FAQ – für Anfänger und Fortgeschrittene

Die Liste der FAQ (frequently asked questions, wiederkehrende Fragen) ist eine Ergänzung zum dreiteiligen Einsteigerkurs „Den Sternenhimmel und die Milchstraße fotografieren lernen“ und soll einen schnellen Überblick ermöglichen.

Ich bin schon fortgeschrittener Anfänger. Hilft mir das hier trotzdem?
Ich will mit Deep-Sky anfangen. Wo gibt es Hinweise?

Scroll einfach weiter runter. Je weiter es runter geht, desto ‚komplizierter‘ wird es und somit auch für Fortgeschrittene interessant.

 
 

1. Grundlegende Technik

 
Was brauche ich, um Astrofotos zu machen?
Kamera, Objektiv und Stativ, das reicht für den Anfang.
Dazu ein Programm zum Entwickeln der Bilder. Sehr gut sind Lightroom und Photoshop, aber auch das kostenlose Gimp und andere Kaufprogramme sind möglich.

 
Welche Kamera eignet sich?
Ideal sind Spiegelrefelex- und Systemkameras.
Vollformatsensoren bieten Vorteile, aber eigentlich eignen sich alle Kameras.
Du kannst auch mit Deiner 10 Jahre alten Kamera tolle Bilder machen!

Die aktuell beste Kamera ist wohl die Sony a7s, gefolgt von der Canon 6D.
Toll sind auch Astrokameras (normale Kameras, bei denen ein Filter vor dem Sensor entfernt wurde).

 
Welches Objektiv, welche Brennweite soll ich wählen?
Ganz einfach: Für Anfänger sind Weitwinkellinsen die beste Wahl.
Mit ihnen kann man am längsten belichten und hat schnell ein Erfolgserlebnis.
Ohne weitere technische Hilfsmittel eignen sich Brennweiten bis zu 50mm (ideal 10 bis 24mm).
Festbrennweiten sind (physikalisch bedingt) immer schärfer und besser.

 
Welches Objektiv soll ich kaufen?
Am Anfang überhaupt keines!
Teste erstmal das, was Du hast, (z.b. das 18-55 mm Standard-Kitobjektiv).
Finde heraus, welche Brennweite Dir gefällt und ob Du dauerhaft Spaß an der Sache hast.

Folgende Linsen sind jedenfalls gut geeignet:

  • Samyang 14mm 2.8 (bestes Preis/Leistungsverhältnis)
  • Irix Firefily 15mm 2.4 (etwas besser, etwas teurer)
  • Die Sigma ART Reihe (z.B. das Sigma 24mm 1.4)
  • Die Zeiss Batis Reihe (sehr gut, sehr teuer)
  • Samyang 35mm 1.4 (knackscharf, sehr lichtstark)
  • Mitakon 50mm 0.95 (scharf, unglaublich lichtstark)
  •  
    Für Deep-Sky und Widefield-Aufnahmen:

  • Samyang 135
  • Canon 200mm 2.8
  •  
    Ich habe kein Stativ – welches soll ich kaufen?
    Die Auswahl ist riesig, ebenso die Preisunterschiede.
    Gerade als Anfänger ist man vollkommen überfordert, doch eins ist sicher:
    Kauf Dir in keinem Fall ein wackliges Alu-Billigteil für 20.- Euro, denn damit wirst Du keine Freude haben.

    Es gibt viele verschiedene Faktoren, die die Wahl eines Stativs beeinflussen können.
    Für die nächtliche Astrofotografie (lange Belichtungszeiten, oftmals abseits der ‚Zivilisation‘, ggf. schwerere Geräte) sind folgende Punkte wichtig:

  • Es muss absolut stabil stehen und sich auch über längere Zeiten nicht verziehen, verbiegen oder in irgendeiner Form nachgeben. Anderfalls wäre die Langzeitbelichtung hinüber. Dasselbe gilt für den (Kugel-)Kopf. Auch er muss absolut fest halten.
  • Das Stativ sollte tragbar sein. Also weder zu schwer, noch zu groß.
  • Das Stativ sollte eine gewisse Tragkraft mitbringen. Möchtest Du später evtl. eine kleine Nachführung nutzen, sollte es auch mit diesem Zusatzgewicht zurechtkommen.
  • Wenn Du also nun vollständig ahnungslos bist, sind diese Stative im Preisbereich zwischen 50 und 120 Euro ein guter Startpunkt, um Dich zu informieren:

  • Mantona DSLM
  • Rollei C5i
  • Manfrotto Befree
  • Am besten gehst Du in ein Fotofachgeschäft und lässt Dich dort beraten.

