Fotografisch betrachtet finden sich im Feld des Sternbilds Andromeda, etwas abseits der Milchstraße gelegen, nicht besonders viele Deep-Sky-Objekte für Brennweiten unter 1000 mm. Gebe es mit der Andromeda-Galaxie nicht die bekannteste Galaxie schlechthin, so wäre Prinzessin Andromeda womöglich nur ein Sternbild unter vielen. Möglicherweise wären dann ihre Eltern, das Königspaar Kassiopeia und Kepheus und ihr Gatte Perseus die Stars des Herbstes. Denn dort finden sich großflächige und leuchtkräftige Nebelgebiete und schöne Sternhaufen. Andromeda ist vergleichsweise „dünn besiedelt“.

Aber: Die Andromedagalaxie ist nun einmal da und somit treten die anderen Sternbilder in den Hintergrund. Wahrscheinlich hat auch Dich das Interesse an dieser Galaxie hierher geführt.
Dann tritt näher und freue Dich auf einen spannenden Artikel, der von den mythischen Sagen rund um Prinzessin Andromeda berichtet, Dir das Sternbild und die Galaxie vorstellt und Dir Tipps gibt, wie Du Andromeda am besten fotografieren kannst.

Bereit? Dann auf in’s Geschehen.
Zum Start zunächst eine Übersicht.

Zum Aufbau dieses Berichts:

1. Griechische Mythologie

2. Andromeda finden, beobachten und fotografieren
Wie findet man das Sternbild am Himmel?

3. Objekte im Sternbild Andromeda
Andromedagalaxie M31 mit Begleitgalaxien M32 und M110
Sternhaufen NGC 752
Edge-on Galaxie 891
Weitere lohnenswerte Objekte

Freundliches Schlusswort

 

1. Griechische Mythologie

Andromeda ist die Prinzessin aus der Perseus-Sage, einer spannenden Geschichte um einen ruhmreichen Helden, der Monster besiegt, die Prinzessin errettet und letztendlich von den Göttern an den Himmel gesetzt wird, auf dass ihm ewiges Leben zuteil werde.
Ich habe diese Sage beim Sternbild Perseus in aller Ausführlichkeit geschildert. Die Perseus-Sage umfasst gleich sechs der heutigen Sternbilder, die alle relativ nah beisammen am Himmel stehen: König Kepheus und Königin Kassiopeia, die Eltern von Prinzessin Andromeda, dazu das geflügelte Pferd Pegasus und das Seeungeheuer, heute bekannt als Sternbild Wal. Und natürlich den Held selber: Perseus.

Was hat es nun mit ihm und Andromeda auf sich?
Andromeda war eigentlich das Opfer eines Streits zwischen dem Meeresgott Nerus und ihrer Mutter, Königin Kassiopeia. Diese hatte sich nämlich angemaßt zu behaupten, sie sei schöner als alle Frauen, sogar schöner als die Töchter des Meresgottes, die Neriden. Der erzürnte Gott schickte Unwetter und Wassermassen, die das Königreich von König Kepheus und Königin Kassiopeia verwüsteten. Die Ländereien wurden überflutet und das Wasser wollte nicht weichen.
In ihrer Not befragte das Königspaar das Orakel, was zu tun sei. Die einzige Rettung für das Königreich bestehe, so das Orakel, darin, die einzige Tochter, Andromeda, zu opfern.
So wurde Andromeda nackt an einen Felsen nahe des Meeres gekettet und Nerus schickte ein Seeungeheuer, um die Prinzessin zu verschlingen.

Just in diesem Moment kam Perseus vorbei. Er hatte gerade das Haupt der Medusa abgeschlagen und war auf dem Rückweg zu König Polydektes, der den Medusenkopf von ihm gefordert hatte.
Perseus erblickte Andromeda, wie sie in Erwartung ihres Todes hilflos gefesselt an dem Felsen hing und war sofort verliebt. So berichtet es Ovid in seinen Metamorphosen.
Er näherte sich ihr und fragte sie nach dem Grund für ihr Martyrium. Zunächst wollte sie nichts sagen, zu groß war ihre Scham. Doch schließlich offenbarte sie sich ihm: „Der Meeresgott fordert mein Leben, damit das Königreich meiner Eltern und das Leben aller, die dort wohnen, gerettet wird.“
Plötzlich kamen Kepheus und die hochnäsige Königin Kassioppeia angestürmt, verzweifelt ob des nahen Todes ihrer Tochter. „Gebt mir Andromeda zur Frau und ich will sie erretten“, sprach Perseus und die Eltern willigten ein.

