Der „kleine Bruder“ des Star Adventurers, das ist der Star Adventurer Mini. Er hat viel von seinem großen Vorbild mitbekommen, ist jedoch kleiner und bringt einige Besonderheiten mit, die ihn auf dem Markt der Reisemontierungen einzigartig machen. Vor allem die Steuerung per App und die außergewöhnlichen Zeitraffer-Funktionen heben ihn aus der Masse hervor.
Ein ausgesprochen interessantes Gerät, das durchaus eine Alternative zum „großen“ Star Adventurer sein kann.




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Wie ich ihn nutze, welche Vor- aber auch Nachteile dieser Astro-Tracker (auch im Vergleich zu anderen Geräten) bietet und welche Einsatzgebiete ich sehe, erfährst Du hier.
Ich habe diese Montierung einige Nächte intensiv und mit viel Freude getestet. Dabei habe ich fast ausschließlich positive Erfahungen gemacht, aber auch die Grenzen des Geräts kennengelernt.
All das findest Du nun in diesem Artikel*.
Ich hoffe, das Lesen bereitet Dir Freude und hilft dabei, eine für Dich geeignete Astronachführung zu finden.
Wenn Du Aufnahmen suchst, die mit dem Star Adventurer Mini gemacht wurden, findest Du in dem Artikel eine kleine Auswahl. Ebenso in dem eingebundenen Youtube-Clip.
*Dieser Testbericht ist nicht bezahlt oder in einer anderen Form vom Hersteller oder einer anderen Firma unterstützt oder gesponsert. Er beruht einzig auf meinen persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen.  

Danksagung

An dieser Stelle bedanke ich mich bei Florian Krammel für sein Vertrauen. Drei Monate lang durfte ich immer mal wieder eine Nacht lang mit seinem Star Adventurer Mini losziehen und das Gerät in vielerlei Hinsicht testen.
Flo ist nicht nur ein super Typ, sondern auch ein Fotograf, der dieses Handwerk noch so richtig von Grund auf gelernt hat. Neben der mittlerweile normalen Art der Fotografie, nämlich der digitalen, hat er sich die Freude am Analogen erhalten. Obwohl er selbstverständlich auch digital unterwegs ist, entwickelt er noch heute Negative selber und zaubert wunderschöne Bilder, ganz ohne Photoshop.
Nebenbei gibt er sich große Mühe immer wieder verschiedene Aspekte der digitalen und analogen Fotografie verständlich zu erklären – mit Erfolg wie ich finde.
Falls Ihr Lust habt, dann besucht ihn doch bei Instagram oder schaut auf seinem Youtube-Kanal vorbei.

 
 
So – hier gehts dann auch wirklich los. Und zwar mit dem Überblick, was Dich in diesem Bericht erwartet:

Zum Aufbau dieses Berichts:

A) Grundlagen zu Astrotrackern
Eine Zusammenfassung, wie astronomische Montierungen funktionieren und worauf zu achten ist

B) Der Star Adventurer mini

1. Konstruktion, Funktion und Einsatzzweck
Der grundsätzliche Aufbau des Star Adventurer mini

2. Einsatz
Sinnvolle Einsatzmöglichkeiten und Grenzen
Einsatz vor Ort mit konkreten Hinweisen zur Bedienung
Spezielles Kapitel zur App
Spezieller Abschnitt zur Zeitrafferfotografie mit dem SA mini

3. Vor- und Nachteile
Viele Vor- und kaum Nachteile

4. Zubehör
Sinnvolles und (fast) zwingend notwendiges Zubehör

5. Fazit
Übersicht und Zusammenfassung

 

Grundlagen zu Astrotrackern*

*Dieser Abschnitt findet sich ebenfalls bei den Tests meiner anderen Reisemontierungen, (Vixen Polarie, Skywatcher Star Adventurer und Omegon Minitrack LX2). Solltest Du ihn dort bereits gelesen haben, kannst Du ihn nun getrost überspringen und unterhalb des Startrails-Bilds fortfahren. Auch habe ich in meinen Übersichtsartikel zu astronomischen Nachführungen bereits einiges angesprochen.

  • Scheinbar drehen sich die Sterne jede Nacht um die Erde, tatsächlich dreht sich jedoch die Erde unter dem unbewegten Firmament. Jeder der bereits Fotos des Sternenhimmels gemacht hat, kennt dieses Phänomen: Abhängig von der Brennweite werden die Sterne früher oder später zu Strichen. Die Dauer einer Belichtung für punktförmige Sterne ist also durch die Erdrotation begrenzt.
  • Gleichzeitig sind viele Objekte im All relativ leuchtschwach und schreien förmlich nach langen Belichtungszeiten. Auch unsere Milchstraße, die sich bereits ohne Hilfsmittel auf relativ kurz belichteten Fotos fantastisch abbilden lässt, gewinnt mit längeren Zeiten enorm an Strahlkraft und Detailreichtum.
  • Genau an dieser Stelle setzen astronomische Montierungen (auch Astromontierungen, Startracker oder kurz einfach nur Montierung genannt) an: Sie bewegen die Kamera mit den Sternen mit. Oder anders ausgedrückt: Sie gleichen die Erddrehung aus.
    Die Erde dreht sich in etwa 24 Stunden einmal um ihre Achse, also um 360°. D.h. die scheinbare Drehung des Himmels beträgt jede Stunde ungefähr 15°. Prinzipiell muss also eine Montierung nicht mehr machen, als ebenfalls mit einer relativ langsamen Geschwindigkeit von eben diesen 15°/h den Sternen zu folgen.
  • Erdachse - CC by wikimedia/Silver Spoon

  • Wichtig ist hierbei diese Tatsache: Die Erde dreht sich um ihre Achse; um eine gedachte Linie, die mittig durch die Erde verläuft und an den beiden Polen ins Weltall ragt. So zumindest kann man es sich bildhaft vorstellen.
    Und genau um diese Achse bzw. mit dieser Achse, muss sich auch die Montierung, der Astrotracker, drehen.
    Um das zu erreichen, muss sie ‚eingenordet‘, also auf eine ganz bestimmte Art aufgestellt werden: Die Drehachse des Geräts muss mit der Drehachse der Erde übereinstimmen.
  • Bildquelle: CC by wikimedia/Silver Spoon

