Wer in Mitteleuropa die Sonnenfinsternis 1999 erlebt hat, wird sich mit Sicherheit an das Gefühl erinnern, das dieses einmalige Erlebnis hinterlassen hat: Mitten am Tage wurde es stockdunkel die Vögel verstummten, und ein kalter Wind kam auf. Leider sind Sonnenfinsternisse ein seltenes Ereignis und von einem Ort aus kaum zweimal in einem Menschenleben zu beobachten.
Eine totale Mondfinsternis bietet ein ähnlich spektakuläres Erlebnis, ereignet sich jedoch wesentlich häufiger. In Deutschland war das zuletzt 2015 der Fall.

Ich warne Dich vor: Meine Artikel sind immer sehr genau und detailreich. Du kannst hier wahnsinnig viel erfahren und lernen. Auch gibt es viele Querverweise, die Dich zu weiterführenden Infos leiten. Viele Leser schätzen genau diese Vielfalt und Genauigkeit.
Aber: Kurz sind meine Artikel nicht. Ich habe zwar einige zusammenfassende Übersichtsbilder und Tabellen erstellt, aber wenn Du wirklich Infos willst, dann musst Du bei mir einiges lesen.
Hier die Inhaltsübersicht:

Aufbau des Artikels

1. Ablauf der Mondfinsternis 2018

2. Die Mondfinsternis beobachten

3. Die Mondfinsternis fotografieren

Equipment:
+ Geeignete Kameras
+ Geeignete Objektive und Brennweiten
+ Stative
+ Weiteres sinnvolles Zubehör

Umsetzung:
+ Einstellungen an Kamera und Objektiv
+ Weitere Hinweise

4. Zeitraffer der Mondfinsternis aufnehmen
+Allgemeines zu Zeitraffern
+Besonderheiten bei der Mondfinsternis

5. Zusammenfassung und Schlusswort

 
Um Dich einzustimmen, möchte ich Dir gleich zu Beginn den Zeitraffer-Clip zeigen, den ich während der Mondfinsternis 2015 aufgenommen habe.
Er ist bei weitem nicht perfekt, aber dennoch recht stimmungsvoll.
Auch kannst Du hier einen ersten Eindruck bekommen, wie verschiedene Brennweiten wirken und was mit normalen Kameras und normalen Objektiven, ganz ohne Spezialausrüstung, möglich ist.
Zunächst siehst Du die Mondfinsternis mit 100 bis 500 mm und zuletzt einer 14 mm Weitwinkelaufnahme. Danach folgt nochmal im Schnelldurchlauf die gesamte Finsternis in einer festen Einstellung.
Viel Spaß!

Wenn Du nun Lust bekommen hast, auch solche Fotos oder ebenfalls einen Zeitraffer-Clip zu erstellen, so erfährst Du im Folgenden alles, was Du wissen musst.




 

Ablauf der Mondfinsternis 2018

Im Gegensatz zur letzten totalen Mondfinsternis 2015, die mitten in der kühlen Herbstnacht von Sonntag auf Montag stattfand, bietet der Himmel dieses Jahr zu einem etwas angenehmeren Zeitpunkt seine Show:

Die Mondfinsternis 2018 findet am Freitagabend, den 27. Juli, (grob) zwischen 20 und 24 Uhr statt. Die Wahrscheinlichkeit auf einen lauen Sommerabend ist recht hoch.

Aber: Der Zeitpunkt bringt nicht nur Vorteile mit sich:

  • (Fast) jeder hat Zeit. Gut zu erreichende Plätze werden möglicherweise überlaufen sein.
  • Das Schauspiel ist nicht so gut zu beobachten, da es anfangs noch recht hell ist. Darüber hinaus wirken Störeffekte der Atmosphäre stärker, da der Mond sehr horizontnah stehen wird.
  • Der Mond geht erst auf, wenn die Verfinsterung schon begonnen hat.

 

Der zeitliche Ablauf

Vorbemerkung #1:
Der Ablauf einer jeden Mondfinsternis wird in mehrere Phasen unterteilt, die alle zu bestimmten Zeitpunkten beginnen und enden.
Was es damit im Detail auf sich hat, darauf möchte ich in diesem Bericht nicht eingehen. Damit wir uns aber verstehen, beschreibe ich grob ein paar Begriffe.

  • Phase #1: Halbschattenfinsternis:
    Mit der Halbschattenfinsternis beginnt die Mondfinsternis. Sichtbar ist das für uns allerdings nicht, da der Mond noch immer ganz direkt vom Sonnenlicht erreicht wird. Für unsere Augen erscheint er unverändert hell.
    Ganz einfach ausgedrückt: Die Halbschattenfinsternis kann uns egal sein.
  • Phase #2: Partielle Finsternis
    Hier taucht der Mond nun in den Kernschatten der Erde ein. Das ist deutlich zu sehen: Der Bereich des Mondes, der bereits vom Erdschatten getroffen wird, erscheint dunkel, der Bereich, den das Sonnenlicht noch trifft, erscheint hell. Es bildet sich ein starker Kontrast. Der Schatten wandert nun deutlich sichtbar langsam über den Mond und bedeckt ihn immer weiter.
  • Phase #3: Totale Mondfinsternis
    In dieser Phase wird der Mond vollständig vom Kernschatten der Erde bedeckt. Er ist vollkommen verfinstert. Dabei ist er nicht schwarz, sondern leuchtet mehr oder weniger hell rötlich

Vorbemerkung #2:
Es ist nicht möglich an jedem Ort im deutschspachigen Raum die Mondfinsternis, vor allem deren Beginn, gleich gut zu beobachten. Zu sehr unterscheiden sich die Zeiten von Ost nach West:

Während der Mond im Osten relativ früh aufgeht, z.B. bei Wien bereits um 20:29 Uhr, erscheinet er weiter westlich merklich später über dem Horizont. In Köln beispielsweise erst um 21:17 Uhr; ein Unterschied von immerhin rund 45 Minuten.
Für beide Orte gilt jedoch: Der Beginn der sichtbaren Finsternis (also der erste Kontakt des Erdschattens mit dem Mond, Phase #2) um 20:24 kann nicht beobachtet werden. Denn zu diesem Zeitpunkt steht der Mond sowohl in Wien als auch in Köln noch hinter dem Horizont.
Andererseits:
Sowohl im Osten in Wien also auch im Westen bei Köln besteht die Möglichkeit, den Beginn der totalen Finsternis mitzuerleben. Denn um 21:30 Uhr ist der Mond überall aufgegangen.

Ein großer Unterschied wird jedoch deutlich: Während Menschen im östlichen Europa die Chance haben, (fast) den gesamten Verlauf der Verfinsterung bis hin zur Totalität mitzuerleben, haben Beobachter im Westen Deutschlands, in der West-Schweiz oder gar in Frankreich, Belgien und den Niederlanden hierzu kaum eine Möglichkeit. Bei ihnen fallen Mondaufgang und der Beginn der totalen Verfinsterung fast zeitgleich zusammen.
D.h. Beobachter weit im Osten können zusehen, wie sich der Erdschatten ab 20:24 langsam vor den Mond schiebt, Beobachter im Westen erleben den Moment der totalen Verdunkelung praktisch zeitgleich mit dem Mondaufgang.

Die Phase #1, bei der der Mond in den Halbschatten der Erde eintaucht (ab 19:14 Uhr bis zum Beginn der partiellen Finsternis um 20:24 Uhr) ist, wie gesagt, nicht wahrnehmbar, auch wenn der Mond bereits aufgegangen wäre. So gesehen macht es nichts, dass er zu diesem Zeitpunkt noch hinter dem Horizont steht.
Wirklich interessant wird es erst ab 20:24 Uhr, wenn der Kernschatten den Mond erreicht, denn das ist klar sichtbar.

