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Das Sternbild Skorpion ist eines der fantastischsten sommerlichen Sternbilder; die Region zwischen den Sternen Antares und Rho Ophi eine der farbenfrohsten überhaupt.
Doch leider ist der Skorpion in seiner Gänze von Mitteleuropa aus niemals vollständig zu sehen, vielleicht mit ein Grund, der ihn für uns so besonders macht.

Trotz der erschwerten Bedingungen in unseren Breiten ist der Skorpion ein lohnenswertes Ziel und viele der wunderschönen Objekte auch von hier aus zu fotografieren:
Der Kugelsternhaufen M4 ist einer der größten, die bunten Nebelgebilde einzigartig und der blaue Pferdekopf vielleicht sogar der schönste Reflexionsnebel überhaupt.

Dieser Artikel soll einen Einblick in dieses vielfältige Sternbild liefern. Angefangen bei den antiken Mythen, über einige astronomische Fakten und hin zu einzelnen Objekten und den konkreten Möglichkeiten, sie zu fotografieren.

 

Zum Aufbau dieses Berichts:

1. Allgemeines

2. Griechische Mythologie

3. Den Skorpion finden, beobachten und fotografieren
Wie findet man das Sternbild am Himmel?
Wie kann man es fotografieren?

4. Objekte im Sternbild Skorpion
Stern: Antares
Sternhaufen
Nebelgebiete
Weitere lohnenswerte Objekte

5. Freundliches Schlusswort

 

1. Allgemeines

Das Sternbild Skorpion zählt zu den 48 antiken ptolemäischen Sternbildern (150 n. Chr). Es bedeckt eine Fläche von etwa 500 deg² und zählt damit zu den mittelgroßen Sternbildern.
Der Skorpion ist eines der wenigen Sternbilder, bei denen der Asterismus (also das Muster, das man aus seinen Sternen bilden kann) einigermaßen mit dem Namensgeber übereinstimmt: Mit etwas Phantasie erkennt man einen Skorpion, dessen Scheren bis in das heutige Sternbild Waage reichen und dessen Stachel bedrohlich erhoben dem Band der Milchstraße folgt.

Bekannt war das Sternbild bereits in der Bronzezeit vor über 5000 Jahren. Von den Kulturen im Zweistromland (‚Babylonier‘, ‚Sumer‘, ‚Akkader‘) verbreitete es sich über das antike Ägypten, die Kulturen auf Kreta (‚Minoer‘) nach Griechenland und von dort weiter ins römische Reich.
Über die Jahrtausende veränderten sich dabei sowohl Namen als auch Mythen und sogar die Sterne, die zu diesem Sternbild gezählt wurden.
Aus einer bronzezeitlichen Göttin wurde ein Skorpion. Die westlichen Scheren wurden Teil des Sternbilds Waage und 1922 wurde bei der Neuaufteilung des Himmels der nördliche Teil dem Schlangenträger zugeschlagen.

Der Skorpion ist eines der Tierkreisbilder; die Sonne passiert es auf ihrer Bahn. Dies allerdings nur für eine knappe Woche Ende November.
Würde man also die „Sternzeichen“, die traditionell jedem Menschen aufgrund des Geburtstages zugeschrieben werden, nicht anhand 2600 Jahre alter Himmelskarten berechnen, so hätten nur diejenigen, die vom 23. bis 30. 11. geboren sind, Skorpion als „ihr Sternzeichen“. Im „klassischen Skorpionzeitraum“ steht die Sonne tatsächlich meist in der Waage (30.10. bis 23.11.).
Bist Du also Skorpion, so freunde Dich mit dem Gedanken an, dass zu Deiner Geburt die Sonne im Sternbild Waage oder anfänglich (erste „Skorpionwoche“ vor dem 30.10) im Sternbild Jungfrau stand.
Es sei denn, Du bist vor 2600 Jahren geboren. 😉

 

2. Griechische Mythologie – Wie der Skorpion an den Himmel gelangte

Wie und warum der Skorpion in die Welt kam, habe ich beim Sternbild Orion genauer beschrieben. Die „Orion-Saga“ ist meiner Meinung nach einer der „spannendsten Blockbuster“, den die griechische Mythologie zu bieten hat:
Orion war ein ausgesprochen rücksichtsloser Jäger – sowohl gegenüber der Tierwelt als auch gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Als Sohn mehrerer Götter war er obendrein nahezu unsterblich.
Es gibt verschiedene Versionen, was genau geschah: Unterschiedliche Damen werden dafür verantwortlich gemacht, Hephaistos, den Schmied und Erfinder, angespornt zu haben, ein Wesen zu erschaffen, ausgestattet mit einem Gift, das Orion töten könnte.
Wie er genau zu Tode kam, ist auch nicht ganz sicher: Entweder direkt durch das Gift des Skorpions oder durch einen Pfeil, nachdem ihn das Gift kampfunfähig gemacht hatte.

Jedenfalls wurde Orion nach dem Tod von seinem Göttervater Zeus an den Himmel gesetzt, genauso wie der Skorpion. Beide wurden so platziert, dass sie sich niemals begegnen können:
Geht das Sternbild Orion im Frühjahr unter, geht der Skorpion auf. Und geht der Skorpion im Hochsommer unter, erscheint Orion.

Eine weitere Geschichte findet sich in Zusammenhang mit dem Sternbild Fuhrmann, besser Wagenlenker:
Phaeton, der Sohn des Sonnengottes Helios, durfte zum Leidwesen seines Vaters eine Fahrt mit dem Sonnenwagen unternehmen. Als die Pferde, die den Wagen zogen, den zum Angriff erhobenen Stachel des Skorpions erblickten, gingen sie durch. Ein Drama nahm seinen Lauf, dem wir letztendlich die Milchstraße (als Spur des brennenden Sonnenwagens, der von seiner Bahn abkam) zu verdanken haben.

