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Das visuelle Beobachten des Sternenhimmels und vor allem von Objekten tief im All passt auf den ersten Blick nicht unbedingt zum Hauptthema dieser Seite.
Sie heißt schließlich sternenhimmel-fotografieren und nicht sternenhimmel-beobachten.
Dennoch gehört die Beobachtung des nächtlichen Himmels selbstverständlich dazu. Sie ist, neben der Fotografie, sogar mit ein Hauptgrund, warum ich mir die Nächte irgendwo draußen im Nirgendwo um die Ohren schlage: Der Blick an einen mit Sternen übersäten Himmel fasziniert einfach immer wieder auf’s Neue und wird niemals langweilig. Zu viel gibt es dort bereits ohne Hilfsmittel zu entdecken.

Ich glaube, dass jeder, der einmal mit wachen Augen an einem richtig dunklen Ort das Band der Milchstraße und die unzähligen Sterne gesehen hat, von diesem Anblick gefangen sein muss. Erst recht, wenn man als Stadtbewohner nur die gelbliche Suppe kennt und erstmalig den echten Sternenhimmel sieht.

Dennoch: So sehr ich es liebe, in den Himmel zu blicken, so wenig bin ich DER Fachmann für visuelle Beobachtungen. Ich fotografiere und schreibe darüber.
Darum war ich auch zunächst etwas skeptisch, aber nicht abgeneigt, als mir ein Bekannter anriet, doch mal ein „richtiges“ Beobachtungs-Teleskop zu testen.
Ich? Eigentlich ist mein Thema doch die Fotografie und ich war bisher immer glücklich damit, „einfach so“ nach oben zu blicken oder mit meinem kleinen handlichen Feldstecher über den Himmel zu spazieren.

Um ehrlich zu sein: Ich erwartete grundsätzlich nicht viel von der visuellen Astronomie. Ich dachte:
„Wer Fotos des Sternenhimmels kennt und selber macht, der kann von der Beobachtung eigentlich nur enttäuscht werden“.
Was für ein grandioser Irrglaube!

Eigentlich hätte mir das auch klar sein können:
Tausende von begeisterten visuellen Astronomen nutzen praktisch jede wolkenfreie Nacht, um Sternhaufen und Galaxien ‚live‘ zu betrachten oder einfach nur den Mond mit seinen Kratern, Tälern und Bergen in ungeahnter Auflösung aus der Nähe zu bestaunen. Das hat seinen Grund: Sie finden es faszinierend. Warum also nicht mal selber einen Blick riskieren?
Außerdem: Nicht nur einmal dachte ich beim Blick auf den Mond durch meinen Feldstecher (und selten mein Foto-Teleskop): „Könnte ich nur näher ran!“

So kam ich also in den Genuss, ein „richtig dickes“, speziell für die Beobachtung ausgelegtes Dobson-Teleskop auszuprobieren. Eines, das obendrein noch mit der äußerst interessanten push+ Technologie ausgestattet ist.

Wie es mir dabei so erging, erfährst Du in diesem Bericht.

Ich glaube, dass das interessant ist, denn ich bin die ideale Mischung zwischen „(fast) visuellem Einsteiger am Beobachtungs-Teleskop“ und (fast) Profi, was die Kenntnis des nächtlichen Himmels und die Amateurastrofotografie betrifft. So kann ich durchaus eine sachliche und gut begründete Meinung abgeben; unbeeinflusst von jahrelanger visueller Erfahrung.
Vor allem aber erzähle ich, wie es mir mit eben diesem Teleskop erging, was ich gut fand (vieles) und was als Herausforderung (weniges).

Evtl. hilft Dir mein Bericht, Dich für oder gegen ein Teleskop zu entscheiden.

Hier bekommst Du jetzt erstmal einen Überblick:

Zum Aufbau dieses Berichts:

 

A) Vorüberlegungen
  • Gedanken zur Sinnhaftigkeit technischer Hilfmittel
  • Grundlegende Funktion
  • Funktionsweise/Bedienung
B) Persönliche Erfahrung
  • Aufbau und Inbetriebnahme
  • Erster Einsatz und Treffergenauigkeit
  • Nachteile und Herausforderungen
  • Tipps für Anfänger
  • Preis
  • Fotografische Nutzung
D) Fazit

Vorweg/Disclaimer

Wie bereits angeklungen ist, habe ich mir das Teleskop samt Montierung nicht gekauft. Ich habe es von einem Bekannten, der als Entwickler mit gearbeitet hat, als „Pressetestgerät“ leihweise erhalten und mittlerweile (leider) zurückgeben müssen.
Es ist also offiziell als Pressetestgerät vergebucht.
Inoffiziell ist es mehr eine Aktion vom Typ:
„Was? Du fotografierst schon so lange und stehst visuell fast bei Null? – Kann ja nicht sein! – Willst Du nicht mal das push+ ausprobieren? Das gefällt Dir bestimmt. Ich schau mal, ob ich Dir eines als Pressegerät für ein paar Wochen geben kann.“

So kam ich also zu dem Gerät.

Ist das jetzt bezahlte Werbung?

Nein!
Da ich es nicht gekauft habe, weise ich mal darauf hin.
Ich habe keinerlei Verpflichtungen, aber natürlich weiß der Entwickler (wir kennen uns ja), dass ich wohl auch etwas darüber für meine Seite und meine Leser schreiben werde. Es ist also ein „Pressereview“ – einserseits.