Diese Grafik zeigt die einzelnen Phasen mit den jeweiligen Uhrzeiten:
Zeitlicher Ablauf der Mondfinsternis mit Uhrzeiten für Mitteleuropa (Deuschland, Österreich, Schweiz, Südtirol)

Der Ablauf in Stichpunkten:
19:14 – Beginn mit dem Eintritt in den Halbschatten (keine wahrnehmbare Verdunkelung)
20:24 – „Richtiger“ Beginn mit dem Eintritt in den Kernschatten (sichtbar zunehmende Verdunkelung)
21:30 – Beginn der vollständigen Verfinsterung
22:21 – Maximale Verfinsterung
23:13 – Beginnender Austritt aus dem Kernschatten/Ende der totalen Finsternis
00:19 – Vollständiger Austritt aus dem Erdschatten (wahrnehmbares Ende)
01:28 – Vollständiger Austritt aus dem Halbschatten (nicht wahrnehmbar)

Wie deutlich wird, ist die Halbschattenphase nicht zu erkennen. Der Mond wird hierbei nur minimal abgedunkelt, zu schwach für unsere Sinnensorgane.

Hier eine Tabelle für einige Orte:

Ablauf Mondfinsternis 2018

OrtBeginn
Halbschatten-
finsternis
MondaufgangBeginn
Partielle
Finsternis
Beginn
Totale
Finsternis
Max. VerdunkelungEnde
Totale
Finsternis
Ende
Partielle
Finsternis
Absolutes
Ende
ZEITPUNKTE
19:1420:2421:3022:2123:1300:1901:28
Wien20:29
Salzburg20:41
München20:48
Frankfurt (Oder)20:52
Luzern20:58
Freiburg (Breisgau)21:03
Frankfurt (Main)21:07
Rostock21:10
Hamburg21:16
Köln21:17

Wie man sehen kann, wird der Beginn der Totalität um 21:30 Uhr praktisch überall beobachtbar sein.
Ein Urlaub in Osteuropa würde sich dennoch lohnen, denn nur dort besteht die Möglichkeit, den kompletten Vorgang der Verdunkelung mitzuerleben; im gesamten deutschsprachigen Raum geht der Mond erst auf, wenn die Verdunkelung schon mehr oder minder weit fortgeschritten ist.

Ich finde die Grafik, die ich oben eingebaut habe nicht perfekt verständlich.
Darum habe ich eine Animation erstellt. Sie zeigt den Verlauf beispielhaft für München inkl. Horizont und Mondaufgang.
Ich erstelle so gut wie nie Animationen, daher habe ich schon ein bisschen daran feilen müssen. Hoffentlich hilft es Dir dabei, Dir die Mondfinsternis besser vorzustellen.
Wundere Dich nicht, dass in den ersten Sekunden nichts passiert; da steht der Mond noch hinter dem Horizont 😉
Die Animation ist für jeden Ort gültig!. Die Phasen der Mondfinsternis sind überall identisch. Einzig der Zeitpunkt des Mondaufgangs variiert von Ost (früher) nach West (später).




 

Die Mondfinsternis beobachten

Viel wird nicht benötigt, um die Mondfinsternis zu beobachten. Dennoch möchte ich Dir einige Tipps geben:

– Überleg Dir rechtzeitig, wo Du die Mondfinsternis beobachten willst.
Denk dran, dass der Mond schon mehr oder minder verfinstert aufgeht und somit auch über einen relativ langen Zeitraum recht horizontnah sein wird. Jede kleine Erhebung, erst recht (Hoch-)häuser können den Blick verdecken. Der Zeitpunkt des Aufgangs bezieht sich auf einen vollkommen flachen Horizont.
Solltest Du also in der Stadt beobachten wollen, bietet sich ein Platz auf einem Hochhaus an.
Solltest Du auf dem Land beobachten, bietet sich eine kleine Erhebung an.

– Für die Mondfinsternis verreisen?
Mir ist die Mondfinsternis sehr wichtig. Daher habe ich mir schon frühzeitig verschiedene Orte in einem Umkreis von 500 km um meinen Wohnort herum ausgesucht, die sich für eine Beobachtungsnacht eignen. Natürlich wird nicht jeder so weit fahren wollen, aber es ist durchaus sinnvoll, sich rechtzeitig Alternativen zu überlegen, falls es am eigenen Wohnort wolkenverhangen sein sollte. Idealerweise liegen diese Ziele östlich des eigenen Wohnortes.
Ich nutze für die Bewölkungsvorhersage der nächsten 2 bis 3 Tage die hervorragende Wolkenanimation der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geologie ZAMG. Leider deckt sie nur Österreich sowie Teile der Schweiz, Deutschlands und Norditaliens ab.
Relativ ähnlich ist die Wolkenanimation des schweizerischen Anbieters „meteocentrale“. Dort findet sich eine hochauflösende Version für die Schweiz und angrenzender Länder sowie eine etwas grobere Darstellung für ganz Europa.
Da ich für meine „Astrofotonächte“ oftmals den Wolken entfliehen muss, kann ich aus Erfahrung sagen, dass die Wolkenanimationen sehr zuverlässig sind. Bevor ich mich also endgültig für die Fahrt zu einem Beobachtungsort entscheide, überprüfe ich mein Ziel nochmals anhand dieser Karten.

– Die Mondfinsternis dauert sehr lange.
Denk dran, warme Kleidung für die Nacht einzupacken und etwas zum Essen und zum Trinken mitzunehmen. Nimm Dir ggf. auch eine Decke oder einen Klappstuhl mit. Und überleg Dir was, das Kindern die Wartezeit etwas angenehmer macht. Wenngleich es Erwachsene spannend finden, immer wieder zum Mond zu gucken und freiwillig weit über eine Stunde warten, so kann sich für Kinder dieses „sinnlose“ Unterfangen enorm in die Länge ziehen. 😉

– Feldstecher – kleines Hilfsmittel mit großer Wirkung
Man kann die Mondfinsternis natürlich wunderbar ganz ohne Hilfsmittel beobachten. Jeder weiß, wie gut der Mond mit den „unbewaffneten“ Augen zu sehen ist. Auch die Stimmung in der Landschaft lässt sich so gut erfahren.
Dennoch möchte ich Dir einen Tipp geben: Schau, ob Du nicht irgendwo einen Feldstecher auftreiben kannst. Vielleicht liegt ja im Keller oder auf dem Dachboden noch einer rum, den Onkel Franz vor 27 Jahren mal ausrangiert hat. Oder Tante Erna, die immer gern ins Theater geht, hat einen Operngucker, den sie für einen Abend entbehren kann. Es muss nicht das Top-Gerät sein!
Jeder Feldstecher ist einen Versuch wert, denn mit jeder Vergrößerungshilfe, die einigermaßen scharf ist, gewinnt der Mond enorm an Details. Teleskope sind natürlich etwas geniales, aber sie finden sich meist nicht irgendwo im Hausrat und sind auch nicht so einfach zu handhaben wie ein kleines Fernglas oder ein Feldstecher.
Und: Auch Kinder sind von dem Anblick fasziniert.
Wenn man zuvor etwas recherchiert, so kann man einzelne große Krater oder die großflächigen „Mondmare“ erkennen und benennen.

Ich nutze meinen Feldstecher wirklich gerne, vor allem dann, wenn ich nachts die Sterne fotografiere; denn nicht nur der Mond ist ein faszinierender Anblick, auch die Milchstraße oder Sternhaufen gewinnen einiges an Detailreichtum.

