Die Milchstraße fotografieren lernen 2

Wie man den Sternenhimmel am besten fotografiert
Ein Anfängerkurs in drei Teilen

 
 

Zweiter Teil – Die Umsetzung

Herzlich willkommen zum zweiten Teil des Grundlagenkurses.
In Teil 1 haben wir uns ja die technischen Voraussetzungen angesehen. Was auf den ersten Blick vielleicht kompliziert wirkte, hat sich als gar nicht so schwierig rausgestellt, oder?
Du weißt nun, welche Kamera und welches Zubehör geeigenet sind und auch, wie Du alles selber so einstellst und nutzt, dass Du das Maximum herausholen kannst.

Hier geht es nun um die Vorbereitung und die Ausführung vor Ort.
Folgende Themen werde ich ansprechen. Sie werden Dir helfen mit dem nun vorhandenen technischen Wissen Deine Fotos vom Sternenhimmel zu machen.
 
Teil 1 – Planung ist alles
Vom richtigen Aufnahmeort
Von der richtigen Aufnahmezeit
Die Milchstraße und andere Objekte am Himmel finden
Teil 2 – Die Ausführung – Jetzt wird fotografiert
Das erste Bild machen
Weitere nützliche Tipps

Die beste Ausrüstung ist nutzlos, wenn Ort und Zeit nicht stimmen.
Du musst Dir also einen dunklen Ort suchen und auch den richtigen Zeitpunkt erwischen. Denn in hellen Städten kann man kaum Sterne sehen, aber selbst die dunkelsten Orte sind für Sternenfotografie nutzlos, wenn der Vollmond am Himmel steht. Andererseits ist jeder Versuch, den Vollmond zu fotografieren aussichtslos, wenn gerade Neumond ist.
Darüber hinaus musst Du die Milchstraße, das Sternbild oder was immer Du fotografieren willst, am nächtlichen Himmel finden.
Von daher gilt: „Planung ist alles“.

 

Vom richtigen Aufnahmeort – Gedanken zum „Wo?“

Zunächst benötigst Du also einen geeigneten Ort.
Die Wahl des Aufnahmeortes unterliegt zwei Gesichtspunkten:
– Die Dunkelheit: Wichtig für die Sichtbarkeit von Sternen und der Milchstraße
– Das Motiv: Wichtig für die Gestaltung des Bildes
 
Da es hier ja um das Fotografieren des Sternenhimmels und der Milchstraße geht, steht Dunkelheit an erster Stelle. Aufnahmen des Mondes stellen eine Ausnahme dar.
Dunkelheit ist, neben Kamera und Objektiv, wirklich der wichtigste Faktor, wenn es um Fotos des nächtlichen Himmels geht. Die Wahl eines dunklen Ortes ist somit von herausragender Bedeutung.
 
Du wohnst am Land oder kennst eine dunkle Gegend? Prima!
Aber wenn Du mitten in der Stadt wohnst oder Dir nicht sicher bist, wo es wirklich dunkel ist, dann hilft Dir vielleicht mein Bericht über das Auffinden wirklich dunkler Orte weiter.

Schwarzer Sternenhimmel über den AlpenEin wirklich dunkler Sternenhimmel in den Alpen

Über die Dunkelheit hinaus ist der richtige Aufnahmeort auch noch hinsichtlich der Motivgestaltung relevant. Soll eine Gebirgslandschaft mit Sternenhimmel fotografiert werden? Oder der aufgehende Mond über einer beeindruckenden Skyline? Soll sich die Milchstraße evtl. in einem See spiegeln oder die Mondsichel hinter einer Kirchturmspitze erscheinen?
Hier hilft Dir mein Artikel über die Motivgtestaltung weiter.

    Zusammengefasst:

Das „Wo“ entscheidet a) über die Dunkelheit und somit über die Sichtbarkeit von Sternen und der Milchstraße und b) über das Vorhandensein bestimmter Motive wie Berge, Skylines oder anderer Objekte in der Umgebung.