Kaum hatte er ausgesprochen, schoss aus der brodelnden See ein Ungeheuer, halb Fisch, halb Drache und wollte Andromeda verschlingen. Doch Perseus, noch ausgestattet mit den Flugsandalen des Hermes, schwang sich auf in die Lüfte und stieß seinen Dolch in die Flanke des Monsters. Wutentbrannt schnappte es nach Perseus, der abermals seine Waffe in das Tier stieß. Das Ungeheuer tobte. Bald tauchte es ab, bald sprang es fast aus den Fluten, verzweifelt im Kampf. Und immer wieder stieß Perseus zu. Das Wasser verfärbte sich rot vom Blute des Seeungeheuers, als es endlich nach unzähligen Stichen und Stößen sterbend in der Tiefe verschwand.
Ja, so brutal schildert Ovid den Kampf.

Andromeda war gerettet, heiratete Perseus und die beiden führten ein langes und glückliches Leben. Ihre Eltern wurden jedoch zur Strafe aus dem Königreich verband und an den Himmel gesetzt. Kassiopeia sitzt nun dort in gekrümmter Haltung, auf dass ein jeder für immer sehen möge, wohin Eitelkeit und Hochmut führen.
Später setzte Zeus, dessen Sohn Perseus war, ihn und seine Gemahlin Andromeda ebenfalls an das Firmament.
So können wir heute eine ganze königliche Familie des Nächtens am Himmel bestaunen.

Wer die ganze Geschichte der Andromeda in aller Ausführlichkeit lesen möchte, dem sei der Artikel zum Sternbild Kassiopeia empfohlen. Das gesamte spannende Leben des Perseus (inkl. der Errettung der Andromeda) ist hingegen im Artikel zum Sternbild Perseus nachzulesen.

Bildquelle: Perseus befreit Andromeda von Émile Bin, 1865 – gemeinfrei – wikimedia

 
 

2. Sternbild Andromeda am Himmel finden und fotografieren

Das Sternbild am Himmel zu finden, ist nicht weiter schwer, liegt es doch als langgezogene Sternenkette direkt zwischen dem Herbstviereck des Pegasus und dem Sternbild Perseus.
Um diese sogenannte „Kette der Andromeda“ zu lokalisieren, gibt es verschiedene Wege. Zwei einfache möchte ich Dir hier zeigen:

Weg 1 – Von Pegasus kommend

Pegasus, das geflügelte Pferd, besteht aus einer Reihe von Sternen, die nicht leicht als Pferd zu erkennen sind. Doch der Rumpf, der aus vier etwa gleich hellen Sternen ein großes Quadrat bildet, ist deutlich zu sehen. Dieses Muster wird auch als „Herbstviereck“ bezeichnet.
Von Alpheratz/Sirrah abgehend, erstreckt sich eine deutlich zu erkennende Reihe von 4 Sternen. Dies ist die Kette der Andromeda. Die gedachten Verbindungslinien zeigen das Muster des Asterismus, der, egal wieviel Phantasie man besitzt, keinesfalls einer Prinzessin ähnelt.

Weg 2 – Von Kassiopeia kommend

Der Weg von Kassiopeia ist vielleicht nicht ganz so direkt wie der von Pegasus aus. Da aber Kassiopeia so unübersehbar am Himmel steht, ist er möglicherweise doch der einfachere.
Wie man Kassiopeia am Himmel erkennt, habe ich im dazugehörigen Artikel beschrieben. Verkürzt erklärt führt der Weg vom großen Wagen zum Polarstern und von dort in gleicher Entfernung direkt zum Himmels-W.

Von Shedar kann man zwei Linien ziehen, die jeweils ein Ende der Kette markieren:
Die Verlängerung der Linie Caph-Shedar führt direkt zu Almach, dem östlichsten Stern der Andromedakette. Die Verbindungslinie Navi-Shedar führt zu Alpheratz/Sirrah, dem westlichen Ende, der gleichzeitig der östlichste Stern des Pegasus-Vierecks ist.