     
    Welches Zubehör ist sinnvoll oder notwendig?
    Am Anfang:

  • Fernauslöser (hier mein Artikel dazu)
  • rote Stirnlampe
  •  
    Später:

  • Objektivheizung (hier mein Artikel dazu)
  • Reisenachführung (hier mein Artikel dazu)
  • astromodifizierte Kamera
  •  
    Im Winter:

  • Warme Kleidung (hier meine Tipps gegen Frieren beim Fotografieren)
  •  
    Was muss ich in meiner Kamera einstellen?
    Alles muss manuell eingestellt werden, Automatiken funktionieren nicht!

  • Fotografiere unbedingt im RAW-Modus!
  • ISO-Wert auf 1600 (bei guten, modernen und Vollformatkameras auch höher).
  • Blende am Objektiv am Anfang möglichst weit auf, für optimale Schärfe etwa 2 Stufen abblenden.
  • Weißabgleich auf einen festen Wert. Entweder ‚Tageslicht‘ oder 3800 K.
    Der Weißabgleich wird beim Entwickeln festgelegt.
  • Interne Rauschreduktion ausschalten.
  • Interne Bildstabilisatoren in Kamera oder Objektiv ausschalten.
  • Belichtungszeit ist abhängig von der Brennweite (siehe nächster Punkt).
  •  
    Wie lange kann/soll ich belichten?
    So lange wie möglich, aber so kurz, dass keine Striche, sondern punktförmige Sterne entstehen.
    Dafür gibt es eine Formel:

  • Crop-Sensor: 300/Brennweite = Belichtungszeit
    Beispiel: 300/18mm = 16,6 Sekunden
  • Vollformatsensor: 500/Brennnweite = Belichtungszeit
    Beispiel: 500/24mm = 20,8 Sekunden
  • Die Zahl wird abgerundet und ist nur ein Richtwert.

     
    Warum werden Sterne zu Strichen und was kann ich dagegen machen?
    Sterne werden zu Strichen, weil sich die Erde unter den Sternen dreht.
    Wir sagen zwar: „Die Sterne wandern“, aber in Wirklichkeit stehen sie fest und wir drehen uns unter ihnen weg.
    Um punktförmige Sterne auf den Fotos zu haben, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Nicht zu lange belichten. Mit oben genannter Formel lässt sich die Belichtungszeit berechnen.
  • Eine Nachführung benutzen. Dieses kleine Gerät dreht die Kamera mit den Sternen mit, so kann man mehrere Minuten belichten, ohne dass es zur Strichbildung kommt.
  •  
     
    Wie stelle ich nachts scharf?
    Manuell. Der Autofokus kann nachts nicht helfen!
    Drei Möglichkeiten:

  • Tagsüber scharf stellen an einem sehr weit entfernten Objekt und Fokus mit Klebeband fixieren.
  • Nachts an einem sehr weit entfernten Licht fokussieren.
  • Nachts mit Liveview und 10x Zoom auf einen sehr hellen Stern, Planeten oder den Mond fokussieren.
  • Meine Anleitung:
    Fokussieren in der Nacht – Sterne scharf fotografieren

     
    Wann fotografiere ich?
    Natürlich wenn es dunkel ist.
    Ein Artikel dazu:
    Wann ist es wirklich dunkel – Gedanken über die Dunkelheit
    Aber auch andere Faktoren sollten passen:
    Der richtige Zeitpunkt für Astrofotografie

     
    Wo fotografiere ich?
    An möglichst dunklen Orten. Also außerhalb der Stadt:
    Dunkle Orte finden

     
    Wann kann ich die Milchstraße fotografieren?
    Eigentlich immer. Aber den besonders schönen Teil (galaktisches Zentrum) nur von März bis Oktober.