Übrigens
Nicht nur die antiken Kulturen im Mittelmeerraum hatten ihre Sage zu diesem deutlich sichtbaren Sternenmuster; auch in anderen Regionen der Welt ersonnen die Menschen Geschichten:
Die Ureinwohner Neuseelands (wo es keine Skorpione gibt) sahen in der Sternenkette einen Angelhaken, mit dem die Erde bei der Schöpfung der Welt von der Schöpferin aus dem Urmeer geangelt wurde. Auch die Ureinwohner Hawaiis erkennen einen Angelhaken, mit dem ein Gott einst die Inselkette aus dem Ozean gezogen habe.




 

3. Den Skorpion finden, beobachten und fotografieren

 

Den Skorpion finden und beobachten

Der Hauptstern des Skorpions, Antares, leuchtet unverkennbar rot-orange und „die Scheren des Skorpions“ zeichnen ein unverkennbares Muster an den Himmel. Schwer ist die nördliche ‚Kopfregion‘ des Skorpions also nicht zu finden, wenn man im späten Frühling und Sommer an den südlichen Horizont blickt. Die leuchtstarken Sterne setzen sich auch gegen die Lichtverschmutzung einer Großstadt durch, sodass man sie praktisch überall im deutschsprachigen Raum sehen kann.
Schwerer (bis unmöglich) wird es dann mit dem restlichen Sternbild. Zwar ist es von Antares kommend an sich keine Kunst mit den Augen der Sternenkette hinab zu folgen, dann nach Osten (links) abzubiegen und von dort wieder hinauf in Richtung Schütze zu wandern. Aber die Horizontnähe verschluckt gerne einige der Sterne und die südlichsten steigen von hier aus betrachtet niemals über den Horizont.
Befindet man sich jedoch selber im Süden, beispielsweise in Griechenland, auf Sizilien oder Nordafrika, so kann man die Figur des Skorpions, von den Scheren, die in die Waage reichen, bis zum Stachel, der dem Band der Milchstraße folgt, problemlos nachvollziehen. Auch wird man dort mindestens den Kugelstenhaufen M4, evtl. auch einen der offenen Sternhaufen ohne Hilfsmittel erspähen können.

 

Der beste Zeitraum

Der Zeitraum der Sichtbarkeit ist länger als der, der sich für die Fotografie eignet. Dank seiner hellen Sterne ist der „Skorpionkopf“ auch in den Dämmerungsphasen vor und nach dem Ende der dunklen Nacht sichtbar und das auch sehr horizontnah.
Fotografisch wartet man idealerweise die Zeitpunkte ab, zu denen er während der astronomischen Dunkelheit möglichst hoch über dem Horizont steht.

Der ideale Zeitraum für den Skorpion ist bei uns, obwohl er zu den Sommersternbildern gezählt wird, der Frühling:
Anfang Februar erscheint er erstmals über dem südöstlichen Horizont; Antares ist in der letzten Stunde vor Sonnenaufgang zu sehen. Von nun an erscheint er jeden Monat etwa 2 Stunden früher.
Anfang März lässt er sich bereits über einen Zeitraum von rund 2 Stunden beobachten, etwas länger und früher dann Anfang April.
Ideal ist der Mai. Ab Mitternacht stehen bis zum Sonnenaufgang über 3 Stunden zur Verfügung, wobei Antares vor Sonnenaufgang direkt im Süden seinen höchsten Punkt erreicht.

Theoretisch wäre der Juni ebenso geeignet, doch stören da die kurzen Sommernächte, die in weiten Teilen Deutschlands nicht absolut dunkel werden: Im Juni steht der Skorpion bereits direkt nach dem Einbruch der dunklen Nacht zwischen 23 Uhr und Mitternacht recht weit oben und erreicht vor 1 Uhr seinen höchsten Punkt.
Im Juli hat der Skorpion seinen Zenit zum Einbruch der astronomischen Nacht bereits überschritten und befindet sich im Untergehen. Im August ist er nur noch kurz vor seinem Untergang knapp im Südosten zu erhaschen.

So gesehen ist der Skorpion bei uns tatsächlich zwischen Mitte März und Ende Mai am besten zu sehen und zu fotografieren – eindeutig im Frühling.
Weiter im Süden eignet sich hingegen der Zeitraum von Mitte Mai bis Mitte Juli genauso gut: Der Skorpion steigt höher über den Horizont und die Juni-Nächte sind länger.

Die folgende Tabelle gibt geeignete Zeiträume für Süddeutschland an.
Als Kriterium für ‚geeignet‘ wird dabei die Kombination aus „astronomischer Nacht“ und einer Höhe von min. 10° über dem Horizont, die Antares erreichen muss, definiert.
(Der höchste Punkt befindet sich in Süddeutschland etwa 16° über dem Horizont. Es vergehen rund 2 Stunden zwischen der Höhe von 10° und der maximalen Höhe).
Weiter im Norden steigt Antares natürlich nicht so weit hinauf, dennoch gelten die Zeiten ähnlich. Man muss jedoch bedenken, dass der Juni im Großteil Deutschlands dunklen Nächte mehr bietet und dieser Zeitraum somit (wie noch weiter im Norden auch Mai und Juli) entfällt.
Damit wird abermals deutlich, dass der Skorpion im Frühling am besten zu fotografieren ist. Tatsächlich kann man die Nebelgebiete um Antares im Februar länger fotografieren als im Juli.

(Nicht wundern: März/April nur eine Stunde Unterschied: Zeitumstellung!)

DatumAntares KulminationBeginn dunkle NachtEnde dunkle NachtSinnvoller Zeitraum (min. 10° über Horizont + Dunkelheit)
15. Februar07:0020:2006:4005:00 bis 6:50 (1,8h)
15. März5:1021:0505:5003:10 bis 6:00 (3h)
15. April4:1022:0004:3502:10 bis 4:45 (2,5h)
15. Mai2:1023:1003:2000:10 bis 03:30 (3,5h)
15. Juni0:1000:1502:1500:00 bis 2:30 (2,5h)
15. Juli22:1023:5002:5023:40 bis 00:20 (40 min)
15. August20:10
22:30
04:10keiner

 

4. Objekte im Sternbild Skorpion

Da das gesamte Sternbild Skorpion von unseren Breiten aus niemals vollständig über den Horizont steigt, bleiben uns einige der tollsten Deep-Sky-Objekte leider gänzlich verborgen oder stehen nur extrem kurz und so horizontnah am Himmel, sodass die Fotografie fast aussichtslos ist.
Im deutschsprachigen Raum kann nur mit viel Glück von den höchsten Gipfeln der südlichen Alpen und bei besten Bedingungen fast der gesamte Skorpion, d.h. zumindest alle Sterne des Asterismus‘ gesehen werden. Mit Sicherheit klappt das dann ab dem 43 Breitengrad, was z.B. Florenz, Sarajevo, Toulouse oder der nördlichen Küste Spaniens entspricht.

