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„Der Omegon MiniTrack LX2 ist eine gleichermaßen genial einfache wie auch beeindruckend praktische, stromlose astronomische Montierung. […] Für einfache Astrofotografie abseits der Zivilisation gibt es kein vergleichbares Gerät.“


So beginnt mein ausführlicher Test- und Erfahrungsbericht des Original Omegon Minitrack LX2 aus dem Frühjahr 2018.
Etwa ein 3/4 Jahr später kam der Minitrack LX2 NS und erneut konnte ich den Bericht mit diesen Worten beginnen. Wobei der LX2 NS dann doch irgendwie ein ‚vergleichbares Gerät‘ war.

Und nun, 1,5 Jahre nach dem Erscheinen des LX2, gibt es einen Nachfolger:
Omegon Minitrack LX3.
Wird das erneut ein ‚vergleichbares Gerät‘? Und ich muss den Bericht zum dritten Mal mit den gleichen Worten beginnen?
Ja und Nein. Denn der LX3 übertrifft den LX2 im direkten Vergleich.

Daher beginne ich den Bericht mit:

„Der Omegon MiniTrack LX3 ist eine weiterhin genial einfache und beeindruckend praktische, stromlose astronomische Montierung. Im Vergleich zum Vorgänger wurde einiges verbessert…“

 
Was sich genau gegenüber des Vorgängermodells verändert und verbessert hat, was gleich geblieben ist und ob sich ein Umstieg lohnt, erfährst Du hier.
Eines Vorweg: Die weiße Farbe ist nicht die herausragende Neuerung, wenngleich sie als erstes ins Auge sticht.

Wie bei mir üblich, habe ich das Gerät ausführlich getestet und bis an die Grenze der sinnvollen Einstellungen belastet.
Du bekommst hier also neben einer intensiven Beschreibung des Geräts meine persönliche Einschätzung und eine ganze Reihe von Fotos zu sehen.

Gleichzeitig möchte ich Dir dennoch raten, auch die Berichte zum LX2 und zum LX2 NS zu lesen.
Ich schreibe meine Artikel immer neu und einige Grundlagen habe ich bereits dort erläutert. Sie per Copy und Paste hier einzufügen, nur um 100%ige Vollständigkeit zu erhalten, erscheint mir falsch. Auch findest Du in den anderen beiden Artikeln sehr viele Fotos, die mit den beiden Versionen des LX2 erstellt wurden. Sie sind selbstverständlich auch eine Referenz für den LX3, da sie genau so auch mit dem neuen Gerät möglich gewesen wären.

Genauso würde ich Dir raten, mal beim Hersteller vorbei zu schauen. Dort finden sich weitere Bilder und (unter Download) das Handbuch.

Übrigens: Du musst nicht alles lesen; die Quintessenz lässt sich auch beim Überfliegen herausfiltern.
Der Bericht ist optisch auch so gegliedert, dass Du das für Dich interessante schnell findest.
Ich kann mir vorstellen, dass Dich womöglich längst nicht alles interessiert. Aber mein Bericht soll einfach von A bis Z alles (Neue) umfassen, was man zum LX3 wissen muss.
(Du kannst in der Übersicht auf ‚Theorie‘ und ‚Praxis‘ klicken, um zum jeweiligen Abschnitt zu springen)

Zum Aufbau dieses Berichts:

TEIL 1 – THEORIE
Der Minitrack LX3 – Ein Vergleich zum Original
Unterschiede #1 – Technischer Aufbau/Konstruktion des LX3
Unterschiede #2 – Lieferumfang
Unterschiede #3 – Preis
Hat das Vor-, aber auch Nachteile? und Lohnt sich das?

TEIL 2 – PRAXIS
– Test #1 – Ein erster Spaß
– Test #2 – Extremtest bis an die Grenze – 300 mm
– Test #3 – Extremtest bis über die Grenze – 500 mm
– Test #4 – Die Realität mit 20 bis 200 mm

TEIL 3 – FAZIT
Meine Tipps – Persönliches Vorgehen und Erfahrungen
– Belichtungszeiten und Tragkraft – Was ist technisch möglich? Und was sinnvoll?
– Spannung der Feder
– Einnorden

 
 
Sternbild Schwan: LX3 – Samyang 50 mm f1.4 MF, etwas abgeblendet – 37 x 60 Sek. – Toskana – 21,35 mag – August

HIER klicken für Vollbild in neuem Tab
 

 

THEORIE

A) Der Minitrack LX3 – Ein Vergleich zum Original

Man könnte die Neuerungen des LX3 in zwei knappen Sätzen zusammenfassen und damit den Testbericht bereits abschließen. 😉

Hier wurde etwas sehr gutes noch besser gemacht. Und das ohne eine einzige Verschlechterung und ohne den Preis zu erhöhen.

Diese Aussage hört sich gewagt an und Du bist bestimmt nicht hier, um Dich mit einem Satz abspeisen zu lassen, richtig?
Kann ich gut verstehen und daher folgen nun alle Veränderungen und meine persönliche Einschätzung derselben.

 
Der Omegon Mintrack LX 3 im Vergleichzum LX2 NSGrößenvergleich – LX3 vs. LX2-NS

 

LX2 vs LX3 – Die Unterschiede #1 – Innere Werte

1. Die Farbe
(Ja – das ist nicht wirklich ein ‚innerer Wert, aber hier passt es nunmal am Besten hin.)

Der neue Minitrack ist weiß, das ist unübersehbar. Warum, kann ich nicht sagen. Jedenfalls ist es so.
Persönlich finde ich es schick, aber Farbe ist sicherlich eine Geschmackssache.
Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Außer vielleicht: Mein Minitrack ist immer noch weiß. Obwohl er mir zweimal heruntergefallen ist und ich ihn wie ein Werkzeug behandle und nicht mit Samthandschuhen anfasse. Die weiße Farbe ist also ganz offenbar kein billiger Sprühlack, sondern (so vermute ich) bei hohen Temperaturen mit dem darunter liegenden Metall verbacken (Vernetzung mittels Pulverbeschichtung). Aber das ist reines Rätselraten.

Was ich persönlich ganz praktisch finde: Er ist weiß 😉
D.h. man findet ihn in einer stockdunklen Nacht sehr leicht wieder, wenn man ihn etwas abseits gestellt hat und ihn nach einiger Zeit wieder holen möchte.
Aber: Den schwarzen LX2 hab ich auch immer wieder gefunden.

Möchtest Du unbedingt einen schwarzen Minitrack? Dann bleibt Dir nur der LX2. Allerdings entgehen Dir dann die nun folgenden Verbesserungen:

2. Material und Herstellung
Ähnlich wie der Punkt ‚Farbe‘ ist auch das verwendete Material und der Herstellungsprozess für den Nutzer meist nicht so relevant.
Für diejenigen unter Euch, die sich für Fertigungsprozesse interessieren, sei erwähnt, dass der Vorgänger im Spritzgussverfahren erstellt wurde und der neue im CNC-Verfahren aus einem Block gefräst wird. Allgemein sind CNC-gefertigte Elemente oder Werkzeuge härter und homogener und somit haltbarer.

Interessant zu wissen ist vielleicht auch, dass der komplette Herstellungsprozess in Europa erfolgt.
Wie Du vielleicht weißt, ist der Minitrack ursprünglich eine Erfindung und ein Selbstbauprojekt von Cristian aus Italien gewesen. Nachdem er selber gute Erfahrungen mit seinem Prototypen gemacht und er einige Stücke („LX1“) für Astrofreunde gefertigt hatte, wurde daraus ein echtes Produkt.
Die Produktentwicklung (also das letzendliche Design, die technische Konzeption und die Material- und Produktprüfung) erfolgt in Deutschland. Die komplette Fertigung der Bauteile und das Zusammensetzen der Komponenten in Portugal. Portugal hat seit Jahren eine kleine aber feine Astroszene und ortsansässige Firmen, die gute Produkte für den weltweiten Markt produzieren.

Für den Hersteller bietet das (glaube ich) vor allem logistische Vorteile (rasche Fertigung vor der Haustüre) und eine direkte Qualitätskontrolle. Beides Punkte, die bei einer Produktion in China mit teils wochenlangen Lieferketten über die Ozeane so nicht gegeben wären.

3. Größe und Gewicht
Wie Du auf dem Bild oben sehen kannst, sieht der Minitrack noch genauso aus wie die Vorgänger-Modelle, von der Farbe mal abgesehen. Die Form hat sich nicht geändert und auch die Maße sind identisch geblieben.
Das Gewicht hingegen ist geringfügig höher: Etwa 90g wiegt der LX3 nun mehr.
Das ist eine Tatsache, die aber nicht ins (sprichwörtliche) Gewicht fällt. D.h. man merkt es nur, wenn man sie auf eine Waage legt. Der LX3 fühlt sich in der Hand nicht merklich schwerer an.

4. Die Tragkraft und Nachführgenauigkeit
Der für Nutzer größte Unterschied zum LX2 ist die gesteigerte Tragkraft. Um satte 50% hat sich diese gesteigert. Von vormals 2 kg auf nun 3 kg. Wobei das die offiziellen Angaben sind und man davon ausgehen kann, dass der Hersteller ausreichende Reserven eingeplant hat.
Auch soll der Minitrack LX3 noch sanfter und gleichmäßiger nachführen. (Ich war allerdings bereits beim Vorgängermodell über die nahezu perfekte, fehlerfreie Nachführung erstaunt. Dies ist auch mit der Konstruktion zu erklären: Einen Schneckenfehler, wie ihn alle anderen Nachführungen aufweisen, gibt es nicht; es ist schließlich keine Schnecke verbaut.)

Zunächst zur Tragkraft:
Ich habe den Minitrack LX2 vor einem Jahr ein gutes Stück über diese offizielle Kapazität hinaus belastet, etwa 15 bis 20% darüber, und konnte keine Probleme erkennen.
Beim LX3 habe ich das erneut gemacht. Auch hier hat es funktioniert. Mehr dazu steht unten im Praxisteil. Eines kann ich aber schon verraten:
Der LX3 trägt große Gewichte.

Und zur Nachführgenauigkeit
Der LX3 kann nicht nur hohe Gewichte tragen, er führt sie auch gleichmäßig und sanft nach. Hat man ihn gut aufgestellt und (vor allem bei sehr hohen Gewichten) gut ausbalanciert, so wird jedes Foto gleichmäßig gut und scharf. Es gibt (abgesehen vom ersten Bild) fast keinerlei Ausschuss, keine grob verwackelten Ausreißer. Man kann dann im Normalfall wirklich 95 bis 99% der geschossenen Fotos nutzen. (Geht man ins Extreme und sehr weit über die Herstellerangaben hinaus, dann muss man allerdings schon mal das ein oder andere Foto aussortieren; siehe Extremtest unten).
Das ist hervorragend und nicht bei allen kleinen Astrotrackern so gegeben (Stichwort: „Schneckenfehler“).

