Titelbild: Milchstraße fotografieren lernen - Teil 1 - Die Vorbereitung

Die Milchstraße fotografieren lernen

Wie man den Sternenhimmel am besten fotografiert
Ein Anfängerkurs in drei Teilen

 
 

Erster Teil – Die Grundlagen

Wenn Du ganz am Anfang stehst, dann mag Dich die Menge an Informationen überfordern. Ich habe schon oft von Leuten gehört: „Das ist so viel auf einmal. Da verliere ich vollkommen den Durchblick“
Aber keine Angst. Es ist wirklich nicht schwer und es ist eigentlich auch gar nicht so viel, das Du zu Beginn wissen musst.
Hier bekommst Du einen knappen, aber trotzdem umfassenden Überblick, um direkt zu starten. Vielleicht sogar noch heute?
Ich habe den Kurs so gegliedert, dass er eine einfache und logische Struktur hat, die Du wirklich nachvollziehen kannst. Diese Anleitung soll Dir die Basics mitgeben ohne Dich zu erschlagen.
Viele Details und weiterführende Infos finden sich in speziellen Kapiteln, die ich teilweise mit im Text verlinkt habe.
 
Nach folgendem Schema ist der erste Teil aufgebaut:
 
Teil 1 – Technische Voraussetzungen
Alles rund um die richtige Kamera, Objektive und (wenig) Zubehör
Teil 2 – Einstellungen der Kamera
Welche Einstellungen sich für nächtliche Himmelsfotografie eignen
– Grundeinstellungen – Ganz wenige Schritte, um die Kamera vorzubereiten
– Belichtungseinstellungen – So sammelst Du am meisten Licht
– Richtig Fokussieren – So werden die Sterne perfekte Punkte – „Scharf-stellen“ in der Nacht

Wenn Du den (wirklich überschaubaren) technischen Teil hinter Dir hast, geht es im nächsten großen Abschnitt dann an die Umsetzung.
 
 
Bist Du bereit?
Dann rein ins Vergnügen!

 

Der Sternenhimmel und die Milchstraße bei Hinterriss, in einem ausgetrockneten Flußbett mit Lichtverschmutzung aus Innsbruck

 

Teil 1  – Technische Voraussetzungen

Nur wenige Dinge gehören zur absoluten Grundvoraussetzung, um mit der Astrofotografie zu beginnen. Ganz genau genommen tatsächlich nur die Kamera mit Objektiv.

So hat praktisch jeder, der sich zumindest ein wenig tiefer mit der Fotografie beschäftigt hat, alles notwendige Equipment zuhause und kann ohne Neuanschaffungen sofort anfangen.

Digitalkamera (mit manuellen Eistellungsmöglichkeiten)
Objektiv(e)
Stativ
– Fernauslöser (nicht zwingend)
– Stirnlampe (nicht zwingend)
– Programme/Apps zum Auffinden der Milchstraße (nicht zwingend)
Speicherkarten und Akkus

 

Erweiterte Grundausstattung für die AStrofotografieGrundausstattung für die Astrofotografie

 

Digitalkamera

Die absolute Grundvoraussetzung ist natürlich eine Digitalkamera. Wenngleich digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) und spiegellose Systemkameras (DSLM) aktuell das Maß aller Dinge sind, bedeutet das keinesfalls, dass keine anderen, ‚kleineren‘ Kameras genutzt werden könnten oder keine guten Ergebnisse liefern würden. Im Extremfall lässt sich sogar mit einem Mobiltelefon ein ansprechendes Bild der Milchstraße aufnehmen. Für schöne Aufnahmen des Sternenhimmels braucht man keine Profiausrüstung im Wert eines Kleinwagens.

Für den Anfang ist jede Kamera gut genug!

