Startrails fotografieren lernen

Eine Anleitung zu perfekten Sternspuren




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Strichspuren der Sterne – englisch Startrails – sind eine wunderbare Art, den Verlauf der Sterne darzustellen. Oder technisch richtiger: Die Drehung der Erde unter dem bewegungslosen Himmel. Denn auch wenn es so scheint und im allgemeinen Sprachgebrauch üblich ist. Nicht die Sterne wandern, sondern die Erde dreht sich unter ihnen weg. Aber damit erzähle ich Dir ja nichts Neues.

Du hast Lust, auch mal solche Fotos zu machen? Prima!
Es ist gar nicht so schwer Strichspurenaufnahmen zu erstellen. Alles was Du dafür brauchst hast Du wahrscheinlich schon. Eine Kamera mit Fernauslöser und ein Stativ. Wenn Dir doch noch etwas fehlen sollte, dann schau mal hier rein: Meine Ausrüstung

Alles was Du wissen musst, um mit Deiner vorhandenen Technik Startrails zu erstellen, erkläre ich Dir hier.

1. Grundlegende Überlegungen

2. Die Umetzung vor Ort
2.1. Motivwahl
— Gestaltung der Strichspuren
— Auswahl des Vordergrunds

2.2. Einrichten der Kamera
— Aufstellen der Kamera
— Einstellungen in Kamera und Fernauslöser
— Wahl des richtigen Intervalls
— Anzahl der Fotos für ein Startrails-Bild

2.3. Belichtung des Vordergrunds
2.4. Tipps für die Wartezeit

3. Die Bildserie zu einem Startrail-Foto kombinieren
3.1. Methoden und Software
3.2. Entwicklung und Nachbearbeitung

Dateien in Stapel laden
Polaris im Zentrum – Cilento Nationalpark – 200km südlich von Neapel

TEIL 1
Grundsätzliche Überlegungen

Früher, vor der Zeit der digitalen Fotografie, waren Aufnahmen von Startrails wesentlich schwieriger zu bewerkstelligen. So musste ein einziges Bild viele Stunden lang belichtet werden, um Strichspuren auf das Negativ zu bannen. Gleichzeitig durfte aber auch keine Überbelichtung entstehen. ‚Einfach mal ausprobieren‘ war damals nicht möglich.
Zum Glück ist das heute anders. Digitale Kameras erlauben nicht nur ‚kostenloses Rumprobieren‘. Sie ermöglichen es uns, hunderte von Fotos zu machen, ohne Unmengen an Negativen kaufen zu müssen.
Und genau das werden wir brauchen: Viele Fotos. Also wirklich viele!

Denn anders als früher werden Strichspuren nicht in einem einzelnen Bild aufgenommen, sondern aus einer Vielzahl von Einzelfotos zusammengesetzt. Das hat gute Gründe.
Wir haben eine viel größere Kontrolle darüber, wie unser fertiges Bild aussehen soll und gleichzeitg auch noch eine wesentlich bessere Qualität.
Darüber hinaus ergeben sich weitere Vorteile:

– Man kann gezielt Objekte wie Flugzeuge bzw. deren Lichter, Sternschnuppen und anderes im Himmel entfernen oder aber auch hervorheben.
– Man kann den Vordergrund unabhängig vom Hintergrund bearbeiten.
– Der Sensor überhitzt nicht und erzeugt so weniger Rauschen.
– Man kann fehlerhafte Bilder aussortieren. So ruiniert ein Vogel, der durch’s Bild fliegt nicht gleich die ganze Aufnahme.
 
Grundsätzlich gilt für die Aufnahme von Strichspuren alles, was bereits im Grundkurs zur nächtlichen Himmelsfotografie steht. Wenn Du Anfänger bist, bekommst du dort einen guten ersten Überblick.
– Du benötigst also eine Kamera mit Stativ und einen Fernauslöser.
– Du solltest einen dunklen Ort aufsuchen und das idealerweise zum richtigen Zeitpunkt.
– Die Kamera muss richtig eingestellt werden und die Sterne müssen scharf fokussiert werden.
– Wenn Du noch Ideen für die Motivgestaltung benötigst, findest Du weiter unten einige Hinweise.

