Der Skyguider Pro ist der große der beiden iOptron-Reisemontierungen oder Astrotracker. Der kleinere nennt sich Skytracker.
Auch der Hersteller Skywatcher hat zwei Reisenachführungen im Angebot und nennt sie Star Adventurer bzw. Star Adventurer mini.

Skyguider einerseits und Star Adventurer andererseits sind dabei die beiden Astrotracker, die sich unter allen kleinen Nachführungen am ähnlichsten sind.

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Die beiden Star Adventurer (den normalen und den mini) habe ich schon einige Jahre und auch ausführlich genutzt. Die Tests findest Du hinter den beiden Links.

Nun war es für mich an der Zeit, auch die beiden von iOptron auszuprobieren, nachdem ich neben den zwei Star Adventurer auch die Omegon LX3 (neuerdings die LX4) sowie die Vixen Polarie habe.
Diese beiden iOptron-Tests komplettieren meine Sammlung und Testreihe kleiner Reisenachführungen nun.


Interesse? Dann nur hereinspaziert!

1. Theorie – Ein paar Betrachtungen vorweg
Lieferumfang und erster Eindruck
Einsatz
Stativ
Befestigung der Kamera
iPolar

2. Praxis – Live in der Nacht – Tests unter dem Sternenhimmel
Erste Tests: Lange Brennweiten ohne Guiding
Weiterer Test: Guiding
Will it track? Überladung, zu lange Brennweiten und extreme Belichtungszeiten
Und noch ein paar Beispiele

3. Abschluss
Sinnvolles und notwendiges Zubehör
Pro und Contra
Fazit
Freundliches Schlusswort

Vorweg:

Meine Artikel und Testberichte sind immer sehr lang. Für mich bedeutet das: Keine halben Sachen machen.
Natürlich kann es sein, dass Dich gar nicht alles interessiert. Darum sind die Berichte so aufgebaut, dass Du rasch zu den gewünschten Infos scrollen kannst. Das Inhaltsverzeichnis oben gibt einen Anhaltspunkt.
Dieser Artikel zum Skyguider ist grob in zwei Bereiche gegliedert:
Theorie (also Lieferumfang, Beschreibung etc.)
– Die Praxis draußen in der dunklen Nacht (also echte Erfahrungen in allen möglichen Situationen mit verschiedenen Kameras und Brennweiten).
Falls Du also z.B. lieber gleich Fotos sehen und erfahren willst, was der Tracker wirklich leisten kann, so überspringe den ersten Teil einfach.
Alle Bilder mit Beschreibung inkl. sämtlicher Details: Kamera, Optik, Einzel- und Gesamtbelichtungszeiten, etc.
Somit erhältst Du einen vielfältigen Eindruck, wie der Skyguider unter Realbedingungen funktioniert.

Vorweg #2:

In meiner Testreihe zu kleinen 1-Achs-Reisemontierungen fällt der iOptron Skyguider ein wenig aus dem Rahmen. Nicht der normale Skyguider Pro. Der ist mit dem Star Adventurer vergleichbar.
Nein, mein Skyguider Pro fällt aus der Reihe, da es die Version mit der elektronischen Einnordungs-Kamera, iPolar ist.
Von diesem Tool mal abgesehen ist es aber wirklich der ‘ganz normale’ Skyguider Pro, sodass meine Testergebnisse in weiteren Zügen auch für diesen gelten. Aber eben nicht vollumfänglich.

Diese Kamera (also die iPolar) macht das Gerät einerseits etwas teurer.
Andererseits natürlich auch genauer oder ‘besser’: Eine nahezu absolut perfekte Einnordung hat selbstverständlich einen Einfluss auf die möglichen Belichtungszeiten.

Die Einnordungskamera iPolar macht den Skyguider zu etwas Besonderem
Die perfekte Einnordung – auch auf der Südhalbkugel – vereinfacht vieles

Der Skyguider fährt hier sozusagen ein wenig außer Konkurrenz und schließt (vor allem beim Einsatz eines Guiders) eher die Lücke zwischen den einfacheren 1-Achs-Trackern, die für Urlaubs(flug)reisen mit einem APO einfach zu schwach oder zu ungenau sind und den ‘richtigen’ großen Montierungen, die nicht mehr ins Handgepäck passen.
Dank iPolar ist man auch von der Sorge befreit, auf der Südhalbkugel Probleme beim Einnorden zu haben. Einen einfachen Polstern, wie Polaris auf “unserer Erdhälfte”, gibt es dort schließlich nicht.

Der wirklich handliche Skyguider Pro mit iPolar ist also tatsächlich eine ideale Reisemontierung für alle, die eh einen Laptop mit in den Urlaub nehmen und dann gerne mit ihrer DSLR oder auch Astrokamera und einem kleinen Apo samt Autoguiding fotografieren möchten.
Für alle, die nur mit einer DSLR und Objektiven ‘knipsen’ wollen, ist dieses Gerät (also die Version mit iPolar) evtl. überdimensioniert. Da tut es auch die normale Version des Skyguiders ohne iPolar oder ein Star Adventurer; je nach Einsatzzweck (Wandertouren und Astrolandschaftsfotografie) ist evtl. sogar der Minitrack LX3 (oder der neue LX4) besser geeignet oder der kleine Bruder: iOptron Skytracker.





Teil 1 – Theorie

Lieferumfang

Der Lieferumfang ist wirklich umfänglich. Abgesehen von einem Stativ ist wirklich alles dabei, um sofort zu starten. iOptron spart wie üblich nicht an wichtigen Bauteilen. (Es gibt zwar Teile, die man je nach Einsatzzweck dazu kaufen kann, aber, das Stativ mal außen vor, nichts, was man noch kaufen muss.)
In der Box findet sich zuerst eine erstaunlich ausführliche, mehrseitige DinA4 Schnellstartanleitung, die alles sowohl schriftlich als auch in farbigen Bildern vermittelt, was man wissen muss. Das ist heutzutage eine Seltenheit und durchaus sehr praktisch.
Allerdings ist der Skyguider Pro so logisch aufgebaut, dass man (zumindest mit ein bisschen Vorerfahrung) auch ganz darauf verzichten kann.
Ein vollständiges 28 Seiten umfassendes Handbuch bekommt man z.B. hier.

Neben dem eigentlichen Gerät, das bereits auf einer Polhöhenwiege befestigt ist, finden sich zwei verschiedene Platten zur Montierung von Kamera/Teleskop/Kugelkopf, eine Gegengewichtsstange, ein 1kg-Gegengewicht, ein paar Schrauben und zwei verschiedene USB-Kabel.

Abgesehen von der Vollständigkeit gefällt mir ein weiteres Teil gut:
Die Tasche des Skyguiders. Er wird in dieser Tasche geliefert und passt inkl. Polhöhenwiege perfekt hinein. So ist das Gerät immer sicher verstaut.
Eine Tasche ist kein Muss (und macht die Fotos auch nicht besser), sondern nur ein nettes Add-on, bei dem man merkt, dass der Hersteller mitgedacht hat. Praktischerweise passt der Skyguider auch in die Tasche, wenn die Polwiege eingestellt ist.
D.h. ich muss sie nicht in die “Null-Position” bringen, sondern kann sie in ihrer Position (hier bei ungefähr 47°) belassen. Somit ist für die nächste Einnordung zumindest die Höhe schon grob voreingestellt.

Tasche und bebilderte Schnellstartanleitung sind also zwei nette Dinge, auf die man bei anderen Astrotrackern verzichten muss. (Was allerdings nicht schlimm ist.)

Aufbau vor dem Einsatz

Der Aufbau des Geräts vor dem nächtlichen Einsatz ist ausgesprochen einfach. Jeder, der bereits eine andere (große) Montierung oder einen kleinen Astrotracker im Einsatz hatte, weiß sofort, was zu tun ist. Der Skyguider Pro folgt in seiner ganzen Logik den klassischen parallaktischen Montierungen.
Anfänger werden mit dem Schnellstartguide sicherlich zurecht kommen und haben heutzutage zusätzlich die Möglichkeit, auf Videos im Netz zuzugreifen. Daher werde ich auf diese Grundlagen nicht eingehen.
Einige Punkte möchte ich aber doch kurz herausgreifen:
Zunächst die Frage nach einem geeigneten Stativ. Denn an sich wird der Skyguider Pro (wie alle Reisemontierungen) ohne eines geliefert.
Dann betrachte ich rasch die verschiedenen Möglichkeiten, Kameras zu befestigen, die sich aus den mitgelieferten Bauteilen ergeben.
Zuletzt folgt dann die Polausrichtung via iPolar.

