Die Kombination aus der astronomischen Nachführung iOptron CEM25p und dem Omegon Astrograph 156/600 ist ein spannendes Gespann, das ambitionierten Einsteigern und fortgeschrittenen Astrofotografen fantastische Fotos in die Tiefen des Alls ermöglicht.
Ein lichtstarkes, kompaktes Newton-Teleskop und eine vergleichsweise leichte, mobile Montierung erscheinen mir als eine ideale Kombination, um weit außerhalb der lichtverschmutzten Städte zu fotografieren. Ich habe daher den Versuch gewagt, mich etwas abseits des Mainstreams umgesehen und ein Set gefunden, das meinen Ansprüchen optimal entgegen kommt.
Über die Besonderheiten, die (vielen) Vor- und (wenigen) Nachteile, die Herausforderungen und Erfolgserlebnisse möchte ich hier berichten.




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Ich hoffe, das Lesen bereitet Dir Freude. Vielleicht hilft mein Bericht sogar dabei, eine für Dich geeignete Astronachführung zu finden oder erleichtert Dir die Entscheidung für dieses lichtstarke Newton-Teleskop.
In dem Artikel finden sich locker eingestreut diverse Fotos, die mit den hier vorgestellten Gerätschaften angefertigt wurden. Über die Güte der Bilder lässt sich trefflich streiten, die „Bildfehler“ sind in jedem Fall bei mir, also dem Fotografen, zu suchen. Ich denke jedoch, dass sie (auch in Zusammenhang mit den beigefügten Einstellungen) einen Eindruck vermitteln.
Die folgende Übersicht zeigt, was Dich erwartet:

Zum Aufbau dieses Berichts:

1. Einführung

2. Beschreibung der Geräte

A) Ioptron CEM25p
1. Technische Daten
2. Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale
a) Technik/Hardware
b). Software

B) Omegon Pro Astrograph 154/600
1. Technische Daten
2. Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale

3. Reality Check
1. Das erste Foto
2. Die erste Nacht
3. Einsatz vor Ort und abschließende Einschätzung

4. Fazit

 

Einleitung

Ich betreibe Astrofotografie schon sehr viele Jahre. Angefangen hat alles vor weit über einem Jahrzehnt mit Zeitraffern des Nachthimmels und weitwinkligen Fotos vom Typ „Landschaft mit Milchstraße“. Mit der Zeit habe ich viel Wissen rund um dieses Thema angesammelt, beherrsche meine Zeitraffer-Technik für den Nachthimmel blind und weiß wirklich genau, was ich mache.
Auch kleine Nachführungen/Star-Tracker, von denen ich mehrere besitze, begleiten mich schon einige Jahre in jeder Astronacht. Ich liebe es, damit tiefe Aufnahmen größerer Himmelsregionen anzufertigen. Zu diesen Geräten habe ich bereits mehrere ausführliche Erfahrungs- und Testberichte geschrieben und bin absolut überzeugt von ihrer Güte und dem Einsatzzweck. Auch in diesem Bereich weiß ich genau, was ich mache und würde mich als durchaus erfahren bezeichnen. Astrofotografie mit Fotoobjektiven in jedem Brennweitenbereich und die dazugehörige Bildbearbeitung beherrsche ich voll und ganz.

Ausgewachsene Spiegel-Teleskope mit „richtigen Nachführungen“ sind für mich hingegen immer noch gewissermaßen Neuland. Ich habe zwar seit etwa 3 Jahren eine alte NEQ-5 mit einem 150/750 f5 Newton, bin aber weit davon entfernt, ein perfekter Deep-Sky-Astrofotograf zu sein. Auch kenne ich nur wenige „große“ Nachführungen und kann somit vergleichende Aussagen nur auf eine recht kleine „Datenbasis“ stützen.
Vor diesem Hintergrund muss dieser Erfahrungsbericht, dieses Review gesehen werden.

IOptron Cem25p und Omegon Astrograph 156/600Ich beschreibe hier nun aus erster Hand, offen und ehrlich, meine Erlebnisse, meine Rückschläge, aber auch meine letztendlich doch recht zahlreichen Erfolgserlebnisse. Ich werde zwar auch, aber keinesfalls ausschließlich, mit trockenen Zahlen hantieren, sondern vielmehr einen Einblick in die Arbeit mit dieser Kombination aus Teleskop und Montierung geben.
Mein Bericht richtet sich daher vor allem an (mutige) Einsteiger, an Umsteiger und erfahrenere Amateure. Doch auch halb-professionelle Astrofotografen, die Interesse an den hier vorgestellten Gerätschaften haben, werden sicherlich das ein oder andere Interessante finden. Vor allem auch in Anbetracht der Tatsache, dass Ioptron-Montierungen im deutschsprachigen Raum nicht besonders weit verbreitet sind und ein enorm lichtstarker f4-Newton auch nicht die gängigste Form des Spiegelteleskops ist.

Was ich an dieser Stelle allerdings nicht kann, ist eine tiefe und vergleichende Abschätzung oder gar ein unumstößliches Urteil zu den technischen Besonderheiten der Geräte abgeben: Hat der Spiegel wirklich den angegebenen Reflexionsgrad? Kühlt das Teleskop tatsächlich schnell aus? Wie genau ist das vom Hersteller angegebene geringe Schneckenspiel der Montierung? Entspricht die angegebene Tragkraft der Realität? Diese und ähnliche Fragen sind nur in einem definierten und vergleichenden Testaufbau abschließend zu beantworten.
Auch möchte ich darauf hinweisen, dass die gezeigten Bilder „meine“ Bilder sind. D.h. sie unterliegen meinen Schwächen (und Stärken) in der Bildbearbeitung. Darüber sind sie auch abhängig von meinem Standort und den jeweiligen Himmelsbedingungen. Da ich die Belichtungszeiten und verwendeten Kameras angebe, kann man zwar erkennen, dass der Astrograph tatsächlich recht lichtstark ist, aber Vergleiche sind immer mit Vorsicht zu genießen. Meine Fehler sind nicht die Fehler des Geräts.
(Alle Bilder: Canon 550Da – ISO1600 – Kein Dithering – Keine Flats)

Ich kann und werde hier also nur meine Erfahrungen und daraus abgeleitete Einschätzungen darstellen. Ich hoffe, diese persönliche Art des Produkttests findet Gefallen.

 

 

 

Iopton CEM25p

C-E-M – Centralbalanced Equatorial Mount (frei übersetzt: Zentral gelagerte, parallaktische Montierung). Hinter diesen drei Worten verbirgt sich ein (soweit mir bekannt ist) gänzlich neues Design der gängigsten astronomischen Nachführung. Hier wurde zum ersten Mal der Versuch gewagt, ein klassisches Design zu überarbeiten und grundlegend zu verbessern. Meiner Meinung nach ein Ansinnen, das sehr erfolgreich umgesetzt wurde.

1. Technische Daten

Ioptron CEM25p

Tragkraft12,3 kg (+Gegengewicht)
Eigengewicht4,7 kg
Periodischer Fehler<10 arcsec
GPSJa
PolsucherbeleuchtungJa
NetzteilJa
Strombedarf0,35 A
Weitere technische Daten:deutsch
englisch

Ausführliche Angaben sind in deutsch und englisch verlinkt.

2. Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale

a) Das Design – Die Hardware


Das herausstechende Merkmal und die ‚Besonderheit‘ schlechthin ist das Design. Die grundlegende Neugestaltung der ‚guten alten‘ deutschen Montierung und die damit einhergehende Verlagerung des Schwerpunktes bringt einige deutliche Vorteile mit sich. Anfänglich wurde diese Konstruktion von Iopton noch als „Z-Mount“ bezeichnet. Das ist eine naheliegende Umschreibung, wirkt doch die Montierung von der Seite betrachtet wie der Buchstabe Z.

Der deutlichste Vorteil ist die zentrale Gewichtsverteilung, die Hebelkräfte deutlich vermindert und somit einen ruhigeren Lauf und ein wesentlich geringeres Eigengewicht bei gleicher Tragkraft erlaubt.
Verglichen mit der gängigen NEQ5 Montierung bedeutet das: Nur 4,7 kg Eigengewicht bei 12 kg Zuladung, wohingegen die NEQ5 mit 15 kg zwar etwas mehr Tragkraft besitzt, aber mit 10,7 kg auch mehr als das Doppelte wiegt.
Inkl. Stativ und Gegengewicht stehen dann rund 13 vs. 28 kg auf der Waage – ein enormer Unterschied, gerade beim mobilen Einsatz.

