Das 14 mm Ultra-Weitwinkelobjektiv von Samyang ist wohl das am weitesten verbreitete Objektiv für Astrofotografie. Das ist kein Zufall, sondern hat weit mehr als nur einen Grund.
Ich habe diese Optik gleich zweimal und möchte sie Dir in diesem Artikel genauer vorstellen. Du wirst hier auch eine ganze Reihe Bilder finden, die mit dem Samyang gemacht wurden.
Neugierig? Dann auf ins Geschehen.

Zum Aufbau dieses Berichts:

Samyang? Walimex? Rokinon? Vivitar?
Welcher Name stimmt den nun?

Vorteile
Bildqualität, Verarbeitungsqualität, Preis…

Nachteile
Verzerrung? Unschärfe?…

Freundliches Schlusswort/Fazit

 
 

Samyang? Walimex? Rokinon? Vivitar?




Ja was denn nun? Welcher Name ist der richtige?
Die Antwort ist einerseits einfach, nämlich Samyang. Andererseits sind alle Namen „richtig“ und hinter allen verbirgt sich ein und dasselbe Unternehmen und damit auch Objektive aus ein und derselben Fabrik.
Produziert werden alle Objektive von Samyang Optics Company Limited in Korea.
Doch verkauft Samyang seine Linsen nicht nur unter diesem Namen, sondern eben in Deutschland auch unter dem Label Walimex und in den USA als Rokinon und Vivitar.
Samyang hat (noch) nicht den Ruf der althergebrachten Objektivhersteller wie Canon, Nikon, Sigma oder auch Zeiss. Doch so langsam spricht sich die Qualität herum.
Eigentlich ein wenig überraschend, denn Samynag Inc. ist keine neue Firma; sie produzieren seit fast 50 Jahren optische Systeme. Mir begegnete die Firma erstmals vor 6 Jahren und das nicht im Bereich der Fotografie, sondern in der „Videografie“. Denn dort wurden die Linsen wohl zuerst bekannt, da sie auch als Cine-Linsen (unter der Bezeichung VDSLR) erhältlich sind.
Mein erster testweiser Kauf im Februar 2013 der damals noch etwas günstigeren VDSLR 35 mm T1.5 Optik (für gerade einmal 365.- Neupreis) überzeugte mich restlos. Seitdem habe ich 7 Objektive dieses Herstellers „angesammelt“ und bereue keine einzige Anschaffung.
Obwohl mir das damals gekaufte 35 mm das liebste Objektiv ist, so ist doch das 14 mm mit Abstand das, das ich am häufigsten einsetze.

Wer einen Blick in die Fabrik werfen will kann das in diesem Video machen:

Anmerkung:
Die hier gezeigten Fotos wurden mit Canon-Kameras gemacht.
Wem die Modelbezeichnungen nichts sagen, der muss jetzt nicht googeln:
Die 6D ist eine Vollformatkamera und die 7D hat einen Cropsensor.
Es ist also ein „Vollformatobjektiv“ und kann somit am Vollformat- und Crop-Sensor genutzt werden.
Erhältlich sind Samyang-Objektive für praktisch jedes Kamerasystem: Nikon, Sony, Panasonic…

Rechts die normale Foto-Version, links die VDSLR-Version.
 

An dieser Stelle folgen zwei Einschübe.
Wenn Dir der Unterschied zwischen Video- und Fotoobjektiven bekannt ist und Du auch den Unterschied zwischen F-Wert und T-Wert kennst, so kannst Du beide Einschübe überlesen.
Samyang bietet seine Objektive immer in einer Video- und einer ’normalen‘ Fotoversion an. Daher erkläre ich an dieser Stelle die Unterschiede.

DSLR- oder VDSLR? Was bedeutet das?