Startrails mit einzelner Flugzeugspur
Flugzeugspur als Blickfang – Fast 200 Fotos – 35mm Brennweite

TEIL 2
Die Umsetzung vor Ort

Eigentlich könnte man nun meinen, die Belichtungszeit hätte, anders als bei der herkömmlichen Sternenfotografie, keine feste Obergrenze. Denn die gibt es ja nur, damit die Sterne punktförmig bleiben und eben keine Spuren ziehen. Wie im Grundkurs beschrieben, gibt es eine einfache Faustformel, mit der sich schnell bestimmen lässt, wie lange Du mit der jeweiligen Kombination aus Kamera und Objektiv belichten kannst, so dass die Sterne Punkte bleiben.
Aber jetzt sollen es ja Striche werden. Warum dann trotzdem eine ‚Obergrenze für die Belichtungszeit‘?

Für mich ist das wichtigste Argument folgendes:
Man kann so ein Einzelbild nutzen.

Denn wenn Du Dir schon die Mühe machst, weit hinaus zu fahren, möglicherweise einiges an Equipment durch die Natur schleppst und dann vor Ort ein wirklich schönes Motiv aussuchst, kannst Du die Bilder vielleicht auch noch anders bearbeiten, als nur für ein einzelnes Strichspurenbild.
Möglichkeiten hierfür gibt es zu Genüge, z.B.;
– Nutzung als ’normales‘ Einzelbild mit ’normalen‘ Sternen
– Erstellung eines Zeitraffers

Montireggioni in der Toscana
Eine meiner frühen Aufnahmen – Das Wehrdorf Montireggioni in der Toscana – 2012 – 200 Einzelbilder

Motivwahl

Die Motivwahl bei Strichspurenaufnahmen der Sterne unterliegt zwei Gesichtspunkten:
1. Die Form der Strichspuren
2. Der Vordergrund

Gestaltung und Wirkung der Strichspuren

Alle Sterne am Himmel scheinen sich um ein Zentrum zu drehen: Den Himmelsnordpol. Fast genau dort befindet sich auch der Polstern Polaris.
Allerdings liegt Polaris nicht ganz genau auf dem Himmelspol. Das fällt normalerweise nicht auf, aber gerade Startrail-Aufnahmen machen es sichtbar. Während sich alle Sterne um das Zentrum drehen, verharrt auch Polaris nicht genau an einem Fleck. Auch er dreht sich um den Pol, allerdings aufgrund seiner Nähe in einem sehr engen und kleinen Kreis.

Diese Tatsache hat großen Einfluss auf die Wirkung von Startrails

Richtet man die Kamera nach Norden oder sogar genau auf Polaris, erhält man kreisrunde Sternenspuren, was äußerst ästhetisch wirkt.
Richtet man sie hingegen direkt nach Süden aus, erhält man mehr oder minder horizontal verlaufende Linien. Das wirkt meistens eher plump.
Alle anderen Himmelsrichtungen ergeben ‚Zwischensschritte‘, die teilweise ausgesprochen interessant wirken können. Beispielsweise Bilder in Richtung Westen, bei denen sich ein Teil der Sterne scheinbar in eine andere Richtung dreht als der andere Teil.

Startrails über dem Meer - Cilento, Kampanien, Italien
Kamera westlich ausgerichtet

Der Vordergrund bei Sternspuren

Der Vordergrund hat bei Strichspuren der Sterne eine große Bedeutung, gibt er doch dem Bild das gewisse Etwas. Das wird gerne übersehen.
Doch was genau macht denn ein Startrails-Bild einzigartig? Wodurch unterscheidet es sich von anderen, wenn sich die Sterne doch jede Nacht und jedes Jahr gleich drehen?
Doch vor allem in der Wahl des Vordergrundes und darin wie er im Bild, auch im Verhältnis zu Polaris, platziert wird.

Mit „im Verhältnis zu Polaris“ meine ich:
Du kannst z.B. ganz gezielt einen Baum mit ins Bild nehmen, um so ein hübsches Vordergrundelement zu haben.
Du kannst auch entscheiden, ob der Baum rechts, links oder mittig im Bild stehen soll.
Du kannst aber auch, und darauf will ich hinaus, entscheiden, an welcher Stelle oberhalb des Baums Polaris steht. Und damit gewichtige Entscheidungen für die Wirkung des Bildes treffen.
Das bedeutet: „Vordergrund im Verhältnis zu Polaris“.

Das ist nicht immer ganz einfach und will gut überlegt sein.

