforderung. Mir gelang es zwar in jeder Nacht, ein bis drei Objekte zu fotografieren, aber leider lief nicht alles auf Anhieb so, wie ich es mir gewünscht hätte. (Ganz normal, wenn das Equipment noch neu ist.)

Wer selber mit einem Newton fotografiert, kennt sicherlich viele der Problem(chen) und Herausforderungen:
Das Gerät muss eingenordet werden, die Achsen müssen ausbalanciert werden, der Nullpunkt muss korrekt eingestellt werden. Passen diese drei Punkte, folgt ein 3-Star-Alignement, das mal besser und mal schlechter funktioniert. Die Kamera muss fokussiert werden und zuletzt muss das GoTo auch noch das gewünschte Objekt zielsicher anfahren (was auch mal besser und mal schlechter funktioniert).
Das hört sich nicht nach so viel an, dauert aber seine Zeit. Vor allem dann, wenn ein Schritt nicht passt und somit dieser und somit auch bereits zuvor erfolgte erneut wiederholt werden müssen.
Das Handling der Montierung ist dabei das eine, die Kollimation einen schnellen f3.9 Newton ein ganz anderes Thema. Ich habe es mit meinem Wissen und meinen Gerätschaften nach und nach einigermaßen akzeptabel hinbekommen, allerdings nicht so perfekt, wie ich es mir wünschen würde. Das war bei dem zuvor genutzten f5 Gerät schon etwas einfacher.

Omegon Astrograf 154/600 auf iOptron CEM25p CEM26


Nun ja – letztendlich führte all das dazu, dass meist erst gegen 23 Uhr alle Gerätschaften zuverlässig liefen.
Dies bedeutete aber nicht, dass ich es mir nun gemütlich gemacht hätte.
Denn nicht alle Geräte bzw. Kameras sollten die ganze Nacht lang nur ein Objekt fotografieren. Einige hatten zwei oder drei Zielregionen und für Mosaik-Panoramen größerer Himmelsregionen richtete ich manche Kameras alle 15 Minuten neu aus.
So verbrachte ich die Nächte überwiegend draußen, gut eingepackt bei Temperaturen zwischen 5 und 9°. Neben dem Bedienen der Gerätschaften blieb aber zum Glück immer ausreichend Zeit, einfach dazusitzen und den Himmel zu bestaunen.

Egal wie oft ich es mache: Es ist immer wieder faszinierend, spannend und einfach beglückend, hinaus in die Weite des Universums zu blicken.

Die Nächte verliefen mal besser und mal schlechter, kaum eine Nacht war gänzlich wolkenfrei.
Dennoch war ich froh, nicht nach Italien gefahren zu sein, denn dort war das Wetter überraschenderweise noch etwas schlechter.
Mein Urlaub, das heißt die Zeit, die mir zur Verfügung stand, betrug eigentlich 10 Nächte. Die erste ließ ich jedoch aufgrund der Regenfront ausfallen und die letzten ebenso. Letztendlich verbrachte ich also “nur” 6 Nächte in den Bergen, von denen die erste vollständig und drei weitere teilweise bewölkt waren. Nur zwei Nächte waren annähernd perfekt.

Ich habe Unmengen von Daten mitgebracht (satte 397 GB, was auch an den Zeitraffern liegt, die alleine 168 GB beanspruchen), aber bisher nur teilweise entwickelt. Ein paar Ergebnisse zeige ich hier.

Die folgenden drei Bilder entstanden während einer Nacht. Ich nenne dieses Trio die fotografische Rundreise durch die Touristenattraktionen des Herbstes bzw. frühen Winters.
Im September erscheinen alle drei Objekte recht spät in der Nacht, sodass in jedem Bild nur wenig, eigentlich zu wenig Belichtungszeit steckt:
Jeweils Canon 550Da auf Star Adventurer mit dem Canon 200 mm L 2.8 @ f3.5

  • Die Plejaden mit 35 x 120 Sekunden (~eine gute Stunde)
  • Andromeda mit 53 x 60 Sekunden – Bild ist zu ca. 50% beschnitten (ebenso)
  • Orion mit 11 x 120 + 6 x 30 Sekunden zuletzt am frühen Morgen kurz vor Sonnenaufgang (25 Min.)