Auch wurde die Verstellung der Polhöhe überarbeitet. Sie ist nun einhändig durchzuführen und verstellt sich nach dem Anziehen der Klemmen oder einer Gewichtsverlagerung nicht mehr. (Verbogene Schrauben gehören der Vergangenheit an 😉 und es sackt auch nichts nach.) Persönlich empfinde ich die einhändige Einstellung als sehr praktisch und überaus gelungen.

Eine weitere Verbesserung findet sich bei der Gegengewichtsstange. Sie kann „abgeklappt“ werden, was es ermöglicht, auch sehr nah am Äquator zu fotografieren, ohne dass die Gegengewichte an die Stativbeine stoßen.

Ein weiterer Vorteil, des sich aus dem Design ergibt, ist der jederzeit freie Blick durch den Polsucher.
Die ’normale deutsche Montierung‘ verdeckt den Blick durch den Polsucher, sobald sich die DEC-Achse dreht. Unpraktischerweise ist das dann der Fall, wenn das Teleskop auf Polaris zeigt.
Bei der CEM 25p (und auch ihrer großen Schwester, der CEM 40p) ist der Blick durch den Polsucher jederzeit gegeben. Dies ermöglicht es, einzunorden und gleichzeitig Polaris im Teleskop sehen zu können. Für Anfänger (doch nicht nur für sie) durchaus angenehm und sehr praktisch. So ist es möglich, Montierung und Teleskop identisch auf Polaris auszurichten und den Offset zu minimieren; eine Tatsache, die der Genauigkeit des GoTo-Systems sicherlich zugute kommt.
(Hierzu wird Polaris gleichzeitig sowohl im Polsucher als auch im Teleskop mittig(!) zentriert. Erst danach erfolgt die Einnordung.)

Der Polsucher ist ab Werk kalibriert und kann, soweit ich das gesehen habe, nicht ganz so einfach eigenständig justiert werden. Das ist auch nicht notwendig, denn zumindest bei meinem Exemplar war er absolut perfekt eingestellt.
Die Polsucherbeleuchtung ist in dem Polsucher verbaut und illuminiert diesen perfekt; die Skalen können wunderbar betrachtet werden und die Einnordung ist ein Kinderspiel. Die Helligkeit der Beleuchtung kann dabei in der Handbox variiert werden. Für mich ist diese Polsucherbeleuchtung hervorragend gelöst.

Geräuschentwicklung

Geräuschentwicklung? Welche Geräusche?
Nun, ganz stumm bleibt die Montierung nicht, aber sie ist flüsterleise. Das entstehende Geräusch ist im normalen Nachführmodus nicht wahrnehmbar und bleibt auch beim Schwenken in höchster Geschwindigkeit leise und dabei angenehm. Kein Kratzen, kein Fiepen, sondern ein angenehmes Summen.
In diesem Video findet sich ganz am Ende eine kurze Sequenz, die die Geräuschentwicklung bei maximaler Drehgeschwindigkeit zeigt, nein, hörbar macht.
Direktlink zum richtigen Zeitpunkt im Video

Wer Lust hat, die hier angesprochenen Punkte „live und in Farbe“ zu sehen, der kann in mein kurzes Video schauen:

Weiteres Zubehör

Mitgeliefert wird ein „AC-Adapter“, also ein Netzteil zum Betrieb am ’normalen‘ 230V-Stromnetz. Dies sollte eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht mehr. Einige Hersteller sparen an diesem Zubehörteil. Daher erwähne ich es.
Ebenso wird ein ASCOM-Anschlusskabel zur Verbindung mit einem Computer mitgeliefert.
Das (elektronisch verfügbare) Handbuch ist sehr gut strukturiert, umfangreich und beantwortet alle Fragen. Der mitgelieferte Quick-Start-Guide auf Papier überrascht fast ein wenig: Er ist durchaus ausführlich und erklärt die ersten Schritte gut und anhand vieler Fotos.

b) die Software

Der Handcontroller

Der Handcontroller der CEM25p trägt den schmucken Namen Go2Nova.
Die Menüführung in der Handsteuerbox ist logisch und intuitiv und somit sehr gelungen. Sie ist etwas anders als bei der mir bekannten EQ5, doch ich habe mich ohne Problem vom ersten Moment an zurecht gefunden. Mittlerweile finde ich den Menüaufbau wesentlich logischer und intuitiver. Das Handbuch habe ich nicht ein einziges Mal zurate ziehen müssen.
Das Display ist hell und groß und tadellos ablesbar.

Die Software ist umfangreich und hält einige Besonderheiten parat, von denen ich ein paar beschreiben werde:

GPS:

Das GPS der CEM25p ist eine nicht zu verachtende Erleichterung und in Geräten dieser Größen- und Preisklasse absolut unüblich.
Für eine korrekte Funktion von Alignement und GoTo muss eine Montierung „wissen“, welcher Tag und welche Uhrzeit (inkl. Sommer- bzw. Winterzeit) ist und auch, wo genau sie sich befindet. Nur so kann das System den Himmel korrekt berechnen und Sterne anfahren.
Für gewöhnlich wird das bei jedem Einschalten einer Montierung manuell eingegeben. Man muss also seinen genauen Standort kennen (Breiten- und Längengrad) und selbstverständlich Datum und Uhrzeit. Kompliziert ist das natürlich nicht, nur etwas nervig, vor allem dann, wenn man mobil unterwegs ist und immer wieder andere Standorte ansteuert. Auch darf dabei natürlich kein Fehler unterlaufen, wie zu vergessen anzugeben, dass Sommerzeit herrscht.
Bei der CEMp25p entfällt das alles. Zwei oder drei Minuten nach dem Anschalten meldet sie per Signalton, dass alle Daten automatisch aktualisiert wurden; da man ja unter einem freien Himmel fotografiert, ist GPS-Empfang immer gegeben.

Für mich ist die GPS-Einheit eine rundum gelungene Funktion, die das Einstellen der Montierung deutlich vereinfacht. Andere Hersteller lassen sich ein GPS-Modul als Extra teuer bezahlen oder verbauen es nur in ihren Premiumgeräten. Bei Ioptron ist es bereits in diesem Einsteigermodell enthalten. Top!

Die GoTo-Kataloge:

Die in der Handbox hinterlegten GoTo-Kataloge sind mit über 150.000 Objekten sehr umfangreich. (Anzahl der Objekte in Klammern):
Neben den üblichen Katalogen heller benannter Sterne (259), Doppelsternsysteme (208), dem Messier- (110) und dem NGC- (7840) und IC-Katalog (5386) finden sich auch nicht ganz so geläufige Kataloge:
UGC (12.921), Cadwell (109), Abell (4076) und Herschel-400 (400). Darüber hinaus sind 15 Kometen und 116 Asteroiden hinterlegt. Auch können 60 „User Objects“ gespeichert werden.
Sehr praktisch ist die 120.404 Sterne umfassende Datenbank HIP (Hipparcos-Katalog): Damit ist es möglich, auch Deep-Sky-Objekte anzufahren, die in keinem der Kataloge vorhanden sind, beispielsweise aus dem Sharples-Verzeichnis oder VdB-Reflexions- bzw. B-Dunkelnebel, genauso wie Objekte der Kataloge LBN und LDN. Und zwar immer dann, wenn ein HIP-Stern in oder direkt neben dem Objekt bekannt ist, was jederzeit der Fall sein dürfte. (Stellarium und weitere Planetariums-Programme zeigen sowohl die Objekte als auch die HIP Sterne. Ebenso Sternkarten. Es ist nun ein leichtes, einen Stern in oder bei dem gewünschten Deep-Sky-Objekt zu finden.)
Auf diesem Weg sind tatsächlich alle Deep-Sky-Objekte per GoTo ansteuerbar; vor allem auch in Kombination mit der im nächsten Punkt erklärten Funktion „Sync to Target“.