Zunächst schaut man sich (so man es nicht schon bei Tageslicht gemacht hat) nach einem geeigneten Motiv um. Ein alter Baum, ein markanter Felsbrocken, eine eingefallene Hütte, ein Bunker aus dem letzen Krieg, ein Fluss oder See, ein Windrad oder Leuchttrum… es gibt unendlich viele geeignete ‚Blickfänge‘ für Dein Strichspurenbild.

Hast Du Dein Motiv für Dich entdeckt, geht es nun daran Polaris zu finden. Denn nur wenn Du weißt, wo der Polstern steht, kannst Du abschätzen, wie sich die Sterne drehen.

Du weißt nicht wie Du Polaris findest?
Kein Problem! Ich erkläre es Dir rasch denn es ist recht einfach.
Such Dir den großen Wagen. Den erkennst Du bestimmt. Jetzt schau Dir die vorderen beiden Kastensterne an. Denke Dir die Linie zwischen ihnen.
Und jetzt verlängere diese Linie ungefähr 5 Mal über den oberen Kastenstern hinaus. Dort findest Du Polaris.
Zum besseren Verständnis habe ich Dir hier nochmal ein Bild aus einem anderen Artikel verlinkt. Darin geht es darum, wie Du Kassiopeia, (das große Himmels-W) findest, das auch ein wichtiges Sternbild ist.


Polaris finden. Klicken für Vollbild

Als Letztes musst Du herausfinden, wo genau die Kamera stehen muss.

Wie hoch oder tief musst Du sie platzieren, damit die Strichspuren bzw. der Mittelpunkt des Sternenkreises genau dort im Bild erscheinen, wo Du sie Dir wünscht?
Sollen die Spuren Dein Objekt „einkreisen“, so wie auf meinem Bild mit dem Baum? Sollen sie oberhalb oder neben dem Objekt sein? Sollen sie bei einem kleineren freistehenden Objekt direkt dahinter sein, so wie bei meinem Bild mit der Skulptur?

Du siehst, es geht hier viel um den grundsätzlichen Bildaufbau und darum, wie ein Bild Spannung erzeugt. Alles grundsätzliche Überlegungen von Fotografen.
Nur kommt hier erschwerend hinzu, dass Du die Objekte, die später das Bild ausmachen, nur zum Teil sehen kannst. Die Strichspuren und ihre Bildwirkung musst Du Dir vorstellen (lernen).
Hierbei gelten natürlich die gleichen „Regeln“ wie am Tag. Beispielsweise der goldene Schnitt, Bezugsdreiecke, die den Blick im Bild halten und kreisen lassen und ähnliches.

Das mag sich alles nicht ganz trivial und leicht anhören. Ist es auch nicht immer, auch nicht für mich.

Also mach Dir keine Gedanken. Praktisch jeder, der zum ersten Mal Strichspurenaufnahmen erstellt, legt kaum ein Augenmerk auf den Vordergrund. Zunächst geht es einfach nur darum, überhaupt Startrails zu fotografieren. Der Rest kommt später.
Und selbst dann gelingt es nicht immer. Viel zu oft ist das Bild einfach nicht machbar, weil es unmöglich ist die Kamera so aufzustellen, dass Vordergrund und Sterne genau so zueinander stehen, wie man es sich wünscht.

Dennoch ist es sinnvoll auch Anfänger auf die Bedeutung des Vordergrunds hinzuweisen.
Ich hoffe daher, dass Dich dieser etwas ausführlichere Abschnitt weiter bringt auf dem Weg zu Deiner perfekten Strichspuren-Aufnahme.

Beispiel für Vordergrundwahl:
Alle drei Bilder wurden im Umkreis von ca. 10 Metern aufgenommen, alle mit der Kamerausrichtung nach Norden und alle in derselben Nacht
Trotzdem wirken sie gänzlich unterschiedlich.
Startrails über dem Meer - Cilento, Kampanien, Italien Startrails über dem Meer - Cilento, Kampanien, Italien Startrails über dem Meer - Cilento, Kampanien, Italien
Bild 1: Unharmonische Bildaufteilung – Bild 2: Dominante Strichspuren – Bild 3: eindrucksvolles Motiv

 

Einrichten der Kamera

Hast Du Dein Motiv nun gefunden und festgelegt, wo genau die Kamera stehen soll, geht es daran sie aufzubauen und für die Aufnahme-Serie vorzubereiten.