35 x 120 Sekunden

53 x 60 Sekunden

11 x 120 + 6 x 30 Sekunden

Das nächste Bild ist noch sehr roh und unvollständig. Es trägt den Titel:
“Vom Sommer in den Winter in nur einer Nacht”.
Nur im September ist es möglich, in einer einzigen Nacht sowohl die “Sommermilchstraße” als auch große Teile der “Wintermilchstraße” zu sehen.
Direkt nach Sonnenuntergang ist im Westen noch der Blick auf den Schützen möglich, der dann recht bald untergeht. Und kurz vor Sonnenaufgang erscheint im Osten Orion.

Ich hatte mir vorgenommen, ein Mosaik-Panorama der Milchstraße zu erstellen, das den gesamten Bereich zeigt. Aber nicht einfach so ein normales Panorama mit aneinander gefügten Fotos.
Nein, ich wollte erstens mit 85 mm tief und somit detailreich in die Milchstraße fotografieren und zweitens jedes Teilfeld aus rund 20 nachgeführten und gestackten Bildern erstellen. Das bedeutete, dass ich recht gut planen musste, um bis zum Morgengrauen alle Teilbereiche zu “erwischen”. Alle 12 Minuten klingelte mein Timer und ich musste die Kamera neu ausrichten.

Da ich allerdings auch mit anderen Dingen beschäftigt war (z.B. mit der Erstellung eines 360°-Panoramas mit 35 mm, nachgeführt auf dem Minitrack LX2), gelang es mir nicht immer nach genau 12 Minuten die Kamera auf die nächste Himmelsregion zu richten. Teils vergingen auch 20 Minuten, was zum Morgengrauen hin ein wenig Stress erzeugte.
Letztendlich funktionierte es, wobei die letzten Teilfelder bereits bei deutlich aufgehelltem Himmel fotografiert wurden. Die Sonne war schneller als ich. Das fertige Panorama wird rund 45 Teilbilder umfassen, die bisher grob fertiggestellte Version zeigt knapp die Hälfte.

Die Auflösung ist so hoch, dass die für die Website heruntergerechnete Darstellung katastrophal ist.
Bei flickr gibts zwar nicht die volle Auflösung, aber doch eine deutlich bessere (vergrößerbare) Version mit ca. 8000×3000 px.: Klick hier!

Mosaik – Jedes Teilfeld 20 x 30 Sekunden – 85 mm

Dieses 360°-Panorama (unter dem Text) erstellte ich zeitgleich mit dem oberhalb erwähnten Mosaik. Ich musste die Aufnahme also mehrfach unterbrechen, sodass ich letztendlich knapp 4 Stunden beschäftigt war.
Die lange Aufnahmedauer von 23:51 Uhr bis 03:31 Uhr und das mehrfache “von-der-Straße-Tragen” haben die Panorama-Erstellung nicht gerade vereinfacht. Der hohe Stand der Milchstraße mitten im Zenit hat die Bildbearbeitung fast unmöglich gemacht.
Für ein Nebenprodukt bin ich aber recht zufrieden. Die Tatsache, dass mit einfachen Einzelbelichtungen à 30 Sekunden die Emissionsnebel (Gebiete im Schwan, Californianebel und weitere) schon deutlich sichtbar werden, spricht sicherlich für die Güte der Canon 6D, die nicht astromodifiziert ist.


163 Fotos – Canon 6D – 35 mm – 30 Sekunden je Einzelbild, kein Stacking – Omegon Minitrack LX2 Ins Bild klicken und Maus bewegen, um das Panorama zu betrachten!

Diese Aufnahme mit 135 mm zeigt eine ganze Reihe unbekannter Nebel im Sternbild Kepheus. Es war der erste Versuch, mit dem “7D-135-mm-Duett” zu fotografieren und auch der erste Versuch schwache Nebelstrukturen sichtbar zu machen, was hier noch nicht gelang.
Das erste kleine Meisterwerk der “hellen Nebelwolken” folgte im Oktober.

Canon 7Da – 135 mm, 276×120 Sek. (= 9 h + 12 Min) – Objektbeschriftungen: Klick! Zu diesem und vielen weiteren Bildern, die mit dem Samyang 135 mm aufgenommen wurden, gibt es eine eigene Bildergalerie, die zu jedem Bild sämtliche Details auflistet.

Ein Komet mit dem zauberhaften Namen 21P/Giacobini-Zinner war übrigens auch noch unterwegs. Viele Bilder sind mir nicht geglückt, aber ich konnte ihn sichtbar machen. Hier sieht man den kleinen Kerl, wie er gerade aus dem Sechseck des Fuhrmanns geflogen kommt und sich anschickt den offenen Sternhaufen M37 zu passieren.