Natürlich ist mir bewusst, dass dies bei der (Fern-)Steuerung über einen Laptop bei jeder Montierung möglich ist. Aber gerade im mobilen Feldeinsatz, für den sich diese leichte Montierung hervorragend eignet, ist es eine Besonderheit und Erleichterung, jedes Deep-Sky-Objekt per Handcontroller anzufahren, vorausgesetzt man kennt einen HIP-Stern in der Nähe.

Sync to Target

Eine großartige Funktion, die dem GoTo-System eine zusätzliche Präzession beschert, nennt sich „Sync to Target“.
Immer wieder kommt es vor, zumindest habe ich das von anderen mobilen Astrofotografen gehört, dass das GoTo-System ein Ziel nicht perfekt zentral trifft oder sogar viele Grade neben dem Ziel landet. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein: Eine ungenaue Einnordung, eine nicht perfekte Start-Position (Home- oder Zero-Position), also die Ausrichtung des Gegengewichts nach unten/Norden bzw. des Teleskops auf Polaris, ein Versatz zwischen der Drehachse der Montierung und der Blickachse des Teleskops, ein etwas ungenau durchgeführtes Star-Alignement…
Jedenfalls kommt es vor, dass ein Deep-Sky-Objekt nicht getroffen wird. Üblicherweise wird nun entweder ein neues 3-Star-Alignement durchgeführt oder unter Zuhilfenahme des Suchers oder auch des Kamerasuchers in Kombination mit Testfotos das Objekt im Bildausschnitt zentriert oder überhaupt erst gefunden.
Das funktioniert, ist jedoch frustierend, zeitaufwändig und nicht Sinn eines GoTo-Systems, das das mühevolle (wenngleich lehrreiche) Aufsuchen von Objekten überflüssig machen soll.
Hier kommt nun Sync to Target mit ins Spiel:

Die Software der CEM25p erlaubt es neben dem üblichen 1/2/3-Stern-Alignemt auch noch, ein beliebiges Ziel als Referenz zu wählen. In der Regel wird das ein bekannter und gut sichtbarer Stern in der Nähe des (unsichtbaren) Deep-Sky-Objekts sein.
Das Vorgehen ist hierbei folgendes:
Man wählt Sync to Target, wählt dann ein Ziel (Target), das man kennt, sehen kann und das möglichst nahe am Deep-Sky-Objekt liegt. Die Montierung wird nun dieses ‚Target‘, in der Regel einen Stern, anfahren. Diesen kann man, da er sichtbar ist, perfekt im Sucher oder alternativ im Liveview der Kamera zentrieren. Die Auswahl wird bestätigt und die Montierung ist nun auf diesen Stern „gesynct“. Wird nun das gewünschte Deep-Sky-Objekt in der Nähe angefahren, so wird es immer absolut zentral getroffen.
Ich habe das mehrfach ausprobiert und letztendlich zu meinem Standard-Prozedere gemacht.
Beispielsweise soll der Wizard-Nebel NGC 7380 im Sternbild Kepheus fotografiert werden. Hier bieten sich als „Targets“ die hellen Sterne Caph in der Cassiopeia oder Alderamin im Kepheus an, von denen der Wizard-Nebel jeweils etwa gleich weit entfernt ist. Analog wäre dies beispielsweise Regulus im Sternbild Löwe, falls im Frühjahr Galaxien wie M95 fotografiert werden sollen.
Mal wählt also „Sync-target‘, wählt in der Liste ’named stars‘ den jeweiligen Stern und verfeinert nach dem automatischen Anfahren die Position des Sterns zentral in Sucherrohr oder Kamerasucher.
Wird nun NGC 7380 per GoTo angefahren, wird das Objekt perfekt und absolut zentral getroffen und das auch ohne perfekte Einnordung, ohne perfekte Zero-Position und ohne perfektes 3-Star-Alignement.

Sync-to-target funktioniert hierbei so gut, dass (eine korrekte Einnordung vorausgesetzt) das Star-Alignement komplett entfallen kann.
Ein Astrofreund sagte mir: „Ich weiß gar nicht, ob das Star-Alignement gut funktioniert. Mir hat bisher einzig die Sync-to-target-Funktion ausgereicht. So wird doch eh jedes Objekt genau getroffen.“

Für mich ist die Sync-to-target-Funktion absolut gelungen und verbessert den GoTo-Prozess enorm. Ein wirklich tolles Feature!

Weitere Software-Funktionen

Automatischer Meridian-Flip

Die Iopton CEM25p beherrscht den automatischen Meridian-Flip.
Alternativ kann die Montierung auch einfach stoppen.
Dem Nutzer steht es frei, den Zeitpunkt des Flips bzw. des Stops festzulegen: Die Montierung kann den Meridian um 010° (40 Echzeit-Minuten) überschreiten.
Ich habe diese Funktion getestet. Sie funktioniert auch, jedoch muss die Einnordung und Aufstellung der Montierung absolut perfekt (!) erfolgen.
Aber: Mein Autoguidingsystem sucht sich nicht selbstständig einen neuen Leitstern, sodass man weiterhin zum Handeln gezwungen ist.
Andere Guidingsysteme sind in der Lage, eigenständig einen geeigneten Stern zu suchen.

Einnordung ohne Blick auf Polaris

Die Einnordung erfolgt wie üblich über den Polsucher. Hierbei kann natürlich die „alte“ Methode über Berechnungen genutzt werden, die Kochabmethode oder auch auf Apps, die die Position von Polaris im Polsucher angeben, zurückgegriffen werden.
Die Handbox bietet letztgenannte Funktion ebenfalls. Da sie per GPS Datum, Uhrzeit und Standort kennt, kann sie die Position Polaris‘ im Polsucher berechnen und gibt diese per Zahlen und einer Grafik an.
Soweit, so gut und praktisch. Dank der (oben genannten) wunderbaren einhändigen Verstellung der Polhöhe ist es so sehr einfach, Polaris präzise zu positionieren.

Darüber hinaus bietet die Software aber zwei weitere Einnordungshilfen: 1. eine Verbesserung der Einnordung und 2. eine komplette Einnordungsroutine ganz ohne Einnordung über Polaris.
Vor allem der zweite Punkt kann sehr hilfreich sein, wenn Polaris nicht sichtbar ist, also am eigenen Standort von einem Berg, Haus, Baum oder falsch geparkten UFO verdeckt wird.

Detailliert werde ich die Funktionen hier nicht beschreiben, aber sie kurz anreißen:

1. Die Einnordungs-Verbesserung
Diese Funktion ermöglicht es durch das Anfahren verschiedener Sterne, die Abweichung von der perfekten Einnordung zu ermitteln. Die Handbox gibt dann konkrete Handlungsanweisungen, in welche Richtung und wie weit Polaris versetzt werden muss. Die kann mehrfach wiederholt werden, bis der Einnordungs-Fehler minimiert oder gänzlich verschwunden ist.

2. Die Einnordung ohne Sicht auf Polaris
Hier wird die Montierung unter Zuhilfenahme eines Kompasses nach Norden ausgerichtet und die Polhöhe möglichst genau eingestellt. Es wird also eine grobe „Gefühlseinnordung“ vorgenommen.
Nun schlägt die Handbox verschiedene Sterne (horizontnah und zenitnah) vor, die dann nach der Auswahl angefahren werden. Der erste Stern wird hierbei selbstverständlich nicht getroffen.
Mit einem (Fadenkreuz-)Okular und unter Befolgung der Anweisungen der Handbox wird der Stern nun zentriert. Hierzu wird teils elektronisch mit dem Handcontroller die eine Achse bewegt, die andere Achse manuell an der Montierung (bespielsweise die Verstellung der Polhöhe).
Nach dem zentrieren des ersten Sterns wird ein zweiter angefahren und dieser in ähnlicher Weise zentriert, wobei jetzt die elektronisch bzw. manuell zu verstellenden Achsen vertauscht sind.
Dies wird mehrfach wiederholt, wobei die Software jedes Mal den Einnordungsfehler, also die Abweichung berechnet. So tastet man sich Stück für Stück an eine perfekte Einnordung heran.

