Das Sternbild Kassiopeia – finden, beobachten und fotografieren

Sternbild Cassiopeia, Kassiopeia, das Himmels-W mit Deep-Sky-Objekten wie offene Sternhaufen und NebelnKassiopeia – Das „W“ am Himmel

1. Allgemeines

Eines der „wichtigsten“ Sternbilder – zumindest für Anfänger – ist ohne Zweifel Kassiopeia und das aus zwei Gründen:
1. Es ist sehr leicht zu erkennen
2. Es ist praktisch immer zu sehen – fast genauso wie der große Wagen.




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Darüber hinaus bietet es auch eine ganze Menge. Davon möchte ich in diesem Artikel berichten.

Gerade Anfänger finden sich schwer am Himmel zurecht, muss doch eine komplett neue Welt begriffen und erfahren werden. Es dauert eine Zeit, bis sich ein Gefühl für die Dimensionen entwickelt hat und man lernt, zweidimensionale Karten gedanklich auf ein kugelförmig gewölbtes Firmament zu übertragen.
Mach Dir also keine Gedanken, wenn Du nicht alles sofort findest. Mit der Zeit entsteht in Deinem Kopf eine Landkarte. Einige einfache Sternbilder erkennst Du praktisch sofort und findest sie auch jederzeit wieder. Dazu gehört eben Kassiopeia.

Tizian: Kampf des Persus mit dem SeeungeheuerKassiopeia ist zirkumpolar, d.h. sie befindet sich so nahe des Polarsterns, dass sie das ganze Jahr über zu sehen ist; Sie geht niemals unter. Zwar ist sie im Herbst am besten zu beobachten, da sie sich dann direkt über unseren Köpfen im dunklen Himmelszenit befindet, doch auch zu anderen Jahreszeiten kann man das große „W“ sehr leicht finden. (Ihren höchsten Stand erreicht sie am 9. Oktober).
Dank der leuchtkräftigen Sterne funktioniert das auch in relativ lichtverschmutzten Gegenden. Mir persönlich fiel es dort sogar lange Zeit wesentlich leichter als unter einem perfekt dunklen Berghimmel, leuchten dort doch so viele Sterne, dass Kassiopeia in ihnen fast untergeht.

gif-Animation der zirkumpolaren Sternbilder.
Anklicken für Vollbildanimation

 
Kassiopeia befindet sich direkt am Rand oder gerade noch im Band der Milchstraße. Ihr Hintergrund ist beherrscht von einer Vielzahl an Sternen, wobei das nur an wirklich dunklen Orten zu erkennen ist.
Daher findet man in der Umgebung um das Sternbild eine ganze Reihe an Deep-Sky-Objekten, vornehmlich Sternhaufen, doch auch einige Nebel, was dieses Sternbild durchaus interessant macht.

 

2. Griechische Mythologie

Ach ja – die Griechen: Wilde Geschichten von Göttern, Helden und schönen Frauen.

Kassiopeia war eine Königin und zwar die von Äthiopien. Sie hätte es da eigentlich ganz schön haben können, auf einem schicken Thron.
In Ruhe hätte sie mit ihrem Mann (König Kepheus, ebenfalls ein Sternbild) und ihrer Tochter (Prinzessin Andromeda) regieren und das schöne Leben genießen können.
Aber das wäre ja keine Geschichte und somit nix für die Griechen. Denn die wollten ja Action.

Kassiopeia war eine sehr eitle und hochnäsige Königin. So selbstverliebt, dass sie behauptete, sie (oder ihre Tochter, da ist man sich nach 2000 Jahren wohl nicht mehr so sicher) sei schöner als die Neriden, die Töchter des Meeresgottes.

Das war keine so gute Idee, denn der Meeresgott Nerus ließ die Beleidigung seiner 50 Töchter (ja, recht produktiv der Gott, Meereswasser soll ja anregend sein) natürlich nicht auf sich sitzen.
Er verfluchte die königliche Familie und schickte ein furchtbares Meeresungeheuer, das gewaltige Fluten über Äthiopien rollen ließ.
Um den Fluch zu beenden, musste – so wusste es das zur Hilfe gerufene Orakel – die Tochter der Kassiopeia (die schöne Prinzessin Andromeda) geopfert werden.

Fluch auf der einen Seite – Leben der Tochter auf der anderen. Blöde Situation für König Kepheus und Königin Kassiopeia. Aber ein Königspaar ohne Ländereien (denn die waren ja überflutet), macht einfach nichts her.
Die Lösung: Großer Felsen, starke Ketten und eine (natürlich nackte) Prinzessin.