21P-Giacobini-Zinner – 200 mm

Zeitraffer

Leider kann ich hier nur einen Teil der Bilder zeigen und ebenso wenig kann ich vermitteln, wie sich die Tage dort oben in der fast vollständigen Einsamkeit der Berge angefühlt haben.
Der folgende Zeitraffer-Clip vermittelt aber vielleicht dennoch einen Eindruck:

Und auf der Website?

Ich nutzte die Zeit in den Bergen nicht nur für nächtliche Fotografie und pure Entspannung, sondern schrieb natürlich auch wieder an Artikeln für die Seite.
Selbstverständlich ist noch nicht alles fertig; teils entstanden nur Skizzen, teils aber auch annähernd komplette Berichte, die nur noch überarbeitet werden müssen.

Zwei konnte ich allerdings kurz nach Ende des Urlaubs (allerdings schon im Oktober) veröffentlichen. Und auf beide bin ich schon ein wenig stolz:
Das ist zunächst einmal ein weiterer Anfänger-Artikel. Er steht zwar für sich, ist aber auch eine gute Ergänzung zur letzten Veröffentlichung: “Einfaches Star-Hopping für Einsteiger”.
Ich habe diesen Artikel geschrieben, da ich mir zu Beginn selber so eine Übersicht gewünscht hätte und mir aufgefallen ist, dass die Frage nach geeigneten Objekten für “heute Nacht” immer wieder auftaucht.

Deep-Sky-Objekte für Anfänger Oftmals beginnt die Faszination der Astrofotografie mit einer einfachen Kamera und weitwinkligen Fotos des Nachthimmels und der Milchstraße. Der nächtliche Himmel ist ein unbekanntes Land.
Irgendwann kommt dann der Wunsch auf, auch mal tiefer in die „unendlichen Weiten“ zu fotografieren.
Dann die Frage: Welches der vielen Objekte eignet sich überhaupt für Anfänger? Welches ist groß und hell genug und gleichzeitig gut aufzufinden.
Darauf gibt der Artikel eine Antwort. Inkl. einer Liste toller Deep-Sky-Objekte für Fotoobjektive.

Vor der zweiten Veröffentlichung stand für mich sehr viel Recherche an. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was ich alles zum Sternbild Andromeda und vor allem zur Galaxie gelesen habe. Je mehr ich las, je tiefer ich eintauchte, desto spannender wurde es.
Entstanden ist ein Artikel, der das Sternbild Andromeda, aber auch die Andromedagalaxie in einer Ausführlichkeit darstellt, die sich so wohl auf keiner deutschsprachigen Seite findet. Neben den antiken Mythen rund um Andromeda, finden sich eine Vielzahl astronomischer Fakten; hoffentlich verständlich und spannend beschrieben und eingebettet in “historische Wissenschaftsgeschichte”. Natürlich gibt es auch eine Reihe Fotos und die Vorstellung weiterer Deep-Sky-Objekte in diesem Sternbild.
Ich hoffe sehr, dass das Lesen genauso spannend ist, wie es die Recherche für mich war.

Andromeda, die Prinzessin des Herbsthimmels, ist dank der Andromedagalaxie wohl das bekannteste Sternbild der dritten Jahreszeit.
Doch die Andromedagalaxie ist nicht nur unsere Nachbargalaxie, sondern auch ein ungemein spannendes Objekt, über das ich in diesem Artikel genauer berichte.
Hinzu kommen weitere schöne Deep-Sky-Objekte und (wie bei allen meinen Sternbild-Artikeln) eine unterhaltsame Geschichte aus das der griechischen Antike.
Das alles und wie Du die Andromedagalaxie am Nachthimmel fotografieren kannst erfährst Du hier.

Und auf Youtube?

Ein erstes Teilfeld des 85-mm-Mosaiks “Vom Sommer in den Winter in nur einer Nacht” entwickelte ich (entgegen meiner Gewohnheit) in Photoshop.
Um mal zu zeigen, wie man mit wenigen Schritten ein nettes Ergebnis erzielen kann, erstellte ich ein kleines Video, dass die Entwicklung aufzeigt:

Wenn Du bis hier her alles gelesen hast und es spannend fandest – freue Dich, denn es gibt noch eine zweite Hälfte:

Oktober

Wetterkapriolen – endlich wieder im Salzkammergut

Milchstraße,Postalm,35 mm – Himmel: Einzelbild, 13 Sekunden – Vordergrund: Stack aus 5 Bildern zur Rauschreduktion, 120 Sek.

