Wie schnell so ein Jahr doch vergeht…
…doch gleichzeitig erscheint es im Rückblick vielfältig und ereignisreich.

(Mein) astrofotografischer Jahresrückblick in (vielleicht) 4 Teilen

 

Jahresbericht Astrofotografie Sternenhimmel-fotografieren 2018 Teil 1

Jahresbericht Astrofotografie Sternenhimmel-fotografieren 2018 Teil 2
 
 
 
 
 
 
 
 

TEIL3

Juli

Highlight Mondfinsternis

Der Juli warf – zumindest für mich – bereits einige Wochen zuvor seine Schatten. Denn die totale Mondfinsternis am 27. wollte gut vorbereitet sein. Und das hieß für mich natürlich auch die Erstellung eines Artikels. Und wie es so meine Art ist, wollte (und konnte) ich nicht auf die Schnelle etwas „hinrotzen“, sondern wollte (musste) einen gehaltvollen und gut recherchierten Bericht schreiben. Je mehr ich recherchierte, desto mehr Ideen kamen mir. Letztendlich erstellte ich sogar eine Animation, die es mir (aber vor allem Euch, den Lesern) erleichterte, den Verlauf der Finsternis vorab einzuschätzen.

 

Am 27. Juli 2018 ist es soweit: Die totale Mondfinsternis 2018 wird am Himmel über Europa zu beobachten sein.
Mein langer und ungemein vielfältiger Artikel vermittelt Dir absolut alles was Du zu diesem Himmelsspektakel wissen willst – und wohl noch mehr:
Der komplette zeitliche Ablauf und astronomische Hintergründe in verständlichen Worten. Viele detaillierte Hinweise zur Fotografie mit unterschiedlichen Kameras und Brennweiten. Alles ergänzt mit Beispielbildern der letzten Mondfinsternis. Die richtigen Kameraeinstellungen und praktische Tipps zum Erstellen von Zeitrafferaufnahmen…
Das alles und noch viel mehr kannst Du hier nachlesen.

 

Die vielen postitiven Rückmeldungen und die über 20.000 Seitenaufrufe in wenigen Tagen zeigen, dass sich die Arbeit gelohnt hat.
Gefreut haben mich auch die vielen Kommentare unter dem Artikel und die noch zahlreicheren Emails. Unter Ihnen auch eine ganz besondere, aus der ich kurz zitieren möchte:

„Wir würden Ihre Animation gerne am 27.07.2018 in unserem Planetarium 5x vor Publikum projezieren. […] Selbstverständlich und ordnungsgemäß möchten wir hiermit höflich anfragen, ob Sie uns die entsprechende Genehmigung dazu erteilen würden. […] Es würde uns sehr freuen, eine positive Antwort von Ihnen zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon heute.
Deutsches Museum München, Abteilung Astronomie und Planetarium“

Nach einigem Schriftverkehr wurde meine Animation somit am „Langen Tag der Mondfinsternis“ mehrfach in der großen Kuppel des Planetariums im renommierten Deutschen Museum München aufgeführt. Das erfüllt mich durchaus mit Stolz und würdigt meine Arbeit auf besondere Weise.

Mit der Veröffentlichung des Artikels am 09. Juli, knapp 18 Tage vor der Finsternis begann also der Juli.
Doch vor diesem Highlight machte ich mich zu Neumond nochmals auf in die Berge:




Viele Wolken in Vorarlberg

6D – 14 mm – VG und HG getrennt gestackt und bearbeitet.
 

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung beobachtete ich schon wieder intensiver den Wetterbericht, denn im Juli musste(!) Es einfach wieder klappen: Der Mai war ja fast ohne einen Blick auf den Nachthimmel vergangen und der Juni war (abgesehen von einem Foto der ISS aus der Stadt) gänzlich fotofrei geblieben.
Tatsachen, die mich schon etwas traurig stimmten. Zwar ist hierfür einerseits das Wetter verantworlich, das ich nicht ändern kann und andererseits meine Arbeit, die ich auch (fast) freiwillig und (meist) gerne mache.
Aber: Mein Wohnort in der Stadt fällt mir in solch langen fotofreien Zeiten immer wieder negativ auf. Ich sehe dann Fotos anderer Astrofotografen, die auch nur kurze wolkenfreie Stunden für das Sammeln einiger Bilder in ihrem Garten nutzen können oder auch Abende an denen der Mond bereits nach zwei Stunden aufgeht.
Ich hingegen kann von zu Hause aus überhaupt nicht fotografieren, sondern muss mindesten 100 oftmals sogar 200 bis 350 km weit fahren. Und das lohnt sich natürlich nur zu garantiert wolken- und mondfreien Nächten. Kurz mal von zu Hause aus zwei Stunden „Licht sammeln“, ist bei mir einfach nicht möglich.