– Den Mond kennen lernen – einige Buchtipps
Hier und hier habe ich bereits einige meiner Lieblingsbücher vorgestellt. Die folgenden zwei eignen sich besonders, um den Mond etwas besser kennenzulernen:
 

Der Reiseatlas Mond ist genau das, was man von einem Atlas erwartet: Eine ausführliche Kartensammlung einer Region. Nur handelt es sich hierbei nicht um eine irdische Karte mit Flüssen, Gebirgen und Autobahnen, sondern um eine detailreiche Karte der sichtbaren Mondoberfläche. Für Beobachter des Mondes (und solche, die es werden wollen) ein unverzichtbares Werk.
Die Grundlage der 38 Kartenseiten der Mondvorderseite bilden hochauflösende Fotos des NASA-Satelliten Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO), der ein vollständiges Mondmosaik in bisher unbekannter Qualität erstellt hat. Alle Bilder haben einen einheitlichen Schattenwurf, was die Identifizierung von Strukturen wesentlich vereinfacht und dem dreidimensionalen Bildeindruck zugute kommt. Alle bekannten Krater, Täler, Rinnen, Mare und weitere Strukturen sind in den Karten benannt.
Ergänzt werden die Karten durch Detailausschnitte, Beschreibungen zu einzelnen Objekten und Beobachtungstipps.
Wie die anderen bereits vorgestellten Atlanten zur Orientierung am Nachthimmel, ist auch der Mondatlas mit einer praktischen Spiralbindung ausgestattet und dank der laminierten, wasserabweisenden Oberfläche ideal für den Feldeinsatz geeignet.

 

Die Krater, Gebirge und Ebenen des Mondes sind die einzigen außerirdischen Landschaften, die von der Erde aus mit einfachen Mitteln zu beobachten sind. Der neuartige fotografische Mondatlas zeigt 60 Regionen der Mondoberfläche auf großformatigen detaillierten Aufnahmen. Fotografien mit verschiedenen Beleuchtungssituationen lassen die Mondlandschaften plastisch erlebbar werden und fördern die Nachvollziehbarkeit für den Beobachter am Fernrohr. Nahezu lückenlos ist die komplette Vorderseite des Mondes, die von der Erde aus sichtbar ist, abgedeckt.
Alan Chu, Astrofotograf aus Hongkong, und die deutschen Mondfotografen Wolfgang Paech und Mario Weigand haben über 400 ihrer besten Mondfotografien zu einem beeindruckend tiefen Atlas unseres Nachbarn vereint. Die hochauflösenden Bilder erlauben nicht nur die bloße Identifikation der Mondformationen, sondern zeigen in bisher ungekannter Detailfülle die Morphologie der Mondoberfläche.
Der Fotografische Mondatlas ist ein einzigartiges Werk für visuelle und fotografische Mondbeobachter und sucht in Detailliertheit und Vollständigkeit seinesgleichen.

 



 
 

Die Mondfinsternis fotografieren

Der Mond ist – im Gegensatz zu allen anderen Objekten am Nachthimmel – wirklich einfach zu fotografieren. Er leuchtet so hell, dass er sogar (an normalen Vollmondtagen) freihändig ganz ohne Stativ abgebildet werden kann.
Der völlig verfinsterte Mond ist weit mehr als 1000 Mal dunkler als der hell leuchtende Vollmond (je nach Finsternis und Phase nur noch 1/5000 der Vollmondhelligkeit). Das mag sich extrem anhören, dennoch ist er nicht vollkommen dunkel; über ihm liegt ein rötlicher Schein.
Die Belichtungszeit muss zwar im Laufe der Verfinsterung immer wieder angepasst werden, bleibt jedoch auch bei der vollständigen Verdunkelung im Bereich rund um eine Sekunde. Somit müssen keine besonderen Vorkehrungen getroffen werden: Der Mond wird nicht (oder nur in sehr wenigen Fällen) aufgrund seiner eigenen Bewegung am Himmel unscharf. Ein Stativ ist allerdings notwendig.

Es eignet sich fast jede Kamera und auch die Einstellungen, die vorgenommen werden sollten, sind kein Hexenwerk.
Gute Nachrichten auch für Anfänger:

Es ist keine Kunst, die Mondfinsternis zu fotografieren!

In diesem Artikel erfährst Du alles, was Du auf die Frage: „Wie fotografiert man die Mondfinsternis?“ wissen musst.

 
 

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Zum Einstieg zeige ich Dir ein Bild. Es enthält viele Informationen und besteht aus Fotos, die ich bei der Mondfinsternis 2015 aufgenommen habe. Mit ganz einfachen Mitteln.
Viele der Bilder sind auch in dem verlinkten Zeitraffer zu sehen.

Das Bild mag vielleicht etwas verwirrend wirken, da doch relativ viele Infos enthalten sind. Schau es Dir in Ruhe an und denk einfach ein bisschen darüber nach.
Ich komme im Laufe des Artikels immer mal wieder auf die ein oder andere Einstellung zu sprechen, sodass Dir spätestens dann alles klar wird.

Verschiedene Einstellungen von ISO und Belichtungszeit während der Mondfinsternis 2015

  • Anhand der Uhrzeit kann man erkennen, dass es vom Beginn der Verfinsterung, also dem ersten Kontakt mit dem Erdschatten, bis zur vollständigen Verfinsterung über eine Stunde dauert.
  • Anhand der von mir genutzten Belichtungszeiten und ISO-Werten lässt sich abschätzen, wie stark die „Leuchtleistung“ des Mondes abnimmt. Je dunkler der Mond wird, desto länger wird belichtet und desto höher wird der ISO-Wert.
  • Der Vergleich zwischen den Einstellungen der beiden Fotoserien zeigt die Wechselwirkung von ISO und Belichtungszeit. Beispielsweise um 3:54 h: 1/80 bzw. 1/40 Belichtungszeit bei ISO 320 bzw. ISO 640.
  • Auch kann man sehen, wie unterschiedlich groß der Mond bei verschiedenen Brennweiten wirkt. Allerdings sind die Aufnahmen mit 105 mm bereits vergrößert. Weiter unten gibt es ein Bild, das die realen Größenverhältnisse aufzeigt.
  • Es wird deutlich, dass längere Brennweiten wesentlich mehr Details zeigen.

 

Nachdem Dir das Bild die ersten Informationen geliefert oder es Dich alternativ verwirrt hat, gehen wir die ganze Sache mal einfach und systematisch an. So, dass es auch für jeden verständlich wird.

Um die Mondfinsternis „richtig“ zu fotografieren, benötigt es zwei Dinge:

    1. Das Equipment (Also Kamera, Objektiv und Co.)
    2. Die richtigen Einstellungen (Also ISO-Wert, Belichtungszeit und Co.)

Auf beides werde ich nun eingehen.

 

 

1. Das Equipment


Vereinfacht gesagt brauchst Du nur drei Dinge: Kamera, Objektiv, Stativ.
Wahrscheinlich hast Du somit bereits alles, was wirklich notwendig ist.

 

A – Geeignete Kamera

Es eignet sich fast jede Kamera. Mit Deinem Taschentelephon wirst Du zwar keine Detailaufnahme des Mondes machen können, aber ein stimmungsvolles Foto sollte sogar damit möglich sein. Du solltest Dir allerdings (je nach Mobilgerät) eine App installieren, die es Dir erlaubt, die Kameraeinstellungen frei zu wählen. Für Adroid z.B. Camera FV-5. Auch ist es sinnvoll ein billiges Smartfone-Stativ zu besorgen.

Wenn ich allerdings „fast jede“ Kamera sage, dann meine ich damit, dass Du mit jeder gängigen digitalen Spiegelreflexkamera der letzten 10 Jahre wunderbar versorgt bist; ebenso mit spiegellosen Systemkameras.
Der Mond ist das einfachste Objekt am Himmel und es kommt sicherlich nicht darauf an, dass Du die neueste Superkamera hast.
Aufgrund der Sensorgröße und des Abbildungsmaßstabs sind sogar die „einfacheren“ Kameras mit kleineren Sensoren (APS-C und MFT) in gewisser Hinsicht besser geeignet als Vollformatkameras mit riesigem Sensor.
Du siehst also: Wenn Du eine Kamera hast, dann wird es schon die richtige sein.
Wenn es Dich interessiert, welche Kameras ich nutze, dann schau doch einfach mal in meine Ausrüstungs-Liste oben im Menü. Dort findest Du alles.

