Nie mehr frieren beim Fotografieren – Tipps und Kleidung für den Winter

Hallo frierender Sternenfreund,
schön, dass Du vorbei schaust, um Dich ein wenig aufzuwärmen!

Wahrscheinlich bist Du hier weil Du leider nur zu genau weißt:
Nichts ist so demotivierend wie frieren!




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Früher musste ich (zu) oft die Erfahrung machen, aufgrund kalter Hände und/oder Füße ins Warme flüchten zu müssen.
Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich die für mich geeigneten Methoden gegen das Frieren und dann die passende Kleidung gefunden hatte.
Und das was ich (bisher) weiß und gelernt habe, teile ich nun mit Dir.

Also: Nur hereinspaziert in die warme Stube. Es steht Tee bereit und das Feuer lodert im Kamin. Machs Dir bequem und bring Zeit mit.

Anmerkung
Ich weiß, dass man im Internet zahlreiche Tipps finden kann. Natürlich habe ich nachgesehen, was mir helfen könnte. Abgesehen davon, dass sich mindestens die Hälfte der guten Ratschläge nicht auf meine Situation (Fotografieren in der kalten Nacht) beziehen oder einfach nicht umsetzbar sind, habe ich nicht viel Neues gefunden. Dennoch sind einige Tipps bestimmt mit eingeflossen.

Kleidung gegen Kälte, Frost und Wind beim Fotografieren im Winter
Nach einer langen und kalten Nacht bei -3° in den herbstlichen Alpen

1. Vorwort

Vorsicht: Das ist ein langer Artikel!
Ich habe versucht ihn so gut zu strukturieren wie es mir möglich war und dabei klar und präzise zu sein. Dennoch wollte ich so viele (sinnvolle) Informationen einfließen zu lassen, wie mir nötig erschien.
Auch dreht es sich hier zwar primär um Astrofotografie an kalten Orten, speziell in Winternächten, aber auch für andere Personengruppen, die eisige Nächte draußen verbringen, kann dieser Artikel nützlich sein. Speziell Jäger, Tierfotografen, Wachpersonal von Sicherheitsdiensten, Zeitraffer-Fotografen und andere, die eine lange Zeit relativ bewegungslos in der Kälte ausharren wollen müssen, können von den Tipps profitieren. Aber auch bei anderen Outdoor-Aktivitäten, beim Wandern und Trekking oder bei Fotoreisen nördlich des Polarkreises zu den Polarlichtern können die Hinweise und Vorschäge helfen warm zu bleiben.

Meine Tipps und Ideen zur passenden Kleidung sind sicherlich nicht die einzige Möglichkeit, wahrscheinlich auch nicht die Beste. Es gibt eine riesige Auswahl an hochtechnisierter Kleidung, spezielle Outdoorgeschäfte, kurz eine ganze Branche, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Beste vom Besten zu finden und herzustellen.
Meine Kleidungstipps gegen die Kälte sind dafür realitätsnah. Du kannst vieles umsetzen, ohne Dir große Mengen teurer Outdoor-Spezialkleidung zu kaufen, mit der Du auch eine 12-wöchige Antarktis-Expedition überstehen würdest. Natürlich geht es nicht in T-Shirt und Badelatschen, aber es ist auch ohne riesige Investitionen möglich in sehr kalten Nächten warm zu bleiben.

Hier der weitere Aufbau:
2. Warum im Winter fotografieren?
3. Gründe für das Frieren
3.1. Warum frieren wir?
3.2. Wo friere ich besonders schnell?
4. Die richtige Kleidung
4.1. Richtige Materialien
4.2. Das Zwiebel-Prinzip richtig angewandt
5. Konkrete Tipps
5.1 So ziehe ich mich an
5.2 Beheizbare Kleidung
6. Was sonst noch in die Winternacht mitkommt

 

2. Warum überhaupt im Winter bei eisiger Kälte Sterne fotografieren?

Orion
Nur im Winter sichtbar: Orionnebel, Pferdekopf- und Flammennebel – Canon 550Da, Canon 200mm

Warum sollte ich mich in einer kalten Winternacht hinaus quälen und den Sternenhimmel fotografieren?
Eine berechtigte Frage, ist es doch drinnen vor einem warmen Kamin, mit einer Tasse Tee vor dem Laptop mit einer Tasse Kaffee wesentlich angenehmer.

Doch gerade im Winter bieten sich dem Astrofotografen besondere Möglichkeiten den Sternenhimmel zu fotografieren:

  • es ist sehr früh und sehr lange dunkel
  • die Luft ist besonders trocken und somit klar
  • es gibt außergewöhnlich lohnenswerte Konstellationen am Himmel zu bewundern, z.b. die Orionnebel, die Plejaden, das Sternbild Stier oder auch den Krebsnebel.
  • schneebedeckte Landschaften und Berge, über denen sich am Ende des Winters wieder die Milchstraße spannt, sind lohnende Motive

Es gibt also auch für Dich viele gute Gründe in der kalten Jahreszeit den inneren Schweinehund zu überwinden und in die Weiten des Alls zu blicken.
Und mit guter Vorbereitung und der richtigen Kleidung ist das auch kein Problem.

 
 

3. Gründe für das Frieren

Und was man dagegen machen kann

Es gibt unzählige Möglichkeiten sich gegen die Kälte zu schützen. Warme Kleidung ist natürlich die naheliegenste Lösung
Aber zunächst sollte man wissen, warum man überhaupt friert, wo man friert und wie sich das Frieren an sich bestmöglich auf andere Arten vermeiden lässt. Denn es gibt eine ganze Reihe (Vorsorge-)Maßnahmen, die helfen gar nicht erst zu frieren:

3.1. Warum frieren wir?

Das unangenehme oder schmerzhafte Gefühl des Frierens ist, wie jeder Schmerz, natürlich ein Warnsignal unseres Körpers, dass etwas absolut nicht in Ordnung ist und dringend geändert werden sollte.

Unsere Körper benötigt nun mal eine ’normale‘ Umgebungstemperatur, um ordnungsgemäß zu funktionieren. In einem gewissen Maß kann er Temperaturunterschiede zwar ausgleichen, bzw. sich ihnen Anpassen:
Bei Hitze ist das die kühlende Funktion der Schwitzens, bei Kälte das wärmende Zittern (das allerdings auch sehr viel Energie kostet und nur bei ausreichender Isolation nach außen wirklich sinnvoll ist).