Doch leider sah es bis Mitte Juli nicht gut aus. Neumond war am Freitag den 13. Die Woche davor bzw. die Woche danach wäre für mich ideal gewesen. Falls denn das Wetter passen und meine Arbeit es mir ermöglichen würde, weit zu fahren.
Die Arbeit konnte ich regeln: Sowohl Donnerstag und Freitag als auch Montag hatte ich frei und somit theoretisch 5 Nächte Zeit. Das Wetter jedoch nicht.

Keiner meiner zuverlässigen Wetterdienste konnte mir durchgängig gutes Wetter garantieren, an keinem meiner in vertretbarer Entfernung gelegenen Fotospots.

Am aussichtsreichsten waren die Vorhersagen für Vorarlberg und Südtirol, beide Regionen etwa gleich weit entfernt.
Perfekte Bedingungen wurden zwar nicht angekündigt, aber die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag schien gut zu werden, ebenso bestand für die beiden folgenden Tage eine gewisse Chance auf klaren Himmel.
Doch Mittwoch musste ich noch arbeiten und das 100 km nördlich meines Wohnorts und somit auch nochmals 100 km weiter von den Alpen entfernt.
Das bedeutete, dass ich um 6:30 Uhr losfahren und von 8 bis 17:30 Uhr arbeiten musste, um mich im Anschluss auf die lange Fahrt nach Vorarlberg zu begeben.
Am Bodensee um ca. 21 Uhr konnte ich einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten und erfreute mich daran, dass es bereits fast wolkenfrei war. Um 22:15 Uhr erreichte ich endlich mein Ziel, wie erhofft noch vor der Dunkelheit. Ein paar erste Sterne waren schon zu sehen, aber leider auch (wieder) zu viele Wolken.
Bis Mitternacht klarte es nicht auf und den Wecker, den ich mir auf 00:45 Uhr gestellt hatte, um den Himmel zu überprüfen, überhörte ich. Die Arbeit der letzten Tage, der absolut nicht ausreichende Schlaf und die lange Anfahrt hatten mich geschafft. Mein Körper brauchte Erholung.

Erholung. Das war mit ein Grund, warum ich überhaupt gefahren war. Denn selbst wenn der Himmel nachts nur wenig zu bieten hatte, so würden mich die Tage in den Bergen dennoch erfüllen, da war ich mir sicher.

Als ich am nächsten Morgen erwachte und mit einem Guten-Morgen-Kaffee (allerdings erst um 11 Uhr) meinen Bus verließ, war ich mal wieder „im Paradies“: Kein Hintergrundrauschen der Stadt, keine Sirenen, kein Baulärm. Dafür Kuhglocken, ein sanfter Wind, der durch die reich blühenden Wiesen strich und wunderschöne riesige Schmetterlinge. So saß ich einige Zeit da und genoss die Ruhe.
Gegen 13 Uhr fuhr ich auf die Passhöhe in nur wenigen Kilometern Entfernung, da ich von dort evtl. auf einen Berg gelangen konnte, der mir für ein Nachtpanorama der Milchstraße geeignet erschien.
Ich parkte und ging ein Stück den Hang hinauf. Und noch ein Stück. Plötzlich hatte es mich gepackt und ich beschloss, den Berg ganz zu besteigen. Es ist kein weiter Anstieg, etwa 45 Minuten stetig bergan. Unterhalb des Gipfels stand ein Wegweiser, der den Standort mit 1855 m angab. Daher vermute ich, dass der Gipfel auf etwas über 1900 Metern liegt.