 
Eigentlich macht es keinen Sinn, eine Kamera für die Mondfinsternis zu empfehlen. Wer kauft sich schon extra für diesen Zweck ein Gerät? Außerdem hängt das Fotoergebnis viel mehr vom genutzten Objektiv ab als von der Kamera.
Aber auf die Nikon Coolpix P900 möchte ich dennoch hinweisen. Es ist DIE Superzoom-Kamera überhaupt. Es handelt sich dabei um eine gute alltagstaugliche, moderne Systemkamera. Der Clou an diesem Gerät ist der enorme Zoombereich.
Das folgende Video zeigt, wie groß er Mond damit abgebildet werden kann:

 
Ein Tipp:
Wie Du bei dem Zeitraffer-Clip der Mondfinsernis von 2015 sehen kannst, habe ich mit mehreren Kameras und Objektiven fotografiert. Einerseits habe ich relativ lange Brennweiten benutzt, um die Mondfinsternis im Detail festzuhalten. Andererseits aber auch eine Weitwinkellinse, die die Stimmung im Zusammenspiel mit der Landschaft widergibt.
Gerade die Fotografie von Mond mit Landschaft wird 2018 noch interessanter, da der Mond sehr nah am Horizont steht.
Falls Du also mehr als eine Kamera besitzen solltest, so nimm doch beide, inkl. geeigneten Objektiven mit.

 

B – Geeignete Objektive und Brennweiten

Der Mond ist zwar das größte Objekt am Himmel, aber so groß nun auch wieder nicht. Darum sollte auf das „richtige“ Objektiv viel mehr Wert gelegt werden, als auf die Kamera.
Um unsere „Himmelslaterne“ groß fotografieren zu können, sind lange Brennweiten eigentlich Pflicht. Unter 100 mm zeigt er sich nur als ein relativ kleiner Punkt. Perfekt sind Brennweiten größer als 500, besser größer als 800 mm oder sogar größer als 1000 mm (immer bezogen auf Kleinbild = Vollformat). Erst bei solchen Brennweiten wird der Mond annähernd formatfüllend.
(Ich weiß, dass kaum jemand solche Objektive besitzt; keine Sorge, darauf kommen wir gleich zu sprechen.)

Dennoch können auch Brennweiten unter 100 mm genutzt werden, vor allem dann, wenn der Mond sehr horizontnah steht, um stimmungsvolle Aufnahmen des Mondaufgangs im Zusammenspiel mit der Landschaft zu erstellen. Sie vermitteln z.B. auch bei Zeitraffern einen guten Eindruck der Beleuchtungsveränderung während der langsamen Verfinsterung des Mondes.

Die folgenden Bilder zeigen den Mond mit verschiedenen Brennweiten zusammen mit der Landschaft. Angaben zu Sensor und Brennweite finden sich jeweils unterhalb:

Canon 6D; 24-105 mm
Links: Vollmond, 20h (ISO320, 1/40, f5.6)
Rechts: Ein Tag vor Vollmond: 19:10h (ISO125, 1/125, f5.6)

Untergang Mondsichel, lange Belichtungszeit, um die dunkle Mondseite sichtbar zu machen – Canon 6D; 105 mm – ISO 1250, 4 Sek, f5.6

Canon 7D, manuelles, altes 500mm, f6; 1/125, ISO320

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte #2

Das folgende Bild zeigt, wie der Mond (nicht vergrößert oder ausgeschnitten) mit der jeweiligen Brennweite am jeweiligen Sensor auf einem Foto wirkt.
Die Zahlen mögen auf den ersten Blick verwirrend sein, aber an sich ist das alles ganz einfach:

  • Je kleiner ein Sensor, desto größer wirken Objekte wie der Mond bei gleicher Brennweite.
    Beispiel: Bei 500 mm wirkt der Mond an einem Crop-Sensor relativ größer als mit demselben Objektiv am Vollformatsensor.
  • Anders ausgerückt: Um denselben Bildeindruck zu erhalten, benötigt man bei Vollformat längere Brennweiten.
    Beispiel: Um den Mond immer gleichgroß auf dem Foto abzubilden, benötigt man bei einem MFT-Sensor nur eine 400 mm Brennweite, bei Vollformat bereits 800 mm. In beiden Fällen wirkt der Mond genauso groß.
  • (Alle Zahlen beziehen sich auf die tatsächliche Brennweite, also die, die auf dem Objektiv steht.)

Hier lässt sich sehr gut erkennen, dass man idealerweise als Mindestbrennweite, je nach Sensor, 200 bis 400 mm ansetzen sollte und erst Brennweiten oberhalb von 800 bis weit über 1000 mm den Mond formatfüllend über das ganze Bild ablichten.
(Tatsächlich füllt der Mond einen Crop-Sensor bei etwa 1600 und einen Vollformat-Sensor bei etwa 2500 mm aus. Hier erreicht der Monddurchmesser jeweils etwa die gleiche Größe wie die kurze Seite des Sensors.)

Die angegebenen Brennweiten zeigen, wie der Mond auf einem Foto dieser Größe bei der gegebenen Brennweite dargestellt wird. Gemeint ist hier die tatsächliche Brennweite bezogen auf Kleinbild, so wie sie auf dem Objektiv steht. Je größer also der Sensor, desto kleiner der Mond auf dem Foto bei identischer Brennweite. Oder andersherum ausgedrückt: Um den Mond gleich groß auf einem Foto zu haben, benötigt man bei Vollformat eine längere Brennweite. Daher sind für Fotos des Mondes kleine Sensoren gut geeigenet.

Wie Du sehen kannst, sind lange Brennweiten notwendig, um die Mondfinsternis schön und vor allem detailreich zu fotografieren.
Hast Du so eine Linse, kannst Du Dich glücklich schätzen. Aber die meisten Fotografen besitzen keine dermaßen langen Brennweiten, da man sie fasst nie benötigt.

Alles was ich bisher gesagt habe, gilt allerdings nur für das unbeschnittene Foto. Moderne Kameras haben jedoch eine so gute Auflösung, dass das Bild problemlos vergrößert werden kann.

Schau Dir das nächste Bild an. Hier kannst Du sehen, wie Bilder ausgeschnitten und stark vergrößert wirken.
Natürlich kannst Du keine Details herbeizaubern, die nicht fotografiert wurden. Du wirst auf einem Foto, das mit 24 mm erstellt wurde, niemals die ganzen Rillen und Krater erkennen. Aber eine gewisse Vergößerung ist immer möglich.
Du willst das Foto ja wahrscheinlich nur am Bildschirm anschauen oder in einer relativ kleinen Größe drucken.
Falls Du doch ein Plakat erstellen möchtest, dann solltest Du allerdings doch durch ein Teleskop fotografieren 😉
Zwei der oben gezeigten Bilder stark vergrößert. Für die Bildschirmdarstellung, einen Zeitraffer oder einen kleinen Druck geeignet. (Webdarstellung zeigt Kompressionsartefakte). Der größere Mond wurde mit 500 mm am Crop-Sensor fotografiert und so vergrößert, dass er dem Eindruck eines 1600 mm Objektivs entspricht.

 

Oder doch ein Objektiv für den Mond kaufen?

Dennoch stellt sich nun die Frage, ob es (für jeden persönlich) Sinn macht, ein Objektiv speziell für den Mond, bzw. für die Mondfinsternis zu kaufen. Und wenn ja, welche Anforderungen an das neue Objektiv gestellt werden.
Man hat prinzipiell folgende Wahlmöglichkeiten: Man kauft eine gute bis sehr gute Linse, die man auch für andere Zwecke einsetzen kann und möchte. Dann gibt man evtl. sogar etwas mehr Geld aus. Oder man kauft etwas, dass für genau diesen einen Zweck, nämlich den Mond, ausreichend ist, dafür aber auch recht billig.