  • Dieses Einnorden erfolgt, vereinfacht gesagt, auf den Polarstern, denn dieser befindet sich fast genau am Himmelsnordpol. Die Erdachse scheint durch ihn hindurch zu gehen.
    Tatsächlich liegt der Himmelspol aber nur fast auf Polaris und die Erdachse geht eben nur fast durch ihn hindurch. Aber das große Feld der Himmelsmechanik möchte ich an dieser Stelle nicht anreißen und erspare Dir Details.
    Wie Du in den Aufnahmen von Startrails (hier ein ausführliches Tutorial zur Aufnahme dieser Sternspuren) sehen kannst, dreht sich auch der Polstern um den wahren Himmelspol. Dieser befindet sich also leicht neben Polaris.
  • Um nun den Astrotracker genau auf diesen Punkt auszurichten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die gängigste (weil einfachste und schnellste) ist das ‚Einnorden‘ mithilfe eines Polsuchers.
    Das ist ein kleines ‚Fernrohr‘, durch das man Polaris sehen kann. Wird nun die Astro-Montierung so aufgestellt, dass Polaris fast(!) in der Mitte des Polsucher-Fernrohres ist, so hat man es geschafft: Das Gerät ist eingenordet und die Kamera kann nun sehr lange, mehrere Minuten, belichten. Jetzt fängt die Milchstraße so richtig an zu strahlen und Objekte tief im All leuchten auf den Fotos.

 
Polaris - der Nordstern am HimmelDer wahre Himmelspol liegt dicht neben dem Nordstern, in diesem Foto als dickerer Strich links oberhalb des Pols zu erkennen.

 

Der Star Adventurer mini

Konstruktion, Funktion und Einsatz

Andromedagalaxie - copyright Florian KrammelAndromedagalaxie mit der Star Adventurer Mini – copyright Florian Krammel

Einsatzzweck

Jede meiner Reisemontierungen hat ihren idealen Einsatzzweck und ich nutze jede wirklich gerne.
Der Star Adventurer mini ist bei den mir bekannten Montierungen eindeutig in der Mitte angesiedelt. Einerseits noch recht gut für Deep-Sky-Aufnahmen mit längeren Brennweiten geeignet (wenngleich nicht ganz so gut wie der große Bruder), andererseits aufgrund des geringen Gewichts und des kleinen Packmaßes hervorragend, sogar besser, für Reisen oder Wanderungen.
Auf ihn trifft die Bezeichung „Reisemontierung“ wohl am besten zu. Andere Montierungen sind noch kleiner und noch leichter, aber nicht mehr ganz so gut für Deep-Sky geeignet. Der große Bruder hingegen meistert sehr lange Brennweiten und schwere Kameras/Objektive besser, ist aber auch größer und schwerer. Der Star Adventurer mini ist somit eine gute Lösung, im positiven Sinne ein guter Kompromiss.
Ich sehe seinen Haupteinsatzzweck also bei Reisen mit leichtem Gepäck und bei Wanderungen, bei denen nicht nur weitwinklige Aufnahmen gemacht werden sollen. Und natürlich als Bonus in der Zeitraffer-Fotografie.

Sucht man hingegen eine Montierung, die noch kleiner, noch leichter ist und mit der man auch bis ca. 100 mm akzeptabel fotografieren kann, so eignet sich der Minitrack LX2 oder alternativ die Vixen Polarie möglicherweise besser.
Möchte man jedoch sein Augenmerk auf Deep-Sky mit langen Brennweiten legen und ist beim Gewicht nicht ganz so sehr beschränkt, so könnte der große Star Adventurer die optimale Wahl sein.

Skywatcher Star Adventurer mini - Test, Testbericht, Anleitung, Erfahrungsbericht, TutorialSkywatcher Star Adventurer Mini mit optionalem Zubehör.

Aufbau

Der Star Adventurer mini selbst ist der auf den Bildern zu sehende rote Würfel.
Er hat folgende Ausstattungsmerkmale:

  • Einsteckbarer Polsucher (rechts unten im Bild).
  • Eine Prismenklemme, in die die L-Schiene (oder der mitgelieferte Kamera-Adapter) geschoben und fixiert wird.
  • Auf der Seite (nicht sichtbar) befindet sich das Batteriefach, das mit zwei AA-Batterien, oder besser Akkus bestückt wird.
  • Auf der Rückseite ist eine Bohrung für ein Standard Fotogewinde. Hier kann ein Stativ, im Idealfall jedoch die kleine Schnellwechselplatte der Polwiege befestigt werden.
  • An der (sichtbaren) Frontseite finden sich die Buchsen für USB und den Anschluss der Kamera.
  • Der kleine schwarze Knopf oben dient dem Ein-/Ausschalten

Auf dem Bild ist noch einiges optionales (aber eigentlich wirklich notwendiges) Zubehör zu sehen.
Weiter unten wird es genauer besprochen.

  • Polwiege: 620g, 12x15x11 cm
  • L-Winkel: 475g, 15x11cmx9
  • Polsucherbeleuchtung: 25g

 
Beispiel mit 85 mm und dem Star Adventurer mini Test135 mm Aufnahme im Sternbild Schwan mit Nordamerika- und Pelikannebel – Nachführung mit Star Adventurer mini – 48×60 Sekunden – ISO 1600 – Canon 1100Da. Fotografiert im März, daher sehr horizontnah und dank Lichtverschmutzung und Dunst etwas ‚matschig‘.

 

Einsatz vor Ort

„Stativ aufstellen, einnroden und los.“ So einfach ist es im Prinzip. Der Einsatz ist also simpel, jedoch sollte die Einnordung umso genauer erfolgen, je länger die Brennweite ist und umso längere Belichtungszeiten angestrebt werden.
Hier beschreibe ich mein grundsätzliches Vorgehen und gebe eine ganze Reihe Tipps, die mir sinnvoll erscheinen. Einige Fehler habe ich bereits gemacht. Du musst sie ja nicht wiederholen. Es steht Dir allerdings freim andere zu begehen.

  • Vor Ort wird zunächst ein stabiles Stativ aufgebaut, ein sicherer Stand überprüft und dann die Polwiege (oder alternativ ein 3-Wege-Neiger, dazu unten mehr), auf welcher der Star Adventurer mini sitzt, befestigt.
  • Hierbei muss der Astrotracker nach Norden ‚blicken‘ und die Polwiege sollte bereits grob auf die geografische Breite eingestellt werden. In Mitteleuropa ist das irgendwo zwischen 45° und 50°.
  • Nun ist es wichtig, die Montierung ‚ins Wasser‘ zu bringen. Dies geschieht am geschicktesten mit Hilfe der in der Polwiege eingebauten Libelle.
  • Zuletzt muss nur noch der Himmelspol angepeilt werden, was aufgrund des (bereits eingesteckten) Polsuchers und mit Hilfe der Polwiege ausgesprochen einfach ist. Die App ist dabei eine große Hilfe (siehe unten).