Tatsächlich hatte ich von dort oben einen fantastischen Aus- und Rundblick. Ein absolut genialer Standort für die Milchstraßen-Fotografie. Ich saß eine Zeit lang dort, beobachtete die Kühe im Tal und genoss erneut die Ruhe, so weit oben, ober- und irgendwie auch außerhalb der normalen Lebensrealität.

 
Händy-Schnappschuss am Gipfel
 

Nebenbei machte ich mir Gedanken, wie ich bloß des Nächtens hier herauf gelangen sollte. Die Wanderung selbst machte mir keinerlei Sorgen, jedoch die Parksituation. Der Parkplatz, auf dem ich jetzt stand, verkündete auf einem (allerdings kleinen) Schild ein „Nachtparkverbot von 22 bis 6 Uhr im gesamten Passbereich“. Der nächste legale Parkplatz war relativ weit entfernt und würde einen Anmarsch von bestimmt 1,5 Stunden über die Asphaltstraße erfordern. Absolut keine angenehmen Aussichten.
Ich hatte zwar zuvor bereits in Bayern Nächte an Orten mit Nachtparkverbot verbracht, allerdings immer unter der Woche und weit außerhalb der Reisezeit. Jetzt war es Mitte Juli und das Wochenende lag vor mir. Somit war die Chance auf eine Kontrolle weitaus größer, zumal ich hier in anderen Nächten weiter unten auf einem legalen Parkplatz auch schon die Polizei angetroffen hatte.
Als ich den Gipfel wieder verließ, war ich mir immer noch nicht im Klaren, ob ich es wagen sollte.

Nach meiner Wanderung suchte ich mir einen schönen Platz etwas abseits der Straße und tat: Nichts. Also nicht wirklich nichts. Ich aß, schrieb an verschiedenen Artikeln für die Seite und betrachtete dabei die Natur. Ich genieße es sehr, nicht in einem Büro zu schreiben, sondern draußen in der Natur.

 
Der Ausblick von meinem „Arbeitsplatz“
 

Natürlich blickte ich auch immer wieder gen Himmel, der größtenteils blau, aber immer von mehr oder weniger großen Wolken oder Wolkenfetzen durchzogen war. Auch um 19 Uhr hatte sich das nicht geändert und so langsam schwand meine Hoffnung. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Nachts noch vollständig aufklaren würde, wurde immer geringer.

Gegen 20 Uhr fuhr ich zurück zu meinem Stammplatz. Die Wolkensituation war immer noch unbefriedigend und ich beschloss, zumindest einen Zeitraffer zu machen. Denn der würde auch mit Wolken und einigen hindurchblitzenden Sternen einen hübschen Anblick ergeben.
Die Wolken zogen über den Gipfel, mal mehr, mal weniger und der Tag verabschiedete sich. Der Berghang leuchtete noch einmal golden auf, die Wolken verfärbten sich rosa und nach und nach brach die Nacht herein.

 
Abendrot
 

Zuerst erschien am Westhimmel Venus als leuchtender Abendstern. Je später es wurde, desto geringer wurde die Bewölkung.
Etwa um 22 Uhr konnte ich Polaris ausmachen. Ich beschloss das neue Teleskop zu testen. Es war mir egal, ob ich größtenteils Wolken fotografieren würde, denn ich wollte unbedingt einen Eindruck von dem Gerät bekommen.

Doch zunächst kochte ich mir ein Abendessen. Keine kulinarische Meisterleistung, aber Gnocchi mit Tomatensauce sättigten und wärmten mich. Um mich herum war es bereits relativ kalt geworden, das Thermometer zeigte nur noch 14°.

Nach dem Essen baute ich das Teleskop auf, nicht ohne zu vergessen, die Zeitrafferkamera weiterhin nachzuregeln.
Der Himmel wurde immer besser und ab etwa 23:30 Uhr war keine Wolke mehr zu sehen. Ich hatte mal wieder das Glück, das ich schon oft in den Bergen erlebt hatte: Mit der Dunkelheit gingen die Wolken.

Der folgende Zeitraffer vermittelt einen kleinen Eindruck dieses Abends:

 
 
Weniger Glück hatte ich mit dem Teleskop. Dies liegt sicherlich auch daran, dass es für mich neu war und in vielerlei Hinsicht anders konstruiert ist. Die wunderbar gelöste Polsucherbeleuchtung und die einhändig zu verstellende Polhöhe vermittelten jedenfalls schon mal einen guten Eindruck.
So gelang es mir natürlich problemlos das Gerät einzunorden.