Andererseits ist es aber auch ein normaler Artikel, so wie jeder auf dieser Seite. Wenn Du sie kennst, dann weißt Du, wie ich schreibe: Ausführlich, ehrlich, möglichst für Anfänger verständlich und persönlich in meiner Meinung.
Das ist hier, auch wenn ich das Gerät nicht gekauft habe, kein bisschen anders. Wenn ich etwas toll finde, so merkst Du es an meinem Schreibstil. Finde ich etwas ‚doof‘ oder nicht so gelungen, so sage ich das genauso. Mit genau dieser Art fahre ich gut und die Rückmeldungen, die ich erhalte, bestätigen mich darin.
(Willst Du mir schreiben, dann schau mal oben unter Kontakt oder unter „Unterstütze die Seite“)

Wenn Du, nachdem Du das hier gelesen hast, noch immer denkst, dass ich hier voreingenommene, nicht objektive Werbung mache und im Gegenzug bezahlt werde, dann bitte ich Dich, das alles nochmals zu lesen.

Ich schreibe hier als Blogger. Ich schreibe als Astrofotograf, der mit Dir sein Hobby teilt. Ein Hobby, das zu dieser umfangreichen Website geführt hat, die kostenlos und die nicht von oben bis unten mit Werbebannern zugepflastert ist. Eine Website, die „mein Baby“ ist, das ich mit Leidenschaft pflege und immer weiter aufbaue.
Du bekommst von mir meine ehrliche Meinung, keine bezahlten Werbeartikel!

 
 
 
Jetzt aber auf ins Geschehen:

Oben in der Einleitung hast Du gelesen, dass ich beim Blick mit dem freien Auge oder durch meinen Feldstecher gerne ’noch näher‘ an den Mond kommen würde.
Ehrlich gesagt bin ich das auch schon – selten zwar, aber ich habe ihn gesehen. Auch auf Jupiter und Saturn mit seinen Ringen habe ich bereits mal einen Blick geworfen.
Denn ich habe ja ein Teleskop! (Genau genommen sind es zwei: 450 und 600 mm Brennweite). Allerdings – und das ist der Hauptpunkt – auf einer fotografischen Montierung, also einem recht komplexen Unterbau.
Bis das alles steht, dauert es und wenn ich aufbaue, dann für die Fotografie.

So kommt es, dass ich, obwohl ein Teleskop vorhanden ist, kaum hindurchblicke, sondern nur fotografiere. Ich habe zwar einen ganz einfachen Satz Okulare, aber alles in allem ist mein Gerät zu klein, zu kompliziert und ich dann oftmals auch einfach zu lustlos, es bei Mondschein aufzubauen. Für Planeten und die meisten Sternhaufen eignet es sich aufgrund der geringen Brennweite eh nicht so.
Wie gesagt: Ich bin Astrofotograf!
Und wenn ich mir den ganzen Aufbau antue, dann will ich auch fotografieren!

Viele der Punkte, die jetzt schon angeklungen sind, sind bei einem visuellen Dobson-System (egal, ob mit oder ohne push+) anders:
Es ist speziell für die Beobachtung ausgelegt, es hat oftmals eine größere Brennweite und es ist ruck-zuck einsatzfähig. Bis man schauen kann, dauert es keine 5 Minuten, mit Übung geht es noch etwas schneller. Ich brauche keine externe Stromquelle, muss nichts langwierig einstellen und ich kann wirklich tief in den Himmel blicken – das ist einfach etwas anders. So macht mir das Beobachten viel mehr Spaß!
(Außerdem kann mein Foto-Teleskop dann auch nebenbei knipsen, wenn denn Neumond ist).

Zusammengefasst:
Ein fotografisches Setup eignet sich nur sehr beschränkt für die visuelle Beobachtung. Und preislich ist eine fotografische Montierung chancenlos gegen ein gutes Dobson-System.

Grundlegende Funktionsweise des push+

Bevor wir einsteigen, gibt es hier in ganz wenigen Sätzen eine Zusammenfassung, was das push+ System ist:

Will man es einfach ausdrücken, so ist das push+ ein Navigationsgerät für den Sternenhimmel.
Wie bei einem echten Navi bleibt der Mensch immer noch der entscheidende Faktor. Im Auto fährt der Mensch selbstständig, das Navi hilft nur bei der Orientierung.
Das push+ entbindet somit auch nicht von der Aufgabe, die Objekte selber am Himmel anzusteuern, also das Teleskop zu bewegen; es ist nur ein sehr praktischer Wegweiser.

Es handelt sich also um ein technisches Hilfmittel, das den Nutzer dabei unterstützt, Objekte am Himmel zu finden.
Die Technik besteht aus zwei Sensoren, die die Lage und Ausrichtung des Teleskops erkennen. Sie kommunizieren kabellos mit einem Mobilgerät (Smartphone oder Tablet) und einer auf dem Gerät installierten Planetariumssoftware.
Der Nutzer kann in der Software Himmelsobjekte auswählen und wird dann mittels klarer Angaben zum Ziel geleitet.

So wie ein Navi etwas anderes ist als ein selbstfahrendes Auto, ist das push+ System auch nur eine Untersützung und keine Vollautomatik.
Und so wie ein Navigationsgerät viel günstiger ist als das selbstfahrende Auto, ist auch das push+ viel günstiger als ein vollautomatisches Teleskop.
Aber beides sind sehr praktische Wegweiser in unbekanntem Terrain. Das push+ hilft, sich auf den noch neuen Himmelsstraßen nicht zu verlaufen.

Bevor ich mich mit der Technik genauer befasse und meine Erfahrungen mitteile, stelle ich an den Anfang die Überlegung, ob solch technische Hilfsmittel überhaupt sinnvoll und notwendig sind. Oder ob sie, im Gegenteil, sogar daran hindern, den Himmel kennenzulernen, wie von manchen Himmelsbeobachtern gern behauptet wird.