Zusammenfasend lässt sich über die Punkte Tragkraft und Nachführgenauigkeit sagen:

Der LX3 kann sehr hohe Gewichte tragen und sanft/gleichmäßig nachführen – meine Praxiserfahrungen unten bestätigen das überdeutlich.

So gesehen hat sich da tatsächlich noch einiges zum bereits sehr guten LX2 verbessert, die Angaben des Herstellers stimmen und werden übertroffen.

Was ich jedoch erwähnen möchte:
Das ist sicherlich kein Aufruf, den Minitrack LX3 übermäßig zu beladen!
Irgendwann findet sich bei jedem Gerät der Punkt, bei dem das letzte Bisschen „Zuviel“ dann zu „endgültig zuviel“ wird.
Auch ist es bei Überlast wirklich notwendig, die Kamera (bzw. das Objektiv, denn das wird wohl der schwerere Part sein), sehr gut auszubalancieren, damit das überhöhte Gewicht nicht noch zusätzlich einen übermäßigen Hebelarm darstellt. (Balance ist übrigens immer gut, aber bei normalen Gewichten nicht unbedingt notwendig).
Aber all das sind eigentlich Selbstverständlichkeiten, die für jedes Gerät und auch für jede astronomische Nachführung gelten.

 
 
Wenn Du Dich nun fragst, wie es möglich ist, bei einem Gerät, das die gleichen Ausmaße und das gleiche Gewicht hat wie der Vorgänger, die Tragkraft um 50% zu steigern, so interessieren Dich bestimmt die nächsten beiden Punkte:
 

 
Sternbild Eidechse mit Umfeld – 50 mm – Canon 6Da
 

5. Der innere Aufbau
Hier muss ich nochmals auf den obigen Punkt „Material und Herstellung“ zurückgreifen.
Denn das Geheimnis für den Zugewinn an Tragkraft bei gleichem Gewicht und gleicher Größe liegt in einer geschickten technischen Produktgestaltung und damit auch in der Wahl der richtigen Komponenten.

Auf der Herstellerseite heißt es: „Der neue Minitrack LX3 ist nun mit einer stärkeren Teflon-Buchse ausgestattet“. Das ist also (mit) die Ursache für die gesteigerte Tragkraft.

Doch kannst Du Dir darunter etwas vorstellen? Ich konnte es nicht. Und daher hab ich nachgefragt.
Bis ins letzte Detail hat man mir das nicht erklären wollen, da dahinter wohl (so habe ich es zumindest verstanden) eben auch Betriebsgeheimnisse und Patente stecken.
Aber etwas habe ich doch erfahren:

Im Minitrack befindet sich die rotierende Hauptachse, die die Kamera mit den Sternen mitbewegt.
Diese Hauptachse besteht nun aus Messing, hat einen größeren Durchmesser und rotiert in einer großen Teflonbuchse. (Zuvor war sie, da nur für geringe Gewichte ausgelegt, aus Alu und hatte einen kleineren Durchmesser)
Diese drei Faktoren führen dazu, dass sowohl allgemein ein höheres Gewicht getragen werden kann, aber auch dazu, dass dieses hohe Gewicht die Achse stärker einseitig belasten darf.
Messing verbiegt sich auch bei höhen Lasten nicht und die Teflonbuchse, in der sich die Achse dreht, ermöglicht eine sanfte und stetig gleichbleibende Rotation: Die Achse kann sich in der Buchse nicht verkanten und dreht daher immer sanft und gleichmäßig.

Ich hab den LX3 nicht aufgeschraubt, aber so müsste es sinngemäß in ihm aussehen:

 
Der Omegon Mintrack LX 3

Du erkennst die Achse, die sich in einem Kegel befindet (dieser Kegel ist die Teflonbuchse).

Du kannst Dir bestimmt vorstellen, dass auf den Minitrack (wie auf jede Montierung) bei einer starken einseitigen Belastung verschiedene Kräfte wirken: Zugkräfte ziehen die Komponenten auf eine Seite, Hebelkräfte setzen verschraubte Komponenten unter Spannung, es entsteht Reibung und eine Achse, die in einem Gehäuse rotiert, könnte innerhalb desselben verkanten.
Das sind normale physikalische Kräfte, die in allen möglichen Lebenslagen auf alle möglichen Geräte einwirken.
Je nachdem, für was ein Gerät konzipiert ist, je nachdem, welche Kräfte es aushalten soll, muss man die einzelnen Bauteile anders konstruieren.

Der LX2 ist für ’normale‘ Kameras mit ’normalen‘ Objektiven gedacht. Seine Bauteile kommen mit den auftretenden Kräften problemlos zurecht. Sogar mit etwas mehr (siehe Berichte zum LX2).
Aber ab einem gewissen Punkt ist dann „etwas mehr“ irgendwann zuviel: Die Kräfte können Komponenten auseinanderziehen, verziehen, verbiegen oder, wenn nichts davon passiert, ganz einfach die Achse innerhalb des Gehäuses verkanten lassen, was dann zu einer weniger gleichmäßigen Nachführung führt.

Ich weiß nicht, ob etwas davon jemals vorgekommen ist oder ob einfach der Wunsch der Nutzer nach mehr Tragkraft ausschlaggebend war:
Jedenfalls denke ich, dass Größe/Durchmesser und somit die Stabilität der Achse, die in einer starken (dickwandigen und straffen) Teflonbuchse dreht, die Faktoren sind, die den 50%igen Zugewinn an Tragkraft ermöglichen.

Dieses Mehr an Tragkraft führt aber dazu, dass der Hersteller eine weitere Komponente angepasst hat:

6. Die Gegengewichtsfeder
(Diese auf den ersten Blick kuriose Konstruktion und ihren Sinn habe ich im ersten Review ausführlich beschrieben.)

Die Gegengewichtsfeder war schon bei den Vorgängermodellen eine geniale Erfindung.
Da der Minitrack bekanntlich nicht über einen Motor verfügt (was ihn u.a. so klein, handlich, leicht und unabhängig von Strom macht).
Wie im ersten Bericht über den LX2 bereits etwas ausführlicher beschrieben, könnte es sein, dass eine weit nach Osten neigende Kamera einen so starken Zug erzeugt, dass die Mechanik zu langsam drehen oder gar ganz stoppen würde.
(Dank Gegengewichtsfeder aber nur ‚könnte‘ und ‚würde‘)

Das ist völlig normal:
Wie auch bei großen motorbetriebenen Nachführungen, gelangt jede Mechanik irgendwann an ihre Grenzen, wenn das zu drehende Gewicht die Dreh- oder Zugkraft des Geräts übersteigt.
Teleskop-Montierungen (aber auch kleine motorbetriebene Astrotracker) haben dafür ein massives Gegengewicht, der Minitrack ein Federsystem.
Die Gegengewichtsfeder verhindert dies, indem sie (abhängig vom Gewicht der Kamera) unterschiedlich stark gespannt wird. Eine simple, aber effektive Konstruktion, die man sich aber erst einmal einfallen lassen muss.

Der enorme Vorteil ist ganz offensichtlich: Man muss einfach nur Kamera, Stativ und Minitrack mitnehmen und hat somit leichtes Gepäck.
Beim Star Adventurer beispielsweise ist dafür eine ~ 40 cm lange Gegengewichtsstange und ein 1 kg schweres Gegengewicht notwendig (das übrigens meine Kamera mit dem 200 mm Objektiv nicht ausbalancieren kann, da 1 kg zu wenig ist). Natürlich funktionieren die strombetriebenen Systeme mit Gegengewicht ebenfalls wunderbar. Aber sie haben eben nicht den Vorteil der ‚Stromlosigkeit‘, der geringen Größe und vor allem des geringen Gewichts.

Das Federsystem hat sich in der Vergangenheit hervorragend bewährt. Und: Es diente einzig dazu, ein zu langsames Nachführen zu vermeiden, das nur dann entstehen kann, wenn die Kamera nach Osten (entgegen der Drehrichtung) ein starkes Übergewicht aufweist.

Nun ist der Minitrack LX3 jedoch für 50% mehr Gewicht ausgelegt.
Und natürlich möchte der Nutzer (zumindest geht es mir so) die Kamera auch mal weit nach Westen neigen. Dies war bisher mit dem LX2 problemlos möglich; im Rahmen der vorgegebenen Traglast.
Bei dem mit dem LX3 um 50% gesteigerten Gewicht könnte es nun jedoch (theoretisch, nicht praktisch, dank der Feder!) vorkommen, dass das erhöhte einseitige Gewicht die Kamera mit der Drehbewegung nach Westen zieht.
Um dies zu vermeiden, kann die Gegengewichtsfeder jetzt auch entgegen der Laufrichtung gespannt werden und somit einen Gegenzug erzeugen.

Hier auf dem Bild kann man es gut sehen:
Die Gegengewichtsfeder weist nun ein + und ein – Symbol auf. So kann die Feder, abhängig vom Kameragewicht, der Neigung und der sich daraus ergebenden Hebelkräfte in mehreren Stufen gespannt werden.

 
Die Gegengewichtsfeder des Omegon Minitrack LX3Die Gegengewichtsfeder
BILD Gegengewichtsfeder

Macht Euch darüber aber nicht zu viele Gedanken!
All das hört sich in der Theorie komplexer an als es in der Praxis (siehe unten) tatsächlich ist! In vielen Fällen muss die Feder überhaupt nicht gespannt werden. Und wenn doch, so ist das (genau wie die Wahl der richtigen Spannung) ein Kinderspiel.
Aber der Vollständigkeit halber muss diese Erklärung sein, denn sie ist mit ein Grund, warum der Minitrack LX3 bei gleicher Größe und etwa gleichem Gewicht 50% mehr Tragkraft aufweist.

 
 

Zusammenfassend:

Die Achse aus einem stärkeren Material mit einem größeren Durchmesser, die in einer größeren, dickwandigen Teflonbuchse auch bei hohen Gewichten sanft rotiert und ein Federsystem, dass hohe einseitige Lasten simpel aber genial ausgleicht, sind die Ursache für die gesteigerte Tragraft (also die höhere mögliche Nutzlast: Kamera + Objektiv) bei weiterhin kleiner Größe und geringem Gewicht.

So wird – genial einfach – ein gutes Gerät nochmals verbessert.