Da der Himmel angenehm dunkel war (21,55 mag laut SQM-L), entschied ich noch schnell den Star Adventurer aufzubauen und mit 135 mm einfach für die nächsten 3 Stunden im Sternbild Cassiopeia zu fotografieren. Ich hatte kein genaues Objekt im Sinne, war mir aber sicher, in dem reichen Feld schon etwas schönes zu erwischen.

Danach wendete ich mich wieder dem Teleskop zu:
Das Star-Alignement funktionierte (mehrfach) wesentlich besser als bei meiner EQ5. Ein gutes Gefühl, endlich ein zuverlässiges Gerät zur Verfügung zu haben.
Doch die Ernüchterung kam bald und hart: Ich konnte die Montierung nicht ausbalancieren, da sowohl das Teleskop auf der DEC-Achse nicht ins Wasser zu bringen war als auch das mitgelieferte Gegengewicht offenbar zu gering dimensioniert ist, um das Teleskop auf der RA-Achse ausreichend zu stabilisieren. Ein zweites hatte ich nicht dabei.
Das resultierte in der Tatsache, dass die Montierung nicht in der Lage war, das Teleskop in jede Richtung gleichmäßig nachzuführen; das Gewicht des Teleskop-Tubus (inkl. 600 g Kamera und Sucherrohr) war einfach zu groß, um gleichbleibend ‚bergan‘ gezogen zu werden.
Ich entschied mich also mitten in der Nacht um 1 Uhr (die Zeitrafferkamera war mittlerweile endgültig eingestellt), die Schellen am Teleskoptubus umzubauen, in der Hoffnung, so ein besseres Gleichgewicht zu erzeugen.
Aber aufgrund des Okularauszugs gibt es natürlich nur genau zwei Möglichkeiten die Schellen anzubringen. In einem Fall zu weit vorne, im anderen zu weit hinten. In beiden Fällen war es nicht möglich, die Balance herzustellen. Dafür hätte ich eine längere Prismenschiene benötigt, die ich natürlich auch nicht dabei hatte.
Frustiert baute ich ab. Offenbar war es mir einfach nicht vergönnt, mit einem Teleskop den Sternenhimmel zu fotografieren. Ich habe es zwar immer mal wieder geschafft, aber mit der alten Montierung waren (trotz Guiding) nur kurze Belichtungszeiten möglich und das neue bekam ich überhaupt nicht zum Laufen.
(Anmerkung: Später im Jahr habe ich es natürlich geschafft und alles hat problemlos funktioniert; ich bin mit der Montierung absolut glücklich).

So blieb mir nichts anderes übrig als abzuwarten, bis der Morgen begann. Die Kamera auf dem Star Adventurer hatte über 150 Fotos à 60 Sekunden geschossen und der Zeitraffer lief noch bis ca. 4:30 Uhr, als die Sterne endgültig verblassten.
Ich betrachtete noch das (großartige) Zeitraffer-Ergebnis auf dem Monitor und schlief kurz darauf halb frustiert, halb glücklich ein.

Am Freitag schlief ich lange, sehr lange und erwachte erst um 12:30 Uhr. Die Sonne brannte auf meinen Wagen, aber dank der guten Isolierung, die ich verbaut hatte, waren es im Inneren nur warme 24°. Welch ein Unterschied zu einer nicht isolierten Blechdose, die sich locker auf über 35° aufheizt!
Der Tag verlief gemütlich. Ich frühstückte spät mit Blick auf die Berge, trank immer mal wieder einen Kaffee, schrieb weiter an verschiedenen Artikeln und erfreute mich einfach an der Natur.
Der Himmel blieb den ganzen Tag annähernd wolkenfrei. Doch das änderte sich zum Abend hin. Als es dann dunkel wurde, war der Himmel vollständig bedeckt. Es schien mir sinnlos, eine Kamera zu platzieren, nicht mal für einen Zeitraffer erschien es mir aufregend genug.