Canon 550Da an Omegaon Astrograph 156/600 auf iOptron CEM25p – 16×2 Minuten
 

Insgesamt erstreckt sich das Feld des Sternbilds noch weit oberhalb der Kette. Doch finden sich dort keine so hellen Sterne. Begrenzt wird das Sternbild dann durch Kassiopeia und die schöne, aber eher unbekannte Eidechse.

Anmerkung
Ein Sternbild ist eine streng begrenzte „Fläche“ am Himmel, also ein Bereich oder Feld. Das Muster, das wir mehr oder minder fantasievoll mit Linien bilden, heißt Asterismus.

Das Sternbild fotografieren

Um das gesamte Sternbild zu fotografieren, eignen sich relativ kurze Brennweiten. Mit 50 oder 85 mm kann man Andromeda komplett ablichten.
 

3. Objekte im Sternbild Andromeda

Natürlich ist die Andromedagalaxie, zusammen mit ihren beiden Begleitern, das Deep-Sky-Objekt in diesem Sternbild. Doch neben M31 finden sich im Feld der Andromeda weitere Objekte, die die Beobachtung lohnen und sich auch schön auf Fotos festhalten lassen.

Andromedagalaxie M31 mit Begleitgalaxien M32 und M110

Canon 550Da an Omegaon Astrograph 156/600 auf iOptron CEM25p – 12×4 Minuten

Die Andromedagalaxie ist (neben den Plejaden) wohl das bekannteste Objekt des Herbsthimmels. Unsere nächstgelegene Spiral-Galaxie, sozusagen unsere Nachbarmilchstraße, ist (fast) die einzige Galaxie, die an dunklen Orten ganz ohne Hilfsmittel als ovaler Nebelfleck sichtbar ist; bereits in einem normalen Feldstecher kann sie wunderbar beobachtet werden.
(Mit M33 und M81 gibt es zwei weitere Spiral-Galaxien, die allerdings nur unter annähernd perfekten Bedingungen mit sehr guten Augen ausgemacht werden können; die magellanschen Wolken, die nur von der Südhalbkugel aussichtbar sind, lasse ich mal außen vor).

Da sie so deutlich sichtbar ist, ist sie auch schon relativ lange bekannt (es gibt eine belegte Beschreibung eines arabischen Gelehrten aus dem Jahr 964).
Die Bezeichnung Andromedanebel stammt noch aus der Zeit, zu der man nicht wusste, dass es sich um eine Galaxie außerhalb unserer Heimatgalaxie der Milchstraße handelt.

Andromedanebel oder – galaxie?

Es ist noch nicht einmal lange her, da entbrannte in der astronomischen Gemeinde ein Disput, bekannt geworden als „die große Debatte“, bei dem sich zwei Lager bildeten:
Eine Gruppe war überzeugt, dass es nur unsere Milchstraße gäbe, sie das gesamte Universum sei und daher alle diffusen Nebel oder Wolken (und somit auch der Andromedanebel) nur Gasansammlungen in der Milchstraße wären.
Die andere Fraktion behauptete, unsere Milchstraße sei nur eine von vielen und die Andromedagalaxie eben eine weitere Milchstraße.

Das war 1920, vor nicht einmal 100 Jahren.

Man darf nicht vergessen oder übersehen, dass das Wissen, das wir heute über das Universum, über Entfernungen und Anordnungen im Raum, ja allein über den Ort der Sonne in unserer Milchstraße haben, noch ein sehr neues Wissen ist.
Wer von uns noch Großeltern hat, die jetzt so um die 90 Jahre alt sind, kennt noch Menschen, zu deren Kindheit nichts von alledem außerhalb der Wissenschaftsgemeinde bekannt war und selbst dort erst seit kurzer Zeit.
Ich habe in einer Schülerzeitung meines Vaters einen längeren Artikel über die „von einer Zivilisation erschaffenen Kanäle auf dem Mars“ gelesen; eine Theorie, die damals, vor der ersten Mondlandung, noch als möglich und keineswegs abwegig galt. Die gesamte Raumfahrt und somit Erkundungsmissionen zu anderen Planeten lagen noch in der Zukunft.