Besonders wichtig sind für den Menschen natürlich die Inneren Organe und noch wichtiger das Gehirn. Alleine unser Denkapparat verbraucht gut die Hälfte unserer Energie.

Das Gehirn verbraucht etwa die Hälfte unserer Energie.

Interessanter Fakt:
Die ‚Körpertemperatur‘ von rund 36°, die uns allen als ’normale menschliche Temperatur‘ bekannt ist, bezieht sich nur auf den Körperkern. Die Temperatur der ‚Außenhülle‘ kann auch deutlich darunter liegen.
Bei Außentemperaturen von 15° beträgt die durchschnittliche Hauttemperatur nur noch 24°, in den Fingern sogar weit weniger. Auch kann die Temperatur z.B. in den Finger- und Fußspitzen auf 5° sinken, ohne dass hierbei Schäden entstehen würden.

Damit sichergestellt wird, dass Hirn und Organe auch bei großer Kälte funktionieren, wird, falls es nicht anders geht, den unwichtigen Körperteilen die Wärme entzogen, um die „Primärbauteile“ am Laufen zu halten.
Mit ein Grund warum wir vor allem an unseren Extremitäten zuerst frieren.
Für den menschlichen Körper ist es ausgesprochen einfach und gleichzeitig effektiv die Durchblutung zu ändern. Dieser Vorgang kostet ihn kaum Energie. Der Körper sendet einfach das Signal, die Blutgefäße zu weiten oder zu verengen.
Daher wird, als eine der ersten Maßnahmen bei drohender Unterkühlung wichtiger Organe, die Durchblutung der Hauptoberfläche und der Extremitäten verringert, da hier besonders viel Wärme verloren gehen kann und gleichzeitig keine hohe Temperatur notwendig ist.

Vereinfacht ausgedrückt läuft die Signalkette im Körper ungefähr so ab:
„Huch, es ist kalt, Gefahr für Organe und Hirn droht. Auftrag an Blutgefäße in Haut und Extremitäten: Verengen!“

Wir frieren also zunächst, um unsere wichtigen Körperteile, den Körperkern und das Gehirn zu schützen. Unser Körper sorgt dafür, dass ‚unwichtige‘ Bereiche schwächer durchblutet werden und somit weniger Wärme verloren geht.

Um das nochmal klar auszudrücken:
Wir bekommen kalte Finger nicht (nur), weil es um sie herum so kalt wäre. Wir bekommen kalte Finger (auch) weil unser Körper glaubt durch eine Verengung der Blutgefäße lebenswichtige Organe zu schützen.
Fühlt der Körperkern keine Kälte, so frieren wir an den Fingern nicht (so schnell). Auch wenn es um sie herum durchaus kühl ist.
Meine persönliche Erfahrung: -12° und mir ist wohlig warm. Ich ziehe die Handschuhe aus, weil irgendetwas so einfacher funktioniert. Erst nach über zwanzig Minuten werden die Finger langsam kalt und mir fällt bewusst auf, dass die Handschuhe noch in den Jackentaschen stecken.

 

Flüssigkeitszufuhr

Wir frieren wenn wir nicht genug Energie zu Verfügung haben. Denn dann fällt es dem Körper deutlich schwerer, alle Bereiche ausreichend zu wärmen. Energie kann natürlich durch Nahrung zugeführt werden.
Wir frieren aber auch wenn wir zu wenig trinken. Unzureichende Flüssigkeitszufuhr ist wohl die unbekannteste Ursache für Frieren.

Wir frieren, weil wir durstig sind.

Damit uns schön warm ist, muss ständig warmes Blut von der Körpermitte bis in die Finger- und Zehenspitzen transportiert werden. Unzureichendes Trinken lässt unser Blut dickflüssiger werden, es wird weniger gut transportiert, erreicht die fein verästelten Adern nicht mehr ausreichend und wir frieren schneller.
Es ist praktisch der gleiche Effekt, den die gezielte Unterversorgung mit Blut hat, nur eben nicht absichtlich, sondern aufgrund von Flüssigkeitsmangel.

(Rauchen hat übrigens den gleichen Effekt: Die fein verästelten Adern verengen sich, es kommt kein warmes Blut mehr an, wir frieren. Alkohol hingegen wärmt – kurzzeitig – durch eine Weitung der Blutgefäße, woraufhin das Blut wieder bis in die Fingerspitzen gelangen kann. Insgesamt trocknet uns Alkohol jedoch aus.)

 

Feuchtigkeit

Feuchtigkeit ist einer der Hauptgründe fürs Frieren. Feuchte (Hand-)Schuhe oder Socken lassen uns viel schneller Frieren.
Dahinter steckt ein einfacher physikalischer Vorgang, der sich hinter dem Begriff ‚Verdunstungskälte‘ verbirgt:
Verdunstet Wasser benötigt das Energie. Somit kühlt Verdunstung. Das ist genau der Effekt, den der Körper nutzt, wenn er bei Hitze schwitzt.

Eine zweite physikalische Tatsache ist in der ‚Wärmekapazität‘ begründet:
Wasser hat eine sehr hohe Wärmekapazität, und ändert seine Temperatur nur sehr langsam bzw. bei hoher Energiezufuhr.
Luft hingegen hat eine sehr geringe Wärmekapazität und kann die Temperatur sehr schnell ändern. Man könnte auch sagen, dass Wasser sehr ‚träge‘ ist.
Darum benützen wir in Wärmflaschen warmes Wasser und keine warme Luft. Allerdings bleibt kaltes Wasser gleichfalls lange kalt.

Zwei einfache physikalische Tatsachen, die beide bei Kälte nichts gutes verheißen.

Wir frieren weil wir Schwitzen

Nun kann man natürlich durch geeignete Kleidung dafür sorgen, dass von außen keine Feuchtigkeit eindringt. Man kann aber nicht verhindern, dass man schwitzt. Es bildet sich immer, egal wie kalt es ist, Feuchtigkeit auf der Haut. Und natürlich schwitzen wir im Winter unter warmer Kleidung. Nämlich immer dann, wenn wir uns mehr bewegen. Gute Kleidung transportiert die Feuchtigkeit dann ab, schlechte hält sie fest.
Daher ist unbedingt darauf zu achten, dass wir trocken bleiben.
Einerseits durch Kleidung, die keine Feuchtigkeit eindringen lässt, andererseits durch Materialien, die Feuchtigkeit abtransportieren.

