Skywatcher Star Adventurer - Test, Erfahrungsbericht, Anleitung, Tutorial, Tipps, Tricks, sinnvolles Zubehör, Vergleich

Skywatcher Star Adventurer Test

Er ist nicht der kleinste und auch nicht der leichteste unter den mobilen Astrotrackern, dafür der genaueste: Der Skywatcher Star Adventurer.
Während andere Montierungen durch geringe Größe und Gewicht beeindrucken, glänzt dieser Astrotracker mit einer Präzision, die für Deep-Sky-Aufnahmen unerlässlich ist.
Aufgrund seines hohen Bedienkomforts, der hervorragenden Verarbeitung, aber vor allem wegen seiner Genauigkeit ist der Star Adventurer für mich wohl die beste und akkurateste der portablen Reisemontierungen auf dem Markt.




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Wie ich ihn nutze, welche Vor- aber auch Nachteile dieser Astro-Tracker bietet und welche Einsatzgebiete ich sehe erfährst Du hier.
Ich nutze diese Montierung nun seit 2015 intensiv und mit viel Freude. Dabei habe ich fast ausschließlich positive Erfahungen gemacht, aber auch die Grenzen des Geräts kennengelernt.
All das findest Du nun in diesem Artikel*.
Ich hoffe das Lesen bereitet Dir Freude und hilft dabei eine für Dich geeignete Astronachführung zu finden.
Wenn Du Aufnahmen suchst, die mit dem Star Adventurer gemacht wurden, findest Du ganz am Ende (aber auch in dem Artikel) eine kleine Auswahl.
*Dieser Testbericht ist nicht bezahlt oder in einer anderen Form vom Hersteller oder einer anderen Firma unterstützt oder gesponsort. Er beruht einzig auf meinen persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen.

Zum Aufbau dieses Berichts:

  • Grundlagen zu Astrotrackern
    Eine Zusammenfassung, wie astronomische Montierungen funktionieren und worauf zu achten ist
  • Konstruktion und Funktion
    Der grundsätzliche Aufbau des Star Adventurers
  • Einsatzzweck
    Sinnvolle Einsatzmöglichkeiten und Grenzen
  • Vor- und Nachteile
    Viele Vor- und ein Nachteil
  • Zubehör
    Sinnvolles und (fast) zwingend notwendiges Zubehör
  • Fazit
    Übersicht und Zusammenfassung
  •  
    Polaris - der Nordstern am HimmelDer Skywatcher Star Adventurer im Einsatz bei frostigen Temperaturen – Objektivheizung hält die Linse warm

    Grundlagen zu Astrotrackern*

    *Dieser Abschnitt findet sich ebenfalls beim Test meiner zweiten Reisemontierung, der Vixen Polarie. Solltest Du ihn dort bereits gelesen haben, kannst Du ihn nun getrost überspringen und unterhalb des Startrails-Bilds fortfahren. Auch habe ich in meinen Übersichtsartikel zu astronomischen Nachführungen bereits einiges angesprochen.

  • Scheinbar drehen sich die Sterne jede Nacht um die Erde, tatsächlich dreht sich jedoch die Erde unter dem unbewegten Firmament. Jeder der bereits Fotos des Sternenhimmels gemacht hat, kennt dieses Phänomen: Abhängig von der Brennweite werden die Sterne früher oder später zu Strichen. Die Dauer einer Belichtung für punktförmige Sterne ist also durch die Erdrotation begrenzt.
  • Gleichzeitig sind viele Objekte im All relativ leuchtschwach und schreien förmlich nach langen Belichtungszeiten. Auch unsere Milchstraße, die sich bereits ohne Hilfsmittel auf relativ kurz belichteten Fotos fantastisch abbilden lässt, gewinnt mit längeren Zeiten enorm an Strahlkraft und Detailreichtum.
  • Genau an dieser Stelle setzen astronomische Montierungen (auch Astromontierungen, Startracker oder kurz einfach nur Montierung genannt) an: Sie bewegen die Kamera mit den Sternen mit. Oder anders ausgedrückt: Sie gleichen die Erddrehung aus.
    Die Erde dreht sich in etwa 24 Stunden einmal um ihre Achse, also um 360°. D.h. die scheinbare Drehung des Himmels beträgt jede Stunde ungefähr 15°. Prinzipiell muss also eine Montierung nicht mehr machen, als ebenfalls mit einer relativ langsamen Geschwindigkeit von eben diesen 15°/h den Sternen zu folgen.
  • Erdachse - CC by wikimedia/Silver Spoon

  • Wichtig ist hierbei diese Tatsache: Die Erde dreht sich um ihre Achse; um eine gedachte Linie, die mittig durch die Erde verläuft und an den beiden Polen ins Weltall ragt. So zumindest kann man es sich bildhaft vorstellen.
    Und genau um diese Achse bzw. mit dieser Achse, muss sich auch die Montierung, der Astrotracker, drehen.
    Um das zu erreichen, muss sie ‚eingenordet‘, also auf eine ganz bestimmte Art aufgestellt werden: Die Drehachse des Geräts muss mit der Drehachse der Erde übereinstimmen.
  • Bildquelle: CC by wikimedia/Silver Spoon

  • Dieses Einnorden erfolgt, vereinfacht gesagt, auf den Polarstern, denn dieser befindet sich fast genau am Himmelsnordpol. Die Erdachse scheint durch ihn hindurch zu gehen.
    Tatsächlich liegt der Himmelspol aber nur fast auf Polaris und die Erdachse geht eben nur fast durch ihn hindurch. Aber das große Feld der Himmelsmechanik möchte ich an dieser Stelle nicht anreißen und erspare Dir Details.
    Wie Du in den Aufnahmen von Startrails (hier ein ausführliches Tutorial zur Aufnahme dieser Sternspuren) sehen kannst, dreht sich auch der Polstern um den wahren Himmelspol. Dieser befindet sich also leicht neben Polaris.
  • Um nun den Astrotracker genau auf diesen Punkt auszurichten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die gängigste (weil einfachste und schnellste) ist das ‚Einnorden‘ mithilfe eines Polsuchers.
    Das ist ein kleines ‚Fernrohr‘, durch das man Polaris sehen kann. Wird nun die Astro-Montierung so aufgestellt, dass Polaris fast(!) in der Mitte des Polsucher-Fernrohres ist, so hat man es geschafft: Das Gerät ist eingenordet und die Kamera kann nun sehr lange, mehrere Minuten, belichten. Jetzt fängt die Milchstraße so richtig an zu strahlen und Objekte tief im All leuchten auf den Fotos.
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    Polaris - der Nordstern am HimmelDer wahre Himmelspol liegt dicht neben dem Nordstern, in diesem Foto als dickerer Strich links oberhalb des Pols zu erkennen.

