[200 mm] – [MON]
Der Rosettennebel als Nebenschauplatz

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Aufnahmedaten

Weitere BezeichnungenMonoceros Loop, SNR G205.5+05, LBN947, Sharpless 273, IC 447, IC 446, LBN 889…
SternbildEinhorn / Monoceros
Datum06. Jan. 2022
24.+25. Jan. 2022
OrtAlpenvorland – Bayern – 980 müNN – 21,3 mag
Salzkammergut – Österreich – 1340 müNN – 21,65 mag
KameraCanon 6Da (Fullframe / astromod.)
OptikCanon 200 mm f/2.8 @ f/3.2
MontierungiOptron CEM25p
BelichtungszeitRGB: 268*180 Sek = 13h + 24 min
HA: 120*300 Sek = 10h
Weiteres?Astronomik HA-Clip-in Filter XL / Norden ist rechts!

Der Rosennebel im Einhorn…
…aber eigentlich nur als Nebenschauplatz

Den Rosennebel kennt wirklich jeder; Meist unter der Bezeichnung Rosetten-Nebel oder als NGC 2244.
Allerdings ist Rosette einfach nur das französische Wort für ‘kleine Rose’. Und darum nenne ich ihn auch Rosennebel. Das ist einfach schöner und genau so schaut der Nebel auch aus: Wie eine sich gerade öffnende Rose.
Und: NGC 2244 ist nur der Sternhaufen im Zentrum. Der Nebel selber hat weder eine Messier- noch eine NGC- oder IC-Nummer. Einzelne Teilbereiche tragen NGC-Nummern. In seiner Gesamtheit ist dieser Nebel im Sharpless-Katalog als Nummer 275 zu finden.

Aber: Um Sh-275, um den Rosen-Nebel geht es hier und ging es mir bei der Aufnahme nur nebensächlich.

Bei der Planung des Bildes hatte ich zwei ganz andere Ziele im Kopf:
➡️ Ich wollte das weite Feld zwischen den “Top-Objekten” Rosennebel und Konus-Nebel/Weihnachtsbaum-Sternhaufen tief und umfänglich ablichten und dabei auch die große dunkle Wolke (in meinem Bild rechts unten) mit dem blauen Reflexionsnebel erwischen
➡️ Ich wollte den riesigen Supernova-Überrest (SNR) G205.5+05 sichtbar machen.
Der Rosennebel selber ist somit einfach nur ein Teilgebiet und ‘Beifang’ (wobei ich das Ergebnis gerade dieses Nebels schon beeindruckend finde)

Letztendlich ist das Unterfangen auch recht gut geglückt, auch wenn das anfangs nicht so wirkte.
In der ersten Nacht lief alles schief, was nur schief laufen kann (bzw. ich machte klassische Fehler):
Zunächst vergaß ich die Objektivheizung einzuschalten, was mir erst auffiel, als ich irgendwann mal ein Bild ansah und nichts sah: Die Linse war vereist.
Nach dem Anschalten stand kurz danach der Meridian-Flip an. Tja: Und irgendwie habe ich es geschafft, dabei den Fokus zu verstellen.
Ergebnis: Kein einziges brauchbares HA-Bild aus der ersten Nacht. Nicht eines!
Aber immerhin ein paar Stunden RGB.

Die zweite und dritte Nacht, an einem deutlich besseren Standort in den Alpen, verlief dann schon besser.
Allerdings gab es auch hier einen Fehler, der mich über eine Stunde Ha-Daten kostete:
Mein Auslöser hatte sich verklemmt, was mir nach knapp 72 Minuten auffiel. Somit hatte ich ein 72 Minuten Einzelbild (unten im Anhang die entwickelte Schwarzweißversion).
Interessant hierbei ist:
a) Abgesehen vom Rosennebel selber ist nichts ausgebrannt (trotz f/3.2 und ISO3600!)
b) die Sterne sind erstaunlich rund. Das spricht sicherlich für die iOptron CEM25p bzw. deren Zusammenspiel mit phd²

Nunja: Letztendlich hatte ich genau 10 Stunden gefilterte und rund 13,5 Stunden RGB-Daten. Schön! 🙂