Man muss sich nur vor Augen führen, was es für einen Unterschied macht:
Sind die damals einfach als „Nebel“ oder „Wolken“ bezeichneten Gebilde am Nachthimmel, die mit Teleskopen in großer Anzahl sichtbar waren, Teil der Milchstraße oder entfernte Sternensysteme, eigene „Welteninseln“ in einem unfassbar riesigen Raum?

Das war eine fundamentale Angelegenheit:
Besteht das All(es) nur aus der Milchstraße, deren Zentrum die Sonne ist (wie man teils vermutete) oder ist die Milchstraße nur eine von unendlich vielen Sternensystemen und die vermeintlichen Nebel in Wahrheit weitere Sternensysteme, so weit entfernt, dass man sie nicht mehr als einzelne Sterne, sondern nur als diffuse Nebelwolken erkennen kann?

Heute kennen wir die Antwort.
Methoden der Entfernungsbestimmung über veränderliche Sterne, die kurz zuvor entdeckt wurden, ermöglichten uns, zu erkennen:
Das All ist riesig und die Milchstraße ist nur eine von unzähligen Galaxien. Edwin Hubble gelang der Nachweis 1923 (vorgetragen 1925; Quelle unten).
Aus dem Andromedanebel in unserer Milchstraße wurde die Andromedagalaxie, eine weitere Milchstraße, außerhalb, wenngleich auch direkt vor unserer kosmischen Haustüre.

Erst 1952 konnte Walter Baade nachweisen, dass die Entfernung der Andromeda-Galaxie über 2.000.000 Lichtjahre beträgt. Ein Wert, der später genauer bestimmt werden konnte (siehe unten).
Und bis heute geht die Erforschung der Andromedagalaxie weiter. Es gibt noch viele „Geheimnisse“ zu enthüllen.
Beispielsweise wurde erst im Mai 2018 eine Analyse der Drehbewegung von Andromeda veröffentlicht, basierend auf aktuellen Daten der Gaia-Mission (Quelle unten).

 

Astronomische Hintergründe

a) Entfernung
Die Andomedagalaxie enthält unzählige veränderliche Sterne, die es ermöglichen, die Entfernung recht genau zu bestimmen. Mindestens drei weitere Techniken helfen, die Entfernungsbestimmung zu verfeinern bzw. zu verifizieren; aktuell geht man von „nur“ 2,5x Millionen Lichtjahren aus, was tatsächlich „direkt um die Ecke“ ist (das x steht für die Schwankung, je nach Quelle).
Diese 2,5 Millionen Lichtjahre sind 23,65 Trillionen Kilometer oder 23.650.000.000.000.000.000 Kilometer.

Das wirkt zunächst „irre weit weg“. Dennoch ist das, in kosmischen, intergalaktischen Distanzen betrachtet, sehr nah.

Ihr Licht benötigt zu uns somit 2,5 Millionen Jahre. Verglichen mit der Sonne (8 Minuten) oder Jupiter (rund 40 Minuten) ist das sehr weit weg, aber auch entfernte, jedoch gut sichtbare Sterne sind noch wesentlich näher: Sirius mit 8 Lichtjahren, Aldebaran mit rund 65 Lichtjahren, oder Bezeigeuze mitrund 640 Lichtjahren.
All diese Sterne sind Teil unserer eigenen Milchstraße; die Andromedagalaxie nicht.

M31 ist somit das entfernteste Objekt, das mit bloßen Augen gesehen werden kann!

Andere Galaxien, praktisch alle, außer der paar Handvoll (überwiegend Zwerggalaxien) in unserer lokalen Gruppe, sind weiter entfernt.
Ein paar Beispiele bekannter Messier-Galaxien:
M64 mit 18 Mio. Lichtjahren, M51 mit 27 Mio. LJ oder M61 mit 50 Mio LJ. Und diese sind wahrlich nicht die entferntesten. Wir können Galaxien im Abstand von Milliarden von Lichtjahren beobachten!

b) Größe und weiteres
M31 ist mit etwa 150.000 bis 200.000 Lichtjahren Durchmesser (je nach Quelle, siehe unten) merklich größer als unsere Milchstraße (100.000 LJ).
Lange Zeit ging man davon aus, dass sie deutlich weniger Sterne und somit weniger Masse als die Milchstraße enthalte. Aktuelle Studien nennen jedoch eine größere Masse und die 5 bis 10-fache Sternenanzahl als die der Milchstraße (Quellen unten).