Die ersten Versuche sollten mit genau der Kamera gemacht werden, die gerade verfügbar ist. Aus den ersten Ergebnissen kann man lernen und erkennen, wie man sich weiterentwickeln möchte. Auf dieser Basis lässt sich die Entscheidung für die ein oder andere technische Verbesserung viel zielgerichteter treffen.
Das einzige das am Anfang wichtig ist, ist die Möglichkeit, alle Einstellungen der Kamera selbst vorzunehmen – der ‚automatische Knips-Modus‘ kann jetzt nicht mehr weiterhelfen. Wie man die Einstellungen richtig wählt, sodass sie den speziellen Anforderungen der Astrofotografie gerecht werden, beschreibe ich weiter unten.

Welche Kameras ich nutze und/oder empfehlen kann und weitere Artikel zu meinem Equipment findet sich unter Lieblingsteile.
 

Der Sternenhimmel und die Milchstraße mit der Canon 550D aus dem Jahre 2010Die Milchstraße mit einer alten Canon 550D aus dem Jahre 2010. Wirklich keine aktuelle Profikamera.

 

Objektive

Auch hier gilt: Für den Anfang ist genau das, was greifbar ist, das Richtige. Oft ist es jedoch so, dass auch Anfänger schon mehr als eine Linse besitzen und daher bereits die Qual der Wahl haben.
Auch wenn Du jetzt nur die einfache Kit-Linse hast, die beim Kauf Deiner Kamera dabei war (oftmals ein 18-55mm Objektiv) kannst Du das vorerst benutzen. Es ist sicherlich nicht perfekt, aber für erste Versuche ausreichend.

Zwei Faktoren bestimmen die Wahl eines geeigneten Objektivs für die Astrofotografie:
– die Brennweite (in mm)
– die Lichtstärke, also die maximale Blendenöffnung (der „f-Wert“)

Schöne Bilder sind mit jeder Brennweite machbar. Jede bietet – richtig eingesetzt – fantastische Möglichkeiten.
Dennoch sind wohl Aufnahmen mit weitwinkligen Linsen am beliebtesten und das nicht ohne Grund: Kann man doch nur mit Weitwinkelobjektiven die ganze Pracht der Milchstraße in nur einem Bild festhalten.
Doch nicht nur darum würde auch ich Anfängern zu diesen Linsen raten, denn sie haben zwei große Vorteile: Sie verzeihen bestimmte Fehler leichter (minimal falsche Fokussierung, zu lange Belichtungszeit) und führen schneller zu eindrucksvollen Ergebnissen.
Denn – und das ist der größte Pluspunkt von Weitwinkelobjektiven: Man kann mit ihnen einfach länger belichten – länger ‚Licht sammeln‘. Und das möglichst lange Sammeln von Licht ist in der Dunkelheit der Nacht das Wichtigste, um den Himmel in seiner ganzen Leuchtkraft aufzunehmen.

Wie die richtige Belichtungszeit gewählt wird, steht weiter unten.
Welche Linsen ich nutze und empfehlen kann, kannst Du in meiner Ausrüstungs-Liste sehen.

Vergelich unterschiedlicher Brennweiten: 14, 50, 200mm am Sternenhimmel und der MilchstraßeDer Blickwinkel unterschiedlicher Brennweiten.

Steht nun am Anfang für die ersten Veruche keine wirklich weitwinklige Linse mit Brennweiten von etwa unter 24mm zu Verfügung, stellt das jedoch keinesfalls ein Hindernis dar.
Auch mit längeren Brennweiten lassen sich tolle Ergebnisse erzielen. Lichtstarke Objektive wie z.B. die gängige Normalbrennweite 50mm mit einer großen Blendenöffnung wie z.B. f1.8 lassen sich unter Anderem zur Erstellung von Panoramen nutzen. Die Vorteile der oftmals größeren Schärfe und der Lichtstärke solcher Festbrennweiten sind nicht zu unterschätzen.

Es gibt also wirklich viele Möglichkeiten. Das wohl beste Einsteiger-Objektiv ist wahrscheinlich das Samyang 14mm f2.8. Hier bekommt man für wenig Geld eine hervorragende Weitwinkellinse, die ideal für Milchstraßenfotos geeignet ist.