Stativ

Ich habe den Skyguider Pro auf drei verschiedenen Stativen getestet:
Einem kleinen günstigen Reisefotostativ (das bekannte Rollei C5i), einem sehr stabilen Videostativ (dieses) und dem original iOptron Stativ, das vom Hersteller speziell für den Skyguider und andere kleine Nachführungen angeboten wird.

Grundsätzlich lässt sich folgendes sagen:
–> Jedes getestete Stativ funktionierte
–> Eine gute Ausbalancierung ist anzustreben
–> Stative sollten niedrig gehalten werden. Die Beine sollten möglichst wenig und (im Falle eines Fotostativs) die Mittelsäule nicht ausgefahren werden. Je kürzer/kleiner das Stativ gehalten wird, desto stabiler ist es.
–> Schwingungen treten nicht auf. Die Drehbewegung des Skyguiders (und jeder Montierung) ist mit 15° pro Stunde langsam und vor allem sehr gleichmäßig. Es gibt keine brummenden Motoren, die ein Stativ irgendwie in Schwingung versetzen würden.

Da ich die Wahl hatte, habe ich eigentlich immer das iOptron Stativ genutzt. Wer wie ich allerdings ein gutes Videostativ besitzt, der wird damit genauso glücklich.
Auch wenn etwas massivere Stative vorteilhaft sind: Ein kleines, aber gutes Fotostativ funktioniert. Man muss eben auf einen sicheren Stand achten und es so niedrig halten wie möglich. Aber gerade beim Ziel, mit langen Brennweiten Deep-Sky-Fotos zu erstellen, lohnt sich schon etwas ‘richtiges’.

Die Befestigung der Kamera

Der Skyguider bietet verschiedene Möglichkeiten, eine Kamera bzw. ein Objektiv oder ein kleines Teleskop zu befestigen. Dasselbe gilt für ein zusätzliches Guidingrohr. Auch besteht die Möglichkeit, eine zweite Kamera anstelle des Gegengewichts anzubringen.
Wie man es genau macht, ist jedem selbst überlassen:
–> Für kurze Brennweiten ist es sinnvoll, einen Kugelkopf zu montieren, da das die Ausrichtung am Himmel deutlich einfacher gestaltet.
–> Bei langen Brennweiten oder sehr hohen Gewichten verzichtet man lieber auf ihn. Man schraubt oder klemmt die Kamera (besser das Objektiv/Teleskop in einer Schelle) direkt auf das Gerät.
–> Ein Guidigfernrohr kann natürlich auf die Kamera/auf das Teleskop gesetzt werden. Es ist aber auch möglich, es auf der gegenüberliegenden Seite anzubringen; genau wie eine zweite Kamera.
–> Zusätzlich kann man sich eine Befestigungsmöglichkeit kaufen, um eine zweite Kamera an der Gegengewichtsstange anzubringen. Diese ersetzt dann das Gewicht.

Ich habe jedoch immer den klassischen Aufbau mit Kamera einerseits und Gegengewicht andererseits gewählt. Genau so wie man es kennt.

iPolar in Theorie und Praxis

Die Besonderheit bei meinem Skyguider ist der/die/das iPolar. Wie gesagt: Es gibt den Skyguider mit und ohne iPolar. Das sind absolut identische Geräte. Daher gilt alles, was ich hier sonst so schreibe, für jeden Skyguider.

Die elektronische Einnordungshilfe iPolar ist nicht die erste, die auf den Markt kam. Bereits zuvor war mit dem Polemaster eine (nur auf den ersten Blick) sehr ähnliche Lösung verfügbar.
Da der Polemaster nicht von einem Teleskophersteller kam, war allen Nutzern sofort klar, dass dies ein universelles Gerät ist. Beim iPolar hält sich aber bis heute teils die Meinung, dass es speziell für iOptron-Geräte und nur für diese sei. Das ist falsch! Der iPolar ist als Add-on-Gerät ebenso universell wie der Polemaster an jeder Montierung jedes Herstellers zu nutzen. Einzig der Adapter unterscheidet sich von Montierung zu Montierung (was beim Polemaster genauso der Fall ist). Es gibt Adapter für jede Montierung; entweder vom Hersteller oder von Drittanbietern bzw. als 3D-Druckvorlage.

Auch wenn Polemaster und iPolar von den Baumaßen zunächst sehr ähnlich wirken und beide eine Verbindung mit einem Computer* benötigen, auf dem ein kleines Programm läuft, so arbeiten sie doch gänzlich unterschiedlich.

*Das kann ein PC, Laptop, PC-Stick, Eagle etc. sein. Allerdings nicht die AsiAir, da das ein geschlossenes System ist, das beinahe sämtliche Produkte anderer Hersteller aussperrt. Weder iPolar noch der Polmaster können mit der AsiAir genutzt werden!

iPolar oder Polemaster? – Einnorden mit echtem Platesolving in 2 Minuten.

Der wichtigste Unterschied ist: iPolar nutzt ganz klassisches, echtes Platesolving. Und das beschleunigt die Einnordung enorm, da es unnötig wird, verschiedene Drehbewegungen, Sternauswahlen und Messungen durchzuführen, wie es der Polemaster verlangt.
Stellt man sich geschickt an, so ist die Einnordung in 2 bis 3 Minuten erledigt; und zwar punktgenau und perfekt.
Der erste optische Eindruck darf nicht täuschen: iPolar ist anders, (in meinen Augen) deutlich besser und vor allem schneller in der Anwendung als der Polemaster.
(Und ja, ich habe den Polemaster bereits genutzt.)

Ohne auf jedes Detail einzugehen, funktioniert das so:
– Anschluss an Computer (PC, Laptop, PC-Stick, Eagle, etc. Bei mir ein PC-Stick mit Tablet)
– Start des Programms –> Es wird umgehend (schneller als eine Sekunde) geplatesolved
– Gleichzeitig erscheint ein Kreuz und ein Punkt. Der Punkt symbolisiert den Himmelspol, das Kreuz die aktuelle Ausrichtung.
– Mit den Schrauben der Polwiege wird nun das Kreuz auf den Punkt bewegt. Sobald man sich der perfekten Einnordung nähert, zoomt das Programm automatisch, um das letzte Bisschen Perfektion zu erreichen.
– Fertig.
(Das Drehen der Achsen, das Auswählen und Anlicken von Sternen etc., das beim Polemaster notwendig ist, entfällt: Platesolving, schrauben, fertig).

Kinderleichtes Einnorden im Handumdrehen – auch für Anfänger

Das alles funktioniert hervorragend, ist kinderleicht und geht wirklich sehr rasch, solange man die Polwiege schon grob in der Höhe eingestellt hat und das Stativ ordentlich nach Norden ausgerichtet ist. Dank Platesolving und dem Fadenkreuz muss man einfach nur und ausschließlich die Schrauben der Polwiege betätigen.
Die Vorteile sind klar: Rasche und perfekte Einnordung und man muss nicht auf dem Boden knien, um durch den Polsucher zu blicken.
Aus der perfekten Einnordung ergibt sich dann: Eine sehr genaue Nachführung auch mit längeren Brennweiten ganz ohne Guiding (siehe unten)

Astronomische Montierungen im Einsatz
Der iOptron Skyguider (2 v.r.) im Kreise seiner Freunde

Teil 2 – Praxiseinsatz in der Nacht

Tragkraft und Nachführzeiten – Will it track?

Meine “Tests” sind einerseits meine ganz normalen Fotosessions.
Andererseits aber doch auch wirkliche Tests: Denn um selber einen guten Eindruck von einem Gerät zu erhalten, aber auch um Dir einen umfassenden Überblick zu ermöglichen, fotografiere ich zwar “einfach wie und was ich mag”, aber eben mit allem möglichen Equipment. Dabei versuche ich nicht unbedingt die besten Fotos zu machen, sondern überlade ein Gerät auch mal oder teste viel zu lange Belichtungszeiten.

Ausführliche Tests unter Realbedingungen – bis über das Limit

Mich interessierten dabei vor allem folgende Fragen:

  • Wie lange kann der Skyguider nachführen?
  • Wie genau führt er nach?
  • Welche Gewichte kann er tragen und wie wirken sich hohe Gewichte auf die Nachführung aus?
  • Wie gut funktioniert der Skyguider ohne Guiding? Und wie gut mit?
  • Wie schlägt sich diese Nachführung im Vergleich mit anderen, beispielsweise auch dem ähnlichen Skywatcher Star Adventurer?