  • Im März am frühen Morgen von etwa 4 bis 5:30 Uhr
  • Im April ab etwa 3 Uhr
  • Im Mai ab etwa 2 Uhr
  • Im Frühsommer um Mitternacht
  • Ab August direkt nach Sonnenuntergang
  •  
    Wo finde ich die Milchstraße?
    Immer mehr oder weniger im Süden.
    Im Frühjahr leicht östlich, im (Früh-)Sommer genau im Süden, im Spätsommer und Herbst leicht westlich.
    Im Frühjahr liegt die Milchstraße quer über dem Horizont, später steht sie schräg am Himmel und ab dem Sommer fast senkrecht von unten nach oben.

     
    Wie finde ich mich am Himmel zurecht?

  • Mit einer drehbaren Himmelskarte
  • Mit Wissen, das man sich mit der Zeit aneignet, dafür sind Bücher die beste Wahl
  • Mit Programmen und Apps
  •  
    Meine Kamera beschlägt und ich hab Tau auf dem Objektiv. Was kann ich dagegen machen?
    Alle paar Minuten trockenreiben. 😉
    Oder gleich eine gute Objektivheizung verwenden.
    Hier der Artikel dazu: Nie mehr Tau auf der Linse.

     
    Was mache ich mit den fertigen Bildern? Wie entwickle ich sie?
    Es gibt viele Möglichkeite,n Astrofotos zu entwickeln.
    Für ’normale‘ Aufnahmen, also Weitwinkelbilder des Sternenhimmels und der Milchstraße (mit Landschaft) habe ich zwei Tutorials geschrieben:
    1. Fotos des Sternenhimmels entwickeln – Ausführliche Anleitung
    2. Fotos der Milchstraße entwickeln – Kürzer, basierend auf 1.

     
    Wie hast du eigentlich angefangen?
    Wie die meisten: Mit einfachen Bildern von ‚Landschaften mit Sternenhimmel‘
    Genau hab ich das in einem zweiteiligen Artikel beschrieben:
    Mein Weg zu den Sternen – von Landschaftsfotos zu Deep-Sky – Teil1
    Mein Weg zu den Sternen – von Landschaftsfotos zu Deep-Sky – Teil2 (in Arbeit)

     
     

    2. Weiterführende Technik

     
    Kann ich als Anfänger auch Deep-Sky-Aufnahmen machen?
    Ja, aber….
    Ohne Nachführung ist es schwieriger und die Ergebnisse nicht so toll, aber es geht.
    Jedoch eignen sich nur sehr wenige Objekte dafür. Ideal sind die Plejaden, der Orionnebel und die Andromedagalaxie.

     
    Ich möchte mit Deep-Sky anfangen. Was brauche ich?
    Für den absoluten Anfang nichts besonderes.
    Stativ, Kamera, ein 50mm (bis 100mm) Objektiv und etwas Geduld.
    50mm sind kein Muss, aber ein guter Kompromiss. Damit kannst Du noch akzeptabel lange belichten und kommst dennoch schon einigermaßen ‚tief in’s All.‘
    Mehr als 100mm würde ich nicht empfehlen.
    Eigentlich benötigt man eine Nachführung (siehe unten), aber für die ersten Versuche solltest Du kein Geld ausgeben. (Allerdings ist ein Intervall-Fernauslöser jezt schon fast zwingend, ohne wird es sehr kompliziert).

  • Such Dir ein großes Objekt am Himmel (Im Sommer z.B. den Nordamerikanebel, im Herbst Andromeda, im Winter den Orionnebel, die Plejaden).
  • Stell Deine Kamera auf das Stativ, berechne mit der Formel (siehe oben) für Deine Objektivbrennweite die maximale Belichtungszeit und mach einfach mal 50 oder sogar 100 Fotos.
  • Stacke sie (siehe unten), strecke sie (siehe unten) und entwickle sie in Photoshop, Lightroom, Gimp oder anderen Programmen.
  •  
    Hast Du den Workflow grob kennengelernt und verstanden und hast dann auch Dein erstes Ergebnis: Freu Dich erstmal!
    Willst Du jetzt immer noch mehr, dann wird es Zeit, dass Du Dir eine (kleine) Montierung/Nachführung kaufst!

     
    Was bedeutet ’stacken‘?
    ‚To stack‘ bedeutet stapeln oder aufhäufen.
    In der Astrofotografie ist damit das Verrechnen mehrerer (oftmals über 100) Bilder des selben Objekts oder der selben Himmelsregion gemeint.
    Einerseits können dadurch feine Details und schwach leuchtende Objekte sichtbar gemacht werden, andererseits wird das Rauschen der Bilder deutlich gemindert.
    Aber auch bei Landschaftsaufnahmen mit hohen ISO-Werten und/oder langen Belichtungszeiten kann durch das Stapeln mehrerer Aufnahmen die Bildqualität gesteigert werden.

