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Die Wahl des „richtigen“ Objektivs für die nächtliche Fotografie ist fast wichtiger als die Wahl einer Kamera.
Ein scharfes, lichtstarkes Objektiv mit einer guten Abbildungsleistung wertet auch eine ältere Kamera deutlich auf, ein schlechtes und lichtschwaches Objektiv hingegen nimmt auch der besten Kamera ihre Leistungsfähigkeit.
Ein gutes Objektiv kann den Fotografen über viele Jahre, gar Jahrzehnte begleiten, während die Kamera immer mal wieder durch ein moderneres Exemplar ersetzt wird.

Es existieren einige allgemeine Kriterien, die für jedes Objektiv gelten; in jeder Situation, tags wie nachts.
Doch gibt es auch einige Gesichtspunkte, die vor allem in der Astrofotografie von Bedeutung sind. Andere hingegen, die tagsüber wichtig erscheinen, sind nachts gänzlich zu vernachlässigen.
Die Wahl einer „Astrolinse“ unterliegt also teilweise anderen Gesichtspunkten als die einer für die normale Fotografie am Tage.

Es gibt natürlich nicht „das eine“ richtige Objektiv, aber verschiedene Gründe sich für ein spezielles und gegen ein anderes zu entscheiden.

Dieser Artikel soll Dir eine Entscheidungshilfe sein und aufzeigen, worauf es sich lohnt zu achten.

Leider führt das dazu, dass das ein sehr theoretischer Artikel ist – nicht gerade schön zu lesen und ohne viele bunte Bilder.
Aber dafür erhältst Du im Gegenzug viele hilfreiche Informationen, die Dir die Wahl „Deiner“ Astrolinse erleichtern.

Zum Aufbau dieses Berichts:

 

PART 1
A) Allgemeine Auswahlkriterien
  • Verarbeitungsqualität
  • Abbildungsleistung
    • Vignettierung
    • Farbfehler und Chromatische Aberrationen
    • Verzeichnung (Bildwölbung und -verzerrung)
    • Verzerrung (Coma, Sphärische Aberrationen, Astigmatismus…)
  • Schärfe und Auflösung
  • Lichtstärke
  • Fokussierung
  • Preis
PART 2
B) Die Brennweite
  • Zoom oder Festbrennweite
  • Von ‚ganz weit‘ bis ‚ganz nah‘
    • Weitwinkel: 8 bis 35 mm
    • Mittelfeld: 50 bis 100 mm
    • DeepSky: 135 bis 300 mm
C) Meine Lieblinge
  • Meine Tipps – Persönliche Erfahrungen und Vorlieben
D) Fazit
  • Übersicht, Zusammenfassung und abschließende Einschätzung

Wie Du dem Inhaltsverzeichnis entnehmen kannst, gibt es zwei große Abschnitte.
Der erste dreht sich um die allgemeinen Kriterien, die entscheiden, wie gut ein Objektiv ist bzw. ob es sich für die Astrofotografie eignet.
Der zweite befasst sich dann mit den einzelnen Brennweiten, betrachtet ihre jeweiligen Vor- bzw. Nachteile und Einsatzgebiete. Zuletzt beschreibe ich noch meine ‚Lieblinge‘ und gebe konkrete Tipps.

Das ist alles recht viel.
Darum habe ich nach dem Schreiben beschlossen, das in zwei einzelne Artikel zu gliedern.
Hier findest Du nun Part 1 – die allgemeinen Kriterien.
Falls Dich das nicht interessiert (was es aber sollte!), so kannst Du direkt zum zweiten Artikel springen.
Hier der direkte Link:
„Die richtige Brennweite für die Astrofotografie“
[noch nicht veröffentlicht]

Jetzt geht’s aber wirklich los:

PART 1

Die Wahl eines Objektivs hängt natürlich primär vom „Ziel der Begierde“ ab. Also vom gewünschten Motiv.
Für Landschaftsfotos mit Sternenhimmel und Milchstraße benötigt man eine andere Brennweite als für nachgeführte Bilder von Deep-Sky-Objekten. Aber auch bei Deep-Sky gibt es einen Unterschied zwischen Übersichtsaufnahmen ganzer Himmelsregionen und der Fotografie einzelner Objekte.
Die gewünschte Brennweite oder der Brennweitenbereich stehen somit wohl immer am Anfang des Auswahlprozesses.