Anmerkung:
Ich habe in einer Astronomie-Gruppe gefragt: „Welches Objektiv (im Bereich zwischen 10 und 50 mm) nutzt Du für Aufnahmen der Milchstraße?
Es es wurden 27 verschiedene Objektive genannt und insgesamt 70 Stimmen abgegeben.

Dabei kam heraus, dass 24% (17 Stimmen) das Tokina 11-16mm f2.8 nutzen (mit dem auch ich angefangen habe) und weitere 20% (14 Stimmen) das Samyang 14mm f2.8 bevorzugen.
Auf den nächsten beiden Plätzen folgten das Samyang 12mm f2.0 (nicht für Canon EOS) mit nur noch 7% (5 Stimmen) und das Sony 28mm f2 mit 6% (4 Stimmen).
Alle weiteren Objektive wurden 1 bis 3 Mal genannt.
Wirklich repräsentativ ist die Umfrage nicht. Sie zeigt jedoch klar, dass zwei Linsen am weitesten verbreitet sind und das aus guten Gründen: Gerade für Einsteiger bieten sie die oben genannten Vorteile: Sie sind relativ günstig, sehr weitwinkling (was eine lange Belichtungszeit ermöglicht) und insgesamt von der Abbildungsleistung gut (Tokina) bis sehr gut (Samyang). Auch sind beide Objektive für praktisch alle Kamera-Systeme verfügbar.

 
 

Stativ

Über Stative kann man endlos viele Worte verlieren. Oder auch nicht.
Um es kurz zu machen: Es muss stabil stehen und die Kamera-Objektiv-Kombination sicher tragen können.
Darüber hinaus sollte es so klein und leicht sein, dass man es gerne und ohne Anstrengung mit raus in die Natur nehmen kann. Denn vornehmlich dort, abseits der lichtverschmutzten Ortschaften, lassen sich die schönsten Bilder aufnehmen.

Praktisch ist es, wenn man das Stativ relativ weit ausfahren kann. Wer liegt schon gerne auf dem Boden, um durch den Sucher der Kamera zu blicken? Auch ein Kugelkopf erweist sich als ungemein praktisch, um den richtigen Bildausschnitt zu wählen. Das ist aber keinesfalls ein Muss, wobei ein guter, stabiler Kugelkopf das Einrichten des Bildausschnitts ungemein erleichtert.
 
 

(Intervall-)Fernauslöser

Ein Fernauslöser ist auch kein absolutes ‚Must-Have‘ (aber fast). Jedenfalls ist er überaus sinnvoll: So kann man doch damit die Kamera auslösen, ohne sie zu berühren, was ungewollte Schwingungen verursachen kann, die das Bild verwackeln.

Steht für die ersten Versuche kein Fernauslöser zu Verfügung, kann der kamerainterne Vorauslöser (auch ‚Selbstauslöser‘ genannt) gewählt werden. Er bewirkt, dass die Kamera nach dem Betätigen des Auslösers einige Sekunden Zeit hat, um wieder in Ruhe zu gelangen, bevor das eigentliche Foto gemacht wird. Das ist allerdings nicht besonders komfortabel, daher wird man sich auf Dauer sicherlich einen Fernauslöser zulegen wollen.

Es gibt sie als ganz einfache, kabelgebundene Modelle, die nichts weiter erlauben, als die Kamera auszulösen. Sie sind sehr günstig und erfüllen ihren Zweck. Sollte jedoch über die Neuanschaffung nachgedacht werden, ist es sinnvoll gleich in einen Intervall-Fernauslöser zu investieren, der auf lange Sicht wesentlich mehr Möglichkeiten bietet und gerade für viele Bereiche der nächtlichen Fotografie unabdingbar ist: Strichspuren-Aufnahmen, Stacking/Rauschreduzierung, Zeitraffer…
Ich selber nutze den Hama Intervall-Fernauslöser. (Dazu habe ich auch einen Testbericht geschrieben).
 