Zwei Beispiele für extrem horizontnahe Objekte sind der Bärentatzennebel (Sh 2-8) und der Krieg-und-Frieden-Nebel (Sh 2-11 bzw. NGC 6357). Beide steigen zwar von Süddeutschland aus gesehen über den Horizont, jedoch nur so flach und kurzzeitig, dass sie kaum fotografiert werden können.
Ähnliches gilt für die beiden offenen Sternhaufen M6 und M7, wobei sich Sternhaufen leichter gegen Dunst und Lichtverschmutzung behaupten können.
Völlig verborgen bleibt uns auch bei bester Horizontsicht z.B. der Garnelen-Nebel (IC 4628), ein schönes, großes und leuchtkräftiges H-Alpha-Gebiet mit einem Sternhaufen. Er ist ein fotografisches Ziel bei Reisen an südlichere Standorte.

Auch bei den Objekten, die über den Horizont steigen, hat man es vei uns nicht leicht. Die bereits angesprochene Horizontnähe, der vergleichsweise kurze Zeitraum und die in dem Zeitraum auch noch sehr kurzen Nächte erschweren das Fotografieren.
Lichtverschmutzung und Dunst am Horizont sind für sich genommen schon ein Nachteil. Der wäre allerdings mit viel Belichtungszeit und der Wahl dunkler Standorte zu kompensieren. Die Tatsache aber, dass der Skorpion meist nur für 2 bis 3 Stunden je Nacht und das auch nur während etwa 3 bis 4 (sinnvollen) Monaten des Jahres erscheint, machen das Sammeln von viel Belichtungszeit nicht gerade einfach.
Hinzu kommt zu allem Übel auch noch die fehlende Dunkelheit rund um die kurzen Nächte Ende Juni.

Dennoch sind die Objekte im Skorpion zu faszinierend, um sich nicht an ihnen zu versuchen. Eine Aufgabe, die viele Jahre Freude bereiten kann. Nicht nur aufgrund der zeitlichen Gegebenheiten, sondern auch aufgrund der enormen Vielzahl an Objekten aller Typen:
Emissions- und Reflexionsnebel, offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen, ein planetarischer Nebel und faszinierende Strukturen interstellarer Materie (ISM/IFN, Dunkelwolken). Nur prächtig leuchtende, großflächige Galaxien sucht man hier vergebens, wenngleich natürlich, wie überall, auch im Sternbild Skorpion einige Exemplare in den Galaxienkatalogen gelistet sind.

(Übrigens verhält es sich mit dem Sternbild Schütze ganz ähnlich, wobei dieses etwas bessere Sichtbarkeits-Bedingungen hat.)
 
 

Objekte im Detail

Lichtverschmutzung im VoralpenlandDas Sternbild Skorpion mit Deep-Sky-Objekten

An dieser Stelle findet sich bei meinen Sternbildbeschreibungen meist ein vollständiges Panorama, kombiniert aus mehreren gestackten 85 mm Aufnahmen, in das ich die Linien des Asterismus und die größten Deep-Sky-Objekte einzeichne.
Beim Skorpion kann ich das leider nicht bieten, da er, wie erwähnt, von Deutschland aus nicht sichtbar ist und ich bei meinem letzten Besuch im Süden noch kein solches Panorama angefertigt habe.
Daher gibt es nur einen Screenshot aus Stellarium. Eingefügt drei 135 mm Bilder und Markierungen für einige der hier angesprochenen Objekte.
Der Horizont verläuft von links oben nach rechts unten. „Unten“ oder Süden befindet sich also in der linken unteren Ecke. In Süddeutschland befindet sich der Horizont ungefähr auf einer Linie, die man durch den Stern unterhalb M7 und den Stern oberhalb IC4628 ziehen kann.

 

Antares – Der Gegenmars

Antares Größenvergleich zur SonneAres ist die griechische Bezeichnung für den Gott Mars. Seinen Widerpart (den Gegenmars oder Anti-Ares) sehen wir als hellsten Stern des Skorpions: Antares.
Mit 1,09 mag ist α Scorpii der hellste Stern des Sternbildes und der 16. hellste des Nachthimmels. Er ist ein roter Überriese von über einer Milliarde Kilometern Durchmessern, ca. 15 Sonnenmassen, 9000 Sonnenleuchtkräften und der etwa 65.000 fachen Strahlungsenergie. Er befindet sich ca. 520 Lichtjahre von uns entfernt.

Das Bild (Quelle: wikimedia, gemeinfrei) zeigt Antares im Vergleich zu Acturus (ein ’normaler‘ roter Riese und der 3. hellste Stern des Nachthimmels) und der Sonne (kleiner Punkt oben).
Die gestrichelte Linie stellt die Marsbahn dar. Antares ist so groß, dass er, stünde er an der Stelle der Sonne, über die Bahnen der inneren Gesteinsplaneten ragen würde.

 

Kugelsternhaufen M4, NGC 6121

Messier 4, M4, 600 mm croppednM4 – 600 mm – ca. 30% beschnitten – 40 x 45 Sek (30 Min)

Allgemeines

Messier 4 (auch NGC 6121 und Mel 144) ist DER Sternhaufen im Skorpion und einer der schönsten des Nachthimmels überhaupt (wobei Schönheit subjektiv ist).
Jedenfalls ist er einer der scheinbar größten und hellsten (0°26′), was auch daran liegt, dass er von allen Kugelsternhaufen derjenige ist, der uns am nächsten liegt: Nur 5.600 Lichtjahre beträgt die Entfernung. M80, der zweite Messier-Kugelhaufen im Skorpion, ist mit 48.000 Lichtjahren 9x so weit entfernt.
M4 wirkt daher nur so groß. In Wahrheit hat ‚der kleine‘ M80 mehr als die doppelte Größe.
(Das ewige Problem bei der Beschreibung der Größe von Deep-Sky-Objekten: Bezieht man sich auf die von hier aus sichtbare Größe oder auf die tatsächliche?)