Um all das möglichst umfassend zu beantworten, habe ich in mehreren Nächten einfach alles durchprobiert: Vom 135 mm Objektiv bis zum 450 mm Teleskop. Mit und ohne Guiding. Mit verschiedenen Kameras, immer ohne Filter und auf verschiedenen Stativen.
(Kurze Brennweiten habe ich weggelassen. Die funktionieren selbstverständlich; davon musste ich mich nicht erst überzeugen.
Außerdem: Wer vor allem Landschaftsastro-Bilder erstellen will, der greift zum Omegon Minitrack oder der Vixen Polarie und nicht zu einer für den Landschaftsastro-Zweck überdimensionierten Nachführung wie dem Skyguider.)

Erwartungshaltung

Der Hersteller gibt für Skyguider eine Tragkraft von 5 kg an. Das ist eindeutig genug für jede gängige Kombination aus einer DSLR und einem Teleobjektiv. Man muss sich schon anstrengen, um ein Kameraobjektiv zu finden, das 4 kg wiegt; DSLRs mit 1 kg Eigengewicht sind ebenso schwer zu finden.
(Ja, selbstverständlich gibt es da Canon 300 mm f2.8, das über 3 kg wiegt und auch lichtstarke 400 mm Objektive. Doch Optiken für 6000.- aufwärts werden eher selten im Fotorucksack zu finden sein.)

Die angegebenen 5 kg stimmten mich also optimistisch, dass der Skyguider auch kleine APOs bis 300 mm (vielleicht auch mehr?) und ein Autoguidingfernrohr zuverlässig tragen könnte.
“Tragen” ist dabei nur die eine Hälfte von “Das funktioniert”. Gleichmäßig bewegen und dabei sauber nachführen die andere.
Es gibt also eine Grenze zwischen: “Zuverlässig wiederholbar” und “klappt manchmal mit Glück”.

Beim Star Adventurer kenne ich die Grenze zwischen “das läuft immer super” und “klappt manchmal, aber öfters auch nicht”.
(Sie liegt bei etwa 120 Sekunden mit 135 bis 200 mm ohne Guiding. Das ist mit einer guten Einnordung einigermaßen wiederholbar zu erreichen. In der Praxis waren es dann aber oftmals auch nur 90 Sekunden. 60 Sekunden sind easy und eigentlich garantiert.)

Bis an die Grenzen – Was funktioniert wirklich?

Wo die Grenze beim Skyguider liegt und ob er da einfach besser ist, das galt es herauszufinden.
Und genau darum habe ich den Skyguider in diversen Kombinationen getestet.
Die Ergebnisse erfährst Du jetzt:

iOptron Skyguider mit 274 mm Omegon Apo
iOptron Skyguider Pro mit 61/274 Apo ohne Guiding

Erste Tests – Ohne Guiding

Test#1 und Test#2
Canon 6D-Vollformat + 274 mm Apo

Die ersten Tests erfolgten natürlich ohne Guiding; das kam danach. Ich glaube nämlich, dass viele Nutzer, die sich für so einen Astrotracker entscheiden, ganz einfach fotografieren möchten: Kamera + (Tele-)Objektiv.
Sowohl in Nacht 1 als auch in Nacht 2 bestückte ich den Skyguider mit einem 274 mm ED-Apo (ein handliches Linsenteleskop, baugleich zu diesem etwas bekannteren TS 61/274 EDPH). Also direkt zum Start ein etwas größeres Gerät mit einem ordentlichen Gewicht und viel Brennweite für einen Astrotracker.

274 mm ohne Guiding? Absolut problemlos!

Wie sich zeigte, waren Belichtungszeiten von 60 Sekunden überhaupt kein Problem. Von den Bildern der ersten Nacht konnte ich alle nutzen, und von Nacht 2 musste ich gerade einmal 7 von 173 Bildern (= 4% Ausschuss) aussortieren, da sie leicht verzogene Sterne aufwiesen. Und das bei einer sehr flachen, unbalancierten Ausrichtung nach Südwesten in Horizontnähe im Sternbild Skorpion. Eine schwierigere Ausrichtung für eine Montierung gibt es kaum.
Die Ursache liegt wahrscheinlich in kurzen Windstößen. Ein wiederkehrender Schneckenfehler (den es offenbar nicht/kaum gibt) kann bei so wenigen Bildern ausgeschlossen werden.
Dass die Einnordung via iPolar sehr gut funktionierte, zeigte sich ebenso: Es gab weder eine Bildfelddrehung noch eine deutliche Bildfeldwanderung. Die Sterne blieben während der gesamten Nacht annähernd an derselben Stelle.

Hier die Ergebnisse aus Nacht 1 und 2:

Sternbild Schütze - iOptron Skyguider mit Omegon 61/274 APO

“Touristen-Hotspots im Schützen” oder “Lagune+Trifid”
116 x 60 Sek. (1h+56 min) – Canon 6Da – iOptron Skyguider – Omegon 61/274 ED Apo f4.5
Der Lagunennebel samt Umgebung erschien als ein einfaches und dankbares Ziel für einen ersten Testlauf. Diese Region ist im Sommer sicherlich einer der touristischen Hotspots: Einfach aufzufinden (der Lagunennebel ist ohne Hilfsmittel mit unbewaffneten Augen sichtbar) und mit fast jeder Brennweite ein hübsches, leuchtkräftiges Motiv.
Diese Aufnahme war nicht nur der erste Test des Skyguiders, sondern auch der erste Einsatz eines erstaunlich günstigen und dafür recht guten 274 mm f4.5 APOs. (Mein Testbericht).
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Antares / Rho Ophiuchi im Sternbild Skorpion - Test Bild mit iOptron Skyguider Pro und EDPH II Omegon 61/274 Apo

“Rho-Ophiuchi-Molekülkomplex” oder die “Antares-Region”
166 x 60 Sek. (2h+45 min) – Canon 6Da – iOptron Skyguider – Omegon 61/274 ED Apo f4.5
Dieses Bild der “Nebelgebiete im Skorpion” ist sicherlich kein Meisterwerk. Die hohen Sommertemperaturen in der Toscana, der Dunst über dem Meer, die recht knappen Einzel- und die kurze Gesamtbelichtungszeit ließen nicht mehr zu.
Das Bild ist vielleicht etwas ‘überstreckt’ und arg kontrastreich entwickelt.
Aber in Anbetracht all dieser Umstände und der Tatsachen, dass 60 Sekunden Belichtungszeit bei f4.5 wirklich nicht viel, ein 274 mm Apo hingegen eine ordentliche Beladung für den Skyguider ist, kann sich das Foto durchaus sehen lassen. Immerhin ist es mit einem Apo ungeguidet auf einer kleinen Reisenachführung entstanden und nicht mit einem ausgewachsenen Setup.
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Die beiden Ergebnisse mit 274 mm stimmten mich froh.
(Ich konnte sie allerdings nicht entwickeln, da ich in der Pampa nur einen eher schwachen Computer dabei habe und ich meinen Astrourlaub so oder so nicht stundenlang vor einem Laptop verbringen will. “Froh” stimmten mich also zunächst nur die Vorschaubilder.)

Eigentlich sind diese beiden nun entwickelten Bilder bereits ausreichend, um zu zeigen, dass der iOptron Skyguider seine Sache mehr als nur gut macht.
Wahrscheinlich wären trotz des Einsatzes eines kleinen 274 mm Teleskops auch mehr als 60 Sekunden möglich gewesen. Ich hab es schlichtweg vergessen auszuprobieren und meine Fotosessions mit den 60 Sekunden durchlaufen lassen.
In den nächsten Nächten wollte ich zunächst einmal das Guiding zum Laufen bekommen und testen. (Mehr zum Guiding weiter unten.)

Test#3
Canon 7D-Crop-Sensor + 135 mm

Einige Nächte später wollte ich es wissen und montierte das Samyang 135 mm auf den Skyguider. Waren zwei oder drei Minuten möglich? Das wäre schon ein richtig gutes Zeichen. Oder gar noch mehr? Dann würde der Skyguider meinen Star Adventurer eindeutig übertreffen.
Um die Sache noch zu erschweren, wählte ich in dieser Nacht keine Vollformat, sondern eine Kamera mit Crop-Sensor: Eine alte Canon 7Da.

Genau denselben Aufbau (Canon 7Da + Samyang 135 mm) setzte ich parallel dazu auf den kleinen Bruder des Skyguiders: Den iOptron Skytracker.
Natürlich ein fieser Vergleich, bei dem der Skytracker nur verlieren konnte.
Wie gut er dennoch nachführte, kannst Du in diesem Testbericht nachlesen:
Testbericht iOptron Skytracker (noch im Entstehen).