Tizian: Kampf des Persus mit dem SeeungeheuerWährend Prinzessin Andromeda also so an den Felsen gekettet rumhing und wartete, dass es mal weiter gehe, kam ganz zufälligerweise der Held vorbei (Perseus, auch ein Sternbild).
„Na, Du Schöne, wie ist Dein Name und warum liegst Du hier in Fesseln?“ fragte er sie. Sie erzählte ihm die Geschichte der eitlen Mutter, des Fluchs und dass nur ihr Opfertod das Land befreien könne.
Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, jagte aus den tosenden Wellen das Ungeheuer herbei. Auch ihre Eltern eilten zur Hilfe (ja, jetzt wo es ernst wurde), doch sie waren machtlos.
 

Da sprach Perseus: „Ich will Andromeda retten, so denn Ihr sie mir zur Frau gebt.“ Die Eltern willigten ein und so stieß Perseus sein Schwert immer und immer wieder in die Bestie, bis sie blutüberströmt verendete (ja, genau so blutig wird es beschrieben).‘

Und nun? Hochzeit? Ende gut, alles gut?
Nein, natürlich nicht.

Kassiopeia war es nicht wirklich recht, dass Perseus ihre Tochter zur Frau nahm. Denn eigentlich war diese schon einem anderen Mann versprochen: Phineus. So stürzte sich noch während der Hochzeitsfeier eine von Kassiopeia heimlich georderte Schar von Kriegern auf Perseus, welcher den Kampf nur knapp gewann. Nach dem Kampftumult herrschte eine gespenstische Stille.
Diesen Moment nutzte der Meeresgott, um König Kepheus und die eitle Königin Kassiopeia an den Himmel zu setzen.
Kassiopeia auf ihrem Stuhl am Firmament

Und genau dort sitzt Kassiopeia auch heute noch, allerdings nicht auf ihrem Thron, sondern in einer recht ungemütlichen Stellung auf einem einfachen Stuhl. Hier ist sie für alle Zeit dem Spott des gewöhnlichen Volkes ausgesetzt.

 
 

Und Andromeda?
Die lebte glücklich mit ihrem Helden und wurde letztendlich nach einem erfüllten Leben zusammen mit Perseus von der Göttin Athene ebenfalls an das Firmament gesetzt, wo sie bis heute unsterblich vereint sind.

Das war doch mal eine Geschichte!
Wer Freude daran gefunden hat, kann sich ja mal den anderen Mythen der Griechen annehmen. Spannung garantiert!

Doch kommen wir zum fotografischen Teil:

 

3. Kassiopeia finden, beobachten und fotografieren


Die hellen Hauptsterne von Kassiopeia, eingebettet in die nördliche Milchstraße. Achtung: Sehr hohe Auflösung.

Wie bereits erwähnt, ist Kassiopeia als zirkumpolares Sternbild immer zu sehen und das sogar bei relativ starker Lichtverschmutzung.
Ideal ist der Herbst, da sie zu diesem Zeitpunkt fast direkt im Zenit steht, wo der Himmel besonders dunkel ist.
Um Kassiopeia zu erkennen, muss man also praktisch nur in den Himmel blicken und in Gedanken die Sterne zu dem markanten W verbinden.

Doch wo genau befindet sie sich? Wie findet man Kassiopeia am Himmel?

Ist man noch völlig unerfahren, hilft natürlich eine App auf einem Mobilgerät. Doch auch ohne ist es relativ leicht, dieses Sternbild zu finden. Hier eine einfache Methode mit dem sog. ‚Star-Hopping‘, also dem Springen mit den Augen von Stern zu Stern:

Zunächst suchen wir den großen Wagen, der als ‚das‘ Sternbild überhaupt jedem bekannt sein dürfte. Die Linie, die die vorderen beiden Kastensterne bilden, kann 5x verlängert werden. So gelangt man zum Polarstern, der den Himmelsnordpol abbildet.
Verlängert man nun diese Linie nochmal um etwa die gleiche Länge über den Polstern hinaus, so gelangt man direkt zu Caph, einem der Hauptsterne von Kassiopeia.


Kassiopeia aufsuchen

Ist der Himmel richtig dunkel, so erkennt man hinter Cassiopeia die Milchstraße, in die sie scheinbar eingebettet ist. Bereits mit bloßem Auge sind auch einige Flecken zu sehen.
Doch erst ein Blick durch ein Fernglas macht diese Region zu einem wahren Augenschmaus.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, wie viel mehr an ‚Erfahrung‘, an ‚Weit- und Einblicken‘ ein Feldstecher liefern kann.
Solltest Du keinen haben, dann frag doch mal im Freundeskreis oder der Familie nach. Möglicherweise kann Dir ja jemand einen leihen. Ich selber habe auch kein Luxusmodell, sondern einen guten und soliden „10×50“-Feldstecher, den man gerade noch so verwackelungsarm halten kann. Noch mehr Spaß macht es allerdings auf einem kleinen Stativ.
Versuch es einfach mal: Leg Dich auf den Rücken und blicke in die Schwärze der Nacht, gib Deinen Augen Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen und versuche z.B. die hier angesprochene Kassiopeia mit ihren fünf Hauptsternen genau zu betrachten. Und jetzt nimm das Fernglas.
Und? Da macht es „Wow“ – ganz egal, wie klein oder alt Dein (Leih-)Gerät auch ist.