Du kannst diesen Abschnitt natürlich auch überspringen.
Denn nach diesen grundlegenden Überlegungen geht es zu meinen Erfahrungen und der echten Technik ‚live in der Nacht‘.

Das push+ System

Grundlegende Gedanken zur Sinnhaftigkeit eines technischen Hilfsmittels
oder:
Wie Technik die Freude beim Lernen unterstützt

Als erstes sei gesagt:
Die push+ Technologie ändert am grundlegenden Dobson-Aufbau nichts. Alles, was über das Dobson-Teleskop bekannt ist, gilt weiterhin unverändert.
Schaltet man das push+ nicht ein, so hat man ein ganz normales Dobson-Teleskop.
Nutzt man es jedoch, so hat man sozusagen ein Navi für den Sternenhimmel*.

(*Gibt es auch als Add-On/Ergänzung für bereits vorhandene Dobson-Teleskope. Unten mehr dazu.)

Und das ist schon ausgesprochen hilfreich.
Meinem Gefühl nach für Anfänger eine ideale Möglichkeit, sich Frustrationserlebnisse zu ersparen und vor allem schnell etwas zu beobachten.
Natürlich ist es nicht zwingend, denn in der Vergangenheit hat die Himmelsbeobachtung auch ohne technische Hilfe funktioniert. Und das gilt selbstverständlich weiterhin. Aber die Vorteile sind schon enorm.

Als zweites sei gesagt:
Selbsternannte Profis haben bei technischen Unterstützungen unnötigerweise manchmal eine Meinung, der ich in keinem Fall zustimmen kann: „Man lernt den Himmel nicht kennen.“

Diese Aussage kommt mit schöner Regelmäßigkeit.
Sowohl bei fotografischen Montierungen, die mit einer technischen Funktion ausgestattet sind, um Objekte am Himmel zu finden (GoTo), als auch bei vielen anderen „bösen, neumodischen Helferlein“.

Es ist eine sehr puristische Ansicht.
Es hat fast den Anschein, dass es den „alten Hasen“ einfach nicht passt, wenn man sich eine technische Unterstützung holt. Man muss sich doch „gefälligst“ den Sternenhimmel mühevoll erarbeiten. Alles andere sei falsch, zu einfach, nutzlos oder „gemogelt“:
– GoTo ist falsch, man soll bitte manuell alles am Himmel suchen.
– Apps sind falsch, man soll bitteschön dicke Sternkarten-Bücher wälzen.
– Und das push+ ist selbstverständlich auch falsch.

Ähnliche Aussagen konnte man auch hören, als Navigationssysteme für den Straßenverkehr eingeführt wurden.
Würde man all diesen Zweiflern folgen und wäre man diesem Typus Mensch schon immer gefolgt, so würden wir heute noch zu Fuß gehen und jene Zweifler würden Pferdekutschen verfluchen, auf deren Gefahren hinweisen und erklären, dass die Beine aufgrund dieser „Erfindung“ verkümmern würden.

Ich habe gleich mehrere Argumente, die gegen diese Ablehnung sprechen. Auch und vor allem gegen die Aussage: „Man lernt den Himmel nicht kennen“.

Ich kann aus eigener Erfahrung und mit absoluter Überzeugung sagen, dass es schlichtweg falsch ist, dass man sich mit technischen Hilfsmitteln Freude raubt oder nichts lernt.

Ich möchte vielmehr behaupten, dass die technischen Hilfsmittel (wie Apps, GoTo und push+) die Freude wecken, unterstützen und erhalten: Ständiger Frust, weil etwas nicht funktioniert, kann zwar den Ehrgeiz wecken, aber auch dazu führen, dass man das Teleskop in die Ecke stellt.
Hat man hingegen von Anfang an Erfolgserlebnisse, so bleibt die Freude erhalten. Man entwickelt dann Hand in Hand mit der fortschreitenden Beobachtung und dem zunehmenden Interesse am Sternenhimmel ein Gespür für die ganze Sache.

Man ist, wird und bleibt neugierig. Man lernt freiwillig, spielerisch und nebenbei.

Man kann von Einsteigern heutzutage unmöglich fordern, dass sie doch bitte zuerst den Sternenhimmel theoretisch kennenlernen müssen, bevor sie mühevoll und in langwieriger Handarbeit ein Objekt mittels gedruckter Sternkarten auffinden können.
Das kann zwar Spaß bereiten, ist aber keine Grundvoraussetzung!

Es würde auch niemand auf die Idee kommen, nach einem Umzug in eine neue Großstadt zu behaupten: „Studiere erstmal den Aufbau der Stadt, mach Dich mit der Stadtgeschichte vertraut und präge dir die Verkehrswege ein. Steige erst danach in Dein Auto oder auf Dein Fahrrad. Dann stoppe bitte an jeder Ecke und studiere eine gedruckte Karte“.
Niemand würde heutzutage behaupten, dass die Unterstützung per Navi „dumm halten“ würde.
Tatsächlich lernt man die neue Stadt damit rasch kennen.

Ich habe den Himmel auch während der Fotografie kennengelernt und kenne ihn heute sehr gut. Ich finde Objekte ganz ohne jede technische Untersützung. Und das ohne zuvor Theorie gepaukt zu haben. Sondern weil ich technische Hilfe hatte (eine App) und weil ich so nicht die Freude verloren habe. Ich habe mich immer weiter mit dem Himmel beschäftigt und bin so immer ‚wissender‘ geworden.

Selbstverständlich ist es richtig, dass man für eine umfassende Beobachtung den Himmel kennen muss. Aber nicht zwingend vor der Beobachtung. Man kann ihn genauso gut während der Beobachtung kennenlernen.