Jedenfalls macht diese scheinbare Größe M4 zu einem sehr dankbaren Objekt für Deep-Sky-Fotografen.
Würde er etwas weiter nördlich stehen, so würde er dem angeblich größten und hellsten Kugelsternhaufen, M13, dem Herkuleshaufen, mit Sicherheit den Rang ablaufen. M4 ist genauso hell, aber um deutlich größer als M13.

M4 sehen und fotografieren

Sichtbar ist M4 ohne jedes Hilfsmittel und kann an dunklen Orten als kleiner Stern direkt neben Antares ausgemacht werden. Bereits mit einem einfachen Feldstecher erkennt man, dass es sich nicht um einen punktförmigen Stern handelt, sondern um ein scheinbar etwas nebliges Objekt. Mit Teleskopen lässt sich M4 dann problemlos in viele Einzelsterne auflösen.

Fotografieren kann man M4 relativ einfach. Sichtbar wird er aufgrund seiner Größe und Helligkeit auf Fotos mit beinahe jeder Brennweite. Ideal scheinen Brennweiten zwischen 400 und maximal 1000 mm.
Die Belichtungszeiten sollten mit um oder unter einer Minute relativ kurz gehalten werden, um die Sternfarben und den Zentralbereich des Haufens nicht überstrahlen zu lassen.
Mein Foto oben wurde aus 40 Fotos mit je 45 Sekunden kombiniert (f4, ISO 1600, keine Korrekturbilder, kein Dithering).

 

Kugelsternhaufen M80, NGC 6093

Messier 4, M4, 600 mm croppednM80 – 600 mm – ca. 30% beschnitten – 15 x 45 Sek (11 Min)

M80, „der Kleine“ steht stets im Schatten des riesigen M4, doch ist er astronomisch betrachtet nicht weniger interessant. Für Fotografen, die sehr lange Brennweiten nutzen, evtl. sogar das interessantere Objekt.

1781 beschrieb Messier M80 noch als „Nebel ohne Stern“; William Herschel 1785 dann bereits als einen der „dichtesten Haufen kleiner Sterne, die ich je gesehen habe“. Aufzufinden sei er „westlich des Himmelslochs“, womit Herschel wohl die relativ sternenarme Region der Rho-Ophiuchi-Dunkelwolke meinte.
Herschel hatte mit seiner Beschreibung nicht unrecht, denn heute gilt M80 als einer der dichtesten Sternhaufen unserer Milchstraße und als der kompakteste im gesamten Messier-Katalog. Die rund 100.000 Sterne mit etwa 400.000 Sonnenmassen ballen sich auf engstem Raum. Daher ist es kaum möglich, ihn im Zentrum in Einzelsterne aufzulösen.
In M80 finden sich erstaunlich viele blaue Sterne, die wirken, als seien sie wesentlich jünger als der Haufen selbst. Man nimmt an, dass die enorme Dichte im Haufen möglicherweise Sterne verschmelzen lässt. Auch wurde in M80 die erste jemals in einem Kugelsternhaufen beobachtete Nova entdeckt, wobei diese heller wurde als M80 selbst.

Mit dem bloßen Auge ist M80 nicht sichtbar, aber bereits ein kleiner Feldstecher reicht aus, um ihn als runden, sternartigen Flecken zu erkennen.

 
Messier 4, M4 vs M80 Messier 80 im Vergleich, 600 mm croppedM4 und M80 im direkten Vergleich. Beide Bilder wurden identisch beschnitten.

 

Offener Sternhaufen M6, NGC 6405, Schmetterling-Haufen

Messier 4, M4 vs M80 Messier 80 im Vergleich, 600 mm croppedM6 – 76×29 Sek. 600 mm

Zwei offene Sternhaufen des Messier-Katalogs finden sich im Feld des Skorpions; M6 ist der kleinere und nördlichere der beiden.
Abgesehen von den wenigen Objekten, die bereits in der Antike erwähnt wurden, ist M6 eines der Deep-Sky-Objekte, die in der ältesten bekannten Katalogisierung von nicht-stellaren Himmelsobjekten auftaucht: Der heute beinahe vergessene Giovanni Batista Hodierna, ein sizilianischer Geistlicher, konnte im Jahr 1654 18 einzelne Sterne zählen.
Etwa 100 Jahre später wurde der Haufen von De Lacaille in Südafrika beobachtet und gelistet, was Charles Messier bekannt war, der ihn daraufhin mit in seine „Verwechslungsgefahr mit Kometen-Liste“ aufnahm, die wir heute als Messier-Katalog kennen.

M6 ist etwa 10 Lichtjahre groß und zählt damit zu den eher kleineren Sternhaufen. Da er sich aber nur rund 1600 Lichtjahre von uns entfernt befindet, bedeckt er rund 0°25′. Es handelt sich um einen jungen Sternhaufen mit einem Alter von weniger als 100 Mio. Jahre.

M6 sehen und fotografieren

M6 liegt in einem eher sternarmen Gebiet, sodass er relativ einfach mit unbewaffneten Augen zu sehen ist, wenn der Himmel es zulässt. Bereits ein kleiner Feldstecher zeigt einige Dutzend Einzelsterne.
Fotografisch gilt alles, was auch unterhalb bei M7 steht. Einzig die dort lohnenswert erscheinenden Dunkelwolken finden sich bei M6 nicht in dieser Ausprägung.