Das Ziel dieser Nacht war bei beiden Nachführungen der Schwan. Genauer, die Nebelgebiete um Sadr:
Vom Schmetterlingsnebel IC 1318B und C über den westlich gelegenen “Gehirnnebel” NGC 6888 und einigen Listungen des Barnard-Katalogs bis zum Tulpennebel Sh 2-101.

Was in dieser Nacht erschwerend hinzukam und die Ergebnisse evtl. schlechter ausfallen ließ, war der Wind. Es gab dauerhaft eine leichte Brise, aber immer wieder und stärker werdende regelmäßige ordentliche Böen. Andere Montierungen, die gleichzeitig fotografierten, ließ ich daher nur 120 Sekunden belichten.

120 Sekunden zum Start – Wo ist die Grenze?

Und mit genau 120 Sekunden startete ich auch meine Testreihe. Ein Wert, der beim Star Adventurer möglich, aber nicht meine allnächtliche Realität war. Zu oft war das schon schiefgegangen, daher hatte ich mich mit mir selber auf die sicheren 60 bis 90 Sekunden geeinigt.
Würde der Skyguider das sofort schaffen? Und dauerhaft?
Das erste Testbild auf dem Kameramonitor sah gut aus, das zweite ebenso. Also ließ ich das Gerät einfach mal eine Zeit lang laufen. Ob die Sterne wirklich rund sein würden, war so oder so mit Sicherheit erst am Computermonitor zu sagen, aber bisher sah das gut aus.

Alles Rohbilder
a) mit eingestelltem Weißabgleich und
b) mit angepasstem Kontrast in Lightroom

120 Sekunden:

Nach einer guten Viertelstunde bzw. 7 scheinbar scharfen 120-Sekunden-Aufnahmen wollte ich es wissen: Würden 180 Sekunden funktionieren? Und auch das sah auf Anhieb gut aus.

180 Sekunden:

Nach 5 Testbildern hatte ich genug. Da auch 180 Sekunden dem Anschein (kleiner Kameramonitor) nach funktionierten, würden eben 240 Sekunden (also 4 Minuten) die Grenze sein.
Doch auch hier: Das Bild sah scharf aus, die Sterne wirkten rund.
(Am PC sah ich dann, dass eines der vier Bilder verzogene Sterne hatte.)

So richtig gefiel mir der Bildausschnitt übrigens noch nicht: Im unteren Bereich war “viel zu viel schwarz”. Also richtete ich die Kamera zwischenzeitlich nochmals neu aus.
(Auch als Tipp: High-ISO-Testbilder zeigen auch bei kurzen Testbelichtungszeiten sehr viel und dabei ist es egal, ob die Sterne rund sind oder das Foto rauscht. Man sollte sich nicht mit dem erstbesten Bildausschnitt zufrieden geben und lieber nochmal etwas verstellen.)

240 Sekunden:

Da auch 240 Sekunden unglaublicherweise immer noch zu funktionieren schienen, wollte ich als letztes noch 5 Minuten, also 300 Sekunden ausprobieren. Nochmal als Erinnerung: Mit 135 mm an einer Crop-Kamera ohne Guiding!
Und – unglaublich – auch hier sah das Bild noch gut aus.
(Am PC zeigte sich dann aber, dass nur eines von 4 Testbildern wirklich runde Sterne aufwies, bei den anderen 3 war es gut, aber nicht perfekt.).

300 Sekunden:

Da ich aber letztendlich doch nicht nur testen wollte, entschied ich, die verbleibende gute Stunde mit 180 Sekunden Einzelbildern zu nutzen. Das erschien mir vernünftiger.
Auch hier zeigte sich am PC, dass das ein oder andere Bild verzogene Sterne aufwies. Ich vermute, dass dafür mit einer hohen Wahrscheinlichkeit der zum Morgen hin immer stärker werdende Wind verantwortlich war. Eine Regelmäßigkeit, wie sie für einen Schneckenfehler typisch wäre oder auch immer gleichmäßig verzogene Sterne konnte ich nicht feststellen. Die unscharfen Bilder waren sehr unterschiedlich und traten ganz sporadisch auf: Typisch für einzelne Windböen.

135 mm und 5 Minuten ohne Guiding

In Summe kann ich nun also sagen:
Der Skyguider schafft tatsächlich 5 Minuten mit 135 mm an der alten Crop-Kamera – ganz ohne Guiding! Natürlich nicht absolut zuverlässig, aber häufiger als nur mal ein einzelnes Zufallsbild.
In der Realität werde ich mein Glück aber nicht herausfordern, sondern maximal 180, eher aber nur 120 Sekunden belichten. Bei lichtstarken Teleobjektiven ist das unter mitteleuropäischen Himmelsbedingungen bei weitem ausreichend. Ich habe so viel fotografiert, dass ich keine Belichtungszeit-Rekorde aufstellen muss. Die Bilder werden davon auch nicht besser. Der Himmelshintergrund (also unsere hellen mitteleuropäischen Himmelsbedingungen) begrenzt die sinnvolle Belichtungszeit.

Hier nun das fertige Bild. Viel Gesamtzeit ist nicht eingeflossen. Die Nächte im Juni sind einfach unglaublich kurz. Aber als Ergebnis eines Testlaufs dennoch ganz nett:

IC 1318 und NGC 6888 im Sternbild Schwan mit Samyang 135 mm auf iOptron Skyguider Pro im Test

Widefield im Schwan” mit IC1318 und NGC 6888
Samyang 135 mm – iOptron Skyguider Pro – Canon 7Da – 19x 180 Sekunden = 57 Minuten
Klick mich für großes Bild in neuem Tab.

Übrigens:
Der kleine Bruder, der iOptron Skytracker kam natürlich nicht auf 5 Minuten. Dennoch entstand im Rahmen der Möglichkeiten ein prima Ergebnis, das zeigt, dass auch kurze Einzelbelichtungen ausreichend sind und es vielmehr auf die Gesamtbelichtungszeit ankommt.

Übrigens #2:
Vor sehr vielen Jahren (2016?) habe ich ein ähnliches Bildfeld mit dem Star Adventurer fotografiert. Das hat selbstverständlich funktioniert. Nicht, dass noch der Eindruck entsteht, dass der SA nicht gut wäre!
Hier:

Du siehst, dass das ein anderer Bildausschnitt ist (200 mm) und eine kontrastreichere Bearbeitung.
Du siehst aber auch, dass 90 Sekunden für eine Einzelbelichtung genauso ausreichend sind.
Vor allem wird aber deutlich, dass ein dunkler Standort sehr sehr viel bringt!
Damals war ich in den stockdunklen und kühlen Alpen auf ca. 1400 Metern Höhe. Jetzt in der vergleichsweise hellen und heißen Toscana auf eher nur 700 Metern.
Belichtungszeit kann man sammeln, aber ein dunkler Standort ist durch nichts zu ersetzen (außer durch sehr viel mehr Belichtungszeit und auch dann nicht vollkommen.)

Beispielhafter Aufbau mit Selbstbau-Autoguider

Tests mit Guiding

All meine Guiding-Tests erfolgten mit folgendem Equipment:
– Mein Mini-PC-Stick als “Selbstbau-Autoguider” (klein, leicht, zuverlässig und billig. Hier meine Anleitung.)
– Ein kleines billiges 30/120 Guidingfernrohr.
– Ein ASI 120 Klon (TC7). Wer sich dafür interessiert: Gut aufpassen, denn die Preise schwanken extrem.

In Summe also die günstigste und kompakteste Autoguidinglösung. Ein MGen3 wäre sicherlich nicht verkehrt, sogar etwas praktischer (wobei 12V benötigt werden und die Powerbank, die den PC-Stick versorgt, somit nicht ausreicht), dafür aber 2 bis 3x so teuer.

Der erste Guiding-Versuch

Das erste geguidete Bild, das Du hier sehen wirst, würde ich am liebsten verstecken. In meinen Augen schaut das einfach nach nix aus: Der Bildausschnitt ist unglücklich gewählt und irgendwie ist es lahm.
Aber egal, darum geht es hier nicht. Um zu zeigen, dass das Guiding auf Anhieb gut funktioniert hat, ist es allemal ausreichend.

Ein Bild zum Verstecken – aber das Guiding funktioniert tadellos!

Zeitlich betrachtet war das die dritte Nacht mit dem Skyguider.
Die ersten beiden erbrachten die Bilder ganz oben (Lagune und Skorpion). Danach testete ich mit demselben Equipment, also 274 mm an Vollformat weiter.