Falls Du überlegst, Dir ein Objektiv zu kaufen, bekommst Du hier ein paar Vorschläge:
– Canon EF-S 55-250mm f4-5.6 IS STM

Dieses Objektiv war vor vielen, vielen Jahren meine erste „lange“ Linse und auch die erste mit der ich den Mond fotografiert habe. Sie ist nur für APC-S (Crop-)Kameras geeignet und relativ günstig. Ich habe sie damals sehr gerne genutzt und dank des großen Zoombereichs bei vielen Gelegenheiten eingesetzt. Im Urlaub war sie immer dabei. Es ist sicherlich nicht das beste Objektiv, aber für den Preis in jedem Fall nicht verkehrt und für Anfänger sicherlich eine Überlegung wert. Eine etwa gleichwertige Alternative, sowohl von der Abbildungsleistung, als auch vom Preis, wäre das Tamron AF SP 70-300mm 4-5.6 Di VC USD. Dies ist für praktisch jede Kamera (Canon, Sony, Nikon…) erhältlich.
Hier ein Beispielbild:
Canon 450D; Canon 55-250 @180 mm; f14; 1/100; – Das Bild ist bereits vergrößert und naträglich geschärft (Lightroom).

– Samyang/Walimex 500 mm

Dieses Objektiv ist wahnsinnig billig und für den Preis gar nicht mal so übel. Für den Mond ist es mit Sicherheit die billigste Möglichkeit, an eine wirklich lange Linse zu kommen. Es ist wirklich mein bester Tipp für kleines Geld.
Es ist nicht zu 100% knackscharf, es lässt sich nur manuell fokussieren und es ist mit f8 sehr lichtschwach. Alle drei Punkte sind klar ein Nachteil, zumindest allgemein betrachtet.
In Hinblick auf den Mond bzw. die Mondfinsternis spielt das allerdings keine große Rolle:
Die Lichtschwäche ist egal, da der Mond enorm hell leuchtet; die manuelle Fokussierung ist beim Mond sowieso anzuraten bzw. sogar zwingend notwendig, da ein Autofokus oftmals versagt. Und die nicht absolut vorhandene Schärfe stellt auch kein großes Problem dar: Die Luftunruhe und weitere Faktoren sorgen zwangsläufig dafür, dass der Mond niemals ganz so scharf zu fotografieren ist wie ein Objekt am Tage in relativer Nähe.
Ich habe die Mondfinsternis 2015 mit einem sehr ähnlichen (aber noch wesentlich unschärferen) 500 mm Objektiv fotografiert. Die Bilder, die hier zu sehen sind, sind genau mit so einer Linse entstanden. (Siehe den Zeitraffer-Clip und die Informationsbilder im Artikel)

– Canon 200mm:

Das Canon 200mm ist eine fantastische Linse, die allerdings ihren Preis hat. Im Gegenzug bekommt man jedoch ein Objektiv, dass mit zu den Besten zählt, die es in diesem Brennweitenbereich gibt und das in unzähligen Situationen eingesetzt werden kann. Unter anderem auch für fantastische Deep-Sky-Aufnahmen. Weitere Beispiele in dieser Fotogalerie.
200 mm EF 2.8 – mehrere Fotos gestackt und geschärft.

Wenn Dir nun keine Brennweiten von 200 mm oder mehr zur Verfügung stehen und Du das Bild auch nicht nachträglich vergrößern oder ausschneiden willst, bleibt Dir noch eine weitere Möglichkeit:
Der Einsatz von Extendern.
Das ist eine einfache Möglichkeit, die Brennweite um Faktoren zwischen 1,4x und 2x zu vergrößern. So wird aus einem 500 mm Objektiv ein 1000 mm Objektiv. Hierbei geht zwar Lichtstärke verloren, aber das spielt bei einem so hellen Objekt wie dem Mond keine Rolle. Die geringe Verschlechterung der Abbildungsleistung ist ebenfalls zu verschmerzen, da sie von anderen Faktoren wie der Luftunruhe möglicherweise sogar überlagert wird.

 

C – Geeignete Stative

An sich eignet sich jedes Stativ und jeder Fotograf sollte daher bereits ein geeignetes Modell besitzen.
Falls Du jedoch als Anfänger die Mondfinsternis zum Anlass nehmen solltest, Dir jetzt zum ersten Mal ein gutes Einsteigermodell zu besorgen, so kann ich das weitverbreitete Rollei C5i wärmstens empfehlen. Es ist günstig und gut, das Preis-Leistungsverhältnis ist hervorragend und es wird Dich garantiert sehr lange begleiten. Wenn Du bisher so ein billiges 20.- Hama-Alsustativ hattest (das auch vor unzähligen Jahren mal mein erstes Stativ war), dann wirst Du Dich wundern, wie riesig der Qualitätsunterschied ist.
 
 

D – Weiteres notwendiges und/oder nützliches Zubehör

Neben Kamera, Objektiv und Stativ benötigst Du natürlich voll geladene Akkus und leere Speicherkarten.
Auch solltest Du daran denken, die richtigen Kleidungsstücke einzupacken und auch etwas zum Essen und Trinken nicht vergessen.
Es gibt aber auch ein paar technische Gerätschaften, die überaus nützlich sein können.

1. Programmierbarer Intervall-Fernauslöser

Willst Du nur ab und an ein einzelnes Foto des Mondes machen, so brauchst Du bestimmt keinen Fernauslöser; dann reicht ein Druck auf den Auslöser der Kamera.
Möchtest Du allerdings eine ganze Aufnahmeserie anfertigen oder sogar, wie unten beschrieben, einen Zeitraffer, dann ist ein programmierbarer Intervall-Fernauslöser Pflicht.
Ich nutze so ein Gerät seit unzähligen Jahren und könnte meine Fotos ohne nicht erstellen. In einem eigenen Artikel kannst Du alles Wissenswerte nachlesen:

Intervall-Timer-Fernauslöser DCCSystemMöchte man Startrails erstellen, benötigt man viele, richtig viele Bilder. Hierzu muss die Kamera regelmäßig ausgelöst werden.
Was eignet sich da besser als ein guter Intervall-Fernauslöser?
Doch nicht nur für Sternspuren ist dieses kleine Gerät praktisch unverzichtbar:
Selbstportraits, Langzeitbelichtungen, Zeitraffer, Gruppenfotos, Fotoserien…. es gibt unzählige Beispiele wie ich meinen Fernauslöser nutze.

Warum gerade dieser und was ich in 6 Jahren erlebt habe erfährst Du in diesem Artikel

 

2. Objektivheizung

Auch für die Objektivheizung gilt das Gleiche wie für den Fernauslöser: Für einzelne Fotos ist sie unnötig, denn da kannst Du Tau einfach vom Objektiv wischen.
Aber für eine Aufnahmeserie ist die Objektivheizung schon sehr wichtig. Denn Tau auf dem Objektiv hat schon so manche Aufnahmesession „vernebelt“ oder Zeitrafferaufnahmen vernichtet.
Da die Objektivheizung für mich ein absolutes Muss ist, gibt es auch dazu einen eigenen Artikel

Objektivheizung - Taukappenheizung - Heizmanschette gegen Tau auf dem Objektiv Die Objektivheizung ist wirklich eines meiner absoluten Lieblingsteile.
Das hat einen guten Grund: Während andere Gegenstände eine Hilfe oder Ergänzung sind, ist eine Objektivheizung in manchen Nächten fast schon eine Grundvoraussetzung. Oftmals ist die auch Taukappenheizung genannte Heizmanschette die einzige Möglichkeit Tau von der Linse fern zu halten. Hier gibt es Beschreibung, Funktionsweise, einen Test und Anwendungstipps aus der Praxis.

Befreie Deine Linse von Tau!