 

Von der richtigen Aufnahmezeit – Gedanken zum „Wann?“

Ein dunkler Ort alleine ist jedoch noch keine Garantie, dort auch jederzeit einen guten Sternenhimmel vorzufinden. Hierfür ist ein wenig Planung notwendig:
Zunächst muss man bedenken, dass der Mond sehr hell leuchtet. Er reflektiert so viel Licht, dass er fast alle Sterne überstrahlen kann. Daher sind Vollmondnächte denkbar ungeeignet, um den Sternenhimmel zu fotografieren. Hierfür wählt man am Besten die Tage um Neumond.

„Ein dunkler Ort ist nur zum richtigen Zeitpunkt auch tatsächlich dunkel!“

Will man hingegen den Vollmond oder beispielsweise die Mondsichel fotografieren, eignen sich hierfür wiederum andere Zeitpunkte.
Daher sollte man sich immer erst über die Mondphase informieren, bevor man ein bestimmtes Foto plant. Wunderbar ist dafür die kleine Anzeige geeignet, die sich in der Seitenleiste befindet.
Hier hat man jederzeit alle wichtigen Fakten zum Mond im Blick.
Wenn man sich länger mit dem Nachthimmel beschäftigt, entwickelt sich allerdings auch ein Gespür für den Mond. Man weiß dann immer, in welcher Phase er sich aktuell befindet.

Schwarzer Sternenhimmel über den AlpenEiner der dunkelsten Orte in Italien – doch bei Vollmond sind kaum Sterne zu sehen. Das Bild entstand im September etwa um 00:30 Uhr in der Nacht.

Abgesehen von dem Einfluss des Mondlichtes, ist ‚die richtige Aufnahmezeit‘ noch in anderer Hinsicht relevant:
Zu unterschiedlichen Zeiten gibt es Unterschiedliches am Himmel zu sehen, niemals ist alles gleichzeitig sichtbar.
So können manche Sternbilder nur während einiger Monate des Jahres zu sehen sein oder die Milchstraße beispielsweise in manchen Nächten erst nach 4 Uhr in der Früh. Auch der Moment des Mondaufgangs geschieht zu einem ganz genauen Zeitpunkt, ebenso der Vorbeiflug der ISS. Und auch Sternschnuppen-Schwärme erscheinen ‚pünktlich‘ zu bestimmten Zeiten.

    Zusammengefasst:

Das „Wann“ ist a) entscheidend hinsichtlich der Mondphase und somit der natürlichen Dunkelheit und b) hinsichtlich der aktuellen Sichtbarkeit von Objekten am Nachthimmel, wie der Milchstraße, bestimmter Sternbilder oder des Mondes.
 
 

Doch woher weißt Du jetzt, wann es dunkel genug ist?
Und woher weißt Du, wann die Milchstraße, das Sternbild Orion oder der Aufgang des Mondes zu sehen sind?
Hier hilft Dir der Artikel: Den richtigen Zeitpunkt finden – Über das Bestimmen des besten Zeitpunkts für Fotos des Sternenhimmels, des Monds und der Milchstraße.

Dazu gesellt sich aber noch eine andere Frage: Die nach dem „Wo #2“.
Wo am Himmel befindet sich das Objekt? Wo geht der Mond auf? Befindet sich die Milchstraße im Westen oder im Osten? Wo finde ich die Plejaden?

Und genau um die Kombination der beiden Fragen – wo und wann findet man etwas am Himmel – dreht sich der umfangreiche Artikel „Den Nachthimmel kennenlernen – Sterne, Milchstraße und andere Objekte finden“.
 
Da ein Foto der wunderschön leuchtenden Milchstraße eines der begehrtesten Ziele ist, hier schon mal ein kleiner Ausflug. Alles weitere findet sich in dem Artikel.
 