Samyang bietet alle Objektive sowohl als normales (Foto-)Kameraobjektiv als auch als VDSLR-Version an. Das 'V' steht hier für Video.
Die Objektive unterscheiden sich in ihrem 'Innenleben' nicht; sie sind absolut identisch, was den inneren Linsenaufbau betrifft. Somit liefern sie auch identische Bilder.
Das Gehäuse und somit auch die Handhabung unterscheiden sich jedoch in zwei Punkten. Bei der normalen DSLR-Version ist sowohl die Blende als auch der Fokus als ein relativ glatter gummierter Ring ausgeführt und die Blende stufenweise 'geklickt', wie bei Fotoobjektiven üblich.
Bei der VDSLR-Version hingegen sind beide Ringe als Zahnkranz ausgeführt und die Blende stufenlos verstellbar. Auch ist der Fokus etwas härter, minimal schwergägiger und hat einen längeren Fokusweg.


Warum ist das so?
Beim Film wird oftmals mit 'der Tiefe' gespielt. D.h. der Fokus wird beispielsweise erst auf eine Person im Vordergrund gelegt und lenkt dann den Blick des Betrachters auf den Hintergrund, indem der Fokus, also die Schärfeebene nach hinten verlagert wird.
Hierzu muss der Fokusring gedreht werden.
Das wird jedoch nicht per Hand mittels einer einfach Drehbewegung gemacht, sondern unter Zuhilfenahme eines sog. FollowFokus. Das ist eine Apparatur, die mit Zahnrädern in einen Zahnkranz am Objektiv greift. Somit ist der Fokussierprozess wesentlich leichter und kann sogar fast von der Kamera entkoppelt werden. Auch ist es möglich, den Fokus so per Fernsteuerung aus mehreren Metern Entfernung zu steuern und das Bild über einen Monitor zu überprüfen. Der Kameramann ist beim Film nur für die Kameraführung zuständig. Um den Fokus kümmert sich der Fokus-Puller.
Identisches gilt für die Blende, die ggf. bei Lichtveränderungen (Kamerafahrt aus dunklem Gebäude in helle Natur) verändert werden muss.


Aus diesem Grund – dem Einsatz eines FollowFokus – sind alle Videobjektive aller Hersteller (vornehmlich ZEISS) mit Zahnkränzen ausgestattet.
Selbstverständlich gibt es auch Nachrüstsätze für Objektive ohne Zahnkranz.


Damit der Fokus perfekt und punktgenau gesetzt werden kann, sind die Fokusringe sehr genau gearbeitet, etwas schwergängiger und haben einen relativ langen Fokusweg.
Dies führt dazu, dass eine (verglichen mit einem Fotoobjektiv) relativ weite Drehbewegung erfolgt für eine vergleichsweise kleine Änderung der Schärfe.


Welche Vor- oder Nachteile hat das für Fotografen des Nachthimmels?
Ich selber nutze (fast) ausschließlich die VDSLR-Versionen, da es nur (!) Vorteile gibt. Keinen einzigen Nachteil.
Die Möglichkeit, den Fokus punktgenau zu setzen, ist bei der Fotografie von Sternen unerlässlich und nur manuell möglich. Der Autofokus versagt nachts grundsätzlich. Das Finden der perfekten Schärfe ist bei wackligen, leichtgängigen Fokusringen mit sehr kurzen Fokuswegen eine Qual. Und das trifft auf praktisch alle Fotoobjektive zu, bei den billigen Kitlinsen ist es am schlimmsten. Punktgenaue Fokussierung ist kaum und nur mit viel Geduld möglich.
Die präzisen Fokusringe von Videoobjektiven ermöglichen es hingegen, die Schärfe exakt zu setzen. Der lange Fokusweg erlaubt auch feinste Abstimmungen.


Die entklickte Blende ist nicht ganz so wichtig, aber ebenfalls sehr angenehm:
Jedes Objektiv ist offenblendig weniger scharf als etwas abgeblendet. Das betrifft sowohl günstige Linsen als auch solche aus dem Hochpreissegment.
Um nun die perfekte Blendenöffnung zu finden, fokussiere ich einen hellen Stern oder Planeten (im liveView) und schließe dann langsam die Blende. Hierbei wird der Stern immer kleiner und schärfer.
Der sanfte Blendenring, der sich stufenlos drehen lässt, ist dabei eine angenehme Hilfe. Selbstverständlich geht das auch mit den geklickten Blendenringen der normalen Objektivversion, allerdings nicht stufenlos.