 

Stirnlampe mit Rotlicht

Das nächste Teil aus der ’nice-to-have-Liste‘: Auch nicht zwingend, aber wirklich sehr hilfreich.
Nachts ist es vor allem eins: Dunkel. Gerade da, wo sich die besten Astrofotos machen lassen, ist es sogar besonders dunkel. Es ist stock-finstere Nacht.
Gönnt man seinen Augen in dieser Dunkelheit einige Zeit, mindestens 15 Minuten, dann gewöhnen sie sich langsam daran, die Pupille öffnet sich so weit sie kann und wir können besser, ‚heller‘ sehen. Dieser Vorgang – ‚Dunkeladapion‘ genannt – kann bis zu 45 Minuten dauern. Hintergründe und Spannendes zur Anpassung der Augen und wie sie Astrofotografen nutzen können, habe ich hier zusammengetragen.
Nun ist es leider so, dass ein kurzer Lichtstrahl den ganzen Anpassungsprozess sofot rückgängig macht. Das weit geöffnete Auge wird geblendet und schließt die Pupille sprichwörtlich ‚augenblicklich‘.
Dennoch benötigen wir gelegentlich Licht und sei es nur, weil einem etwas runter gefallen ist.

An genau diesem Punkt kommt das Rotlicht ins Spiel. Es bietet zwei wunderbare Vorteile: Einserseits können wir in rotem Licht relativ gut sehen, andererseits geht die Dunkeladaption dabei nicht verloren.
Wir können also ohne Probleme den herabgefallenen Objektivdeckel suchen und sobald wir ihn gefunden haben, wieder mit der ganzen Lichtsammelfähigkeit unserer immer noch weit geöffneten Pupille die Milchstraße bestaunen.
Welche Stirnlampe ich nutze und warum ausgerechnet diese, erfährst Du in diesem Artikel. (Noch nicht veröffentlicht).

Apps und Programme

StallariumStellarium – Ein virtueller Nachthimmel

Es gibt einige Apps und Programme, die Dich beim Fotografieren des Sternenhimmels und der Milchstraße in vielfältiger Weise unterstützen können:
Sie helfen bei der Planung des richtigen Zeitpunkts und eines geeigneten Standpunktes, sie zeigen Dir wo die Milchstraße zu finden ist oder helfen Dir Dich am Himmel zurecht zu finden.
Weiteres erfährst Du in Teil 2 dieses Anfängerkurses und auch in einem eigenen Artikel zu Apps und Programmen.

Was sonst noch sinnvoll, hilfreich oder irgendwie nützlich sein kann, findet sich unter Lieblingsteile.
Dazu zählen u.a.
– eine Objektivheizung gegen Tau auf der Linse
– eine Astromontierung für lange Belichtungszeiten
– ein Nodalpunktadapter für die Panoramafotografie

 

Du siehst: Viel wird vorerst nicht benötigt. Kamera, Stativ, Fernauslöser und schon kann es losgehen.

 
 
Canon 7D (Crop, Baujahr 2010) mit Samyang 14mm f2.8

 

TEIL 2 – Einstellungen der Kamera

Bis hierher geschafft? Prima.
Nachdem Du nun alles beisammen hast, was Du an Zubehör benötigst, geht es jetzt daran, Dein Equipment richtig zu nutzen. Vor allem die Kamera.

Es gibt einige grundlegende Kameraeinstellungen, die sehr sinnvoll sind. Dazu kommen drei die Belichtung betreffende Faktoren, die für die nächtliche Himmelsfotografie besonders wichtig sind.
 

T2/1 – Grundeinstellungen

All diese Einstellungen sollten vorgenommen werden, sofern die Kamera es ermöglicht.

RAW
Grundsätzlich sollte im RAW-Format fotografiert werden. Bei Astrofotos ist das besonders wichtig, da hier auf eine gute Nachbearbeitung besonders wert gelegt werden muss.

M-Modus
Da wir alle Einstellungen selbst vornehmen wollen, wird der M-Modus der Kamera gewählt. Wir entscheiden, was die Kamera macht!