Warum ich so einen merkwürdigen Bildausschnitt gewählt habe?
Naja – ich dachte: “Da oben im Schwan ist eh alles voller roter Nebelfetzen. Ziele ich doch einfach mal mehr oder weniger zwischen all die bekannten Objekte und lasse mich überraschen. Das Ergebnis wird schon ganz spannend sein”.
So gesehen trifft das auch zu. “Rote Fetzen” sind da tatsächlich, aber so richtig gut schaut das (noch) nicht aus. Mit 10 Stunden Belichtungszeit wäre das aber wohl ein echt interessantes Bildfeld.
Es sind aber nicht mal ansatzweise 10 Stunden, sondern nur 20×180 Sekunden; also ganz genau eine Stunde.
Und diese eine Stunde an Daten habe ich auch noch über alle Maßen gequält. Bei 25° Außentemperatur, um die 35° Sensortemperatur und einem nicht wirklich guten Himmel wundert es da nicht, dass das Bild rauscht.

Wenn Du Dich fragst, wo genau das am Himmel ist:
Unterhalb des Tulpennebels (Sh2 101); unterhalb des “Schwanenhalses”, direkt am Rand des Milchstraßenbands.


So. Genug der Worte, hier ist das Ergebnis.
Fazit: Das Guiding funktioniert und ich kann 274 mm problemlos und zuverlässig 3 Minuten nachführen.

Wasserstoff-Nebel im Sternbild Schwan
mit Omegon PRO 61/274 auf iOptron Skyguider – 20x 180 Sekunden (60 Minuten)
Klick mich für großes Bild in neuem Tab

Das zweite Mal Guiding

Das zweite geguidete Bild entstand kurz danach. Auch dieses hat nur sehr wenig Belichtungszeit abbekommen. Dennoch erscheinen die Nebelgebiete viel klarer. Der Nordamerikanebel ist nicht umsonst eines der beliebtesten Anfängerobjekte in der sommerlichen Milchstraße.

Als Fazit kopiere ich einfach den Satz von oben:
“Das Guiding funktioniert und ich kann 274 mm problemlos und zuverlässig 3 Minuten nachführen.”

Nordamerikanebel und Pelikannebel
22 x 180 Sek. (66 min) – Canon 6Da – iOptron Skyguider – Omegon 61/274 ED Apo f4.5
Klick mich für großes Bild in neuem Tab!

To the max

Ganz rechts: Der Skyguider mit 450 mm im Extremtest.
Mittig: iOptron CEM25p mit 342 mm und hinten der Omegon LX4 mit 274 mm (auch das als Extremtest)
Mein erster Testbericht zur CEM25 und mein zweiter nach 3 Jahren Nutzung
Mein Testbericht zum LX4



450 mm Apo im Überlast-Extremtest

Die verrückteste Aktion war sicherlich der Testlauf mit einem großen, massiven, schweren 450 mm Teleskop. Dafür ist der Skyguider wahrlich nicht wirklich gedacht und normalerweise nutze ich diesen Apo auch auf einer meiner großen 2-Achs-Montierungen (CEM25p, hier mein ausführlicher Erfahrungsbericht).
Aber hey: Für einen Versuch musste ich es einfach mal wagen, den Skyguider ordentlich an seine Grenzen zu bringen.
Was ich zu den vorigen Versuchen allerdings ändern musste: Das Gegengewicht. Eines reichte nun nicht mehr aus und erst mit einem zweiten konnte ich die Last von Teleskop und Kamera ausgleichen.

Die ersten Bilder entstanden noch ohne Guiding. Eigentlich waren es nur Testbilder, um den richtigen Bildausschnitt zu finden, aber gleichzeitig auch ein Versuch ohne Guiding.
Da 60 Sekunden runde Sterne zeigten, versuchte ich auch 120, also ganze zwei Minuten. Schon erstaunlich, wie gut die Sterne aussehen. Dass sie nicht ganz rund wirken, liegt an der Optik bzw. einer minimalen Verkippung, da die Kamera geklemmt und nicht verschraubt war. Es ist kein Nachführfehler. (Und selbst wenn es so wäre: Das sind 120 Sekunden mit massiven 450 mm ungeguidet auf einem Astrotracker!)
(Rohbild, in Lightroom angepasst.)

450 mm Apo auf dem iOptron Skyguider Pro – 2 Minuten ohne Guiding (Einzelbild aus Lightroom)

Dauerhaft 4 Minuten? Kein Problem!

Mit Guiding (wie üblich über meinen Mini-PC-Stick aka. Selbstbau-Autoguider) wagte ich mich an vier Minuten und ließ das Gerät dann ohne weitere Kontrolle und in der Hoffnung, dass es schon funktionieren würde, einfach laufen.
Tatsächlich hatte ich so viel Vertrauen, dass ich mich in meinen Bus legte, um ein wenig zu dösen; draußen war es mir in dieser Oktobernacht einfach zu frostig.

Hier eine der 4-Minuten-Aufnahmen. Die Sterne sind rund, aber die Reflexion im linken Bereich ist so schrecklich, dass ich keine Lust hatte, den Datenstapel zu entwickeln. (Der Bildausschnitt/die Bildvergrößerung liegt direkt über der Reflexion.)
Das eigentliche Ziel, nämlich zu ergründen, ob sich die 450 mm nachführen lassen, habe ich ja erreicht.

450 mm Apo auf dem iOptron Skyguider Pro – 4 Minuten mit Guiding (Einzelbild aus Lightroom)

Hier nochmal ein “Making-of”. Das grüne Lichtchen unterhalb der DSLR ist die Autoguiding-Kamera. Auch ist hier das bereits oben angesprochene iOptron-Stativ ganz gut zu erkennen und mein Tipp, wenn man solche Geräte nachführen möchte:

450 mm Apo mit Canon 6Da und Autoguider auf iOptron Skyguider Pro

Weitere Erfahrungen im Praxiseinsatz

Nach all diesen mehr als positiven Erfahrungen und Tests mit so ziemlich allen Kameras, Objektiven und Teleskopen, die ich ausprobieren konnte, ist klar, dass der Skyguider auch in Zukunft mein Begleiter sein wird.
Gerade beim Einsatz langer Brennweiten, schwerer Optiken und dem Ziel, Deep-Sky-Aufnahmen mit langen Einzelbelichtungszeiten zu erstellen, ist der Skyguider für mich nun das Maß der Dinge unter meinen kleinen Reisenachführungen.
Die 450 mm sind zwar schon arg übertrieben. Wenngleich es funktioniert hat, so werde ich den Skyguider wohl hauptsächlich mit meinem 61/274 Omegon Apo nutzen. Ein Apo dieser Größe erscheint mir als die perfekte Optik für den Skyguider. Und dass ich dieses Gerät auch ohne Guiding nutzen kann, finde ich einfach toll!

Das heißt nicht, dass ich meine anderen Nachführungen nicht mehr brauche oder gar verkaufe. Selbstverständlich kommen sie weiterhin zum Einsatz, denn sie haben ganz eigene Vorteile. Nachgeführte Panoramen und Landschaftsastro irgendwo im Gelände kann ich beispielsweise viel einfacher mit dem Omegon LX3 (bzw. neuerdings dem LX4) erstellen.
Gerade wenn es um wenig Gewicht, kurze Brennweiten und den schnellen Einsatz ohne Zubehör geht, haben für mich andere Astrotracker mehr Vorteile.
Der Skyguider ist für den Einsatz mit beispielsweise 35 mm, um Landschaftsastro zu fotografieren, deutlich überdimensioniert.

Und der Star Adventurer?
Der wird in nächster Zeit vor allem mit 85 mm fotografieren. Denn ich arbeite an einem großen, tief belichteten und später auch zoombaren 85mm-Panorama des gesamten (von hier aus sichtbaren) Nachthimmels.
Das heißt: Auch der alte Star Adventurer wird weiterhin vor sich hinarbeiten. Himmelsfeld für Himmelsfeld, bis irgendwann das Panorama fertig ist.
Hier mal eine unvollständige Preview aus dem Winter 2019/2020. Mittlerweile ist das schon viel weiter fortgeschritten:

Zum Abschluss – Weitere Bilder

iOptron Skyguider mit Canon 7Da und 200 mm

Die folgenden Bilder geben hier nun nochmal einen kleinen Eindruck, was ich so mit dem Skyguider (im Juni und Juli, also in den kurzen Sommernächten) fotografiert habe.
Als “gut” würde ich keines der Bilder bezeichnen. Aber als “gut genug”, um sie hier nochmals im Rahmen des Testes zu zeigen.