 

Die Milchstraße finden

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Milchstraße zu finden:
– Programme und Apps
– Vorhandenes Wissen
 
Natürlich kann man jetzt entgegnen: „Ich muss doch nur nach oben blicken und sehe die Milchstraße!“
Das stimmt natürlich schon – wenn es denn Nacht und der Ort dunkel genug ist. Doch oftmals will man voraus planen oder kann die Milchstraße nicht gut sehen, während die Kamera dennoch ein gutes Bild machen kann.
Am simpelsten geht es daher mit einer der Apps, die ich hier vorgestellt habe. Ich nutze sie oft und gerne, denn nur damit kann man wirklich genau planen.
Dennoch ist es sinnvoll, sich ein wenig Wissen über die Milchstraße anzueignen.
Vieles ist in dem oben angesprochenen Artikel vertieft beschrieben. Hier nur ein kurzer Überblick:

1 Die Milchstraße hat Jahreszeiten – d.h. man kann sie nicht das ganze Jahr über gleich gut sehen und selbst wenn man sie sehen kann, steht sie zu unterschiedlichen Zeiten des Jahres verschiedenartig am Himmel: Mal ‚liegt‘ sie quer und flach über dem Horizont, mal ’steht‘ sie steil, aufrecht da und erstreckt sich ‚von oben nach unten‘.
2 Auch innerhalb einer Nacht ‚wandert‘ die Milchstraße über den Himmel: So ist sie z.B. im Frühling erst nach ca. 4 Uhr morgens wirklich gut zu sehen, im Herbst hingegen bereits direkt nach Sonnenuntergang.
3 Die Milchstraße ist immer mehr oder minder im Süden zu finden, niemals im Norden.
4 Im Frühjahr eher südöstlich, im Sommer rund um den Süden und im Herbst eher südwestlich.

Nun wird klar: Für ein gutes Foto der Milchstraße braucht es etwas Planung.

 

Zwischenbilanz – Was wissen wir bisher?

Die technischen Aspekte aus Teil 1 sind Dir nun bekannt.
Dass der richtige Ort (meistens ein möglichst dunkler) und die richtige Zeit (meist die Tage um Neumond) ausschlaggebend für eine gute Sichtbarkeit von Sternen und Milchstraße sind, weißt Du nun auch. Ebenso wie Du beides findest.


Nun kommt es endlich zum ersten Foto des Sternenhimmels:
Geh raus – am Besten bei Neumond an einen dunklen Ort!
Stell die Kamera auf – und zuvor richtig ein!
Mach Dein Foto!

Die Umsetzung vor Ort

Das Wichtigste, was Du mitbringen solltest, ist – neben Kamera und Stativ – viel Zeit. Denn die wirst Du brauchen.
Versuche also möglichst früh an dem von Dir gewählten Ort zu sein, denn nichts erzeugt mehr Stress als im Dunklen nach einem guten Standpunkt für die Kamera zu suchen. Du hast doch sicherlich keine Lust rumzustolpern, Dein Equipment weit rumzutragen nur um dann festzustellen, dass der anvisierte Kamerastandort doch nicht den richtigen Bild- oder Himmelsausschnitt erlaubt.
So gut die Vorbereitung auch sein mag – digitale Land- und Lichtverschmutzungskarten können niemals die wirklichen Bedingungen vor Ort wiedergeben:
– Die Wiese, die einen freien Blick auf den Himmel versprach, entpuppt sich als sumpfig
– Eine kleine Bergstraße wird, entgegen der Annahme, ständig von Autos befahren, deren Lichter Deine Kamera blenden
– Der dunkle Aussichtsberg beherbergt gerade in dieser einen Nacht ein Freizeitcamp von Pfadfindern.
All das kann Dir keine App oder Landkarte zeigen. Daher ist es wichtig, rechtzeitig zu kommen und (auch unter Zuhilfenahme von mobilen Apps) die Kamera und somit das später zu machende Bild des Sternenhimmels bereits vor dem Einbruch der totalen Dunkelheit einzurichten.

Klar – zwingend ist das nicht. Manchmal kann man auch einfach ein paar Minuten auf’s Land raus fahren (vor allem, wenn man abseits der Städte wohnt), sich auf einen kleinen Feldweg stellen, nach oben blicken und ein Foto machen. Aber für gezielte Bilder ist gute Planung durchaus sinnvoll.