Weniger schön:
Die Bildentwicklung.
Ich habe mich über die Kombination von RGB und HA-Daten schon bei einem anderen Bild herzhaft ausgelassen und meinen Ärger verkündet. Kurz: Ich kann es nicht leiden und finde die Ergebnisse niemals befriedigend. Die Details sind toll, die Farben katastrophal.
(Wenn es Dich interessiert: Es ist diese 16+17 Stunden Aufnahme des Spaghetti-Nebels Simeis 147 mit 135 mm)

Ich hatte also nun erneut ‘die Freude’ RGB + HA zu ‘verheiraten’. Das Ergebnis hast Du ja bereits gesehen.
Für meinen ganz persönlichen Geschmack ist das einfach viel zu monocrom!
Es ist ein schwarz-pinkes Foto, kein richtiges RGB-Farbbild. Und genau das findet sich so auch bei der langbelichteten Aufnahme des Spaghetti-Nebels:
Tolle Details, eine unglaublich tiefe Belichtung der ganzen sanften Nebelgebiete. Aber sehr fragwürdige Farben.

Soll ich aufhören zu schimpfen und mich über mein Bild freuen?
Ok, ich freue mich ja schon. Und erkläre hiermit: Die Farben sind Absicht. Genau das ist einfach mein Stil. 😉

Ach ja! Da war ja noch was:
Der Supernova-Überrest G205 usw. Oder auch: Der Monoceros-Loop.
Das ist diese fast kreisrunde Struktur genau zwischen dem Rosennebel und dem Nebelgebiet Sharpless 273 (Also Weihnachtsbaum-Sternhaufen, Konus-Nebel und Co.)
Eine wirklich selten fotografierte Region. Man findet bei einer Suche schon ein paar wenige Aufnahmen, aber es gibt mehr wissenschaftliche Fachartikel als Bilder. 😉
Meine Aufnahme ist natürlich noch viel zu kurz belichtet, um da wirklich viele Details zu zeigen. Aber wenn Du genau hinschaust, Deine Fantasie bemühst und Dich an den Supernova-Überrest im Flügel des Schwans erinnerst (Cirrus-Nebel), so wirst Du erkennen, dass auch in meinem Bild schon diese feinen Filamente sichtbar werden, die im Schwan überdeutlich zu erkennen sind.
Mit mehr Brennweite, einer Mono-Kamera+Filtern (und viel Geduld) lässt sich da sicherlich ein sehr spannendes Bild erstellen.

Ich für meinen Teil bin froh, dass es mir gelungen ist, dieses Objekt sichtbar zu machen.
Und ich bin (mal wieder) erstaunt, wie detailliert so ein 200 mm Bild sein kann. Schau Dir mal den Rosennebel-Ausschnitt unten in der Bildgalerie an. Für 200 mm schon beeindruckende Details.

Übrigens:
Im Anhang findet sich noch ein Bild derselben Region von 2017. Das war die Nacht vom 23. auf den 24. Dezember. Die erste Nacht in der es nach 3 Monaten Wolken zumindest ab Mitternacht klar wurde. In dem Bild (135 mm + Canon 7Da-Crop-Kamera) steckt natürlich nur sehr wenig Belichtungszeit.
Für mich selber zeigt dieser Vergleich mehr als deutlich, dass es sich absolut lohnt, zu üben, zu lernen und irgendwann zu einem bereits fotografierten Feld zurück zu kehren. Meine heutige Aufnahme ist im direkten Vergleich ein in Erfüllung gegangener Traum. Und das ist nun wirklich ein Grund zur Freude! 🙂


Hier nun einige Bilder im Anhang:

  • Die hier vorgestellte Aufnahme und erneut dieselbe, jedoch mit einigen (längst nicht allen) Objekten
  • Ein sehr starker Cop auf den Rosennebel (Sharpless 275)
  • Eine in Lightroom entwickelte Aufnahme: Ein Einzelbild mit rund 72 Minuten Belichtungszeit. Abgesehen vom Rosennebel selber, ist nichts ausgebrannt und die Sterne sind noch erstaunlich rund
  • Ein Screenshot aus Pixinsight, mit verschiedenen Entwicklungsstufen und Bildkombinationen
  • Dieselbe Aufnahme in der ersten Entwicklung: Deutlich sanfter und eher zart-rosa als knallig leuchtend magente
  • Dieselbe Region (allerdings um 180° gedreht) aus dem Dezember 2017 (7Da, Star Adventurer, wenig Belichtungszeit)
  • Das aktuelle und das alte 2017’er Bild identisch gedreht: Zum hin und her schalten. (Pfeiltasten auf Tastatur)

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