     
    Wie wird ‚gestackt‘?
    Man kann es mit aktuellen Versionen von Photoshop machen oder mit dem kostenlosen Programm Deep Sky Stacker.
    Eine deutschsprachige Anleitung findet sich auf der Internetseite

     
    Das ‚gestackte Bild‘ sieht furchbar aus. Was mache ich falsch?
    Nichts. In dem Bild sind wahnsinnig viele Informationen enthalten, die erst richtig ‚verteilt‘ werden müssen. Das Bild muss ‚gestreckt‘ (gestretched) werden.

     
    Was bedeutet ‚Strecken‘ (oder ‚Stretchen‘)?
    Ein gestacktes Bild enthält allerlei Licht- und Farbinformationen. Die sind allerdings noch nicht richtig verteilt.
    Beim Strecken werden sie (vereinfacht ausgedrückt) entlang einer Linie von hell nach dunkel angeordnet. Man könnte auch sagen, es findet eine Kontrastverteilung statt.
    Dunkle Bereiche werden dunkler, helle Bereiche heller und Bereiche ohne Informationen werden abgeschnitten. Die Bildinformationen werden richtig skaliert, der Schwarz- und der Weißwert werden gesetzt.

     
    Wie wird ‚gestreckt‘?
    Auch das lässt sich mit Photoshop machen, besser geht es jedoch mit dem kostenlosen Programm Fitswork.
    Auf Youtube gibt es gute Anleitungen dazu.

     
    Was ist eine Nachführung?
    Eine Nachführung oder astronomische Montierung (manchmal auch Astromontierung, Star- oder Sky-Tracker genannt) ist ein Gerät, das mit Hilfe von Motoren die Kamera oder ein Teleskop mit den Sternen mitbewegt. (Es gibt auch manuelle Nachführungen ohne Motoren).
    Die Sterne wandern ja nicht einfach geradlinig in eine Richtung über den Himmel, sondern beschreiben einen Bogen. Daher muss das Teleskop oder die Kamera auf zwei Achsen mitbewegt werden.
    So kann z.B. ein Objekt beobachtet werden, ohne dass es aus dem Gesichtsfeld wandert. Bei der Fotografie ist das praktisch die einzige Möglichkeit lange Belichtungszeiten zu realisieren.
    Mein Übersichtsartikel erklärt alles etwas ausführlicher: Nachführungen für die Astrofotografie.

     
    Welche Nachführung benutzt Du?
    Ich habe drei verschiedene.
    Welche, steht in der Ausrüstungs-Liste.
    Zwei davon hab‘ ich in eigenen Artikeln genau beschrieben:
    Skywatcher Star Adventurer
    Vixen Polarie

     
    Was bedeutet ‚Einnorden‘?
    Damit sich eine Astromontierung richtig mit den Sternen mitbewegt, muss sie auf eine bestimmte Art aufgestellt werden. Die Drehbewegung der Motoren muss mit der Drehung der Erdachse synchronisiert werden.
    Hierzu wird sie (auf der Nordhalbkugel) auf den nördlichen Himmelspol ausgerichtet; Sie wird eingenordet.
    Auf der Südhalbkugel wird sie somit ‚eingesüdet‘.

     
    Was bedeutet ‚GoTo‘?
    GoTo, (eigentlich „go to“ für „gehe zu“) ist eine Ergänzung zu motorbetriebenen Nachführungen. Ohne ‚GoTo‘ muss man ein Objekt am Himmel selber finden, was nicht immer besonders einfach ist. Allerdings sehr lehrreich.
    Ein GoTo-System ‚weiß‘ wie das Teleskop aktuell in den Himmel blickt und kann somit auf Knopfdruck auch andere Bereiche des Himmels anfahren. Hierzu wird aus einer Datenbank das gewünschte Objekt gewählt und die Motoren bewegen das Teleskop treffsicher zum Ziel.
    GoTo darf nicht mit Guiding verwechselt werden, was ein nicht seltener Anfänger-Fehler ist.