Das ist übrigens auch der Grund, warum ich bei meinen Fotos nicht genau angeben kann, mit welcher Blende ich fotografiert habe. Ich weiß es schlichtweg nicht genau. Ich kann zwar auf die Skala am Objektiv schauen (was ich aber in der Regel vergesse) und dort ablesen: Ca. f 2,6 oder ca. f1.9.
Aber erstens ist die Skala nicht absolut genau und zweitens ist mir die Blendenöffnung herzlich egal. Ich schließe die Blende einfach so weit, bis das Bild absolut scharf ist.

F-Stop oder T-Stop?

Fotografen ist meistens nur der 'f-Wert' bekannt. Er bezeichnet die maximale Blendenöffnung und somit auch die Lichtstärke. Eine kleine Zahl steht hier für eine große maximale Blendenöffnung. Durch eine weit geöffnete Blende kann viel Licht durch das Objektiv auf den Sensor fallen.
Der 't-Wert' (oder eben englisch T-Stop) bezeichnet ungefähr das gleiche. Auch hier steht eine kleine Zahl für eine hohe Lichtstärke.
Dennoch sind f- und t-Wert nicht dasselbe, wenngleich sie manchmal (fast) identisch sind.

Warum ist das so? Bei der Produktion von Bewegtbildern, also beim Film, wird oftmals die Brennweite gewechselt. So wird z.B. eine Gesprächsszene mit 24 oder 35 mm relativ weitwinklig als 'Totale' gedreht und zeigt die Akteure im Umfeld. Danach wird mit 50 oder 85 mm das Gespräch erneut gefilmt, jedoch als Halbtotale oder 'CloseUp.' Im Schnitt werden diese Szenen dann gemischt.
Hierbei ist es unerlässlich, dass jede Aufnahme gleich hell ist, andernfalls würden die Schnitte unangenehm auffallen.
Und genau an dieser Stelle ist der T-Stop wichtig.
Nur der T-Stop schafft eine Vergleichbarkeit der Lichtstärken, da hier der tatsächliche Lichtdurchgang messtechnisch erfasst wird. T steht für 'Transmission', also den echten Lichtdurchgang.
Genau das ist beim f-Wert nicht der Fall!

Der F-Stop ist ein rein mathematisch berechneter Wert, der sich aus dem Verhältnis von Brennweite zur Öffnungsweite eines Objektivs ergibt (Brennweite / Öffnung = f-Wert).
Beim f-Wert wird jedoch nicht berücksichtigt, dass nicht alles Licht, das vorne in das Objektiv eindringt, auch hinten beim Sensor/Film ankommt. Ein Teil des Lichtes geht unterwegs im/am Objektiv verloren (es wird gespiegelt, gebrochen, reflektiert, absorbiert...). Die wahre Transmission ist also geringer als die berechnete. Der gemessene T-Wert erfasst diese Lichtverluste und gibt den wahren Lichtdurchgang an.

Daher ist der T-Wert auch immer geringer als der f-Wert: T-Stop > F-Stop.
Hierbei gilt: Je näher der T-Stop am F-Stop liegt, desto weniger Licht geht bei der "Durchwanderung" des Objektivs verloren. Bei guten Objektiven mit hochvergüteten Linsen kann der t-Wert dem f-Wert sehr nahe kommen.

Das führt zu folgender Tatsache:
Jedes Objektiv mit beispielsweise T 1.5 hat tatsächlich die Lichtstärke von 1.5. Die gemessene Lichttransmission beträgt 1.5. Ein Wechsel der Brennweite auf ein anderes T 1.5-Objektiv erzeugt ein gleich helles Bild. Der Kameramann weiß ganz genau, welche Einstellungen er beim Objektivwechsel vornehmen muss, um ein gleichermaßen helles Bild zu erhalten.