Je mehr Zeit man sich für die Einnordung nimmt und umso genauer sie somit erfolgt, desto länger kann anschließend belichtet werden.
Mit etwas Übung ist das in weniger als 5 Minuten erledigt.

Einnorden

Es gibt nicht die eine Reihenfolge, ich mache es jedoch so:
Da der Star Adventurer mini bereits nach Norden ausgerichtet ist und die geografische Breite an der Polwiege eingestellt wurde, sollte Polaris jetzt schon irgendwo im Polsucher zu sehen sein. Ist das nicht der Fall, bewege ich das Stativ vorsichtig, bis ich den Stern sehen kann und überprüfe danach erneut, ob das gesamte System noch im Wasser steht. Alternativ kann auch die Polwiege auf dem Stativ bewegt werden, keinesfalls sollte jedoch mit den Schräubchen zur horizontalen Feinjustierung Polaris gesucht werden. Sie sind für den letzten ‚Feinschliff‘ gedacht.
(Gelingt es Dir einfach nicht, Polaris im Polsucher zu finden, kannst Du diesen natürlich auch entnehmen und hast so ein größeres Gesichtsfeld)
Ist Polaris nun im Polsucher zu sehen, muss er noch an die richtige Stelle gebracht werden. Welche das ist, hängt vom eigenen Standort, dem Datum und der Uhrzeit ab. Am einfachsten findet man das mit einer App heraus, die ich unten beschrieben habe.

 
Blick durch Polsucher des Star AdventurersBlick durch den Polsucher des Star Adventurers. Irgendwo auf dem Kreis muss Polaris zu liegen kommen.

Ich schaue meist schon einige Minuten zuvor nach und merke mir die Stelle, damit meine Augen wieder Zeit haben, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Wirklich zwingend ist das jedoch nicht.
Als Erstes stelle ich nun die Höhe ein: Polaris muss entweder ein Stück nach oben oder nach unten wandern. Hierzu wird die Klemme links gelöst und das „dicke Drehrad“ bewegt. Damit wird der Star Adventurer mini geneigt. Beim Festziehen der Klemme bewegt sich Polaris noch manchmal minimal. Dies muss man beim Einstellen einkalkulieren, es stellt jedoch kein Problem dar.
Ist Polaris nun in der richtigen Höhe, wird er mit Hilfe der beiden Justierschrauben für die Ost-West-Einstellung an seinen endgültigen Platz gebracht.
Zuletzt überprüfe ich die Einstellung nochmals anhand der App.
Selbstverständlich muss der Polsucher bei der ganzen Prozedur beleuchtet sein (dazu unten mehr).

Flo, der mir den Star Adventurer mini für diesen Test geliehen hat, hat auch ein Video zu dieser Thematik gemacht. Die Technik, die er da vorstellt, steht so in keinem Handbuch, ist aber ausgesprochen hilfreich.
Hier könnt ihr einen Blick in das Video werfen.

 
Beispiel mit 85 mm und dem Star Adventurer mini Test85 mm Aufnahme im Sternbild Kepheus – Nachführung mit Star Adventurer mini – Ausschnitt aus dem Zeitrafferclip (siehe unten)

 

Weitere Tipps und Hinweise

Es ist wichtig, dass die Kamera (ggf. zusammen mit dem Gegengewicht) beim Einnorden bereits auf dem Star Adventurer mini angebracht ist, da ein nachträgliches Aufsetzen zu einer Gewichtsveränderung führt, was wiederum die Montierung und/oder das Stativ minimal verstellt; somit ist die beste Einnordung wieder dahin.
Darum habe ich eine ganz klare Reihenfolge:
Kamera an hellem Stern/Planeten fokussieren –> Kamera relativ genau auf das Ziel ausrichten –> Einnorden –> Kamera ganz genau auf das Ziel ausrichten –> Einnordung nachjustieren.
(Zum Fokussieren in der Nacht habe ich einen eigenen Artikel geschrieben, der Dir hilft Sterne scharf zu fotografieren.)

Dann wird das Gerät eingeschaltet. Es macht Sinn, zunächst ein bis zwei Minuten zu warten, bis ein mögliches Spiel im Getriebe durch das Gewicht der Kamera ausgeglichen wurde.
Nun wird ein Testfoto gemacht und wie üblich überprüft, ob Bildausschnitt und Schärfe stimmen. An dieser Stelle lässt sich auch ermitteln, wie genau die Polausrichtung erfolgt ist: Je genauer, desto länger kann belichtet werden, ohne dass die Sterne zu Strichen werden.
Gegebenenfalls wird der Star Adventurer mini mit Hilfe der Polwiege nochmals nachjustiert.

Man sollte bei allem grundsätzlich darauf achten, dass das Stativ sicher steht und sich nicht im Laufe einer Aufnahmeserie verzieht oder geringfügig in den Boden einsinkt. Auch sollte überprüft werden, ob alle Schrauben und Schellen wirklich festgezogen sind. Denn bei langen Aufnahmeserien können sich minimale Veränderungen in der Nachbearbeitung als hinderlich erweisen. Bei der normalen Tageslichtfotografie, wo das Stativ meist nur sehr kurz in ein und derselben Position für ein einziges Bild genutzt wird, spielt das normalerweise keine so entscheidende Rolle. Daher weise ich nochmals darauf hin.

Während nun eine Aufnameserie erstellt wird, kann die Zeit genutzt werden, um einfach den Himmel zu bestaunen.
Wie in fast allen meinen Beiträgen, möchte ich auch hier darauf hinweisen, dass es keine gute Idee ist, während die Kamera arbeitet, in ein Mobiltelephon zu blicken:
Abgesehen davon, dass das Wunder des Nachthimmels dort nicht zu finden ist, werden die Augen geblendet. Wie ich in einem anderen Artikel bereits beschrieben habe, dauert die vollständige Dunkeladaption, also die Anpassung der Augen an die Nacht, 15 bis über 30 Minuten. Ein einziger Blick in helles Licht genügt und ein Großteil der Sterne sind nicht mehr zu sehen.
Ich nutze die Zeit gerne, um mich auf den Rücken zu legen und mit einem Feldstecher am Himmel spazieren zu gehen. Geeignet sind hierfür wirklich alle Feldstecher/Fernrohre, die gerade verfügbar sind, denn jedes zeigt Dir mehr als Dein ’nacktes‘ Auge. Solltest Du allerdings über die Anschaffung eines Feldstechers nachdenken, dann ist ein 10×50 hervorragend geeignet.
Ich habe dieses Fernglas, das eine hervorragende Abbildungsleistung ohne Farbfehler hat und aufgrund seiner Stickstofffüllung nicht beschlagen kann.