Das Aufstellen und Einrichten der Kamera erfolgt nicht anders, als Du es auch bei anderen Fotos des Sternenhimmels machen würdest.
Du solltest jedoch darauf achten, dass das Stativ ‚bombenfest‘ steht. Ebenso sollte die Kamera auf dem Stativkopf keine Möglichkeit haben sich zu bewegen.
Tagsüber macht man ja für gewöhnlich nur sehr wenige Bilder vom Stativ. Da fällt eine minimale Bewegung nicht auf.
Aber bei Aufnahmen für Startrails, die über mehrere Stunden gehen können, ist ein absolut gleich bleibender Bildausschnitt unumgänglich.
Du solltest also lieber zweimal überprüfen, ob alle Schrauben oder Hebel am Stativkopf so fest gezogen sind, dass sich nichts auch nur minimal verstellen kann. Ein schlecht angezogener Kugelkopf beispielsweise kann sich unter dem Gewicht der Kamera-Objektiv-Kombination ganz, ganz langsam drehen. Das Aus für Dein Strichspurenbild.
Auch ist es sinnvoll zu schauen, ob das Stativ sicher steht und es nicht evtl. minimal im Boden versinken kann. Lieber einmal fest auf den Boden drücken, als später eine böse Überraschung zu erleben.

Nun musst Du nur noch Deinen Fernauslöser bzw. Intervall-Timer anschließen und programmieren.

Welches Intervall eignet sich für Startrails?

Das ist zunächst von der Brennweite Deines Objektivs abhängig. Sie bestimmt wie lange Du belichten kannst, so dass die Sterne noch Punkte bleiben.
Dafür gibt es eine einfache Frormel.
„500 (Vollformat) bzw. 300 (Crop-Sensor) geteilt durch die Brennweite des Objektivs“

Wichtig ist es nun, das Intervall möglichst kurz zu wählen. Das heißt es sollte zwischen zwei Bildern möglichst wenig Zeit vergehen.
Wartest Du zwischen zwei Bildern zu lange, hast Du später Lücken in den Strichspuren.
Andererseits benötigt Deine Kamera auch ein wenig Zeit, um das letzte Bild zu speichern. Wie lange genau, hängt von Deinem Kameramodell ab.
Ich selber gebe der Kamera 3 Sekunden Zeit und bin damit immer auf der sicheren Seite.

Meinen Intervall-Fernauslöser stelle ich daher beispielsweise so ein:
14mm an einer Vollformat-Kamera ergibt knapp 36 Sekunden rechnerische Belichtungszeit für punktförmige Sterne (500/14=35,7).
Ich wähle jedoch nur 30 Sekunden. Damit bin ich auf der sicheren Seite.
Dazu rechne ich 3 Sekunden Speicherzeit und programmiere im Fernauslöser also:
Auslösung alle 33 Sekunden„.

Als Letztes schaltest Du natürlich die Kamera ein und überprüfst, ob alle Einstellungen auch wirklich stimmen und machst ein Testfoto.

Hier nochmal eine kurze Zusammenfassung der Kameraeinstellungen

Grundlegende Kameraeinstellugen für Sternenfotografie
Die Milchstraße fotografieren lernen - Teil 2Ausführlich habe ich das in Teil 1 des Anfängerkurses „Sternenhimmel und Milchstraße fotografieren lernen“ beschrieben. Bist Du Dir unsicher, schau nochmals dort nach.

 
 
– Kamera im M-Modus (Belichtungszeit, Blende, ISO werden selbst festgelegt)
– Belichtungszeit so lange wie möglich (500 bzw. 300 geteilt durch Objektivbrennweite)
– ISO relativ hoch, abhängig von Kamera (1600 ist ein guter Richtwert)
– Blende sehr weit auf (bei sehr lichtstarken Objektiven evtl. etwas abblenden)
– Rauschunterdrückung in Kamera ausschalten
– Blitzauslösung ausschalten
– Bildstabilisator in Kamera oder Objektiv ausschalten
– Autofokus aus, manuell fokussieren

Schaut Dein Testfoto gut aus (evtl. mit dem Histogram überprüfen) startest Du Deinen Fernauslöser.
Jetzt geht es wirklich los!
Es ist sinnvoll noch ein paar Minuten zu warten, um sicher zu gehen, dass der Timer die Kamera auch wirklich steuert.
Arbeitet er sicher und selbstständig hast Du nun Zeit für anderes, denn Deine Kamera macht nun viele Fotos.
Wieviele?