 
 
6. Der Anschlag

 
Der Anschlag des Minitrack LX3Der Anschlag

Ein weiteres winziges Detail, das zunächst kaum auffällt, ist ein kleiner Anschlag.
Dieser dient wohl vor allem dazu, den Nutzer daran zu hindern, sein Gerät mit zu viel Kraft und aus Unachtsamkeit im Dunkel der Nacht zu ‚zerlegen‘. 😉
So recht kann ich es mir nicht vorstellen, aber es ist durchaus möglich, den Drehmechanismus mit etwas Gewalt zu sehr in die falsche Richtung zu drehen. Schafft man das, so kann es passieren, dass die glänzende ‚Kraftübertragungsplatte‘ nach links aus dem Zahnradmechanismus rutscht.
„Kaputt“ wäre das Gerät dann nicht, aber man müsste die Platte wieder einführen und das wäre im Dunkeln eher unpraktisch.
Ich vermute mal, dass das tatsächlich Leute geschafft haben und dies nun durch diesen kleinen Anschlag unterbunden wird.

Auch das ist ein weiteres Detail, das zeigt, dass da ein Techniker oder Designer sitzt, der erfolgreich versucht, ein Gerät zu verbessern.

 
Der Omegon Mintrack LX 2 im EinsatzEin kleines Mosaik-Panorama: 16 Bilder mit je 50 mm (8 für den Himmel + 8 für den Vordergrund)

 
 

LX2 vs. LX3 – Die Unterschiede #2 – Der Lieferumfang

Alles bisher gesagte, bezog sich auf die technischen Veränderungen bzw. Verbesserungen.
Doch auch der Lieferumfang hat sich verändert:

Bei den Vorgängermodellen wurde ausschließlich der Minitrack selber und ein kleines Polsucherröhrchen mitgeliefert, das zum Einnorden genutzt wurde.
Wie das genau funktioniert, welche Vorteile (günstiger Verkaufspreis!), aber auch, welche Einschränkungen (nicht so gut für lange Brennweiten geeignet) das mit sich bringt, habe ich im zweiten Artikel, den über den LX2 NS, genau beschrieben.
Wie man damit einnordet, im ersten Artikel des LX2 und auch in einem Youtube-Video.

Vereinfacht:
Das Polsucherröhrchen beim LX2 ist eine feine Sache und absolut ausreichend für weitwinklige Objektive. Dafür ist eine 101%-perfekte Einnordung nicht notwendig.
Will man aber lange Brennweiten nachführen, so muss man richtig gut einnorden (jeden Astrotracker, jede astronomische Nachführung!).

Zusammen mit dem LX2 NS wurde im Winter 2018/2019 somit eine neue Halterung vorgestellt, in die ein echter Polsucher geklemmt werden kann.
Halterung und Polsucher ersetzen dann das Polsucherröhrchen.
Mit dem echten Polsucher (und dessen Halterung) war es dann plötzlich wesentlich einfacher, sehr genau einzunorden. Jederzeit und ohne sich auf ein Quäntchen Glück zu verlassen.
Mir war es damit direkt im ersten Versuch möglich, ein schweres 200 mm Objektiv so gut nachzuführen, wie ich es selber nicht mal im Ansatz erwartet hätte.
(Die dabei entstandenen Testbilder gibt es im Artikel des LX2 NS)

Bisher waren der Polsucherhalter und der Polsucher als Extras erhältlich.
Wer mit dem einfachen Polsucherröhrchen glücklich wurde (und nur weitwinklige Objektive nachführen wollte), konnte ganz einfach darauf verzichten.
Wer jedoch lange Brennweiten nutzen wollte und lange Belichtungszeiten anstrebte, der besorgte sich (so wie ich) eben die beiden Teile.

Beide Elemente gehören nun zum festen Standard-Lieferumfang!
Ein logischer und konsequenter Schritt, denn wer sich den LX3 kauft, der macht das wohl vor allem aus dem Grund, weil er mehr möchte als eine 500 g Kamera mit einem 300 g Weitwinkelobjektiv nachzuführen.

Der (optionale) Kugelkopf
Neben dem ’normalen‘ LX3-Paket (inkl. Halterung und Polsucher) gibt es auch ein Set mit Kugelkopf.
Ich nutze genau das.
Einen Kugelkopf benötigst Du so oder so auf dem Minitrack (unterhalb ebenfalls, aber eine Polwiege ist unterhalb 100x besser. Das habe ich in den Vorgängerartikeln genau erklärt).
Der mitgelieferte Kugelkopf aus dem Set ist preislich attraktiv, er hat alle meine Gerätschaften getragen (bis zu 4 kg habe ich getestet, siehe unten) und er hat – das ist für Deep-Sky wichtig – eine Panoramaplatte.

Falls Du also noch einen Kopf benötigst, dann ist das Set für Dich möglicherweise die richtige Wahl.

 
Der Omegon Mintrack LX 2 im EinsatzMilchstraße – 9x 60 Sekunden – 50 mm

 
 

LX2 vs. LX3 – Die Unterschiede #3 – Der Preis

Zuletzt ist natürlich auch der Preis ein wichtiger Punkt.
Man überlegt es sich ja evtl. zweimal, ob man bereit ist, mehr zu zahlen; vor allem dann, wenn man mit dem kleineren Gerät auch zufrieden wäre.
Beim LX3 fällt die Entscheidung erstaunlicherweise sehr leicht, denn der Hersteller hat den Preis, trotz all der zuvor genannten Verbesserungen und den damit einhergehenden Entwicklungskosten, nicht erhöht.

„Moment – der LX3 kostet aber doch mehr als der ’normale LX2“ höre ich Dich jetzt sagen.
Meine Antwort: „Ja, aber…“

Wenn Du dieses ‚Aber‘ gelesen hast, dann wirst Du feststellen, dass das Preis-Leistungsverhältnis sogar besser geworden ist. Würde ich hier nicht ein Gerät vorstellen, sondern die Inflation berechnen, so müsste ich sogar sagen: Das Gerät ist wesentlich billiger geworden.

Natürlich hast Du recht!
Der Preis, den Du zahlst, ist beim LX3 etwas höher als beim LX2.
Aber: Du bekommst beim LX3 auch wesentlich mehr: Eine verbesserte Konstruktion, die 50% mehr Tragkraft aufweist.
Der eigentliche Punkt ist jedoch der oberhalb angesprochene Lieferumfang.
Vergleichst Du den Preis vom LX2 + den Preis der Polsucherhalterung + den Preis des Polsuchers, so kommst Du zu dem Ergebnis, das der LX3 (bei dem beides mitgeliefert wird) zu 99% derselbe ist.
(Preise ändern sich, aber zum Zeitpunkt, zu dem ich den Artikel schreibe, beträgt der Preisunterschied genau 2.- Euro!)

Ich denke, jetzt wird klar, warum ich behaupte: Der LX3 ist günstiger!
Betrachtet man den Lieferumfang, so ist der Preis zunächst gleich. Zieht man aber den Zugewinn an Tragkaft mit in Betracht, so erhält man für denselben Preis mehr:
Das Preis-/Leistungsverhältnis hat sich verbessert.

Aber – das möchte ich schon auch noch sagen:
Will man nur recht weitwinklig fotografieren oder ist bereit, sich mit dem Polsucherröhren etwas Mühe zu geben, um dann doch mit längeren Brennweiten DeepSky zu versuchen, so kann man natürlich auch mit dem LX2 ganz ohne weiteres Zubehör wunderbare Fotos machen.
Ich habe das ja auch geschafft: In meinem ersten Bericht zum LX2 findest Du ein Foto, das ich mit 135 mm aufgenommen habe. Mir waren zwar die Belichtungszeiten, die der Polsucher erlaubt, nicht möglich, aber das gute Ergebnis spricht dennoch für sich.
Möchtest Du also nicht so viel Geld ausgeben, so kannst Du natürlich weiterhin den LX2 kaufen. Meine Begeisterung für das Gerät, die Du im ersten Artikel vielleicht herauslesen kannst, hat nicht nachgelassen. Ich war lange Zeit absolut glücklich und habe tolle Fotos gemacht.

Andererseits finde ich es einfach fantastisch, dass ich jetzt einen Polsucher nutzen kann und ein stärkeres Gerät habe. Und das (zusammengenommen) für denselben Preis.

 
 
 

Zusammenfassung der Unterschiede/Neuerungen und Einschätzung

Die Unterschiede
Der offensichtlichste Unterschied ist die Farbe: Der neue Minitrack ist weiß. Doch ist dieser Unterschied auch der unbedeutendste.
Die wirklichen Unterschiede, die allesamt Verbesserungen sind, sind nicht ganz so offensichtlich und teilweise sogar verborgen:

  • Der LX3 trägt 50% mehr und führt auch hohe Gewichte sehr sanft und gleichmäßig nach.
  • Größe und Gewicht haben sich nicht bzw. kaum verändert.
  • Der Lieferumfang hat sich erhöht und umfasst nun auch die zuvor optionalen Bauteile: Halter und Polsucher.
  • Der Preis ist höher – bedenkt man aber den größeren Lieferumfang ist er identisch geblieben.

 

Einschätzung: Lohnt sich das?

In Anbetracht all der zuvor genannten Veränderungen und Verbesserungen kann man ohne Einschränkung sagen: Ja! Es lohnt sich auf jeden Fall.

Der Omegon Minitrack LX3 ist in jeder Hinsicht eine Verbesserung des bereits hervorragenden Originals!

Man hat einerseits keinen einzigen Nachteil, bekommt aber auf der anderen Seite ein deutlich stärkeres Gerät, welches ohne weiteres Zubehör genau eingenordet werden kann und das auch noch sanfter, gleichmäßiger nachführt.
(Optional nur noch wäre eine Polwiege, die das Einnorden erleichtert. Siehe erste Berichte und Videos)

Sobald Du Interesse hast, auch etwas schwerere Kameras (bzw. vor allem Objektive) und längere Brennweiten nachzuführen, wenn Du nicht ’nur‘ weitwinklige Landschaftsfotos der Milchstraße machen willst, so ist der LX3 ohne jeden Zweifel die richtige Wahl.
Der LX2 – dann ohne echten Polsucher und tatsächlich günstiger – macht nur noch Sinn, wenn Du sparen willst/musst, wenn Du erst mal erste Erfahrungen sammeln willst oder wenn Du ganz klar weißt: Mein Einsatzzweck sind Wanderungen und ich fotografiere da eh nur „Landschaftsastro“.

 
 
 
LX3 – Widefield mit Samyang 85 mm f1.4 an Canon 6Da – diverse Objekte, u.a. der planetarische Nebel M27 – 104x60Sek.
 