Live-View
Live-View sollte auf jeden Fall eingeschaltet werden. Auch ist es sehr sinnvoll sich das Histogram einblenden zu lassen, um die Verteilung der Helligkeit besser abschätzen zu können.

Weißabgleich
Da im RAW-Modus fotografiert wird, sollte die Einstellung des Weißablgleichs eigentlich egal sein. Um nicht jedes Bild neu einstellen zu müssen, ist es aber sinnvoll eine feste Einstellung zu wählen. Jedenfalls sollte der Weißabgleich nicht im ‚Auto‘-Modus arbeiten. Hier bietet sich ‚Tageslicht‘ oder eine eigene Einstellung von z.B. 4500K an.

Manueller Fokus
Wenn jetzt grudsätzlich alles in der Kamera eingestellt ist, sollte zu guter Letzt noch die Linse auf manuellen Fokus gesetzt werden. Falls ein interner Stabilisator im Objektiv verbaut sein sollte, wird auch dieser ausgeschaltet.

Mein wichtigster Tipp: Lerne Deine Kamera kennen! Mach Dich mit allen (meistens sind es ja nur wenige) wichtigen Knöpfen vertraut, sodass Du sie auch ohne Licht bedienen kannst
 

T2/2 – Belichtungseinstellungen

Nun – eins ist ja mal klar: Es ist schon sehr dunkel nachts! Also sollte doch möglichst viel Licht in die Kamera auf den Chip gelangen.
Dafür gibt es einige wenige Möglichkeiten:
a) Man öffnet die Blende im Objektiv so weit wie möglich – dann kommt viel Licht rein
b) Man belichtet länger – es kommt noch mehr Licht rein
c) Man erhöht die kamerainterne Verstärkung (ISO-Wert)

 

Drei Einstellungen. Das ist – ganz grob – alles. Also wirklich kein Hexenwerk.

 

a) Die Blende, das sind die Lammelen im Objektiv, die regeln, wieviel Licht durch das Objektiv auf den Chip dringt. Tagsüber ist es oftmals sinnvoll, weniger Licht in die Kamera zu lassen, aber bei Fotos der Milchstraße sollte so viel wie möglich eindringen. Die größtmögliche Blendenöffnung wird mit dem f-Wert angegeben, wobei eine kleinere Zahl eine größere maximale Blendenöffnung angibt. f1.2 lässt also mehr Licht eindringen als z.B. f5.6.
Dennoch kann es sinnvoll sein, die Blende nicht ganz zu öffnen, denn gerade günstigere Objektive sind bei vollkommen geöffneter Blende etwas unschärfer. Also lieber ein bis zwei Blenden abblenden. (Aber das kommt später. Gerade Anfänger sollten so viel Licht sammeln wie möglich – mit weit geöffneter Blende.)

b) Die Belichtungszeit ist die Zeit, die man dem Chip gibt, um Licht zu sammeln. Tagsüber meist nur Bruchteile von Sekunden, nachts jedoch meist 10 oder mehr.
Die richtige Belichtungsdauer zu finden hat folgende Bedeutung:
Man will möglichst lange belichten, denn dann kommt viel Licht (=Informationen) auf den Chip
Man darf nicht zu lange belichten, denn dann wandern die Sterne weiter und auf dem Foto sind Striche zu sehen und keine punktförmigen Sterne
Zwischen diesen beiden Begrenzungen spielt sich nun alles ab.

Wie lange wirklich belichtet werden kann, hängt von zwei Faktoren ab:
1) der Brennweite des Objektivs (in mm angegeben) und 2) der Chipgröße.
Nun gilt
für 1): Je weitwinkliger das Objektiv ist, desto länger kann man belichten.
für 2): Je kleiner der Chip, desto kürzer muss man belichten.
Für Spiegelreflexkameras lässt sich die maximale Belichtungszeit recht einfach berechnen:

500 bzw. 300 geteilt durch die Brennweite.