So schwankend die Angaben zu Größe und Masse sind, so sicher ist bekannt, dass die Andromedagalaxie deutlich mehr Kugelsternhaufen enthält (knapp 340 vs. rund 160 bis 180 um die Milchstraße), wobei noch zusätzliche 688 als wahrscheinliche Kandidaten gelten. Die Kugelsternhaufen sind auch von der Erde aus mit (guten) Amateurteleskopen für erfahrene Beobachter sichtbar.

Mit M32 und M110 hat die Andromedagalaxie zwei Begleiter, ähnlich der beiden magellanschen Wolken, die unsere Heimatgalaxie begleiten, aber leider nur von der südlichen Hemisphäre aus gesehen werden können.
Doch diese beiden sind nur die bekanntesten; es gibt weitere Begleitgalaxien, insgesamt 12 Stück.

Ebenfalls enthält die Andromedagalaxie eine ganze Reihe H-Alpha-Gebiete, die man, salopp umschrieben, gut mit dem Orionnebel und ähnlichen Strukturen innerhalb unserer Milchstraße vergleichen kann.
Auf Fotos mit relativ hohen Brennweiten und langen Belichtungnszeiten können diese „roten oder pinken Flecken“ gut sichtbar gemacht werden. Diese großartige Amateuraufnahme zeigt bereits einige dieser Emissionsnebel.

M31 findet sich übrigens auch unter den Bezeichung NGC 224.

c) Bewegung
Mit verschiedenen Methoden (u.a. Rotverschiebung) ist es möglich, die Bewegung der Andromedagalaxie relativ zu der der Milchstraße zu bestimmen.
Anhand dessen können wir uns auf einen „gigantischen Crash“ vorbereiten:
Mit rund einer halben Million km/h bewegen sich die beiden Galaxien Milchstraße und Andromedagalaxie aufeinander zu und werden in einigen Milliarden Jahren zusammenstoßen.
Man darf sich nun diesen „Crash“ keinesfalls wie einen Autounfall, also das Zusammenstoßen massiver Materie vorstellen. Auf uns wirkt die Andromedagalaxie zwar wie ein recht kompaktes Objekt, aber der Blick in unseren Sternenhimmel zeigt, dass das nicht so ist: Die Sterne sind viele, teils tausende von Lichtjahren voneinander entfernt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie direkt zusammenstoßen ist eher gering.
Man darf eher davon ausgehen, dass gravitative Effekte die beiden Galaxien miteinander verschmelzen lassen; ohne großen „Boom“.
Das ist ein ’normaler‘ Vorgang im Universum und mit der Doppelgalaxie M51 haben wir ein prominentes Beispiel, das auch von Amateuren problemlos fotografiert werden kann.

 
 

(einige meiner) Quellen

Ich habe die Quellen sorgfältig studiert und teils auch die Quellen der Quellen, wenn mir das sinnvoll (oder für mich spannend) erschien. Aber jedes Quellenstudium, zumal für einen freien Amateurartikel im Netz, hat seine Grenzen. Ich verbürge mich daher nicht für jede Zahlenangabe. 😉

Quellenstudium ist wirklich wichtig! So findet sich auf vielen Internetseiten und auch in einem hervorragenden Fachbuch von 2006 die Aussage: „Andromeda ist deutlich masse- und sternenärmer als die Milchstraße“. Seit 2014 hieß es jedoch: „mehr Masse als die Milchstraße“. Und Anfang 2018: „Etwa die identische Masse“.
Für meinen Artikel ist das nicht so enorm relevant; es hilft aber, sich klar zu machen, dass man nicht alles glauben kann und dass Wissen sich wandelt.