 

So – bevor der nächste Abschnitt viele Bilder zeigt und in vielen Praxistests darlegt, was mit dem LX3 möglich ist, aber auch wo die Grenzen sind, kannst Du diesen ganzen soeben schriftlich dargelegten Theorie-Teil auch noch als Video ansehen:

 
 

PRAXIS

Erster Test

 
Der erste Einsatz des LX3: Samyang 500 mm AF f8 mit Canon 7DaDer erste Einsatz des LX3: Samyang 500 mm AF f8 mit Canon 7Da

Der erste Test war gar kein echter Test; zumindest in Bezug auf die Fähigkeiten des LX3, lange Nachführzeiten zu erreichen.
Da ich den Minitrack jedoch kurz vor Vollmond erhalten hatte und es in den folgenden Tagen auch noch wolkig war, ergab es sich, dass er in der Nacht der partiellen Mondfinsternis Mitte Juli 2019 zum ersten Mal zum Einsatz kam:
Mein Ziel dieser Nacht war es, einen kleinen Zeitraffer-Clip zu erstellen, bei dem sich während des Verlaufs die Brennweite und somit der Bildausschnitt veränderte. Dies sollte – so stellte ich es mir vor – etwas mehr Dynamik in den Film bringen. (Ich finde übrigens, dass es funktioniert hat. Siehe unten).

Ich hatte zwei Kameras auf Stativen, bei denen ich die Objektive durchwechselte und eine fest am Teleskop.
Ein Objektiv war das günstige, dafür erstaunlich gute und sehr einfache Samyang 500 mm f8.0.
Dieses Objektiv hatte ich z.B. auch bei der Mondfinsternis 2015 eingesetzt und ich konnte mich gut erinnern, wie ich damals alle 2 Minuten den Bildausschnitt korrigieren musste: Der Mond wanderte bei der langen Brennweite unglaublich schnell aus dem Bildfeld, was mir mit einer Nachführung, die damals nicht zum Einsatz kam, nicht passiert wäre.

Mein Standort auf einem Balkon in der Stadt hatte zwar keinen Blick nach Norden, sodass ich den LX3 nur nach Gefühl aufstellen konnte, aber ich ging recht in der Annahme, dass das bei kurzen Belichtungszeiten, wie sie bei einem so hellen Objekt wie dem Mond notwendig sind, herzlich egal sein würde.
Mir ging es einzig darum, dass der Mond im Bildfeld bleiben würde.
Tja, was soll ich sagen?! Wie erwartet, funktionierte das hervorragend. Der Mond wanderte, trotz der fehlenden Einnordung, kaum im Bildfeld. Und das über drei Stunden hinweg.
Dank der Panoramaplatte war es eine Sache von Sekunden, die Kamera nach jeder Stunde, also nach jedem Durchlauf des LX3, erneut auszurichten, ohne einen Sprung im Zeitraffer zu haben.

Ein wirklicher Härtetest war dieser erste Einsatz also nicht. Aber schon mal ein guter Hinweis darauf, dass der Minitrack LX3 sanft nachführt und zwar auch dann, wenn ein weit ausladendes 500 mm Objektiv aufgesetzt ist, das etwa 50 cm lang ist.

Ich fotografierte für den fertigen Zeitrafferclip übrigens rund 5600 Bilder.
21 Bilder bevor ich die letzte Kamera ausschaltete, flog mir dann doch tatsächlich noch ein Flugzeug durch den Mond (auch im Zeitraffer zu sehen):
 
Der Omegon Minitrack LX 3 im Einsatz - Der Poliot vor dem Mond - Samyang 500 mm AF f8 mit Canon 7Da - ISO320 1/100Der Poliot vor dem Mond – Samyang 500 mm AF f8 mit Canon 7Da – ISO320 1/100 – nicht entwickeltes Rawbild

Hier ist der kurze Zeitrafferclip.
Die Reihenfolge der Brennweiten (mm):
500 – 135 – 85 – 135 – 600 – 500 – 85
(Fast alles Samyang MF Objektive. Das 600 ist allerdings ein f3.9-Spiegelteleskop:
Omegon Astrograph 154/600. Hier mein Bericht dazu).

 
 

Zweiter Test – „Will it track“?

Der zweite Test war eine Irrsinnstat. Wie der erste Test, kein wirklich realistischer, jedoch ins andere Extrem gehend.
Ich wollte versuchen, ob der winzige Minitrack (so wirkte er jedenfalls neben dem Objektiv) irgendwie in der Lage sein würde, das monströseste Objektiv zu tragen, das ich organisieren konnte.
Für eine einzige Nacht lieh mir ein sehr guter Freund (vielen Dank für das Vertrauen an dieser Stelle), sein Canon 300 mm f 2.8.
Omegon Minitrack LX3 mit Canon 300 mm f2.8 und Samyang 135 mm T2.2Ein wahrer ‚Klopper‘ mit annähernd 3 kg Lebendgewicht und einem stolzen Preis von 6000.- Euro. Meine Küchenwaage zeigte dann, zusammen mit Kugelkopf und Kamera, auch knappe 3,8 kg an. Der 60 0g leichte Minitrack zog sich beschämt in eine Ecke zurück, doch ich redete ihm (naja vor allem mir) gut zu: „Das wird schon funktionieren – irgendwie…“

Hier seht ihr die Gerätschaften. Zum Vergleich habe ich noch mein heißgeliebtes Samyang 135 mm daneben gestellt. Wer das kennt, weiß, dass das nicht gerade eine winzige Linse ist.

Am Abend, bevor es losgehen sollte, zeigte ich dieses Bild auch auf Facebook und beschrieb mein Vorhaben. Ich rechnete nicht damit, dass ich viel würde erreichen können und hatte schon Sorge, dass ich mich mit meiner Behauptung: „Ich vermute mal, dass es schon für 20 Sekunden funktionieren wird“ schon zu weit aus dem Fenster lehnte.
(Der schönste Kommentar war übrigens: „Heiliges Canonenrohr!“)

Kaum war die Sonne an diesem brüllend heißen Sommertag hinter dem Horizont verschwunden, erschienen Schleierwolken. Die Vorhersage für die nächsten Stunden war nicht gerade berauschend und der halbvolle Mond würde auch noch ab etwa 00:30 Uhr erscheinen. Normalerweise wäre ich an so einem Abend überhaupt nicht auf die Idee gekommen, loszufahren.
Aber ich hatte das Objektiv nur diese eine Nacht. Darum hieß es: Jetzt oder nie (bzw. erst irgendwann und auch nur vielleicht).

Zuvor machte ich jedoch einen Trockentest: Würde der Kugelkopf aus dem Set die Konstruktion halten? Sowohl die Kugel selber könnte nachgeben als auch der Kopf sich aus der 3/8″ Schraube des Minitracks drehen. Genauso war es möglich, dass das zwar alles halten würde, sich jedoch der Minitrack selber aus der Schnellwechselplatte drehen könnte.
Ausreichend Elemente, die dafür sorgen könnten, dass das teure Objektiv sich bei einem Fall aus über einem Meter Höhe das Genick brechen könnte.
Übervorsichtig baute ich zuhause auf einem winzigen Stativ auf, zog jede Schraube fest und war jederzeit bereit, sofort zuzugreifen, sollte sich etwas lockern.
Doch alles hielt und der Minitrack erzeugte das vertraute leise Tik-Tik-Tik.

Ich konnte also losfahren.

Vor Ort dann ein ähnliches Vorgehen:
Nachdem ich den Minitrack LX3 eingenordet hatte, setzte ich das Objektiv vorsichtig auf und gab mir größte Mühe alle Schrauben bombenfest zuzudrehen. Alles hielt.
Ich schwenkte auf Jupiter, um das Objektiv scharf zu stellen. Auch jetzt hielt noch alles. Die ersten 3 Testbilder zeigten jedoch: Dunst, unfassbar viel Dunst. Oder waren das aufziehende Wolken?
Egal – jetzt kam es drauf an! Ich war ja nicht zum Spaß hier (doch, natürlich war ich zum Spaß hier! Denn ernsthafte Deep-Sky-Fotos erwartete ich nicht).

Als ersten Ziel wählte ich den Lagunennebel im Schützen. Erstens erschien mir das Gebiet sowohl von der Größe als auch der Helligkeit gut geeignet und zweitens musste ich das Objektiv so nicht zu weit zur Seite neigen; das Gewicht lagerte relativ zentral über dem Minitrack. Nicht vollständig zentral, aber doch einigermaßen.

 
DDer erste Extremtest des LX3: Canon 300 mm f2.8 mit Canon 6Da - zusammen rund 3,8 kgDer erste Extremtest des LX3: Canon 300 mm f2.8 mit Canon 6Da – zusammen rund 3,8 kg

Ein erstes Foto erschien nach 20 Sekunden auf dem Bildschirm: Die Sterne wirkten relativ rund. Ein zweites und ein drittes verfestigten diesen Eindruck. Ja! Es schien tatsächlich zu funktionieren.
Aufgrund der guten Erfahrungen, die ich mit dem LX2 gesammelt hatte, wagte ich gleich darauf den Versuch mit 60 Sekunden. Und siehe da, auch hier waren die Sterne rund – auch beim weiten Zoom in das Bild hinein wirkten sie auf dem kleinen Kameramonitor keinesfalls zu starken Strichen verzogen.
Doch leider wurde nach drei weiteren 60-Sekunden-Bildern klar: Das wird nix mehr. Dichte Wolken schoben sich vor den Lagunennebel.
Ich fand das aber nicht weiter schlimm, denn die Gewissheit, dass der Kugelkopf halten und der LX3 „das Monster“ tragen und gleichmäßig nachführen konnte, hatte ich nun.

 
Der Omegon Minitrack LX 3 im Einsatz - Der Poliot vor dem Mond - Samyang 500 mm AF f8 mit Canon 7Da - ISO320 1/100Canon 300 mm auf Minitrack LX3 – Lagunennebel

Ein weiteres Fotomotiv musste her und zwar bitte ein helles, das kinderleicht aufzufinden war. Der Nordamerikanebel? Da oben? Fast direkt im Zenit! Sollte ich das ernsthaft versuchen? Würden Kugelkopf und Minitrack das mitmachen?
Wahrscheinlich nicht und wahrscheinlich sollte ich es auch nicht versuchen! Eigentlich war das Irrsinn.
Aber am Horizont zogen die Schleierwolken auf, mir blieb nur noch „da oben“.

Ich kniete mich also hinter das Gerät, öffnete den Kugelkopf und schwenkte die Kamera (nein, das Kanonenrohr) in den Zenit. Es hielt! Der Bildausschnitt veränderte sich zwar minimal, als ich losließ und das ganze Gewicht auf die Unterkonstruktion wirken konnte, aber das war ja schnell nachjustiert: Ich musste einfach das Objektiv minimal zu hoch ausrichten, sodass es beim Nachsacken den richtigen Bildausschnitt treffen würde (das kannte ich ja schon vom Star Adventurer).

 
DDer erste Extremtest des LX3: Canon 300 mm f2.8 mit Canon 6Da - zusammen rund 3,8 kgSteil in den Zenit – Den Schwan im Sucher

Erneut startete ich mit 20 Sekunden Belichtungszeit: Runde Sterne!
Das konnte doch eigentlich nicht wahr sein! Ich blickte, noch immer hinter dem Minitrack kniend. auf das riesige Objektiv, das da steil in den Himmel ragte.