Daher machte ich es mir im Bus gemütlich, las und schlief relativ früh ein.
Am nächsten Morgen ging es dann zurück gen Heimat. Hinter mir lagen eine lange Fahrt, fantastische entspannte Tage in den Bergen und drei Nächte, von denen nur eine klar gewesen war.
Als mageres Ergebnis brachte ich eine eigentlich zu kurz belichtete Aufnahme von NGC 281, dem Pacman-Nebel im Sternbild Kassiopeia mit.
Ich hatte mir zwar mehr erhofft, war aber gleichzeitig auch auf die Bewölkung vorbereitet gewesen. Daher hielt sich meine Enttäuschung in Grenzen.

Das wirkliche Highlight im Juli sollte ja erst noch kommen:




27. Juli

Die Mondfinsternis

Ja! Ich hätte in der Stadt bleiben können. Ich hätte mir einfach einen gemütlichen Platz auf einem Hochhaus suchen können. Ich hätte einen wolkenfreien Blutmond erleben können. Sogar vom Bett aus hätte ich ihn sehen können.
Hätte ich mich mal anders entschieden…
Aber vernünftig kann ja jeder sein. 😉

„Schon fast wolkenfrei“ – Ein schnelles Panorama kurz nach dem Ende der totalen Verfinsterung – Der Blutmond ist natürlich rein kopiert und ersetzt den überstrahlten Mond.
 

An sich war mir schon Wochen zuvor klar: Die Mondfinsternis würde ich mir nicht entgehen lassen. Zu eindrucksvoll war das Erlebnis 3 Jahre zuvor in meinem Gedächtnis eingebrannt. Und genauso klar war auch: Ich fahre in die Berge und zwar nach Osten, um möglichst bereits den Anfang der Verfinsterung mitzuerleben. In meiner Heimatstadt würde der Mondaufgang und der Beginn der Totalität fast zeitgleich stattfinden. Je weiter man sich nach Osten bewegte, desto mehr war vom Beginn der Finsternis zu sehen.
Auch sprach die städtische Dunstglocke gegen die Fotografie in der Stadt; ein hochgelegener Bergstandort erschien deutlich geeigneter.
Was sollte schon schiefgehen? Der Sommer war fast durchgehend ein Traum, die ausgedörrten Landschaften sehnten sich nach Regen. Somit machte ich mir im Vorfeld keinerlei Sorgen. Ich hatte verschiedene Standorte zur Auswahl und war bereit relativ weit zu fahren.

Ein paar Tage vor der Mondfinsternis änderte sich das aber schlagartig: Die Wetterdienste prophezeiten einen Wetterwechsel. Na super!
Überall in Zentraleuropa stand nun die Frage im Raum: Wo wird es Wolken geben und wo wird oder bleibt es klar? Die Wetterlage machte eine sichere Voraussage unmöglich und die Standortwahl entwickelte sich zum Glückspiel.

Ich zögerte die Entscheidung bis zum letzten Moment heraus. Ich checkte unzählige Webcams, betrachtete Satellitenbilder und versuchte aus all dem zu erkennen, wo sich die Wolken auf welche Art entwickeln würden.
Letztendlich musste ich jedoch eine Wahl treffen und fuhr gegen 14 Uhr los in Richtung Steiermark. Dort auf einem Berg in 1600 m Höhe standen die Chancen zwar auch nicht perfekt, aber das war an keinem der erreichbaren Orte der Fall. Wenn es aber klar werden würde, und das hoffte ich weiterhin, so hätte ich den absolut perfekten Aussichtspunkt.

Nicht nur gefühlt dauerte die Fahrt eine halbe Ewigkeit und ich war froh, irgendwann wenigstens durch die traumhaften Landschaften des Salzkammerguts fahren zu dürfen.
Unterwegs war der Himmel mal besser, mal schlechter, aber zu keinem Zeitpunkt klar oder gegenteilig von dichten Wolken bedeckt.
20 km vor meinem Ziel war die Straße plötzlich nass. Offenbar war hier vor nicht allzu langer Zeit ein ordentlicher Schauer niedergegangen. Ich deutete das, optimistisch wie ich bin, als gutes Zeichen und redete mir ein, dass das Wasser jetzt ja vom Himmel gefallen sei. Ganz unbegründet war diese Hoffnung nicht, oft genug hatte ich genau das in den Bergen erlebt: Wolken, die sich tagsüber bildeten, erzeugen am späten Nachmittag einen kräftigen Schauer, doch die sinkenden Temperaturen zum Abend hin verhindern, dass das Wasser verdunstet und sich erneut Wolken bilden. So hatte ich schon viele klare Nächte nach durchwachsenen Tagen erlebt.

