Wie schnell so ein Jahr doch vergeht…
…doch gleichzeitig erscheint es im Rückblick vielfältig und ereignisreich.

(Mein) astrofotografischer Jahresrückblick in (mehr oder weniger) 4 Teilen

TEIL 3,5

August

Highlight Perseiden Sternschnuppenregen – Vorarlberg




Der August war, das gleich mal vorweg, weniger frustrierend.
Nach dem großen Thema „Mondfinsternis“ im Juli stand 2 Wochen später das nächste Ereignis an: „Perseiden Meteorschauer“. Das waren zwei erfolgreiche Nächte, doch dazu gleich mehr.

Zu Neumond im Juli hatte ich ja drei (aus astrofotografischer Sicht unbefriedigende) Nächte in den Bergen verbracht, wo ich nur ein paar wenige Stunden fotografieren konnte und außer dem Zeitraffer und einem zu kurz belichteten Bild rund um den Pacman-Nebel NGC 281 im Sternbild Kassiopeia nichts zustande gebracht hatte.
Dafür hatte ich die Zeit genutzt und im „Outdoor-Büro“ einige neue Anfänger-Artikel geschrieben.

Mein Anfängerkurs „Milchstraße fotografieren lernen in drei Teilen“ war der erste Artikelblock hier auf der Seite. Dazu gibt es einige ergänzende Artikel, z.b. über das Auffinden dunkler Orte, das Fokussieren der Kamera im Dunklen oder die Dunkeladaption der Augen.
Mit der Zeit hat sich jedoch herausgestellt, welche Fragen immer wieder auftauchen und einige davon habe ich in eine FAQ-Sektion ausgegliedert.

Nun war es an der Zeit, weitere Anfängerfragen zu beantworten. Diesmal sollte es sich um „Deep-Sky-Fotografie“ drehen. Nicht die hohe Schule mit teuren Teleskopen und großem technischen Aufwand, sondern die ersten Schritte mit kleinen Reisemontierungen, mit Astrotrackern.
Ich hatte richtig Lust zu schreiben und die Artikel flossen quasi aus mir heraus. Das ist nicht immer so und viele Entwürfe zu spannenden Themen liegen unvollendet hier.

Am 09. August ging der erste Artikel online: „Einfaches Star-Hopping für Einsteiger“, der sich mit dem Auffinden unsichtbarer, aber gut zu fotografierender Objekte am Nachthimmel befasst. Die Rückmeldungen zeigten, dass ich den richtigen Ton getroffen hatte.
Denn das ist mir wichtig: Die Sprache zu treffen, die auch Einsteiger oder Anfänger verstehen. Viele Profis (aus allen Bereichen) beherrschen zwar ihr Handwerk außerordentlich gut, finden jedoch keinen Weg, ihr Wissen in einfacher und verständlicher Sprache zu vermitteln. Dabei sollte beim Erklären, bei der Wissensvermittlung der Empfänger im Mittelpunkt stehen; man muss den „Lehrling“ abholen, seine Sprache sprechen und keinesfalls einfache Zusammenhänge durch komplizierte Fachausdrücke oder unnötigen Tiefgang komplizierter machen als sie sind.

 

Deep-Sky-Objekte finden - Star-Hopping für AnfängerDas Auffinden von Deep-Sky-Objekten mit kleinen Reisenachführungen ohne GoTo stellt für Anfänger oftmals eine große Schwierigkeit dar. Die Objekte sind zwar für die Augen unsichtbar, aber trotzdem problemlos zu fotografieren.
Mit der richtigen Methode ist es jedoch sehr einfach, zum Ziel zu gelangen.
Anhand eines Beispiels erkläre ich Schritt für Schritt, wie dieses „einfache Star-Hopping für Einsteiger“ funktioniert.

Hüpf jetzt von Stern zu Stern!

 

Zu den Perseiden, auf die ich mich sehr freute, erstellte ich keinen eigenen Artikel; vieles ist bereits beim Sternbild Perseus angesprochen worden. Ein Bericht, den ich Euch sehr ans Herz legen möchte. Vor allem die antiken Mythen sind recht amüsant zu lesen.