Die Anzahl der Bilder für ein Startrails-Bild

Wieviele Bilder muss ich für ein Startrails Bild machen?“ ist eine berechtigte Frage.
Eine ganz bildgenaue Anzahl kann ich Dir nicht nennen, aber aus meiner Erfahrung heraus doch einige Richtwerte.
Zunächst: Zuviel gibt es nicht. Natürlich ist es möglich, dass zu viele Bilder einer Serie zu einem Startrail-Bild kombiniert nicht mehr gut aussehen. Der Himmelshintergrund verschwindet hinter all den Lichtbändern völlig. Das kommt zwar nur an sehr dunklen Orten mit extrem vielen sichtbaren Sternen vor, stellt aber insoweit kein Problem dar, als dass Du ja nicht gezwungen bist, alle aufgenommenen Bilder mit in das endgültige Sternspurenbild einfließen zu lassen.
Halten wir also fest: „Eine Obergrenze bzw. eine maximale Bildanzahl gibt es nicht“.

Eine minimale Bilderanzahl gibt es hingegen schon – und zwar aus rein ästhetischen Gründen.
Natürlich kannst Du ein Startrails-Bild aus nur 30 oder 80 Bildern erstellen, aber dann hast Du meistens relativ kurze, kaum geschlossene Strichspuren, was einfach nicht so eindrucksvoll wirkt.

Den genausesten Hinweis den ich Dir geben kann:
Meine Erfahrung sagt, dass es schon mindestens 150 (besser 250) Bilder sein sollten.
Mehr als 500 Bilder müssen es hingegen praktisch in keinem Fall sein.
Damit Du eine ungefähre Vorstellung bekommst, habe ich Dir bei einigen Bildern die Anzahl dazu geschrieben.

Was Du noch bedenken solltest
Je weitwinkliger Du fotografierst, desto mehr Bilder sollten es sein.
Bei einer Aufnahme mit beispielsweise 50 mm, benötigen die Sterne eine vergleichsweise kurze Zeit, um durch den engen Bildausschnitt zu wandern und lange Spuren zu hinterlassen.
Bei sehr weitwinkligen Aufnahmen entstehen in der gleichen Zeit nur relativ kurze Sternspuren, da das Bild einen viel größeren Ausschnitt zeigt.

 

Den Vordergrund gekonnt belichten

Da Du ja – wie oben angesprochen – nur so lange belichtest, dass die Sterne punktförmig bleiben, wird der Vordergrund in vielen Fällen viel zu dunkel sein.
In maximal 30 Sekunden fällt einfach nicht genug Licht auf den Sensor – vor allem wenn Du in einer dunklen Neumondnacht fotografierst.
Fotografierst Du hingegen bei Halbmond, kann das Licht des Mondes die Landschaft sehr schön ausleuchten. Allerdings hellt er auch den Himmel auf.

Startrails bei Vollmond
Aufnahme bei Vollmond – Relativ wenige Sterne an einem der dunkelsten Orte Italiens

Daher ist es sinnvoll, für den Vordergrund extra Aufnahmen anzufertigen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.

1. Bereits vor der Dunkelheit fotografieren.
Du kannst den Vordergrund natürlich fotografieren, bevor es richtig Nacht wird. Das solltest Du aber machen nachdem die Sonne untergegangen ist, denn Schatten, die die Sonne wirft, werden im späteren Bild sehr unnatürlich wirken. Ideal ist also die blaue Stunde.
Allerdings musst Du hierzu sehr genau wissen, wie Du Dein Bild komponieren willst, denn die Kamera muss bereits stehen, bevor überhaupt Sterne zu sehen sind.

2. Extra lange Belichtungszeiten.

Du kannst natürlich auch, bevor oder nachdem Du Deine Bildserie für die Startrails gemacht hast, zusätzliche Fotos anfertigen, die dann wesentlich länger belichtet werden.
Wie lange genau hängt von vielen Faktoren, vor allem dem Restlicht ab. Aber ein bis zwei Minuten sind ein guter Richtwert.
Diese Technik hat einen großen Vorteil:
Das spätere Einsetzen des Vordergrunds in Photoshop (oder gimp) ist vergleichsweise einfach. Es gibt praktisch keine unnatürlichen Schatten und die Lichtstimmung bzw. -farbe stimmt auch.