Push+ und andere Hilfmittel wie Apps ermöglichen ein spielerisches „Learning-by-Doing“.
Und zwar nicht trotz, sondern gerade aufgrund der technischen Unterstützung!

Screenshot aus Video mit Mobiltelephon

Aufbau und Inbetriebnahme des push+

Wie funktioniert das Ganze nun?
„Es funktioniert einfach und recht genial.“

Aber Spaß beiseite:
Das push+ besteht aus zwei Sensoren, die ‚wissen‘, wohin das Teleskop schaut. Und weil sie wissen, wohin es aktuell blickt, können sie auch ’sagen‘, wie man es bewegen muss, damit es auf ein zuvor ausgesuchtes Ziel zeigt.
Es findet also ein kontinuierlicher Abgleich zwischen dem aktuellen „Ist-Zustand“ der Teleskop-Ausrichtung/Blickrichtung und dem „Soll-Zustand“ (also dem Zielobjekt) statt.

Damit das funktioniert, muss zu Beginn jeder Beobachtungsnacht das push+ einmalig ‚trainiert‘ werden. Es muss also einmalig lernen, wohin das Teleskop nach dem Aufbau blickt. Weiß das push+ dann über die Lage des Fernrohres Bescheid, so kann es zu Zielen leiten.

Die grundlegende Einstellung ist im Handbuch und in einem Video des Herstellers recht gut beschrieben.
Alles, was man machen muss, besteht aus zwei Schritten:

1) Man muss das Teleskop waagerecht ausrichten und danach das System einschalten.
2) Danach muss man erst einen und dann einen zweiten Stern sowohl am Himmel anfahren als auch denselben in der App auswählen und dies bestätigen.
Das ist alles.

Für Anfänger, die noch keinen einzigen Stern kennen, mag das etwas schwierig sein. Aber die hellsten Sterne sind so eindeutig zu erkennen und mithilfe der App zu bestimmen, dass es auch total ungeübten Menschen möglich sein sollte, sie erst mit den Augen am Himmel zu finden, dann mit dem Sucher bzw. Teleskop anzusteuern und zuletzt in der App zu bestätigen.
Hat das in einer Nacht funktioniert, dann wird es am Abend darauf schon richtig einfach, denn diese beiden Sterne sind dann bereits bekannt.

Im Sommer bieten sich hierfür z.B. Vega und Atair, im Winter z.B. Rigel und Beteigeuze an. Sie sind auch am hellen Himmel einer Stadt klar zu sehen.
Die Erfahrung zeigt: Nach kurzer Zeit kennt man die hellsten Sterne und findet sie jedes Mal sofort und ganz ohne Hilfe.

Geht das nicht auch ohne push+?

Ich habe mehr als einmal nachts Menschen getroffen, die sich – „weil es mich schon immer interessiert hat“ oder „Meine Tochter wollte mal die Sterne sehen“ – ein einfaches 100.- Teleskop gekauft haben.
Die stehen dann mit ihrem wackligen Gerät da und finden absolut nichts am Himmel.
Ich nehme mir dann Zeit, gebe mir Mühe, ein paar Grundlagen und Leidenschaft zu vermitteln und richte das Teleskop auf einfach zu findende Objekte: Den Orionnebel oder einen Sternhaufen.
Aber jedes Mal wird überdeutlich, dass diese „Erstnutzer“ zwar fasziniert sind, aber auch frustriert. Sie finden einfach nichts und sind heillos überfordert.
Sie sehen dann zwar das, was ich ihnen raussuche und lauschen gespannt den Geschichten, die ich zu dem Objekt erzählen kann, aber ohne meine Hilfe würde das alles nicht funktionieren.

Mit einem System wie dem push+ wäre das viel leichter.
Klar – auch das würde eine gewisse Einarbeitung erfordern. Aber wenn es gelingt, in der ersten Nacht zumindest ein Objekt zu finden und zu sehen, auch ganz ohne Vorkenntnisse, dann ist das Jagdfieber geweckt.

Selbstverständlich kann man alles am Himmel finden ohne das push+. Man konnte ja auch beim Autofahren zum Ziel finden ohne ein Navigationsgerät.
Während im Auto gedruckte Straßenpläne unverzichtbare Hilfsmittel waren (teilweise dicke Bücher, wie der ADAC Deutschland Straßenatlas), nutzte und nutzt man auch noch heute gedruckte Sternenkarten:

Manuelles Aufsuchen von Himmelsobjekten

Grundsätzlich läuft das manuelle Aufsuchen eines Himmelsobjektes nach einem Schema, das sich Star-Hopping nennt; Auf Deutsch etwas ungelenk übersetzt: „Von-Stern-zu-Stern-Springerei“.

Man sucht sich in der Karte in der Nähe des Objekts einen Stern, der hell ist und den man sicher am Himmel findet. Dorthin wird das Teleskop bewegt. Nun wird immer im Wechsel die Karte betrachtet und durch das Teleskop geblickt. Man sucht sich in der Karte Sternenmuster, wie z.B. Dreiecke, Linien oder ähnliches und versucht diese dann im Teleskop zu erkennen. Über diese Muster bewegt man sich dann, Stück für Stück, Stern für Stern, zu seinem Objekt.
Man ‚hüpft‘ also mit den Augen im wechselnden Blick zwischen Karte und Teleskop von Stern zu Stern.

Es kann Freude bereiten, sich so zu Objekten vorzutasten. Es ist zwar Arbeit, teils langwierig und nicht immer von Erfolg gekrönt (und dann frustrierend).
Aber wenn man dann endlich sein Objekt gefunden hat und es sehen kann, dann stellt sich ein „Ja! Ich habe es gefunden“-Gefühl ein, das recht befriedigend sein kann und für manche Beobachter mit den Reiz der visuellen Astronomie ausmacht.