Also:
Bereits mit dem Fernglas ist beispielsweise M52 sichtbar oder auch Herschels Spiralhaufen, beides offene Sternhaufen.

Auf dem nächsten Bild kannst Du einige der Deep-Sky-Objekte erkennen. Allerdings sind nicht alle von ihnen mit einem Fernglas zu sehen. Für viele benötigt man doch ein Teleskop. Oder eben einen Fotoapparat, der helfen kann „unsichtbares“ sichtbar zu machen. (Wenn Du noch nicht weißt, wie das überhaupt geht, dann schau doch mal in den Anfängerkurs. Dort erfährst Du die ‚Basics‘)


Deep-Sky-Objekte rund um Kassiopeia. Achtung: Sehr hohe Auflösung.

Kassiopeia fotografieren

Es gibt viele Möglichkeiten Kassiopeia zu fotografieren. Mir persönlich gefällt es immer sehr gut, Sternbilder mit Linien in Fotos einzuzeichnen, aber das ist Geschmackssache.
Selbstverständlich gilt auch für dieses Sternbild das, was ich schon zur allgemeinen Sternbild-Fotografie geschrieben habe. Hier nochmals zusammengefasst:
– Sternbilder sind sehr groß
– Daher können sie praktisch mit jedem Objektiv aufgenommen werden
– Besser eignen sich jedoch Linsen zwischen 35 und 50 mm (je nach Sternbildgröße)
– Sehr schön sind hochauflösende Panoramabilder, die viele Details zeigen

Das Bild, das ich in diesem Artikel hauptsächlich verwende, ist ein Panorama aus 11 Teilen, jeweils mit 85mm aufgenommen.

Will man noch näher ran und gezielt einzelne Objekte fotografieren, dann darf es schon (wie immer bei der Deep-Sky-Fotografie) eine noch längere Brennweite (z.B. 200mm) oder ein Teleskop sein.
In der Nähe von Kassiopeia befinden sich lohnenswerte Objekte z.B. der Pacman-Nebel (NGC281), einige der Sternhaufen oder auch der Bubble-Nebel (NGC7653)


Offener Sternhaufen M52 / NGC 7654 und Bubble-Nebel NGC 7635

Zusammenfassung

Kassiopeia ist also ein in vielerlei Hinsicht spannendes Sternbild:
– Es dient als Wegweiser, gerade für Anfänger
– Eine hält eine actionreiche Geschichte parat – mindestens so gut wie ein Hollywood-Blockbuster
– Es ist sowohl mit dem bloßen Auge als auch mit Fernglas oder Teleskop wunderschön anzusehen
– Es bietet Fotografen mit fast jeder Ausrüstung die Möglichkeit tolle Bilder zu machen

…und ein freundliches Schlusswort

Ich hoffe nun – da der Artikel endet – dass etwas für Dich dabei war. Wahrscheinlich schon, sonst hättest Du wohl nicht bis zum Ende durchgehalten.
Vielleicht hast Du ja auch eine bestimmte Information gesucht. Falls sie dabei war, freue ich mich wenn Du es mir in den Kommentaren schreibst. Auch falls das Gesuchte gefehlt hat.

Aber evtl. bist Du ja auch nur „einfach so“ auf meiner Seite gelandet, hast ein bisschen gestöbert und dann diesen Artikel gefunden.
Und möglicherweise habe ich Dich ja auch etwas „scharf gemacht“ selber nach Kassiopeia zu schauen und ihre „Geheimnisse“ zu entdecken. Das würde mich freuen. Es lohnt sich allemal.
Auch freue ich mich, wenn Du mir eine Rückmeldung gibst, denn das ist die schönste Bestätigung, nachdem man einen aufwändigen Artikel geschrieben hat. (Und glaubt mir, das war es: Es gibt so viele Versionen der griechischen Sage, jeder schreibt vom anderen ab und es ist nicht leicht, die richtige Geschichte zu extrahieren).

Wie auch immer Du Dir den Sternenhimmel zu eigen machst, ob nur schauend oder mit der Kamera in der Hand:
Genieße diese kostbaren Momente und teile Dein Glück mit anderen.

Viel Spaß in der Nacht
sternenhimmel-fotografieren

 
 

Anmerkung

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