Keine schönen Bilder – aber gute Testergebnisse.

Das wichtigste ist dabei: Ich hatte Freude in diesen Nächten beim Fotografieren. Auch wenn die Hitze für die Fotos nicht gut war, habe ich es doch sehr genossen, im T-Shirt draußen zu sitzen und den Himmel zu bestaunen.
Dennoch muss ich beim Betrachten der Aufnahmen sagen:
Mann! Was freue ich mich auf die langen Winternächte. Da können dann endlich auch wieder richtig tief belichtete Widefields entstehen. Aber vor -15° und dem Abbauen des Equipments um 6 Uhr in der Früh graust es mich gleichzeitig. 😉

Bärentatze und Krebs

Im südlichen Skorpion: Bärentatze und Krebs oder “Rauschmonster”
iOptron Skyguider – Canon 7Da – Canon 200 mm – 49×60 sec. = 49 min.

Das erste Bild ist dann auch gleich mal ein nicht so schönes.
Aber daran hat der Skyguider keine Schuld.
Die Objekte (Bärentatze und Krebsnebel) sind einfach keine Ziele, die man von Europa aus vernünftig fotografieren kann. Sie kommen kaum über den Horizont. Im August, als ich fotografierte, waren sie obendrein bereits über den Meridian gewandert und somit im Untergehen begriffen; und das auch noch im Dunst über dem Meer bzw. im Lichtschmutz einer Hafenstadt.
Das konnte einfach kein vernünftiges Bildergebnis erbringen. Erst recht nicht mit nur einer knappen Stunde Belichtungszeit.
Versucht habe ich es dennoch und muss im Ergebnis sagen: Ja, man erkennt die Nebelgebiete. Aber leider auch: Oje, das ist höllenhaft, katastrophal rauschig.
Daraus folgt: Ja, das würde ich echt gerne mal richtig lange belichten; irgendwo weit im Süden, denn dann wird das ein sehr spannendes Feld abgeben. Und zuletzt: Ja, der Skyguider hat den Job, 200 mm an einer Crop-Kamera nachzuführen, gut erledigt. Ohne Guiding. Und das, obwohl die Ausrichtung an den Südhorizont schon eine Herausforderung ist: Die Kamera hing schräg im Hochkantformat an dem Gerät und erzeugte eine ordentliche Hebelwirkung. Ausbalanciert war da überhaupt nichts mehr.

Die Füchsin

Widefield im Sternbild Fuchs/Vulpecula
iOptron Skyguider, Canon 7Da, Canon 200 mm – 91 x 120 Sec = 3 Stunden

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Das Bild zeigt ein weites Feld im Sternbild Fuchs oder “die Füchsin”.
Es ist (mit wenig Belichtungszeit) nicht gerade “überkrass-genial”. Das macht aber nichts, denn:
Ich erstelle solche Aufnahmen einerseits in der Hoffnung, dass es zufälligerweise ein interessantes Bild ergibt, wobei ich natürlich weiß, dass kurze Sommernächte da meist nicht ausreichend sind.

Andererseits aber auch, um das Gebiet zu erkunden:
Ich habe zwar Zugriff auf verschiedene fotografische Himmelsdurchmusterungen, die mir zeigen, wo es interessant sein könnte. Aber eigene Fotos zeigen meine Realität doch deutlich besser.
Und anhand solcher Widefields kann ich somit besser entscheiden, ob und wenn ja, wo genau ich mit längeren Brennweiten fotografieren möchte und ob ich erwarten kann, nach einer überschaubaren Zeit ein gutes Ergebnis zu erhalten.


Du siehst also: So ein recht kurz belichtetes Widefield hat, auch wenn es an sich nicht super schön ist, doch seine Vorteile.
Nun kann ich meine 900 mm (Kleinbildäquivalent) Aufnahmen anhand von Himmelsdurchmusterungen planen. Dank Platesolving wird der geplante Bildausschnitt dann auch wirklich perfekt getroffen.

Tatsächlich habe ich bereits angefangen im Fuchs zu fotografieren. Geplant ist ein hochauflösendes Mosaik-Panorama aus 3×3 Feldern mit 450 mm.
Zeitlich sehr herausfordernd. Aber auch reizvoll, da diese Region noch nicht ‘leer fotografiert’ ist ;-). Zwei der neun Felder habe ich angefangen, wobei bisher jeweils nur 5 Stunden vorhanden sind.
Hier ein arg verkleinerter Ausschnitt. Evtl. kannst Du Dir vorstellen, wie das fertig und in voller Auflösung aussehen wird:

Der dritte Grund für mich, solche weiten Felder mit Teleobjektiven zu fotografieren, ist die Vielfalt und das Zusammenspiel all dessen, was sich dort befindet. Denn nur Widefield-Aufnahmen ermöglichen es, die großen Zusammenhänge zu sehen. Dass diese Art Bilder natürlich viel besser werden, wenn man da viel Belichtungszeit investiert, dass sie erst dann wirklich Tiefe bekommen, ist selbstverständlich.

Was man aber auch hier wieder festhalten kann – wichtig für diesen Testbericht – ist, dass der Skyguider gut gearbeitet hat:
120 Sekunden Belichtungszeit ohne Guiding mit 200 mm an einer Crop-Kamera sind erneut ein Zeichen, dass dieses Gerät zuverlässig nachführt.

Emissionsnebel der Sommermilchstraße: Adler, Omega und Co.

Widefield in der Milchstraße
iOptron Skyguider – Canon 7Da – Canon 200 mm – 59 x 120 sec. = 118 min. = 2 h

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Das Bild zeigt einen Klassiker oder zwei der “ältesten” Nebelgebiete.
M16 und M17, den Adler- und den Omeganebel. “Alt” bedeutet hier jedoch nur “zuerst entdeckt”, denn diese beiden Regionen zählen zu den ersten 10 Emissionsnebeln überhaupt, die jemals katalogisiert wurden.
Doch gibt es in diesem Feld zwischen den Sternbildern Schütze, Schlange und Schild noch deutlich mehr dieser rötlich leuchtenden Wasserstoffnebel, die sich allerdings weder im Messier-Katalog* noch im NGC finden.
Die Ursache dafür ist einfach: Diffuse Nebelgebiete und somit auch Wasserstoffnebel sind visuell nicht sonderlich gut sichtbar, unsere klassischen Deep-Sky-Kataloge jedoch sind genau so entstanden: Mittels der visuellen Beobachtung durch ein Teleskop. Daher verwundert es nicht, dass sowohl der Messierkatalog mit 110 gelisteten Objekten als auch der NGC mit rund 7800 Deep-Sky-Objekten vor allem Verzeichnisse von Sternhaufen und Galaxien sind. Erst fotografische Himmelsdurchmusterungen zeigten Nebelgebiete dann in größerer Anzahl.

(*Der Link leitet zu meinem Artikel über die Entstehung des Messier-Katalogs weiter.)

Auch bei diesem letzten Bild gilt nun zum Abschluss:
Zu wenig Belichtungszeit, aber der Skyguider macht, was er soll.

Als Fazit der letzten drei Bilder:
– Der Skyguider meistert die 200 mm an einer Crop-Kamera
– 120 Sekunden ohne Guiding sind wiederholbar und zuverlässig zu erreichen
– Kurze Gesamtbelichtungszeiten sind einfach zu kurz; vor allem dann, wenn man nicht in den Alpen fotografiert, wie ich es gewohnt bin. Der helle Himmel in der Toscana hat einen deutlich größeren (negativen) Einfluss als erwartet. (Allerdings: Der wolkenverhangene Alpenhimmel zu den sommerlichen Neumondphasen dieses Jahres hätte einen noch übleren Einfluss gehabt.) 😉

3. Abschluss, Anhang und Fazit

Nach den ersten beiden Teilen – Theorie und Praxis – folgt nun das Fazit, das nochmals Vor- und Nachteile zusammenfasst. Auch möchte ich hier sinnvolles oder notwendiges Zubehör ansprechen.

Sinnvolles und/oder notwendiges Zubehör

Eigentlich muss man nichts zum Skyguider dazukaufen. Das Gerät bringt alles mit, was notwendig ist. Man kann mit dem Lieferumfang mit jeder Kamera und fast jeder Optik sofort loslegen – vorausgesetzt, man hat ein Stativ.