Es ist aber ganz klar auch der Hauptfrustrationsfaktor für Einsteiger!
Denn es kann schon ganz schön nerven, wenn man Minute um Minute, gefühlt teils stundenlang etwas am Himmel sucht und es einfach nicht findet. Manchmal gibt man dann einfach auf, weil man sich am Himmel verlaufen (‚verhüpft‘) hat.

Und: Um per Starhopping etwas am Himmel zu finden, muss man den Himmel recht gut kennen!

Mit push+ hat man es da leichter. Man muss zwar zum Einrichten des Systems auch zwei helle Sterne ohne Hilfe finden, aber dann leitet push+ den Nutzer ganz ohne Bücher zum Ziel.

Eigene Erfahrungen mit dem push+ System

Der Aufbau des Teleskops selber erfolgt wie bei jedem Dobson-Teleskop. Das ist letztendlich nichts anderes als: „Rockerbox gerade hinstellen und Teleskop einhängen/befestigen“.

Zur Nutzung des push+ muss nun einerseits die App auf dem Smartphone installiert und (nur einmalig) eingerichtet werden.
Das Handbuch und ein Herstellervideo erklären das gut. Ich hatte erwartungsgemäß keine Probleme.
Auch die Verbindung per Bluethooth hat immer auf Anhieb funktioniert.
(Falls doch mal was nicht klappen sollte, ist die Lösung wohl meist in „Ausschalten und Neustarten“ zu suchen. 😉 )

Die wahrscheinlichste Fehlerquelle ist Standort und Datum/Uhrzeit.
Also bitte immer darauf achten, dass der eigene Ort und auch das Datum und die Uhrzeit (Vorsicht Sommer-/Winterzeit) richtig in der App hinterlegt sind!
Eine weitere wichtige Einstellung, die man vornehmen sollte, ist die Wahl des ‚Rotlicht- oder Nacht-Modus‘.
Nur so kann sichergestellt werden, dass die Augen nicht vom hellen weißlichen Licht des Mobilgeräts geblendet werden.

Nachdem das Telefon eingerichtet und verbunden ist, geht es an die Kalibrierung, die Ausrichtung des Teleskops. Sprich das „Star-Alignement“.

Das Auffinden von zwei hellen Sternen am Nachthimmel ist nicht weiter schwer.
Anfänger nutzen die App, um herauszufinden, wie der Stern, den sie sich am Himmel rausgesucht haben, heißt.
Das kostenlose Planetariumsprogramm Stellarium kann auch eine große Hilfe sein, um sich im Vorhinein zuhause am PC mit dem Nachthimmel vertraut zu machen.

Hat man sich für einen Stern entschieden, so klickt man ihn in der App an und bewegt das Teleskop zu ihm.

Ich habe dabei das Teleskop also zunächst grob Richtung Stern 1 bewegt. Im Sommer war das meist Vega, da schön hell und kinderleicht zu erkennen.
Nach dem groben Hinbewegen folgt dann das genauere Ausrichten mit dem Sucherfernrohr und zuletzt noch „der Feinschliff“ mittels Blick durch das Okular.
Nun wird in der App ‚Align‘ gedrückt und das ganze an einem zweiten Stern wiederholt.

Der Hersteller schlägt vor, dass der zweite Stern ungefähr 30° (was angeblich zwei Handbreit sind) vom ersten entfernt sein sollte.
Ich habe mich – da hell und sehr leicht zu finden – im Sommer meist für ‚Altair‘, den Hauptstern des Adlers, entschieden. Die Entfernung sollte ungefähr passen – genau habe ich nicht darauf geachtet.

Nachdem das zweite Mal Align gedrückt wurde, ist das push+ schon einsatzbereit.

(Man sollte darauf achten, die Sterne so genau wie möglich zu zentrieren, bevor man ‚Align‘ drückt. Je genauer man hier arbeitet, desto präziser trifft das push+ später ausgewählte Deep-Sky-Objekte.)

Und genau da wurde es für mich spannend!

Erster Einsatz und Treffergenauigkeit

Was mich natürlich am meisten interessierte, war:
Wie gut trifft man ein zuvor in der App ausgewähltes Ziel?
Denn nur wenn das relativ gut klappt, macht das push+ überhaupt Sinn.
Ich erwartete schon eine gewisse Abweichung, ggf. sogar eine etwas größere. Der Hersteller weist auch darauf hin, dass man keine 100%ige Treffergenauigkeit erwarten sollte.

Ich entschied mich daher zu Beginn für Objekte, die ich, dank meiner Erfahrung, auch einfach so am Himmel sehen konnte:
Selbstverständlich der Mond. Aber dann: Die Plejaden, die Andromedagalaxie, einzelne helle Sterne, den Doppel-Sternhaufen h&chi Persii…
(Im Winter wäre es wohl der Orionnebel gewesen und die Sternhaufen im Sternbild Fuhrmann.)

Tja, was soll ich sagen?
Es funktionierte! Und zu meiner großen Überraschung besser als erwartet.
Hatte ich laut App mein Zielgebiet erreicht, so war das gewählte Objekt nicht nur im großen Gesichtsfeld des Suchers auf dem Teleskop zu sehen, sondern auch im kleineren ‚Bildausschnitt‘ des Okulars. Meist auch direkt annähernd mittig.

Ein guter Test war das Aufsuchen eines einzelnen Sterns. Denn der ist klein, aber hell und eignet sich daher gut zur Überprüfung der Treffsicherheit.