Bereits im April hatte ich mir 5 Tage rund um das Wochenende vor dem Oktober-Neumond freigehalten. Umso enttäuschter war ich: Denn genau zu diesen Tagen – natürlich(!) genau an diesen Tagen – spielte das Wetter nicht mit:

Erst gab es Wolken und als diese sich verzogen, kam der erste Nebel des Jahres.
Am Donnerstag hing er feucht und schwer in der Stadt, sodass ich am Morgen die Nachbarhäuser nur erahnen konnte. Zum Nachmittag hin hob er sich an und blieb über das ganze Wochenende und die ersten Tage der neuen Woche als dicke graue Decke über dem gesamten nördlichen Alpengebiet hängen. Gerade so, dass die Berggipfel herausragten und dort, so zeigten es mir Webcams, traumhafte Bedingungen herrschten. Aber leider wirklich nur an den höchsten Gipfeln, die für mich aktuell unerreichbar waren. Teleskop im Rucksack und dann klettern ist einfach nicht drin.

Meine Arbeitswoche begann und ich hatte diese Neumondphase bereits abgeschrieben.
Doch dann kam plötzlich der Wetterumschwung. Von Süden her sollte erneut der Sommer hereinbrechen. Einige Telefonate, ein paar verlegte Termine und ich konnte am späten Mittwochabend (Neumond) starten. Vor mir lagen 5 freie Tage und somit auch 5 mögliche Nächte. Frei hatte ich definitiv, aber ob es mit dem Sternenhimmel-fotografieren etwas werden würde, stand in den Sternen. 😉
Ich hatte zwar viel Hoffnung, war aber vorsichtig in meiner Vorfreude. Zu oft hatte ich es ja erlebt: “Irgendetwas ist immer”.

Doch tief in meinem Inneren war ich mir sicher: Die kommende Nacht würde fantastisch werden: Keine Wolken, kein Nebel, Neumond und ich in den Bergen. Was sollte da schon schiefgehen?!

Etwa um 21:30 Uhr erreichte ich mein Ziel in den Bergen des Salzkammerguts und erkannte dieses “Was”: Wind! Verfluchter Wind! Nicht nur ein bisschen Wind, sondern richtiger schöner Sturm mit über 50 km/h.
Die Bäume rauschten laut, der Sturm riss an mir und eins war sofort klar: Hier brauchte ich heute Nacht aber mal mit Sicherheit kein Teleskop aufbauen!

So recht wollte ich es nicht fassen:
Wind! Den hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt. Wolken, der ständige Gegner? Natürlich. Nebel? Jetzt im Herbst auch ab und an vorhanden. Aber Sturm? Das hatte ich zuletzt im Sommer 2016, also vor über 2 Jahren erlebt und daher als ‘Gefahrenquelle’ auch gut verdrängt.
Da stand ich nun.
Um mich herum der Föhn-Sturm, der trockene Luft und damit das warme Spätsommerwetter im Oktober aus Italien heranblies und über mir ein fantastischer Sternenhimmel. In meinem Bus eine wunderbare Ausrüstung und dennoch war ich (fast) zum Nichtstun verdammt!

Mir blieb also nichts weiter übrig, als im Windschatten des Busses eine Kamera für Zeitraffer aufzustellen, auf einem Stativ, das nur so weit ausgefahren wurde, dass ich gerade so durch den Sucher der Kamera blicken konnte. Als diese Kamera lief, konnte ich nur noch schauen.

Die absolute Dunkelheit und der wunderschöne Himmel entschädigten zwar etwas, aber eigentlich war es schon recht ernüchternd:
Ich war seit 7 Uhr morgens wach, hatte gearbeitet, mich nach Hause gehetzt, durch den Berufsverkehr der Großstadt gequält, war 200 km Autobahn und 50 weitere durch das Salzkammergut gefahren, nur um jetzt völlig unerwartet mitten im Föhn-Sturm zu stehen.
So beschloss ich, nachdem der Sturm auch nach zwei Stunden nicht nachgelassen hatte, mich schlafen zu legen. Der Wecker würde mich zum Sonnenaufgang wecken und dann würde der Sturm – hoffentlich! – eingeschlafen sein.

Donnerstag – Tag 2

Als die Sonne am Donnerstag aufging, war die Kamera immer noch am Knipsen und aus dem Sturm war ein starker Wind geworden. Leider immer noch wesentlich zu stark. Ich schlief noch ein paar Stunden, um für die nächste Nacht fit zu sein. Am Mittag dann fuhr ich hinab in’s Tal und gegen 18:30 Uhr mit einem etwas mulmigen Gefühl wieder hinauf in die Berge: Unten war es relativ windstill gewesen, aber würde oben im Gebirge wieder der Föhn-Sturm blasen? Ich vermutete es fast, wollte mir meine Chance jedoch nicht entgehen lassen.