(Foto-)Objektive mit beispielsweise der Angabe f2.8 können hingegen gänzlich unterschiedliche Lichtstärken haben und somit unterschiedlich helle Bilder (bei gleichen Einstellungen) produzieren. So unterscheiden sich beispielsweise die drei Objektive A, B und C in ihrem wahren Lichtdurchgang, obwohl alle drei mit f2.8 bezeichnet sind.
Das ist auch richtig, denn der f-Wert wird berechnet und ist bei gleicher Brennweite und gleicher Öffnung bei allen Objektiven identisch. Die Mathematik gibt diesen Wert vor.
Da die Objektive aber unterschiedlich gebaut sind, 'verschlucken' sie unterschiedlich viel Licht. Sie haben dann trotz identischer f-Werte unterschiedliche f-Werte von 3.1, 3.3 oder 3.5 und somit auch unterschiedliche echte Lichtstärken, also nicht identische Lichttransmissionen. Sie erzeugen trotz identischer f-Werte unterschiedlich helle Bilder (bei ansonsten identischen Einstellungen).

Hier einmal anhand eines konkreten Beispiels
Sowohl das Nikkor 70-200mm AF-S VR IF-ED als auch das Tamron SP 70-200mm Di VC USD haben einen (berechneten) f-Wert von 2.8.
Die tatsächliche Lichttransmission ist jedoch beim Tamron höher. Es erzeugt ein helleres Bild. Es ist faktisch lichtstärker.
Und genau das spiegelt sich in den T-Stops wieder. Das Nikkor hat nur T 3.3, das Tamron 3.1. Das hört sich gering an, macht aber (bei der Nachtfotografie) einiges aus.
Die verlässlichste Quelle für Objektivtests gibt übrigens immer auch den gemessenen T-Stop an: https://www.dxomark.com

Das bedeutet ganz klar:


F-Werte sind nicht vergleichbar.

F2.8 bei Objektiv A ist nicht gleichbedeutend und auch nicht gleich lichtstark wie F2.8 bei Objektiv B!
Nur T-Werte erlauben den Vergleich von Objektiv-Lichtstärken!


Wunderst Du Dich also bisher, warum Dein 35 mm f1.4 ein dunkleres Bild erzeugt als das 35 mm f1.4 von Deinem Kumpel, so hast Du nun die Erklärung.
Dein 35 f1.4 hat vielleicht nur eine Transmission von T2.1; das von Deinem Freund jedoch T1.7 und ist somit faktisch lichtstärker. Trotz identischen f-Werts.

 
Milchstraßenaufgang im Februar – Canon 6D – 30 Sekunden
 

Vorteile

Die vielen Vorteile, die das Samyang 14 mm 2.8 bietet, sind rasch aufgezählt. Auf einige werde ich auch genauer eingehen.

Folgende Punkte sprechen für das Samyang 14 mm 2.8:

  • Geeignet für Crop- und Vollformatsensoren
  • Gute Abbildungsleitung
  • Hohe Lichtstärke
  • Geringe Verzeichnung
  • Hohe Verarbeitungsqualität
  • Ein, in Anbetracht der Qualität, unschlagbar günstiger Preis.

Der letzte Punkt, der ‚unschlagbar günstige Preis‘, muss nochmals kurz hervorgehoben werden:
Selbstverständlich gibt es Objektive, die in dem einen oder dem anderen Punkt etwas besser sind als das Samyang 14 mm 2.8. ‚Etwas besser‘ aber nicht um Klassen besser oder gar ausschlaggebend.
Und hier kommt der Preis ins Spiel.
Wenn man Objektive bewertet, so kann das nicht für sich alleine stehen. Man muss sie im Vergleich zu anderen sehen. Und vergleichen kann man sie nur mit ‚ihresgleichen‘. Es wäre unfair, ein 350.- Euro Objektiv mit einem 3500.- Euro Objektiv zu vergleichen und 1:1 dasselbe zu erwarten. Aber das, was man beim Samyang 14 mm 2.8 für rund 350.- geboten bekommt, muss sich nicht vor wesentlich teureren Objektiven verstecken. Daher die Aussage: „Ein unschlagbar günstiger Preis für eine hervorragende Leistung“.