3. Vordergrund mit Taschenlampe oder anderer Lichtquelle aufhellen.
Du kannst Vordergrundelemente auch gezielt mit einer Taschenlampe aufhellen. Du kannst das auch mehrfach tun.
Während Dein Intervall-Fernauslöser noch läuft kannst DU einfach durch Dein Bild wandern und an verschiednenen Stellen hinleuchten.
Ich mache das am Ende einer Bildserie und lasse den Intervall-Fernauslöser weiter arbeiten. Dabei belasse ich die Kameraeinstellungen so, wie ich sie auch für die Strichspuren genutzt hatte.
Du darfst dann das Licht allerdings nur sehr kurz einschalten, da es sonst unweigerlich überstrahlt, vor allem wenn Dein Vordergrundobjekt relativ nah ist.
(Ich halte hierzu die Hand vor die Lampe, richte die Lampe auf das Objekt und nehme die Hand für einen Augenblick von der Lampe. Diese Lichtmenge genügt meistens).

Aber Vorsicht. Auch hier können Schattenwürfe entstehen, die im späteren Bild merkwürdig unnatürlich wirken.

Für weiträumige Landschaftsaufnahmen kannst Du, so Du mit einem Auto gekommen bist, auch kurz die Scheinwerfer einschalten, um die ganze Landschaft auszuleuchten.

Du musst allerdings bedenken:
Wilst Du diese künstlich ausgeleuchteten Vordergrundbilder später in Photoshop nutzen, kommt einiges an Arbeit auf Dich zu.
Du musst die Belichtung und die Farbtemperatur angleichen. Unnatürlich helle Vordergründe in merkwürdigen Farben (LED-Blau, Glühlampen-Gelb) wirken sehr störend und einfach ‚falsch‘.
Hast Du mehrere Bilder gemacht, um verschiedene Stellen auszuleuchten, musst Du in Photoshop mit Ebenenmasken arbeiten und relativ viel Zeit investieren, um die Einzelbilder glaubhaft zu einem realistischen Vordergrund zu verschmelzen.

4. Die Komposition
Natürlich kannst Du auch ein Strichspurenbild hinter einen gänzlich anderen Vordergrund setzen.
Aber abgesehen davon, dass das nicht leicht ist, wenn es überzeugend wirken soll, ist es auch kein ‚echtes Bild‘ mehr.
Es spricht nichts gegen gut gemachte Composings, nur sollte es dann auch erwähnt werden.

Startrails vor Gran Sasso
Vordergrund aus (mehreren) Tageslichtaufnahmen – Nachts war alles völlig schwarz (Gran Sasso – Abruzzen – Italien)

Tipps für die Wartezeit

Der erste und wichtigeste Tipp lautet
„Sterne gucken“
Ich hoffe, Du bist nicht nur raus in die Natur gefahren, um ein Foto zu machen. Ich wünsche Dir, dass Du die Einsamkeit und Stille der Nacht als ein besonderes Erlebnis erfahren kannst.
Die Freude an gelungenen Fotos ist das Eine, das Erleben und Spüren der Natur, der Blick in den von Sternen übersäten Himmel und das Gefühl, all das als Geschenk zu bekommen, das Andere.

Ich liege oftmals einfach auf dem Rücken und schaue in die Weite. Es ist grandios und etwas, das heutzutage fast niemand mehr macht, obwohl es doch Jahrtausende tief mit unserer Kultur verknüpft war. Bevor es Uhren, Stress und künstliches Licht gab, ja sogar noch vor wenigen Jahrzehnen, hatten die Menschen eine Beziehung zum Himmel, sie kannten ihn. Sie saßen gemeinsam zusammen und erzählten sich in diesen „Sternstunden“ Geschichten.

Wirklich fantastisch wird der Blick in den Himmel, wenn man einen Feldstecher/ein Fernglas nutzt. Wenn Du es das erste Mal machst und Dir dafür etwas Zeit nimmst, wirst Du wirklich staunen, was es dort oben alles zu entdecken gibt.