Dennoch möchte ich auf die Auswahl der richtigen Brennweite erst weiter unten eingehen. An erster Stelle sollen ganz allgemeine Gesichtspunkte stehen, die für jedes Objektiv gelten.

Zunächst wären da übliche Kriterien, die allgemein die Abbildungsgüte betreffen:
Das sind vor allem die Farbwiedergabe, die Schärfe, die Verzeichnung/Verzerrung, Randabschattungen und weitere mögliche Abbildungsfehler.
Eben all das, was für ein klares, scharfes, gutes Bild sorgt; oder es verhindert.

Hinzu kommt natürlich auch der Preis bzw. das Preis-/Leistungsverhältnis und die Verarbeitungsqualität.
Dass ein 50.- € „Plastikbomber“ nicht das bietet, was man bei einem 2500.- Premiumglas erwarten darf, versteht sich dabei wohl von selbst. Dennoch muss nicht zwangsläufig das teuerste auch das beste sein. Wie bei vielen Produkten zahlt man oftmals auch einfach für den Markennamen, ohne etwas gravierend besseres zu erhalten.

Viele dieser Punkte betreffen die Anschaffung eines jeden Objektivs. Für die Astrofotografie gilt es jedoch, auf manche Aspekte genauer zu achten.

Dunkelheit und punktförmige Lichtquellen (Sterne) sind Herausforderungen, bei denen ein Objektiv zeigen muss, was es kann.

Verarbeitungsqualität

Ob ein Objektiv nun sehr gut, ganz ok oder eher schlecht ist, hat verschiedene Gründe und Ursachen.
Letztendlich ist es aber immer die Art, wie es hergestellt wird, die für seine Qualität sorgt.
Dazu gehören u.a.:

  • Optische Berechnungen, Konstruktion und technisches Design
  • Die Auswahl der Materialien (billiges Plastik vs. hochwertiger Kunststoff + verschiedene Metalllegierungen)
  • Eingesetzte optische Komponenten (verbaute Linsen, deren Vergütung und deren Feinabstimmung…)
  • Herstellerseitig akzeptierte Toleranzen und die Qualitätskontrolle

Es dürfte einleuchtend sein, dass ein einfaches Zoom-Objektiv aus dem Einsteigersegment andere (kostengünstige) Komponenten verbaut hat als ein Premiumglas. Auch scheint es logisch, dass, um Kosten zu senken, an vielen Punkten gespart werden muss.
Das ist auch ok und in der Tageslichtfotografie sind viele dieser Einsteigerobjektive gerade in der Anfangszeit absolut ausreichend. Was heute als „billige Anfängerlinse“ daherkommt, ist oftmals weitaus besser als das, was vor einigen Jahrzehnten im mittleren und Hochpreissegment zu finden war. Doch in der Astrofotografie kommt es auf mehr an.

Das verbaute Material und die Verarbeitungsqualität ist aber nur zwei Punkte, die beim Objektivkauf beachtet werden sollten. Denn gutes Material ist keine Garantie für gute Bilder.
Der wichtigere Punkt ist der folgende: Die Abbildungsleistung.

Abbildungsleistung

Hierunter versteht man im Allgemeinen:

  • die Vignettierung (Randabschattung)
  • die korrekte Farbwiedergabe und chromatische Aberrationen
  • die Verzeichnung (Verzerrung) in den Randbereichen
  • mögliche Abbildungsfehler (Sphärische Aberrationen, Coma, Astigmatismus…).

Alle diese Punkte können sich auch tagsüber negativ auswirken.
Bei Tageslichtbildern mit hellen, verschiedenfarbigen Motiven (z.B. einer Landschaft) fallen sie allerdings teilweise gar nicht oder kaum auf. 
Nachts schaut das oftmals ganz anders aus. Hier stechen bestimmte Fehler direkt ins Auge.
Manchmal ist es aber auch so, dass man sie erst dann sieht, wenn man sie sucht bzw. überhaupt weiß, dass es diese Fehler gibt.