Ein schneller Schnappschuss im Schnee. Auf dem Weg zu einem Fotospot. Canon 6D, 30 Sekunden.
 

Verarbeitungsqualität

Die Verarbeitungsqualität des Samyang 14 mm f2.8 ist (wie bei allen Samyang Objektiven) als hoch einzustufen. Es muss den Vergleich zu hochpreisigen Modellen der renommierten Hersteller, wie beispielsweise dem Canon 14 mm 2.8 oder dem Pendant von Nikon für jeweils rund 1350.- keinesfalls scheuen.
Verbaut werden hochwertige Komponenten. Das Objektiv ist zu großen Teilen aus Metall gefertigt und dort, wo ‚Plastik‘ verbaut ist, handelt es sich um hochwertige, stabile Kunststoffe; es liegt schwer und gut in der Hand und fühlt sich sehr wertig an.
Am Samyang 14 mm 2.8 wackelt nichts. Kein Vergleich zu den „Plastiklinsen“, die man oft als Kit-Objektiv oder allgemein im günstigeren Preissegment vorfindet.
Sowohl Fokus als auch Blende sind stabil, sitzen punktgenau und verstellen sich keinesfalls von alleine. Der feinfühlige lange Fokusweg ermöglicht eine ausgesprochen exakte Abstimmung der Schärfe.
Bei Samyang kauft man (so meine Erfahrung mit fünf verschiedenen Modellen) hochwertig gefertigte Objektive. Und das ist bei dem relativ geringen Preis schon etwas besonderes. Die Markenhersteller bieten bei einem etwa 3 bis 4-fachen Preis auch nichts wesentlich besseres.

Standbild aus einem Zeitraffer nach dem Ende der Mondfinsternis 2018 – Canon 6D, 30 Sekunden.
 

Abbildungsleistung

Auch die Abbildungsleistung kann sich in vielen Punkten mit deutlich teureren Konkurrenzprodukten messen. Das ist nicht nur mein persönlicher Eindruck, sondern wird auch von namhaften Testlaboren bestätigt. Natürlich muss auch hier der Preis berücksichtigt werden.
Gewisse Nachteile in der Abbildungsleistung sind vor allem der Physik geschuldet, die extreme Weitwinkellinsen eben in den Randbereichen etwas verzerrt. Aber das betrifft alle Hersteller.
Das Objektiv ist schon offenblendig erstaunlich scharf und erreicht bereits bei geringem Abblenden seine maximale Schärfeleistung.

Sommermilchstraße in Vorarlberg – Canon 7D – 25 Sekunden (leichte „Eiersterne aufgrund zu langer Belichtungszeit für einen Zeitraffer)
 

Nachteile

Was hier unter der Überschrift ‚Nachteile‘ steht, wäre eigentlich treffender mit ‚Phänomenen‘ oder ‚Gegebenheiten‘ überschrieben.
Denn um Nachteile im klassischen Sinn handelt es sich nicht. Es sind vielmehr ein paar Tatsachen, die man wissen sollte und die ich daher der Vollständigkeit halber aufliste.

Startrails – Canon 7D – 25 Sekunden
 

Randverzeichnung
Wie jedes Ultra-Weitwinkelobjektiv verzeichnet (verzerrt) das Samynag/Walimex 14 mm zum Rand hin. Bei Landschaftsfotos fällt das weniger auf, bei Aufnahmen von Sternen, besonders bei Zeitrafferaaufnahmen jedoch schon. Das ist aber (und das muss man deutlich sagen) kein Fehler des Herstellers, sondern eine physikalische Gegebenheit, die jedes starke Weitwinkelobjektiv jedes Herstellers betrifft. Immerhin wird bei einem Ultraweitwinkel ein Gesichtsfeld von ~ 130° abgebildet. Kein Hersteller schafft das verzeichnungsfrei und auch das 3 Mal so teure Canon-Objektiv ist da kaum besser. Am Crop-Sensor ist dieser Effekt übrigens weniger stark ausgeprägt.