Es war die richtige Entscheidung gewesen. Ein vergleichsweise leichter Wind blies. Noch etwas zu stark für das große Newton-Teleskop, das ein perfekter Windfänger ist, aber keinesfalls störend für meine anderen Gerätschaften, die dann auch munter vor sich hin knipsten:
2x die Canon 7D mit 2x dem 135 mm Objektiv auf der alten EQ5 fotografierten die Region rund um den Iris-Nebel. Meine 6D durfte weiter Zeitraffer fotografieren und auf der Vixen Polarie und dem Minitrack LX2 erledigten zwei weitere Kameras mit 50 bzw. 85 mm ihren Dienst.
Um etwa 1:30 Uhr hatte der Wind soweit nachgelassen, dass ich es doch noch wagte, das Teleskop aufzubauen. Viel erwartete ich mir nicht mehr, aber ich wollte einige Funktionen testen.
Auch das lohnte sich, alles arbeitete einwandfrei. Mein neuer 3 mm Abstandsring beseitigte das bisher vorhandene Koma und die Sterne waren nun bis in die Bildecken hinein fast perfekt scharf.

Etwa zur selben Zeit zogen von Nordwesten ganz ganz langsam Wolken herein, sodass ich die beiden 7Ds von der Kepheus-Region umschwenkte, um sie noch auf den bereits aufgegangenen Orion zu richten.
Doch auch dort zog es letztendlich zu, sodass ich gegen 4 Uhr am Morgen abbaute.
Wie mir die Bilder am nächsten Tag zeigten, hatte zwar nicht alles, aber doch recht viel funktioniert. So schlief ich nach meiner zweiten Nacht ein und erwachte am Freitag mittag erst um 13 Uhr.

Freitag – Tag 3

Am Abend schien alles unter einem guten Stern zu stehen.
Nacht Nummer 3 sollte perfekt werden. Nach einer stürmischen und einer windigen Nacht war zu Sonnenuntergang kein Lufthauch zu fühlen.
Bereits um 20 Uhr war das erste Gerät fertig und so konnten pünktlich zum Einbruch der dunklen Nacht die beiden 7D erneut Jagd auf den Iris-Nebel machen, was sie auch bis ca. 2 Uhr taten, dem Zeitpunkt als Kepheus langsam hinter einem Baum schwand. Auch die restlichen vier Stunden arbeiteten sie brav und fotografierten die wunderschöne Region im Fuhrmann mit IC 405, IC 410 und den Sternhaufen M36, 38 und einigen weiteren Objekten (Bild weiter unten).
Auch das Teleskop lief wunderbar. Zunächst fotografierte ich zwei Objekte für meinen Artikel über das Sternbild Andromeda: Den offenen Sternhaufen NGC752, den ich nur 2 Minuten belichtete, um die Sternfarben nicht zu verlieren. Danach die für mein Equipment recht kleine, aber dennoch wunderschöne Edge-On-Galaxie NGC 891.

NGC   NGC 891

Die restliche Nacht widmete ich dann IC 405, dem Flamming-Star-Nebel, ebenfalls im Fuhrmann, sodass ich dieses Objekt sowohl mit 600 als auch mit 135 mm in dieser Nacht ablichtete.
Auf dem Star Adventurer knipste die Canon 550Da die ganze Nacht lang mit 50 mm das Sternbild Stier. Ich hoffte, so einige der Dunkelwolken etwas plastisch abbilden zu können.
Die geliehene 5Da-Mk2 durfte an der Vixen Polarie ein paar Ergänzungsbilder zu meinem Panorama aus dem September “vom Sommer in den Winter in nur einer Nacht” machen. Das war an den Rändern doch etwas lückenhaft und sah, so formulierte es einer meiner Leser, aus wie von einem schlechten Zahnarzt.
Zu guter Letzt hatte ich noch die 6D, die in dieser Nacht mit 35 mm drei verschiedene Zeitraffer aufnahm.

Canon 7Da – 135 mm, – Objektbeschriftungen: Maus über Bild bewegen!
Das Bild ist absichtlich zu heftig bearbeitet. Ziel war es auch feinere Nebelstrukturen darzustellen; dies ging auf kosten der Bildqualität. Da fehlt einfach Belichtungszeit.