Zur Einstimmung zeige ich Dir zunächst ein Bild, das gleich aus mehreren Gründen so nicht akzeptabel ist. Dann wird klar, wovon ich im folgenden Abschnitt spreche.
Die Randabschattung (dunkle Ecken/Ränder) ist das geringste Problem, die CAs (Farbsäume um Sterne) fallen schon eher, wenn auch nicht übermäßig negativ auf. Die Form der einzelnen Sterne und deren kreisartige Anordnung rund um das Bildzentrum jedoch extrem.

Ich kann nicht auf jeden der Punkte im Detail eingehen. Wenn es Dich also genau interessiert, welche vielfältigen Arten von Farbfehlern es geben kann, was die genaue Ursache von chromatischen Aberrationen ist und wie eine Vignettierung entsteht, so findest Du rasch sehr detaillierte Antworten. Ich reiße diese Punkte nur an.

Diverse Bildfehler vereint: Auffällige Randabschattung und verschiedenartig verzerrte Sterne mit Farbfehlern.
Das Bild IST korrekt fokussiert, scharf und richtig belichtet!

Ausschnitt der oberen rechten Ecke: Runde Sterne? Fehlanzeige!

Vignettierung

–> Die Vignettierung ist einer der Abbildungsfehler, der heutzutage auch in der Astrofotografie zwar nicht ganz zu vernachlässigen ist, aber doch deutlich an Bedeutung verloren hat. Moderne Bildentwicklungsprogramme entfernen diese Randabschattung auf Knopfdruck fast perfekt. Aber eben nur fast.
Jedes Objektiv hat eine gewisse Randabschattung. Diese kann jedoch zwischen sehr gering und deutlich ausgeprägt schwanken.

Farbfehler und Chromatische Abberationen

–> Allgemeine Farbfehler sind kein großes Problem mehr. Die korrekte Farbwiedergabe ist bei modernen Linsen durchwegs gut.
Dieses Problem betrifft eher Altglas und billige nicht korrigierte Linsenteleskope.

–> Chromatische Aberrationen (CAs) sind bei alten Objektiven oft stark ausgeprägt, doch auch heute noch teils ein Problem.
Geringfügige CAs können zwar in der Bildentwicklung relativ einfach entfernt werden, dennoch kann sich dieser Fehler nachteilig auswirken:
Gerade in der Astrofotogafie, wo es auf kleinste und feinste Details ankommt, kann es passieren, dass die CA-Entfernung auch feine rote Nebelgebiete oder bläuliche Reflexionsnebel abschwächt oder entsättigt. Dies muss aber von Bild zu Bild und Fall zu Fall entschieden werden.
Bei Bildserien, die für Deep-Sky-Aufnahmen gestackt werden, ist das besonders nachteilig, da die CA-Entfernung hier teils unmöglich ist.

–> Gute Objektive, geringfügiges Abblenden und vor allem der perfekte Sitz der Schärfe eliminieren dieses Problem insgesamt fast vollständig.
Dennoch gibt es (gerade im ganz billigen Segment und bei Super-Zooms, aber nicht nur da) Objektive, bei denen die CAs stark ausgeprägt sind. Bei diesen überschneidet sich das auch noch mit einem schlechten Fokus: Bereits ein minimaler Fehlfokus erzeugt dann bunte Ringe um Sterne. Und gerade billige Objektive sind oftmals wesentlich schwerer zu fokussieren (siehe unten).

Verzeichnung/Verzerrung

–> Bei Verzeichnung und/oder Verzerrung handelt es sich um verschiedene Fehler, die sich aus der optischen Physik ergeben. Sie können bei bei allen Brennweiten auftreten.
Tagsüber sind viele von ihnen (abgesehen von der Architekturfotografie) oftmals fast belanglos, bei Aufnahmen der Sterne werden sie jedoch deutlich:
Während die Sterne im Bildzentrum bei allen Objektiven scharf abgebildet werden können, so trennt sich in den Randbereichen die Spreu vom Weizen.