Linsenverkippung
Im Gegensatz zur bauartbedingten Randverzeichnung ist die Linsenverkippung (meistens) ein Produktionsfehler. Auch mit diesem Fehler steht Samyang nicht alleine da.
Eine Linsenverkippung zeigt sich in einer ungleichmäßigen Schärfe über das gesamte Bildfeld. Da eine Linse der Linsengruppe minimal verkippt ist, befindet sich die optimale Schärfe nicht in jedem Bereich des Bildes an derselben Stelle; es ist also unmöglich, ein verkipptes Objektiv zu fokussieren, ein Bereich des Fotos bleibt immer leicht unscharf.

Oftmals hört man in Astrokreisen, dass dies ein spezielles Problem des Samyang 14 mm Objektivs sei. Ich bezweifle das aus zwei Gründen:
Erstens ist das Samyang die weitverbreitestes Optik für Landschafts-Astrofotografie und zweitens ist es die weitverbreitetste Linse für Astrofotografie.

Hört sich erstmal komisch an!?

Ich meine damit folgendes:
Erstens fällt dieser Fehler aufgrund der weiten Verbreitung häufiger auf.
Klar – bei einem Objektiv, das in der Szene weit verbreitet ist, kommt es allein aufgrund der hohen Stückzahlen zu häufigeren ‚Fehlermeldungen‘.
Zweitens ist diese Linse vor allem bei Astrofotografen beliebt. Und nur bei so speziellen Objekten wie vielen kleinen punktförmigen Lichtquellen (Sterne) und so kritischen Augen, wie Astrofotografen sie haben, wird dieser Fehler überhaupt deutlich. Ich kenne keinen Landschafts-Astrofotografen, der mit beispielsweise dem Canon 14 mm Objektiv fotografiert, aber mehrere Dutzend, die das Samyang/Walimex nutzen.
Drittens, so könnte man noch vermuten, wird bei Samyang besonders genau hingeschaut. Immerhin ist es ein eher unbekannter Hersteller, dem eher Fehler zugetraut werden. Darüber hinaus gibt es eben auch den hier angesprochenen Mythos, der die Nutzer genauer schauen lässt.

Bei normalen Landschaftsfotos am Tage fällt dieser Fehler nicht auf und außerdem achtet da auch niemand darauf; der Begriff Linsenverkippung ist ja allgemein nicht bekannt.
Das führt dazu, dass erstens die teuren 14 mm Objektive von Canon oder Nikon weniger weit verbreitet sind, zweitens niemand so genau hinschaut (der Fehler wird nicht erwartet) und ‚Tageslicht-Fotografen‘ das Phänomen der Linsenverkippung praktisch nicht (er)kennen.

Ich vermute, dass das auch der Grund ist, warum immer wieder solche Linsen durch die Qualitätskontrolle rutschen: Der Effekt fällt eigentlich nur bei Sternen auf, überkreuzt sich mit der bauartbedingten Randverzerrung und ist im Regelfall, also bei normaler Landschaftsfotografie, zu vernachlässigen.

Um es klar zu sagen: Ich habe immer mal wieder Bilder gesehen, die auch mit teuren Linsen gefertigt wurden, die eine eindeutige Linsenverkippung aufweisen. Sogar ein Bild der Andromedagalaxie mit einem teuren 200 mm Nikon-Objektiv zeigte den Effekt deutlich.

Der Mythos, dass das Samyang 14 mm besonders anfällig für eine Linsenverkippung wäre, stimmt meiner Meinung daher nicht.

Eine Schlussfolgerung muss man daraus allerdings ziehen (und ich habe sie bei späteren Käufen auch gezogen):
Objektive sollte man nicht gebraucht kaufen. Man sollte unbedingt einen Händler wählen, der einen unkomplizierten Umtausch (und das auch ein zweites Mal), ermöglicht. Ich habe davon erst ein einziges Mal gehört, aber es gab (gerüchteweise!) den Fall, dass ein Kunde erst beim dritten Exemplar eine verkippungfreie Linse bekam.