Die Nacht war fantastisch. Alles funktionierte. Der Himmel war genial, es gab keine einzige Wolke, keinen Nebel, keinen Tau und auch keinen Wind. Bis um 2 Uhr war ich (mitten im Oktober in 1400 m Höhe) nur mit einem dünnen Kapuzenpullover bekleidet draußen, bevor ich mir dann doch eine Jacke überzog.

Während alle Geräte liefen saß und lag ich mehrfach mit meinem Feldstecher da und ging am Sternenhimmels spazieren.
Ich besuchte diverse Sternhaufen, natürlich Andromeda und M33 und bewunderte zum Ende der Nacht bereits Winterobjekte im großen Hund aber auch Frühlingsobjekte, wie M44 im Krebs. Einen ersten Blick auf den aufgehenden Löwen konnte ich auch werfen, sodass ich in dieser Nacht vom Schützen am frühen Abend über die klassischen Herbstobjekte (Kassiopeia, Andromeda und Co.) und die Wintersternbilder (Stier, Orion, großer Hund) sogar bis in den Frühling schauen konnte (Krebs und Löwe).
Erst um 6 Uhr baute ich ab.

Als ich dann, während draußen der Tag graute, in meiner Koje lag, wurde mir wieder klar, wie fantastisch solche Herbstnächte sind:
10 Stunden Dunkelheit, aber immer noch warm und dazu so ziemlich alles, was man sich als Astrofotograf wünschen kann: Sommerliche Milchstraße am Abend und Wintersternbilder in der zweiten Nachthälfte.
Glücklich schlief ich ein in dem Wissen, dass noch eine identische Nacht vor mir liegen würde.

Samstag– Tag 4

Erneut erreichte ich nach einem Tag im Tal meinen Standort in den Bergen, voller Vorfreude auf eine weitere so erfolgreiche Nacht wie die zurückliegende.
Sofort baute ich auf und pünktlich um 20 Uhr begannen die beiden 7D ihren Dienst. Diesmal nicht am Irisnebel, sondern in einer eher ‘langweiligen’ Region im Dreieck des Kepheus. Ich hoffte, dort verschiedenartige Dunkelnebel sichtbar zu machen.
Danach baute ich das Teleskop auf. Kaum hatte ich jedoch das Star-Alignement erledigt, traf mich völlig unerwartet und aus dem Nichts eine Windböe. Innerhalb von 30 oder 45 Minuten erwuchs aus dieser einen Böe ein Sturm, fast zu heftig wie in der ersten Nacht.

Anfangs versuchte ich noch mit dem Teleskop zu fotografieren, verringerte dann die Belichtungszeit auf nur noch 120 Sekunden und gab es schließlich auf. Montierung und Autoguider hatten keine Chance gegen den Sturm. Mein erstes Ziel der Nacht (NGC 7380 im Kepheus) fiel also aus.

Wie frustrierend! Ich hatte mich so sehr auf eine weitere fantastische Nacht gefreut, hatte vorgehabt, IC 410 zu fotografieren und somit weitere Fotos für meinen Artikel über das Sternbild Fuhrmann beisammen zu haben.
Denn der Artikel ist, so finde ich, bisher richtig gelungen und die Sagen, die sich um den Fuhrmann ranken, absolut lesenswert. Doch möchte ich den Bericht nicht ohne die zugehörigen Bilder veröffentlichen. Und zwar alle zugehörigen Fotos.

Ich baute das Teleskop, trotz des Windes, nicht ab, sondern hoffte, dass er sich evtl. legen würde. Das war um Mitternacht leider immer noch nicht der Fall, ich wollte es aber dennoch versuchen. Ich schwenkte auf einen Sternhaufen um. Doch der Sturm war so stark, dass es nicht einmal gelang, den Autoguider zu kallibrieren. “Star Lost”.
Da das Gerät aber nun einmal dastand und der Sturm nicht so stark war, dass ich Sorgen hatte, es könnte umfallen, beschloss ich – trotzig wie ein Kind und wider besseren Wissens – dennoch zu fotografieren. 120 Sekunden Belichtungszeit und viel unbegründete Hoffnung. Aber evtl. würde es ja doch irgendwie funktionieren.

Die anderen Kameras (mit 85 mm auf der Vixen Polarie und mit 200 mm mit auf dem Star Adventurer) arbeiteten den Umständen entsprechend tadellos. Sogar die Bilder von M33, die ich mit 200 mm und einer Minute Belichtungszeit fotografierte, zeigten überwiegend scharfe Sterne.
Aber kleine Kameraobjekteve bieten Wind auch wesentlich weniger Angriffsfläche als ein, im Vergleich, riesiges Spiegelteleskop.