Man muss zwischen zwei Effekten unterscheiden, die sich jedoch überlagern können:

–> 1. Die allgemeine Bildfeldverzerrung bzw. -verzeichnung (kissen- und tonnenförmige Wölbung) bzw. die Randverzeichnung, die vor allem weitwinklige Objektive betrifft.
–> 2.  Die schweifartige Verzerrung von Sternen in den Ecken (Coma) teils kombiniert mit weiteren Fehlern wie Astigmatismus und sphärischen Aberrationen, die bei allen Brennweiten auftreten können.

Es gibt also verschiedene Verzerrungen, die auch je nach Brennweite unterschiedlich ausfallen:

1. Bildfeldverzerrung (Verzeichnung)

Unter Bildfeldverzeichnung versteht man im Allgemeinen die verzogene Darstellung eigentlich gerader Linien.
Das nennt sich bei Weitwinkellinsen „kissenförmige Verzeichnung“, da das Bild wie ein Kissen in der Mitte gewölbt (überwölbt) erscheint. Bei Telelinsen kann das Gegenteil auftreten: Die „tonnenförmige Verzeichnung“.

Diese Verzeichnungen sind bauartbedingt und ‚gehören‘ somit zu den jeweiligen Brennweiten mehr oder minder dazu.
Beide Fehler lassen sich in Bildbearbeitungsprogrammen auf Knopfdruck sehr gut, wenn auch nicht immer perfekt, beseitigen. Allgemein stören sie oftmals nicht besonders und fallen nur im direkten Vergleich auf. Architekturfotografie bildet da eine Ausnahme.

2014 – Objektiv: unbekannt
Extrembeispiel Randverzerrung

Bei (extremen) Weitwinkelobjektiven ist eine Randverzerrung fast unumgänglich. Ein Blickfeld von 110 bis 140° (also zwar nicht ganz, aber doch in die Richtung einer Halbkugel gehend) auf einen planen Kamerasensor abzubilden, stellt eine enorme Herausforderung dar. Die Objektivhersteller leisten da großartige Arbeit, aber die optische Physik kann, zumindest bis jetzt, nicht gänzlich ausgetrickst werden.
Das gilt für alle Hersteller und Preisklassen. Ein 350.- Samyang 14 mm Objektiv ist da (laut Labortests) nicht schlechter als das Pendant für über 2000.- von Canon oder das 14 mm von Nikon. Der Preisunterschied würde evtl. etwas anderes erwarten lassen. Und auch das vielgepriesene Weitwinkel der Sigma-ART-Serie für 1500.- verzeichnet stark bis extrem.
(Übrigens betrifft das nur die kissenförmige Bildverzeichnung. Bezogen auf CAs und die Schärfe in den für Astro so wichtigen Randbereichen schlägt das Samyang – laut Labortests und den Bildern die ich kenne – die Objektive von Sigma und Canon deutlich!)

Bei Weitwinkelobjektiven sind also alle Bildinhalte (auch Landschaften am Tage) im Randbereich immer etwas verzerrt; Sterne werden dort länglich abgebildet. An Vollformatkameras wird das übrigens deutlicher sichtbar als an Crop-Sensoren.

Während (Weitwinkel-)Verzerrung, also -verzeichnung alle Bildinhalte in die Breite zieht oder staucht, gerade Linien krümmt und und Sterne länglich wirken lässt, so gibt es noch ganz andere ‚Sternfehler‘, die weitaus mehr stören:
Bei ihnen ähneln die Sterne dann eher kleinen Ufos, Flugzeugen, Vögeln oder Dreiecken. Auch können Sterne längliche, linsenförmige Verzerrungen aufweisen.