Ich habe es getestet, es funktioniert. Allerdings ist das schon etwas zeitraubend und nicht gerade eine enorm freudespendende Tätigkeit.
Dennoch eine hervorragende Hilfe und ein gangbarer Weg, ohne Sicht auf Polaris einzunorden.

Weiteres


Neben den hier angesprochenen Funktionen gibt es eine ganze Reihe weitere, die ich hier (unvollständig) aufliste:
1-, 2-, 3-Star-Alignement, Guidingoptionen, PEC-Training, Spracheinstellungen, unterschiedliche Tracking-Geschwindigkeiten, Display-Helligkeiten und Peep-Töne (die mich nerven und daher komplett ausgeschaltet wurden) und weitere.
Selbstverständlich kann die Montierung auch per PC/Mini-Pc/Laptop ferngesteuert werden. Das umfangreiche Handbuch beschreibt das Vorgehen gut. Getestet habe ich es nicht, da mich bei meinen „Außeneinsätzen“ jedes zusätzliche Kabel und jedes zusätzliche elektronische Gerät nur stört. „Keep it simple“.

Nachteile?

Wirkliche Nachteile habe ich nicht feststellen können und die Vorteile überwiegen die nun zwei folgenden Punkte bei weitem.

Klemmung der Achsen

Aus dem neuen Design ergibt sich auch eine neue Art der Achsenklemmung, die zunächst gewöhnungsbedürftig ist, dann aber keinerlei echten Nachteil mit sich bringt.
Wenn man zuvor eine ’normale‘ Montierung hatte, so ist man es gewöhnt, einfach einen Hebel zu öffnen, um die Achse zu drehen.
Bei den CEM-Montierungen wird hingegen zunächst ein Arretier-Knopf gelöst und dann eine Spannfeder geöffnet. So wird ein Zahnrad-Mechanismus gelöst und die Achse kann frei drehen.

Daraus ergibt sich, dass es keine Rutschkupplungen gibt.
Man sollte keinesfalls mit Gewalt gegen die Achsen stoßen. Dass dies während der unbeaufsichtigten Nachführung nicht geschehen kann (durch Anstoßen des Gegengewichts oder Tubus‘ am Stativ), wird durch den automatischen Meridian-Flip oder alternativ Meridian-Stop erreicht.
Bei gängigen Montierungen würde einfach die Rutschkupplung greifen und sich mit einem unangenehmen Geräusch bemerkbar machen.

Das ist kein echter Nachteil, erfordert es doch ganz einfach einen sorgfältigen Umgang mit dem Gerät. Aber das gilt für jede Montierung, auch jene, die mit einer Rutschkupplung ausgestattet sind.

Balance

Im Gegensatz zu meiner EQ5 erwartet die CEM25p, dass die Gewichte wirklich gut ausbalanciert sind. Zu starke einseitige Belastung der DEC-Achse mit der Optik bzw. eine nur grob eingestellte Balance zwischen RA und DEC mittels falsch angebrachter Gegengewichte lässt die Montierung „schwitzen“. Die Motoren erzeugen unangenehme Geräusche (die laut Handbuch/Hersteller jedoch keinerlei Probleme verursachen).
Ist die Balance richtig schlecht, so schafft es die CEM25p nicht mehr, das jeweilige Gewicht „aufwärts“ zu ziehen.
Man muss also vor dem Einsatz auf eine akkurate Austarierung der einzelnen Achsen achten.

Aber als Nachteil darf man auch das nicht werten. Eher als Aufforderung gewissenhaft zu arbeiten.

 
NGC 752 im Sternbild Andromeda – ‚walking‘ oder ‚raining‘ noise aufgrund fehlenden Ditherings. ‚Aufgeblasene‘ Sterne aufgrund zu starker Streckung der Daten – 40 x 120 Sek.
 

 

Omegon Pro Astrograph 154/600

Dieser Foto-Newton ist ein wunderbares und vor allem sehr lichtstarkes Spiegelteleskop, das hervorragende Bilder ermöglicht. Seine hohe Lichtstärke ist dabei vor allem ein Segen, aber auch eine gewisse Herausforderung.
Es ist eindeutig ein Gerät, das für die Fotografie ausgelegt ist. Dennoch kann man – ausreichende Verlängerungshülsen vorausgesetzt – auch mit Okularen Himmelsobjekte fokussieren und rein visuell beobachten.
Visuelle Beobachtung ist nicht mein Thema. Aber natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, mal einen (längeren) Blick auf den Mond, auf Jupiter und Saturn zu werfen. Meine Okulare sind einfache 1,25″-Einsteiger-Okulare und dennoch war es mir mit diesem Gerät möglich, nicht nur die Ringe des Saturns deutlich zu sehen, sondern auch erste Strukturen auf Jupiter. Dass der Mond sich natürlich fantastisch detailreich präsentiert und diverse Krater und weitere Strukturen zeigt, muss da wohl nicht weiter erwähnt werden.

 
Mein mobiler Aufbau
 

1. Technische Daten

Omegon Astrograph 154/600

Eigengewicht
(inkl. längerer Prismenschiene)
5,9 kg (laut Personenwaage)
Tubus-Länge56 cm
Tubus Durchmesser16,5 cm
SpiegelmaterialBK7
Reflexionsgrad94%
Weitere technische Daten:Link

Diesen Astrographen gibt es auch ‚größer‘ – jeweils f4
1000 mm Brennweite
1200 mm Brennweite

2. Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale

Bauform

Zunächst sei hier die kurze und kompakte Bauform genannt, die dieses Newton-Teleskop auch für kleinere Montierungen geeignet macht. Mit einer Länge von nur rund 60 cm stellt es keinen enorm großen Hebelarm dar und lässt sich somit einfach und zentral auf der Montierung ausbalancieren. Das Gewicht von knapp 6 kg vereinfacht das Ganze zusätzlich.

Lichtstärke

Die enorme Lichtstärke von f4 (genau genommen von f3,89) ist sicherlich die zweite Besonderheit. Das mag sich im Vergleich zu einem z.B. f5-Newton nicht nach einem sonderlich großen Unterschied anhören. Macht man sich jedoch bewusst, dass dies immerhin eine 2/3 Blendenstufe (0,66) ist, wird klar, wie viel mehr an „Lichtinformationen“ man in einer vorgegebenen Zeit sammeln kann. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Das Objekt ist viel schneller „im Kasten“.

Da man ein ‚Mehr‘ nur im Verhältnis betrachten kann, wähle ich als Vergleichsinstrument ein weit verbreitetes Newton-Teleskop mit der Lichtstärke f5. Beispielsweise ein 150/750, das sehr ähnliche Eigenschaften aufweist.

Um eine bestimmte Bildhelligkeit/Signalaufzeichnung eines Einzelbilds zu erreichen, ergibt sich in diesem Beispiel:
f5 = 5 Minuten
f4 = 5*0,66 = 3,3 Minuten

Beide Bilder werden gleich hell sein bzw. gleich viel Signal aufgezeichnet haben.

Natürlich kann man das auch anders herum betrachten und sich fragen:
Was passiert in diesem Beispiel, wenn ich mit beiden Geräten, also f4 und f5 jeweils gleichlang belichte?
Klar – das Bild wird mit dem f4-Astrographen heller, signalreicher. Aber das ist nur der offensichtliche Effekt:

Ein weiterer Pluspunkt, der sich direkt daraus ergibt, ist das gute Nutzsignal-Rauschverhältnis (SNR, Signal to noise ratio). Ohne hier jetzt tief in die Physik einer Optik einzusteigen, kann man berechnen, dass sich der SNR um ~30% verbessert.
Durch das „mehr an Licht“ werden alle Signalanteile erhöht, also das Nutzsignal und das externe Rauschsignal, das Photonenrauschen (kamerainterne Rauschsignale, wie das Ausleserauschen des Sensors bleiben natürlich unberührt).

Ein stärkeres Signal vom Himmel ‚gewinnt‘ gegen das gleichbleibende interne Kamerarauschen.