Fotografiert man über einen längeren Zeitraum, so ist es sinnvoll, gelegentlich zu überprüfen, ob die Ausrichtung auf den Himmelspol noch stimmt. Hat man beim Einnorden etwas unsauber gearbeitet, kann sich nach einiger Zeit die Nachführgenauigkeit verringert haben. Auch kann es sinnvoll sein, immer mal wieder nachzusehen, ob die Aufnahmen auch noch scharf sind.

Gerade bei langen Aufnahmeserien über mehrere Stunden besteht die Gefahr, dass sich Tau auf dem Objektiv sammelt und die Linse beschlägt. Dagegen hilft eine Objektivheizung, die für mich unersetzbar ist. Sie wird es auch für Dich. Glaub mir. Spätestens wenn Dir zum dritten Mal Deine Aufnahmen von hoher Luftfeuchtigkeit versaut wurden, besorgst Du Dir eine.

Wenn Du in einer Nacht mehrere Regionen am Himmel fotografierst, sollte es zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass Du jedes Mal die Einnordung überprüfst, wenn Du die Kamera neu ausgerichtet hast. Denn höchstwahrscheinlich verstellst Du den Star Adventurer minimal, wenn Du Schrauben löst, die Kamera drehst und somit auch das Gewicht anders verlagerst.

Zusammenfassend lässt sich zum Einsatz des Star Adventurers mini sagen:
Es ist simpel und funktioniert hervorragend, nur sollte man sauber arbeiten. Dennoch können (vor allem am Anfang) einige Hindernisse auftauchen.
Davon solltest Du Dich jedoch keinesfalls abschrecken lassen, denn die Ergebnisse, die sich erzielen lassen, sind die Einarbeitungsphase mit möglicherweise einigen Ärgernissen in jedem Fall wert!

 
Beispiel mit 85 mm und dem Star Adventurer mini85 mm Aufnahme im Sternbild Schütze mit Lagunen- und Trifidnebel – Nachführung mit Star Adventurer mini – 18*60 Sek. ISO 1600, Canon 550Da

 

Ausflug zur Zeitrafferfotografie

Der Hauptzweck des SA mini ist natürlich die Fotografie des nächtlichen Himmels; egal, ob die weitwinklige Aufnahme der Milchstraße im Zusammenspiel mit einer malerischen Landschaft oder ein leuchtendes Deep-Sky-Objekt.
Die Möglichkeiten, die der SA mini allerdings für die Zeitraffer-Fotografie (nicht nur in der Nacht) mitbringt, sind nicht zu verachten. Sie bieten sogar eine geniale Möglichkeit, die die mir bekannten über 2000.- € teuren Profi-Zeitraffergeräte nicht beherrschen.

 
Die Zeitraffer-Fähigkeiten des SA mini sind sehr vielfältig und dadurch auch relativ komplex. Selbst wenn Du bereits etwas Erfahung mit Zeitraffern gesammelt hast, kann es sein, dass sich nicht jede Funktion auf Anhieb erschließt.
Wahrscheinlich hat kaum einer meiner Leser bisher „Motion-Control-Systeme“ für Zeitraffer genutzt, da es sich dabei doch um Spezialgeräte handelt, die fast niemand kennt. So wirst Du hier viel neues erfahren und über die Fähigkeiten des SA mini staunen.
(Ein solches System findest Du in meiner Ausrüstungs-Liste).

Da der SA mini mit seinen Zeitraffer-Funktionen also sehr vielfältig ist, ist auch dieser Abschnitt umfassender. Ich will dabei versuchen auch Anfänger, die noch niemals einen Zeitraffer erstellt haben, abzuholen…

Eigentlich stand im ersten Entwurf dieses Artikels hier eine recht ausführliche Beschreibung, fast schon eine Anleitung mit Beispielen, zu den einzelnen Zeitraffer-Modi.
Da die Möglichkeiten des SA mini in der Zeitraffer-Fotografie wirklich toll, aber auch sehr vielfältig sind, hat dieser Abschnitt absolut den Rahmen gesprengt und den Artikel (für meinen Geschmack) viel zu unübersichtlich gemacht.
Daher habe ich mich entschieden, den ganzen Bereich auszugliedern und nochmals zu überarbeiten.

Es wird nun also bald einen eigenen Artikel zu den verschiedenen Möglichkeiten der SAM Console geben, mit Hauptaugenmerk auf die Zeitrafferfunktionen.
Ich stelle dabei die einzelnen Modi vor und erkäre sie anhand eines realitätsnahen Beispiels. Da ich sie getestet habe, gibt es auch ein passendes Video dazu. Das habe ich auch hier verlinkt, um Dir schon einmal einen visuellen Eindruck zu vermitteln.

 

Die Vor- und Nachteile des Skywatcher Star Adventurers

Der Star Adventurer Mini hat, wie praktisch alle technischen Geräte, Vor- und Nachteile. Viele der Nachteile sind jedoch nur bedingt ’schlecht‘. Man muss sie immer im Licht der jeweiligen Anwendung betrachten.
Ein Porsche eignet sich nicht, um einen Acker zu pflügen und ein Ackerschlepper nicht, um damit Höchstgeschwindigkeiten zu erzielen.
Der Star Adventurer mini ist richtig eingesetzt ein hervorragender Astrotracker und hat einige Eigenschaften, die kein anderes Gerät mitbringt.

 

Vorteile des Skywatcher Star Adventurers

Die Vorteile auf einen Blick:

  • klein und leicht
  • praktisch in der Handhabung
  • gut verarbeitet
  • ordentliche Tragkraft
  • Steuerung per App
  • herausragende Zeitraffer-Fähigkeiten

  • W-Lan-Steuerung Zeitraffer-Fähigkeiten
    Die Steuerung des Star Adventurers mini per Mobilgerät (Taschentelephon oder Tablet) und die vielfältigen Zeitraffer-Fähigkeiten sind ein Alleinstellungsmerkmal dieses Astrotrackers.
    Besonders gut gefällt mir die in der App vorhandene „Einnordungshilfe“ unter dem Menüpunkt „Sucherfernrohr“. Obwohl es solche Anzeigen auch als Stand-Alone-Apps gibt, nutze ich diese besonders gerne, das die Anzeige wirklich der des SA mini aber auch der des großen Bruders entspricht.
    Auch sehr praktisch ist die manuelle Handsteuerung. So kann man ein Objekt noch etwas genaeur im Kamerabild zentrieren, ohne die Montierung berühren zu müssen und ggf. die Einnordung zu verwackeln.
    Insgesamt ist die WLan-Steuerung schon sehr angenehm u.a. auch die Anzeige des Status, in der verschiedenen Angaben während der Aufnahme abgerufen werden können.
    Sie hat aber auch Nachteile (siehe unten).