Vignettierung und kissenförmige Bildwölbung
Ebenfalls kein echter Nachteil oder gar Fehler des Objektivs, sondern eine Gegebenheit. Praktisch jedes Objektiv hat eine leichte Vignettierung, bei Ultraweitwinkel-Linsen ist sie besonders ausgeprägt.
Kissenförmige Bildwölbungen treten bei Weitwinkellinsen ebenfalls immer auf. Bauartbedingt und bei jedem Hersteller.

In Lightroom (oder jedem anderen Entwicklungsprogramm) sind Vignettierung und Bildfeldwölbung jedoch auf Knopfdruck zu beseitigen.
Hier ein Vorher-Nachher-Bild mit der automatischen Objektivkorrektur. Erst im direkten Vergleich wird die Bildfeldwölbung überhaupt sichtbar.
 
Typische Bildfeldwölbung Weitwinkelobjektiv und automatische Korrektur – Maus über Bild bewegen!

Manueller Fokus
Ein klar zu benennender Nachteil ist der fehlende Autofokus. Denn den bieten die Konkurrenzhersteller alle an.
Aber:
1. Sind gerade Weitwinkellinsen ausgesprochen leicht zu fokussieren und
2. Sprechen wir hier von Astrofotografie. Und nachts am Sternenhimmel versagt jeder noch so gute Autofokus. Das manuelle Fokussieren ist nachts immer Pflicht.

Zusammenfassung der Nachteile

  • Randverzeichnung –> Typisch bauartbedingt. Nicht zu vermeiden, bei allen Herstellern vorhanden.
  • Linsenverkippung –> Sehr selten. Überbewerteter Mythos.
  • Vignettierung und Bildfeldwölbung –> Typisch bauartbedingt. Beseitigung durch automatische Korrektur.
  • Kein Autofokus –> Für Nachtaufnahmen unnötig, da nicht funktionierend. Tagsüber nett, aber bei Weitwinkel (fast) unnötig.

So gesehen sind die Nachteile eher „Gegebenheiten“, die teils aufgrund des Weitwinkels nicht zu vermeiden sind. Es sind somit nur relative Nachteile und eigentlich zu vernachlässigen.
Ich habe sie der Vollständigkeit halber aber dennoch angesprochen.

Am Alpenrand – Mai 2016 – Canon 6D – 30 Sekunden
 

Wieviel Weitwinkel bekommt man da?

Wer noch nie ein Ultraweitwinkel-Objektiv getestet hat, kann sich möglicherweise schwer vorstellen, wie weit dieses „weit“ denn nun wirklich ist.
Als Weitwinkel wird alles kleiner als etwa 50 mm bezeichnet. Größere Brennweiten als „Tele“.
50 mm gelten als Normalbrennweite, da dies ungefähr dem menschlichen Blickwinkel, also unserem „Seheindruck“ entspricht.
Und da sind 14 mm schon sehr, sehr weit!

Hier ein Vergleichsbild, das auch angeklickt und somit groß betrachtet werden kann.
Ich habe hier möglichst schnell hintereineander Fotos mit 4 verschiedenen Brennweiten von Samyang gemacht. Die Nomrmalbrennweite von 50 mm liegt also etwa zwischen 35 und 85 mm.
Die weißen Rahmen dienen nur der Veranschaulichung; das sind wirklich vier übereinander gelegte Fotos (14, 35, 85 und 135 mm).

Vergleich unterschiedlicher Brennweiten: Samyang 14, 35, 85 uind 135 mm

Ein weiterer Vergleich aus dem Sommer 2016
 

Alternativen

Natürlich gibt es auch alternative Objektive, die dieselbe oder eine sehr ähnliche Brennweite bieten.