 

Wind

Wind verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich. In der Presse wird hierfür oftmals der Begriff ‚windchill‘ genutzt und vielen Leuten ist auch bewusst, dass sie bei Wind verstärkt frieren.
Warum da so ist, ist jedoch meist nicht bekannt, bzw. bewusst.
Es ist genau der gleiche Effekt, der beim Schwitzen für die Abkühlung sorgt: Die oben bereits erwähnte Verdunstungskälte.
Wind reist praktisch die hautnahen und feuchten Luftschichten rund um den Körper weg. Nun verdunstet mehr Hautfeuchtigkeit. Die Verdunstung ist ein energieaufwändiger Prozess, wobei Wärme aus der Körperoberfläche abgezogen wird.
Vereinfacht: Verdunstung verbraucht Wärme und Wind steigert die Verdunstung.
Wissenschaftlich: Die für den Phasenübergang des Wassers notwendige Energie wird durch Wärmeleitung aus der Körperoberfläche abgezogen.
(Übrigens ist das auch mit eine Erklärung für trockene Haut im Winter)

 

Puhh… Was für ein langer Text – Hier die Zusammenfassung

  • Kühle Umgebungsluft erzeugt ein Warnsignal. Der Körper reagiert mit verminderter Blutzufuhr zu Extremitäten und Hautoberfläche.
    Das macht der Körper um wichtige Bauteile (Organe und Hirn) zu schützen.
  • Zu wenig Flüssigkeit im Körper und Rauchen (und einige Medikamente) hat den selben Effekt: Zu wenig warmes Blut gelangt in Extremitäten und Haut. Wir frieren.
  • Verdunstung verbraucht Energie/Wärme:
    Darum kühlt uns das Schwitzen. Denn wenn Schweiß verdunstet, wird der Hautoberfläche Wärme entzogen
    Und genauso frieren wir auch wen wir unter warmer Kleidung schwitzen und die Kleidung klamm und feucht wird. Oder wenn Wasser/Schnee auf die Haut gelangt und verdunstet.
  • Wind verstärkt den Effekt: → Die warme dünne Schicht um unsere gesamte Haut wird fortgerissen, die Feuchtigkeit verdunstet. Das verbraucht Energie.
  •  
    Frieren hat also zwei Hauptgründe:

  • Verminderte Blutzufuhr als Schutzmechanismus, gleicher Effekt durch zu wenig Trinken, Rauchen, Medikamente
  • Verdunstungskälte aufgrund von feuchter Haut/Kleidung, verstärkt durch Wind.
  •  
     
    So. Nachdem nun klar ist warum Du frierst solltest Du Dir überlegen:
     

    3.2 Wo friere ich besonders schnell?

    Ich habe zunächst herausgefunden was mich frieren lässt bzw. wo ich (zuerst) friere. Oder anders ausgedrückt: Ich habe für mich ergründet, was ich als besonders unangenehm empfinde.
    Es ist ganz klar:
    Das Schlimmste für mich sind kalte Füße! Dicht gefolgt von kalten Fingern. Es fühlt sich so an als, könnte ich den restlichen Körper recht gut warm halten, aber auch so, als würde die Kälte irgendwann in den ganzen Körper kriechen und dann so stark werden, dass ich nicht länger fotografieren kann und möchte.

    Versuche also auch für Dich zu ergründen, wo Du besonders frierst. Etwa an der Nase? Oder an den Ohren? Möglicherweise auch im Nierenbereich.
    Aufgrund der oben beschriebenen Ursachen des Frierens wird es wohl auch bei Dir irgendwo an den ‚unwichtigen‘ Extremitäten sein.

    Wenn Du weißt wo Du besonders stark frierst, kannst du diese Stellen auch besonders schützen. Denn oft ist es ja so, dass sich die Kälte (gefühlt!) von dort aus im ganzen Körper ausbreitet.
    Bleiben nun beispielsweise die Füße warm, geht es auch dem restlichen Körper gut.
    Zumindest fühlt es ich so an.

    Dabei solltest Du aber nicht vergessen:
    Deine Finger und Füße frieren nicht unbedingt, weil es um sie herum so kalt wäre. Sie frieren, weil Dein Körper das Signal sendet, die Blutzufuhr zu verringern, um den Körperkern zu schützen.
    Übertrieben ausgedrückt:
    Wenn Du mit nacktem Oberkörper, aber dick eingepackten Händen rumstehst, werden dennoch die Hände frieren. Einfach weil Dein Körper sie zum Schutz der wichtigeren Bauteile nicht mehr ordentlich mit frischem, warmen Blut versorgt. Das gleiche gilt auch, wenn Du zu wenig Flüssigkeit zu Dir nimmst.
    Trinkst Du also genug und sorgst dafür, dass Organe und Gehirn warm bleiben, hat Dein Körper keinen Grund, die Wärme (das Blut) aus Fingern und Füßen ‚abzuziehen‘, also die Blutgefäße zu verengen.
     

    Gefrorener Tau im Winter auf Kamera, Teleskop und Fernauslöser
    Fotografieren in kalten Winternächten – Mit richtiger Kleidung ohne zu frieren

     

    4. Die richtige Kleidung

    Es gibt nicht „die“ einzige richtige Kleidung. Aber es gibt gewisse Prinzipien, die helfen mit Kleidung warm zu bleiben und sich in Aufbau und Wahl der Kleidung widerspiegeln

    4.1. Die richtigen Materialien

    Baumwolle – die Grundlage für viele Stoffe.
    Vergleichsweise billig herzustellen, hat sie die früher gebräuchlichen Stoffe aus Hanf und Wolle in vielen Bereichen verdrängt.
    Aber: Abgesehen davon, dass Baumwolle ökologisch eigentlich eine Katastrophe ist (mimosenhafte Pflanze, die nur mit viel Dünger, viel Wasser und vielen Schädlingsbekämpfungsmitteln in großer Masse produziert werden kann), hat sie auch einen großen Nachteil:
    Baumwolle hält Feuchtigkeit fest, saugt sie fast wie ein Schwamm auf und sie transportiert sie nicht ab.