     

    Konstruktion, Funktion und Einsatz

    Der Star Adventurer ist hervorragend gearbeitet – ein echtes Präzisionswerkzeug.
    Abgesehen von einem kleinen Manko (der Polsucherbeleuchtung, unten mehr dazu) ist die Montierung wirklich gut durchdacht und konstruiert.
    Wie auf den Bildern ersichtlich ist, handelt es sich um ein handliches Gerät, ähnlich groß wie eine Spiegelreflexkamera.
    Das Gewicht von 1300g (bzw. über 4kg mit allem Zubehör) ist zwar nicht so gering wie bei anderen Reisemontierungen, dennoch kann sie ihrem Einsatzzweck entsprechend auch über weite Strecken transportiert werden und findet problemlos in einem Rucksack Platz.

    Die Bedienung ist denkbar einfach, da auf jeglichen unnötigen Schnick-Schnack verzichtet wurde. Auch muss nichts zusammengebaut werden. Der Star Adventurer ist direkt nach der Lieferung mit wenigen Handgriffen einsatzbereit.
    Die einzige Herausforderung kann das Justieren des Polsuchers sein. Macht man so etwas zum ersten Mal, kann es einen durchaus in den Wahnsinn treiben. Aber keine Sorge! Bisher hat es noch jeder geschafft. Und es muss im Regelfall nur einmal erledigt werden.

     

    Einsatzzweck

    Es gibt astronomische Nachführungen in allen möglichen Größen und Gewichtsklassen, jede für ihren eigenen Zweck. Die großen (und teuren) Exemplare können natürlich wesentlich größere und schwerere Teleskope tragen und diese oftmals auch länger und genauer nachführen.
    Aber: Sie sind eben verdammt groß und unglaublich schwer. 10 Kilo und weit mehr sind ’normal‘.

    Der Einsatzzweck einer Reisemontierung ist somit der mobile Einsatz draußen im Feld, abseits von Städten und Straßen. Und natürlich auf (Flug-)Reisen, bei denen das Gepäckgewicht beschränkt ist. Auch sind sie nicht dafür ausgelegt Teleskope zu tragen. Ihre Hauptaufgabe beschränkt sich auf das Nachführen kleiner bis mittelgroßer Fotoausrüstungen.

    Natürlich kann der Star Adventurer hervorragend für sehr lange Weitwinkel-Aufnahmen großer Himmelsregionen oder der Milchstraße genutzt werden. Das schaffen jedoch auch alle anderen Reisemontierungen spielend.
    Ein besonderes Merkmal ist die präzise Nachführung auch langer Brennweiten. Der Star Adventurer ist somit die Wahl, wenn es darum geht, Deep-Sky-Aufnahmen im „Outback“ anzufertigen.
    Keiner der anderen kleinen Astro-Tracker erledigt das so genau und ist gleichzeitig auch noch absolut simpel zu bedienen.

    Geht es hingegen wirklich nur um die Aufnahme von nachgeführten Landschaften mit Sternenhimmel, ist die Vixen Polarie meine erste Wahl, einzig wegen dem extrem geringen Gewicht, was bei Wandertouren in jedem Fall eine Erleichterung darstellt. Die Polarie wiegt rund 700g, der Star Adventurer (ohne jegliches, jedoch fast zwingend notwendiges Zubehör) 1300g, mit Zubehör über 4 kg.
    Bis mindestens 85mm Brennweite ist die Polarie somit eigentlich vorteilhafter. Brennweiten von über 150mm meistert der Star Adventurer besser.

    Beide Reisemontierungen haben ihre Vorteile und ich nutze beide wirklich gerne.

     
    Skywatcher Star Adventurer - Test, Testbericht, Anleitung, Erfahrungsbericht, TutorialSkywatcher Star Adventurer mit optionalem Zubehör.

    Aufbau

    Der Star Adventurer selbst ist der auf den Bildern zu sehende rote Block mit folgenden Maßen:
    Länge vom Polsucher zur Prismenklemme: 19cm, Breite: 10cm, Höhe: 12cm – überwiegend aus Metall.
    Er hat folgende Austattungsmerkmale:

  • Polsucher (inkl. Abdeckung aus Plastik).
  • Gegenüberliegend eine Prismenklemme, in die die L-Schiene (oder der mitgelieferte Kamera-Adapter) geschoben und fixiert wird. Auch befindet sich hier ein Klemmring für die Drehachse.
  • Auf der Oberseite befindet sich das Batteriefach, auf dem auch einige Angaben zu den verschiedenen Modi zu finden sind.
  • Auf der Unterseite ist eine Bohrung für ein Standard Fotogewinde. Hier kann ein Stativ, im Idealfall jedoch die kleine Prismenschiene/Schnellwechselplatte der Polwiege befestigt werden.
  • An der einen Seite finden sich eine ganze Reihe von Knöpfen und Steckern. (Ein USB-Anschluss zur externen Stromversorgung und zum Aufspielen von Software-Updates, ein RJ12-Anschluss für einen Autoguider, eine Buchse, um die Kamera anzuschließen und direkt vom Star Adventurer auslösen zu lassen, ein Schalter für die Wahl der Erdhemisphäre oder der Timelapse-Funktion und zuletzt Richtungstasten, um die Motoren mit Höchstgeschwindigkeit laufen zu lassen.)
    Um es klar zu sagen: Von all diesen Möglichkeiten nutze ich praktisch keine! Einzig die Einstellung auf die Nordhemisphäre habe ich einmalig vorgenommen.
  • Auf der anderen Seite findet sich ein Wahlrad, mit dem die Geschwindigkeit eingestellt wird.
  • Neben der eigentlichen Hauptfunktion – der Drehung der Kamera mit den Sternen – hat sie noch einige andere Geschwindigkeiten:
    – Verfolgen der Sonne oder des Mondes (die sich mit einer anderen Geschwindigkeit zu drehen scheinen als die Sterne)
    – Halbe Sterngeschwindigkeit: Soll es ermöglichen sowohl Sterne als auch Landschaft bei längerer Belichtungszeit kaum ‚verwischen‘ zu lassen.
    Für mich ein unnötiges Feature, da ich die Landschaft bei einer Landschafts-Himmelsaufnahme getrennt aufnehme und bearbeite.
    – Zeitraffer: Natürlich kann die Drehung des Star Adventurers auch für Bewegungen beim Erstellen von Zeitraffern eingesetzt werden. Hierzu ist auch keine Ausrichtung auf Polaris, kein Einnorden erforderlich. Das Wahlrad bietet dafür drei verschiedene Geschwindigkeiten: 2x, 6x oder 12x Sternengeschwindigkeit (gleichbedeutend mit 30°, 90° bzw. 180° pro Stunde).

    Auf dem Bild ist noch einiges optionales (aber eigentlich wirklich notwendiges) Zubehör zu sehen.
    Weiter unten wird es genauer besprochen.