500 bei Vollformatsensoren, 300 bei den kleineren Crop-Sensoren.
Z.B. kann man so bei einem 20mm Objektiv an einer Vollformatkamera 500/20=25 Sekunden belichten, an einer Crop-Kamera hingengen nur 300/20=15 Sekunden.
 
Also: Mach’s Dir leicht und nutze einfach die Frormel, um für Deine Kamera mit Deinem Objektiv die richtige Belichtungszeit zu finden. So lange wie möglich und so kurz wie nötig, um keine Sternenstriche zu erhalten

Berechnung der Belichtungszeit
Brennweite eintragen und ‚Enter‘ drücken.

c) Der ISO-Wert ist ein Maß für die interne Verstärkung der Kamera. Einfach gesagt: Je höher der ISO-Wert, desto heller wird das Bild (bei gleichbleibender Blende und Belichtungszeit).
Leider führt ein höherer ISO-Wert zu verstärktem Bildrauschen. Wieviel Rauschen man akzeptiert, hängt vom Motiv und dem eigenen Empfinden ab. Weiter unten beschreibe ich meine persönlichen Einstellungen. Für den Anfang ist ISO 1600 eine gute Basis. Bei dieser Verstärkung hält sich das Rauschen bei den meisten Kameras in Grenzen. Bei guten Vollformat-Kameras kann man da auch noch weiter gehen, aber für den Anfang ist das ein guter Ausgangswert.

 
Der Sternenhimmel und die Milchstraße bei Hinterriss, in einem ausgetrockneten Flußbett mit Lichtverschmutzung aus Innsbruck
 

Jetzt mal ganz konkret - welche Einstellungen nutze ich?
Bei meinen Crop-Kameras (Canon 550D und Canon 7D) sollte der ISO-Wert im Idealfall nicht höher als 1600 gestellt werden.
Dennoch akzeptiere ich – abhängig von der Dunkelheit des Vordergrundes – auch immer mal wieder 3200, allerdings nur an der 7D. Die 500D rauscht da schon zu stark.
Bei der Vollformat (Canon 6D) kann ich ohne Probleme mit ISO 3200 fotografieren. Hier ist das Rauschen noch absolut akzeptabel, aber auch höhere Werte sind nicht selten machbar.

Bei der Belichtungszeit hole ich meistens das Maximum heraus. Ich belichte so lange, dass die Sterne punktförmig bleiben.
Da ich für Aufnahmen der Milchstraße überwiegend Weitwinkellinsen nutze, sind das in der Regel mindestens 15, meist aber 20 bis 30 Sekunden.

Die Blende öffne ich nur ganz, wenn ich ein wirklich gutes Objektiv benutzte und/oder zwingend die maximal mögliche Lichtausbeute benötige.
Ansonsten blende ich meist um zwei Stufen ab. Da ist mir die Schärfe mittlerweile wichtiger.

 
 

Richtig Fokusieren – „Scharf stellen“ in der Nacht

FokusNachts richtig fokussieren – gar nicht so leicht.

Die Schärfe ist – wie erwähnt – gar nicht so leicht einzustellen.
Hast Du bisher immer den Autofokus Deiner Kamera genutzt? Damit ist es nun vorbei! Keine Kamera kann in der Dunkelheit der Nacht automatisch scharf stellen. Das musst Du nun selber machen.
 
Im Idealfall sollte am Ende des Fokuswegs eines Objektivs die Schärfe auf unendlich liegen, doch bei den meisten Fotoobjektiven liegt die kurz davor.
Es gibt nun zwei Möglichkeiten, die Sterne wirklich scharf zu bekommen:
Bei der einen stellt man bereits am Tag scharf (und darf dann keinesfalls mehr etwas am Fokus verstellen).
Bei der zweiten stellt man die Schärfe ‚live vor Ort‘ ein.
Beide Techniken habe ich in einem sepertaren Artikel ausführlich beschrieben, daher hier in Stichpunkten.
Tagsüber:
Weit entferntes Objekt suchen (z.B. Kirchturmspitze) – scharf stellen – Fokusring mit Klebeband befestigen.
Nachts:
Live-View anschalten – möglichst hellen Stern oder Planeten suchen – Im LiveView reinzoomen und möglichst scharf stellen (je kleiner der Stern im Bildschirm, desto schärfer ist er) – Foto machen – Anschauen – Reinzoomen und Schärfe gegebenenfalls nachstellen.