Sternbild Perseus - Der große HeldPerseus – das ist der Prototyp des klassischen antiken Helden: Von göttlichem Blut und stattlicher Gestalt, erfolgreich im Kampf gegen Ungeheuer und glücklich in der Liebe.
Doch hat dieses Sternbild neben der Perseus-Sage eine ganze Menge mehr zu bieten: Neben dem allseits bekannten Sternschnuppenregen im August, den Perseiden, finden sich hier einige leicht zu erkennende Deep-Sky-Objekte, wie der Doppel-Sternhaufen h&chi Persei, ein spannender bedeckungsveränderlicher Stern, ein einfach zu fotografierender Emissionsnebel und ein wunderschöner planetarischer Nebel.
Dieser spannende und reich bebilderte Artikel berichtet von all dem.

 

Aber ein Video zum Auffinden des Radianten (dem scheinbaren Ursprungspunkt der Sternschnuppen am Himmel) erstellte ich. Mehr schlecht als recht, denn Schreiben liegt mir eindeutig mehr. Dennoch schien auch dieses Video vielen Leuten zu helfen:

 
 
 

Soweit zu diesen Nebenschauplätzen. Jetzt geht’s raus – Sternschnuppen jagen

 
Die Sternschnuppennächte rückten näher und die Wetteraussichten waren ein ständiges Hin und Her.
Bisher war der Sommer, zumindest in den letzten ca. 4 Wochen eine einzige „Hitzehölle“ gewesen. Täglich dauerhaft über 30°, kein Regen (zumindest an meinem Wohnort) und die ersten Wochen auch keine Wolken (dafür Volllmond). Wie bereits erwähnt, waren die Wolken am Tag der Mondfinsternis eine unrühmliche Ausnahme.

Doch ein paar Tage vor den Perseiden-Nächten (die in diesem Jahr nicht nur auf ein Wochenende, sondern auch noch genau mit Neumond zusammenfielen) änderte sich die Großwetterlage: Mittwochabend zog sogar über meinen Wohnort ein heftiges Gewitter hinweg, das dann auch noch den halben Donnerstag über den lang ersehnten Regen brachte. Danach wurde es wieder schön, aber die Aussichten für den Alpenraum waren für das wichtige Wochenende keinesfalls perfekt:
Im halbtäglichen Rhythmus änderten sich die Vorhersagen für die Himmelsbedeckung an meinem anvisierten Ort im Salzkammergut. Alles schien möglich, eine sichere Prognose jedoch nicht: Dauerhaft klarer Himmel, mäßige Bewölkung in einer der Nächte, dauerhafte Bewölkung in beiden Nächten, klarer Himmel in der zweiten Nacht.

Ich war enorm unschlüssig, wohin ich fahren sollte. In meiner Verzweiflung (naja nicht wirklich) besuchte ich sogar kurzfristig an einem Abend einen Standort 25 km nördlich meiner lichtverschmutzten Heimatstadt, in der Hoffnung (die auch erfüllt wurde), dort zumindest einen einigermaßen erträglichen (dunklen) Himmel zu finden. Das wäre dann immerhin ein „Notfallplatz“.

Fotografieren wollte ich die Nächte von Samstag auf Sonntag und von Sonntag auf Montag.
Freitagabend war ich immer noch unentschlossen, Samstagvormittag ebenso. So beschloss ich die Aktualisierung der Wetterberichte am späteren Nachmittag gegen 17 Uhr abzuwarten, um dann endgültig zu entscheiden und sofort loszufahren.
Mich machte diese Ungewissheit wahnsinnig, vor allem nach dem Erlebnis der „bedeckten Mondfinsternis“ von Mitte Juli. Es war praktisch genau dieselbe Situation: Mehrere Standorte zur Auswahl, für keinen eine 100%ige Sicherheit auf klaren Himmel und somit ein Lotteriespiel. Im Juli hatte ich Pech gehabt, das sollte sich bitte nicht wiederholen.

Um 16:50 Uhr traf ich dann die Entscheidung. Für die erste Nacht waren sich alle Vorhersagemodelle einig: Traumhaft schön bzw. 90% klarer Himmel und für die zweite Nacht standen die Chancen bei 70:30. Somit musste ich den am weitesten entfernten Ort in Österreich (fast schon in der Schweiz) anfahren. Den Ort, der mir nicht nur aufgrund der Entfernung am wenigsten lieb war; denn dort war die Sicht nach Nordosten, der Richtung des Perseus, durch einen Bergrücken etwas eingeschränkt.
Es sollte sich als die richtige Entscheidung erweisen.