Ergebnis:
Selbst nach einer längeren Zeit und dem „wilden Herumschwenken“ konnte ich einen Stern in der App wählen, ihn rein über die App ansteuern ohne an den Himmel zu blicken und hatte ihn dann direkt beim ersten Blick durch den Sucher mittig im Gesichtsfeld.

Das zeigt mir ganz klar und bewies sich so in jeder Nacht:
Das push+ funktioniert genau wie versprochen, dabei besser als von mir erwartet.
(Ich habe sogar das Gefühl, dass es besser funktioniert als vom Hersteller angegeben. Evtl. wird da tiefgestapelt? 😉 )

Der Weg zum Glück geht dabei ganz klar über das genaue Star-Alignement am Anfang!
Wenn man hier sauber und gewissenhaft die beiden Sterne auswählt und zentriert, funktioniert das System.
Wichtig erscheint mir dabei, dass man die Sterne nicht nur im Sucher zentriert, sondern auch im kleineren Gesichtsfeld des Okulars.

Nachteile und Herausforderungen

Wirkliche Nachteile hat das push+ System nicht. Im Gegenteil. Es hat ausschließlich Vorteile.

–> Wenn man übermäßig genau sein will, dann kann man die LED an der Powerbank als Nachteil begreifen, aber die ist schnell abgeklebt. Genauso verhält es sich mit jeder weiteren LED, die sich beispielsweise am Telefon befindet.

Überhaupt ist Licht potentiell das größte Problem:
Damit man schwache Objekte am Himmel sehen kann, müssen sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Auch der kurze Blick in ein helles Licht blendet unsere Augen.
Da man nachts aber Licht benötigt, nutzt man eine rote Stirnlampe. Das machen alle visuellen Beobachter so, denn irgendwie müssen Okulare gefunden und Sternenkarten gelesen werden.
Rotes Licht blendet unsere Augen praktisch nicht.

Daher wäre das helle Licht des Telefons, also der App, ein Problem.
Aber: Es gibt einen Rotlicht-Modus, der den gesamten Bildschirm in ein sanftes rotes Licht taucht. So kann man die App nutzen, ohne dass man geblendet wird.
Zusätzlich sollte man die Helligkeit des Telefons selber auf die niedrigste Stufe stellen.

Sehr versierte Beobachter mögen einwenden, dass auch das Rotlicht die Augen geringfügig blendet. Das möchte ich auch nicht abstreiten.
Aber einen Einfluss hat das nur, wenn man extrem schwache Nebelgebiete möglichst genau und intensiv in all ihren Details beobachten möchte. Und genau das sind wahrlich keine Anfängerobjekte.
Die Personen, die schon so weit in der Beobachtungspraxis fortgeschritten sind, dass sie sich in die Oberliga der Nebelbeobachtung vorwagen, werden höchstwahrscheinlich so oder so ein ganz anderes Vorgehen haben und nicht mehr auf das Himmelsnavi zurückgreifen müssen.

–> So gesehen ist die geringfügige und eher theoretische Blendung der Augen mehr ein abstraktes Gedankenspiel und keine reale Beeinträchtigung.

-> Herausfordernd ist eher die (möglicherweise hohe) Brennweite und das Dobson-System selber. Push+ erleichtert dabei vieles.

–> Herausfordernd ist auch, dass im Teleskop alles seiten- und spiegelverkehrt ist. Aber das ist keine Besonderheit des Dobsons oder des push+, sondern etwas grundsätzliches, das allen Spiegelteleskopen innewohnt.
Anfangs ist das schon ungewohnt, aber man hat sehr schnell Übung und bewegt das Teleskop dann ganz selbstverständlich in die gewünschte Richtung. Der Himmel selber kennt kein ‚Unten‘ und ‚Oben‘.

–> Eine weitere Gegebenheit, die man als Nachteil begreifen könnte:
Das push+ ist ein ‚technisches Ding‘. Und theoretisch kann jedes technische Bauteil mal spinnen.
Man liest ja ab und an von Menschen, die ihrem Navi im Auto blind vertraut haben und am Ende in einem U-Bahn-Eingang, im Hafenbecken oder einem Fluss gelandet sind. Aber das ist angesichts der großen Masse an Navi-Nutzern doch nur ein winziger Anteil.

Meine Erfahrung ist: Führt man das Prozedere am Anfang, wie oben beschrieben, richtig aus, ‚eicht‘ das Teleskop also an zwei Sternen mit der notwendigen Genauigkeit, so funktioniert es immer und fehlerfrei.
Und sogar mit einer geringeren Abweichung als vermutet und vom Hersteller angegeben.

–> Auf die Aussage: „Man lernt den Himmel nicht kennen“ bin ich oben bereits ausführlich eingegangen. Ich halte diese Vorstellung für grundfalsch. Meiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall: Weil man Erfolgserlebnisse hat, bleibt das Interesse bestehen und somit wird ganz spielerisch der Nachthimmel ‚erlernt‘.

–> Zwei Punkte gibt es jedoch, die ich für verbesserungswürdig halte, wobei diese nicht das push+ selber betreffen, sondern das Teleskop-Modell:
Ich hätte mir eine Gewichtstarierung gewünscht und Haltegriffe (bzw. „Schubs-Griffe“).