  • Polwiege: 620g, 12x15x11
  • Gegengewicht+Stange: 1250g, 25cmx7cm
  • L-Winkel: 475g, 15x11cmx9
  • Polsucherbeleuchtung: 25g
  • [mein]Kugelkopf: 490g
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    Einsatz vor Ort

    „Stativ aufstellen, einnoden und los.“ So einfach ist es im Prinzip. Der Einsatz ist also wirklich simpel, jedoch sollte die Einnordung umso genauer erfolgen, je länger die Brennweite ist und umso längere Belichtungszeiten angestrebt werden.
    Hier beschreibe ich mein grundsätzliches Vorgehen und gebe eine ganze Reihe Tipps, die mir sinnvoll erscheinen. Einige Fehler habe ich bereits gemacht. Du musst sie ja nicht wiederholen. Es steht Dir allerdings frei andere zu begehen.

    Vor Ort wird zunächst ein stabiles Stativ aufgebaut, ein sicherer Stand überprüft und dann die Polwiege (oder alternativ ein 3-Wege-Neiger, dazu unten mehr), auf der/dem der Star Adventurer sitzt, befestigt.
    Hierbei muss der Astrotracker nach Norden ‚blicken‘ und die Polwiege sollte bereits grob auf die geografische Breite eingestellt werden. In Mitteleuropa ist das irgendwo zwischen 45° und 50°.
    Nun ist es wichtig die Montierung ‚ins Wasser‘ zu bringen. Dies geschieht am geschicktesten mit Hilfe der in der Polwiege eingebauten Libelle.
    Zuletzt muss nur noch der Himmelspol angepeilt werden, was aufgrund des eingebauten Polsuchers und mit Hilfe der Polwiege ausgesprochen einfach ist.
    (Jedoch sollte vor der ersten Nutzung überprüft werden, ob der Polsucher justiert ist und dies ggf. nachgeholt werden.)
    Je mehr Zeit man sich für die Einnordung nimmt und um so genauer sie somit erfolgt, desto länger kann anschließend belichtet werden.
    Mit etwas Übung ist das in weniger als 5 Minuten erledigt.

    Einnorden

    Es gibt nicht die eine Reihenfolge, ich mache es jedoch so:
    Da der Star Adventurer bereits nach Norden ausgerichtet ist und die geografische Breite an der Polwiege eingestellt wurde, sollte Polaris jetzt schon irgendwo im Polsucher zu sehen sein. Ist das nicht der Fall, bewege ich das Stativ vorsichtig, bis den Stern sehen kann und überprüfe danach erneut, ob das gesamte System noch im Wasser steht. Alternativ kann auch die Polwiege auf dem Stativ bewegt werden, keinesfalls sollte jedoch mit den Schräubchen zur horizontalen Feinjustierung Polaris gesucht werden. Sie sind wirklich für den letzten ‚Feinschliff‘ gedacht.
    Ist Polaris nun im Polsucher zu sehen, muss er noch an die richtige Stelle gebracht werden. Welche das ist, hängt vom eigenen Standort, dem Datum und der Uhrzeit ab. Am einfachsten findet man das mit einer App heraus, die ich unten beschrieben habe.

     
    Blick durch Polsucher des Star AdventurersBlick durch den Polsucher des Star Adventurers. Irgendwo auf dem Kreis muss Polaris zu liegen kommen.

    Ich schaue meist schon einige Minuten zuvor nach und merke mir die Stelle, damit meine Augen wieder Zeit haben, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Wirklich zwingend ist das jedoch nicht.
    Als Erstes stelle ich nun die Höhe ein: Polaris muss entweder ein Stück nach oben oder nach unten wandern. Hierzu wird die Klemme links gelöst und das Drehrad bewegt. Dieses greift in einen Zahnkranz und neigt somit den Star Adventurer. Beim Festziehen der Klemme bewegt sich Polaris noch minimal. Dies muss man beim Einstellen einkalkulieren, es stellt jedoch kein Problem dar.
    Ist Polaris nun in der richtigen Höhe, wird er mit Hilfe der beiden Justierschrauben für die Ost-West-Einstellung an seinen endgültigen Platz gebracht.
    Zuletzt überprüfe ich die Einstellung nochmals anhand der App.
    Selbstverständlich muss der Polsucher bei der ganzen Prozedur beleuchtet sein. (dazu unten mehr).

    Weitere Tipps und Hinweise

    Es ist wichtig, dass die Kamera (zusammen mit dem Gegengewicht) beim Einnorden bereits auf dem Star Adventurer angebracht ist, da ein nachträgliches Aufsetzen zu einer Gewichtsveränderung führt, was wiederum die Montierung und/oder das Stativ minimal verstellt; somit ist die beste Einnordung wieder dahin.
    Dann wird das Gerät eingeschaltet. Es macht Sinn zunächst ein bis zwei Minuten zu warten, bis ein mögliches Spiel im Getriebe durch das Gewicht der Kamera ausgeglichen wurde.
    Nun wird ein Testfoto gemacht und wie üblich überprüft, ob Bildausschnitt und Schärfe stimmen. An dieser Stelle lässt sich auch ermitteln, wie genau die Polausrichtung erfolgt ist: Je genauer, desto länger kann belichtet werden, ohne dass die Sterne zu Strichen werden.
    Gegebenenfalls wird der Star Adventurer nachjustiert.
    (Zum Fokussieren in der Nacht habe ich einen eigenen Artikel geschrieben, der Dir hilft Sterne scharf zu fotografieren.)

    Man sollte bei allem grundsätzlich darauf achten, dass das Stativ sicher steht und sich nicht im Laufe einer Aufnahmeserie verzieht oder geringfügig in den Boden einsinkt. Auch sollte überprüft werden, ob alle Schrauben und Schellen wirklich festgezogen sind. Denn bei langen Aufnahmeserien können sich minimale Veränderungen in der Nachbearbeitung als hinderlich erweisen. Bei der normalen Tageslichtfotografie, wo das Stativ meist nur sehr kurz in ein und derselben Position für ein einziges Bild genutzt wird, spielt das normalerweise keine so entscheidende Rolle. Daher weise ich nochmals darauf hin.