Nun gut, dann eben 40 Sekunden! Das Ergebnis: Runde Sterne.
60 Sekunden? Noch immer runde Sterne!
Das war jetzt echt schon mal ne Nummer, mit der der LX3 angeben konnte. Das hatte ich nicht mal im Ansatz erwartet.
Naja – beim letzten Extremtest des LX2 mit 200 mm hatten 60 Sekunden ja auch gerade noch funktioniert, doch bei 90 Sekunden war Schluss gewesen. Es wurde Zeit, das hier zum Ende zu bringen, denn der Mond ging auf und die Schleierwolken näherten sich.

Also zack: 120 Sekunden und dann hätte ich mein Maximum erreicht. Tja – jetzt war das Bild brutal überbelichtet und ich musste den ISO senken.
Ein weiterer 120-Sekunden-Versuch: Doch unfassbarer Weise waren die Sterne immer noch rund. Ich musste schon ein extremes Glück haben an diesem Abend, denn normal war das nicht.
Also eben 180 Sekunden! Satte 3 Minuten. Chancenlos! Das war mir mit 200 mm auch am Star Adventurer niemals gelungen.
Das Bild war eine zauberhafte Darstellung aufgeblasener Sterne: Die Wolken waren nun auch im Schwan angekommen. Aber: Beim Hineinzoomen konnte ich jetzt endlich leichte Startrails erkennen. Aber eigentlich waren die Sterne immer noch rund.

Uff!! – Was für ein unglaubliches und total überraschendes Ergebnis: 180 Sekunden – 3 Minuten(!) – bei 30% Überlast mit 300 mm! Mit einer kleinen stromlosen Montierung. Und natürlich ohne Guiding! 😉

Schaut Euch die Bilder an, man kann sie durch Anklicken vergrößern. Es sind rohe Einzelbilder, so wie sie aus der Kamera kamen. Bei den letzten habe ich in Lightroom die Helligkeit und den Kontrast etwas angepasst, da der ISO zu hoch eingestellt war.
Das sind doch echt beeindruckende Ergebnisse, oder?

 

Omegon Minitrack LX3 - Canon 300 mm  20 und 40 Sekunden

Omegon Minitrack LX3 - Canon 300 mm  60 und 120 Sekunden

Omegon Minitrack LX3 - Canon 300 mm  180 Sekunden

 

Nach diesem Extremtest war ich etwas verwirrt. War der LX3 wirklich so gut? Oder hatte ich einfach eine glückliche Hand gehabt und diese Nacht war der eine Ausreißer, den jede Stichprobe aufweist?
Ich konnte es mit diesem Monster-Objektiv nicht nochmals versuchen. Aber ich bekam ein anderes geliehen, das eine vergleichbare Herausforderung darstellte: Etwas leichter, aber dafür viel größer (größerer Hebelarm) und 500 anstatt ’nur‘ 300 mm.

Da der Mond mittlerweile aufgegangen war und es – oh Wunder – an seinem Standort kaum Wolken gab, habe ich ihn auch noch mal geknipst:
Hier ein starker Ausschnitt aus dem 300 mm Bild:
 
Der Omegon Minitrack LX 3 im Einsatz - 300 mm - MondStarker Ausschnitt aus einem 300 mm Bild.

 
 

Dritter Test – „Will it still track“?

500 mm an einem langen, kaum zu balancierenden Hebelarm?
Das war doch die Herausforderung nach dem erfolgreichen Test mit 300 mm und Überlast.
Waren die letzten Ergebnisse nur das Glück des Tüchtigen oder war das – zumindest ähnlich – wiederholbar?
„Warte es ab“, sagten die Wolken und ich wartete (un-)geduldig.

Ein paar Tage später und einige 100 km weiter im Süden konnte ich dann testen – oder besser gesagt nicht.
Denn das Objektiv entpuppte sich als solche Gurke, dass es für die Fotografie von Sternen gänzlich ungeeignet erschien:
Wie sehr ich mich auch mühte, die Sterne blieben undeutlich, unscharf und waren bereits im Liveview-Monitor der Kamera verzerrt.
Wie sollte ich das sagen, ob die ordentlich nachgeführt wurden, wenn sie bereits von Haus aus länglich waren?

Ich machte dennoch einige Bilder, auch mit längeren Belichtungszeiten. Hier könnt Ihr sie sehen, doch aussagekräftig sind sie nicht.
Ich habe zwar den Eindruck, dass die Sterne bei jeder Belichtungszeit identisch unscharf sind, aber meine Hand lege ich dafür nicht ins Feuer.
Was ich aber mit Sicherheit sagen kann: Der Minitrack LX3 und der mitgelieferte Kugelkopf hatten keinerlei Probleme, die Kamera-Objektiv-Kombination zu tragen.

Bitteschön: 60, 120, 180 Sekunden (anklickbar):
 
500 mm - 60 Sekunden auf Omegon Minitrack LX3500 mm - 120 Sekunden auf Omegon Minitrack LX3 500 mm - 180 Sekunden auf Omegon Minitrack LX3

   

 
 
 
 
 

Zwei Nächte später und erneut ein paar 100 km weiter im Süden startete ich nach diversen erfolgreichen Fotos (siehe unten ‚vierter Test‘) doch noch mal einen letzten Versuch mit dem 500 mm Hebelarm. Die Nacht war schon weit fortgeschritten und ich hatte nichts zu verlieren.
Zunächst richtete ich die Kamera auf Vega in der Leier aus; vor allem, um das Objektiv an diesem hellen Stern zu fokussieren. Da ich schon ausgerichtet hatte, knipste ich auch mal schnell ein 20 Sekunden Testbild bzw. derer drei. Und erstaunlicherweise sahen die Sterne dieses Mal besser aus. Nicht gut, aber besser. Ich wagte noch 30 und 60 Sekunden und war erstaunt, dass es einigermaßen klappte.
Ich entschied also, als diesmal wirklich letzter Versuch, auf Andromeda zu halten:
Unsere Nachbargalaxie stand bereits recht weit oben am östlichen Himmel und ich musste das Objektiv steil in den Himmel richten. Hier machte das Federsystem des Minitracks wirklich Sinn. Ohne die Gegengewichtsfeder wäre der einseitige Zug deutlich zu stark gewesen. Ich bin mir sicher, dass das Gegengewicht des Star Adventurers hier überfordert gewesen wäre.

DDer erste Extremtest des LX3: Sigma 50-500 f6.3 mit Canon 6Da - zusammen rund 3,8 kgSigma 50-500 f6.3 – Andromeda steht früh am Morgen im August bereits hoch oben am Himmel. Die Kamera zieht stark einseitig nach Westen.

Ich hatte meine liebe Not, Andromeda mittig ins Bildfeld zu bekommen: Das ganze einseitige Gewicht ruhte beim Ausrichten der Kamera in meiner Hand und sobald ich losließ, gaben die einzelnen Bauteile unterhalb minimal nach. Aber ‚minimal‘ ist bei 500 mm schon ausreichend, damit ein Objekt vom Zentrum an den Rand des Bildfeldes rückt.

Ich startete Versuche mit 20 und 30 Sekunden und justierte den Bildausschnitt zweimal nach. Aber so sehr ich mich auch mühte: Ein perfektes Ergebnis war mir nicht möglich.
Es waren zwar viele Bilder dabei, die runde Sterne zeigten, aber auch solche, bei denen sie leicht verzogen waren.

Hier muss ich klar sagen:
Ich hatte die Grenze des Machbaren erreicht; ich hatte sie überschritten.

Ich könnte Euch an dieser Stelle nun einfach die Bilder zeigen, die perfekt runde Sterne aufweisen und behaupten: „Hat super funktioniert“.
Aber leider war das nicht so. Es hat nicht super funktioniert, sondern ’nur‘ ganz ok.

Woran es genau lag?
Mit Sicherheit kann ich es nicht sagen. Ich vermute aber stark, dass nicht das reine Gewicht und auch nicht die lange Brennweite die Ursache waren.
Ich gehe davon aus, dass die einseitige Ausrichtung zusammen mit dem enormen Hebelarm und dem doch recht hohen Gewicht in Kombination zu viel waren.
Daher kann ich mir gut vorstellen, dass ein kurz gebautes, aus leichten Materialien hergestelltes 500 mm Objektiv durchaus für 30 Sekunden (oder länger) nachgeführt werden kann.
Mein Test mit den 3,8 kg oben (zweiter Test) haben ja gezeigt, dass das Gewicht an sich kein Problem darstellt.

Aber:
Es ist vollkommen ok, dass hier die Grenze ist. Keiner meiner kleinen Astrotracker ist in der Lage, so ein Objektiv minutenlang nachzuführen. Weder der Star Adventurer, noch der Star Adventurer mini und schon gar nicht die Vixen Polarie.

Um ehrlich zu sein, habe ich hier mit einem ~150.- Euro Tracker und einem 500.- Euro Objektiv das versucht, was ich mit einem über 1500.- Euro teuren Teleskop, dass das Gegenteil von ‚handlich und mobil‘ ist, gerade so schaffe. Mein 600 mm Teleskop auf einer 2-achsigen motorisierten, sehr guten Nachführung schafft es eine, vielleicht auch zwei Minuten lang, Andromeda sauber nachzuführen.
Und in Anbetracht dieses Vergleichs muss sich der Minitrack nicht schämen, dass er bei dem Versuch, das Gleiche zu erreichen, dann doch in die Knie geht.

Hier seht ihr nun das Ergebnis der besten Bilder.
Wiederholen werde ich das nicht, aber ganz so übel ist das Bild nun auch nicht geworden.

 
Omegon Mintrack LX3 500 mm AndromedaLX3 – Canon 6D – 500 mm – 27 Minuten
 

So beeindruckend das Ergebnis auch sein mag – ich will nochmals deutlich darauf hinweisen, dass das keine echte Referenz für den Minitrack ist.
Ja – es ist ein tolles Bild und es erstaunt mich selber extrem, dass es überhaupt möglich war.
Aber:
Strebst Du solche und weitere Bilder von Galaxien als Hauptziel an, dann musst Du Dich wirklich nach einer großen massiven Montierung und einem richtigen Teleskop umsehen.
Galaxien sind einfach kein Ziel für Reisetracker und Fotoobjektive. Das gilt für alle kleinen Reisetracker.

Auch habe ich in das Ergebnis etwas Mühe gesteckt – es kam nicht so aus der Kamera!
Zunächst habe ich alle Bilder in der 100% Ansicht schnell durchgeschaut und dabei jene mit unrunden Sternen aussortiert.
Übrig blieben 89 von 133 Bildern, also 67% oder 2/3 aller Fotos, wobei da natürlich die Testaufnahmen abgezogen werden müssen.
In einem zweiten Schritt habe ich die verbliebenen mit runden Sternen in der 200% Ansicht nochmals ganz genau betrachtet, dabei dann weitere 23 Bilder aussortiert.