 

Offener Sternhaufen M7, NGC 6475, Ptolemäus-Haufen

Messier , M7M7 – 44×29 Sek. – 600 mm

M7 ist eines der wenigen Deep-Sky-Objekte, die in der Antike nicht nur gesehen, sondern auch erwähnt wurden. Claudius Ptolemäus beschrieb in seinem Sternenkatalog einen „nebligen Fleck am Stachel des Skorpions“.
Es handelt sich um das dritthellste Messierobjekt, was mit an seiner recht geringen Entfernung von nur 1000 Lichtjahren liegt. M7 ist um einiges größer als M6 und bedeckt etwa 1°.

M7 sehen und fotografieren

M7 ist im 10×50 Feldstecher klar und deutlich als wunderbarer Sternhaufen zu erkennen. An sehr dunkeln Orten, an denen der Skorpion hoch in den Himmel steigt, ist es sogar möglich, ihn ganz ohne Hilfsmittel zu erkennen.
Auch ist der Sternhaufen sehr einfach zu finden: Rechts leicht unterhalb stehen zwei sehr helle Sterne direkt nebeneinander. Das sind Shaula und Lesath, die den Stachel des Skorpions bilden. Von diesen beiden wandert man einfach ein kleines Stück nach links oben und findet so M7.
M7 steht allerdings so weit südlich, dass er nicht mehr von ganz Deutschland aus sichtbar ist. Nördlich von 53° steigt er – anders als M6 – nicht mehr über den Horizont.

Fotografisch zeigt er sich bereits auf Fotos mit 50 mm; bei 85 mm schon sehr deutlich in viele Einzelsterne aufgelöst.
Brennweiten von 100 bis 200 mm ermöglichen, ihn in einem weiten Feld zusammen mit M6 und einigen westlich gelegenen H-Alpha-Nebelgebieten abzulichten.
Im Teleskop wirkt er zwischen 600 und 800 mm fotografisch am besten und zeigt sich eingebettet in sternenreiche Bereiche, die in einem hübschen Kontrast zu Dunkelwolken stehen. Längere Brennweiten als 1000 mm vermögen es dann nicht mehr, den ganzen Haufen zu erfassen, was den Reiz der Haufenstruktur raubt.

Um den Sternhaufen fotografisch darzustellen, sind, wie bei allen offenen Sternhaufen, nur kurze Einzel- und Gesamtbelichtungszeiten notwendig. Die Umgebung (Dunkelwolken) lässt es hier jedoch sinnvoll erscheinen, doch einige Stunden zu investieren, um diese Strukturen als zusätzlichen Reiz auszuarbeiten, der dem Bild Tiefe verleiht.




 

Antares-Nebel/Rho-Ophiuchi-Region mit diversen Objekten

135 mm, 75×120 Sek. = 2,5h – Objektbeschriftungen: Maus über Bild bewegen (oder am Mobilgerät anklicken)!
 
Wenn Astrofotografen von ‚den Nebeln im Skorpion‘ sprechen, dann ist meist die vielfältige Region um und vor allem nördlich von Antares gemeint.
In diesem Gebiet versammeln sich diverse Objekte auf engstem Raum, die in den buntesten Farben des Nachthimmels schimmern: Rote Emissionsnebel, gelbe und blaue Reflexionsnebel, helle Staub- bis tiefschwarze Dunkelwolken.

Eigentlich gehört nur ein Teil dieser Region zum Sternbild Skorpion – der nord-westliche Bereich fällt in das Sternbild Schlangenträger (Ophiuchus). Im Allgemeinen wird darauf aber keine Rücksicht genommen und alle Objekte der Einfachheit halber zu „den Nebeln bei Antares im Skorpion“ gezählt – und so handhabe ich das hier auch. Eine plötzliche Trennung wäre – wie es die Sternbildgrenzen an sich sowieso sind – willkürlich.

Im folgenden Bild wird deutlich, dass die Sternbildgrenze zwischen Skorpion und Schlangenträger die Rho-Ophiuchi-Wolke zerteilt; die blauen Reflexionsnebel vdB 105 und 106 und die „Dark lanes“, die bandförmigen Dunkelnebel, befinden sich nicht im Feld des Skorpions:

Sternbildgrenzen im nördlichen Skorpion.

Alle Objekte, die in den verschiedensten Katalogen gelistet wurden, sind Teil einer großen ‚Wolke‘ interstellarer Materie, allgemein als Rho-Ophiuchi-Molekül-Komplex bezeichnet. Ihr Zentrum befindet sich ungefähr bei den dunkelsten Flecken nördlich von Antares.
Es handelt sich um eine riesige ‚Dreck- und Staubwolke‘, die teils dichter, teils lockerer aufgebaut ist und in der verschiedene Strahlungsquellen einzelne Bereiche farbig hervorheben:
Einige Regionen werden von Sternen zum (roten) Eigenleuchten angeregt, an anderen Stellen streut und reflektiert der Staub das Licht benachbarter Sterne (gelb und blau) und an wieder anderen Stellen ist die Wolke so dicht, dass beinahe kein Licht der Sterne sie durchdringen kann (grau und schwarz).

Hier habe ich diese Aufnahme des MPIA über mein 135 mm Bild der Staubwolke gelegt.
Die weißen, gelben und roten Regionen zeigen Regionen besonders hoher Dichte, die blauen Regionen sind weniger dicht.
Um das nochmals klar zu machen: „Dicht“ bedeutet nur dichter als im restlichen All. Das, was wir hier als Staubwolke sehen, würde auf der Erde die Bezeichnung Vakuum erhalten.
Diese „dichten Staubwolken“ enthalten meist nur einige hundert bis ein paar 1000 Partikel pro cm³.
(Das ist praktisch nichts! Luft auf der Erde hat 3 x 1017, also Billiarden Moleküle pro cm³. Es ist aber auch gleichzeitig sehr dicht, denn das ’normale Weltall‘ hat nur 1 Molekül je cm³ und in besonders leeren Bereichen sogar nur 1 Teilchen je m³.)
Die Sichtbarkeit ergibt sich nur aus dem Kontrast zum umgebenden Sternfeld bzw. dem enormen Volumen der Staubwolke, die kein oder kaum Licht der enthaltenen und dahinter befindlichen Sterne passieren lässt.