 

3. Astromontierung

Alle Objekte am Himmel scheinen zu wandern. Tatsächlich dreht sich die Erde und die Sterne stehen still. Der Mond hingegen bewegt sich tatsächlich um die Erde, wobei die sich natürlich auch weiter dreht.
Jedenfalls steht nichts am Himmel still.
Darum musst Du die Kamera immer wieder neu ausrichten, um den Mond im Bildfeld zu halten. Oder Du benutzt eine astonomische Nachführung. Dieses kleine Gerät hilft nicht nur, fantastische Fotos von Nebeln tief im Weltall zu fotografieren, sondern dreht die Kamera auch kontinuierlich mit dem Mond mit. So bleibt er während der Zeitrafferaufnahme dauerhaft an derselben Stelle des Fotos.
Ich brauche meine verschiedenen Astomontierungen zwingend für die Fotos der Objekte im Weltall, nutze sie aber auch für den Mond.
Wenn Du mehr erfahren willst, kannst Du hier alles nachlesen:

Astronomische Nachführungen - ÜbersichtDas lange Sammeln von Licht ist das A und O in der Astrofotografie, soll doch der Sternenhimmel, die Milchstraße oder gar ein schwacher Nebel hell leuchtend auf dem Foto erscheinen. Doch der Dauer einer Belichtung sind enge Grenzen gesetzt: Die Erdrotation begrenzt die Belichtungszeit.
Glücklicherweise gibt es auch für dieses Problem eine Lösung: Die astronomische Nachführung.
Sie dreht die Kamera mit den Sternen mit. Somit kann relativ lange belichtet werden und die Sterne bleiben dennoch punktförmig.
Dieser Artikel gibt Dir einen Überblick über die Funktionsweise dieser praktischen Geräte.

 

 

Stirnlampe

Eine Taschenlampe solltest Du schon mitnehmen, wenn Du die Mondfinsternis fotografieren gehst, denn zum Ende hin wird es richtig dunkel sein.
Viel sinnvoller ist jedoch eine Stirnlampe. Welche ich nutze und auch warum, erfährst Du hier in meiner Ausrüstungsliste.
 

Nachdem nun klar ist, dass sich fast jede Kamera eignet, Objektive eine lange Brennweite aufweisen sollten und neben einem Stativ auch weiteres Zubehör ganz sinnvoll sein kann, möchte ich Dir zeigen, wie Du Deine Kamera richtig einstellst und benutzt.




 
 

2. Die Umsetzung


Die richtigen Kameraeinstellungen – wichtig, aber kein Hexenwerk.
Weitere Hinweise zur Fotografie.

 

Einstellungen der Kamera

Die Einstellungen in der Kamera unterscheiden sich nicht von denen, die ganz allgemein bei der Fotografie des Nachthimmels genutzt werden.
Hast Du noch nie den Sternenhimmel fotografiert, kannst Du es hier nachlesen:

Die Milchstraße fotografieren lernen - Teil 1Im ersten Teil des Grundlagenkurses erfährst Du, welche Kameras sich eignen, um den Sternenhimmel und die Milchstraße zu fotografieren. Welches Zubehör brauchst Du unbedingt und was ist eine praktische Ergänzung? Der zweite Abschnitt beschreibt, wie Du Deine Kamera so einstellst und nutzt, dass Du das beste Ergebnis rausholen kannst. Starte jetzt!

 

Wie Du siehst, solltest Du sowohl beim Sternenhimmel als auch beim Mond alle drei Werte (Blende, Belichtungszeit, ISO + den Fokus) manuell selber einstellen.
Der Hauptunterschied zur Fotografie des Sternenhimmels sind die Belichtungszeit und den ISO-Wert sowie die Wahl der Blende. Beides bestimmt, wieviel Licht die Kamera in einer bestimmten Zeit aufnimmt.
Während beim Sternenhimmel grundsätzlich immer möglichst viel Licht gesammelt werden muss (der Nachthimmel ist ja recht dunkel), ist das beim Mond, auch beim verdunkelten Mond zum Zeitpunkt der vollständigen Bedeckung, nicht der Fall; Der Mond ist vergleichsweise hell. Das macht vieles einfacher!

Blende

Der Mond ist relativ hell. Das bedeutet: Wir können die Blende etwas schließen, was bei jedem Objektiv schärfere Bilder erzeugt. Sinnvoll ist ein Abblenden um rund 2 bis 4 Stufen bzw. auf einen Wert zwischen f5.6 und f8. Die meisten Objektive sind bei diesen Werten besonders scharf.

Belichtungszeit und ISO-Wert

Auch bei der Belichtungszeit und dem ISO-Wert haben wir freies Spiel. Wir können ISO und Belichtungszeit insoweit frei wählen, dass wir einen möglichst korrekt belichteten Mond abbilden. „Korrekt“ bedeutet hier: Die hellen Bereiche sind nicht überbelichtet, die dunklen nicht unterbelichtet. Wie bei dem Vergleichsbild oben zu sehen ist, habe ich teils mit höheren ISO-Werten und kürzeren Belichtungszeiten, teils umgekehrt gearbeitet (z.B. um 3:54 h gut zu erkennen).
Was allerdings wichtig ist:
Die Belichtungszeit oder der ISO-Wert müssen während der zunehmenden Verdunkelung angepasst werden. Eine Einstellung für die gesamte Mondfinsternis funktioniert nicht. Je dunkler der Mond wird, desto mehr Licht muss „gesammelt“ werden. Entweder über eine Erhöhung des ISO-Werts oder über die Verlängerung der Belichtungszeit.

Wenn Du Dir unsicher bist, welche Kombination aus ISO und Belichtungszeit die richtige ist, gibt es zwei Hilfmittel in fast allen Kameras:
Das Histogramm und die Über- und Unterbelichtungswarnung.

1. Histogramm
Ich kann an dieser Stelle das Histogram keinesfalls genau erklären. Wenn du noch nie davon gehört oder es noch nie benutzt hast, dann gebe ich Dir mal einen kleinen Einblick.
So schaut das Histogramm aus:

Rechts sind die hellen Bereiche eines Fotos, links die dunklen.
Ist Dein Foto unterbelichtet (also zu kurz belichtet oder bei zu niedrigem ISO-Wert), verteilt sich die Kurve vor allem links.
Umgekehrt zeigt ein überbelichtetes, zu helles Foto vor allem rechts seine Kurve.
Man kann sich für jedes gemachte Foto das Histogramm anzeigen lassen und erkennt so gut, ob die Belichtungszeit und/oder der ISO-Wert stimmen.
Manche Kameras blenden das Histogramm sogar im LiveView ein.
Ist ein Bild viel zu dunkel, also unterbelichtet („abgesoffen“), zeigt das Histogramm im linken Bereich dicke Balken, die bis ganz nach links ins „vollkommen Schwarze“ reichen.
Ist ein Bild hingegen viel zu hell, also überbelichtet („ausgebrannt“), zeigt das Histogramm im rechten Bereich dicke Balken, die ganz rechts ins „Reinweiß“ reichen.
Beides sollte vermieden werden, ein korrekt belichtetes Bild enthält vor allem in der Mitte und idealerweise über die gesamte Breite verteilt Lichtinformationen.
Korrekt belichteter Mond – Bildschirmfoto – Helligkeitswerte verteilen sich mittig im Histogramm
Überbelichteter Mond – Bildschirmfoto – Helligkeitswerte verteilen sich rechts im Histogramm

2. Die Über- und Unterbelichtungswarnung
Manche Kameras können bei einem Foto anzeigen, welche Bereiche über- oder unterbelichet sind. Hierzu muss im Menü diese Funktion angeschaltet werden.
Auf dem Monitor sind dann bei einem Foto die zu hellen und/oder zu dunklen Bereiche farbig markiert.
So schaut das bei Canon aus:
Überbelichteter Mond – Bildschirmfoto – Helligkeitswerte verteilen sich ganz rechts im Histogramm. Überbelichtungswarnung färbt überbelichtete Bereiche dunkel ein (Das sind hier alle Mondflächen, ohne die ‚mare‘).