Für das Verhältniss von (Nutz-) Signal zu Rauschsignal gilt diese (vereinfachte) Grundformel:

SNR = Nutzsignal / √Rauschsignale = 1

Damit lässt sich die Verbesserung des SNR berechnen.
Wir verstärken alle unsere Signale um 2/3 (durch die Erhöhung der Lichtstärke), sodass in der Formel steht:
SNR = 1,66*Nutzsignal / √[1,66*Rauschsignale] = 1,29.
Und das entspricht einer Verbesserung von ~30% (zunächst in einem Einzelbild bei gleicher Belichtungszeit/ISO. Darüber hinaus jedoch auch in Bezug auf die Gesamtbelichtungszeit eines gestakten Fotos.)

(Wer sich für die Mathematik dahinter interessiert, der kann beispielsweise bei Wikipedia unter Standardfehler anfangen zu lesen.)

Diese 30%, die sich zunächst nicht sehr spektakulär anhören, wirken sich in der Praxis aber merklich aus:
Man kann einerseits in der gleichen Zeit, die man für die Fotografie investiert (z.B. eine lange Nacht), 30% mehr Details aus dem Bild holen, da das SNR besser ist.
Andererseits – und genau das ist interessant – kann man ein Objekt einfach schneller, in einer kürzeren Zeit, fotografieren als mit einem lichtschwächeren Instrument.
Und darauf kommt es in Regionen, in denen Wolken ein regelmäßiger Begleiter sind, durchaus an.
Es macht also absolut einen Unterschied, ob man ein Objekt (bezogen auf das SNR und somit auf die Möglichkeit, Details heraus zu arbeiten) in ungefähr 10 oder in 15 Stunden fotografiert hat.
Nimmt man kurze Sommernächte als Maßstab, in denen beispielweise nur 4 Stunden lang Dunkelheit herrscht, wird der Vorteil abermals deutlich.

Natürlich darf man die Zahlen nicht sklavisch genau nehmen, aber größenordnungsmäßig stimmen sie so.

Und will man sogar so weit gehen und diesen lichtstarken Astrographen mit einem gängigen (und dennoch teureren) Refraktor vergleichen, so ergibt sich bei der dort vorhandenen Blende von f 6.5 schon ein Unterschied von 1 2/3 Blenden, was einen SNR-Zugewinn des Astrographen von 82% bedeutet. In Stunden ausgedrückt: 15 Stunden mit dem Apo vs. 8 Stunden mit dem Astrographen, um dieselben Details aus aus dem Bild zu arbeiten.

Die Lichtstärke ist wohl mit der Kaufgrund für diesen Astrographen.

Die folgenden Bilder zeigen, was Lichtstärke ausmachen kann.
Canon 550Da, ISO1600 und 240 Sekunden:
Andromeda (ohne KomaKorrektor) und das Leo Triplett; unbearbeitet, unbeschnitten, out-of-cam
bzw. Leo mit einfachster Bearbeitung („Regler schubsen“) in Lightroom

 
Einzelbild - Roh - 'out-of-cam' - 240 Sek - Omegon Astrograph 154/600 Einzelbild - Roh - 'out-of-cam' - 240 Sek - Omegon Astrograph 154/600 Einzelbild - 'Lightroom' - 240 Sek - Omegon Astrograph 154/600

   

 
 

 
 

Okularauszug

Der Okularauszug war das erste Teil, das ich beim Auspacken in den Händen hielt und das sofort ein „Wow – Das ist hochwertig“-Gefühl erzeugte.
Wie ich erst später herausfand, kann dieser OAZ auch einzeln erworben werden und kostet für sich alleine schon 300.- ! Mir ist durchaus bewusst, dass ein Preis nicht unbedingt zwingend etwas über die Qualität eines Produkts aussagt, aber in diesem Fall zeigt sich doch eine Tendenz: Es hat schon seinen Grund, dass der Hersteller diesen Preis aufruft, der das doppelte bis dreifache der Konkurrenz beträgt und überzeugt davon ist, damit auf dem Markt bestehen zu können:
Für einen absolut präzisen Lauf sorgen V2A-Edelstahl-Kugellager, die wohl auch nach Jahren keinerlei Abrieb oder sonstigen Verschleiß zeigen werden. In Zusammenspiel 1:10 Untersetzung lassen sich Objekte so perfekt fokussieren. Es gibt keinerlei Spiel. Laut Hersteller kann er bis zu 5 kg tragen und verkippungsfrei klemmen.
Der OAZ wirkt massiv und sehr wertig und hat mich in der Anwendung begeistert. Mein Vergleich beschränkt sich dabei allerdings auf den (nicht gerade minderwertigen) OAZ meines 150/750-Newtons. Dieser Unterschied ist jedoch gewaltig.
Klar – der OAZ ist nicht unbedingt das was am meisten interessiert. Es war aber beim Auspacken und später auch beim Feld-Einsatz ein gutes Gefühl zu wissen, dass man da ein hochwertiges Bauteil hat, auf das man sich verlassen kann und das einen Hinweis auf die insgesamt gute Qualität des Astrographen gibt: Hier wurden eindeutig nicht irgendwelche Billigteile verbaut, sondern hochwertige Komponenten vereint.

Weitere Anmerkungen:

Die drei hier angesprochenen Punkte – kompakte Bauform, hervorragender Okularauszug und die überdurchschnittliche Lichtstärke – sind die drei Punkte, die ich beurteilen bzw. einschätzen kann.
Ich weiß, dass das verwendete BK7-Spiegelmaterial ein ordentliches ist (wenngleich kein Hightech-Glas) und einen hohen Reflexionsgrad aufweist. Aber vergleichen kann ich das nicht. Ähnlich verhält es sich mit weiteren Punkten: Ich finde vieles gut, habe aber keinen Vergleich und äußere mich daher auch nicht dazu.
Ein paar Anmerkungen finden sich dann aber doch noch im nächsten Abschnitt:

 
NGC 891 im Sternbild Andromeda – Eine ‚kleine‘ aber wunderschöne edge-on-Galaxie – 16 x 120 Sek.
 

 

Reality Check #1 – Das erste Foto

Bekommt man ein neues Teleskop, ist immer (annähernd) Vollmond. Oder es ist bewölkt. Manchmal auch beides gleichzeitig.
Da erscheint es natürlich relativ sinnlos, Sterne zu fotografieren. Da aber die Neugier größer ist als die Vernunft, habe ich natürlich das Teleskop schnell auf die Montierung gesetzt (diese jedoch nicht eingenordet) und ein paar schnelle Schnappschüsse durch die Wolken gemacht.
Das hier war also mein ‚First Light‘ direkt nach dem Auspacken:
 
„First Light“ nach dem Auspacken – traumhafte Bedingungen für die Astrofotografie
 

 

Reality Check #2 – Die erste Testnacht

Zuallererst möchte ich sagen: Ja! Ich habe geflucht! (Aber nur sehr wenig 😉 )
Wie nicht anders zu erwarten, ergeben sich bei einem neuen technischen Gerät, das eine gewisse Komplexität aufweist, diverse Stolperfallen. Das liegt nicht am Gerät (bzw. hier an den beiden Geräten: Montierung und Teleskop), sondern einfach an dem Umfang der (zunächst) unbekannten Möglichkeiten und Einstellungen. Das Ganze wird natürlich dadurch begünstigt, dass man ein Teleskop in aller Regel in der dunklen Nacht und (zumindest in meinem Fall) an stockdunklen Orten einsetzt. Dunkelheit und Kälte vereinfachen das „sich-vertraut-machen“ nicht gerade.
Bedienungsanleitungen kann man natürlich auch lesen. Oder alternativ nur schnell überfliegen 😉

Andererseits war es nun nicht so, dass ich stundenlang beschäftigt war, nur um dann frustriert wieder abzubauen. Ich konnte selbstverständich bereis in der ersten Testnacht (mehr oder minder) erfolgreich Fotos anfertigen. Dass sie nicht perfekt wurden, liegt nicht an den Geräten, sondern teils an dem „Gewöhnungsprozess“, teils aber auch an meiner Blauäugigkeit, das Spiegelteleskop ohne zuvor erfolgte Justage nutzen zu wollen.
Daher war das Ergebnis der ersten Nacht: „Ja, funktioniert. – Ja, ich komme damit gut zurecht. – Ja, das macht mehr Freude als meine alte EQ5. – Ja, die Nachführung funktioniert auch ohne Guiding recht gut.“ Aber auch: „Mist, ich muss den Newton doch kollimieren (justieren), der ist (wie ja zu erwarten war und es auch absolut normal ist!) nicht ab Werk perfekt eingestellt.“
Vor allem der letzte Punkt hätte mir klar sein müssen, ja er war es sogar. Aber ich wollte es nicht wahrhaben. Und letztendlich ist es für einen ehrlichen Test sogar ganz gut, dass ich jetzt klar sagen kann: Ein Spiegelteleskop muss in jedem Fall vor dem ersten Einsatz sorgfältig kollimiert/justiert werden. Es kommt (zumindest in meinem Fall) schon recht ordentlich aus dem Werk, aber keinesfalls perfekt eingestellt.