  • Zeitraffer-Fähigkeiten
    Die Möglichkeiten, die hinsichtlich der Steuerung für die Astrofotografie gegeben sind, halten sich in Grenzen, sind aber absolut ausreichend.
    Für Zeitraffer gibt es hingegen absolut alle Einstellungen, die man sich wünschen kann. Auch wenn Zeitraffer-Aufnahmen nicht die orginäre Aufgabe des SA mini sind, sind für mein Empfinden die vielfältigen Möglichkeiten der Vorteil des Geräts, ja fast der hauptsächliche Kaufgrund. Denn die bringt der „große Brunder“ so nicht mit.

  • Gewicht und Packmaß
    Das geringe Gewicht und kleine Packmaß ist definitiv ein Vorteil des SA mini. Abgesehen von dem Gegengewicht sind alle Bauteile klein und leicht. Sie finden daher in jedem Kamerarucksack ihren Platz. Allerdings ist der Unterschied zum großen Bruder nicht so enorm.
    Noch kompakter wäre die Vixen Polarie. Wer es wirklich sehr klein, leicht und simpel möchte greift vielleicht eher zum Minitrack LX2.

  • Verarbeitung
    Die Verarbeitungsqualität ist durchweg sehr gut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Bauteil bei normalem Gebrauch, auch beim etwas härteren Einsatz bei Bergtouren, kaputt gehen könnte. Ich vermute stark, dass der SA mini auch einen kleineren Sturz unbeschadet überleben würde.

  • Design
    Die Optik eines Werkzeugs (denn nichts anderes ist der SA mini) ist an sich nebensächlich. Die optische Ausführung sollte sich klar der Funktion unterordnen. Das ist sehr gut umgesetzt. Der Produktdesigner hat sich hier nicht wild ausgelebt und dabei unnötiges erschaffen. Klare Formen, keine scharfen Kanten, die im Rucksack etwas zerreißen könnten, eine angenehme Oberflächenbeschaffenheit, die auch relativ kratzunempfindlich ist, zeugen von einem simplen, funktionalen Design.

  • Tragkraft
    Die vom Hersteller angegebene Tragkraft beträgt 3 kg – theoretisch genug für die meisten Kamera-Objektiv-Kombination. Schwere Objektive an massigen Vollformatkameras können den SA mini jedoch überlasten. Gerade wenn es um lang belichtete Fotos mit hohen Brennweiten geht, kann eine geringe Überlast Ungenauigkeiten in der Nachführung verursachen.
    Auch gilt es, die Gewichte von Kugelkopf (bei mir knapp 500 g), des L-Winkels (475 g) und des Gegengewishts (1250 g) einzubeziehen. Das sind alleine schon 2 kg! Der große Star Adventurer hat da mit einer Tragkraft von 5 kg noch einige Reserven und ist daber beim regelmäßigen Einsatz schwerer Objektive für tiefe Deep-Sky-Aufnahmen evtl. die bessere Wahl.
    (Ganz allgemein kann man bei allen Montierungen davon ausgehen, dass die Tragkraft für die visuelle Beobachtung angegeben wird. Da für die Fotografie eine größere Präzision benötigt wird, gilt in Astrofotokreisen, dass die angegebene Tragkraft für die Fotografie halbiert werden sollte. Aber wörtlich darf man das keinesfalls nehmen!)

     
    Beispiel mit 85 mm und dem Star Adventurer mini TestSternbild Orion – Nachführung mit Star Adventurer mini – Fotografiert „im letzten Moment“ am Ende des Winters. Daher nur eine kurze Belichtungszeit. Sehr horizontnah aufgenommen. Also schlechteste Bedingungen.

     

    Nachteile des Skywatcher Star Adventurers Mini

  • Steuerung ausschließlich per Mobilgerät mittels Wlan
    Die Tatsache, dass der Star Adventurer mini nur und ausschließlich per Mobilgerät gesteuert werden kann, ist zwar sehr praktisch in meinen Augen eindeutig ein Nachteil. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass die App ansonsten gelungen ist.
    Um es gleich vorweg zu nehmen: Der SA mini läuft auch dann weiter, wenn das Mobilgerät nicht in der Nähe ist, das Netz zusammenbricht oder das Mobilgerät ausgeschaltet wird. Nur steuern lässt es sich dann nicht mehr.
    Warum sehe ich das als Nachteil?
    Nunja, zunächst ist ein zusätzliches Gerät notwendig. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, einen kleinen Drehknopf zu verbauen, wie ihn auch der „große Bruder“ hat. Die notwendigen Bauteile sind winzig, wiegen wenige Gramm und machen in der Produktionskette eines solchen Produkts nur Cent-Beträge aus. Da eine manuelle Steuerung jedoch vollständig fehlt, ist man zwingend auf das Mobilgerät angewiesen.
    Bei all meinen Versuchen funktionierte es problemlos; das vom SA mini erstellte WLan-Netz wurde immer gefunden, wenn auch nicht sofort, dann doch innerhalb weniger Minuten. Dennoch kam bei der längsten Wartezeit schon der Gedanke: „Was ist, wenn das jetzt nicht funktioniert?“
    Hinzu kommt, dass man jetzt natürlich zwangsläufig darauf angewiesen ist, dass das Mobilgerät problemlos kommuniziert, die App funktioniert und der Strom ausreicht. Und jeder, der bereits in einer langen Winternacht bei Minusgraden draußen fotografiert hat, weiß, wie schnell ein Akku leer sein kann. Glücklich, wer dann eine Stromquelle für sein Mobilgerät dabei hat. Ich muss mein Taschentelephon jedenfalls während langer Astronächte mehrfach mit Strom versorgen.

    Insgesamt funktionierte die Steuerung zwar in allen meinen Tests tadellos, dennoch empfinde ich es als klaren Nachteil, ausschließlich darauf angewiesen zu sein.