Ein wichtiger Tipp zu Belichtungszeit bzw. ISO-Wert:

Auf den ersten Blick scheint es egal, ob Du mit einem hohen ISO-Wert und einer kurzen Belichtungszeit oder umgekehrt mit einer längeren Belichtungszeit und einem niedrigeren ISO-Wert fotografierst: Das Bild ist in beiden Fällen gleich hell. Möglicherweise tendierst Du dazu, den ISO-Wert niedrig zu halten, da Du fürchtest, Deine Kamera könnte zu sehr rauschen?

Du solltest dabei aber folgendes Bedenken: Der Mond bewegt sich um die Erde/die Erde dreht sich: Du fotografierst also ein bewegtes Objekt. Und bewegte Objekte verwischen bei langen Belichtungszeiten. (Du kennst das von Autos bei Nachtaufnahmen).
Klar! Der Mond ist kein Auto. Die Bewegung ist jetzt nicht sooo schnell. Aber dennoch: Bei langen Brennweiten und gleichzeitig langen Belichtungszeiten wird der Mond bereits aufgrund seiner Bewegung/der Erdrotation unscharf.
Darum mein Tipp:
Lieber mit einem hohen ISO-Wert und kürzeren Belichtungszeiten fotografieren.

Sehr grobe Richtwerte für die Belichtungszeit:
Bei 50 mm nicht länger als 3 bis 4 Sekunden belichten, bei 100 mm nicht länger als 3 Sekunden und bei 200+ mm nicht länger als 2 Sekunden, besser weit darunter (bezogen auf Vollformat, bei kleineren Sensoren wird die Zeit kürzer!).
Du musst Dich daran keinesfalls sklavisch genau halten! Es soll Dir aber verdeutlichen, dass Du nicht bei ISO 100 15 Sekunden lang belichten kannst und dabei noch ein scharfes Bild des Mondes erhälst.

Wenn Du gerne rechnest und einen perfekt scharfen Mond haben willst, dann kannst Du Dich an dieser Formel orientieren:
500/Brennweite/Crop-Faktor = maximale Belichtungszeit (wobei kürzer noch idealer ist!).
Beispiele:
500/200mm/1 = 2,5 Sekunden (200 mm an Vollformat)
500/135/1,6 = 2,4 Sekunden (135 mm am Canon-Crop – Faktor 1,6)
500/500/2 = 0,5 Sekunden (500 mm an MFT – Faktor 2)

Zusammenfassung der Kameraeinstellungen:

Es mag sich nach viel angehört haben oder evtl. auch kompliziert. In Wahrheit ist es das nicht, ich habe es nur ausführlich erklärt.
Du musst ja einfach nur den Mond manuell scharf stellen, die Blende auswählen (etwas schließen) und ISO + Belichtungszeit anpassen. Dabei ist das Histogramm und die Über- bzw. Unterbelichtungswarnung hilfreich. Mehr ist es nicht.
Da unsere Kameras alle einen Monitor haben, sehen wir das Ergebnis ja sofort. Und da die Mondfinsternis doch recht lange dauert, besteht mehr als eine Chance für ein Foto.
Versuche also, Dich an die richtigen Einstellungen heranzutasten. Es ist wirklich keine Kunst!

 
 
Checkliste Kamereinstellungen

Objektivmanueller FokusStabilizer aus
Blendeggf. etwas schließen, aber relativ offenblendig
ISOabhänig von der Verfinsterung und der Belichtungszeit; Je dunkler, desto höher. Je kürzer die Belichtungszeit, desto höher der ISO-Wert
Belichtungszeitabhängig von der Verfinserung und der Brennweite: Anfangs weit unter einer Sekunde, später bis zu einigen Sekunden.
Je länger die Brennweie, desto kürzer

 

Weitere Hinweise zur Fotografie

Neben den richtigen Kameraeinstellungen, also der technischen Seite, kommen noch zwei weitere Punkte mit in’s Spiel:
Der Bildaufbau und die Mondbewegung, der Ort, an dem er aufgeht und die Bahn, die er am Himmel zieht.

Solltest Du den Mond mit einer langen Brennweite aufnehmen, so spielt der Bildaufbau kaum oder keine Rolle. Es ist ja schließlich nichts weiter als der Mond selber zu sehen.
Solltest Du hingegen weitwinklig fotografieren, um auch die Landschaft und die Stimmung mit aufzunehmen, so ist es sehr sinnvoll, Dir rechtzeitig Gedanken darüber zu machen.
Dazu zählt einerseits ein hübscher Vordergrund und andererseits die richtige Himmmelsrichtung.
Zur Wahl des Vordergrunds kann ich Dir keine weitergehenden Tipps geben. Das bleibt Deinen Möglichkeiten und Deiner Kreativität überlassen.
Zum Auffinden der richtigen Himmelsrichtung kann ich Dir aber zwei Apps empfehlen:

1. Stellarium (kostenlos für PC, ein paar Euro für’s Smartphone)
Stellarium bietet einen korrekten viruellen Blick an den Nachthimmel. Tausende von Sternen, alle Planeten und natürlich auch Sonne und Mond werden absolut korrekt und sehr realistisch abgebildet. Es bietet somit eine gute Möglichkeit nachzuvollziehen, wie sich der Mond an genau diesem Abend an genau Deinem Standort bewegen wird.
2. PlanIt Pro
PlanIt ist eine kostenpflichtige und sehr umfangreiche App. Sie hilft, praktisch jedes Himmelsphänomen punktgenau zu planen. Mit PlanIt ist es u.a. möglich, sich den Mondaufgang und -verlauf über einer Google-Maps-Karte anzeigen zu lassen. So kannst Du Deinen Aufnahmestandort perfekt planen. Das Ganze natürlich auch in 3D, sodass Du jederzeit sehen kannst, ob z.B. Berge den freien Blick auf den Mond verdecken.

 



 
 

Zeitraffer der Mondfinsternis

Screenshot aus Lightroom: Teil einer Zeitraffer-Sequenz von 2015. Ein Bild ist entwickelt. Insgesamt habe ich bei der 2015-Mondfninsternis 9187 Fotos = 169 GB fotografiert (Allerdings mit mehreren Kameras parallel). Einen Großteil davon findet sich in dem hier gezeigten Zeitraffer-Clip.

Wenn Du noch nie einen Zeitraffer aufgenommen hast, dann solltest Du Dir ein paar Grundlagen aneignen. Denn die kann ich hier unmöglich alle erklären.
Aber ich kann Dir einige Tipps und Hinweise geben, basierend auf meinen Erfahrungen. Die bringen Dich evtl. weiter oder bewahren Dich vor Fehlern.
Erste „Gehversuche“ mit Zeitraffern solltest Du allerdings bereits gemacht haben.

An sich ist es nicht kompliziert, die Mondfinsternis im Zeitraffer festzuhalten. Es wird einfach im Abstand einiger Sekunden (abhängig von der Brennweite etwa alle 3 bis 8 Sekunden) ein Foto aufgenommen und diese Fotoserie später zu einem Clip verrechnet. Das Prinzip ist also genauso einfach, wie bei jedem anderen Zeitraffer.

Die einzige Herausforderung ist die richtige Belichtungszeit.
Denn die Helligkeit variiert, wie oben bereits angesprochen, zwischen dem vollkommen hellen Vollmond und der völligen Bedeckung um ein Vielfaches. Um den Mond immer richtig belichtet zu fotografieren, muss die Belichtungszeit in der Kamera kontinuierlich angepasst werden. D.h. beim langsamen Abdunkeln, dem Eintauchen in den Erdschatten, muss sie verlängert werden. Beim Austritt aus dem Erdschatten nach der Mondfinsternis muss sie wieder schrittweise verkürzt werden (alternativ kann natürlich auch der ISO-Wert angepasst werden).
Die Anpassung der Belichtung im Verlaufe eines Zeitraffers erfolgt übrigens bei Sonnenauf- oder Untergang genauso. Ich würde Dir daher dringend empfehlen, es zuvor mit der Sonne zu üben.