Hier das Ergebnis der ersten Testnacht. Die immerhin 600 mm Brennweite wurde auch bei nicht perfekter Einnordung ordentlich für 60 Sekunden nachgeführt. Tests mit 120 Sekunden zeigten auch keine schlechten Ergebnisse, sodass ich den Eindruck gewann, dass diese Montierung bzw. die Kombination aus Montierung und Teleskop zumindest für Anfänger auch ohne Guiding nutzbar ist.
Die unterdurchschnittlich schlechte Sternenabbildung hat hingegen zwei Ursachen, für die die Geräte nichts können: Einerseits ist das die fehlende Justage des Teleskops. Andererseits (und damit völlig unabhängig von den hier vorgestellten Geräten) der falsche Arbeitsabstand des Komakorrektors, also der Abstand zwischen Korrektor und Sensor meiner Kamera. (Ein Punkt, der grundsätzlich eine gewisse Herausforderung darstellt; aber bei schnellen/lichtstarken Spiegelteleskpen verstärkt zum Tragen kommt.)

 
Erstes Testbild: Nicht kollimiert, nur grob eingenordet, ohne Guiding, ohne passenden Komakorrektor – ich zeige es ungern, aber es ist ein ehrlicher Eindruck – 73×60 Sekunden. Aufgrund der mangelhaften Daten nur schnell überarbeitet, nicht intensiv entwickelt.
 

Hier zum Vergleich der zweite Versuch: Immer noch ohne passenden Komakorrektor, jedoch erstmalig besser kollimiert und mit Autoguider. Die Lichtstärke macht durchaus Freude:
 
Zweites Testbild: Erstmalig grob kollimiert, mit Guiding, weiterhin ohne passenden Komakorrektor – 12×4 = 48 Minuten.
 

Reality Check #3 – Einsatz vor Ort

Nach einigen Nächten draußen kann ich klar sagen: Ich empfinde den Aufbau der CEM25p und somit den gesamten Einsatz als sehr angenehm. Das geringe Gewicht, die durchdachte Konstruktion und die logische Menüführung der Handbox vereinfachen alles.
Auch der Astrograph lässt sich wunderbar bedienen. Der Hauptspiegel ist per Laser (bei Bedarf nach längeren wackligen Autofahrten) gut und rasch eingestellt. Genauso macht das Fokussieren an dem fantastischen Okularauszug und der Blick auf die erste helle Testaufnahme jedes Mal einfach Freude.

Wichtige Funktionen, wie das korrekte Einnorden oder das Star-Alignement funktionieren einfach und genau so, wie es sein soll. Das Anfahren der Objekte per GoTo ebenfalls.
Sind die Geräte gut ausbalanciert und die Montierung möglichst perfekt eingenordet, kann auch ohne Guiding bis zu zwei Minuten lang belichtet werden (bei meinem 600 mm Setup. Länger als 120 Sekunden habe ich nicht getestet).

Mit Guiding waren Belichtungszeiten bis zu 10 Minuten problemlos möglich (länger habe ich es nicht getestet). Meine „Standard-Belichtungszeit“ betrug 4 oder 5 Minuten.
Die Kalibrierung des Autoguiders ergab in jedem Fall eine Genauigkeit von über 95%, meist 98 bis 100%. Der Autoguider arbeitete gleichmäßig und hatte relativ wenig zu tun.
Insgesamt ein Hinweis darauf, dass die Montierung sehr ruhig und gleichmäßig läuft.

 
Das zweite Bild mit dem neuen Equipment. Noch immer ohne passenden Komakorrektor (Bild absichtlich nicht beschnitten, zeigt das Koma gut).
Ich habe die Daten zunächst beiseite gelegt, sie dann aber doch entwickelt. Persönlich gefällt mir das Bild gut und ich bin erfreut, wieviel hier schon mit nur einer Stunde und 28 Minuten Belichtungszeit (22×240 Sek.) möglich war. – Objektbeschriftungen: Maus über Bild bewegen!

 

In der Praxis hat sich vor allem die Sync-to-target-Funktion als ausgesprochen praktisch erweisen:
Da beim Einsatz eines Autoguiders auf das letzte Qäntchen beim Einnorden verzichtet werden kann (oder gar sollte), funktioniert das Star Alignement naturgegeben nicht zu 100%. Kommt nun noch hinzu, dass man (aus Faulheit) nur ein 2-Star-Alignement macht, so kann es gut sein, dass das GoTo-System nicht mehr genau trifft.
Mit der Sync-to-target-Funktion wird dieser unvermeidbare GoTo-Fehler behoben. Genauer habe ich das oben beschrieben.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass es absolut ausreichend ist, ein schnelles 2-Star-Alignement durchzuführen, vor dem Anfahren des Zielobjekts einen Stern in der Nähe zu „syncen“ und schon wird das Objekt punktgenau getroffen. So habe ich beispielsweise das Leo-Triplett angefahren: Sync auf Regulus (mit dem Liveview der Kamera als Zentrierhilfe) und danach Punktlandung auf dem Objekt.

Extremtest von ‚Sync-to-target‘
Auf einem Stadtbalkon wurde die CEM25p aufgestellt. Da kein freier Blick nach Norden gegeben war und es schnell gehen sollte, wurde nur ’nach Gefühl‘ (mit Kompass auf Mobilgerät) nach Norden ausgerichtet. Die Polhöhe wurde ebenfalls nach Gefühl eingestellt.
Es wurde keine Home- bzw. Zero-Position festgelegt. Es wurde kein Star-Alignement durchgeführt.
Der Standort bietet nur einen geringen Himmelsausschnitt (Ost, 15° bis 40° über den Horizont + extreme Lichtverschmutzung); Deep-Sky Objekte sind nicht sichtbar, nur die hellsten Sterne können gesehen werden.
Testfotos mit 600 mm zeigten bereits nach 6 Sekunden Striche bei den Sternen. Ein eindeutiges Zeichen für eine sehr schlechte Einnordung. (Guiding war nicht vorhanden.)

Um den Kugelsternhaufen M5 nun per GoTo anzusteuern wurde die Sync-to-target Funktion genutzt.
Hierzu wurde der Stern ‚Beta Libra‘ (Zubeneschamali) im Sternbild Waage als Sync-Ziel gewählt. Selbstverständlich wurde er beim Anfahren nicht getroffen. Aufgrund der mangelhaften Einnordung nicht verwunderlich.
Mit dem Sucherrohr wurde der Stern zentriert und dies direkt im Kamerasucher (LiveView) überprüft.
Danach sollte M5 (~10° oberhalb und ~8° östlich des Sterns) per GoTo angesteuert werden.
Dank Sync-to-target wurde der Kugelsternhaufen direkt zentral im Bildausschnitt der Kamera getroffen und es konnte fotografiert werden.

Das folgende Bild zeigt das Ergebnis aus 320 x 4 Sekunden (21 Minuten) bei einer Lichtverschmutzung von 18,5 mag! Sync-to-target hat hier seine Fähigkeiten eindeutig bewiesen.
Ohne diese Funktion wäre es unmöglich gewesen, den Kugelsternhaufen zu finden.