    Während nun eine Aufnameserie erstellt wird, kann die Zeit genutzt werden, um einfach den Himmel zu bestaunen.
    Wie in fast allen meinen Beiträgen, möchte ich auch hier darauf hinweisen, dass es keine gute Idee ist, während die Kamera arbeitet, in ein Mobiltelephon zu blicken:
    Abgesehen davon, dass das Wunder des Nachthimmels dort nicht zu finden ist, werden die Augen geblendet. Wie ich in einem anderen Artikel bereits beschrieben habe, dauert die vollständige Dunkeladaption, also die Anpassung der Augen an die Nacht, 15 bis über 30 Minuten. Ein einziger Blick in helles Licht genügt und ein Großteil der Sterne sind nicht mehr zu sehen.
    Ich selber nutze die Zeit wirklich gerne, um mich auf den Rücken zu legen und mit einem Feldstecher am Himmel spazieren zu gehen. Geeignet sind hierfür wirklich alle Feldstecher/Fernrohre, die gerade verfügbar sind, denn jedes zeigt Dir mehr als Dein ’nacktes‘ Auge. Solltest Du allerdings über die Anschaffung eines Feldstechers nachdenken, dann ist ein 10×50 hervorragend geeignet.
    Ich selber nutze dieses Fernglas, das eine hervorragende Abbildungsleistung ohne Farbfehler hat und aufgrund seiner Stickstofffüllung nicht beschlagen kann.

    Fotografiert man über einen längeren Zeitraum, so ist es sinnvoll, gelegentlich zu überprüfen, ob die Ausrichtung auf den Himmelspol noch stimmt. Hat man beim Einnorden etwas unsauber gearbeitet, kann sich nach einiger Zeit die Nachführgenauigkeit verringert haben. Auch kann es sinnvoll sein, immer mal wieder nachzusehen, ob die Aufnahmen auch noch scharf sind.
    Gerade bei langen Aufnahmeserien über mehrere Stunden besteht die Gefahr, dass sich Tau auf dem Objektiv sammelt und die Linse beschlägt. Dagegen hilft eine Objektivheizung, die für mich unersetzbar ist. Sie wird es auch für Dich. Glaub mir. Spätestens wenn Dir zum dritten Mal Deine Aufnahmen von hoher Luftfeuchtigkeit versaut wurden, besorgst Du Dir eine.

    Wenn Du in einer Nacht mehrere Regionen am Himmel fotografierst, sollte es zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass Du jedes Mal die Einnordung überprüfst, wenndie Kamera neu ausgerichtet hast. Denn höchstwahrscheinlich verstellst Du den Star Adventurer minimal, wenn Du Schrauben löst, die Kamera drehst und somit auch das Gewicht anders verlagerst.

    Zusammenfassend lässt sich zum Einsatz des Star Adventurers sagen:
    Es ist wirklich simpel und funktioniert hervorragend, nur sollte man sauber arbeiten. Dennoch können (vor allem am Anfang) einige Hindernisse auftauchen.
    Davon solltest Du Dich jedoch keinesfalls abschrecken lassen, denn die Ergebnisse, die sich erzielen lassen, sind die Einarbeitungsphase mit möglicherweise einigen Ärgernissen in jedem Fall wert!

     
    Beispiel mit 200mm und dem Star Adventurer200 mm Aufnahme der Region zwischen Orion und den Zwillingen – Nachführung mit Star Adventurer

     

    Die Vor- und Nachteile des Skywachter Star Adventurer

    Der Star Adventurer hat, wie praktisch alle technischen Geräte, Vor- und Nachteile. Viele der Nachteile sind jedoch nur bedingt ’schlecht‘. Man muss sie immer im Licht der jeweiligen Anwendung betrachten.
    Ein Porsche eignet sich nicht, um einen Acker zu pflügen und ein Ackerschlepper nicht, um damit Höchstgeschwindigkeiten zu erzielen.
    Richtig eingesetzt ist der Star Adventurer ein hervorragender Astrotracker mit einigen fast unschlagbaren Eigenschaften.

     

    Vorteile des Skywatcher Star Adventurers

  • Gewicht und Packmaß
    Verglichen mit meiner zweiten Reisemontierung, der Vixen Polarie, ist der Star Adventurer bereits ein anderes Kaliber. Wobei das reine Gewicht dieses Astrotrackers hierbei noch nicht einmal so enorm viel höher ist, das Packmaß hingegen schon. Bedenkt man jedoch, dass, gerade beim Einsatz mit langen Brennweiten für Deep-Sky-Objekte, das Gegengewicht und der L-Winkel fast zwingend sind und auch noch ein Kugelkopf benötigt wird, so hat man mit rund 4 kg doch wesentlich mehr zu tragen.
    Natürlich ist es immer noch möglich, den Star Adventurer im Rucksack mit auf eine Tour zu nehmen – die Polarie ist hier jedoch mit nur rund 700g eindeutig die angenehmere Lösung.
    Dennoch sehe ich das relativ geringe Gewicht und kleine Packmaß als einen Vorteil an. Es gibt ja nicht nur Wandertouren, sondern auch (Flug-)Reisen, (Miet-)Wagen und sonstige ‚Trips‘, bei denen eine große Montierung mit 10kg und weit mehr kaum mitgenommen werden kann, man aber dennoch nicht auf eine astronomische Nachführung verzichten möchte. Und der Transport im Flugzeug ist bei der Größe und dem Gewicht problemlos.

  • Verarbeitung
    Hier gibt es fast nichts zu kritisieren. Nimmt man es genau, vielleicht das: Die Klappe, die das Batteriefach abdeckt, ist aus Plastik. Auch sitzen die Batterien ausgesprochen fest in der Halterung. Mit ‚fest‘ meine ich wirklich sehr fest. Ich bekomme sie ohne Hilfsmittel nicht heraus, allerdings müssen sie auch nicht besonders oft gewechselt werden.
    Die Polwiege ist leider nicht zu 100% akkurat. Nach dem Festziehen der Klemmung rutscht Polaris minimal zur Seite. Das stellt kein Problem dar, wenn man sich dessen bewusst ist und es bei der Einnordung einkalkuliert.
    Das sind aber auch wirklich die einzigen Kritikpunkte hinsichtlich der ansonsten hochwertigen Materialqualität. Man muss schließlich auch bedenken, wie günstig das Gerät (auch mit allem Zubehör) verglichen mit den ‚großen Brüdern‘ ist.
    Der Star Adventurer ist hervorragend durchdacht und verarbeitet. Nichts wackelt oder klappert, alles wirkt und ist ausgesprochen stabil und ordentlich gefertigt.
    Offenbar ist der Tracker auch recht gut abgedichtet: Weder starke Taubildung noch völliges Vereisen bei unter -15° beeinträchtigten seine Funktionstüchtigkeit.