 
 
Nochmals zusammengefasst:
– Kamera – Objektiv – Stativ (Fernauslöser)
– Grundeinstellungen der Kamera (RAW-Modus, alles manuell einstellen)
– Spezielle Belichtungseinstellungen (Iso-Wert einstellen – Belichtungszeit abhängig von der Objektivbrennweite wählen – Blende möglichst weit öffnen)
– Manuell fokusieren
Fertig!

Und – das war doch nicht zuviel Information?
Gut!
Dann kann es jetzt wirklich losgehen.
Alles, was Du nun machen musst, ist einen schönen dunklen Nachthimmel finden und den Auslöser drücken.
Was Du dabei beachten kannst und viele Tipps und Tricks, findest Du im zweiten Teil des Anfängerkurses. Und im dritten Teil geht es dann an die Nachbearbeitung.
 
 
 

Anmerkung

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5 Gedanken zu „Die Milchstraße fotografieren lernen

  1. Hallo
    Ein Arbeitskollege hat mir den Tipp gegeben, mich mal auf dieser Site „Sternenhimmel-fotografieren“ umzuschauen.
    Vorgängig hatte ich mir schon ein Buch gekauft. Deine Ausführungen decken sich fast mit dem Buch. Ich werde mich in Teil 2 + 3 vertiefen und bedanke mich auf diesem Weg für diesen Kursus und den persönlichen Einstellungen sowie Bekanntgabe Deines Equipments. So ist jeder in der Lage, das gleiche im 1:1 Massstab ab zuarbeiten.
    gruss
    Renato

    • Hallo Renato,
      freut mich, dass Du hier her gefunden hast.
      Ich nehme an, Du hast das Buch von Katja?
      Ich habe nun schon mehrfach gehört, dass es in vielen Punkten Ähnlichkeiten zu meiner Seite aufweist. Meine Seite entstand jedoch ein knappes Jahr bevor das Buch am Markt erschien.
      „Lustigerweise“ ist sogar die Anleitung für die Erstellung eines 360° Panoramas, die ich hier zuerst veröffentlicht habe, und die im Buch am selben See fotografiert worden…

      Viel Erfolg beim Fotografieren der Sterne!

  2. Was der Autor dieser Webseite hier an Wissen, Tipps und Tricks zusammengetragen hat, ist einfach unglaublich.

    Ich habe schon viele Seiten besucht, die den interessierten Fotografen mit Infos zu allen
    möglichen Bereichen der Fotografie versorgen. Aber noch nie habe ich eine so allumfassende
    Sammlung von Infos zu einem Thema gesehen, wie auf dieser Website.

    Dies in Kombination mit dem lockeren und angenehmen Schreibstil des Verfassers machen
    das Lesen zu einem Vergnügen und lassen mich immer wieder einen Blick auf die Homepage
    werfen.

    Danke dafür & viele Grüße : )
    christian

  3. Hey,

    danke für diesen tollen Grundkurs. Ich bin begeistert und würde deine Seite jederzeit weiterempfehlen. Nicht nur, dass alles super strukturiert und damit gut zu verstehen ist, ich finde die zugehörigen Bilder super!

    Es ist schön, dass du die Vorgehensweise in einfachen, klaren Worten ausdrücken kannst. Viele Profis sind dazu leider nicht in der Lage. Bisher bietet dein Blog mit Abstand die besten Informationen und Tipps, die ich im Netz gefunden habe. Dein Schreibstil ist ehrlich, authentisch und absolut sympatisch.

    Jetzt werde ich mal wieder auf deinem Blog rumstöbern 🙂

    Viele Grüße,
    Caro

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