Meine Artikel hier auf der Seite, sind „Infoartikel“ die interessierten Laien wissenschaftliche Themen hier und da etwas näher bringen können. Wie Du siehst, versuche ich korrekt zu arbeiten; auch an den Stellen, wo ich keine Quellen angebe, sind sie vorhanden (das gilt für alle Artikel). Ich hoffe, dass meine Ausführungen so etwas glaubhafter werden, da ich nicht einfach „irgendwas“ von der erstbesten Internetseite abschreibe. Aber als Quelle taugen meine Artikel allenfalls für ein Referat in der Schule. 😉

Atlas der Messier Objekte – Umfangreicher und oppulenter Bildband
Galaxien – Einführung für Hobbyastonomen – Unerwartet tiefgehendes Buch mit reichhaltigen Informationen
Sternengeschichten – Wissenschaftlicher Podcast rund um verschiedene astronomische Themen
Max-Planck-Institut für Radioastronomie – weitere vertrauenswürdige Quelle für Zahlenangaben
Edwin Hubble: Cepheids in Spiral Nebulae – Vortrag vor der American Astronomical Society 1925
Monthly Notes of the Royal Astronomical Society 06/2014 – Quelle für „Masse M31 > MS“
Monthly Notes of the Royal Astronomical Society 01/2018 – Quelle für „Masse M31 etwa gleich Masse der MS“
DR2 Proper Motions, Orbits, and Rotation of M31 and M33 – Quelle für „Neue Daten Drehung Andromeda“
Spektrum der Wissenschaft – Kollision Andromeda – Milchstraße

 
 

Die Andromedagalaxie am Himmel finden

Nach den ganzen (hoffentlich interessanten) Hintergründen zu unserer Nachbargalaxie kommen wir nun zum eigentlichen Thema: Die Andromedagalaxie auf Fotos zu bannen.

Hat man die Kette der Andromeda, wie oben beschrieben, einmal gefunden, so ist der Weg zum Andromedanebel nicht weiter schwer:
Die Kette besteht aus drei fast gleichhellen Sternen (und einem vierten, schwächeren, der gern mal übersehen wird). Mirach, der mittlere der drei, ist unser Startpunkt. Von dort „aufwärts“ finden sich zwei weitere Sterne. Der obere der beiden liegt praktisch direkt neben Andromeda.

Andromedagalaxie per Star-Hopping finden
 

Ist Dein Standort dunkel, der Himmel klar und Deine Augen an die Dunkelheit angepasst, so wirst Du die Andromedagalaxie nun als nebligen Flecken erkennen können. Und zwar ganz ohne Hilfsmittel.

(Hier möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass man sanfte Objekte am Nachthimmel – nicht nur die Andromedagalaxie – nur dann sehen kann, wenn die Augen viel Zeit hatten, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. „Viel Zeit“ bedeutet mindestens 15, besser 30 Minuten. Es darf in dieser Zeit keinerlei Fremdlicht den Adaptionsprozess stören. Kein Autoscheinwerfer, keine Straßenlampe darf Dich blenden und das Taschentelephon muss in der Tasche bleiben. Ein einziger Blick auf ein helles Display genügt und die „Nachtsichtigkeit“ ist dahin.
Die Hintergründe habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben: „Dunkeladaption – Die Anpassung der Augen an die Nacht“)

Die Andromedagalaxie fotografieren

An sich ist es nun recht einfach, die Galaxie zu fotografieren. Da Du sie bereits mit unbewaffneten Augen sehen kannst, wird klar, dass sie relativ hell ist.
Hinzu kommt, dass sie auch das größte Objekt am Himmel ist; sie hat den mehrfachen Durchmesser des Mondes.

Zunächst muss es Dir allerdings gelingen, Deine Kamera auszurichten.
Die beschriebenen Sternenketten, die zur Galaxie leiten, sind auch im Kamerasucher gut zu erkennen. Blicke also hindurch und versuche nun, die Kamera auf dem Kugelkopf passend auszurichten.
Fällt Dir das schwer, so kann ich Dir meinen Artikel zum Auffinden von Deep-Sky-Objekten empfehlen, dort wird alles nochmals ausführlicher erklärt.

Deep-Sky-Objekte finden - Star-Hopping für AnfängerDas Auffinden von Deep-Sky-Objekten mit kleinen Reisenachführungen ohne GoTo stellt für Anfänger oftmals eine große Schwierigkeit dar. Die Objekte sind zwar für die Augen unsichtbar, aber trotzdem problemlos zu fotografieren.
Mit der richtigen Methode ist es jedoch sehr einfach zum Ziel zu gelangen.
Anhand eines Beispiels erkläre ich Schritt für Schritt, wie dieses „einfache Star-Hopping für Einsteiger“ funktioniert. Hüpf jetzt von Stern zu Stern!