 
„M5 – Sync-to-target-Test – 320 x 4 Sec. = 21 Minuten bei 18,5 mag in der Großstadt ohne Einnordung
 

 
Ein zweiter Punkt, der in der Praxis genial ist, ist die Möglichkeit, gleichzeitig Polaris im Polsucher und auch im Teleskop (+ ggf. Sucherrohr) zu sehen.
So kann die GoTo-Genauigkeit enorm gesteigert werden, da Montierung und Teleskop keinen Versatz/Offset mehr aufweisen.
Folgendes Vorgehen wurde (nach dem Aufbau der Montierung, einem groben Einnorden und dem Ausbalancieren von Tubus/Gegengewicht) zu meinem Standard:
Zunächst wird Polaris im Polsucher genau mittig platziert; es wird nicht eingenordet.
Befindet sich Polaris im Zentrum des Polsuchers, wird das Teleskop (manuell durch Öffnen der DEC-Achse und/oder über die Handsteuerbox) so ausgerichtet, dass auch hier Polaris sich so zentrumsnah befindet wie möglich. Zuletzt dasselbe mit dem Sucherrohr auf dem Teleskop.
Das Ergebnis ist, dass es zwischen der Montierung und dem Teleskop (+ Sucher) keinen Versatz gibt, der Offset des Teleskops so gering wie möglich gehalten wird.
Danach wird eingenordet.

Welchen Sinn hat das?
Der Abstand zwischen der Mittenmarkierung des Polsuchers (Himmelspol) und dem Kreis, auf den Polaris zum Liegen kommt, beträgt ~1,7°.
Nordet man erst ein, so blickt die Montierung bereits 1,7° neben den Himmelspol. Richtet man danach das Teleskop auf Polaris aus, so entsteht ein Versatz um mindestens diese 1,7°.
Nutzt man nun das GoTo muss die Montierung zwangsläufig mindestens so weit neben das Ziel treffen. Da aber noch der Einnordungsfehler und evtl. eine Abweichung beim Star-Alignement etc. hinzukommt, kann es gut sein, dass das GoTo nicht mehr trifft.
(Wem die Gradangaben nichts sagen: M81, die schöne und große Galaxie im Sternbild Ursa major hat eine Ausdehnung von 0,26°. Das verdeutlicht, was ein Offset von 1,7° für das GoTo bedeutet).

 
„M96 and friends“ – Sternbild Löwe – 11x120Sek @ISO1600 + 9x120Sek @ISO6400 + 10x180Sek @ISO1600 = 70 Minuten bei 3/4 Mond
 

Kollimation der Spiegel

Die Kollimation der Spiegel, vor allem des Fangspiegels, war schon eine gewisse Herausforderung.
Die Werkseinstellung war (wie zu erwarten) nicht ideal, allerdings auch nicht absolut daneben.
Daneben war jedoch die Art, wie die Schrauben zum Einstellen des Fangspiegels angezogen waren: Ich habe keine Ahnung wer das gemacht hat und warum, gehe aber davon aus, dass ein Leistungssportler seine Handmuskulatur daran trainiert hat. Die Schrauben waren fest angezogen, verflucht fest. So fest, dass sie nur mit Kraft zu lösen waren. Das sollte so keinesfalls sein, war aber ein einmaliges und schnell zu lösendes Problem.
Das Kollimieren hingegen war schon eine Herausforderung, die mir nur langsam und mit Hilfestellung gelang.
Um das klarzumachen: Es liegt nicht am Gerät, sondern am Benutzer. Dennoch muss klar sein, dass jedes Spiegelteleskop, ein lichtstarker Newton aber im Besonderen, eine genauere Kollimation erfordert.

Das Einstellen des Hauptspiegels (das im Gegensatz zum Fangspiegel gerade beim mobilen Einsatz öfter erfolgen muss) ist hingegen ein Kinderspiel und funktioniert so gut wie erwartet.

Mir wurde mehrfach gesagt: „Ein f4-Spiegelteleskop ist extrem zickig, ein f5 ist viel(!) leichter einzustellen“.
Diese Aussage kann ich keinesfalls unterschreiben. Die Grundeinstellung auf 90% Perfektion ist bei beiden gleich schwer bzw. leicht. Die letzten 10% erfordern bei beiden Geräten Übung, Erfahrung und ein sehr akkurates Arbeiten.

Abbildung

Was von Anfang an positiv aufgefallen ist, ist das Fehlen merkwürdiger „Ausblühungen“ oder „Auswürfe“ rund um die Sterne.
Ich habe in Astrofotografie-Foren hin und wieder Fotos unschöner Reflexionseffekte um leuchtstarke Sterne gesehen. Dazu Fragen nach der Ursache und einem Weg, diese Bildfehler zu beheben. Die Antworten gehen dann oftmals in die Richtung: „OAZ ragt zu weit in den Strahlengang“ oder auch „Halteklammern des Spiegels, Spiegelrand oder OAZ erzeugen Reflexionen“.
Lösungsvorschläge lauten: „Spiegelrand schwärzen, OAZ mit Metallsäge einkürzen und schwärzen, alles mit Anti-Reflexionsfarbe anmalen, Halteklammern mit schwarzem Moosgummi ummanteln…“

Hier einige Beispielbilder anderer Teleskope, die mir von deren Nutzern zur Verfügung gestellt wurden:
(1. „Newton 200/800 Quattro f/4“ – 2. „Skywatcher 130/650 PDS“ – 3. „ein 150/750er Spiegelteleskop“ – 4. „Keine Angabe“)

 
1. 2. 3. 4.

   

 
 

 
 

An meinem Omegon 154/600 Astrografen ist mir nichts dergleichen aufgefallen. Natürlich erzeugen leuchtkräftige Sterne auch hier Lichteffekte rund um den Stern, jedoch keine ungleichmäßigen Reflexionen oder Abschattungen. Jeder „Lichtschein“ tritt rund um den Stern gleichmäßig auf.
Da das Gerät für die Fotografie optimiert ist, ragt der OAZ nur sehr knapp in den Tubus, die Innenseite ist matt-schwarz, die Fangspiegel-Basis matt und rau…

Die folgenden vier Bilder zeigen die Strahlenbündel bzw. die fehlenden „Fehlreflexionen“ am Omegon 154/600.
Ich habe bewusst keine besonders guten Bilder ausgewählt, sondern auch solche aus der ersten Testnacht. Betrachtet man die kleinen Sterne, so fallen teilweise die fehlende Kollimation, der fehlende Komakorrektor bzw. auch deutliche Verkippungen auf.
Die Strahlen um den (stark vergrößerten) Hauptstern (jeweils sehr helle Sterne, wie z.b. Vega, Sirius, Capella oder auch der Planet Mars… eben jene, die ich für einen Fokustest genutzt habe.) sind in jedem Fall wesentlich gleichmäßiger – trotz falscher Einstellungen und meiner Fehler bei der Kollimation/Justage.

 
1. 2. 3. 4.

   

 
 

 
 

Zuletzt noch zum Vergleich die Strahlenbündel an einem (wohl dem besten und leider teuerten) 1500.- Euro Fotonewton. Dieser Astrograph weist natürlich eine ganze Reihe Besonderheiten auf, die den Preis rechtfertigen. Er liegt allerdings auch 200% über meinem Omegon 154/600. Man kann die Geräte nicht wirklich vergleichen. Ich nutze die Bilder nur, um die Lichtreflexe aufzuzeigen.
Lacerta Fotonewton f4 bei Astobin

Und noch eines eines anderen Nutzers:
Lacerta Fotonewton f4 bei Astobin

Das letzte Bild, das ich hier zeige, erklärt sich von selbst. Inwieweit es die Darstellungsqualität und Detailauflösung des Geräts in Bezug auf den Sternenhimmel wiedergibt, sei mal dahingestellt. Interessant finde ich es allemal. Auch die Farbwiedergabe macht Freude.

 

 

 
 

Fazit

IC405 – Sternbild Fuhrmann – sehr kurze Belichtungszeit von nur 25 x 240 Sek. = 100 Minuten – mitten in der (Winter-)Milchstraße, dort wimmelt es von Sternen.
 

Letztendlich kommen wir zu einer entscheidenden Frage:
Kann ich die iOptron CEM25p und den Omegon Pro 154/600 Astrograph empfehlen?
Ja! So einfach könnte man die Frage beantworten. Trotzdem soll nach dem „Ja“ noch ein „Aber“ folgen. Denn eine gute Empfehlung, eine ehrliche Meinung berücksichtigt alle Gesichtspunkte und denkt auch an den Standpunkt des Fragenden.