Je näher ich den Bergen kam, desto sicherer wurde ich, dass meine Wahl richtig gewesen war. Der Himmel sah gut aus und die paar wenigen dünnen Wolken würden mir die Sternschnuppen schon nicht verderben.

Am Bodensee konnte ich in einem kurzen Stau dieses schnelle Foto des Sonnenuntergangs machen. Ein Anblick, der mich wieder daran erinnerte, dass ich schon viel zu lange nicht mehr am Strand gelegen hatte, um einfach der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Das machte mich etwas wehmütig.

 
Schnappschuss aus dem Auto.
 

Kurz danach ging es rauf in die Berge. Mein Weg war leider geperrt, sodass ich eine etwas längere Umfahrung wählen musste: Es ging kurvenreich durch kleine Dörfer und erst um 21:45 Uhr gelangte ich an meinen Beobachtungsplatz in rund 1600 m Höhe. Es waren nur noch 14°, was eine kühle Nacht erwarten ließ. Noch freute ich mich darüber; nach den letzten Wochen mit Nachttemperaturen von über 25° in meiner Backofenwohnung.

Bevor ich die Kameras aufstellte, musste ich jedoch etwas essen, sodass die erste Kamera erst um 23 Uhr anfing zu knipsen, gerade pünktlich zum Einbruch der astronomischen Nacht.
Die ersten beiden Kameras stellte ich in eine Wiese etwas aufwärts an einen Berghang. Von dort hatten sie einen (relativ) guten Blick in Richtung Nordosten und die (sehr sehr selten) vorbeifahrenden Autos würden sie nicht blenden (taten sie dann aber doch).
Zum Einsatz kam erstens eine 7D mit 14 mm, montiert auf der Vixen Polarie. Ausgerichtet wurde sie so, dass Perseus etwas unterhalb der Bildmitte war.
Als zweite Kamera wählte ich meine zweite 7D, auf die ich das grottenschlechte 8 mm Objektiv setzte. „Grottenschlecht“ ist vielleicht übertrieben und am Tag macht die Linse auch irre viel Spaß: 360°-Freihand-Panoramen mit nur 6 Fotos und witzige Bilder verzerrter Kühe haben mich schon öfters erfreut. Aber nachts ist sie einfach zu lichtschwach und zu unscharf, sodass ich sie praktisch nicht nutze. Für die Sternschnuppen schien sie mir aber eine gute Wahl: 8 mm decken einen enorm großen Bereich des Himmels ab. Über 180° Blickwinkel sollten helfen, viele Sternschnuppen zu erwischen.

Dann kümmerte ich mich um das Teleskop. Ich hatte ja neuerdings eine Iopton CEM25p Montierung mit einem Omegon 164/600 Astrographen und wollte diese Kombination nun endlich (erfolgreich) testen.
Bisher hatte ich nur einmal den Mond fotografiert. Ein zweites Mal hatte ich sie aufgebaut, eingenordet und das 3-Star-Alignement durchgeführt (was großartig funktionierte), war dann aber, wie oben beschrieben, am fehlenden Gegengewicht und somit unzureichender Balance gescheitert.
Diese Nacht sollte es anders werden.

Zwischenbemerkung: Genau vor zwei Jahren, im August 2016 hatte ich mein erstes Teleskop gekauft, sehr blauäugig und aus einer Laune heraus. Es war ein günstiges Gebrauchtangebot und ich kaufte einfach. Mein erstes Foto mit einem ausgewachsenen Teleskop war die Andromeda-Galaxie gewesen und so wollte ich jetzt, genau zwei Jahre später, erneut auf unsere Nachbargalaxie halten.

Ich hatte nicht besonders viel Geduld (denn die Perseiden waren mein Hauptziel), nordete einmalig ein (offenbar nicht ganz so genau) und machte nur ein rasches 1-Star-Alignement.
Ergebnis: Die GoTo-Funktion der Montierung traf das Ziel nicht ganz. Dennoch konnte ich Andromeda im Sucherrohr sehen und so schnell im Kamerabildschirm zentrieren.
Da ich keine Lust hatte, auch noch Zeit in das Guiding zu investieren, auch auf die Gefahr hin, dass es nicht funktionieren könnte (alles schon erlebt), entschied ich, ganz klassisch und roh zu knipsen: Fernauslöser und 60 Sekunden Belichtungszeit.
Ich habe daher einen echten „Anfänger-Eindruck“ der Montierung und kann nun sagen: Ja, die 600 mm führt sie für 60 Sekunden absolut problemlos nach; auch ohne perfekte Einnordung.
So entstanden knappe 100 Bilder von Andromeda.
Hier das gestackte und grob bearbeitete Ergebnis:

 
73×60 Sek. First Light mit Ioptron CEM25p und Omegon Astrograph 156/600 – falscher Arbeitsabstand des KK, ohne Kolimation – 10 Minuten grobe Bearbeitung.
 