     
    Was bedeutet ‚Guiding‘?
    Ein ‚Guide‘ ist ein Führer oder Reiseleiter. ‚To guide‘ bedeutet leiten oder lenken.
    Das gibt auch schon einen ersten Anhaltspunkt, was ein Auto-Guider macht: Er lenkt oder steuert eine Nachführung.
    Die Nachführung selber beruht einzig auf einer stetig gleichbleibenden Bewegung mechanischer Bauteile wie Zahnrädern und Schnecken. So folgt sie den Sternen am Himmel. Das funktioniert auch gut.
    Die Mechanik kann aber niemals perfekt arbeiten und auch die Aufstellung des Teleskops unterliegt immer einem gewissen Fehler.
    Der Auto-Guider erkennt diese Fehler, analysiert sie und sendet Steuerbefehle an die Montierung. Somit wird der Fehler minimiert bzw. eliminiert.
    Die Funktionsweise ist folgende:
    Eine kleine, aber hochauflösende Kamera filmt kontinuierlich einen Stern ab.
    An diese Kamera wird ein Computer (entweder als Laptop oder als eigenständige kleine Box) angeschlossen. Die Software erfasst dabei die Abweichung des Sterns von dem festgelegten Punkt auf einen Pixel genau. Die Abweichung entsteht wie beschrieben durch die mechanischen Fehler der Montierung.
    Die Abweichung wird sodann analysiert und die Autoguider-Software sendet Steuerbefehle an die Nachführung. Vereinfacht ausgedrückt wird die Montierung kurz gestoppt, wenn der Stern zu weit voraus wandert oder kurz beschleunigt, wenn der Stern hinter dem vorgegebenen Punkt zurück bleibt.
    Nur mit einem Guiding-System ist es möglich, trotz mechanischer Schwächen der Montierung, viele Minuten lang zu belichten. Bei guten Systemen sind so Einzelbelichtungszeiten von 30 Minuten möglich.

     
    Was sind Darks, Flats, Bias?
    Kurz: Das sind drei verschiedene Arten von Bildern ohne den eigentlichen Bildinhalt. Sie enthalten nur die Daten verschiedener Fehlerquellen und werden vom eigentlichen Bild (Light) abgezogen. Es sind also Korrekturbilder.

    Genauer: Das eigentliche Bild nennt man Light. Das ist das Bild, auf dem man das sieht, was man fotografiert hat, beispielsweise einen Nebel. Also das normale Foto.
    Ganz viele dieser Lights werden gestackt (gestapelt, siehe oben) und ergeben dann das gestackte Bild, das Master-Light.
    In diesem Bild sind alle Informationen enthalten, die der Sensor aufzeichnet. Das ist einerseits das Licht, das aus dem All auf den Sensor fällt und unser (normales) Bild erzeugt. Andererseits sind in dem Light auch alle Fehler mit aufgezeichnet. Es gibt verschiedene Fehlerquellen.
    Mit den anderen Bildern (Darks, Flats und Bias) kann man nun die Fehler wieder aus dem Bild entfernen. Diese Bilder enthalten nämlich jeweils nur die Informationen über die Fehler. Zieht man sie nun von dem Master-Light ab, sind die Fehler im Idealfall eliminiert.
    (Normales Foto mit Fehlern minus Korrekturbilder = normales Foto ohne Fehler).
    Drei Bilder für drei Haupt-Fehlerquellen bzw. die dazugehörigen Korrekturbilder:

  • Darks: Jeder Kamerasensor erzeugt bei längerer Belichtungszeit und höheren Isowerten ein gewisses Rauschen (Dunkelrauschen und Verstärkerrauschen genannt). Auch sind in den meisten Sensoren einzelne Pixel ‚kaputt‘. Die Darks zeichnen nur diese Art des Rauschens und die ‚kaputten‘ Hot-Pixel auf. Es sind also fast schwarze Bilder (darum Darks), die nur ein leichtes Rauschmuster enthalten. Zieht man die Darks vom Master-Light ab, verschwindet das Rauschen.
  • Flats: Jedes Objektiv wird zum Rand hin mehr oder weniger dunkler. Das nennt man Vignettierung. In den Flats wird nur die Vignettierung fotografiert. Sie sind also weiß und werden zum Rand hin dunkler. Zieht man diese nun vom Master-Light ab, ist dort die Vignettierung verschwunden. Der zweite Effekt, der allerdings genauso wirkt, ist Staub auf dem Objektiv und/oder dem Kamerasensor. Meist kann man ihn nicht direkt sehen, aber er erzeugt abgedunkelte Flecken. Auch diese werden durch die Flats mit entfernt.
  • Bias: Bias sind den Darks sehr ähnlich. Auch sie zeichnen Rauschen auf, allerdings eine andere Form. Daher werden sie auch anders aufgenommen. Hierbei handelt es sich um das sog. Ausleserauschen.
  •  
    Übrigens: Auch wenn es sich so anhören mag, die Fehler sind nicht gravierend und mehr oder weniger in jedem(!) Foto enthalten. Nur fällt das meist nicht störend auf. Man sollte sie also nicht überbewerten.