    Daher ist Baumwolle denkbar ungeeignet, wenn es um gute ‚kältefeste‘ Kleidung geht. Denn, wie oben bereits dargestellt, transpiriert unser Körper immer und so entsteht, egal wie wenig wir uns bewegen, immer Feuchtigkeit (vor allem an den Füßen) was zu einem größeren Kälteempfinden führt. Und diese Feuchtigkeit muss abtransportiert werden.
    Geeignet sind daher Stoffe aus (Merino-)Wolle oder aus einem Gemisch aus Wolle und Kunstfasern. Stichpunkt ‚atmungsaktiv‘.

    Ähnlich verhält es ich auch bei wasserabweisenden Stoffen.
    Diese sollen zwar Wasser abweisen (z.B. Schnee) und nicht auf die isolierenden Schichten darunter gelangen lassen, aber gleichzeitig im Inneren (auf unserem Körper) entstehende Feuchtigkeit nach außen treten lassen.
    Daher sind hier perfekt wasserdichte Schichten wie Gummi zwar nach außen hin hochwirksam, aber nicht innen hin gänzlich ungeeignet. Schweiß und Hitze staut sich und die nicht entweichende Feuchtigkeit lässt uns auf Dauer wieder mehr frieren.
    Daher sollte bei wasserabweisender Kleidung unbedingt auf solche mit einer dampfdurchlässigen Außenhülle zurück gegriffen werden.

    4.2. Das Zwiebel-Prinzip richtig umgesetzt

    „Das Zwiebel-Prinzip“ hat wohl jeder schon mal gehört: Mehrere Schichten Kleidung übereinander.
    Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn hierbei gilt eben nicht: Viel hilft viel. Die „Zwiebel“ muss einem gewissen Aufbau folgen. (Ausserdem können und wollen wir uns ja nicht mit so vielen Schichten Kleidung bedecken, dass wir wie das Michelin-Männchen aussehen und uns ähnlich unflexibel bewegen).

    Der richtige Aufbau besteht aus dem Wechsel von locker aufliegenden Isolationsschichten, die Luft (ent-)halten und dichten, relativ undurchlässigen Schichten.
    Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass ausreichend Luft zwischen den Schichten bleibt, denn diese Luftschichten sind es, die gegen Kälte isolieren.
    Es bringt Dir also recht wenig fünf Lagen eng übereinander liegender Hosen zu tragen, aber sehr viel eine lange Unterhose anzuziehen und darüber eine locker sitzende Hose, die auf der Innenseite eine flauschige Isolationsschicht hat und nach Außen hin die kalte Umgebungsluft abhält.
    Genauso wenig bringt es Dir viel eine gute (und eigentlich isolierende) Daunenjacke in eine eng anliegende Weste zu quetschen. Denn so drückst Du die Isolationsschicht zusammen und raubst ihr somit die Funktion.

    Die „Zwiebel“ besteht aus lockeren, luftigen Isolationsschichten, die sich mit dünnen, aber dichten „Sperrschichten“ abwechseln.

    Das erklärt auch, warum im Winter eine gute Baumwollstrumpfhose unter einem langen Rock aus dickem Stoff wunderbar gegen Kälte schützt. Zwischen Strumpfhose und Rock bildet sich eine Isolationsschicht.

    Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass Kleidung, die gegen Kälte isolieren soll niemals eng anliegen darf (abgesehen von der untersten Schicht, die allerdings die Blutzufuhr nicht behindern darf, also nicht zu eng.). Isolationsschichten müssen immer locker um den Körper liegen, sodass sich ein isolierendes Luftpolster bilden kann. Daher sollten z.b. Winterschuhe so groß gekauft werden, dass problemlos ein paar Einlagen und zwei Paar Wollsocken darin Platz finden, ohne dass der Schuh extrem eng um den Fuß schließt. Also lieber zwei Nummern zu groß kaufen.

     

    5. Konkrete Tipps

    5.1. So ziehe ich mich an

    Besonders wichtig ist mir bei der Wahl der Kleidung, dass nirgendwo Kälte eindringen kann. D.h. die einzelnen Schichten müssen sich überlagern und möglichst viel Haut abdecken. So kann praktisch nur noch an das Gesicht Kälte gelangen, aber auch dafür habe ich eine Lösung.
    Das heißt, dass neben der eigentlichen Funktion, nämlich Wärmen, der vermeiden von Kältebrücken an erster Stelle steht.

    Hier meine Kleidung von unten nach oben.
    Natürlich variiert sie abhängig von der Außentemperatur. Das hier ist mein Standart oder Durchschnitt bei Temperaturen von einigen Grad unter 0.

    Unterhalb der Hüfte:

    Gute, warme, dichte Schuhe. (Eine Nummer zu groß)
    Ich habe sowohl ordentliche Winterstiefel, mit gutem Profil, flauschiger Isolierung und wasserabweisender Gummierung im unteren Bereich, als auch die ganz klassischen Moon-Boots.
    Genau wie in der 80ger Jahren finde ich sie auch heute noch unglaublich hässlich, aber es gibt nichts wärmenderes als diese Monsterstiefel. Die Sohle ist keinesfalls dafür gemacht mit ihnen über Stock und Stein zu klettern, dafür enthält sie ein relativ dickes Luftpolster das auch noch unten Isoliert. Der größte Vorteil ist aber die enorm dicke Isolationsschicht rund um den Fuß. Und die hält einfach warm.

    Darin Einlagen
    Es gibt Einlagen, die nach mit einer dünnen Metallschicht isolieren und solche die eine flauschige Vlies- oder Fellauflage haben.
    Abgesehen davon, dass so eine flauschige Fläche sehr angenehm ist, bringt sie als Isolationsschicht relativ wenig. Denn das Körpergewicht drückt ‚den Flausch‘ zusammen, es kann keine Luftschicht entstehen und somit auch kaum eine Isolationswirkung.
    Natürlich gibt es auch elektrisch beheizbare Einlagen. Dazu weiter unten mehr.
    Besonders wichtig und bei großer Kälte für mich praktisch unverzichtbar sind allerdings spezielle Wärmekissen. Auch auf sie gehe ich weiter unten genauer ein, da ich sie auch in meinen Handschuhen nutze.

    Gute Wollsocken, bei großer Kälte auch zwei paar, idR ein paar zum Wechseln dabei.
    Es ist ausgesprochen wichtig, dass es Wollsocken sind, keine Baumwollsocken. Denn diese halten die Feuchtigkeit an den Füßen, sie speichern die Feuchtigkeit geradezu.
    Und auch wenn du keine Schweißfüße hast, wirst Du an den Füßen schwitzen, wenn auch nur minimal. Das ist einfach so. (Für manche mag sich das unangenehm anhören, aber so funktioniert nun mal unser Körper. Daher sollte man das auch nicht verschweigen.)
    Diese Feuchtigkeit sollte von guten Socken abtransportiert werden.