Sternbildgrenzen im nördlichen Skorpion.

Der gesamte Komplex umfasst einen Himmelsbereich von mehr als 6×6°. (Das sind ungefähr 15 Vollmonde nebeneinander).
Vergleichbar ist er (zumindest was den auf der Nordhemisphäre sichtbaren Himmelsabschnitt betrifft) nur mit dem Orion-Molekül-Komplex. Beide Regionen zählen (zusammen mit der Taurus-Molekülwolke im nördlichen Stier) zu den nähsten, aktivsten und am besten erforschten Sternentstehungsgebieten der Milchstraße.
Diese Staubwolke ist im übertragenen Sinne also „der Orion des Sommerhimmels“. Sowohl, was die astronomischen Prozesse der Sternentstehung betrifft als auch, was die Vielfalt der zu fotografierenden Strukturen anbelangt.

Falls Du noch nie von solchen Sternentstehungsgebieten gehört hast und Dir der Begriff Molekül-Wolke heute zum ersten Mal begegnet, will ich das mal locker, flockig, schnell und einfach erklären:

Überall im All gibt es Staub und Dreck. Dieser entsteht immer, wenn Sterne explodieren und sie die in ihnen ausgebrütete Materie ins All schleudern.
Dieser Dreck ist nicht gleichmäßig verteilt und ballt sich an manchen Orten zu gewaltigen Wolken zusammen. Der Rho-Ophiuchi-Molekül-Komplex ist so eine Wolke.
In diesen Wolken ist der Staub sehr dicht gepackt, wobei dicht gepackt nur bedeutet: Dichter als im restlichen All. Es ist immer noch dünner als das beste Vakuum, das wir in Hochleistungslaboratorien auf der Erde erzeugen können.
Aus verschiedenen Gründen kann sich nun der Staub immer dichter und dichter ballen und sozusagen verklumpen. Ist er dicht genug und die Gravitiation erreicht ein gewisses Maß, so können Teile des Staubs unter ihrer eigenen Masse und Anziehung kollabieren: Es zünden plötzlich Sterne.
Diese sind anfangs oftmals noch in den Staub eingebettet und daher nicht oder nur im IR-Bereich sichtbar. Es entstehen dabei für gewöhnlich nicht einzelne Sterne, sondern ganze Gruppen, die untereinander wechselwirken.
Mit der Zeit wird der die Jungsterne umgebende Staub dünner: Er wird Teil der Sterne oder aufgrund des Strahlungsdrucks und erster Supernovae ins All geschleudert und verteilt. Nun können die Sterne bzw. Sternhaufen gesehen werden. (Die Plejaden sind ein Beispiel hierfür). Mit der Zeit stehen die Sterne dann fast frei von Staub und im weiteren Verlauf lösen sie ihren Haufencharakter auf.

Diese Region im Grenzgebiet Skorpion und Schlangenträger ist so ein Sternentstehungsgebiet, ganz genauso wie die große Orion-Wolke oder die Taurus-Wolke im Stier.

Weitere Infos zur Entstehung von Sternen und Sternhaufen innerhalb von Dunkelnebeln gibt der Artikel „Sternhaufen – Funkelnde Juwelen am Nachthimmel“

 

Den Rho-Ophiuchi-Molekül-Komplex sehen und fotografieren

Dank Antares, dem unverkennbar rötlich leuchtenden Hauptstern des Skorpions, ist die Region bei uns am oder über dem südlichen Horizont von etwa Mitte März bis in den Sommer hinein gut zu bestimmen. Das Auffinden ist also kein Problem.
Sichtbar sind die bunten Nebelstrukturen hingegen kaum. An sehr dunklen Orten und mit geeignetem Equipment sind Teile der Nebelgebiete für erfahrene Beobachter jedoch auszumachen.
Die Dunkelnebel hingegen zeigen sich, dank der fehlenden Sterne, bereits mit einem normalen Feldstecher.

Fotografieren lässt sich die Region hingegen relativ einfach, wenn man von den in Mitteleuropa herrschenden Bedingungen absieht: Lichtverschmutzung und die Nähe am Horizont mit der dort üblichen dichten und ‚verdreckten‘ Atmosphäre.
Die Molekül-Wolke ist prinzipiell mit jeder Brennweite abzubilden; auch auf weitwinkligen Fotos mit 14 oder 35 mm ist sie zu erkennen.
Sinnvoller wird das Ganze dann ab 85 mm, denn damit lässt sich der gesamte Bereich abbilden. Mit 135 bis 200 mm ist das ebenso möglich, denn jedoch mit etwas weniger Feld, aber mehr Details.
Längere Brennweiten bilden dann nur noch Teilbereiche ab: 400 bis 600 mm erscheinen ideal, um einzelne Nebelfelder herauszugreifen, noch größere Brennweiten zeigen dann nur noch Details dieser Objekte.
Da die Nebelgebiete alle durchweg recht leuchtstark sind, wird auch nicht allzu viel Belichtungszeit benötigt.

Die größte Herausforderung liegt bei ‚den Nebeln im Skorpion‘ nicht unbedingt im Fotografieren, also dem Sammeln der Daten.
Die Vielfältigkeit, die Farbigkeit und der enorme Kontrast und Dynamikumfang zwischen fast schwarzen und hell leuchtenden Bereichen fordern den Fotografen vor allem in der Bildbearbeitung. Die hohe Sternendichte am Rande des Milchstraßenzentrums macht das Unterfangen ein ansehnliches Bild zu erzeugen nicht gerade einfacher.
Ich habe es mehrfach versucht und war niemals auch nur annähernd zufrieden.

Auch wenn man das nicht macht, zeige ich hier ein paar meiner (teils misslungenen) Versuche. Sie zeigen die Region mit verschiedenen Brennweiten und somit auch, dass sich die Rho-Ophiuchi-Wolke auch für Anfänger mit kleinem Equipment eignet.

 
200 mm - 40x60 Sek. 85 mm - Zeit: unbekannt 35 mm - 6x-Mosaik, 40 Sek. je Mosaikteil 85 mm - 25x90 Sek.