 
Geeignete Brennweiten

Aufgrund ihrer Größe ist die Galaxie mit jeder Brennweite fotografierbar. Aber auf Fotos mit 14 oder 35 mm eben nur als kleiner Fleck.
Ideal erscheint mir (bezogen auf DSLR-Sensoren) eine Brennweite von etwa 400 mm; größere Brennweiten schneiden die Randbereiche bereits ab.
Allerdings können auch Fotos mit 135 oder 200 mm, beide als herausragend gute Objektive erhältlich, schon enorm viele Details zeigen.

Technik

Dass man Deep-Sky-Objekte eigentlich nur mit astronomischen Nachführungen fotografieren kann, ist Dir wahrscheinlich klar.
Falls nicht, so lese doch mal meinen Artikel dazu durch.

Wenn Du aber totaler Anfänger bist und nur eine Kamera (+ Stativ und Teleobjektiv) hast, so ist die Andromedagalaxie eines der ganz wenigen Objekte, die sich auch ohne einen Astrotracker einfangen lassen; sie ist ja groß und hell.
Ganz genau kann ich es Dir an dieser Stelle nicht erklären, aber zumindest ein paar Hinweise geben:
– Zuerst musst Du berechnen, wie lange Du überhaupt belichten kannst, damit die Sterne noch rund bleiben.
– Dann musst Du Deine Kamera ausrichten und manuell scharfstellen.
– Zuletzt solltest Du möglichst viele Fotos machen.

Hat das alles funktioniert, so werden die Fotos miteinander verrechnet und dann final entwickelt.

So habe ich übrigens auch meine erste Andromeda fotografiert. Wobei ich damals nicht wusste, wie lange ich fotografieren kann und daher schon üble Sternenstriche produziert habe.
Mein erstes Deep-Sky Bild
Meine erste Deep-Sky-Aufnahme. Andromeda mit Canon 7D und Canon 24-105 f4 @105 – ISO12.8000 – ca. 35*6 Sekunden

Dieses Foto, mehr oder weniger zufällig entstanden, war meine Einstiegsdroge.
Wie ich überhaupt dazu gekommen bin, den Nachthimmel zu fotografieren, habe ich hier beschrieben:

Zum Abschluss nochmal ein Foto mit 200 mm – allerdings etwas zu heftig bearbeitet:
Canon 550Da auf Star Adventurer mit Canon 200 mm f2.8 @ 3.5, ISO1600 – 53×60 Sekunden

 
 

NGC 752 – Offener Sternhaufen

Canon 550Da an Omegaon Astrograph 156/600 auf iOptron CEM25p – 16×2 Minuten
 
Der offene Sternhaufen NGC 752 ist nach der Andromedagalaxie das (visuell) größte Objekt in diesem Sternbild und kann unter guten Bedingungen bereits ohne Hilfsmittel als nebliges Fleckchen gesehen werden.
Der Sternhaufen ist relativ groß (50′) und eher locker aufgebaut. Aufgrund der ermittelten Sternenzusammensetzung kann davon ausgegangen werden, dass er ein für offene Sternhaufen ungemein hohes Alter von rund 1,3 bis 1,6 Milliarden Jahre besitzt und daher auch schon weit zerstreut ist. Das Alter der Mehrheit ’normaler‘ offener Sternhaufen bewegt sich im Bereich von Millionen von Jahren. (Siehe hierzu auch den Artikel „Sternhaufen – Funkelnde Juwelen am Nachthimmel“).

NGC 752 sehen und fotografieren

Star-HoppingaufdemWegzu NGC 752
 
Da NGC 752 am Rand des Sternbilds Andromeda liegt, nähert man sich ihm am besten vom Dreieck aus. Hier bieten sich die Sterne 4 Tri (der helle obere Stern des Dreiecks) und 7 Tri (direkt neben dem unteren Dreiecksstern 9 Tri) an. Eine Linie von 7 Tri durch 4 Tri gezogen und etwa 1,5-fach verlängert, leitet direkt in den Sternhaufen.
Mit einem normalen Feldstecher zeigt sich NGC 752 als funkelndes Juwel im Sternenfeld und ist dabei deutlich klarer auszumachen als die Andromedagalaxie, die immer mehr oder minder verwaschen unscharf bleibt.