    Wirklich tolle Socken, sind meistens Unter den Begriffen ‚Merino-‚, ‚Funktions-‚ oder ‚Thermosocke‘ zu finden.
    Sehr angenehm ist es, wie bei allen Socken, wenn sie nahtlos gefertigt sind. Hier ein tolles Beispiel.

    Wenn Deine Schuhe groß genug sind, dann bildet sich zwischen Außenschuh und Deinem Fuß innerhalb der Wollsocke eine Isolationsschicht, die Dich effektiv vor Kälte schützt.
    Meine Erfahrung:
    Wenn die Füße, trotz aller ‚Abwehrmaßnahmen‘ irgendwann kalt werden hilft es wirklich am besten die Socken zu wechseln. Du wirst feststellen, dass sie minimal feucht sind, kaum merkbar aber eben doch. Also raus aus den Schuhen, alle Socken ausziehen, Füße abtrocknen und mit frischen Socken zurück in die warmen Schuhe. Das wirkt oftmals Wunder.

    Lange Unterwäsche
    Ja – ist angeblich sexy wie ein…, aber wer sich bei -10° in einem Schneefeld leidenschaftlich betätigen möchte, kann ja darauf verzichten.
    Natürlich auch aus Wolle, bzw. Funktionsstoffen.
    Das hier ist das Modell das ich nutze. Ja, eine Luxusversion, die ich mir auch nicht selber gekauft hätte, aber Mamas wollen eben nicht, dass ihre Kinder frieren, auch nicht wenn die Kinder schon lange groß sind. 😉
    Naja – was soll ich sagen, das ist schon ein tolles Teil, 60% Merino-Wolle, sehr weich, aber vor allem eins: Warm und bequem. Hätte ich die Erfahrung nicht selber gemacht, würde ich nicht glauben, um wieviel besser diese Wäsche gegenüber den einfachen normalen Baumwollteilen ist. Ein enorm auffälliger Unterschied.

    Eine gute Hose
    Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Angefangen von einer einfachen Jeans (die aber nicht anzuraten ist), über Arbeitshosen und Funktionshosen bis hin zu speziellen Winter(Ski)hosen.
    Natürlich sollte die Hose der Temperatur angemessen, auch nach vielen Stunden noch bequem zu tragen sein und idealerweise in oder über die Winterstiefel/Schuhe reichen, damit keine Kältebrücke entstehen kann.
    Für mich besonders praktisch: Eine Latzhose, denn so kann keinesfalls eine Kältebrücke an Bauch oder Nieren entstehen.
    Ich mag normale Arbeitshosen sehr gerne. Sie haben viele Taschen, sind sehr bequem und bestehen aus Materialien, die einerseits gut isolieren, andererseits kein Wasser saugen, wie beispielsweise Jeans. Ich trage sie praktisch immer, wenn ich Nachts fotografiere, auch im Sommer.

    So etwas gibt es übrigens auch als Gefrierhauskleidung.
    Gefrierhauskleidung? Ja, gibt es und ist nicht zu verwechseln mit ‚Kühlhauskleidung‘, die wohl nicht ganz so warm hält.
    Ich kenne sie nicht aus eigener Erfahrung, habe aber mehrfach gelesen, dass es wohl nichts besseres in langen und sehr kalten Nächten gibt. Gut möglich, dass auch ich sie mal ausprobieren werde. Offenbar ist es der Geheimtipp für günstige und gleichztig hochwertige Winterkleidung.

    Bei Schnee:
    Gamaschen (Stulpen)
    Sie verhindern effektiv, dass Schnee in die Schuhe/Stiefel gelangt und weitaus wichtiger, verhindern sie, dass sich Feuchtigkeit von unten die Hose entlang hochzieht.

    Knieschoner oder Kniepolster
    Knieschoner? Was ist das und warum sollte ich das brauchen?
    Knieschoner sind einfache, ergonomisch ans Knie angepasste ‚Gummipuffer‘. Sie werden hauptsächlich von Handwerkern genutzt, die viel Knien müssen.
    Sie schützen vor ‚harten‘ Schlägen und dämpfen die Belastung beim längeren Knien. Für mich besonders praktisch:
    Sie schützen vor Feuchtigkeit.

    Das alles erklärt wohl schon warum ich sie nutze: Wenn ich z.B. 10 Stunden lang draußen bin und mich dabei von Kamera zu Kamera bewege, sie immer wieder neu einstelle und dabei in den Himmel schaue, knie ich mich gefühlt weit über hundert Mal hin. Dabei lastet ein Großteil meines Gewichts, teils für mehrere Minuten, auf meinen Knien. Das möchte ihn mir nicht antun, denn irgendwann schmerzt es.
    Viel wichtiger ist aber der Schutz vor Feuchtigkeit. Denn ohne einen Schutz dringt unweigerlich früher oder später Nässe durch die Knie ein und was das fürs Frieren bedeutet habe ich bereits oben beschrieben.
    Praktisch ist natürlich auch der Schutz der Kleidung vor Dreck und die Möglichkeit sich einfach überall hinknien zu können, ohne zuvor den Boden nach spitzen Steinen und ähnlichem abzusuchen.
    Daher trage ich sie auch im Sommer.

    Es gibt zwei Arten von Kieschonern: Die ‚eigentlich besseren‘ werden in spezielle Taschen an den Knien eingeschoben. Die ‚einfachen‘ von Außen am Knie befestigt.
    Für meinen Zweck, das Abhalten von Feuchtigkeit, sind die einfachen besser geeignet.
    Es sind diese hier, allerdings kann man eine Billigvariante auch in jedem Baumarkt kaufen. Deren Nachteil (denn ich hatte sie auch): Die Haltegummis reißen sehr schnell.

    Oberkörper:

    Für den Oberkörper habe ich eine ganz eigene Reihenfolge, mit der ich sehr gut zurecht komme:
    – Direkt auf die Haut kommt ein Longsleeve oder T-Shirt (wie üblich aus den richtigen Materialien)
    – Darüber ein Kapuzenpullover mit Reißverschluss
    – Darüber eine leichte, hoch schließende Vliesjacke im „Rollkragen-Pulli-Stil“. D.h sie hat keinen weiten Ausschnitt, sonder schließt über den ganzen Hals, hoch bis zum Kinn.