  • Design
    Hübsch ist er ja schon, der Star Adventurer, aber das sollte kein ausschlaggebendes Argument für eine Nachführung sein.
    Was fällt auf?
    Er ist rot (wobei es auch eine schwarze Verion gibt oder gab?). Aber die Farbe ist zumindest mir herzlich egal.
    Wichtiger ist da schon die Tatsache, dass es keine spitzen Ecken gibt, die im Rucksack Löcher oder Kratzer verursachen könnten. Auch ist kein Element so angebracht, dass es abbrechen könnte. Der Star Adventurer wird einen normalen Sturz (sollte das Stativ umkippen) wohl schadlos überstehen.
    Insgesamt fällt auf, dass sich diese Astrotracker in vielen Bereichen an den großen astronomischen Montierungen orientiert. Aus gutem Grund: Alles ist in gewohnter und lange erprobter Art und Weise verbaut. Es wurde nicht aufgrund eines besonderen Looks eine Funktion ‚verschlimmbessert‘. Es gilt der gute Grundsatz des Designs: „Form follows function.“

  • Tragkraft
    Die vom Hersteller angegebene Tragkraft beträgt 5 kg – theoretisch genug für ein kleines Teleskop. Allerdings sollte man den Star Adventurer, wie jede andere Montierung auch, nicht übermäßig belasten. Gerade wenn es um lang belichtete Fotos mit hohen Brennweiten geht, kann eine geringe Überlast Ungenauigkeiten in der Nachführung verursachen.
    Dennoch: Der Star Adventurer ist von allen Reisemontierungen diejenige mit der größten Tragkraft und mir fällt keine Kamera-Objektiv-Kombination ein, die zu schwer wäre.

  • Möglichkeit für Guiding
    Im Gegensatz zu allen anderen Reisemontierungen ist der Star Adventurer mit einem Eingang für externes Guiding ausgestattet – allerdings, im Gegensatz zu den ‚richtig großen‘ Montierungen, kann nur die RA-Achse geguidet werden.
    Guiding? Hast Du noch nie gehört?
    Kurz: Es ist eine weitere Möglichkeit die Nachführung (also das Verfolgen der Sterne) zu perfektionieren.
    Jede Montierung hat einen mehr oder weniger großen Fehler in der Nachführung, bedingt durch die verbaute Mechanik (Zahnräder und Schnecken), der sich nie vollkommen vermeiden lässt. Auch wird es niemals gelingen eine Montierung zu 100% einzunorden – zumindest nicht in einer realistischen Zeitspanne, die bei Reisemontierungen für den mobilen Einsatz fast zwangsläufig gegeben ist.
    Beim Guiding wird nun, einfach ausgedrückt, eine kleine jedoch sehr empfindliche Kamera genutzt, um einen einzelnen Stern abzufilmen. Die minimalen Abweichungen des Sterns (aufgrund der zuvor genannten mechanischen Fehler und der fehlerhaften Einnordung) werden von einer Software erfasst. Nun kann die Software Steuerbefehle an die Montierung geben, um die vorhandenen Fehler auszugleichen. So wird die Montierung z.B. für Sekundenbruchteile angehalten oder beschleunigt, was zu einer wesentlich genaueren Nachführung des gesamten Systems führt.

    Und genau diese Möglichkeit bietet auch der Star Adventurer. Es ist ein (genormter) Eingang für alle gängigen Guiding-Systeme vorhanden.
    Ich habe einen Auto-Guider an einer großen Montierung mit Teleskop genutzt und kenne daher die enormen Vorteile, die solch ein System bietet.
    Am Star Adventurer sah ich bisher keine Notwendigkeit hierfür, da ich auch ohne Guiding für mich ausreichende Belichtungszeiten erreiche.
    Ich habe mir jedoch sagen lassen, dass ein angeschlossenes Guidingsystem die Belichtungszeiten (obwohl nur eine Achse angesprochen wird) nicht unerheblich steigern kann.

    Allein die vorhanden Möglichkeit ist ein Pluspunkt und ein Alleinstellungsmerkmal des Star Adventurers.

     

    Nachteile des Skywatcher Star Adventurers

    Hier musste ich länger überlegen. Bei der Vixen Polarie fiel mir sofort ein Nachteil ein: Genauer gesagt, der wirklich einzige, den sie hat.
    Aber beim Star Adventurer? Ich finde keinen gravierenden Nachteil oder Mangel. Oder doch! Da fällt mir einer ein. Und ähnlich wie bei der Polarie ist auch dieser Nachteil nicht zu vernachlässigen.

  • Polsucherbeleuchtung
    War es bei der Polarie der fehlerhaft konstruierte Polsucher, so ist es beim Star Adventurer ’nur‘ die Polsucherbeleuchtung.
    Diese ist hier nicht fest mit dem Sucherrohr verbaut, sondern als Zubehör separat erhältlich und wird von vorne auf den Sucher gesteckt.
    Das funktioniert an sich auch hervorragend, die Beleuchtung sitzt gut und die regelbare Lichtstärke ist ideal. Aber:
    Will man den (absolut sinnvollen) L-Winkel nutzen, um so die Montierung vor dem Einnorden bereits mit dem vollständigen Gewicht zu belasten, lässt sich die Beleuchtung nicht mehr aufstecken. Der Schlitz in der L-Schine, durch den man hindurch schaut, ist zu schmal, um das Beleuchtungselement auf den Sucher zu klemmen. Ein offensichtlicher Konstruktionsfehler.
    Für mich und alle, mit denen ich darüber gesprochen habe, stellt das keinesfalls ein unüberwindbares Hindernis dar. Dennoch ist es ein Fehler, der den Industriedesignern einfach hätte auffallen müssen!
    Andere Astrofotografen behelfen sich mit dem Umbauen der Beleuchtung, weitere kleben ihn einfach mit einem Klebeband (Tesafilm) fest und wieder andere feilen den Schlitz im L-Winkel derart zurecht, dass das Beleuchtungselement hindurch passt.
    Ich habe mich gegen eine Bastellösung entschieden und nutze meine sowieso vorhandene Stirnlampe mit Rotlicht. Da ich die Beleuchtung des Polsuchers nur für die letzte Feinausrichtung benötige, ist das durchaus praktisch, da die Stirnlampe in jeden Fall in ‚greifbarer Nähe‘ (nämlich auf dem Kopf) ist und, im Gegensatz zur Polsucher-Beleuchtung, nicht irgendwo im Kamerarucksack rumliegt oder bereits verloren wurde.
    Nachdem ich den Star Adventurer also soweit ausgerichtet habe, dass der Polstern schon beinahe an der richtigen Stelle im Sucher zu sehen ist (dafür brauche ich kein Licht), leuchte ich mit dem Rotlicht meiner Stirnlampe von vorne schräg in den Sucher und kann so mit der anderen Hand die Feinjustierung vornehmen.
    Da ich die (unten besprochene und absolut empfehlenswerte) Polwiege nutze, ist die Feinaurichtung einhändig zu erledigen.

    Dennoch bleibt das Gefühl, dass es technisch besser zu lösen ist und das mit einem absolut geringen Aufwand. Ein klarer, wenn auch nicht entscheidender Designfehler des Herstellers. (Vixen hat es allerdings mit seiner Polsucherlösung an der Polaire weitaus schlimmer ‚versaut‘).