  • entnehmbarer Polsucher
    Die Tatsache, dass der Polsucher aus dem Gerät entnommen und mit einem Handgriff relativ fest eingesteckt werden kann, ist eigentlich ein Vorteil; So wird das Packmaß weiter reduziert.
    In Bezug auf die Genauigkeit der Nachführung erweist sich das jedoch als Nachteil.
    Warum ist das so?
    Ein Polsucher muss für die möglichst genaue, nahezu perfekte Einnordung innerhalb einer Astromontierung auf die Drehachse des Geräts justiert werden. Im Regelfall ist der Polsucher daher fest verbaut und kann mittels kleiner Schräubchen und einer (einmal auszuführenden) Prozedur perfekt eingestellt werden. Diees führt dazu, dass der Himmelspol, unabhängig von der Drehung des Polsuchers immer genau angepeilt werden kann. So wird das in grooßen Montierungen und auch beim normalen Star Adventurer gehandhabt.
    Im Handbuch des SA mini ist beschrieben, wie sich das auch mit diesem Gerät umsetzen lässt. Allerdings darf der Polsucher danach nicht mehr dem Gerät entnommen werden, um die Feineinstellungen nicht zu verstellen.
    (Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die in dem Video von Flo vorgestellte Methode ist wirklich hervorragend, um den SA auch bei der regelmäßigen Entnahme des Polsuchers einfach und genau auf Polaris auszurichten. Ich habe sie auch genutzt. Allerdings hat dies nichts mit der Polsucherjustage zu tun, die eigentlich notwendig wäre und beim großen Bruder und allen anderen „richtigen“ Montierungen immer erfolgen sollte.)

    So gesehen ist die Entnahme des Polsuchers nur ein relativer Nachteil. Für die Nachführung kürzerer Brennweiten oder bei kürzerer Belichtugnszeit ist die hohe Genauigkeit nicht notwendig.
    Sollte jedoch eine Perfektion angestrebt werden, sollte der Polsucher feinjustiert und nicht mehr entnommen werden. Aber in diesem Fall ist der große Bruder möglicherweise auch aus anderen Gründen die bessere Wahl.

  • Polsucherbeleuchtung
    Die Polsucherbeleuchtung ist eigentlich recht gut gelöst. Sie ist entnehmbar und kann für den Einsatz einfach aufgesteckt werden.
    Allerdings lässt sie sich nicht komplett ausschalten, hierfür muss die Batterie entnommen werden. Auch scheint es gewisse Produktionstoleranzen zu geben. Ich habe mehrmals gelesen, dass die Halterung, mit der der Polsucher in die L-Schiene eingeklickt wird, nicht wirklich gut hält. Allerdigns lässt sich das mit ein bisschen Klebeband im Handumdrehen beheben, indem der Steckmechanismus sozusagen etwas „dicker“ gemacht wird.
    Wirklich kein gravierender Nachteil.

     

    Empfohlenes Zubehör

    Um direkt loszulegen, gibt es einiges an Zubehör, das teils sinnvoll, teils (fast) zwingend notwendig ist.

  • Ordentliche Akkus (AA)
    Ordentliche Akkus, d.h. langlebige Qualitätsakkus mit ausreichender Kapazität sind zwar nicht billig, aber bereits nach wenigen Nächten spielen sie ihren Preis wieder ein.
    Ich habe den großen Star Adventurer auch mit billigen Einmal-Batterien betrieben. Klar, auch das funktioniert. Allerdings nur für ca. eine Stunde. Passt man da nicht auf und übersieht das Blinken, das auf die fehlende Energie hinweist, dann hat man anstatt scharfer, punktförmiger Sterne doch wieder nur Striche auf den Bildern. Natürlich kann man für eine Nacht auch eine ‚Riesenpackung‘ Einmalbatterien mit in die Berge tragen (und wieder nach Hause), aber… es ist eh klar, worauf ich hinaus will.
    Ich vermute sehr, dass für den SA mini dasselbe gilt.

    (EDIT: Ein befreundeter Astrofotograf hatte sich den SA mini neu gekauft und mit günstigen handelsüblichen Batterien betrieben. Diese waren nach wenigen Sekunden leer und wurden sehr heiß. Seine Vermutung war ein interner Kurzschluss im Gerät. Mein Hinweis, es mit guten(!) Akkus zu versuchen, brachte die Lösung.
    Daher diese Warnung:
    Der SA mini kann möglicherweise von günstigen handelsüblichen Batterien durch Hitzeentwicklung beschädigt werden. Ich rate dringend zum Kauf guter und leistungsstarker Akkus!)

    Ich nutze diese Akkus, andere tun es jedoch ebenfalls. Die Kapazität sollte nur nicht zu gering gewählt werden. Vier Stück reichen auf jeden Fall für eine Nacht.

  • Kugelkopf zur Ausrichtung der Kamera
    Damit die Kamera auf dem Star Adventurer mini in Richtung des gewünschten Himmelsausschnitts gerichtet werden kann, wird ein Kugelkopf benötigt.
    Es kann praktisch jeder beliebige Kopf verwendet werden, allerdings sollte das Gewicht bedacht werden: Es sollte vielleicht auch – in Anbetracht möglicher Wanderungen in abgelegene Regionen – nicht gerade der schwerste Kopf sein. Eine wacklige Plastiklösung ist jedoch auch nicht anzuraten.
    Ich nutze den Bilora 1150. Hauptsächlich, weil ich ihn bereits zu Hause hatte und er sich als absolut geeignet herausgestellt hat. Ich kann ihn daher auch aufgrund des sehr günstigen Preises bedenkenlos empfehlen! Er wiegt jedoch 490g und ich würde mich bei einem Neukauf wohl nach einer etwas leichteren Lösung umsehen.

    Bilora Stativ-Kugelkopf Professional Kugelkopf

    Für meine zweite Astromontierung habe ich einen winzigen Kugelkopf, der erstaunlich stabil ist. Um Gewicht einzusparen, ist er durchaus eine Überlegung wert. Im Testbericht der Vixen Polarie habe ich ihn genauer beschrieben.

    Vixen Kugelkopf QHD Polarie

  • L-Schiene:
    Der L-Winkel ist nicht zwingend notwendig, aber überaus sinnvoll.
    Natürlich kann der Star Adventurer mini auch einfach mit der mitgelieferten Schnellwechselplatte betrieben werden, jedoch mit einigen Einschänkungen.
    Nur die L-Schiene ermöglicht es, das Gegengewicht zu nutzen und nur mit der L-Schiene ist es möglich, den SA minibei aufgesetzter Kamera und somit vollständiger Gewichtsbelastung einzunorden. Auch ist es nur mit der L-Schiene möglich, die Kamera in wirklich jede Himmelsregion auszurichten.
    Ich habe die mitgelieferte Schnellwechselplatte kein einziges Mal genutzt und würde jedem zum Kauf des L-Winkels raten.