Tipps für Anfänger

Ein paar Tipps möchte ich absoluten Anfängern mitgeben:

  • Nehmt Euch nicht zu viel vor. Versucht nicht, in der ersten Nacht ein visuelles Wunder zu erzwingen.
  • Nutzt das Teleskop am Tage. Macht Euch mit dem Scharfstellen vertraut und vergleicht die Vergrößerungen/Blickwinkel der einzelnen Okulare.
  • Startet mit einer geringen Vergrößerung! Nutzt also ein Okular, das ein relativ großes Feld zeigt.
  • Startet mit dem Mond:
    Nach dem ersten Star-Alignement ist der Mond ein wunderbares Testobjekt für die Genauigkeit/Treffsicherheit des Geräts. Hat man sauber gearbeitet, also die zwei „Justagesterne“ ordentlich zentriert, so sollte man den Mond in der App auswählen, ‚push-to‘ drücken und dann den Anweisungen auf dem Bildschirm folgen.
    Die App sollte nun zum Mond leiten und man hat die Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben.
  • Ist der Sternenhimmel noch vollkommen unbekannt, so installiert das kostenlose und freie Planetariumsprogramm ‚Stellarium‘ auf dem PC und macht Euch da mit dem aktuellen Sternenhimmel vertraut.
    Über die Taste [c] werden die Sternbildlinien eingeblendet. Im Winter sollte man das Sternbild Orion und im Sommer das Sternbild Schwan finden. Beide sind am Himmel überdeutlich und sehr einfach zu erkennen.
  • Genauso kann man die mitgelieferte App (Sky-Safari) oder Stellarium-mobil nutzen. Man geht raus und vergleicht die App mit dem aktuellen Himmel. Es reicht zunächst, ein einziges Sternbild oder ein paar wenige Sterne zu erkennen. Damit hat man dann eine grobe Orientierung.
  • Nehmt Euch Zeit und gebt vor allen den Augen Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Es wird und kann nicht funktionieren, wenn helle Lichter die Augen blenden.
  • Seid geduldig und gnädig mit Euch selbst. Es ist noch kein Meister vom in den Himmel gefallen.

Preis?

Ist das push+ günstig oder teuer?
Lohnt sich die Investition?


Tja. Was ist günstig? Was ist teuer?
Abgesehen davon, dass das jeder für sich anders festlegt, kann man sich doch zumindest darauf einigen, dass eine Anschaffung sich nur dann lohnt, wenn man für sein Geld einen Gegenwert bekommt.
Und das ist hier ganz klar der Fall.

Persönlich empfinde ich den Preis ‚angemessen‘, eher in Richtung ‚günstig‘ tendierend. Jedenfalls keinesfalls ‚teuer‘.
Wenn man sich überlegt, dass man da ein technisches Hilfsmittel bekommt, dass in seiner Art einzigartig ist, in Deutschland entwickelt wurde und das ungemein hilfreich ist, so ist es seinen Preis auf jeden Fall wert.

Abgesehen von dieser grundsätzlichen Frage:
Es gibt ja nicht „das eine push+“ sondern verschiedene Varianten.
Denn an sich ist „push+“ zunächst eine Technik. Also die Hardware, die zwei Sensoren. Doch die sind nutzlos ohne ein Dobson-Teleskop.
Es gibt also verschiedene Varianten bzw. Sets zu kaufen:

–> Zunächst einen ‚Stand-Alone‘-Nachrüstsatz für verschiedene Dobson-Systeme. Z.B. als Lösung für Leute, die sich ein vorhandenes Dobson nachrüsten wollen oder ein eigenes System zusammenstellen möchten.
Dieses Set eignet sich für viele, aber nicht alle Dobson-Systeme.
–> Dann gibt es einfach nur die Basis, also Rockerbox-Montierung inkl. push+, aber ohne Teleskop: Push+ oder push+mini.
Hier wählt man das Teleskop selber aus oder nutzt ein vorhandenes (passendes!).
–> Und natürlich gibt es verschiedene Sets mit unterschiedlich großen Teleskopen; sozusagen „ready to push“: Klein und fein oder gleich ganz groß. (Persönlich würde ich die kleinste Version nicht bevorzugen!)

Ich hatte „ein richtig dickes Ding“ und zwar dieses Advanced X Modell zusammen mit dem Nachrüstsatz.

Fotografieren?

Fotografieren durch ein Dobson-System? Funktioniert das?
Ja – allerdings sehr eingeschränkt.
Für die Fotografie von Deep-Sky-Objekten werden ganz andere technische Gerätschaften benötigt. Dies ist mit einem Dobsen nicht machbar und auch nicht gewollt.
(Grundlagen der Deep-Sky-Fotografie habe ich hier beschrieben.)
Allerdings ist es problemlos möglich, den Mond zu fotografieren. (Mit etwas technischem Verständnis und einigem Aufwand evtl. auch Saturn und Jupiter. Aber das muss man dann schon wirklich wollen und sich in die Technik einarbeiten.)

Ich hatte diese erstaunlich funktionstüchtige Smartphonehalterung mit dem System mitbekommen und konnte damit den Mond mit einem viele Jahre alten Händy schon richtig gut fotografieren und filmen.
Die Halterung umgreift das gewählte Okular fest und mittig und ermöglicht es, das Telefon perfekt zu zentrieren.
So kann man beispielsweise die Krater, die man gerade sieht, abfotografieren und später mit einer Karte des Mondes vergleichen.

Wie das aussehen kann, sieht man am Besten im Video hier bei Zeitpunkt 34:40

Notwendiges Zubehör?

Was benötigt man eigentlich noch, damit man in den Himmel schauen kann?
Nun, eigentlich ist es tatsächlich nur das Teleskop, bestehend aus den zwei Teilen: Montierung (also dem Unterbau, der Rockerbox) und dem Teleskop selber.
Aber: Ohne Okulare kein Himmelsblick.

Ich habe zu dem Teleskop einen ganzen Satz Okulare erhalten, genutzt habe ich allerdings nur 3 davon. Die stärkste Vergrößerung habe ich als ‚zu heftig‘ empfunden.