Ca. um 18:30 Uhr parkte ich meinen Wagen. Ich war recht froh, dass der gut gelegene Standort noch nicht von Menschenmassen geflutet war. Klar, alleine war ich nicht, aber die rund 20 Personen verteilten sich auf dem Gelände.

Ich hatte wie üblich natürlich mehrere Kameras und Brennweiten dabei und sogar das Teleskop war einsatzbereit. Die Mondfinsternis sollte zwar beginnen, bevor der Nordstern zu sehen sein würde, aber um eine korrekte Einnordung machte ich mir bei einem so hellen Objekt wie dem Mond wahrlich keine Gedanken.
Die immer noch vorhandenen Wolken, deren Mächtigkeit ich in der abendlichen Lichtstimmung nicht abschätzen konnte, waren da ein viel drängenderes Problem.

Aber noch war es nicht soweit und einzig eine Zeitrafferkamera richtete ich bereits jetzt in die richtige Richtung. Als ich diese gestartet hatte, begann das Warten.

Viel gab es nun nicht zu tun. Abgesehen davon, dass ich die Kamera gelegentlich nachregelte und somit an das ganz langsam schwindende Tageslicht anpasste, hatte ich Zeit, um einfach zu sein.
Dennoch kreisten meine Gedanken ständig um den Mond: „Hatte ich die Zeitrafferkamera richtig ausgerichtet und würde der Mond (so er denn sichtbar sein würde) auch im Bildfeld aufgehen?“ – „War das, was da im abendlichen Blau nicht deutlich zu erkennen war, dichte Wolken oder nur Dunst?“ und so weiter. So richtig zur Ruhe kam ich nicht.

Wirklich angenehm hingegen waren die Temperaturen: Der Sommer hatte sich in diesem Jahr entschieden, das Stück „Trockene Gluthitze“ aufzuführen und Werte über 30° waren wochenlang der Normalfall. Hinzu kam, dass es, zumindest in der Stadt, auch nachts keine Abkühlung gab und 23° oder gar 25° das Schlafen nicht gerade angenehm gestalteten.
Und jetzt: 18°, ganz sanfter Wind und nach dem Regenschauer „frisch geputzte“ Luft. Was für eine Erleichterung! Im Laufe der Nacht wurde mir sogar so kalt, dass ich zwei dicke Kapuzenpullover anzog, nicht ohne Freude. Vielleicht kennst auch Du das Gefühl, nach wochenlangem T-Shirt-Wetter wieder erstmalig einen dicken Pulli zu tragen, das Gefühl dicken Stoff überzustreifen und die (wie soll ich sagen?) Geborgenheit, die das vermittelt?

Zu mir gesellte sich ein Einheimischer, mit dem ich nette Gespräche führte. Da weit und breit kein Mond zu sehen war, empfand ich das als angenehme Ablenkung. Ganz anders wäre es wohl gewesen, hätte ich mehrere Kameras handhaben müssen.
Je näher der Zeitpunkt der Verfinsterung rückte, desto mehr Leute kamen, aber voll wurde es auf dem Bergplateau nicht. Kein Wunder, denn auch im Tal war wohl klar, dass die Aussichten nicht besonders gut standen.

Nicht nur bei mir wanderte der Blick regelmäßig zwischen Uhr und Himmel hin und her.

Die Verfinsterung begann und so langsam wich meine Hoffnung der Enttäuschung.

Während die Aufregung schwand, die Zeit verging und immer klarer wurde, dass es keinen Mond zu sehen geben würde, machte sich dieses Gefühl breit: Ich hatte Pech, die falsche Entscheidung getroffen und würde frustrierender Weise absolut nichts mitbekommen. Das war, als es mir bewusst wurde, niederschmetternd.
Ein Telephonat mit meiner Freundin, die daheim auf dem Balkon saß, war zwar einerseits schön und mitfühlend, andererseits zusätzlich demotivierend: Sie hatte vom gemütlichen Sofa aus einen fantastischen Ausblick, denn über der Großstadt hatten sich die Wolken am Abend gänzlich verzogen.
Ihre Aussagen wie: „Gerade Du hättest es verdient. Du hast Dich so darauf gefreut, hast diesen tollen Artikel geschrieben, so viel Vorfreude investiert. Gerade Dir hätte ich es von Herzen gewünscht“, stimmten mich traurig.