  • Das wären zunächst einmal die Konkurrenzprodukte der Markenhersteller: Das Canon 14 mm und das Nikon 14 mm
  • Bekannt und beliebet bei Astrofotografen ist das Irix 15 mm
  • Samyang selber hat noch zwei ähnliche Brennweiten im Angebot: Samyang 12 mm, das allerdings schon einen starken Fischaugen-Effekt aufweist und das Samyang 16 mm
  • Zuletzt hat Samyang angefangen, seinen Objektiven auch einen Autofokus zu spendieren. Das macht die Objektive teurer und ist für Nachtaufnahmen unnötig. Am Tag mag es allerdings eine Überlegung (und einen Aufpreis) wert sein. Jedenfalls gibt es das 14 mm Objektiv auch als neue AF-Version.

Überarbeitetes Standbild aus Zeitraffer – Canon 6D – 30 Sekunden (etwas zu lang belichtet, aber für Zeitraffer ok)
Einige meiner Zeitraffer gibts hier: Klick mich für Zeitraffer.

 

Ganz zum Schluss zeige ich noch eines meiner Lieblingsbilder. Entstanden zur „Sternschnuppennacht“ im August 2018.
Diese Nacht habe ich in einem eigenen Bericht ausführlich beschrieben, inkl. der Entstehung dieses Fotos.
(Es ist allerdings kein „Refernezbild“ für die Qualität dieses Objektivs, da hier mit dem Foto schon recht viel gemacht wurde. Aber ich mag es einfach gerne)

Am Alpenrand – Mai 2016 – Canon 6D – 30 Sekunden
 

Freundliches Schlusswort/Fazit

Ich hoffe, dass dieser Überblick bzw. dieser Testbericht des Samyang/Walimex 14 mm für Dich interessant war. Für mich persönlich ist dieses Objektiv der Preis-/Leistungs-Testsieger für weitwinklige Astrofotografie, besonders für Fotos der Milchstraße und nächtliche Zeitraffer.

Natürlich lassen sich mit anderen Brennweiten, beispielsweise 35 oder 50 mm, detailreichere Bilder erstellen. Diesen Detailreichtum „erkauft“ man sich jedoch mit wesentlich kürzeren Belichtungszeiten, denn die Belichtungszeit ist in der Astrofotografie von der Brennweite abhängig. Und kurze Belichtungszeiten ‚verdunkeln‘ die Bilder; ein Effekt, den man nachts am Sternenhimmel wahrlich nicht möchte.

Alternativ kann man längere Brennweiten natürlich auch auf Astrotrackern nachführen. Aber das ist dann wieder eine ganz andere Nummer und entfernt sich schon ein Stück weit von normaler Landschafts-Astrofotografie. Für Zeitraffer ist das (mit Ausnahmen) so oder so keine Option; hier muss man schon fast zwingend zu einer lichtstarken Weitwinkellinse greifen.

Wenn es Dich interessiert, welche Objektive ich sonst noch so nutze, dann wirf doch einen Blick in meine Ausrüstungsliste.

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4 Gedanken zu „Objektiv-TEst – Samyang – Walimex 14 mm für Astrofotografie

  1. Hervorragend in jeder Hinsicht. Flüssig und verständlich geschrieben, keine Bleiwüste, mit eingängigen Erklärungen und sehr schönen Bildern. (Und das, obwohl ich nur per smartphone schaue.
    Klasse Seite ! Weiter so!
    Ps.: walimex ist mir vor 14Tagen das erste mal „über
    Den Weg gelaufen“, und ich dachte nur : das kann bei dem Preis ja eigentlich nur Schrott sein!
    Jetzt weiss ich’s besser!
    Und 14mm wären schon ’ne tolle „Sache“ !
    Vielen Dank, weiter so!
    Johannes.

  2. So eine geniale Seite ! Einfach nur toll die Inhalte, Empfehlungen und Texte. Danke…. Jetzt bestelle ich mir das 14mm mit Autofokus von Samyang ..

    Anna

  3. Hallo,
    danke für deine tolle Ausführungen und Erklärung – nicht nur hier für das Samyang, welches auch ich besitze. Danke dafür und ich werde weiter auf deiner Seite „stöbern“ und informieren.
    Gruß Uwe

  4. Auch für mich als Einsteiger sehr verständnisvoll geschrieben. Hat meine Entscheidung für diese Objektiv zusätzlich untermauert.
    Vielen Dank!

    Tho

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