Letztendlich sind von den anfänglich 23 Stück 30-Sekunden-Aufnahmen 65% übrig geblieben und von den 110 Stück 20-Sekunden-Aufnahmen 45%.
Im Gesamten habe ich also 65 der 133 fotografierte Bilder genutzt; mit 49% ist das genau die Hälfte.
Die Gesamtbelichtungszeit des fertigen Bildes beträgt demnach 27 Minuten.

Ein durchaus hoher Ausschuss, der aber normal ist. Das wäre bei anderen kleinen Astrotrackern genauso (wie erwähnt, habe ich auch z.N. den Star Adventurer. Da hätte ich mit Sicherheit weit über 50% Ausschuss).
Die verbliebenen Bilder habe ich dann wie üblich gestackt, gestreckt und entwickelt.
Also:
Bitte glaube nicht, dass so ein Bild einfach so aus der Kamera kommt! Und bitte glaube nicht, dass der Minitrack das einfach so ‚macht‘.
Es war ein einfacher Extremtest – mehr nicht!

Wie Du sehen kannst, ist es möglich. Wenn man will, kann man sehr viel erreichen.
Aber ich möchte keine falschen Erwartungen wecken. Der Minitrack ist ein kleiner Astrotracker, keine massive Montierung für Teleskope!

Übrigens, weil Du ja neugierig bist 😉
Hier kannst Du ein einzelnes 30-Sekunden-Bild sehen – so kommt es aus der Kamera.

 
30 Sekunden Einzelbild – 500 mm
 

Und hier zwei Ausschnitte. Ja – die Sterne sind rund. Sie sind nur bei diesem Objektiv einfach komisch verzerrt. Es ist schlichtweg nicht gut für die Astrofotografie geeignet. Du kannst sie anklicken, dann werden sie groß. Das zweite ist aus der unteren linken Ecke.
 
Ausschnitt 1 2.

   

 
 
 
 
 
 
 
 
Und – weil ich das Bild einfach schön finde – hier noch der ‚Beweis‘, dass ich wirklich ein 50-500 mm Zoom-Objektiv genutzt habe: Mir ist nämlich das steil in den Himmel gerichtete Objektiv „in sich zusammengesackt“ (danach habe ich festgestellt, dass es einen „Lock-Schalter“ gibt).
Übrigens wird hier deutlich, wie unterschiedlich die Sternfarben sind.

 
Zufalls-Zoom-out von 500 auf 50 mm.
 

 
 

Vierter Test – „Realitätsnah und endgültig überzeugend!“

Die folgenden Worte sollen jetzt etwas Realität in die ganze Sache bringen Denn 300 bzw. 500 mm waren ja nur „ein Spaß“: Extremtests, aber sicherlich nicht das tägliche, also nächtliche Haupteinsatzgebiet des LX3.
Hier erzähle ich nun, wie ‚richtige‘ Bilder entstehen, Bilder, wie ich sie mag und gerne herzeige; also nicht nur reine Testaufnahmen.

Dieser mit „vierter Test“ überschriebene Abschnitt ist nun somit mehr oder weniger die Zusammenfassung meiner Erlebnisse und Ergebnisse mit verschiedenen Brennweiten und an unterschiedlichen Himmelsobjekten: Von „ganz weit“, also 20 mm, bis hin zu „ganz nach“, sprich 200 mm, ist alles dabei.
Auf geht’s zur nächtlichen Realität:

 
 
Weitwinkel/Landschafts-Astro
Oftmals wird der Minitrack für längere Belichtungszeiten bei der Landschaftsastrofotografie eingesetzt. Also eher so im Brennweitenbereich zwischen 10 und 35, vielleicht bis 50 mm. Seine Bauart, der stromlose Betrieb und die ganze problemlose Handhabung machen ihn schließlich zu „dem“ Astrotracker für Wanderungen in den Bergen und (Rucksack-)Reisen.
Auch wenn heutzutage mit leistungsstarken Kameras und lichtstarken Objektiven fantastische Einzelfotos nächtlicher Landschaften möglich sind, gewinnen sie doch enorm durch eine Nachführung. Und wenn diese so handlich ist wie der Minitrack, dann ist es keine Überlegung mehr, ob er eingepackt wird. Natürlich kommt er in den Rucksack.

Ich entschied mich, auch wenn ich nicht auf einem Berggipfel war und in einigen Metern Entfernung das Teleskop arbeitete, für einen Test mit meinem neuen Samyang 20 mm f1.8
(Es findet sich auch nochmals in dem Testbericht zu diesem spannenden Objektiv) (Folgt noch)
Dabei entstand z.B. diese Ansicht der lichtverschmutzten Küste, über der sich die Milchstraße erhebt:
 
Panorma der Milchstraße in der Tosacna - Omegon Mintrack LX 3 im Einsatz mit dem Samyang 20 mm f1.8Panorama der Milchstraße – LX3 – Samyang 20 mm f1,8 – gering abgeblendet – Canon 6Da – gegen meine Gewohnheit ausnahmsweise ein gestacktes Bild: 10 Fotos à 20 Sekunden für den Himmel – eines für den Vordergrund.
 

Etwas später erstellte ich dann auch noch ein Panorama.
(Klicke in das Bild, halte die Maus gedrückt und schaue Dich um!)


Interaktives 360×180°-Panorama – Samyang 20 mm f1.8 – nachgeführt auf Minitrack LX3 – Ins Bild klicken und drehen!

Du kannst hier gut erkennen, wo ich mich da für einige Nächte aufgehalten habe: Mitten im Nirgendwo in der südlichen Toskana. Dort entstanden die meisten Bilder, die ich hier zeige.
Einerseits war der Himmel im Zenit recht dunkel (gemessen 21,4 bis 21,5 mag), andererseits gab es im Südwesten vom Meer her deutliche Lichtverschmutzung.
Die roten Lichter, die Du sehen kannst, sind weitere „Aufnahmegeräte“, die ebenfalls fotografiert haben: Ein 600 mm Teleskop (Omegon 154/600) auf einer „richtig dicken“ Nachführung (iOptron CEM25p). Ein Doppelsystem aus 2x 135mm auf einer uralten EQ5 und der „gute alte Minitrack LX2“, der dort mit 85 mm in die aufgehende Herbstmilchstraße geknippst hat.

Widefield Deep-Sky
Da ich aber einfach auf die tiefen Einblicke ins All stehe und Deep-Sky selbstverständlich mit zum Einsatzzweck des „kleinen Knochens“ zählt, konnte ich es nicht sein lassen und musste in meinen ersten Testnächten natürlich auch mit 50 bis 200 mm fotografieren. (Siehe die jeweiligen Bildunterschriften.)
Der Minitrack begleitet mich immer und darf, während das Teleskop arbeitet, in jeder Nacht seinen Teil zu erfolgreichen Ergebnissen beitragen. Denn ganz allgemein gilt: Je größer das Equipment, desto komplexer; das Teleskop kann auch mal zicken. Der Minitrack lässt mich nie im Stich.
Ein paar der Bilder habe ich ja bereits in den Artikel eingestreut.

Wie anfangs erwähnt, sollten das nun keine Tests mehr sein, sondern richtige Bilder, aber meine Neugier war dann doch so groß, dass ich mit dem 85 mm Objektiv doch noch mal die Belichtungszeiten ausreizen wollte.
Laut Hersteller (siehe auch die Berichte zum LX2 bzw. LX2-NS) sollten bei 85 mm 70 Sekunden möglich sein. (100/mm = Belichtungszeit in Minuten bei Vollformat)
Die erreichte ich auch locker und auch nach 4 Minuten wurden die Sterne nicht deutlich unrund.

Hier die Bilder mit 120, 180, und 240 Sekunden zum Anklicken.
Das große Bild zeigt den genutzten Ausschnitt und somit die starke Vergrößerung:

 
120 Sekunden – der weiße Rahmen markiert den Ausschnitt der folgenden 3 Bilder.
 

 
85 mm - 120 Sekunden auf Omegon Minitrack LX385 mm - 180 Sekunden auf Omegon Minitrack LX3 85 mm - 240 Sekunden auf Omegon Minitrack LX3

   

 
 
 
 
Ich habe die Testbilder übrigens gestackt und ohne große Ambitionen grob bearbeitet. Ein Meisterwerk ist nicht entstanden – aber ein brauchbares Bild, das aufzeigt, welche Dunkelnebel sich dort befinden.
Es handelt sich um die Region des Adlers. Die drei hellen Sterne markieren den ‚Adlerkopf‘.
In das Bild sind die folgenden Bilder mit eingeflossen:
13x 120 Sek. + 2x 180 Sek + 2x 240 Sek. Gesamt also runde 40 Minuten.

 
40 Minuten im Adler – 85 mm -LX3
 

 

85 mm sind an sich eine wunderbare Brennweite, die sich (wie auch 50 mm) ganz hervorragend für weite Einblicke in den Nachthimmel eignet. Darauf gehe ich auch in einem eigenen Artikel ein (an dem ich noch schreibe). Gerade für Anfänger/Einsteiger bieten sich 50/85 mm an, da sie einerseits viel zeigen, andererseits in vielerlei Hinsicht recht einfach zu handhaben sind. Beides Faktoren, die schnelle Erfolgserlebnisse fast garantieren.

Auch wenn 2 Minuten mit 85 mm, wie gezeigt, möglich sind, bewege ich mich (je nach Kamera/ISO und Himmelshelligkeit) doch meist im Bereich zwischen 60 und 90 Sekunden. Meine Erfahrung sagt mir, dass das praktisch nur Vorteile hat und sich erst unter extrem guten (dunklen) Himmelsbedingungen längere Einzelbelichtungszeiten lohnen („Hintergrundlimit“ ist hier das Stichwort, aber das führt zu sehr in die Tiefe).
Genauso handhabe ich das auch mit anderen kleinen Astrotrackern und bei allen Brennweiten ab 50 mm.
Letztendlich kommt es vielmehr auf die Summe der Belichtungszeit an als auf die Dauer einer Einzelbelichtung. Zumindest dann, wenn man sich im Bereich ab einer Minute bewegt.
Warum das so ist, kann ich an dieser Stelle nicht ausführlich beschreiben.