„Zweite Kamera nutzen“
Wenn Du eine zweite Kamera hast, kannst Du diese natürlich auch nutzen, um noch andere Bilder zu machen. Möglichkeiten gibt es genug.
Wie wäre es denn mit einem Panorama des Sternenhimmels oder der Milchstraße?
Ich habe meistens mehrere Kameras dabei. Ich nutze sie dann für Zeitraffer, Mosaik-Panoramen einzelner Sternbilder, wie z.B. Kassiopeia, für Deep-Sky-Aufnahmen oder verschiedene andere Spielereien.
Nebenbei bzw. hauptsächlich bleibt dabei immer noch viel Zeit für das Wichtigste: „Sterne schauen.“

„Nachdenken“
In unserem Alltag sind wir oftmals eingespannt und abgelenkt. Ständig fordert irgendetwas unsere Aufmerksamkeit, fordert eine Aktion oder Reaktion. Unser Gehirn ist ununterbrochen damit beschäftigt diverse Reize zu verarbeiten, zu bewerten und Handlungen auszuführen, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen.
Ganz anders in der Nacht. Die äußeren Reize sind auf ein Minimum reduziert, keine Sirene lässt uns aufschrecken, keine Leuchtreklame blendet uns. Wir müssen uns nicht unseren Weg zwischen Fahrrädern, Autos und anderen Menschen bahnen, unsere Ohren müssen nicht zwischen Kindergeschrei, Werbebotschaften und wichtigen Gesprächen unterscheiden.
Jetzt in der Nacht können wir ganz bei uns sein. Ganz so wie es auch der Leitspruch dieser Seite verdeutlicht: „Du, die Nacht und die Weite des Himmels“.

Vielleicht kommen Dir nachts die besten Ideen. vielleicht denkst Du auch einfach mal wieder über Dein Leben nach, darüber welche Träume Dich antreiben, welche Ziele Du hast und was Dich wirklich im tiefsten Inneren glücklich macht.

Ich wette, Du wirst es genießen! Und Du verpasst garantiert nichts, wenn Du Dein smartphone mal eine Nacht beiseite legst. Denn dort ist das Glück gewiss nicht zu finden!
(Außerdem blendet ein Bildschirm Deine Augen, die relativ lange brauchen, um sich an die Dunkelheit anzupassen. Geb ihnen die Zeit. Du wirst staunen, was Du alles sehen kannst!)
 
Irgendwann nach einigen Stunden ist Deine Bildserie „im Kasten“. Denk dran, gegebenenfalls noch länger belichtete Fotos für den Vordergrund zu machen.

Und jetzt: Schlaf Dich aus! Das eigentliche Erstellen der Startrails erfolgt morgen.

Sternspuren in Norditalien
„Im Tal des Rauschens“ – extrem viele Sterne dank Neumond – 35mm-Aufnahme aus 290 Bildern

TEIL 3
Nachbearbeitung

So, zurück im warmen Zuhause? Eine Speicherkarte voller Bilder? Dann kann es ja mit der Nachbearbeitung losgehen.
Es gibt mehrere Methoden, aus den Einzelbildern ein Strichspurenbild zu erzeugen, aber alle machen im Endeffekt dasselbe:
Sie überlagern die hellen Bereiche aller Einzelbilder.

Folgende Programme eigenen sich dafür

– Photoshop, Gimp, Corel Draw oder andere Grafikprogramme
– Startrails, StarStaX und weitere sehr einfach zu bedienende „Stand-Alone-Programme“

Jede dieser Softwarelösungen ermöglicht es, die Einzelbilder zu Sternspuren zu verbinden.
Und alle haben ihre Vor- und Nachteile.

Stand-Alone-Programme haben den Vorteil, dass alles vollautomatisch abläuft und man direkt ein Ergebnis sieht. Allerdings ohne danach noch Möglichkeiten in der inhaltlichen Bildbearbeitung zu bieten.
Ich bevorzuge Photoshop, denn das ermöglicht mir die größte Freiheit in der Gestaltung des endgültigen Ergebnisses.
In Photoshop kann ich nach dem Erstellen der Sternspuren gezielt Störlichter entfernen und weitreichende Eingriffe in das Bild vornehmen.

Der grundlegende Ablauf mit der aufgenommenen Bildserie ist folgender:

– Bilder in Lightroom grundlegend entwickeln (nicht zwingend) und danach als jpg- oder tif-Datei exportieren (mit Photoshop nicht zwingend).