Für den mobilen Astrofotografen ist die CEM25p sicherlich eine der idealsten Montierungen. Persönlich gefällt sie mir nicht nur aufgrund des wesentlich geringeren Gewichts deutlich besser als die vergleichbare EQ5. Viele der oben aufgezeigten Besonderheiten überzeugen restlos.

Mit dem Astrografen verhält es sich ähnlich:
Aufgrund seiner kompakten Bauform, aber vor allem aufgrund seiner Lichtstärke eignet er sich hervorragend für Leute, die nicht von zu Hause aus (und daher selten) fotografieren können. Das Gerät bleibt handlich und man hat Objekte in vergleichsweise kurzer Zeit fotografiert. Die Optimierung für die Fotografie ist natürlich ebenfalls sehr vorteilhaft. Die Abbildungsqualität, Farbwiedergabe und Detailauflösung sind tadellos und brauchen keinen Vergleich zu scheuen.

Für beide Geräte gilt: Es gibt „besseres“.
Man kann für ein Newton-Teleskop auch das Dreifache ausgeben und erhält dafür auch einen Gegenwert. Aber für ein Einsteigergerät ist das hier gebotene hervorragend und übertrifft andere Einsteigergeräte in einigen wichtigen Punkten (Lichtstärke, stabiler Okularauszug, Optimierung für Fotografie, unerwünschtes Reflexionsverhalten).
Man kann auch Montierungen mit wesentlich mehr Tragkraft, mit einer EC-Korrektur (optische Encoder, die den Nachführfehler gegen 0 drückt) und vielen weiteren Features kaufen. Aber für den ’schmalen Geldbeutel‘ und/oder den mobilen Einsatz wird hier weitaus mehr geboten, als bei der Konkurrenz. Einige Funktionen sind für mich unverzichtbar (jederzeit freier Blick durch den Polsucher, sync-to-target, GPS. Um nur mal drei zu nennen).

Und beim Einsatz „zuhause“?
Auch da würde ich (hätte ich die Möglichkeit, die ich als Großstadt-„Kind“ nicht habe) nach dieser Erfahrung sicherlich wieder zu einer Ioptron-Montierung greifen, wenngleich wohl zu den großen Schwestern, der CEM40 bzw. der CEM60.
Ein lichtstarkes Newton-Teleskop wäre auch da Pflicht, denn für mich ist Lichtstärke die halbe Miete in der Astrofotografie. Ggf. wäre da aber eine höhere Brennweite interessant.

Insgesamt bin ich vom Preis-Leistungsverhältnis beider Geräte absolut überzeugt.

Wo hast Du das gekauft und was kostet das?

Ich kaufe mein Equipment immer bei meinem „Haus und Hof Astro-Spezialisten um die Ecke“.
Ich bekomme dort einen guten und raschen Service, hab‘ nette Ansprechpartner und die Gewissheit nicht bei einem multinationalen Großkonzern zu kaufen, sondern bei einem mittelständischen Einzelhändler, bei dem echte Menschen aus meiner Region arbeiten. Die guten Preise sind dabei nicht der Hauptgrund, jedoch auch nicht zu verachten.

Festpreise zu nennen ist immer etwas kritisch. Steuern und Zollvorgaben können sich ändern, kaufmännische Entscheidungen Preisentwicklungen beeinflussen.
Die Montierung CEM25p kostet knappe 800.- Euro
Der Astrograph etwa 500.-
Das sind ordentliche Preise, auch im Vergleich zu den Produkten anderer Hersteller, die nicht unbedingt diesen Leistungsumfang bieten.
Ich habe noch ein zusätzliches Gegengewicht benötigt sowie eine längere Prismenschiene. Damit war das Teleskop einsatzbereit.

Was man sonst noch so als Einsteiger braucht, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben.

Wenn Du Dich nun fragst, welche Geräte und welches Zubehör ich hier nun genau genutzt habe, findest Du folgend eine knappe Liste:
iOptron Cem25p
Omegon Astrograph 154/600
Canon 550Da (verlinkt der Nach-Nachfolger)
Lacerta MGen-II
Kameraadapter
Komakorrektor
Längere Prismenschiene
Zweites Gegengewicht
Fernauslöser
Selbstbau Akkubox

Freundliches Schlusswort

Ich hoffe sehr, dass dieser Testbericht, dieses Review, Dich umfassend informiert hat. Vielleicht hat er einige Deiner Fragen beantwortet und Dir mehr Klarheit verschafft, was die vorgestellten Geräte können, wie sie funktionieren und was man damit erreichen kann.
Vielleicht hast Du aber auch überhaupt kein Interesse, Dir eine (neue) Montierung oder ein (neues) Teleskop zu kaufen und hast ‚einfach so aus Neugier‘ gelesen. Dann will ich doch mal hoffen, dass Du gut unterhalten wurdest.

Hast Du Fehler entdeckt? So zögere nicht mich anzuschreiben! Ich versuche gewissenhaft zu recherchieren und inhaltliche Fehler zu vermeiden. Aber der Faktor Mensch… 😉

Meine größte Hoffnung ist allerdings die, die Faszination für den Sternenhimmel zu wecken – ein wunderschöner Aspekt der Natur, der leider immer mehr in den Lichtglocken unserer Städte verblasst.
Schau Dich auf meiner Seite um. Du wirst hier sehr viele Infos und Anregungen finden, Erfahrungsberichte von mir, Interviews mit anderen Astrofotografen, Testberichte und Beschreibungen verschiedener Sternbilder, deren Deep-Sky-Objekte und deren mythischer Entstehungsgeschichte. Und natürlich einiges mehr.

Hier endet nun der Artikel mit dem Wunsch auf klare, dunkle und fantastische Sternennächte. Genieße ‚Deine‘ Nacht.

Gerne würde ich Dich noch einladen, hier auf der Seite etwas zu stöbern.
Oder auch, mich bei Facebook, bei Instagram oder Youtube besuchen zu kommen.

 

Anmerkung

Vielleicht hast Du gemerkt, wieviel Zeit, Leidenschaft, Energie und auch Kosten ich in diese Seite stecke, die Dir helfen soll, Dein Foto des Sternenhimmels zu erstellen. Du kannst mich gerne unterstützen. Wie steht hier.
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Alles auf dieser Seite kannst Du umsonst lesen. Ich versuche nicht Dir überteuerte Youtube-„Profikurse“ anzudrehen und bombardiere Dich auch nicht mit Werbung. Ich verstecke meine Erfahrung nicht hinter kostenpflichtigen Tutorials, da ich freie Wissensvermittlung schätze und die Faszination für den Sternenhimmel wecken möchte. Leider ist die Bereitschaft einfach so echtes Geld als Dankeschön für kostenlose Information zu spenden in Europa nicht besonders weit verbreitet; in den USA hingegen ist diese Art des „Tippings“ relativ normal. Falls Du mir etwas zukommen lassen willst, dann darfst Du gerne auf diesen Button drücken. Wie wenig Du spenden willst, bleibt natürlich Dir überlassen. Allerdings zahle ich eine Gebühr von 35 cent je Spende.:





 

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2 Gedanken zu „Ioptron CEM25 p und Omegon Astrograph 154/600 – Test und Erfahrungsbericht, Beschreibung und Review aus der Praxis

  1. Ein Vergnügen, das zu lesen! Ich habe nicht vor, mich so tief mit dieser Materie zu befassen wie Du das tust, weil meine fotographischen Interessen breit gestreut und meine Zeitrressourcen beschränkt sind. Ich will lieber von allem ein wenig, wohl in Kauf nehmend, dass ich dann nichts so ganz gut kann. Aber Sternenfotographie kann ich nun so gut wie ich es ohne Deine Hilfe nie gelernt hätte. Weit weg von dem, was Du kannst, aber auch weit weg von dem, was ich noch vor zwei Jahren zusammenschusterte. Danke dafür! (Sogar meine Frau, sonst auf Licht und Wärme aus, geht mittlerweile manchmal begeistert mit in die Nacht hinaus und sucht nach Sternbildern 🙂 )

    Beste Grüße
    Heinz

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