Mit 85 mm am Rande der Milchstraße
In einer Nacht ‚knipste‘ ich 4 verschiedene Regionen mit 85 mm – mal nur mit 18 Einzelbildern, mal auch mit über 100.
Die Aufnahme des Schwans ist eine dieser Nacht:

 
Sternbild Schwan: LX3 – Samyang 85 mm f1.4 AF, etwas abgeblendet – 65 x 60 Sek. – Toskana – 21,35 mag – August
HIER klicken für Vollbild in neuem Tab

 

Wenn Du mit der Maus über das Bild fährst (oder am Mobilgerät klickst), so werden Dir für einige der sichtbaren Objekte die Namen angezeigt.
Ich habe mich bewusst für so einen ‚komischen‘ Bildausschnitt entschieden; intuitiv würde man die Kamera ja um 90° drehen und mitten in die Milchstraße halten (wie oben bei der 50 mm Aufnahme derselben Region).
Hier wollte ich aber den Kontrast darstellen: Einerseits (rechts) die ‚reiche‘ Milchstraßenregion, in der sich dichte Sternenfelder und dunkle ‚Löcher im Sternenmeer‘ abwechseln und die zusätzlich mit rot leuchtenden Wasserstoffnebeln fasziniert. Andererseits (links) den ‚einfachen Sternenhimmel‘, sozusagen ’neben‘ der Milchstraße.

Und dieses Bild – ebenfalls am Rand der Milchstraße – ist ein zweites derselben Nacht.
Hier befinden wir uns etwas weiter Südlich als zuvor beim Schwan. Es handelt sich um die Sternbilder Delphin, Pfeil und Füchschen (zu finden südlich des Adlers)
 
LX3 – Widefield mit Samyang 85 mm f1.4 an Canon 6Da – diverse Objekte, u.a. der planetarische Nebel M27 – 104 x 60Sek.
HIER klicken für Vollbild in neuem Tab.

 

Das Zufallsbild

Hier noch ein Zufallsbild, das so niemals geplant war.
Eigentlich wollte ich ganz einfach mit 60 Sekunden belichten. Aber mein Fernauslöser war noch auf 5 Minuten gestellt (ich hatte ihn am Teleskop genutzt).
Und so ist diese 301-Sekunden Belichtung bei 85 mm entstanden. Die Sterne sind nicht zu 100% rund, aber doch zu, naja sagen wir mal, 96%.
Das besondere hierbei: Ich hab‘ es nicht darauf angelegt lange zu belicheten, ich habe auch nicht extra-genau eingenordet. Natürlich schon ordentlich, aber eben nur ausreichend ordentlich.
Dass dann so ein Bild entsteht, war nicht geplant.
Es ist also ein Einzelbild, (fast) so, wie es aus der Kamera kommt. Ich habe in Lightroom nur die Farben angepasst und die Kontraste verstärkt.
Irgendwie schon beeindruckend, was der LX3 so leisten kann:

 
301 Sekunden ( 5 Minuten) Belichtungszeit mit dem Samyang 85 mm f1.4 – 100% Zoom in den Randbereich – erstaunlich runde Sterne.
 

All diese Tests (die eigentlich keine mehr waren, denn der Minitrack hatte mich schon lange überzeugt) verliefen mehr als hervorragend. Die Bilder, die zuvor im Artikel gezeigt wurden, sprechen eine deutliche Sprache. (Genauso wie die in den beiden Vorgängerberichten).

Mit 200 mm im Schwan
Vielleicht stellt sich noch die Frage, wie gleichmäßig der LX3 nachführt.

 
Der Schleiernebel im Schwan – 200 mm, 63×60 Sek. – Zoom: Maus über Bild bewegen!
HIER klicken für Vollbild in neuem Tab.

Das oben gezeigte Bild des Schleiernebels besteht aus 63 Bildern à 60 Sekunden. Fotografiert hatte ich 74. D.h., dass ich 11 Bilder aussortiert habe.
Das ist immer das erste Bild, bis die Mechanik richtig auf Zug ist (2x, da ich den LX3 zwischenzeitlich neu gestartet hatte), eines mit einem dicken Flugzeug und dann eben 8, bei denen die Sterne in der 200% Ansicht nicht so zu 100% perfekt waren. Das kann von leichtem Wind kommen oder aus allen möglichen anderen Gründen passieren.
Kennst Du andere kleine Astrotracker, dann weißt Du, dass ein paar wenige Bilder schon mal rausfallen und man idealerweise nur die allerbesten stackt. Jedenfalls ist das ein sehr gutes Ergebnis, wenn nur 8 Bilder von 74 aufgrund leicht unrunder Sterne entfallen. Bei immerhin 200 mm.
Als Anfänger hätte ich wahrscheinlich sogar alle Bilder gestackt, denn die „Unrundheit“ fiel nur bei großem Zoom ins Bild auf.

 
Sharpless-Objekte zwischen Kepheus und Cassiopeia mit M52 und Blasennebel – 200 mm, 42×60 Sek. – Objektbeschriftungen: Maus über Bild bewegen – bzw. am Mobilgerät anklicken!
HIER klicken für Vollbild in neuem Tab.

Das „Anfänger-Mutmach-Bild“

Vielleicht denkst Du Dir nun: „Hmmm… das sind ja schon tolle Bilder, aber der Typ von sternenhimmel-fotografieren hat halt auch viel Erfahrung“.
Stimmt sogar – die habe ich. Und genau darum zeige ich Dir jetzt das nächste Foto.

Das folgende Bild ist ein wirklich(!) total einfaches Foto – so ähnlich kann es jeder Anfänger hinbekommen (wenn die Jahreszeit stimmt)-
Warum?
1. Ich habe keine große Brennweite genutzt – nur 50 mm.
2. Ich habe nicht lange belichtet – es sind nur 9 Fotos mit jeweils 60 Sekunden.
3. Ich habe keine besonderen Programme genutzt, sondern es ganz einfach bearbeitet.
4. Der Himmel war nicht perfekt – es gab am Horizont viel Lichtverschmutzung.

Die einzige Einschränkung ist: Ich habe eine gute Vollformat-Kamera (Canon 6D) genutzt, die auch astromodifiziert ist. Das sorgt dafür, dass die roten Nebelgebiete schon nach kurzer Zeit stark leuchten und sehr deutlich sichtbar werden.
Aber alles andere lässt sich praktisch genauso auch mit einer 5 (bis 10) Jahre alten Crop-Kamera machen! Dann nimmt man eben nicht nur 9 Fotos, sondern 30 oder noch mehr – aber das ist eh anzuraten. Meine „nur 9 Fotos“ sind sozusagen der Ausgleich für die gute Kamera.

Ich weise zwar immer wieder darauf hin, dass ein dunkler Standort sehr wichtig ist, aber gerade bei diesem Foto gab es am Horizont echt viel Lichtverschmutzung. (Klick das kleine Bild an, dann kannst Du die Lichter an dem Standort gut erkennen.)

Schau Dir jetzt mein Bild an und dann fahre mit der Maus drüber – Dir werden dann einige Objekte mit Namen angezeigt (am Mobilgerät das Bild anklicken).
So tief kann man ohne allzu viel Equipment und Erfahrung ins All fotografieren!

 
(Fast) im Zentrum der Milchstraße – Samyang 50 mm f1.4 – etwas abgeblendet – 9x 60 Sekunden. (Mit Maus üebr Bild fahren oder am Mobilgerät anklicken!)

Meine Hilfestellung für Dich
Damit Du weißt, was ich da gemacht habe und auch, damit Du evtl. einen Einstieg in die Entwicklung und Bearbeitung solcher Bilder findest, habe ich genau zu diesem Bild ein Video gemacht.
Es zeigt (und zwar 100% anfängertauglich), wie ich die Bilder vorentwickelt habe und wie ich sie mit (dem kostenlosen Programm) Sequator stacke. Ich habe absichtlich dieses Programm gewählt, da es unglaublich einfach zu bedienen ist. Und ich zeige Dir, was ich danach noch mit dem Bild gemacht habe.
Das Video ist natürlich kostenlos. Es ist sehr ausführlich, für Einsteiger gedacht und daher auch wirklich detailliert „Schritt-für-Schritt“. Deswegen auch satte 45 Minuten lang.
Du sollst als Anfänger einfach loslegen können und brauchst dafür garantiert kein teures Programm vom Typ: „Kaufe jetzt! Und ich zeige Dir, wie ich meinen Geldbeutel fülle wie Du in 5 Minuten Fotos wie erfahrene Profis machst!“
Schau’s Dir einfach an – versuch es nachzubauen. Lerne daran und hab Freude. Das hier ist kein hochgeheimes Geheimwissen – sondern einfache Tipps von mir für Anfänger.

Ich hoffe sehr, dass Dir dieses Foto gefällt und Dich anspornt; ich hoffe, dass es auch für Dich ein echtes „Mutmach-Bild“ ist!

 

 
 

C) Erfahrungen, persönliches Vorgehen und Tipps


Nach all meinen Erfahrungen mit den Minitrackern und hier vor allem mit dem LX3, habe ich für mich ein klares Vorgehen gefunden; ein Prozedere, dass mir Bilder ermöglicht, wie ich sie mir vorstelle.
Das für mich wichtigste ist hierbei der einfache, problemlose, stressfreie und schnelle Einsatz. Ich habe schlichtweg keine Lust, lange rumzuprobieren, mich zu ärgern und immer das Maximum zu erreichen. Der Minitrack soll fix stehen, schnell eingenordet sein und dann will ich fotografieren.

1. Belichtungszeiten:

Unter der Vorgabe: „Es soll einfach sein“ bedeutet das für Deep-Sky-Aufnahmen:
Die Sterne müssen rund sein und zwar auf allen Fotos. Und: Die Einzelfotos müssen ausreichend Signal, also Bildinformationen, aufweisen. Es ist dabei absolut nicht notwendig, ewig lange Einzelbelichtungszeiten anzustreben; schafft man es über 30 Sekunden oder gar 60 bis 90, so hat man schon fast alles erreicht, was möglich ist: Die Bilder werden auch bei längeren Einzelbelichtungszeiten nicht mehr viel besser. Das hat verschiedene Gründe, auf die ich hier nicht eingehen werde. Aber es ist so, dass ein Mehr an Einzelbelichtungszeit kaum einen Zugewinn bringt; die integrierte Gesamtbelichtungszeit ist ausschlaggebend. (Besonders gilt das unter lichtverschmutztem Himmel. Das Stichwort hierzu ist ‚Hintergrundlimit‘)
Und eine lange Gesamtbelichtungszeit erreicht man dann, wenn man alle fotografierten Bilder nutzen kann und nicht die Hälfte aufgrund unscharfer Sterne aussortieren muss.

Aufgrund der vorgenannten Punkte (kein Ärgern, runde Sterne, ausreichend Signal, schneller Einsatz…) habe ich es mir angewöhnt, mit jedem Astrotracker keine Maximalzeiten anzustreben. Ich will ja schließlich fotografieren und keinen „wer kann am längsten tracken“ Contest gewinnen.
Für den Minitrack bedeutet das: 60 Sekunden sind mein Maß. Gelegentlich auch mal länger und wenn ich keine Muße habe genau einzunorden eben auch mal kürzer. Abhängig von Brennweite, Einsatzort und Motivation.