Warum es nur grob bearbeitet ist, wird sofort deutlich. Ich Vollidiot hatte den Newton nicht gut kollimiert (justiert), was sich auf verschiedene Art in einer hässlichen Sternabbildung äußert. Der falsche Abstand des Koma-Korrektors verschlimmerte die Sache. (Probleme, die mittlerweile gelöst sind.)
In so ein Bild investiert man keine Bearbeitungszeit. Dennoch machte es Hoffnung. Der grundlegende Eindruck der Gerätschaften ist sehr gut.

Als vierte Kamera sollte die 550Da auf dem Star Adventurer ihren Dienst verrichten. Zunächst überlegte ich, welches Objekt ich wohl ins Visier nehmen könnte und entschied dann, den Pacman-Nebel, den ich vor 4 Wochen an gleicher Stelle fotografiert hatte, weiter zu belichten.
Das bisherige Bild mit fast genau 2 Stunden Belichtungszeit zeigte den Nebel zwar recht gut, aber ich hatte die Vermutung, dass mehr (also viel mehr) Belichtungszeit evtl. dem ganzen Bild Tiefe verleihen könnte und feine Strukturen in den Dunkelnebeln (die ich dort einfach vermutete) sichtbar machen könnte.
Somit war klar: 135 mm, 60 Sekunden und die ganze Nacht lang fotografieren in Richtung Cassiopeia.

 
Testbild beim Fokussieren der Kamera: Die Schärfe sitzt + ein netter Zufallstreffer
 

Nun blieb noch Kamera Nummer 5: Die unmodifizierte 6D.
Doch zuvor brauchte ich einen Kaffee. Es war schließlich schon etwas kühler geworden.
Gesagt, gekocht! Ich stellte mir einen gemütlichen Campingstuhl nach draußen, nahm meinen Kaffee und blickte in Richtung Kassiopeia/Perseus. Und da waren sie auch schon: Sternschnuppen. Einige konnte ich sehen, war aber etwas enttäuscht, wie wenige es waren. Das hatte ich in anderen Jahren ganz anders erlebt: Da waren teils mehrere pro Minute zu sehen, heute nur sehr selten, im Schnitt seltener als eine alle 5 Minuten.
Ich merkte, wie kalt mir war. Ich kramte aus meinem Schrank einen zweiten Kapuzenpulli raus und kurz danach auch noch eine Mütze und eine Daunenjacke. Der sanfte Wind ließ es wesentlich kälter wirken. Gerade im Sitzen.
Wenn man zurück an den „Glutsommer 2018“ denkt, dann mag es schon ein skurriles Bild abgeben: Ein Typ, dick eingepackt mit Mütze und Jacke, der mit einem Kaffeebecher in der Hand mitten in der Nacht am Wegesrand sitzt und gebannt in den Himmel starrt.

So recht wusste ich nicht, was ich mit der 6D anfangen sollte: Auch noch auf die Sternschnuppen richten? Ein Panorama machen? Einfach knipsen? Ich entschied mich für letzteres und fotografierte mich, wie ich in meinem Campingstuhl saß.

 
Komposition aus 3 Bildern vom selben Kamerastandpunkt. Die Sternschnuppe wurde dort aufgenommen und ist nicht vergrößert. Allerdings kam sie rechts neben der Milchstraße runter.
 

