Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung – wahrlich kein schönes Wort.




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Aber das absolut treffenste für diese Form der extremen „Umweltverschmutzung“.

Ist das nicht ein bisschen zu hoch gegriffen?“ mögt Ihr nun fragen.
Das mag auf den ersten Blick so scheinen, vor allem wenn man in Ballungszentren aufgewachsen ist, was auf immer mehr Menschen zutrifft und man es nicht anders kennt.
Aber auf den zweiten Blick – nämlich dann, wenn man zum ersten Mal einen wirklich dunklen Himmel gesehen hat – ist es überdeutlich:
Lichtverschmutzung ist ein Problem und zwar ein großes!

Der Verlust der Nacht

Mit dem bloßen Auge kann man an dunklen Orten bis zu 3000 Sterne und andere Objekte am Himmel erkennen – (fast) unzählbar viele.
Und in der Stadt? In wenigen Minuten sind alle Sterne abgezählt und manchmal reichen dafür die 10 Finger unserer Hände. In der Regel sind weniger als 50 Lichtpunkte zu erkennen.
Das bedeutet, dass man in unseren Metropolen nur 1-2 Promille der Sterne beobachten kann, die man an wirklich dunklen Orten z.B. in den Zentralalpen oder auf hoher See betrachten könnte. Das Stadtlicht dünnt den Sternenhimmel prakisch aus. Es überstrahlt einfach alle schwächeren Sterne.
Wer den Sternenhimmel in seiner ganzen Pracht kennt, empfindet daher in den Städten manchmal so etwas wie Trauer über den Verlust der Dunkelheit und hat fast schon Mitleid mit all jenen, denen der Blick in die unendlichen Weiten immer verborgen bleibt, man könnte auch sagen, denen der Nachthimmel geraubt wurde.

Wenn man bedenkt, wie fasziniert Menschen von leuchtenden Sonnenuntergängen oder vom hell aufgehenden Vollmond sind und man sich nun vorstellt, dass diese beiden Naturphänomene nicht mehr sichtbar wären, dann bekommt man einen Eindruck, wie groß der Verlust durch die Lichtverschmutzung wirklich ist.

Etwas, das den Menschen immer begleitete, etwas, das ihn immer beschäftigte, faszinierte, erstaunte und zum Denken anregte, ist plötzlich veschwunden.
Ähnlich wie der Gesang der Vögel heute im Lärm der Straßen untergeht, verblassen auch die Sterne im ‚Lärm des Lichtes‘.

Laut einer Studie vom EMNID haben 33% aller Deutschen und 44% der unter 30-jährigen noch niemals die Milchstraße gesehen. Diese Studie ist bereits 15 Jahre alt und es ist nicht anzunehmen, dass sich dieser Zustand gebessert hat. Von mehr als 20% der Erdoberfläche aus kann man die Milchstraße nicht mehr sehen – es ist einfach zu hell.
Ja, der „Verlust der Nacht“ ist keine vernachlässigbare Nebensächlichkeit. Es geht wirklich etwas Besonderes verloren und Lichtverschmutzung ist dafür ein treffendes Wort.

 


Lichtverschmutzung über München an einem klaren Neumondtag im Dezember. Dank trockener Winterluft und glücklichen Witterungsbedingungen eine außergewöhnlich gute Sicht auf die Sterne. Rechts oben im Kegel des „Sky-Beamers“ ist sogar Orion zu erkennen.


Tausende Sterne funkeln in einer klaren Winternacht in den Alpen.