Das erste Bild ganz oben im Artikel zeigt die Veränderungen gut, daher hier nochmals zum nachsehen:

Verschiedene Einstellungen von ISO und Belichtungszeit während der Mondfinsternis 2015

Wie Du erkennen kannst, wird mit zunehmender Dunkelheit des Mondes die Belichtungszeit, aber auch der ISO-Wert, immer länger bzw. höher.
Wie oft man die Werte nachregeln muss, kann man nicht ganz genau sagen. Aber als Richtwert dient mir ganz grob ein Intervall von 3 bis 6 Minuten. Etwa so oft werde ich die Kamera nachregeln.
Bei der Mondfinsternis 2015 habe ich das insgesamt etwa 15 bis 20 Mal während der zunehmenden Verdunkelung gemacht.

Mein konkretes Vorgehen
Ich überlege zunächst, wo der Mond aufgehen und welche Bahn am Himmel er ziehen wird. Das ist immer von links unten nach rechts oben. Wie auch die Sonne und alle Himmelsobjekte wandert der Mond nach Westen. Ich habe natürlich bereits eine grobe Vorstellung davon, wie der Mond wandern wird. Dazu habe ich u.a. auch die oben angesprochenen Apps genutzt. Aber mit etwas Erfahrung lässt es sich auch direkt vor Ort problemlos planen.

Ist mir klar, welche Bahn der Mond nehmen wird, stelle ich meine Kamera auf.
Sie wird anhand eines sehr weit entfernten Gegenstands (z.B. eines Baums am Horizont) manuell scharf gestellt und die Kombination Belichtungszeit/Blende ermittelt. Teils aus Erfahrungswerten, teils mittels Testaufnahmen und Histogramm.

Zuletzt wird der Fernauslöser programmiert. (Beispielsweise: Ein Foto alle 6 Sekunden) und dann rechtzeitig vor dem Mondaufgang gestartet.
Gerade im Moment des Mondaufgangs ist es wichtig, jedes Foto (während der 6 Sekunden bis zur nächsten Auslösung) zu kontrollieren und zu überprüfen, ob die Belichtung passt.
Von nun an wird etwa alle 3 bis 6 Minuten ein Foto angeschaut und je nach Veränderung des Histogramms nachgeregelt.
Dabei darf die Aufnahmeserie natürlich nicht unterbrochen werden. Ich muss also die Sekunden zwischen zwei Fotos nutzen, um das letzte Bild anzusehen und mit einem Blick auf das Histogramm (das mit gleichzeitig auf dem Kameramonitor angezeigt wird) abschätzen, ob ich die Belichtungszeit/den ISO-Wert jetzt anpassen muss, oder ob ich nochmals ein paar Fotos abwarte. Muss ich den Wert anpassen, warte ich wieder das nächste Foto ab und habe nun erneut 6 Sekunden Zeit. Selbstverständlich muss ich dabei meine Kamera fast blind und sehr rasch bedienen können. Jeder Handgriff muss sitzen und die Kamera darf sich dabei absolut nicht bewegen.

Insgesamt hängt hier schon sehr viel von der Erfahrung ab. Daher kann ich Dir nur raten, es unbedingt mindestens einmal mit der aufgehenden Sonne (oder umgekehrt mit der untergehenden) zu testen.
Du musst Deine Kamera gut bedienen können. Wichtig ist es in jedem Fall, die Belichtungseinstellungen in sehr vielen, sehr kleinen Schritten anzupassen. Also eben alle paar Minuten um ein oder zwei Werte zu vergrößern. Nicht alle 15 Minuten mit großen Schritten.

So ein Zeitraffer mit Belichtungsveränderung ist der „heilige Gral“ der Zeitraffer-Fotografie. Es ist keinesfalls unfassbar schwer, aber ganz ohne eine gewisse Erfahrung mit der Erstellung von Zeitraffern kann doch so einiges schiefgehen.
Trotzdem würde ich Dir raten, es zu versuchen, gerade wenn Du mehr als eine Kamera hast. So kannst Du den Zeitraffer mehr oder weniger ’nebenbei‘ laufen lassen und mit der anderen Kamera schöne Einzelfotos des Mondes machen. Einen Versuch ist es wert!
Falls Dir ein Zeitarffer gelingt, so würde ich mich freuen, wenn Du ihn mir zeigst, indem Du mir einen Link schickst. Danke!

 
 

Freundliches Schlusswort

Ja! Das war wirklich viel. Falls Du das alles gelesen haben solltest: Respekt! Aber wahrscheinlich hast Du nur quergelesen und die für Dich wichtigen Aspekte heraus gepickt. Das ist absolut ok. Solange Du die Infos gefunden hast, die Du gesucht hast, bin ich zufrieden.
Hier nochmals eine grobe Checkliste:

Checkliste Mondfinsternis

ToolAnmerkungenCheck?Weiterführende Links
Kamera(s)- Idealerweise 2 Stück+
- Bedienung auch im Dunkeln vertraut
Objektiv(e)- ab 100 mm
- ideal ab 500 mm
- optional Weitwinkel für Stimmungsaufnahmen mit Landschaft
Stativ- stabil
Speicherkarten- ausreichend groß
- geleert
Akkus- voll geladen
Fernauslöser- programmierbarer Fernauslöser mit Intervallfunktion
Objektivheizung- sehr sinnvoll
Astronachführung- sehr sinnvoll
Stirnlampe- sehr praktisch
Trinken, Essen, Kleidung- nicht vergessen!
- nach persönlichem Geschmack

Du hast sicherlich gemerkt, dass ich mir viel Mühe gegeben habe, alles Relevante aufzuschreiben und Dich an meiner eigenen Erfahrung teilhaben zu lassen. Falls Du dennoch immer noch Fragen hast, so zögere nicht, sie zu stellen. Entweder unten in den Kommentaren oder auch per Email oder über eine Nachricht bei Facebook.
Falls Dir der Artikel einfach so gefallen hat, dann freue ich mich natürlich auch über ein einfaches Danke.
Denn ohne die Leser wäre sternenhimmel-fotografieren.de nur der halbe Spaß.

Ich freue mich daher auch, wenn Du mich bei Facebook oder Instagramm besuchen kommst, mich anderweitig kontaktierst oder unterstützt.

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Dein Vorname

 

Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen:
Viel Spaß und Erfolg mit der Mondfinsternis. Ich wünsche Dir von Herzen, dass es ein unvergessliches Erlebnis wird.
Wenn Du mir Fotos davon schicken möchtest, so freue ich mich sehr. Falls Du magst, veröffentliche ich sie auch.
Alles Gute
Adam – sternenhimmel-fotografieren.de

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Weitere Beiträge

6 Gedanken zu „Mondfinsternis fotografieren und beobachten

    • Hallo Markus.
      Freut mich, dass es Dir gefällt.
      Als Wiener bist Du ja mit einem sehr frühen Mondaufgang gesegnet. 🙂
      Viel Erfolg bei der Mondfinsternis.

  1. Einr ichtig Guter Artikel, um die Woche motiviert zu starten. Jetzt hat man wieder etwas, worauf man sich die nächsten Tage freuen kann.
    Ich denke, mit dieser Anleitung werde ich gut gerüstet sein, dieses Ereignis mal fotografisch festzuhalten. Gesehen habe ich es schon.
    Auch fühle ich mich mit meinen Investitionen bestärkt, da du kein Vertreter der Kategorie Fotograf bist, die sagen, günstige Objektive für bestimmte Zwecke sind nichts.

    MAch bitte weiter so und auf hoffentlich gutes Wetter.

    Hier in Köln wird es zeitlich ja leider etwas spät, um alles sehen zu können. Wenigstens das wichtigste bekomme ich mit.

    Grüße

    Tobias

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