Und noch etwas: Denk an die richtige Kleidung!
Nachts ist es kälter als tagsüber. Das weiß jeder. Aber Temperaturen, die in der Sonne noch angenehm sind, fühlen sich in der Dunkelheit viel kälter an. Dazu kommt die fehlende Bewegung. Oftmals steht oder sitzt man einige Minuten – oder auch wesentlich länger – an einem Ort und wartet. Da kühlt der Körper schnell aus.
Nimm Dir also vielleicht eine Thermoskanne mit warmen Tee mit und lieber eine Extraschicht warmer Kleidung.
Ich selber habe so viel gefroren, dass ich mir wirklich viele Gedanken zur passenden Kleidung gemacht habe – gerade weil ich auch im Winter die Sterne fotografieren möchte. Falls Du aus meinen Erfahrungen lernen möchtest, kannst Du das im Artikel zu passender Kleidung nachlesen.

Abgesehen davon läuft vor Ort vieles nicht anders ab, als bei ’normalen‘ Fotos mit Tageslicht. Dennoch einige weitere Tipps:

1. Das Stativ sollte sicher und stabil stehen und die Kamera gut fixiert sein. Gerade bei langen Belichtungszeiten von 10 bis 30 Sekunden ist eine absolut ruhig ruhende Kamera unabdingbar.
2. Nimm Dir auch wirklich genug Zeit, um ordentlich zu fokussieren und kontrolliere die Schärfe nach jedem Standortwechsel! Es ist unendlich ärgerlich, wenn man zuhause feststellt, dass der Fokus verrutscht ist und die Aufnahmen unscharf sind.
3. Und mach mehrere Fotos! Nicht unbedingt 50, aber ein paar sollten es schon sein. Im Eifer des Gefechts kann ein Bild auf dem kleinen Kameramonitor toll aussehen. Das Flugzeug aber, das quer über den Himmel fliegt, wird schnell mal übersehen. Du wirst froh sein, wenn Du noch ein paar weitere Bilder desselben Motivs hast.
Abgesehen davon gibt es noch eine Technik für Fortgeschrittene: Das ‚Stacken‘. Hierbei werden mehrere Einzelbilder miteinander verrechnet, um so die Bildqualität zu steigern.

Ach ja – und nutze die Zeit, um zu spielen! Probier einfach etwas rum. Stell Dich mit ins Bild, beleuchte irgendetwas mit einer Taschenlampe, mach ein ‎ Panorama oder auf was immer Du gerade Lust hast. Meine Tipps zur Motivgestaltung können Dir Anregungen geben.
 

Das wichtigste ist: Hab Spaß! Denn nicht nur das Ergebnis zählt!


Das Erleben der Dunkelheit, der Einsamkeit und der Geräusche der Nacht kann wundervoll sein. Du, die Natur und über Dir die Unendlichkeit des Weltalls und die Weite der Milchstraße. All das sind Erfahrungen, die ein Leben wirklich bereichern können. Es geht beim Fotografieren des Nachthimmels nicht unbedingt um das Ergebnis, sondern auch um die Erfahrung, das Spüren und Erleben. Setz Dich doch einfach mal hin, schau nach oben und lass die Gedanken treiben. Vielleicht kommen Dir gerade jetzt die besten Ideen. Versuche nicht von Motiv zu Motiv zu hetzen. Nimm Dir Zeit zum Innehalten, um frei zu atmen und um zu staunen.
Genieße die Zeit nach dem Motto dieser Seite: „Du, die Nacht und die Weite des Himmels“.
Viel Spaß!

 
 
 
Sind Deine Bilder nun ‚im Kasten‘ und Du bist nach einer langen Nacht wieder zuhause, hoffentlich ausgeschlafen und erholt, geht es nun an die Nachbearbeitung.
Wie das geht, erkläre ich Dir im dritten Teil des Anfängerkurses.

 
 
 
 

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Ein Gedanke zu „Die Milchstraße fotografieren lernen 2

  1. Superklasse! Vielen Dank für die tollen Infos. Das hat mir sehr geholfen! Ich bin gespannte was da noch so kommt. Dir noch viel Erfolg mit dieser beeindruckenden Website! Jan

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