2. Verzerrte Sterne – Sphärische Aberrationen, Coma und Astigmatismus

Alle Objektive – nicht nur weitwinklige – leiden, mal mehr/mal weniger, unter verzerrten Sternen. Allerdings andere Arten von Verzerrung, die in der Bauart und dem Zusammenspiel der Linsen(gruppen) im Objektiv begründet sind.
Es handelt sich dabei u.a. um sphärische Abberationen, um Coma und Astigmatismus. Die oben angesprochene chromatische Aberration hat dieselbe Ursache, äußert sich aber als Farbfehler.
Der Grund ist bei allen mehr oder weniger derselbe und die Auswirkungen sehr ähnlich. Sie sind schwer zu unterscheiden, überlagern und verstärken sich gegenseitig:

Lichtbündel, die die Linse(ngruppe) passieren, müssen (für eine korrekte Abbildung) alle absolut perfekt in einem Punkt (dem Brennpunkt) und auf einer Ebene (der Brennebene) zusammenlaufen.
Das ist aber technisch recht kompliziert umzusetzen und daher zeigen viele Objektive in den Randbereichen, wo das Licht besonders „gekrümmt“ wird, Fehler. Die Strahlen treffen nicht alle gleichmäßig auf und eine runde Lichtquelle (ein Stern) wird nicht mehr rund abgebildet.

Die negativen Effekte der Lichtbrechung in Linsen sind die am schwierigsten zu korrigierenden (für die Objektivhersteller) und gleichzeitig für Astrofotografen die relevantesten!

Hier nochmal das Bild von oben.
Du erkennst jetzt bestimmt, wie die Sterne verzerrt sind: Einerseits jeder für sich in den Ecken zu kleinen ‚Vögeln‘ (Coma) andererseits aber auch kreisförmig über das Bild und dem Kreis folgend in die Länge gezogen (sphärische Aberration/Astigmatismus). Die chromatische Aberration zeigt sich als Farbsaum um die Sterne.
So soll und darf ein Astrofoto nicht aussehen!

‚Comatische‘ Sterne in den Ecken (Ufos, Vögel) und eine runde Verzerrung mit länglichen Sternen über das gesamte Bildfeld. 

All diese Fehler – ich fasse sie als Coma zusammen, auch wenn das genau genommen technisch nicht ganz richtig ist – können ein massives Problem darstellen und treten völlig unabhängig von der restlichen Objektivqualität auf. Auch Objektive aus den höchsten Preisregionen können fürchterliches Coma erzeugen!
Das perfekte Objektiv würde voll offenblendig bis in die letzte Ecke hinein perfekte runde Sterne liefern. Ausgesprochen schlechte hingegen erzeugen auch bei starkem Abblenden um mehrere Stufen vom Rand bis weit in Richtung Zentrum ‚comatische Sterne‘, die alles andere als rund sind. Einige Objektive zeigen offenblendig auch noch andere Fehler (eben die sphärischen Abberationen und Astigmatismus).

Tagsüber erkennt man das (im Gegensatz zur weitwinkligen Randverzeichnung) wesentlich seltener. Erst kleine punkförmige Lichtquellen machen diesen Abbildungsfehler deutlich sichtbar.
Vielleicht – so vermute ich – kommt dieses Problem auch zum Tragen, da Coma bei Tageslichtaufnahmen einfach nicht so sichtbar ist und teilweise sphärische Aberrationen bei Portraits als gestalterisches Mittel angesehen werden, obwohl sie eindeutig ein Fehler sind.
(Dieser klare Objektivfehler wird sich dann als „ach so schönes Bokeh bei Offenblende“ schöngeredet).

Es mag täuschen, aber es entsteht der Eindruck, dass auch und gerade die großen Markenhersteller wie Canon und Nikon sich nicht so recht bemühen, ihre Objektive, auch die hochpreisigen Festbrennweiten, hinsichtlich Coma und Astigmatismus zu korrigieren. Objektive aus dem Hause Samyang sind meist bei weitem weniger anfällig für diese Probleme, so (nicht nur) mein Eindruck.
Sigma ist zwar mit der ART-Reihe allgemein recht gut, doch auch da gibt es einige Ausreißer, wie das wirklich miese 14 mm. Neben Samyang sicherlich die interessantesten Astro-Objektive.
Von Sony braucht man nicht wirklich zu sprechen, deren Linsen sind in aller Regel nur Mittelmaß, auch wenn das aufgedruckte Zeiss auf einigen Objektiven etwas anderes vermitteln soll. Aber Sony spricht allgemein eher Amatuere an und ist kein Kamerasystem für Profis. Dennoch finden sich auch gute Sony-Linsen.