    Skywatcher Star Adventurer Schwalbenschwanz L-Halterung

  • Gegengewicht
    Das Gegengewicht ermöglicht eine präzisere Nachführung, wichtig vor allem bei Deep-Sky-Aufnahmen mit langen Brennweiten und Belichtungszeiten. Durch eine gleichmäßigere Gewichtsverteilung wird der mechanische Antrieb im Star Adventurer mini geschont, da er nicht einseitig belastet wird. Das Gegengewicht wird idealerweise so angebracht, dass der Motor minimal ziehen muss. So hat die Mechanik den besten Griff.

    Skywatcher Star Adventurer  Gegengewichtsstange mit Gegengewicht
  • Polsucherbeleuchtung
    Die Polsucherbeleuchtung wurde oben ja bereits angesprochen. Irgendeine Beleuchtung wird für den Polsucher in jedem Fall benötigt, denn ohne Licht ist es nicht möglich, das Gerät in der Dunkelheit einzunorden. Die einzige Möglichkeit, es ohne Hilfslicht zu machen, ist der kurze Zeitraum zwischen dem Erscheinen des Polarsterns und dem Einbruch der absolut dunklen Nacht.
    Aber lass Dir sagen: Du wirst diesen Zeitpunkt garantiert nicht immer nutzen können. Kommst Du nur 10 Minuten später am anvisierten Ort an, ist es bereits zu dunkel und Du weißt wieder, warum Du ein rotes Licht hast.
    Besorg‘ Dir also die Polsucherbeleuchtung! Oder mach es wie ich und verwende eine gute(!) rote Stirnlampe.

    Skywatcher Polsucherbeleuchtung für EQ-3-2 und EQ-5 Montierungen
  • Polwiege oder 3-Wege-Neiger
    Es ist durchaus möglich, den SA mini auf einem (guten!) Kugelkopf auszurichten. Aber möglich heißt nicht praktisch oder gar einfach und komfortabel. Für einfache Weitwinkel-Aufnahmen ist das allerdings vollkommen ausreichend, da hier nur eine grobe Einnordung notwendig ist.
    Soll jedoch mit längeren Brennweiten gearbeitet werden oder sehr lange Belichtungszeiten erwünscht sein, so ist die akkurate Ausrichtung unumgänglich.
    Und hierfür ist ein gängiger Kugelkopf einfach nicht besonders geeignet.
    Die Nachführung muss sehr sauber auf mehreren Achsen bewegt werden, im Bereich von weniger als einem Grad. Und der Versuch, sie sowohl in der Höhe, der ‚Schräglage‘, als auch in der ‚Ost-West-Verkippung‘ auf einem Kugelkopf auszurichten, verlangt schon nach einem extrem massiven Kopf, sehr ruhigen Fingern und einer engelsgleichen Geduld. Auch darf der Kopf nach dem Festziehen der Schrauben nicht im Geringsten nachgeben.
    Aus all diesen Gründen gibt es Polwiegen (oder alternativ fein justierbare 3-Wege-Köpfe).
    Eine Polwiege erlaubt es, mit Hilfe mehrerer präziser Einstellräder die Astromontierung punktgenau auszurichten. Hierbei können die Achsen getrennt voneinander verändert werden, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen. Es ist ein System, das in ‚großen‘ Teleskopsystemen seit Jahrzehnten Verwendung findet, allerdings auch in einer kleinen Ausführung erhältlich ist.
    Ein guter Drei-Wege-Kopf kann diese Aufgabe ebenfalls übernehmen, ist aber idR schwerer und größer. Und auch teurer, dafür vielfältiger einsetzbar.

     

    Ideal ist es da, dass es eine extra für beide Star Adventurer gefertigte und auf sie abgestimmte Polwiege gibt.
    Die Polwiege wird auf das Stativ gesetzt, nach Norden ausgerichtet und mit Hilfe der eingebauten Libelle justiert/in’s Wasser gebracht. Nun kann einerseits die Höhe eingestellt werden (großes Rad auf der Rückseite) und andererseits auch sehr fein die horizontale Ost-West-Lage angepeilt werden. So ist es möglich, den Polarstern punktgenau an die richtige Stelle im Polsucher zu bekommen. Verglichen mit einem guten Kugelkopf oder dem nachfolgend genannten 3-Wege-Neiger ist sie sogar vergleichsweise günstig.

     
     

     

    Hört man sich ein bisschen um, dann wird immer wieder auf 3-Wege-Neiger von Manfrotto verwiesen, der offenbar der beste seiner Klasse ist. Das Gerät ist zwar teurer als die Polwiege, dafür aber auch besser gearbeitet und wesentlich vielfältiger (auch in der alltäglichen Fotografie) einsetzbar.

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  • Leuchtpunktsucher

    Gerade wenn man sich am Himmel noch nicht so gut auskennt, kann ein Leuchtpunktsucher eine große Erleichterung darstellen, wenn es darum geht, die Kamera auf eine spezielle Region auszurichten.
    Man muss nicht mehr mühsam durch den Sucher der Kamera oder auf den Bildschirm blicken, sondern hat einen kleinen roten Laserpunkt, der genau auf die Stelle des Himmels leuchtet, an den auch die Kamera blickt.
    Hierzu wird der Leuchtpunktsucher (mit Hilfe eines Blitzschuhadapters) in den Blitzschuh der Kamera gesteckt und einmalig (z.B. am Tag) justiert. Ist das erledigt, zeigt Dir ein roter Punkt im Himmel an, wohin Deine Kamera ausgerichtet ist.
    Zu empfehlen ist dieses wirklich hervorragende Modell, das direkt mit einem Blitzschuhadapter geliefert wird. Mit einigen Abstrichen tut es jedoch auch die Billigvariante, für die der Adapter noch besorgt werden muss.