Danach setzte ich die Kamera auf den Omegon Minitrack LX 2 und fotografierte mit 35 mm in die Milchstraße: Alles knackscharf. Diese Mini-Montierung ist einfach genial. So winzig, leicht und hosentaschentauglich. Perfekt für Wanderungen und Anfänger, wie ich wieder feststellte. 2 Minuten Nachführdauer zeigen schon sehr viel Farbe und Details und vermutlich wäre es auch noch länger gegangen.
Nach ein paar Bildern der Milchstraße mit dem Horizont richtete ich die Kamera nach oben und kochte mir einen Tee, den ich wieder im Stuhl mit Blick auf die (sehr wenigen) Sternschnuppen genoss.
Ich richtete die Kamera noch ein Stück weiter nach oben, da ich dachte, so ein kleines Milchstraßenpanorama, einfach dem Band folgend, könnte nett sein.
Doch dann entdeckte ich etwas weniger nettes: Tau! Auf der Linse bildete sich Tau. Verflucht!!! Das hatte ich ja völlig vergessen, denn es war monatelang nicht mehr so weit abgekühlt.
Und die beiden Kameras mit den fetten und geschützten Weitwinkellinsen standen auf einer Wiese, nicht wie die hier auf Schotter!

Ich lief rüber, leuchtete die Linsen an und richtig: Auch da war Tau, genauer genommen waren richtige dicke Wassertropfen auf der Linse. (Wie ich rasche merkte, war auch die Wiese klitschnass, ebenso wie kurz darauf meine Fuße).
Also holte ich schnell, ganz schnell Objektivheizungen herbei und schloss die Powerbank an.
Tja – leider hatte ich nur zwei dieser Akkupacks (Objektivheizungen hätte ich noch ausreichend gehabt), aber 5 Kameras, recht weit voneinander entfernt standen.
Die beiden Objektive auf der Wiese trocknete ich ab und die Heizungen arbeiteten sofort und zuverlässig.

Aber die anderen Geräte? Würden auch sie alle nass sein? Von der 6D wusste ich es ja schon, denn dort hatte ich den Tau zuerst entdeckt. Die 550Da mit dem 135 mm Objektiv auf dem Star Adventurer war zum Glück (noch?) taufrei und der Spiegel des Teleskops auch.
Irgendwo, tief im Bauch des Autos, mussten doch noch Heizpads sein. Ich kramte mich also durch Mützen, Handschuhe, Knieschoner und dicke Jacken hindurch und fand die Tüte mit den Heizpads. Die benötige ich im Winter, um lange Frostnächte mit warmen Händen und Füßen zu überstehen – und nun auch (mal wieder), um Kameras taufrei zu halten.
Die Nachteil: Die Dinger sind nicht wie Objektivheizungen sofort warm, sondern brauchten eine Zeit, um „Betriebstemperatur“ zu erreichen. Sie heizen auch nicht rundherum das Objektiv, sondern eher punktuell. Auch besteht die Gefahr, den Fokus beim Anbringen zu verstellen.
Vorsichtig befestigte ich die Pads mit Panzertape.

Die 6D richtete ich nun auf den Stier und die Plejaden aus. Jetzt Mitte August erschien in der zweiten Nachthälfte bereits wieder der Winterhimmel.

Mittlerweile hatte ich auch das Thermometer nach draußen gestellt, das satte 5,5 Grad anzeigte. Zusammen mit dem Wind fühlte es sich wie Frost an.
So entschied ich, um später nicht frieren zu müssen, die Heizung im Bus anzuschalten. 17° sollten eine angenehme Temperatur zum Schlafen sein.

Nun gab es nichts mehr zu tun. Alle Kameras waren versorgt, Speicherkarten und Akkus würden locker reichen (erfahrungsgemäß rund 6 Stunden) und neue Motive musste ich auch nicht wählen.
Also entschied ich mich zu lesen. Das Buch „Galaxien – eine Einführung“ hat einen ausgesprochen schlechten Titel, denn in Wahrheit ist es ungemein vielfältig und sehr umfassend. Weitaus mehr als „eine Einführung“.
Trotz des spannenden Buches schlief ich ein; nicht ohne mir zuvor den Wecker zu stellen.
Als ich erwachte, war es 04:10 Uhr und ich fing langsam an abzubauen.
Als ich die letzte Kamera zu mir holte, dämmerte es bereits und nur noch die hellsten Sterne waren zu sehen.
Im Südosten ging unverkennbar Orion auf. Zusammen mit der Temperatur war mir fast winterlich zumute.
Ich machte noch ein paar Darkframes, hängte meine Akkus ans Ladegerät und schlief erneut ein, in der Hoffnung, dass die nächste Nacht klar und wesentlich sternschnuppenreicher werden würde.