Das einzig notwendige Zubehör: Ein Stativ

Das Stativ ist somit auch quasi das einzige wirklich zwingend notwendige Zubehörteil. Wie oben bereits angesprochen, eignet sich ein stabiles Fotostativ genauso wie ein Videostativ oder (besonders ideal) das iOptron-Stativ. Für welches man sich entscheidet, hängt vornehmlich vom Einsatzzweck ab:
Für Deep-Sky-Aufnahmen mit langen Brennweiten, kleinen Teleskopen und Guiding sollte es schon das stabile Gerät sein, für nachgeführte Landschaftsastrofotos bzw. kurze Brennweiten tut es jedes Fotostativ.

Mögliches Zubehör:
Kugelkopf, ein zweites Gegengewicht, eine bessere Polwiege

Aus diesen beiden Enden des Einsatzspektrums (lange vs. kurze Brennweiten) ergeben sich zwei weitere Zubehörteile:
Ein Kugelkopf, der in jedem Fall sehr praktisch ist und die Ausrichtung auf das Himmelsobjekt der Wahl eindeutig vereinfacht. An sich würde ich immer einen Kugelkopf nutzen, verzichte nur bei schwerem Gerät zuliebe der Balance darauf.
Bei (sehr) schwerem Gerät wird dafür evtl. ein zweites Gegengewicht notwendig.

Die Polwiege wäre noch ein Teil, das man ggf. durch eine andere ersetzen möchte. Wie gesagt wird zwar eine mitgeliefert und diese ist (wie auch die des Skywatcher Star Adventurers) ordentlich und brauchbar.
Legt man jedoch Wert auf eine wirklich präzise Einnordung, ohne dabei das Nachsacken oder das Verstellen nach dem Anziehen der Klemme einzukalkulieren, so macht es sicherlich Sinn, auf ein besseres Gerät zuzugreifen.
(Dazu unten noch ein paar weitere Worte.)

Für iPolar und Guiding: Computersteuerung

Und dann wäre da ja noch die Computersteuerung für die Einnordung via iPolar. (Aber das gilt natürlich nur für den Skyguider mit iPolar, nicht für den normalen.)
Ein Computer kann dabei sehr viel sein:
Natürlich ein “echter” Computer, also ein Laptop. Aber viel praktischer ist ein handliches Computersystem, das direkt auf dem Teleskop oder an der Montierung befestigt wird:
Das könnte ein Astrocomputer von PrimaLuceLab sein, oder (so wie ich es mache) ein kleiner PC-Stick. Für mich ist ein PC-Stick die beste Lösung und preislich sehr interessant. Darum habe ich dazu auch einen eigenen Artikel geschrieben.

(Die AsiAir ist für alle Einnordungshilfen leider nicht zu gebrauchen. Weder für den Polemaster noch für den iPolar. ZWO hält die AsiAir als geschlossenes System und macht es unmöglich, die meisten Geräte zu nutzen, die nicht von ZWO hergestellt werden. Das gilt nicht nur für alle erhältlichen Einnordungshilfen, sondern beispielsweise auch für Autofokusser und Filterräder. Einer von vielen Punkten, der die AsiAir für mich grundsätzlich zu einem NoGo-System macht.)

Doch nicht nur für die Einnordung möchte man evtl. den Computer nutzen, sondern (gerade beim Einsatz von kleinen Teleskopen oder Objektiven mit langen Brennweiten) auch für ein Guiding-System.
(Es sei denn, man nutzt einen Stand-Alone-Guider, wie z.B. den MGen3 für’s Guiding.)

Jedes Guidingsystem: Guidingfernrohr und Guidingkamera

Aber egal wie man das Guiding steuert: Ein kleines Guidingfernrohr und eine Guidingkamera sind notwendig.
Was genau man da nutzen möchte, ist recht egal. Persönlich würde ich jedoch zu einem kleinen 30 mm (30/120 f4) Guidingscope greifen. Das ist kompakt, leicht und mehr als ausreichend, solange man bis maximal 800 mm Brennweite fotografiert, was man mit dem Skyguider wohl kaum machen wird. Größere Guidingfernrohre/längere Brennweiten schaden aber natürlich auch nicht.
Ähnlich verhält es sich mit der Guidingkamera. Es sollte nur eine Mono-Kamera sein. Gängig wäre eine ASI 120 oder einer ihrer Klone. Genauso gut könnte man eine ASI 178 nutzen (oder auch da baugleiche). Ich habe beides getestet. Es ist vollkommen egal. Die teurere 178 macht nur dann Sinn, wenn man die Kamera auch für andere Zwecke (beispielsweise Mond- oder Planetenfotografie) nutzen möchte.
(Mein billiges Guidingrohr und den ASi120-Klon habe ich oben bereits verlinkt.)

Du siehst also:
Abgesehen von einem Stativ und einer Computerlösung für’s Guiding brauchst Du eigentlich kein Zubehör.

Ein Kugelkopf für leichte Kameras ist genauso optional wie ein zweites Gegengewicht für schweres Equipment. Dasselbe gilt für die Polwiege. Auch da ist eine bessere rein optional und hängt einzig von den Ansprüchen und dem Einsatzzweck ab.

Pro und Contra

Pro
Aus all dem, was ich bisher geschrieben habe, geht bestimmt klar hervor, dass ich vom Skyguider Pro mit iPolar begeistert bin.
Dass das Gerät ordentlich arbeitet und genau das macht, was es soll, möchte ich hier allerdings nicht als Pro auflisten. Denn das ist die Grundfunktion, die man einfach erwarten kann. Auch so triviale Dinge, wie eine gute Verarbeitung oder ein schickes Oberflächenfinish kann ich kaum als Pro-Argument bezeichnen.
Da ich aber, wie erwähnt, auch fast alle anderen kleinen Astrotracker, aber auch ausgewachsene 2-Achs-Montierungen kenne und regelmäßig nutze, fallen mir einige Dinge besonders positiv auf. Positiv und/oder einfach besser als bei vergleichbaren Geräten:
– Lange Nachführdauer auch ohne Autoguiding
– Hohe Tragkraft und Nachführung langer Brennweiten
– Fast unendlich lange Belichtungszeiten mit Guiding (also so lange wie realistisch sinnvoll)
– Ungemein angenehme und sehr schnelle hochpräzise Einnordung
– Dank iPolar: Einnordung auf der Südhalbkugel, ohne die Sorge, den Pol nicht zu finden.




Contra
Der Contra-Abschnitt fällt umfangreicher aus. Dabei sind es gar keine großen Dinge, die ich kritisieren möchte; also keine massiven Contrapunkte. Dennoch eine Betrachtung wert.

1. Der Akku
Der iOptron Skyguider kommt mit einem leistungsstarken LiPo-Akku, der deutlich länger als eine normale Nacht durchhält. Aber es ist eben doch ein fest verbauter Akku, der mitsamt des Geräts geladen werden muss.
Persönlich gefallen mir Lösungen mit (meist 4) AA-Akkus besser, die außerhalb des Geräts geladen und einfach getauscht werden können. (So ist das beispielsweise beim Star Adventurer gelöst).
Es gibt zwar einen Ersatzakku zu kaufen, aber auch der muss eingebaut sein, um geladen zu werden.
Um das klar zu machen: Mir ist nie der Strom ausgefallen, das Ganze ist einfach ein persönlicher Eindruck. Ich hätte schlichtweg gerne die Option, auch 3 frostig-kalte 12-Stunden Winternächte durchzuknipsen, ohne das Gerät an eine Stromquelle zum Aufladen anschließen zu müssen.
Allerdings kann der Skyguider auch während des Ladens betrieben und über eine Powerbank mit Strom versorgt werden. So gesehen sind dann doch wieder unendlich viele frostig-kalte Winternächte möglich. Eine Powerbank ist schließlich genauso gut wie ein Satz AA-Akkus. Dennoch… Es ist einfach mein Gefühl, dass ich gerne die Akkus intern tauschen würde.

2. iPolar – Lohnt es sich?
Ich habe zu meinem obigen Lob des iPolars und seiner einfachen Handhabung und ungemein genauen Einnordung nun nichts negatives hinzuzufügen. Die iPolar-Kamera arbeitet einfach und einfach perfekt. Besser als erwartet. Ganz so wie oben beschrieben.
Aber: Man muss sie nutzen und man muss somit einen Laptop (oder eine andere Computerlösung) einsetzen und vor allem dabei haben.
Deutlich besser würde es mir gefallen, wenn die iPolar-Kamera nur optional wäre; bei anderen iOptron-Montierungen ist das möglich.
Den iPolar gibt es auch ‘einfach so’ zu kaufen, sodass diese kleine Kamera mit jeder(!) Montierung von jedem Hersteller genutzt werden kann.
Sie wird dann einfach per Adapter auf den Polsucher gesteckt.