Variante 1 – Stand-Alone-Programme
– Bilder in Bildbearbeitungsprogramm von Störquellen befreien (nicht zwingend)
– Bilder mit Stand-Alone-Programm automatisiert zu Startrails verbinden (jpg oder tif)
– Bilder nachbearbeiten in Bildbearbeitungsprogramm oder Lightroom (sehr sinnvoll)

Variante 2 – Photoshop
– Bilder in Photoshop zu Startrails verbinden (jedes Format; auch raw)
– Störlichter entfernen (nicht zwingend)
– Retouche einzelner Bilder (nicht zwingend)
– Nachbearbeitung des Gesamtbildes (sehr sinnvoll)

Der Unterschied zwischen Variante 1 und 2 besteht also hauptsächlich darin, dass es bei V2 möglich ist, nach dem Erstellen der Startrails noch weitreichende Veränderungen auch auf Einzelbildern vorzunehmen.
V1 hingegen erlaubt, nachdem die Startrails erstellt wurden, nur mehr bildübergreifende Anpassungen. Hier müssten Störquellen wie Vögel, Flugzeuglichter etc. bereits vor der Erstellung der Sternspuren retouchiert werden.

Ganz gleich, wie Du Dein Strichspuren-Bild erzeugst, richtig leuchten wird es erst durch die nachträgliche Entwicklung oder Bearbeitung. Denn meistens schaut es noch nicht ganz perfekt aus.
Die Farben sollten noch angepasst werden, ebenso der Kontrast. Auch kann das Bild noch nachgeschärft werden und einige kleinere Einstellungen vorgenommen werden, die Deinem Foto mehr Brillanz verleihen.

Dazu kannst Du Dir das Tutorial zur Bildbearbeitung des Sternenhimmels mit Lightroom anschauen. Denn auch wenn die Sterne nun Spuren über den Himmel ziehen, unterscheidet sich die Bildbearbeitung nicht von anderen Aufnahmen der Sterne.
Oder Du nutzt – auch wenn Du mit einem Stand-Alone-Programm gearbeitet hast – die Tipps und Entwicklungshinweise, die ich in meinem Photoshop-Tutorial für Startrails aufzeige:

Startrails mit Photoshop erzeugen, verbessern und gekonnt nachbearbeiten
Startrails mit Photoshop erstellen, entwickeln und bearbeitenEs gibt viele Möglichkeiten Bildserien des Sternenhimmels zu einem Sternspurenbild zu verarbeiten. Die Kombination aus Lightroom und Photoshop ist eine davon.
Warum ich diese Technik bevorzuge, erfährst Du in diesem Tutorial.
Aber auch, wie man das zusammengesetzte Startrails-Bild von Fehlern befreit, wie man es entwickelt und gekonnt nachbearbeitet. Und das alles in einer anschaulichen Schritt-für-Schritt Anleitung mit Vorher-Nacher-Bildern. So kannst auch Du diese Technik erlernen!

 

Ein freundliches Schlusswort

Ja – das war ausführlich. Toll, dass Du bis hierher durchgehalten hast!
Es ist mir wichtig, Dir möglichst viel von meinen Erfahrungen mitzugeben. Denn die Fehler, die ich bereits gemacht habe (und das waren viele), musst Du ja nicht unbedingt wiederholen.
Besonders die Auswahl eines schönen Vordergrundes liegt mir sehr am Herzen, denn damit steht und fällt Dein persönliches Startrails-Bild. Der Vordergrund macht Deine Sternspurenaufnahme zu etwas Einzigartigem. Zu Deinem persönlichen Bild, das unter einer Vielzahl von Aufnahmen heraussticht.

Mir ist klar, dass das nicht sofort und immer funktioniert. Ich möchte Dir aber mit auf den Weg geben, dass jede Nacht, die Du mit Freude draußen verbringst, etwas Besonderes werden kann, wenn Du sie dazu machst. Wenn auch nicht jedes Foto sofort so funktioniert, wie Du es wünscht: Die Erfahrung der Sternennacht bleibt und ist jedes Mal aufs Neue ein Geschenk.

Wenn Dir mein langer Artikel nun geholfen, Dir gute Anregungen gegeben oder Dich auch einfach nur unterhalten hat, dann freut mich das.
Hast Du ein tolles Strichspuren-Bild gemacht? Schick es mir oder verlinke es in den Kommentaren!
Du kannst es mir natürlich auch auf meiner Facebook-Seite zusenden.

Wenn Du noch Fragen hast, dann zögere nicht. Dafür habe ich die Kommentarfunktion!

In jedem Fall wünsche ich Dir viel Erfolg und Sapß auf dem Weg zu Deinem persönlichen Bild!
„Und sie dreht sich doch!“
Gutes Gelingen und allzeit „Clear Skys“!
 
Weitere Sternspurenbilder findest Du übrigens noch in der Bild-Galerie.

 
 

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Anmerkung

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