Nebenbei bemerkt:
Für uns, die wir den Sternenhimmel sehen wollen, ist Lichtverschmutzung eher ein ästhetisches und technisches, also ein kulturelles Problem. Für Tiere, vor allem für Insekten, aber auch für (Zug-)Vögel ist es lebensbedrohend und jede Nacht für Millionen Schmetterlinge und andere kleine „Flieg- und Krabbeltiere“ tödlich. Sie werden von den Lichtern magisch angezogen und kreisen so lange um die Lichtquellen, bis sie ermattet zu Boden sinken und kraftlos verenden. Einzig Fledermäuse freuen sich, wird ihnen doch so ein kosten- und vor allem müheloses Feinschmeckerbuffet bereitgestellt. (Tatsächlich sind es allein in Deutschland über eine Milliarde(!) Insekten, die in einer einzigen(!) Sommernacht an Straßenlaternen sterben).
Aber auch Menschen kann die fehlende Dunkelheit betreffen und ihren Tag-Nacht-Rhythmus beeinträchtigen. Mit verschiedenen Folgen.

Natürlich kann man das nicht vollkommen rückgängig machen. Sicherheitsaspekte ‚erzwingen‘ scheinbar bestimmte Beleuchtungen in der Nacht. Dennoch ist es falsch, Lichtverschmutzung einfach als einen alternativlosen Aspekt der Urbanisierung hinzunehmen. Denn: Es gibt Möglichkeiten die Auswirkungen der nächtlichen Beleuchtung zu vermindern und durch geschickte Planung auch einfach weniger Licht einzusetzen.
Es würde viel zu weit führen, hier alles aufzuzählen. Wer sich genauer informieren möchte, findet am Ende des Beitrags Links zu verschiedenen Organistionen, wie der Dark-Sky-Association.

Wer unnötiges Licht als Verschmutzung begreift, der erkennt, dass es möglicherweise Regeln benötigt, diese Verschmutzung zu verringern.
So wie es Richtlinien zum Ausstoß von Schadstoffen in die Luft und Gewässer gibt, sollte es beim Licht auch Vorgaben geben.
Die Bewohner von Industrie-Regionen sind froh, dass die Schlote der Fabriken heute nicht mehr Unmengen an ungesunden Substanzen in die Luft blasen, die ihre Häuser grau färbten. Und genauso froh sind Anwohner von Gewässern, dass Abwässer nicht mehr ungeklärt in Flüße und das Meer geleitet werden.
Wir legen Wert auf eine saubere und ‚erlebenswerte‘ Natur. Ein dunkler Himmel sollte Teil davon sein.
Einige Staaten und Regionen haben das erkannt und Richtlinen bzw. Gesetze zur Eindämmung von Lichtverschmutzung erlassen, beispielsweise Kanada, Chile, Tschechien oder Slowenien sowie einige Regionen in Italien und Spanien. Auch wurden in den letzen Jahren einzelne Regionen als ‚Lichtschutzgebiete‘ analog zu Landschaftschutzgebieten ausgewiesen. Dies geschieht überwiegend in Kanada und den USA unter den Begriffen ‚Dark Sky Park‘ oder ‚Starlight Reserve‘. Doch auch in Deutschland gibt es mittlerweile von der UNESCO anerkannte ‚Sternenparks‘, etwa der Naturpark Westhavelland oder der Nationalpark Eifel.

 

Folgen für die Sternenfotografie

Für die nächtliche Himmelsfotografie ist Lichtverschmutzung natülich ein großes Hindernis. Es wird immer schwieriger, wirklich dunkle Orte zu finden. Bewohner von Städten müssen so mindestens 50 km fahren, um einen einigermaßen dunklen Himmel zu finden, der sich für die Beobachtung und Fotografie von Milchstraße und Sternenhimmel eignet.
Dennoch ist es nicht gänzlich unmöglich auch innerhalb von Stadtgebieten ansehnliche Fotos zu machen, wenn die Bedingungen stimmen und man ein paar Faktoren berücksichtigt.

Was man beachten sollte und wie man dunkle Orte suchen und finden kann, habe ich hier beschrieben: Dunkle Orte finden.

 

Weiterführende Links

Dark Sky Association (engl.)
Deutsche Fachgruppe – lichtverschmutzung.de
Lichtschutzgebiet bei wikipedia

Dieses Video der Dark-Sky-Assosiation gibt noch einen weiteren Einblick:

Neue Aufnahmen der NASA – Earth at night:

 
 
 

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2 Gedanken zu „Lichtverschmutzung

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