  • Weitere Nachteile kann ich nicht finden. Das Gerät arbeitet bei richtigem Einsatz wie gewünscht. Vielleicht ist es noch sinnvoll darauf hinzuweisen, dass ein Satz Batterien normalerweise für mehr als eine Nacht ausreichend ist. Und bitte keine ‚Billig-Batterien‘ kaufen. Die sind nach spätestens einer Stunde leer. Ich spreche aus Erfahrung. Besser ist ein Satz ordentlicher Akkus, der auf Dauer wesentlich günstiger ist. Benötigt werden 4 AA-Batterien.

     

    Empfohlenes Zubehör

  • ordentliche Akkus (AA)
    Ordentliche Akkus, d.h. langlebige Qualitätsakkus mit ausreichender Kapazität sind zwar nicht unbedingt billig, aber bereits nach wenigen Nächten spielen sie ihren Preis wieder ein.
    Ich habe den Star Adventurer auch mit billigen Einmal-Batterien betrieben. Klar, auch das funktioniert. Allerdings nur für ca. eine Stunde. Passt man da nicht auf und übersieht das Blinken, das auf die fehlende Energie hinweist, dann hat man anstatt scharfer, punktförmiger Sterne doch wieder nur Striche auf den Bildern. Natürlich kann man für eine Nacht auch eine ‚Riesenpackung‘ Einmalbatterien mit in die Berge tragen (und wieder nach Hause), aber… es ist eh klar worauf ich hinaus will.
    Ich nutze diese Akkus, andere tun es jedoch ebenfalls. Die Kapazität sollte nur nicht zu gering gewählt werden. Vier Stück reichen auf jeden Fall für eine Nacht.
  • Polar-Finder-App
    Was nützt die beste Technik, um eine Montierung auf den Himmelspol auszurichten, wenn man diesen nicht findet?
    Eine einfache Methode ist die Polausrichtung mit der sog. Kochab-Methode. Hierbei wird eine gedachte Linie zwischen den Polstern und einem relativ nahen hellen Stern (names Kochab) gezogen. Auf diese Linie, bzw. auf den Schnittpunkt der Linie mit dem im Polsucher eingezeichneten Kreis muss Polaris zum Liegen kommen.
    Kostenlose Apps, wie ‚Polar-Finder‘ oder einige andere machen allerdings die Suche nach Kochab und das gedankliche Konstruieren der Linie überflüssig.
    Aufgrund der aktuellen Uhrzeit und der Ermittlung des Standorts mittels GPS (oder Handeingabe) zeigen sie den Punkt, auf dem Polaris stehen muss, jederzeit genau an.
    Dennoch ist es sinnvoll, die Kochab-Methode zu beherrschen und sich nicht ausschließlich auf die App auf dem Mobilgerät zu verlassen. Denn dieses kann versagen, verloren gehen oder zu Hause vergessen werden. Die Sterne jedoch stehen am Himmel, garantiert und fehlerfrei.
    Ich vermute, Du weißt, wie Du die Apps für Dein Gerät im jeweiligen ‚Appstore‘ findest. Es gibt sehr viele, einige kostenfrei, andere für einen kleinen Obulus. Ich verwende ‚PolarFinder‘ und bin damit absolut zufrieden. Wenn Du eine andere App nutzt, so schreib mir das doch in die Kommentare! Danke.
  • Kugelkopf zur Ausrichtung der Kamera
    Damit die Kamera auf dem Star Adventurer in Richtung des gewünschten Himmelsausschnitts gerichtet werden kann, wird ein Kugelkopf benötigt.
    Es kann praktisch jeder beliebige Kopf verwendet werden, allerdings sollte das Gewicht bedacht werden: Es sollte vielleicht auch – in Anbetracht möglicher Wanderungen in abgelegene Regionen – nicht gerade der schwerste Kopf sein. Eine wacklige Plastiklösung ist jedoch auch nicht anzuraten.
    Ich nutze den Bilora 1150. Hauptsächlich, weil ich ihn bereits zu Hause hatte und er sich als absolut geeignet herausgestellt hat. Ich kann ihn daher auch aufgrund des sehr günstigen Preises bedenkenlos empfehlen! Er wiegt jedoch 490g und ich würde mich bei einem Neukauf wohl nach einer etwas leichteren Lösung umsehen.

    Bilora Stativ-Kugelkopf Professional Kugelkopf

    Für meine zweite Astromontierung habe ich einen winzigen Kugelkopf, der erstaunlich stabil ist. Um Gewicht einzusparen, ist er durchaus eine Überlegung wert. Im Testbereicht der Vixen Polarie habe ich ihn genauer beschrieben.

    Vixen Kugelkopf QHD Polarie

  • L-Schiene:
    Der L-Winkel ist nicht zwingend notwendig, aber überaus sinnvoll.
    Natürlich kann der Star Adventurer auch einfach mit der mitgelieferten Schnellwechselplatte betrieben werden, jedoch mit einigen Einschänkungen.
    Nur die L-Schiene ermöglicht es das Gegengewicht zu nutzen und nur mit der L-Schiene ist es möglich, den Star Adventurer bei aufgesetzter Kamera und somit vollständiger Gewichtsbelastung einzunorden. Auch ist es nur mit der L-Schiene möglich, die Kamera in wirklich jede Himmelsregion auszurichten.
    Ich habe die mitgelieferte Schnellwechselplatte daher kein einziges Mal genutzt und würde jedem zum Kauf des L-Winkels raten.
    Übrigens ist es mit der L-Schiene möglich, zwei Kameras gleichzeitig auf dem Star Adventurer zu betreiben, die sogar auch in verschiedene Richtungen blicken können. Ausprobiert habe ich es bisher jedoch noch nicht.

    Skywatcher Star Adventurer Schwalbenschwanz L-Halterung
  • Gegengewicht
    Das Gegengewicht ermöglicht eine präzisere Nachführung, wichtig vor allem bei Deep-Sky-Aufnahmen mit langen Brennweiten und Belichtungszeiten. Durch eine gleichmäßigere Gewichtsverteilung wird der mechanische Antrieb im Star Adventurer geschont, da er nicht einseitig belastet wird. Das Gegengewicht wird idealerweise so angebracht, dass der Motor minimal ziehen muss. So hat die Mechanik den besten Griff.

    Skywatcher Star Adventurer  Gegengewichtsstange mit Gegengewicht
  • Polsucherbeleuchtung
    Die Polsucherbeleuchtung wurde oben ja bereits angesprochen. Irgendeine Beleuchtung wird für den Polsucher in jedem Fall benötigt, denn ohne Licht ist es nicht möglich, das Gerät in der Dunkelheit einzunorden. Die einzige Möglichkeit, es ohne Hilfslicht zu machen, ist der kurze Zeitraum zwischen dem Erscheinen des Polarsterns und dem Einbruch der absolut dunklen Nacht.
    Aber lass Dir sagen: Du wirst diesen Zeitpunkt garantiert nicht immer nutzen können. Kommst Du nur 10 Minuten später am anvisierten Ort an, ist es bereits zu dunkel und Du weißt wieder, warum Du ein rotes Licht hast.
    Besorg‘ Dir also die Polsucherbeleuchtung! Oder mach es wie ich und verwende eine gute(!) rote Stirnlampe.