Das Pech, statt eines klaren Himmels nur Wolken vorzufinden, kenne ich gut. Aber im Regelfall möchte ich Objekte am Nachthimmel fotografieren, die auch noch einen Monat später, genau genommen wohl auch noch in 1000 Jahren, so zu fotografieren sein werden. Die Mondfinsternis hingegen würde sich so nicht wiederholen lassen.
Natürlich war mir klar, dass Mondfinsternisse regelmäßig zu bewundern sind, es war ja nicht meine erste. Und das würde auch nicht meine letzte Chance sein. Aber dennoch: Zwischenzeitlich war ich einfach abgrundtief enttäuscht und frustriert.

Hinzu kam: Nicht der gesamte Himmel war bewölkt: Kassiopeia war, wie auch der große Wagen, deutlich auszumachen. Ein Großteil des Himmels war nur von relativ dünnen Wolkenfetzen bedeckt. Nur in Richtung des Mondes schien eine massive Wand zu stehen. Ganz ehrlich: Manchmal ist der Himmel einfach ein Arsch!

 
21:25 – Fünf Minuten vor Beginn der Totalität – dicke Wolkenwand direkt vor dem Mond.
 

Doch allzu lange wollte ich mich nicht mit dieser Frustration aufhalten. Ich kann einfach nicht anders: Es gibt immer Hoffnung, immer die Möglichkeit, noch etwas aus dem Abend zu machen, die Chance auf gute Gespräche oder schöne Bilder.
Und außerdem war ich an einem paradiesischen Ort mit einem fantastischen Ausblick. Das und die erfrischende Kühle der anbrechenden Nacht waren die Weite Fahrt doch wert gewesen. Naja – eigentlich nicht, aber nachdem ich nun schon einmal da war…

Die totale Verfinsterung sollte um 23:13 Uhr enden. Ab 22:30 Uhr fuhren die ersten enttäuschen Beobachter hinab ins Tal. Ich saß weiterhin auf meiner Holzbank, führte Gespräche und regelte die Kamera gelegentlich nach.
Etwa um 22:50 Uhr wurde plötzlich ein rötlicher Schein sichtbar!
Der Mond? Nein, vor dem standen weiterhin Wolken, aber direkt unterhalb schaffte es Mars durch die Wolken zu scheinen.
Bis 23 Uhr wurden sie dünner und nun war zumindest ein schwacher Fleck an der Stelle zu erkennen, an der die Finsternis in wenigen Minuten enden würde.

 
22:58 Uhr – der Mond wird über dem Mars „sichtbar“.
 

Dann, fast von einer Minute auf die andere, gab der Himmel doch noch den Blick frei, gerade rechtzeitig, um noch die letzten 5 Minuten der Totalität zu erleben!

Ich reichte meinen Feldstecher herum und machte mich in aller Eile daran, meinen bereits fertig aufgebauten Star Adventurer mit dem 135 mm Objektiv auszurichten.
So gelangen mir dann noch einige Bilder der Totalität und ein (wenngleich auch nicht so toller) Zeitraffer des abwandernden Erdschattens.

Jetzt hatte ich zwei Kameras nachzuregeln und ein schönes Objekt für den Feldstecher. Ich war wieder in meinem Element!

 
Standbild aus dem Zeitraffer – 135 mm, beschnitten
 

Letztendlich zeigte der Himmel sich also doch noch gnädig und die zwei verbleibenden Senioren, die als einzige in ihren Liegestühlen ausgeharrt hatten, konnten ihren Sekt öffnen, bevor sie sich dann recht bald hinab ins Tal machten.
Zurück blieb neben mir nur ein junger Vater, dessen Kinder bereits selig im VW-Bus schlummerten. Nach dem Ende der Finsternis (und damit natürlich auch dem Ende der Bewölkung) begab er sich auf eine nächtliche Fotowanderung, während ich noch eine Zeitrafferkamera im Gelände platzierte, die den Zug des nun wieder hell erleuchteten Mondes und die wabernden Nebel im Tal festhalten sollte.