Was ich extrem toll fand, allerdings auch ‚preislich herausfordernd‘, war dieser ‚Bino-Viewer‘.
Mit ihm ist es möglich, mit beiden Augen gleichzeitig zu sehen. Dieses ‚Stereo-Schauen‘ erzeugt vor allem am Mond (aber nicht nur da) schon einen ganz anderen Eindruck. Ich war völlig fasziniert davon.
Der Bino-Viewer ist ein massives, sehr hochwertiges Qualitätsteil und das hat (leider) seinen Preis. Auch benötigt man alle Okulare, die man nutzen möchte, gleich zweimal.
Es ist also ein großer Spaß und visueller Zugewinn, aber kein günstiger.
Empfehlen kann ich den Bino-Viewer ohne jeden Vorbehalt. Aber leisten könnte/wollte ich ihn mir nicht.
Wer Freude an der visuellen Astronomie hat, der wird sie mit einem Bino sicherlich nochmals steigern. Aber das ist dann wohl eher was für fortgeschrittene Beobachter.

Fazit

Ganz am Anfang habe ich erwähnt, dass ich mir nicht viel von der visuellen Beobachtung des Sternenhimmels versprach. Und nun zum Ende muss ich mir eingestehen, dass ich völlig falsch lag! 🙂
Der Live-Blick ist um so vieles besser als ich erwartet hatte und das Auswählen, Aufsuchen und Finden von Objekten (auch mit oder vielleicht sogar aufgrund des push+ Systems) macht einfach irrsinng viel Spaß.

Klar: Dass der Mond toll aussieht, wenn man näher herankommt, war mir auch zuvor bewusst. Aber dass Nebelgebiete so spannend aussehen, hätte ich nicht für möglich gehalten.
Von Sternhaufen, die in der Astrofotografie eher stiefmütterlich behandelt werden, da sie nicht so „schön bunt“ wie Nebelgebiete sind, war ich zuvor schon (fotografisch) fasziniert. Sie visuell zu betrachten ist allerdings nochmal ein ganz anderes Erlebnis.

So wurde aus meiner anfänglichen Skepsis „Entdeckerfreude“ und „Jagdeifer“, die nun dem Bedauern weichen, das Gerät zurückgeben zu müssen.

Für Leute, die bisher nur fotografiert haben oder sogar nur Fotos kennen, kann man diesen Live-Blick vielleicht am ehesten so beschreiben:

„Ja – man sieht nix buntes. Aber das ist nicht enttäuschend, wie man erwarten könnte. Man hat im Gegenteil sogar das Gefühl, mehr zu sehen, da das Bild live und direkt vor dem Auge steht. Es wirkt dadurch größer, näher, echter und greifbarer. Auch ganz ohne bunte Farben und die feinen Details, die moderne Astrofotografie auflösen kann.“


Ich glaube, man merkt meine Begeisterung. Das liegt vor allem daran, dass mir die visuelle Beobachtung gezeigt hat, wie viel Spaß das macht: Viel mehr als ich erwartet hatte.
Völlig unabhängig vom push+ System.
Dabei unterstützt dieses Himmels-Navi die Begeisterung natürlich, denn das Auffinden von unsichtbaren Objekten wird damit deutlich erleichtert.

Daher denke ich, dass das push+ System bei Anfängern der visuellen Beobachtung mit das ausschlaggebende Hilfsmittel sein kann, um Erfolgserlebnisse zu haben und daher mit Freude immer tiefer in die Schätze des Nachthimmels einzutauchen.
Sicherlich ergibt es sich dann ganz von alleine, dass man Bücher, das Internet oder auch eine Planetariumssoftware auf dem PC als weitere Info- und Lernquellen heranzieht.

Letztendlich ist das push+ einfach ein Hilfsmittel, das die Freude an der Beobachtung des Sternenhimmels und der dem nackten Auge verborgenen Deep-Sky-Objekte unterstützt.
Und das tut es erfolgreich und überzeugend!

Wer all das hier Gesagte nochmal ‚live und in Farbe‘ sehen möchte, der darf gern mein Video anklicken.
Dort erzähle ich einiges über die Grundlagen des Dobson-Teleskops, zeige die Funktionsweise des push+ sowohl am Tage als auch in der Nacht und gebe einige weitere Hinweise zur Bedienung.
Es ist ein langes und ausführliches Video. Daher findet sich in der Videobeschreibung ein Inhaltsverzeichnis, sodass man gezielt einzelne Abschnitte anschauen kann.

Freundliches Schlusswort

Ich hoffe, dass Dir, liebe Leserin, lieber Leser, mein Artikel ein wenig Freude bereitet hat. Evtl. hat er Fragen beantwortet, die Dich interessiert haben.
Wie Du gemerkt hast, bin ich von der push+ Technologie begeistert! Aber, das möchte ich auch nochmals sagen: Zwingend ist es nicht, sondern einfach nur enorm hilfreich!

Wenn Du für Dich den Nachthimmel erkunden und ‚erobern‘ möchtest, so kannst Du auch ganz ohne jedes Hilfsmittel starten. Denn – so wie ich es bereits in der Einleitung geschrieben habe – der Blick auf das Band der Milchstraße und den mit abertausenden von Sternen übersäten Himmel ist auch ganz ohne Fernglas oder Teleskop zauberhaft.
Nimm Dir Zeit, mach es Dir gemütlich, gewöhne Deine Augen an die Dunkelheit und die Wunder der Nacht werden Dich gefangen nehmen.
Hast Du ein einfaches Fernglas, einen Feldstecher, so nutze den.
Vor allem: Hab Freude!

Ich wünsche Dir viele sternenklare Nächte!

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