    Skywatcher Polsucherbeleuchtung für EQ-3-2 und EQ-5 Montierungen
  • Polwiege oder 3-Wege-Neiger
    Es ist durchaus möglich(!) die den Star Adventurer auf einem (guten!) Kugelkopf auszurichten. Aber möglich heißt nicht praktisch oder gar einfach und konfortabel. Für einfache Weitwinkel-Aufnahmen ist das allerdings vollkommen ausreichend, da hier nur eine grobe Einnordung notwendig ist.
    Soll jedoch mit längeren Brennweiten gearbeitet werden oder sehr lange Belichtungszeiten erwünscht sein, so ist die akkurate Ausrichtung unumgänglich.
    Und hierfür ist ein gängiger Kugelkopf einfach nicht besonders geeignet.
    Die Nachführung muss sehr sauber auf mehreren Achsen bewegt werden, im Bereich von weniger als einem Grad. Und der Versuch, sie sowohl in der Höhe, der ‚Schräglage‘, als auch in der ‚Ost-West-Verkippung‘ auf einem Kugelkopf auszurichten, verlangt schon nach einem extrem massiven Kopf, sehr ruhigen Fingern und einer engelsgleichen Geduld. Auch darf der Kopf nach dem Festziehen der Schrauben nicht im Geringsten nachgeben.
    Aus all diesen Gründen gibt es Polwiegen (oder alternativ fein justierbare 3-Wege-Köpfe).
    Eine Polwiege erlaubt es mit Hilfe mehrerer präziser Einstellräder die Astromontierung punktgenau auszurichten. Hierbei können die Achsen getrennt voneinander verändert werden, ohne sich gegenseitig zu beinflussen. Es ist ein System, dass in ‚großen‘ Teleskopsystemen seit Jahrzehnten Verwendung findet, allerdings auch in einer kleinen Ausführung erhältlich ist.
    Ein guter(!) Drei-Wege-Kopf kann diese Aufgabe allerdings ebenfalls übernehmen, ist aber idR schwerer und größer. Und auch teurer, dafür vielfältiger einsetzbar.

    Ideal ist es da, dass es eine extra für den Star Adventurer gefertigte und auf ihn abgestimmte Polwiege gibt.
    Die Polwiege wird auf das Stativ gesetzt, nach Norden ausgerichtet und mit Hilfe der eingebauten Libelle justiert/in’s Wasser gebracht. Nun kann einerseits die Höhe eingestellt werden (großes Rad auf den Rückseite) und andererseits auch sehr fein die horizontale Ost-West-Lage angepeilt werden. So ist es möglich, den Polarstern punktgenau an die richtige Stelle im Polsucher zu bekommen.

    Skywatcher Polhöhenwiege Star Adventurer


    Hört man sich ein bisschen um, dann wird immer wieder auf 3-Wege-Neiger von Manfrotto verwiesen, der offenbar der beste seiner Klasse ist:

  • Leuchtpunktsucher
    Gerade wenn man sich am Himmel noch nicht so gut auskennt, kann ein Leuchtpunktsucher eine große Erleichterung darstellen, wenn es darum geht, die Kamera auf eine spezielle Region auszurichten.
    Man muss nicht mehr mühsam durch den Sucher der Kamera oder auf den Bildschirm blicken, sondern hat einen kleinen roten Laserpunkt, der genau auf die Stelle des Himmels leuchtet, an den auch die Kamera blickt.
    Hierzu wird der Leuchtpunktsucher in den Blitzschuh der Kamera gesteckt und einmalig (z.B. am Tag) justiert.

  • Transportköfferchen
    Für Wandertouren nicht geeignet, aber in allen anderen Fällen sowie zur grundsätzlichen Aufbewahrung bietet sich ein kleines Köfferchen an.
    Ich finde es recht praktisch, da ich den Star Adventurer darin mit allen Zubehörteilen verstauen kann, und er vor starken Erschütterungen geschützt ist.
  • Stativ
    Zu einem geeigneten Stativ gebe ich hier keinen konkreten Tipp. Zu groß ist die Auswahl und zu unterschiedlich sind die Ansprüche und die Größe des Geldbeutels. Auch gehe ich davon aus, dass jeder Fotograf bereits mindestens ein gutes Stativ besitzt.
    Ich kann jedoch von meinen eigenen Erfahrungen berichten:
    Zunächst nutze ich den Star Adventurer überwiegend auf diesem Videostativ. Ganz einfach, weil ich es (2x) besitze und es sich hervorragend eignet. Aufgrund der Bauweise von Videostativen steht es sehr stabil und verwindungsteif, auch in weit ausgefahrenem Zustand. Auch finde ich den Videokopf (einen Fluidneiger) recht praktisch, um die Montierung grob auszurichten. Aber wie gesagt: Das soll keine ultimative Empfehlung sein, extra ein Videostativ zu kaufen, wenngleich Videostative einfachen Fotostativen gegenüber schon einige Vorteile haben.
    Das zweite Stativ ist ein ganz gewöhnliches Fotostativ, klein im Packmaß, akzeptabel im Gewicht und dennoch stabil. Denn das Videostativ eignet sich aufgrund des Gewichts keinesfalls für längere Wanderungen.
    Einen wichtigen Hinweis möchte ich geben:
    Das Stativ sollte sich in jedem Fall ausreichend weit ausfahren lassen und dabei stabil stehen. Man muss sich, um den Star Adventurer einzunorden, hinter das Gerät knien und durch den Polsucher auf Polaris blicken. Daher ist es sehr sinnvoll, wenn der Sucher sich ungefähr auf Kopfhöhe befindet, wenn man selber kniet oder in der Hocke ist. Stative, die sich nur auf 40 cm ausfahren lassen, sind daher absolut ungeeignet; sinnvoll ist schon eher 1 Meter. Ich zumindest kann mir nicht vorstellen auf dem Bauch zu liegen und meinen Hals derart zu verbiegen, dass ich Polaris sehen kann.