     
    Wie erstelle ich Darks, Flats und Bias Bilder?
    Jedes der drei Korrekturbilder wird anders aufgenommen.

  • Darks: Diese ‚Dunkelbilder‘ werden mit geschlossenem Objektivdeckel aufgenommen. Dabei müssen alle Einstellungen (ISO, Belichtungszeit und Außentemperatur) identisch mit denen der Lights sein.
    Daher nimmt man sie am Besten während oder am Ende einer Bildserie auf. Das Fotografieren der Darks dauert am längsten, da sie genauso lange belichtet werden wie die Lights.
  • Flats: Diese ‚hellen Bilder‘ können auf verschiedene Arten aufgenommen werden. Für Anfänger ist es am einfachsten, ein weißes Tuch (oder T-Shirt) straff vor die Linse zu spannen. Es muss dabei völlig faltenfrei sein, ein etwas dickerer und engmaschigerer Stoff eignet sich besser. Auf keinen Fall darf sich im Foto ein Muster abzeichenen. Das ist enorm wichtig.
    Einstellungen: Man nutzt die AV-Einstellung der Kamera, so dass ein die automatische Belichtungseinstellung der Kamera ein helles Bild erzeugt.
    Der ISO-Wert muss identisch mit dem der Lights und Darks sein. Die Temperatur ist allerdings egal.
    Der Fokus des Objektivs (und ggf. der Zoom-Faktor) muss in jedem Fall gleich bleiben.
    Profis verwenden eine Flatfieldbox, die eine gleichmäßige Ausleuchtung des Objektivs ermöglicht. Eine ungleichmäßige Ausleuchtung oder Muster des verwendeten Stoffs bringen neue Fehler in das Endergebnis. Die Flats sollen gleichmäßig weiß sein, nur die Objektivvignettierung und ggf. Staub auf dem Sensor sollten sichtbar sein.
  • Bias: Die einfachste Version der Korrekturbilder. Genau wie bei den Darks wird mit geschlossenem Objektivdeckel fotografiert. Allerdings mit der kürzesten möglichen Belichtungszeit der Kamera (meist 1/4000 oder 1/8000). Aufgrund der kurzen Belichtungszeit ist eine Serie von Bias-Bildern in wenigen Sekunden aufgenommen. Einzig der ISO-Wert muss identisch mit den Lights sein. Die Temperatur ist egal.
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    Wie viele Korrekturbilder werden aufgenommen?
    Einige. Ein guter Richtwert sind jeweils etwa 10 bis 20.

     
    Soll ich Darks, Flats, Bias aufnehmen?
    Auch wenn Du etwas anderes gelesen hast, sage ich ganz klar: Nein!
    Es ist gerade für Anfänger ein völlig unnötiger Aufwand und die geringe Qualitätsverbesserung steht wirklich in keinem Verhältnis dazu.
    Und machst Du einen Fehler dabei, schauen Deine Bilder danach schlechter aus als ohne diese ‚Spezialbilder‘. Gerade schlecht und ungleichmäßig aufgenommene Flats sind die perfekte Quelle, um Astroaufnahmen zu verschlechtern und tolle Bildfehler hinein zu rechnen.
    Wenn Du es unbedingt machen möchtest, dann mach Bias-Bilder, denn das ist in wenigen Minuten erledigt.
    Für Fortgeschrittene und Leute mit echt guter Ausrüstung, die schon sehr geübt sind und ihr Equipment gut beherrschen macht das Ganze natürlich schon Sinn. Aber Anfängern möchte ich davon wirklich abraten.

     
     
    Hast Du noch weitere Fragen oder Ideen, was in diese FAQ unbedingt hinein sollte? Schreib mir bitte einen Kommentar.
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