Fotografiert werden kann dieser große Haufen bereits mit Teleobjektiven, geeignet erscheinen aber eher kleine bis mittlere Teleskope im Bereich von 400 bis max. 1000 mm (bezogen auf Sensorgrößen von DSLR-Kameras).
Im Hintergrund des Sternhaufens finden sich eine Reihe von kleinen Galaxien, die Fotos mit großen Brennweiten einen netten „Such und Finde Charakter“ verleihen. Mein Bild gibt das allerdings nicht her, dennoch habe ich vier „Matschflecken“ vergrößert und in der oberen linken Ecke „geparkt“.

 
 

NGC 891 – Edge-on-Galaxie

Canon 550Da an Omegaon Astrograph 156/600 auf iOptron CEM25p – 16×2 Minuten
 
NGC 891 ist eine scheinbar relativ kleine und schwache Galaxie, zumindest verglichen mit dem Andromedanebel und weiteren Prachtexemplaren des Messier-Katalogs. Dennoch ist sie eine ausgesprochen schöne Galaxie, auf die wir von der Seite blicken. Galaxien, die man seitlich sehen kann werden allgemein auch als Edge-on-Galaxien bezeichnet. Eine Suche im Netz zeigt viele schöne Beispiele.
Mit einem Durchmesser von 100.000 bis 150.000 Lichtjahren ist sie in Wirklichkeit ähnlich groß wie unsere Milchstraße und sogar wesentlich größer als die näher gelegene Andromedagalaxie. Ja, sie ist sogar eine der größten bekannten Spiralgalaxien überhaupt.
Sie ist jedoch etwa satte 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, wohingegen sich die Andromedagalaxie mit nur 2,5 Millionen Lichtjahren fast direkt vor unserer Haustüre befindet.
Ihr Erscheinungsbild ähnelt dem unserer Heimatgalaxie, soweit wir das ohne einen echten Außenblick auf die Milchstraße erforschen können. Vergleicht man jedoch ein Panorama der Milchstraße mit NGC 891 ist die Ähnlichkeit ausgesprochen auffällig.

Mein Foto mit 600 mm zeigt deutlich, dass eigentlich Optiken jenseits von 1000 mm notwendig sind, um diese Galaxie detailreich und vor allem großformatig zu fotografieren.

 
 

Weitere Objekte

Selbstverständlich gibt es im Bereich des Sternbildes noch weitere Objekte: Sternhaufen, Galaxien und einen planetarischen Nebel.
Leider sind diese „Schätze“ sehr klein (bzw. weit weg) und mit meinem Equipment bzw. normalem Amateurequipment nicht sinnvoll zu fotografieren.
Am ehesten würde sich noch die Galaxie NGC 7640 anbieten oder auch der offene Sternhaufen NGC 7686 (der fast genauso groß ist wie die oben gezeigte Edge-On-Galaxie). Am interessantesten wäre wahrscheinlich der „blaue Schneeball“. Allerdings ist dieser schöne planetarische Nebel, NGC 7662, winzig klein. Mit Brennweiten unter 1000 mm erscheint er nicht viel größer als ein heller Stern.

Somit ist das Sternbild Andromeda – zumindest für Amateure – ein eher „dünn bevölkertes“ Gebiet. Aber dank unserer beeindruckenden Nachbargalaxie ein außergewöhnlich bekanntes.

 
 

Freundliches Schlusswort

So, lieber Leser, liebe Leserin. Da wären wir nun am Ende angelangt. Schön, dass Du Dich bis hierher vorgearbeitet hast; hoffentlich war die gesuchte Information dabei.

Wie Du gesehen hast, hat dieses Sternbild weit mehr zu bieten als einfach „nur“ die Galaxie: Die griechischen Mythen, ein wenig Wissenschaftsgeschichte und die beiden anderen vorgestellten Deep-Sky-Objekte waren zumindest für mich beim Recherchieren und Schreiben sehr interessant.
Wenn ich etwas von dieser Faszination an Dich weiterreichen konnte, freut mich das.

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Zum Abschluss wünsche ich Dir viel Erfolg beim Finden, Sehen und Fotografieren von Andromeda und weiteren Objekten in den tiefen des Alls.
Gutes Gelingen!

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