  • Fernauslöser
    Ein Fernauslöser ist für verwackelungsfreie Langzeitbelichtungen zwingend erforderlich. Zwar kann der Star Adventurer ein Auslöse-Signal an die Kamera senden, allerdings völlig unflexibel. Es kann weder das Intervall (also der zeitliche Abstand zwischen zwei Aufnahmen) noch die Belichtungszeit (im Bulb-Modus der Kamera) eingestellt werden. Der Star Adventurer sendet einfach alle 100 Sekunden einen Impuls.
    Das ist in meinen Augen also völlig nutzlos.
    Richtigerweise wird ein Intervall-Fernauslöser genutzt, bei dem zumindest die wichtigen Parameter frei wählbar sind: Belichtungszeit (z.B. 90 Sekunden) und Intervall (z.B. 95 Sekunden). Nur so kann frei entschieden werden, wie lange eine einzelne Belichtung dauern soll und wieviel Zeit zwischen zwei Fotos vergeht. Zeit, die die Kamera braucht, um die Daten zu speichern.
    Es gibt verschiedene Intervall-Fernauslöser auf dem Markt. Ich selber nutze nun seit vielen Jahren ein System, das allen meinen Ansprüchen genügt und mich noch nie im Stich gelassen hat.
    Da es ein wirklich wichtiges Zubehörteil für mein Hobby ist, habe ich diesen Intervall-Timer ausführlich beschrieben.

  • Den Star Adventurer kaufen

    Der Star Adventurer ist sowohl als Einzelgerät erhältlich als auch in einem Set, das ich jedem an’s Herz legen möchte, der ernsthaft mit diesem Gerät arbeiten will.
    Es enthält praktisch alle oben angesprochen Zubehörelemente und bietet, im Vergleich zum Kauf der Einzelteile, einen ordentlichen Preisvorteil. Einzig die Polsucherbeleuchtung ist nicht im Set enthalten und muss separat erworben werden.

    Der Star Adventurer kann natürlich in diversen Shops gekauft werden. Ich empfehle jedoch immer gerne den Astroshop, da dahinter ‚echte Menschen‘ in einem mittelständischen Unternehmen stehen. Auch bietet der Astroshop für fast alle Produkte eine ‚Best-Preis-Garantie‘.
    (Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels ist das Star Adventurer Set beim Astroshop sogar 20.- € günstiger als bei Amazon).

    Skywatcher Montierung Star Adventurer, Set

    Aber natürlich kann der Star Adventurer genauso gut bei Amazon bestellt werden:

     

    Zusammenfassung und freundliches Schlusswort

    Ich weiß – das war mal wieder ausführlich, aber dafür hast Du nun wirklich eine ganze Menge an Informationen bekommen, die Dir hoffentlich helfen eine Entscheidung für einen Astrotracker zu treffen.
    Denn eines kann ich mit Sicherheit sagen:
    Für mich ist eine Astromontierung unverzichtbar – und immer dann, wenn ich Deep-Sky-Aufnahmen mit langen Brennweiten anfertigen will, ist der Star Adventurer meine erste Wahl.
    Ohne ihn wäre es mir nicht möglich, so leuchtkräftige, scharfe und beeindruckende Fotos kleiner Himmelsausschnitte anzufertigen.

    Ich kann den Skywatcher Star Adventurer also aus langer Erfahrung und somit guten Gewissens absolut empfehlen – eben im Rahmen der Möglichkeiten eines so kleinen Geräts.
    Wie in dem Artikel mehrfach angesprochen nutze ich allerdings auch noch einen zweiten, kleineren und wesentlich leichteren Reise-Astrotracker, der sich für Touren in abgelegene (Berg-)Regionen sogar noch mehr eignet.
    Falls Du Interesse hast, empfehle ich Dir zum Vergleich also meinen Test der Vixen Polarie.

    Zum Schluss bleibt mir jetzt nur noch Dir viel Spaß und Freude unter dem wundervollen Sternenhimmel zu wünschen. Und viel Erfolg beim Erstellen Deiner persönlichen Himmelsansichten.
    Wenn Du magst, kannst Du mir gerne einen Kommentar da lassen – darüber freue ich mich, wie jeder Blogger, natürlich sehr. Denn Rückmeldungen von Lesern helfen mir, mich zu verbessern oder mögliche Fehler, die trotz gewissenhafter Recherche entstehen können, zu entfernen.

    Wenn Dir mein Testbericht des Skywatcher Star Adventurer gefallen hat, dann ist ein einfaches „Danke“ auch gern gesehen, es belohnt für die Mühen.
    Schau Dich doch auch noch etwas weiter auf der Seite um. Es gibt einiges zu entdecken. Oder besuche mich bei Facebook und Instagram. Dort gibt es sehr regelmäßig neue Fotos und kleine Geschichten rund um die Astrofotografie.

    Danke für’s Lesen!

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    2 Gedanken zu „Skywatcher Star Adventurer Test

    1. Hallo,
      aufgrund eigener langer Recherchen und auch aufgrund dieses sehr positiven Berichts habe ich mit auch ein Star Adventurer Komplettset gekauft. Wie ich jetzt weiß, habe ich dabei einen entscheidenden Fehler gemacht: Ich habe gebraucht gekauft.

      Zunächst: Die Feststellschraube an der Polwiege war gebrochen. Anderen Kollegen ist das auch schon passiert. Die Metallwelle innerhalb der Schraube ist mit (geschätzten) 2mm auch viel zu schwach. Aber das ist kein Problem, eine Kombizange schafft das Feststellen auch.

      Viel schlimmer aber: Die Montierung läuft viel zu schnell. Natürlich ist die richtige Geschwindigkeit (sidereal, „Stern“) eingestellt. Beschreibung:
      Orion, mit 150mm Brennweite an Canon 1000Da. 15 Sekunden Belichtungszeit. Die Sterne sind etwa 3-4 mal so lang wie breit. Das sind schon keine „Eier“ mehr, das sind Striche.

      Eine Serie mit denselben Einstellungen über eine Stunde zeigte auf den Aufnahmen, dass bereits nach einer Viertelstunde vom Orion nichts mehr auf dem Bild war. Er war sichtbar von Bild zu Bild nach links aus dem Bild gelaufen. Also läuft der Star Adventurer viel zu schnell.
      Erwähnen möchte ich, dass Polsucherjustierung und Einnordung (mit APP „Polarfinder“) für mich Alltag ist und ich es gewissenhaft durchgeführt habe. Der Polsucher ist wirklich Spitze!

      Ein Händler konnte mir zumindest eine Service-Adresse in Europa (UK) nennen. Dort ist das Gerät jetzt. Mal sehen, wie Skywatcher die Gewährleistung handhabt (Gerät ist eineinhalb Jahre alt).

      Holger Rentzow

      • Hallo Holger.
        Danke für den Bericht zu Deiner „Leidensgeschichte“.
        Ja – es ist wirklich grauenhaft, wenn man ein technisches Gerät gebraucht kauft (und wie du auch noch 85% vom Neupreis zahlt) und der Verkäufer bewusst kaputte Ware liefert.
        Ich hoffe, Du wirst mit einem funktionierenden Set mehr Freude haben. So wie so viele andere auch.
        Denn Freude bereitet der SA auf jeden Fall, egal ob als Ergänzung zum großen Teleskop (wie bei Dir) oder als einfaches Einsteigergerät.

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