    Darüber kommt dann eine Jacke:
    Entweder eine warme, schwere Wolljacke mit Vlies-Innenteil
    oder ein langer Daunenparka (der so weit ist, dass er auch über die Wolljacke passt).

    Dieser Aufbau hat für mich folgende Vorteile:
    Dadurch, dass die unterste Schicht (nach dem T-Shirt/Longsleeve) ein Kapuzenpullover ist und darüber eine Hals-umschließende Vliesjacke, gibt es keine Kältebrücken.
    Habe ich ein Mütze auf und darüber die Kapuze bin ich, abgesehen vom Gesicht, wirklich vollkommen und absolut ohne Lücken eingepackt. Vor allem im Nacken: Die halsumschließende Vliesjacke hält die Kapute derart fest, dass keine Kälte eindringen kann.
    Darüber hinaus kann ich – dank der Reißverschlüsse – jederzeit ein wenig Luft und Kälte hinein lassen, sollte mir aufgrund zu starker Bewegung doch etwas heiß werden.

    Kopf:

    Wie bereits oben erwähnt, verbraucht der Kopf fast die Hälfte unserer Energie.
    Daher ist es ausgesprochen sinnvoll ihn vor Wärmeverlusten zu schützen.
    Kalte Ohren sind ja schon unangenehm genug, aber der nicht sofort bewusst wahrnehmbare Energieverlust ist eigentlich in einer langen Nacht das eigentliche Problem.
    Dagegen hilft natürlich eine Mütze und darüber die Kapuze von Pullover und/oder Jacke. Denn nur so kommt auch im Genick keine Kälte an den Körper, eine weitere Kältebrücke wird geschlossen.

    Sturmmaske gegen Kälte, Frost und Wind beim Fotografieren im Winter
    Zwei Arten von ‚Frostschutz fürs Gesicht – in langen Nächten sehr hilfreich

    Wenn ich jedoch 6, 8 oder sogar mehr als 10 Stunden am Stück draußen bin, friere ich irgendwann auch im Gesicht, zuerst an der Nase.
    Dafür habe ich eine Sturmhaube wie sie Verbrecher Motorradfahrer tragen.
    Ich habe zwei verschiedene Systeme, beide mit ihren eigenen Vorteilen.
    Das eine System ist einfach nur eine Sturmhaube, schließt allerdings auch über den Mund.
    Das zweite System ist wie eine Mütze, die sich bei bedarf zu Sturmhaube herabrollen lässt. Die nutze ich am meisten.
    Es schaut zwar schon sehr verboten aus, so rumzulaufen, aber dort wo ich mich mitten in der Nacht aufhalte, kommt normalerweise kein Mensch vorbei.
    Einmal habe ich es allerdings schon erlebt wie im Morgengrauen ein Jäger auf mich aufmerksam wurde und seinen Feldsteher in die Hand nahm. Ich rollte einfach schnell die Sturmhaube vom Gesicht und winkte ihm freundlich mit einer Kamera zu. So konnte er sehen, dass ich einfach nur ein leicht verrückter Fotograf bin, der bei Frost im Morgengrauen auf einer Lichtung herumliegt und in den Himmel starrt.

    Übrigens:
    Es kann bei kalten Temperaturen sehr sinnvoll sein die empfindliche Haut besonders zu schützen. Kalte Luft entzieht der Haut Feuchtigkeit; Wir alle kennen trockene Lippen im Winter. Dafür gibt es spezielle fettende Kälteschutzcremes, die man auf Gesicht und/oder Lippen aufträgt.

    Handschuhe
    Das mitunter wichtigste „Bauteil“ gegen Kälte sind Handschuhe – beim Fotografieren allerdings gelegentlich auch etwas hinderlich, gerade wenn sie wirklich warm halten sollen.
    So steht man dann oftmals vor dem Problem: Dicke Warme Handschuhe mit denen sich keine Kamera bedienen lässt oder dünne ‚benutzerfreundliche‘, die dann allerdings nicht wirklich lange warm halten.
    Also lieber dicke Handschuhe und sie jedes mal beim Bedienen der Kamera ausziehen? Ja – eine Möglichkeit.

    Es ist einfach eine Grundfrage von Fotografen: „Wie bleiben die Hände beim fotografieren warm?

    Es gibt allerdings auch die Top-Handschuhe und ich bin mit ihnen ausgesprochen glücklich.
    Die Jungs der österreichischen Spezialeinsatzgruppe Cobra offenbar auch. Ebenso einige Südpolexpeditionsteams.

    Sie umfänglich zu beschreiben ist unnötig, dafür gibt es die Herstellerseite.
    Einige Vorteile möchte ich nur knapp aufzählen:
    – Innenhandschuh, mit dem sich die Kamera (und das Smartphone) bedienen lässt
    – Unfassbar warme Außenhandschuhe/Fäustlinge
    – Außenhandschuh kann an den Fingern ausgezogen werden, dann kann man mit dem Innenhandschuh Geräte bedienen, aber der eigentliche Außenhandschuh bleibt dennoch angezogen.
    – Einschübe für Wärmekissen, die tatsächlich 10 bis 12 Stunden lang heizen.

    Diese Wärmekissen sind übrigens der Tipp, auch wenn man andere Handschuhe (lockere Fäustlinge) nutzt, oder auch als dauerhafter Fußwärmer.

    Natürlich kann und will sich nicht jeder so teure Handschuhe leisten.

    Bevor ich sie hatte, habe ich mich daher so warm gehalten:
    Dünne und griffige Arbeitshandschuhe, mit denen ich auch die Kamera bedienen kann und darüber warme Fäustlinge (in die auch die Wärmekissen passen). Die Fäustlinge sollten dabei ausreichend groß sein und eine dicke Isolationsschicht besitzen.
    Alternativ gibt es auch Handschuhe, die ähnlich wie meine, eine Kombination aus Fingerhandschuh und Fäustling darstellen, auch sie eignen sich für die Bedienung der Kamera und lassen sich mit Wärmekissen bestücken. Auch diese hier wären noch eine Alternative.

    Vielleicht der wichtigste Tipp: Wärmekissen für Hände und Füße

    Wärmekissen.
    Du kennst bestimmt die einfachen Wärmekissen
    In der Fachsprache ‚Latentwärmespeicher‘
    Sie bestehen aus Natriumacetat-Trihydrat in dem ein kleines Metallplättchen schwimmt.
    Knickt man dieses wird eine Reaktion ausgelöst, die Salze kristallisieren und dabei entsteht Wärme.