Wie schön wäre es, wenn im Skyguider Pro ebenfalls ein echter analoger Polsucher verbaut und die iPolar aufsteckbar wäre.
Denn dann könnte man das Gerät auch auf Wanderungen in die Berge mitnehmen, also an Orte, an denen man garantiert keinen Laptop mitschleppt.
In meiner Praxis ist das kein Problem, denn für diesen Zweck habe ich den Minitrack LX3 oder den kleinen Bruder des Skyguiders, den Skytracker.
Aber dennoch, ein echter Polsucher erscheint wünschenswert.

Warum das iOptron nicht so gelöst hat?
Keine Ahnung!
Entweder ist es einfach die Firmenpolitik bzw. eine wirtschaftliche Entscheidung, ein Produkt so und nicht anders auf dem Markt zu platzieren.
Oder, ebenfalls denkbar, die iPolar-Kamera arbeitet fest verbaut einfach genauer als in der Aufsteck-Variante mit Polsucher-Adapter.
Aber beides sind nur Vermutungen. Es könnte auch ein anderer Grund dahinter stecken.

Zuletzt stellt sich noch die Frage, ob sich die iPolar-Kamera lohnt.
Naja – eigentlich stellt sich die Frage nicht wirklich, denn die Antwort kann nur lauten: Selbstverständlich.
Die Vorteile der perfekten Einnordung und der Komfort sind eindeutig gegeben und lohnen sich total.

Die Frage muss viel eher lauten: Macht es für mich persönlich Sinn, den Aufpreis zu zahlen?
Und diese Frage musst Du für Dich persönlich beantworten. Aktuell rund 160.- Euro Aufpreis ist sicherlich eine Summe, bei der man überlegt.
Willst Du den Skyguider für Deep-Sky-Aufnahmen nutzen? Willst Du kleine Linsenteleskope nachführen? Willst Du guiden und somit in jedem Fall einen Computer nutzen? Suchst Du eine Nachführung, die super arbeitet und Dir auch bei Flugreisen die Möglichkeit bietet, mit Deinem Apo zu fotografieren? Willst Du auch auf der Südhalbkugel einnorden, obwohl Du dort keinen Polstern hast?
Dann ist iPolar sicherlich etwas für Dich.

Wenn Du einen Star Adventurer hast, den Du mit auf die Südhalbkugel nehmen oder auch hier komfortabler, bequemer und genauer einnorden willst, dann bleibt auch immer noch die iGuider Stand-Alone-Version mit einem passenden Adapter.
Letztendlich bleibt der Preis fast derselbe: Star Adventurer + iPolar oder Skyguider Pro inklusive iPolar.

3. Die Polwiege
Die Polwiege ist ok, also absolut in Ordnung. Man kann sie recht gut mit der des Star Adventurers vergleichen.
Man kann mit ihr auch annehmbar einnorden – keine Frage. Und das ist ja das wichtigste. Alle meine Bilder habe ich mit der mitgelieferten Polwiege gemacht – das zeigt eindeutig, dass sie funktioniert.

Aber so richtig genial ist sie nicht. Die iPolar-Kamera zeigt das, was man auch mit den Händen spürt und das, was ich beim Star Adventurer schon immer im ‘echten’ Polsucher sehen konnte: Sie ist nicht so richtig ultra feinfühlig. Nach ganz wenigen Versuchen hat man es raus und weiß, wie man die Schräubchen bedienen muss: Das leichte Nachsacken bzw. Verstellen nach dem Anziehen der Klemmung kann man beim Einnorden einkalkulieren. (Manch einer wird ähnliches auch noch von der Skywatcher EQ5 kennen: Nach dem Klemmen verstellt sich auch bei dieser ‘großen’ Montierung die Einnordung minimal.)

Man kann und lernt also ganz fix damit umzugehen. Aber eigentlich sollte das nicht so sein.
Und wenn man andere Polwiegen kennt, dann weiß man, dass das auch besser gelöst werden kann: Die fest verbauten Polwiegen bei meinen großen Montierungen (CEM25p und GEM45G) sind viel feinfühliger, 100% präzise und verstellen sich nicht. Leider sind gute Polwiegen nicht ganz billig:
Ob man die über 300.- für die echt gute Polwiege von William Optics investieren möchte? Wahrscheinlich nicht. Auch wenn sie “speziell für den Skyguider Pro entwickelt” wurde.
(Eigentlich ist es traurig, dass sowohl iOptron beim Skyguider als auch Skywatcher beim Star Adventurer jeweils nur eine mittelmäßige Polwiege mitliefern.)

Dennoch: Für ein richtig gutes Reisesetup, bei dem mit langen Brennweiten, Astrokamera und Guiding gearbeitet werden soll, macht der Kauf evtl. Sinn.
Oder doch nicht? Denn:
Ich habe für meinen Minitrack LX4 die im Jahr 2021 neu entwickelte Omegon Pro Polwiege und bin von ihr rundum begeistert. Ein ganz anderes Teil als die beiden von iOptron oder Skywatcher. Sie ist der von William Optics deutlich näher (fast schon gleich) als den beiden, die mit den Astrotrackern (Skyguider bzw. Star Adventurer) mitgeliefert werden. Ein hervorragendes CNC-gefrästes Vollmetall-Gerät, made in Portugal, für weniger als den halben Preis der WO-Polwiege.
Die wäre, neben der von WO, also mein klarer Tipp für ein handliches Deep-Sky-Reisesetup.

Freundliches Schlusswort

So, da wären wir nun beim Ende angelangt. Fast schon ‘ganz plötzlich’ und ohne einen netten abschließenden Satz. Dafür gibt’s ja hier das wie immer freundliche Schlusswort.

Zuallererst hoffe ich, dass dieser Bericht für Dich interessant und informativ war und dass Du die gesuchte Info gefunden hast.
Ob nun der Skyguider genau für Dich der beste kleine Astrotracker ist, musst Du natürlich selber entscheiden. Für mich ist er das, zumindest dann, wenn man kleine Apos nachführen möchte.
Auf einen Berg würde ich ihn, genau wie den Star Adventurer, allerdings niemals schleppen. Dafür gibt es den Minitrack (eigentlich auch die Polarie, aber die ist mit allem notwendigen Zubehör einfach viel, viel zu teuer für das was sie bietet!).
Wichtig ist einfach, dass Du Dir selber klarmachst, was Dein Hauptziel ist, was und wo Du fotografieren möchtest. Dann wirst Du Deinen idealen Astrotracker sicherlich finden.
Falls es Dir hilft, kannst Du gerne auch meine anderen Tests kleiner Astrotracker ansehen, die (aufgrund meiner persönlichen Entwicklung über die Jahre) allerdings teils anders aufgebaut sind. Gerade die Bildergebnisse kann man nicht vergleichen.

Selbstverständlich würde ich Dich nun noch gerne einladen, hier ein wenig auf meiner Website zu verweilen und zu stöbern. Ich gebe mir recht viel Mühe, alle möglichen Themen rund um das große Feld Astrofotografie mit Tiefgang und dennoch für Einsteiger verständlich zu betrachten.
Die Sitemap bietet einen guten Einstiegspunkt.

Die Artikel hier auf der Seite sind allerdings immer das Ergebnis längerer Arbeit. Kurze Zwischenberichte und aktuelle Fotos gibt es vor allem bei Facebook. Meine Seite dort ist frei und für jeden einsehbar. Du benötigst kein Facebook-Konto, wobei Facebook wahrscheinlich versucht, so zu tun, als wäre es notwendig. 😉
Ähnliches gilt für Instagram, wobei das vor allem eine Werbeplattform und eine Bildergalerie ist, kein richtiges ‘soziales Netzwerk’. Ausführlichere Kommunikation zwischen Menschen ist dort nicht der Sinn. Daher bin ich dort nicht sonderlich fleißig.
Ganz anders ist mein Youtube-Kanal. Ich bin nicht der große Youtuber, sondern eher schriftlich unterwegs. Dennoch findest Du dort ein paar Tutorials, den ein oder anderen Blick über meine Schulter, quasi live in der Nacht und vor allem einige Astro-Zeitraffer, die ich für recht sehenswert halte.

Falls Du Dich nun aber entschließen solltest, nicht weiter hier zu verweilen, so will ich hoffen, dass Du einen guten Grund hast. Genau genommen lasse ich nur einen Grund gelten: Über Dir strahlen die Sterne. 😉
Ist das so, dann pack Deine Kamera und genieße die Nacht! Viel Freude und Erfolg dabei!
Und danke für Deinen Besuch hier! Es war mir eine Ehre
. 🙂

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