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  • Transportköfferchen
    Für Wandertouren nicht geeignet, aber in allen anderen Fällen sowie zur grundsätzlichen Aufbewahrung bietet sich ein kleines Köfferchen an.
    Ich finde es recht praktisch, da ich den Star Adventurer mini darin mit allen Zubehörteilen verstauen kann und er vor starken Erschütterungen geschützt ist.
  • Stativ
    Zu einem geeigneten Stativ gebe ich hier keinen konkreten Tipp. Zu groß ist die Auswahl und zu unterschiedlich sind die Ansprüche und die Größe des Geldbeutels. Auch gehe ich davon aus, dass jeder Fotograf bereits mindestens ein gutes Stativ besitzt.
    Ich kann jedoch von meinen eigenen Erfahrungen berichten:
    Ich habe den SA mini überwiegend auf diesem Videostativ genutzt. Ganz einfach, weil ich es (2x) besitze und es sich hervorragend eignet. Aufgrund der Bauweise von Videostativen steht es sehr stabil und verwindungsteif, auch in weit ausgefahrenem Zustand. Zudem finde ich den Videokopf (einen Fluidneiger) recht praktisch, um die Montierung grob auszurichten. Aber wie gesagt: Das soll keine ultimative Empfehlung sein, extra ein Videostativ zu kaufen, wenngleich Videostative einfachen Fotostativen gegenüber schon einige Vorteile haben.
    Das zweite Stativ ist ein ganz gewöhnliches Fotostativ, klein im Packmaß, akzeptabel im Gewicht und dennoch stabil. Denn das Videostativ eignet sich aufgrund des Gewichts keinesfalls für längere Wanderungen. Es ist das Rollei C5i, mit dem auch einige andere Astrofotografen gute Erfahrungen gemacht haben. Das Preis-Leistungsverhältnis ist jedenfalls super!
    Einen wichtigen Hinweis möchte ich geben:
    Das Stativ sollte sich in jedem Fall ausreichend weit ausfahren lassen und dabei stabil stehen. Man muss sich, um den Star Adventurer einzunorden, hinter das Gerät knien und durch den Polsucher auf Polaris blicken. Daher ist es sehr sinnvoll, wenn der Sucher sich ungefähr auf Kopfhöhe befindet, wenn man selber kniet oder in der Hocke ist. Stative, die sich nur auf 40 cm ausfahren lassen, sind daher absolut ungeeignet; sinnvoll ist schon eher 1 Meter. Ich zumindest kann mir nicht vorstellen auf dem Bauch zu liegen und meinen Hals derart zu verbiegen, dass ich Polaris sehen kann.

  • Den Star Adventurer mini kaufen

    Der Star Adventurer mini ist sowohl als Einzelgerät erhältlich als auch in einem Set, das ich jedem an’s Herz legen möchte, der ernsthaft mit diesem Gerät arbeiten will.
    Es enthält praktisch alle oben angesprochenen Zubehörelemente und bietet, im Vergleich zum Kauf der Einzelteile, einen ordentlichen Preisvorteil. Einzig die Polsucherbeleuchtung ist nicht im Set enthalten und muss separat erworben werden.

    Der SA mini kann natürlich in diversen Shops gekauft werden. Ich empfehle jedoch immer gerne den Astroshop, da dahinter ‚echte Menschen‘ in einem mittelständischen Unternehmen stehen. Auch bietet der Astroshop für fast alle Produkte eine ‚Best-Preis-Garantie‘.
    (Zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels ist das Star Adventurer Set beim Astroshop sogar günstiger als bei Amazon).

    Skywatcher Montierung Star Adventurer, Set

    Aber natürlich kann der Star Adventurer mini genauso gut bei Amazon bestellt werden. (Aktuell ist er jedoch nicht verfügbar.)
    Vorsicht: Es gibt bei Amazon ein Angebot, bei dem auf den Fotos das Gegengewicht abgebildet ist. Das lässt das Angebot recht günstig erscheinen. Laut der Beschreibung handelt es isch jedoch um das ’normale‘ Set, ohne das Gegengewicht.

     

    Zusammenfassung und freundliches Schlusswort

    Ich weiß – das war ausführlich, aber dafür hast Du nun wirklich eine ganze Menge an Informationen bekommen, die Dir hoffentlich helfen, eine Entscheidung für einen Astrotracker zu treffen.
    Denn eines kann ich mit Sicherheit sagen:
    Für mich ist eine Astromontierung unverzichtbar. Für Deep-Sky-Aufnahmen mit langen Brennweiten wird der große Bruder weiterhin meine erste Wahl bleiben. Mir persönlich ist das geringere Gewicht und das kleinere Packmaß nicht so wichtig, die größere Tragkraft und die (nur geringfügig) genauere Nachführung jedoch schon. Die mannigfaltigen Zeitrafferfähigkeiten des Star Adventurer mini finde ich hingegen so gelungen, dass sie (für mich, als Zeitraffer-Enthusiasten) alleine schon einen ausreichenden Kaufgrund darstellen.
    Ich hatte den SA mini für diesen Test eine Zeitlang ausgeliehen und gebe ihn nur schweren Herzens zurück. Mir ist jetzt schon klar, dass ich die Zeitraffer-Modi vermissen werde.

    Ich kann den Skywatcher Star Adventurer mini also mit guten Gewissen absolut empfehlen – eben im Rahmen der Möglichkeiten des Geräts.
    Die anderen in dem Artikel angesprochenen Reisemontierugen sind für Dich evtl. eine Überlegung wert.
    Falls Du Interesse hast, so findest Du sie unten verlinkt.

    Zum Schluss bleibt mir jetzt nur noch Dir viel Spaß und Freude unter dem wundervollen Sternenhimmel zu wünschen. Und viel Erfolg beim Erstellen Deiner persönlichen Himmelsansichten.
    Wenn Du magst, kannst Du mir gerne einen Kommentar da lassen – darüber freue ich mich, wie jeder Blogger, natürlich sehr. Denn Rückmeldungen von Lesern helfen mir, mich zu verbessern oder mögliche Fehler, die trotz gewissenhafter Recherche entstehen können, zu entfernen.

    Wenn Dir mein Testbericht des Skywatcher Star Adventurer mini gefallen hat, dann ist ein einfaches „Danke“ auch gern gesehen, es belohnt für die Mühen.
    Schau Dich doch auch noch etwas weiter auf der Seite um. Es gibt einiges zu entdecken. Oder besuche mich bei Facebook und Instagram. Dort gibt es sehr regelmäßig neue Fotos und kleine Geschichten rund um die Astrofotografie.

    Danke für’s Lesen!

    Test und Erfahrungsbericht der Vixen Polarie. Beschreibung, Anleitung, Tutorial, Tipps, Tricks, sinnvolles Zubehör, VergleichKlein, leicht, sofort einsatzbereit und auch noch hochwertig verarbeitet: Die Vixen Polarie ist eine ideale Reisemontierung für langbelichtete Aufnahmen des Sternenhimmels und der Milchstraße, weit abseits der lichtverschmutzten Städte.

    Von meinen Erfahrungen berichte ich in diesem umfangreichen Artikel und gebe Hinweise zur Bedienung und sinnvollem Zubehör.

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    Skywatcher Star Adventurer - Test, Erfahrungsbericht, Anleitung, Tutorial, Tipps, Tricks, sinnvolles Zubehör, VergleichEr ist nicht der kleinste und auch nicht der leichteste unter den mobilen Astrotrackern, dafür der genaueste: Der Skywatcher Star Adventurer.
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    Von meinen Erfahrungen berichte ich in diesem ausführlichen Artikel und gebe Hinweise zur Bedienung und sinnvollem Zubehör.

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