Die Nacht ging dahin und der Sturm wurde langsam aber stetig stärker.
Um 3:30 Uhr beschloss ich abzubauen, denn es war sinnlos noch länger zu warten.
Außerdem: Eine Nacht lag ja noch vor mir und eine erfolgreiche hatte ich bereits erlebt.

Nach dem Ausschlafen fuhr ich also Sonntagmittag bei immer noch mittelstarkem Föhnwind wieder hinab in’s Tal. Ein Weg, der mit gut 20 km nicht ewig lang ist, aber dank der steilen Serpentinen-Straße doch seine Zeit beansprucht. Unten erwartete mich ein spätsommerlicher Nachmittag und frischer Apfelkuchen. Ein traumhafter Nachmittag.
Zum Abend hin zogen dann jedoch leichte Schleierwolken auf und auch im Tal war ein sanfter Wind zu spüren. Zwei Gründe, die mich davon abhielten, mich nochmals auf den Berg zu begeben.
Ich packte also meine Sachen und fuhr in der frühen Nacht spontan zurück nach Hause.

Was bleibt als Fazit?
1. Wind ist ein weiterer Faktor, den ich in Zukunft bedenken muss und der echt alles versauen kann. Ich gehe jedoch davon aus, dass Wolken weiterhin der Hauptgegner bleiben werden.
2. In vier Nächten, von denen nur eine absolut perfekt war, habe ich doch einiges fotografieren können und mehrere hübsche Zeitraffer erstellt.
3. Es hat sich absolut gelohnt, wenn auch nicht alles wie gewünscht funktioniert hat. Aber: “Irgendwas ist ja immer”.
Doch alleine die Dunkelheit, die Stille, die Einsamkeit in den Bergen unter dem grandiosen Sternenhimmel waren es wert gewesen. Und die Daten, die ich aufzeichnen konnte, beschäftig(t)en mich in der Bildbearbeitung auch so ausreichend lange.

Apropos Daten – alles habe ich dann nicht entwickelt, aber doch einiges. Darunter auch das folgende Bild des Iris-Nebels. Wobei der Iris-Nebel selber eigentlich nur eine Nebelrolle spielt. Mein Ziel war es, endlich mal die Dunkelnebel und den “kosmischen Dreck” richtig in einem Bild festzuhalten.
Und ganz ehrlich: Auf dieses Bild bin ich echt enorm stolz! Es ist ein in Erfüllung gegangener Traum. Ich sehe zwar einige Fehler, die ich einfach nicht beheben bzw. umgehen konnte, aber das Bild hat genau das, was ich mir schon lange gewünscht hatte: Helle Nebelgebiete (ISM/IFN). Nebenbei ist es auch mein Foto mit der bisher längsten kombinierten Belichtungszeit: 14,3 Stunden, gesammelt in den Nächten 2 und 3.

Widefield im Sternbild Cepheus - 135 mm mit Dunkelnebel und VdB-Objekten Wiedefield im Sternbild Kepheus – Irisnebel (NGC 7023) und umgebende Dunkelnebel. – Canon 7Da – 135 mm – 14,3 Stunden.

Ein zweites Bild zeigt ebenfalls diese Nebelstrukturen. Hinsichtlich der Bildbearbeitung sogar etwas besser gelungen, aber mit “nur” 6 Stunden und 50 Minuten Belichtungszeit doch nicht ganz so tief und plastisch.

Widefield im Sternbild Cepheus - 135 mm mit Dunkelnebel und VdB-ObjektenWiedefield im Sternbild Kephaus – Irisnebel (NGC 7023) und umgebende Dunkelnebel. – Canon 7Da – 135 mm – 14,3 Stunden.

Hier nun noch ein Zusammenschnitt der Zeitraffer:

Und auf der Website?

Auch auf der Website war ich wieder fleißig – ich hatte ja im September viel Zeit gehabt, um in meinem “Büro in den Bergen” einiges zu schreiben. Zwei der dort erstellten Skizzen wurden nun fertig:
Der erste Artikel befasst sich mit der regelmäßig wiederkehrenden Frage: “Welches Allround-Teleskop kannst Du mir empfehlen?” und betrachtet die Thematik von allen Seiten.
Der zweite Artikel stellt den Skywatcher Star Adventurer mini vor.