 

Feuchte Luft - 35 mm - 130 x 25 Sek 50 mm - 30 Sekunden - ohne Nachführung 50 mm - 60 Sek. - Einzelbild Panorama - 35 mm - Einzelbilder mit 40 Sek. 

 
 
 
 
 
 

Blauer Pferdekopfnebel (Rattenkopfnebel) – IC 4592/vdB 100/LBN 1113 mit weiteren Objekten

 
135 mm, 110×120 Sek. = 3,6h – Objektbeschriftungen: Maus über Bild bewegen (oder am Mobilgerät anklicken)!

Aufgrund seiner Form und wohl auch in Anlehnung an den Pferdekopfnebel im Sternbild Orion wird dieser großflächige Reflexionsnebel oftmals als ‚Blue Horsehead‘, als blauer Pferdekopf bezeichnet.
Persönlich sehe ich eher eine Ratte und nenne ihn daher auch gerne „Rattenkopfnebel“. Einen offiziellen Namen hat er, wie alle Deep-Sky-Objekte, nicht und daher steht es jedem frei, sich einen Namen auszudenken. (Das gilt übrigens auch für die Asterismen, die Linienmuster zwischen Sternen. Auch sie sind nicht festgelegt. Einzig die Grenzen von Sternbildern, bei denen es sich nur um Flächen am Himmel handelt, sind klar definiert.)
 
Rattenkopf-Nebel IC 4592Der blaue Rattenkopfnebel

Der Nebel gehört nicht mehr direkt zur oben angesprochenen farbenfrohen Region um Antares. Er ist kein ‚echter‘ Teil der zentralen Rho-Ophiuchi-Molekülwolke. Dennoch bildet er ungefähr ihr nordöstliches Ende und begrenzt somit „die Nebel im Skorpion“ nach oben/Norden.
Die Strahlung, die den Nebel leuchten lässt, geht von Jabbah (14 Sco/Ny Scorpii), dem Auge des Pferdes aus. Wie viele Sterne, trägt auch dieser eine arabische Bezeichnung: Jabbah bedeutet Stirn (des Pferdes).
Tatsächlich ist Ny Scorpii nicht ‚ein Stern‘, sondern ein (seltenes) Mehrfachsystem aus 7 Sternen, von denen jeder für sich eine größere Masse als unsere Sonne aufweist. Das ist insoweit bemerkenswert, als dass wir zwar einige wenige 6-fach Systeme, aber bisher nur ein einziges weiteres Sternensystem mit 7 Sternen kennen: AR Cas. [Quelle: NASA]
Mit einem Feldstecher kann „der Stern“ unter guten Bedingungen in zwei Einzelsterne, mit einem Amateurteleskop sogar in vier Komponenten aufgelöst werden.
Mit professionellem Equipment sind 5 bis 6 Sterne sicht- bzw. messbar, die anderen ergeben sich aus Helligkeitsschwankungen.

Widefiled um NGC 4592 – 85 mm – Canon 550Da – 133 x 60 Sek (2h + 13 min) – Omegon Minitrack LX2 Astrotracker – Himmel im Zenit 21,4 mag, deutliche Lichtverschmutzung am Horizont – Objekt 15° bis knapp 20° über Horizont – Mai 2019

Den blauen Pferdekopfnebel (Rattenkopfnebel) sehen und fotografieren

Sichtbar ist dieser schwache, feine Reflexionsnebel laut Quellenlage nicht, auffindbar hingegen schon – und das sogar recht einfach: Gleich mehrere helle Sterne weisen den Weg und helfen, die Kamera auszurichten. Am einfachsten ist es, den oben angesprochene Jabbah zu erkennen.

Denn wenngleich dieser blaue Nebel nicht sichtbar ist, so ist er doch – und zwar ganz ohne besonderes aufwändiges Equipment – wunderbar zu fotografieren.
Ich habe es zwei Mal versucht: Sowohl mit 135 mm auf einer alten EQ5 (oberes Bild) als auch mit 85 mm auf dem winzigen Omegon Minitrack LX2 Astrotracker (unten).
Beide Fotos entstanden am selben Ort: Am Rande der Alpen bei deutlicher Lichtverschmutzung. Der Nebel stand dabei (wie hier unumgänglich) relativ nah am Horizont.

 

Krieg-und-Frieden-Nebel (Sh 2-11) + Tatzen-Nebel (Sh 2-8)

135 mm, 58×120 Sek. = 3,6h – Objektbeschriftungen: Maus über Bild bewegen (oder am Mobilgerät anklicken)!

Die letzten beiden Objekte, die ich genauer ansprechen möchte, sind die südlichsten Nebelgebiete, die man von uns aus mit einiger Anstrengung gerade noch so fotografieren kann:
Der Krieg-und-Frieden-Nebel, auch als Hummer-Nebel bezeichnet (Sh 2-11) und der (Bären- oder Katzen-)Tatzen-Nebel (Sh 2-11).
Sie steigen auch in Süddeutschland nicht höher als etwa maximal 5° bzw. 8° über den Horizont. Und das natürlich nur für eine sehr kurze Zeit von weit weniger als einer Stunde.
Es benötigt daher schon einen ausgesprochen guten Horizontblick, wenig Lichtverschmutzung und viele Nächte, um eines der beiden Objekte mit langen Brennweiten zumindest einigermaßen schön und detailliert abzubilden.

Meine erste Aufnahme (50 mm) entstand im Mai 2018 im Voralpenraum auf 47,8°. Die Lichtverschmutzung war durch Garmisch (30.000 Einwohner, 30 km Luftlinie), viele kleinere Ortschaften und vor allem auch Innsbruck (300.000 Einwohner, 60 km Luftlinie) nicht gerade gering, wie man anhand dieses Horizont-Panoramas sehen kann:
 
Lichtverschmutzung im VoralpenlandLichtverschmutzung am Horizont. Hier wurden auch die beiden Aufnahmen des blauen Rattenkopfs mit 135 bzw. 85 mm gemacht.