Auf der Suche nach einem passenden versteckten Standort (ich wollte die Kamera knipsen lassen, bis der Akku leer war und nebenbei schlafen) gelang mir dann auch mein persönliches Fotohighlight der Mondfinsternis: „Mondfinsternis ohne Finsternis“, aber dennoch mein Bild der Nacht:
 
2D Projektion eines 360°-Panoramas – Omegon Minitrack LX2 – Canon 6D – 35mm. Aus über 100 Fotos.
 

 

Nachdem ich die Zeitrafferkamera zum Morgengrauen ins Auto geholt hatte, schlief ich noch bis weit in den nächsten Vormittag hinein. Als ich die Vorhänge beiseite schob, bot sich mir ein gänzlich anderes Bild: Der Parkplatz war über und über voll mit Autos, Wohnmobilen und riesigen Touristenbussen. Ein sonniger Samstag im Juli: Highnoon für die alpenländische Tourismusbranche.
Während junge Asiatinnen in Ballerinaschühchen und Sonnenschirm über die Hänge stolperten, trank ich meinen Guten-Morgen-Kaffee und genoß noch einmal den Blick hinab ins Tal, bevor ich mich auf die Heimreise machte.

Was bleibt:
– Zunächst mal die Erkenntnis, dass es irgendwie schon ein wenig irre ist, für eine Mondfinsternis hin und zurück rund 600 km zu fahren. Aber auch das Wissen, dass ich mein Hobby mit Hingabe lebe.
– Dann die erneute Bestätigung, dass der Himmel leider (in Wahrheit aber zum Glück) nicht programmierbar ist. So ärgerlich das ab und an auch sein mag, so sehr erfreut er uns mit seiner Unvorhersehbarkeit immer wieder auf’s neue: Gewitterblitzte, sommerliche Sonnenuntergänge oder rosa leuchtende Wolken erscheinen jedes Mal als zufälliges und wunderschönes Geschenk.
– Natürlich bleibt auch das Wissen, dass ich es wieder tun werde. Die nächste totale Mondfinsternis kommt bestimmt.
(Mal so als vorsichtiger Tipp: Auch wenn die Medien im Juli so taten, als sei diese Mondfinsternis die letzte für geschätzte 10.000 Jahre, erwartet uns in nicht allzu ferner Zukunft etwas besonderes. Mein Artikel dazu folgt in den nächsten Wochen.)

Als letztes bleibt natürlich noch der Zeitraffer, den ich Euch hier und heute als exklusive Weltpremiere 😉 zeige. Toll ist er allerdings nicht geworden und das dämliche Insekt, das meine Kameralinse als gemütliche Wellnessoase missbraucht hat, macht die Sache nicht gerade besser.
(Kurz vor der Verfinsterung kann man anhand des starken Rauschens auch erkennen, dass ich mit einem, auf die Landschaft bezogen, viel zu niedrigen(!) ISO-Wert fotografiert hatte, um den Mond nicht ausbrennen zu lassen.):

 
 

Freundliches Schlusswort

Auch nach dem Ende des dritten Teils danke ich Dir für Deine Geduld, so Du tatsächlich alles gelesen hast. Ich hoffe sehr, dass Du mit der Mondfinsternis mehr Glück hattest.
Wenn Du magst, dann schreib mir doch etwas dazu in die Kommentare oder verlinke mir Dein Foto.

Falls Du Freude beim Lesen hattest, so möchte ich Dich gerne einladen in einer Woche wieder vorbei zu schauen (so es mir gelingt, rechtzeitig fertig zu schreiben).
Dann wird es hinaus zu den Sternschnuppen gehen. Zwei fantastische Nächte mit unzähligen dieser „fallenden Sterne“ durfte ich nämlich im August erleben. Davon möchte ich gerne berichten und auch mein lange ersehntes und endlich gelungenes „Sternschnuppen-Meisterwerk“ herzeigen.

Ich freu‘ mich, wenn Du wieder dabei bist.
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Über Rückmeldungen, Kommentare oder Emails freue ich mich ebenso.

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