    Vorteil dieser Kissen: Sie werden innerhalb von weniger als 10 Sekunden extrem heiß (bis 60°) und sind wiederverwendbar. Allerdings lässt die Hitze nach ca. 10-20 Minuten nach und das Wärmekissen wird zu einem nutzlosen harten Block. Ich hab zwar meistens ein solches Kissen im Rucksack, jedoch nur als Notlösung.

    Wärmekissen aus Naturmaterialien
    „Einmal-Wärmekissen“ hört sich zunächst nicht so toll an. Das klingt nach Geldverschwendung und Umweltverschmutzung.
    Ich nutze diese Kissen und kann Dir sagen, dass dies nicht so ist.
    Außerdem bieten diese Wärmekissen einen unglaublichen Vorteil: Sie wärmen 10 bis 12 Stunden lang.

    Sie bestehen zu 100% aus reinen Naturmaterialien: Tonerde, Aktivkohle, Eisenpulver und Kochsalz in einem kleinen Säckchen. Nach der Benutzung können sie theoretisch! einfach in den Wald geworfen werden. Höchstwahrscheinlich wären sie nach wenigen Monaten vollkommen zersetzt. Dennoch sollte man das nicht machen, aber in die Biotonne kannst Du sie werfen, dann landen sie in einem Kompostierwerk und werden wieder zu guter Erde.

    Der Preis: Kauf man mehrere liegt der Preis für ein Paar bei weniger als einem Euro. Ja – ein Euro für eine Nacht ohne kalte Hände. Mir ist es das in jeden Fall wert.
    In meine Handschuhe passen jeweils zwei Pads und in meine Schuhe auch noch ein paar und somit gebe ich sogar 3.- Euro für eine warme Nacht aus. Aber das muss einfach sein.

    Eines sollte klar sein: Man darf von diesen Wärmekissen keine brutale Hitze erwarten, sie sind wesentlich kühler als die Kurzzeit-Wärmekissen.
    Die erzeugen eine wirklich angenehme Wärme von etwas über 40° und sind somit einfach ideal, um sie über viele Stunden in Schuhen oder Handschuhen zu tragen.
    Wahrscheinlich wirst Du sie nach einiger Zeit gar nicht mehr bewusst wahrnehmen, das einzige was Du merkst ist, dass Du nicht mehr frierst.

    Genau die selben Wärmekissen, nur in anderer ‚Baumform‘ nutze ich auch für meine Füße. Da sind sie (zumindest für mich) fast noch wichtiger.

    5.2 Beheizbare Kleidung

    Beheizbare Kleidung? Macht das Sinn?
    Auf jeden Fall! Aber…

    Natürlich ist beheizbare Kleidung etwas Tolles. Alleine die Vorstellung: Einfach einen Knopf drücken und die Füße, die Hände aber auch Nieren, Schultern… werden wohlig warm.
    Leider hat das Ganze seine Tücken und daher habe ich (noch) keine beheizbare Kleidung.

    Ausprobiert habe ich bisher nur sehr einfache Fußwärmer. Ich kann sie nicht empfehlen!
    Das sind zwei Einlegesandalen, die einfach in die Schuhe geschoben werden. Oben ragt dann je ein Kabel raus, dass zu einem Batterie-Pack führt, welches man sich mit Klettband jeweils um das Bein ‚bindet‘.
    Ok – ich hatte recht günstige Teile, aber auch die 20 Euro waren es nicht wert:
    Zunächst heizen sich die Teile enorm auf, sodass es schon fast schmerzt und dann, viel zu plötzlich und viel zu schnell, ist Schluss mit Wärme. Der Strom reicht gerade mal eine Stunde. Viel zu kurz für eine Fotonacht. Also keine wirklich geniale Lösung. Ich müsste somit für 10 Stunden 40(!) AA-Batterien/Akkus mitnehmen, um dauerhaft warme Füße zu haben.
    Glaubt man den Bewertungen, gibt es jedoch auch gute Produkte.

    Abgesehen von beheizbaren Einlagen gibt es mittlerweile eine ganze Reihe heizbarer Jacken und ähnliche Kleidungsstücke: Ziemlich genial ist angeblich die Funktionskleidung von DeWalt. Leider auch recht teuer.
    Und: Auch hier halten die Akkus nicht lange genug. Zwar einige Stunden, aber ich würde für eine Fotonacht dennoch zwei Akkupacks benötigen und da wird mir die Rechnung einfach zu teuer:

    Wie oft benötige ich die beheizbare Kleidung: Vielleicht vier Mal im Monat, maximal 5 Monate, also zusammen in 20 Nächten.
    Nutze ich pro Nacht Einmalwärmer im Wert von 2-3 Euro, sind das 40-60 Euro im Jahr. Verglichen mit einigen Hundert für beheizbare Jacke + Akkus.

    Dennoch habe ich die Jacke noch nicht ganz abgehakt, evtl. fällt mir ja irgendwie eine Menge Geld zu, die ich nicht anderweitig investieren möchte muss.

    Witzig ist natürlich auch die Möglichkeit, die eigene Jacke als Powerbank zu nutzen. So kann man beispielsweise einfach das Mobilgerät an die Jacke anschließen und schon wird es mit Strom versorgt.

    6. Abseits der Kleidung

    Natürlich gibt es neben guter Kleidung auch noch einiges weiteres, dass Dir hilft warm zu bleiben oder wieder warm zu werden.
    Gute Ideen finden sich u.a. bei Campern, die auch im Winter im Wohnmobil wohnen oder gar im Zelt übernachten.

    Das wichtigste und für jeden machbar ist eine
    Thermoskanne mit warmen Tee

    Die richtige Thermoskanne für Fotografen? In vielen Ausführungen erhältlich.

    Praktisch jeder sollte eine zuhause haben oder sich als begeisterter Nachtfotograf umgehend besorgen.
    Ein warmer Tee wärmt Hände und den Körper von Innen. Es ist einfach ein Wohltat, den Becher mit der dampfenden Flüssigkeit in den Händen zu halten. Auch kann die Thermoskanne gut im Rucksack transportiert werden, was bei den nächsten Tipps nicht wirklich der Fall ist.