Das folgende Bild entstand am Ende einer sehr langen Winternacht um ca. 4 Uhr in der Früh – noch mit dem LX2. Ich war bereits seit rund 8 Stunden draußen, müde und verfroren.
Meine Motivation noch einzunorden war daher gering. Vielleicht hätte ich länger belichten können; ich habe es gar nicht erst ausprobiert, sondern direkt mit nur 30 Sekunden losfotografiert.
Dafür ist es doch ganz ok geworden und eine längere Einzelbelichtungszeit hätte mir nicht sehr viel gebracht. Mit Pech hätte ich aber viele Bilder aufgrund unrunder Sterne aussortieren müssen; die Gesamtbelichtungszeit wäre dann geringer gewesen.

 
Der Omegon Minitrack LX 2 im EinsatzLX2-NS – Herz und Seele Mitte Februar – Canon 550Da – 200 mm – 74×30 Sekunden (37 min)
Die Aufnahme entstand völlig übermüdet am Ende einer langen Astronacht um 4 Uhr in der Früh und eher nebenbei. Daher habe ich auch auf eine 100% perfekte Einnordung verzichtet (die Müdigkeit) und nur ‚auf gut Glück‘ auf Herz und Seele gezielt. Letztendlich war ich dann über das Ergebnis selber etwas überrascht. Für nur 37 Minuten integrierte Belichtungszeit ein erstaunlich gutes Bild.

Die Tests dieses Artikels zeigen zwar deutlich, dass längere Zeiten gehen – aber ich persönlich benötige das nicht.
Nutzt man lichtschwache Objektive oder Kameras, die nur mit sehr niedrigen ISO-Einstellungen nutzbar sind, so machen lange Zeiten Sinn.
Aber ich will aufbauen und losfotografieren. Meine Bilder sprechen für sich.

Ich würde Dir daher auch raten, es nicht zu übertreiben. ‚Möglich‘ heißt nicht unbedingt ’sinnvoll‘ und zielführend.
Astrofotografie soll vor allem Freude bereiten und am Ende schöne, spannende oder informative Bilder liefern. Die halbe Nacht hinter einem Tracker zu knien, nur um noch ein Quäntchen mehr rauszuholen, ist sicherlich nicht die schönste Tätigkeit.
Mach Dich also frei von dem Gedanken: „Da muss noch mehr gehen“ und genieße lieber den Anblick des Sternenhimmels, während Deine Kamera arbeitet.

2. Die Gegengewichtsfeder:

Diese Feder erzeugt bei Anfängern und Leuten, die den Minitrack nur aus der Theorie kennen, das meiste Rätselraten.
Sei beruhigt, denn es ist in der Praxis total easy.
Oft wird die Feder nicht gebraucht und wenn doch, so merkt man das sofort. Solange die (nicht zu schwere) Kamera-Objektiv-Kombination einigermaßen in Balance ist braucht es die Feder nicht. Ich achte meist gar nicht auf sie.
Erst wenn ein stark einseitiges Gewicht wirkt (und zwar ein hohes Gewicht) wird sie notwendig. Wann das der Fall ist, hört man aber sofort: Der Minitrack tickt dann „falsch“. Zu langsam, zu leise, zu schnell; in jedem Fall deutlich hörbar falsch. Ist das der Fall, so spannt man eben die Feder. Meist auf die +Seite, denn dass der Minitrack zu schnell läuft kommt fast nie vor.
Wie weit sie gespannt wird hört man ebenso. Es ist wirklich kein Hexenwerk.

Falls Du Dir dennoch unsicher bist, so besorg Dir eine Tempo-App, die die Geschwindigkeit des Tickens misst. 130 bis 135 Ticks pro Minute sind die richtige Geschwindigkeit.
(Genauer zeige ich das in einem Video. Hier ab Zeitpunkt 19:40)

3. Das Einnorden – Den Minitrack auf den Himmel ausrichten.

Der Prozess des Einnordens ist für Anfänger manchmal – bei jeder Nachführung – eine Herausforderung:
Man findet Polaris nicht sofort, man muss das Gerät im Dunkel der Nacht ausrichten, irgendwie hat man das Gefühl, dass es ewig dauert (auch wenn es nur wenige Minuten sind) und nicht so recht funktionieren will.
Das ungefähr ist die Erfahrung die fast Anfänger machen – egal ob sie eine kleine Reisemontierung oder eine 1500.- Euro Teleskop-Montierung einnorden.
Vor vielen Jahren stand ich auch an diesem Punkt und war mir unsicher, ob ich das richtig mache.

Darum will ich an dieser Stelle nochmal sagen:
Einnorden ist etwas einfaches. Es geht total schnell und recht simpel. Man muss es nur einmal rausgefunden haben.
Ich wähle gern den Vergleich mit Schwimmen oder Fahrradfahren: Wenn man es mal kann, dann kann man es und findet es super einfach. Aber: Man muss es erst mal erlernen und am Anfang erscheint es schwer, fast unglaublich, dass man mit so einfachen Bewegungen nicht untergeht oder nicht mit dem Fahrrad umkippt.
(Tatsächlich ist das Erlernen des Einnordens aber viel einfacher!)

Lass Dir also Mut machen – tausende von Leuten haben das Einnorden gelernt. Kann man es einmal, so kann man es für immer und mit jeder Montierung, jedem Astrotracker!
Der Tracker kann nix dafür, wenn es Dir in der ersten Nacht nicht perfekt gelingt. Auch wenn Du frustriert bist und ihn an die Wand werfen willst.
(Allerdings kann es auch sein, dass Du es nach 5 Minuten raus hast und überhaupt kein einziges Problem beim Erlernen)

Damit Dir der Frust erspart bleibt, habe ich ein Video gemacht, das (hoffentlich) alles sehr einsteigerfreundlich erklärt.

Fazit
Ich hab jetzt zwar ein paar Dinge angesprochen, bei denen man meinen könnte, es wäre kompliziert – ist es aber nicht! Ganz im Gegenteil. Der Minitrack ist super simpel zu benutzten.
Ich hab das alles nur erwähnt, damit alles abgedeckt ist und Du im Fall der Fälle weißt, wie eine Lösung ausschaut. Wenn man locker an die Sache rangeht, ist es einfach. Man ist sehr schnell total routiniert, das Gerät läuft fix und nach wenigen Minuten knipst die Kamera.

Gibt es Alternativen?


Ja – die gibt es. Zwar nicht direkt, aber natürlich gibt es andere Reisenachführungen bzw. Astrotracker.
Die haben dann jeweils andere Vor- und Nachteile.
Den Star Adventurer habe ich bereits mehrfach angesprochen. Ebenfalls ein tolles Gerät – allerdings mit einem anderen Schwerpunkt im Einsatz, dabei größer, schwerer und teurer. Allerdings für ’nur‘ Deep-Sky mit langen Brennweiten in gewissen Punkten im Vorteil.
Die Vixen Polarie habe ich auch. Sie ist ähnlich klein und transportabel wie der Minitrack, allerdings (vor allem mit dem zwingend notwendigen Polsucher) um ein vielfaches teurer. Dann aber sicherlich im Einsatz sehr ähnlich wie der Minitrack.

Du hast bestimmt gemerkt, dass ich vom Minitrack überzeugt und begeistert bin. Daher kann ich Dir einerseits natürlich total zu diesem Gerät raten. Andererseits möchte ich Dir aber auch vorschlagen, noch meine beiden Berichte zum Star Adventurer bzw. zur Polarie zu lesen.
Hier findest Du die Übersicht zu allem meinen kleinen Nachführungen.

 
 

D) Fazit

Wenn Du die Ausführungen in diesem Artikel und auch den ersten Testbericht des Original Minitrack LX 2 und den zweiten zum LX2-NS (inkl. der dort vorgestellten neuen Polsucherhalterung) aufmerksam gelesen hast, wenn Du meine Landschaftsfotos, meine Panoramen, aber auch die zahllosen Deep-Sky-Bilder mit Brennweiten bis zu über 200 mm betrachtet hast, so kannst Du meine Begeisterung für dieses kleine Gerät sicherlich nachvollziehen.
Ich hatte (und habe) den LX2 seit bald 2 Jahren im Einsatz und wurde niemals enttäuscht. Er hält in jeder Hinsicht das, was er verspricht und leistet in Wahrheit wesentlich mehr.
Ein kleines Gerät mit großer Wirkung.

Der LX3 ist da ein sehr willkommenes Update, dass sich, wie oben dargelegt, eindeutig lohnt. Einzig Wanderer mit der klaren Vorgabe nur weitwinklige Landschafts-Astrofotos zu erstellen, könnten weiterhin den LX2 kaufen. Aber jeder, der einen tiefen fotografischen Blick ins All anstrebt und gleichzeitig alle die Vorteile einer kleinen stromlosen Nachführung nutzen möchte, ist mit dem LX3 (inkl. dem im Lieferumfang inbegriffenen Polsucher) definitiv besser bedient.

 

Freundliches Schlusswort


LX2 – Interaktives Panorama – September 2018 – die Entstehungsgeschichte kann hier nachgelesen werden. Ins Bild klicken und Maus bewegen!

Ich hoffe sehr, dass dieser Testbericht, dieses Review, Dich umfassend informiert hat. Vielleicht hat er einige Deiner Fragen beantwortet und Dir mehr Klarheit verschafft, was der Omegon Minitrack LX3 leisten kann, wie man ihn einsetzt und was sich alles erreichen lässt.

Gerne würde ich Dich noch einladen, hier auf der Seite etwas zu stöbern.
Oder auch, mich bei Facebook, bei Instagram oder Youtube besuchen zu kommen.

 

Anmerkung

Vielleicht hast Du gemerkt, wieviel Zeit, Leidenschaft, Energie und auch Kosten ich in diese Seite stecke, die Dir helfen soll, Dein Foto des Sternenhimmels zu erstellen. Du kannst mich gerne unterstützen. Wie, steht hier.
Falls Du viele Informationen gefunden und nun das Gefühl bekommen hast, dass das alles für Dich einen echten Wert hat, so kannst Du mir tatsächlich etwas spenden.
Alles auf dieser Seite kannst Du umsonst lesen. Ich versuche nicht, Dir überteuerte Youtube-„Profikurse“ anzudrehen und bombardiere Dich auch nicht mit Werbung. Ich verstecke meine Erfahrung nicht hinter kostenpflichtigen Tutorials, da ich freie Wissensvermittlung schätze und die Faszination für den Sternenhimmel wecken möchte. Leider ist die Bereitschaft, einfach so echtes Geld als Dankeschön für kostenlose Informationen zu spenden, in Europa nicht besonders weit verbreitet; in den USA hingegen ist diese Art des „Tippings“ relativ normal. Falls Du mir etwas zukommen lassen willst, dann darfst Du gerne auf diesen Button drücken. Wie wenig Du spenden willst, bleibt natürlich Dir überlassen. Allerdings zahle ich eine Gebühr von 35 cent je Spende.:





 

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