2. Nacht

Als ich am Sonntagmorgen um 13:30 Uhr erwachte, ging mein erster Blick an den Himmel: Ja! Er war wolkenfrei. Wenn nicht viel schiefgehen würde, dann würde das so bleiben. Mussten nur noch die Sternschnuppen mitmachen.
Nun am zweiten Tag würde alles etwas entspannter ablaufen: Die Kameras würden schon vor dem Einbruch der Nacht bereitstehen und auf Tau war ich auch vorbereitet. Vor mir lag ein entspannter Tag:
Ich saß in der Sonne, lauschte dem Gebimmel der Kühe, machte gemütlich Brotzeit und schrieb an einem Artikel.
Natürlich sorgte ich auch dafür, dass alle Akkus mit Strom versorgt wurden und entleerte die Speicherkarten.

Bei der Durchsicht der Fotos wurde es Gewissheit: Ich hatte Sternschnuppen erwischt, aber gerade mal eine Handvoll, keine 10 Stück je Kamera und das, obwohl sowohl das 14 mm als auch das 8 mm Objektiv einen großen Bereich des Himmels abdecken und ich etwa 5 Stunden lang dauerhaft fotografiert hatte. Die Bilder, die vom Tau betroffen waren, umfassten nicht mal eine halbe Stunde.
So hatte ich mir das nicht vorgestellt und in der kommenden Nacht hatte es gefälligst anders zu werden.
Aber vielleicht war der Himmel auch einfach kaputt gegangen und die Sternschnuppen blieben dieses Jahr aus? Ich war gespannt auf die Nacht, immer noch in der Hoffnung, dass sie im Minutentakt fallen würden, denn so hatte ich es bereits mehrfach erlebt.

Sobald die Sonne hinter den Berggipfeln verschwunden war, wurde es merklich kälter. Um 20:30 Uhr waren es nur noch 15°. Ich kochte mir ein warmes Mahl und legte mir bessere Kleidung zurecht.
Gegen 21:30 Uhr fing ich langsam mit den Vorbereitungen an:
Die Stative wurden nach draußen getragen und positioniert und sobald der Polstern sichtbar wurde, begann ich das Teleskop einzunorden. An diesem Abend wollte ich es perfekt machen. (Allerdings bemerkte ich erst Zuhause die dejustierten Spiegel, sodass auch das Bild dieser Nacht nichts wurde.)
Die Einnordung verlief problemlos und dank der besseren Konstruktion angenehmer als bei meiner alten EQ5.

Den Star Adventurer richtete ich für eine dritte Nacht in Richtung Pacman-Nebel, diesmal jedoch mit 120 Sekunden Einzelbelichtungszeit.

Zuletzt waren die Sternschnuppenkameras dran:
7D + 8 mm ohne Nachführung, 7D + 14 mm auf der Vixen Polarie Nachführung und 6D + 14 mm auf dem Minitrack LX2.
Alle Kameras selbstverständlich mit Objektivheizungen bzw. Heizpads.
Das Thermometer zeigte um 23 Uhr noch 13° – angenehmer als in der Nacht zuvor.
Als alle Kameras liefen, war es erst einmal Zeit für einen Kaffee, den ich dann im Campingstuhl mit Blick auf Perseus genoss.

Und diesmal waren sie da: Teilweise im Sekundentakt huschten die Schnuppen über den Himmel.

Endlich war alles so, wie ich es mir gewünscht hatte: Die Kameras würden tolle Bilder aufzeichnen und ich würde einfach schauen und staunen können. Dieses Bild ist mein persönliches Meisterwerk der Nacht. Genau so hatte ich es seit Jahren ersehnt und endlich, endlich(!) war es mir gelungen!

 
Mein Sternschnuppen-Meisterwerk
 

Anmerkung zu dem Bild:
Canon 6D – Samyang 14 mm – Omegon Minitrack LX2
20 Sek. Einzelbelichtungszeit – ISO6400 – f.2.8 auf ca. f4 abgeblendet.

Das Bild ist kein Fake!
Alle Schnuppen stehen in der Position am Himmel, wie sie kamen. Sie sind natürlich auch nicht vergrößert, ebenso wenig farblich bearbeitet.
Der Vordergrund ist schlichtweg dem ersten Foto der Nacht entnommen. (Klar, einen hübscheren ‚unechten‘ Vordergrund hätte ich einbauen können. Hab ich aber nicht.)