Teleskop kaufen für Anfänger“Hallo – Ich will ein Teleskop kaufen, um damit Planeten und Nebel zu beobachten und zu fotografieren – Was kannst Du mir empfehlen?”
Diese Frage taucht immer wieder auf und eine ehrliche Antwort ist sehr umfangreich: Einerseits ist das Fotografieren durch’s Teleskop ein fantastisches Hobby. Andererseits hält es viele Stolpersteine parat.
Von der Begeisterung, aber auch von den Rückschlägen, von Pro und Contra “Teleskop-kaufen” berichte ich in diesem Artikel.

Skywatcher Star Adventurer mini - Test, Erfahrungsbericht, Anleitung, Tutorial, Tipps, Tricks, sinnvolles Zubehör, Vergleich Der „kleine Bruder“ des Star Adventurers, das ist der Star Adventurer Mini. Er hat viel von seinem großen Vorbild mitbekommen, ist jedoch kleiner und bringt einige Besonderheiten mit, die ihn auf dem Markt der Reisemontierungen einzigartig machen. Vor allem die Steuerung per App und die außergewöhnlichen Zeitraffer-Funktionen heben ihn aus der Masse hervor.
Mein Review und Testbericht beschreibt diesen Startracker und vergleicht ihn mit seinem “großen Vorbild”.

Und auf Youtube?

Mitte Oktober veröffentlichte ich ein Video, genauer genommen eine Animation, die helfen soll, die Kochab-Methode zum Einnorden astronomischer Montierungen zu verstehen:
https://www.youtube.com/watch?v=itss978KviM

November

Im November fand ich – trotz teils guter Himmelsbedingungen – keine einzige Nacht, in der ich fotografieren konnte. Das war somit der zweite Monat des Jahres, der “Astrofotografie-frei” blieb.
Dafür tat sich einiges bei Youtube, das ich Euch hier gern zeigen möchte:

Zunächst sind das zwei Zeitraffer-Clips aus dem Archiv, die mir jedoch als persönliche Erinnerung sehr ans Herz gewachsen sind.

Der erste Clip entstammt dem Jahr 2014 und wurde in einem zauberhaften Hochtal in Zentralitalien aufgenommen. Die Ortschaft, die anfangs zu sehen ist, wurde leider 2016 aufgrund eines Erdbebens fast vollständig vernichtet. Die drei Straßen, die hinauf in das Hochtal führen, wurden so stark beschädigt, dass 2017 (nach mehr als einem Jahr) nur eine davon einspurig zu befahren war.

Der zweite Clip entstand im Winter 2015/2016. Ursprünglich sollte er ein Projekt eines Bekannten unterstützen, das mittlerweile jedoch “gestorben” ist. Der Clip jedoch bleibt.
Es ist verständlich, wenn ihr ihn Euch nicht ganz ansehen mögt, ist er doch recht lang. Persönlich gefällt mir der Abschnitt ab 03:16 besonders gut. Da folgt nach wenigen Sekunden ein tolles Gewitter. Andererseits sind auch die Sequenzen zuvor, die den ziehenden Mond zeigen, sehenswert. Naja – an so einem Projekt, an dem man lang saß, hängen einfach viele Erinnerungen.

Von “Wettergeschehen im Zeitraffer” gibt es auch eine englische und eine russische Version.

Wirklich neu hingegen sind die beiden folgenden Videos. Sie sind nicht perfekt, aber beantworten Fragen, die mir immer wieder gestellt wurden:

1. Wie finde ich die Andromedagalaxie?
2. Wie hinterlege ich meine Kamera bzw. mein Objektiv/Teleskop in Stellarium?

Freundliches Schlusswort

Nun kommen wir zum Schluss dieses “Jahresbericht 2018 in (vielleicht) 4 Teilen.
Letztendlich sind es nicht nur vier Teile geworden, wobei ich mir zu Beginn nicht sicher war, ob ich überhaupt zwei Teile hinbekomme. Es gibt mit “Teil 3,5” sogar noch einen fünften Bericht.

Was für ein Jahr!

Falls Du das alles gelesen haben solltest, so freue ich mich sehr. Dann hat es Dir wahrscheinlich gefallen?!
SO bekommst Du zur Belohnung noch ein “Ad-on”. Es gibt nämlich noch einen “Teil 4,5”, der die letzte Astronacht im Dezember beschreibt.
Da habe ich bei -13° in den verschneiten Bergen gefroren, konnte aber tolle Fotos machen. Das Jahr endet dann praktisch so, wie es begonnen hat: Kalt, aber fantastisch.

Danke, dass Du mich begleitet hast.

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