    Wenn Du mit dem Auto anreist, dann steht Dir ausreichend Platz zur Verfügung, aber kein warmer Rückzugsort, denn Dein Auto kühlt sehr schnell aus.
    Wenn Du keine Standheizung hast, dann kann es durchaus sinnvoll sein ein paar warme Decken im Auto zu haben, unter die man sich kuscheln kann, während die Kameras draußen automatisch vor sich hin knipsen.

    Sehr praktisch ist allerdings auch ein kleiner Gaskocher.
    Ich liebe es einfach mir Nachts einen Kaffee kochen zu können.
    Ich habe diesen Kocher in einem praktischen Koffer und nutze eine einfache Mokkamaschine (sie sollte allerdings aus Edelstahl sein, nicht aus Aluminium). Den Café trinke ich dann stilecht in dieser Tasse. 😉
    Auch habe ich eine kleine Gasheizung dabei. Sie wärmt Luft sehr schnell auf und es tut gut sich an ihr zu wärmen, wenn man mal eine Zeitlang rumsitzt. Und ja – man kann sie auch im Auto benutzen, wenn man vernünftig ist und gut aufpasst. Aber aus rechtlichen Gründe rate ich Dir davon ganz klar ab. Verwende Gasheizungen niemals im Auto!

    Was in kalten Nächten oftmals natürlich auch noch unverzichtbar ist, ist eine Objektivheizung.
    Die habe ich ja bereits in einem gesonderten Artikel ausführlich beschrieben. Hier gehört sie auch nicht her, denn hier geht es ja darum wie Du Dich selber warm hältst, nicht Deine Kamera.

    Schlusswort

    Wow – Du hast bis hierher durchgehalten? Dann musst Du schon oft sehr stark gefroren haben.

    Ich hoffe sehr, dass Dich die Lektüre weiter gebracht, Dir gute Anregungen gegeben hat und Du nun weißt, was Dir gegen das nächtliche Frieren hilft.
    Denn die langen und klaren Winternächte sind einfach zu fantastisch, um sie sich durch Kälte vermiesen zu lassen.
    Ich kann mich, dank meiner warmen Kleidung, auch im Winter einfach auf den gefrorenen Boden legen und mit meinem Feldstecher am Sternenhimmel ’spazieren gehen‘; Ein wirklich einmaliger Blick in die weiten des Alls ist so ohne Frostbeulen möglich.

    Und ich wünsche auch Dir die fantastischen Erlebnisse einer winterlichen Sternennacht. Die lange Zeit vom Sonnenuntergang um 16 Uhr bis zum Sonnenaufgang um 8 Uhr bietet fast unendliche Möglichkeiten, um zu entdecken und zu staunen. Dank der richtigen Kleidung ohne zu frieren.

    Hast Du noch weitere Tipps gegen das Frieren, etwas das ich hier nicht erwähnt habe? Lass es mich wissen.
    Haben Dir meine Tipps geholfen, dann schreib mir einen Kommentar, darüber freue ich mich.

    Und jetzt:
    Zieh Dich an, geh raus, staune und fotografiere. Du hast es Dir lang genug an meinem Feuerchen gemütlich gemacht. 😉

    Genieß‘ den Winter!

     
     

    Anmerkung

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    Weitere Beiträge

    7 Gedanken zu „Nie mehr frieren beim Fotografieren – Tipps und Kleidung für den Winter

    1. Prima, dass sich jemand mal die Mühe gemacht hat und auf das Thema Kleidung gegen das Frieren beim Fotografieren eingegangen ist. Ganz schön viel „Stoff“ ;-). Vielen Dank dafür. Die Tipps und Anmerkungen haben mir sehr weitergeholfen.

    2. Hallo,

      danke für deine vielen Tipps und natürlich die tollen Bilder. Eine Frage habe ich: wie hälst du bei Langzeitbelichtung unter Minusgraden deine Kamera warm? Ich wollte heute Nacht Aufnahmen machen, aber die Kamera (Pentax K5-IIS) hat nicht gewollt, obwohl sie bis -10°C funktionieren soll. Wäre dir sehr dankbar, wenn du mir einen Tipp geben könntest.

      • Hallo Peter,

        danke für die freundlichen Worte. 🙂
        Zunächst: Ich halte meine Kameras nicht speziell warm. Bisher haben sie unzählige Nächte im Bereich unter 0° erlebt und auch einige mit weit unter -10°.
        Mich wundert es, dass Deine nicht so recht wollte.

        Wie dem auch sei, es könnte z.B. an den Akkus gelegen haben. Allgemein halten Akkus bei Kälte nicht so lange durch. Daher ist es sinnvoll sie bis zum Einsatz z.B. in einer Tasche nah am (warmen) Körper zu transportieren. Falls Dein Akku vor dem Einsatz schon weit entladen war, kann das eine Ursache sein.

        Ich nutze an meinen Kameras bei Frost und langen Belichtungszeiten über mehrere Stunden sogenannte Objektivheizungen. Sie verhindern die Taubildung auf dem Objektiv bei hoher Luftfeuchtigkeit und unterbinden ebenso das Einfrieren der Kamera. Für mich ein sehr wichtiges Hilfsmittel, ohne das nächtliche Zeitraffer über viele Stunden hinweg oftmals unmöglich wären. Die Erwärmung des Objektivs und der Kamera verhindert Taubildung bzw. Raureif hervorragend. ( https://sternenhimmel-fotografieren.de/objektivheizung-gegen-tau/ )
        Oben in dem Artikel ist ein Bild einer meiner Kameras am Teleskop – sie ist vollkommen vereist. Zeitgleich hatte ich noch mehrere andere Kameras im Einsatz (mit Objektivheizung), von denen keine eine Vereisung zeigte. Sie arbeiteten die ganze Nacht lang durch und es sind einige hübsche Startrail-Aufnahmen entstanden.

        Eine weitere Möglichkeit sind die hier im Artikel angesprochenen Wärmepads oder Heizkissen.
        Wenn Deine Kamera für Langzeitbelichtungen auf einem Stativ steht, dann kannst Du so ein Heizkissen (z.B. mit einem Gummiring) in der Nähe des Akkus befestigen und die Kamera zusätzlich in eine leichte Vliesdecke wickeln. Das bringt garantiert einiges.

        Viel Erfolg in den nächsten Nächten – es ist bald Neumond und der Winter bleibt uns wohl noch erhalten!
        Gutes Gelingen!

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