Ich habe einfach die gesamte Bildserie gesichtet und die über 70 Aufnahmen mit (scheinbaren) Schnuppen in Photoshop gestapelt.
Dort zunächst derart ausgerichtet, dass alle Schnuppen an ihrem echten Platz am Himmel waren.
Dann löschte ich alle Schnuppen, die keine Perseiden waren, also nicht direkt aus dem Radiant zu kommen schienen (sporadische Meteore). Ebenso alle Satelliten und Iridum Flares.
Übrig blieben 56 Bilder, einige von ihnen zeigten auch mehrere Schnuppen.

Der Himmelshintergrund ist (für meine Verhältnisse bzw. Ansprüche) schrecklich. Aber die Verzeichnung der Linse und die fast durchgehend grün-violett eingefärbten Bilder machten eine Bearbeitung für mich fast unmöglich. Der Himmel war die halbe Nacht lang voller Air-Glow.

 
Airglow
 

 
Als ich dort in meinem Campingstuhl saß, hatte ich zwar Hoffnung, dass so ein Bild entstehen würde, aber keine Gewissheit. So saß ich da und genoß einfach das Schauspiel.
Irgendwann nahm ich mir den Feldstecher und ging ein wenig am Himmel spazieren. Plötzlich huschte – welch ein unwahrscheinlicher Zufall – eine Schnuppe genau durch mein Gesichtsfeld. Ich konnte, was ich überhaupt nicht erwartet hatte, das „Nachleuchten“, also den Schweif ionisierter Luft noch einige Zeit lang beobachten. Mir war nicht bewusst gewesen, dass dies überhaupt möglich ist und das wollte ich nochmals wiederholen. Ich wartete eine dickere Schnuppe ab und riss den Feldstecher umgehend an die Stelle, wo ich sie gesehen hatte. Und richtig: Erneut war der Schweif nachleuchtender Luft zu erkennen.

In dieser Nacht kühlte es nur auf 9° ab und abgesehen von einem gelegentlichen Kaffee verbrachte ich beinahe die gesamte Zeit draußen. Je länger ich den Himmel betrachtete, desto mehr Strukturen konnte ich erkennen. Es war einfach eine perfekte Nacht, die nur immer wieder und wieder von großen fallenden Schnuppen „gestört“ wurde. Es war so klar, so dunkel und meine Augen so gut adaptiert, dass sogar M33 ohne Hilfsmittel zu sehen war. Eine Galaxie mit immerhin nur 5.8 mag.

Als ich zum Morgengrauen hin dann befriedigt abbaute, erschien Orion. Dazu habe ich eine kurze Geschichte bei Facebook veröffentlicht, die ich hier nun nochmals wiedergebe.
Die Facebook-Seite ist offen und für jeden zugänglich. Einfach im Beitrag auf „vor xx Monaten veröffentlicht“ klicken. Dann öffnet sich der Beitrag
 

 
Hier noch „mein „Pacman-Nebel“ aus den Nächten im Juli und August:

 
Mein Pcaman-Nebel im Sternbild Cassiopeia – Kombination der Daten aus Juli und August. ~5,5 Stunden und somit mein bisher am längsten belichtetes Bild.
 

Aus den 8 mm Aufnahmen erstelle ich einen kleinen Zeitraffer:

Dieser Zeitraffer ist ähnlich entstanden, wie das obige Foto. Hier jedoch mit 8 mm Brennweite.
Auch hier musste ich wieder alle „Nicht-Perseiden“, also sporadische Meteore, sämtliche Flugzeuge und Satelliten aus den Bildern löschen. Zusätzlich wollte ich die Sternschnuppen hervorheben. Andernfalls wären sie kaum zu sehen. Bei einer Geschwindigkeit von 25 Bildern in der Sekunde könnte man nur ein kurzes Aufflackern erkennen. Durch die (recht arbeitsintensive) Verlängerung des Aufleuchtens über mehrere Bilder hinweg, währenddessen sich der Himmel weiter dreht und somit auch die Schnuppen mitdrehen müssen, sind sie jedoch sehr gut zu erkennen.

 
 

Freundliches Schlusswort

Auch nach dem Ende des 3,5ten Teils danke ich Dir für Deine Geduld, so Du tatsächlich alles gelesen hast. Ich hoffe sehr, dass Du auch eine Sternschnuppe gesehen hast.
Falls nicht: Nimm Dir eine von meinen, es sind genug für alle da.

Falls Du Freude beim Lesen hattest, so möchte ich Dich gerne einladen wieder vorbei zu schauen (so es mir gelingt, rechtzeitig fertig zu schreiben).

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