Bereits in einem 50 mm Einzelbild (Canon 6D ohne Astromodifikation) sind die Objekte sichtbar, in dem aus 52 x 30 Sekunden (26 Minuten) gestackten Bild (unterhalb) erkennt man sie deutlicher und mit ersten Details. Die Herkunft des Namens „Tatzennebel“ wird beispielsweise schon klar.
Der Nebel stand etwa 5° über dem wahren Horizont und erhob sich somit etwa 3 bis 4° über die Berge.
Etwas mehr dürfte von hochalpinen Standorten mit einem weiten Blick nach Süden möglich sein, aber grob kann man sagen: Das ist in Deutschland das Maximum.
 
Canon 6D (ohne a) – Minitrack LX2 – 26 Minuten – Mein südlichster Blick aus Deutschland. Objektbeschriftungen: Maus über Bild bewegen (oder am Mobilgerät anklicken)!

Lichtverschmutzung im VoralpenlandCanon 6D (ohne a) – 26 Minuten – Starker Ausschnitt aus oben stehendem Bild. Die „Tatze“ ist gut zu erkennen.

Die zweite Aufnahme (die, die direkt unter der Überschrift zu sehen ist) entstand fast auf den Tag genau ein Jahr später: Am 31. Mai 2019.
Der Standort (47,8°) und die allgemeinen Bedingungen (4 bis 8° über den Bergen, Lichtverschmutzung) waren dieselben, aber zusätzlich war der Himmel von argen Schleierwolken verdeckt, wie man auf folgender Einzelaufnahme sehen kann.
Dennoch war es mir irgendwie möglich, einige Details und vor allem die beiden hier angesprochenen Objekte aus den Daten zu kitzeln.

Lichtverschmutzung im VoralpenlandSchleierwolken und Lichtverschmutzung. Beste Bedingungen für ein Astrofoto, oder?

Am 01. Juni hatte ich eigentlich etwas anderes fotografiert, entschloss mich dann jedoch, rund um das Ende der astronomischen Nacht noch für 20 Minuten in die Region zwischen Schütze und „Skorpionstachel“ zu fotografieren. Eben so lange, bis es sichtbar hell wurde. Das 85 mm Bild zeigt nochmals den Krieg-und-Frieden-Nebel (Sh 2-11) und die beiden großen offenen Sternhaufen M6 und M7.

85 mm, 15×90 Sek. = 21 min. im Morgengrauen – Objektbeschriftungen: Maus über Bild bewegen (oder am Mobilgerät anklicken)! – Das rechte untere Bildviertel umfasst den Bereich „Skorpionstachel“. NGC 6451 gehört noch zum Skorpion. Links ist der Schütze.

Die Nebel sehen und fotografieren

Sichtbar sind die Nebelgebiete nicht. Die helle Kette von Sternen, die unten aus Sh 2-11 herausläuft, ist jedoch ein guter Anhaltspunkt für die Fotografie. Auch die ‚Stachelsterne‘ Shaula und Lesath können, wie schon bei den beiden Sternhaufen, den Weg weisen.

Ideal sind 600 mm (auf Crop bezogen), um je einen der Nebel bildfüllend abzulichten. 200 bis 300 mm bieten sich für eine Widefieldaufnahme an, die beide Objekte in ihrer Umgebung zeigt.
Wie man auf meinen Bildern sehen kann, sind die Gebiete aber auch auf Fotos mit nur 50 oder 85 mm schon recht gut zu erkennen. An dunklen Standorten im Süden, an denen der Skorpion hoch in den Himmel steigt, sollten sich damit schon ansehnliche Ergebnisse erzielen lassen.

 
 

Weitere Objekte für südliche Standorte

Neben den ’nördlichen‘ bereits angesprochenen Deep-Sky-Objekten im Skorpion sollte man sich bei Reisen in den Süden mit einigen weiteren Schätzen vertraut machen.
Am interessantesten erscheint mir der Garnelen-Nebel IC 4628, an den direkt der offene Sternhaufen NGC 6231 anschließt. Von Norden kommend folgt er auf Krieg-und-Frieden- und Tatzen-Nebel praktisch als drittes großes Glied einer Kette von Nebeln. Ebenfalls in dieser Kette enthalten ist ein planetarischer Nebel (NGC 6302) und mit NGC 6281 ein offener Sternhaufen, der in einen kleines, eher schwaches Nebelgebiet (Sh 2-2) eingebettet ist.
Überhaupt kommen Freunde von Sternhaufen im südlichen Skorpion voll auf ihre Kosten. Zumindest dann, wenn sie ausreichend Brennweite mitbringen: Drei Kugelstern- (alle drei mit 0°01′ nur 1/10 von M80 groß!) und ganze 12 offene Sternhaufen (der größte misst etwa 0°5′) warten hinter unserem Horizont auf ihre Entdeckung.
Darüber finden sich einige weitere H-alpha-Regionen des Sharpless-Katalogs und ungefähr auf Höhe des Garnelen-Nebels mit die südlichsten Objekte des Dunkelnebel-Katalogs von Barnard.

 
 

Freundliches Schlusswort

Wahrscheinlich hast Du diesen Artikel gelesen, da Du die bunten Nebelgebiete im Skorpion gerne fotografieren möchtest oder das Sternbild allgemein interessant findest.
Wenn mein Bericht gut ist, dann hast Du jetzt noch mehr Lust bekommen, findest das Sternbild noch faszinierender und überlegst gerade, wohin Du reisen wirst, um es zu fotografieren. 😉

Ich hoffe zumindest, dass ich Dir den Skorpion etwas näher bringen konnte und dass Fragen, die Dich möglicherweise hier hergebracht haben, beantwortet sind.
Falls es Dir gefallen hat, so lass es mich bitte wissen. Kommentare und Rückmeldungen sind „der Sternhaufen im Dunkel der Nacht“ für jeden Blogger.

Gerne würde ich Dich auch einladen, hier noch ein bisschen zu stöbern. Das oben bereits angesprochene Sternbild Orion z.b. hat eine wirklich spannende und unterhaltsame Geschichte zu bieten, aber auch mein Artikel über Sternhaufen ist (hoffe ich) recht lesenswert.
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Anmerkung

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