„For some reason Canon and Nikon both usually have terrible levels of coma or astigmatism present on their most expensive prime lenses.“
[Ian Norman/lonleyspeck]

…if a samyang lens is able to correct the lateral chromatic aberration, coma and vignetting the best of all instruments…
[lenstip.com]

Um das nochmals klar zu machen: Hier gibt es deutliche Qualitätsunterschiede.
Von Objektiven, die selbst um vier Stufen abgeblendet keinen scharfen runden Sterne in den Ecken ermöglichen bis hin zu solchen, die sogar offenblendig kaum oder nur geringe Coma-Verzerrungen erkennen lassen, ist alles dabei.
Ein sehr lichtstarkes und gleichzeitig 100% perfektes Objektiv habe ich allerdings noch nicht gefunden. Aber eben einige wirklich gute, die man nur gering abblenden muss und viele eher schlechte bis miese.

Wichtig: Der Preis spielt dabei ab einem gewissen Punkt (fast) keine Rolle! Objektive für 1700.- Euro können deutlich und extrem viel schlechter sein als andere für 350.- oder 500.- Euro.

Zusammenfassung Abbildungsfehler:

Es gibt verschiedene Abbildungsfehler, die teils mehr, teils weniger relevant für die Astrofotografie sind:
Farbechtheit und Vignettierung sind, wie auch ansatzweise CAs, kein extrem großes Problem und betreffen eher Billigobjektive und Altglas, wobei es da auch Ausnahmen gibt.
Verzerrte Sterne (sphärische Aberrationen/Coma/Astigmatismus) in den Randbereichen sind meiner Einschätzung nach das häufigste Problem. Von diesem sind extreme Billgobjektive im besonderen Betroffen, Zoom-Objektive stärker als Festbrennweiten und große Markennamen und hohe Preise keinesfalls ein Garant für eine saubere Sternabbildung!

Fast allen Abbildungsfehlern ist gemein, dass sie durch Abblenden in aller Regel deutlich gemindert werden! (Siehe unten).


Neben der Güte der Abbildung kommt natürlich auch der Schärfe und der Auflösung eine gewisse Bedeutung zu. 
Wobei die Schärfe oftmals von den oben genannten Punkten mit beeinflusst wird. 
Auch haben beide Punkte ihre Ursache wieder in der ganz am Anfang genannten Art der optischen Berechnung und der Verarbeitungsqualität.

Schärfe und Auflösung des Objektivs

Der Trend geht allgemein zu Kameras, deren Sensoren eine immer höhere Anzahl dichtgedrängter Pixel aufweisen. Für die Astrofotografie sind solche Megapixel-Monster eher nachteilig, haben sie doch insgesamt ein schlechteres Rauschverhalten. (Nicht umsonst ist die Canon 6D mit ihrem 20-MP-Vollformat-Sensor immer noch das Maß aller Dinge, wenn man Canon-Vollformater im Mittelpreissgement betrachtet und auch Sony hat mit der nur 12 MP-Vollformatkamera a7s ein älteres Modell, dass im Rauschverhalten Megapixelmonster des selben Herstellers übertrifft bzw. lange Zeit übertraf.)
Dennoch gibt es die Megapixel-Monster. Die Industrie preist sie schließlich als ‚Must-have‘ an. Sie haben auch gewisse Vorteile, aber die sind bei der Astrofotografie irrelevant und eben (wie das Rauschverhalten) eher nachteilig.
(Man sollte das aber nicht überbewerten, wenngleich das Grundprinzip „Viele Megapixel = mehr Rauschen bei LowLight“ stimmt und sich aus der Physik der Kamerasensoren ergibt).

Was es aber kaum gibt, sind Objektive, die diese riesige Menge an Pixeln überhaupt ‚bedienen‘ können. Im Regelfall ist (mit sehr wenigen Ausnahmen) bei knapp unter 30 Megapixeln Schluss. Mehr liefern die Objektive einfach nicht an. Und damit ist der theoretische Vorteil von 50 oder 70 Megapixeln eigentlich auch schon dahin.
Um einen Objektiventwickler zu zitieren:
„Zehn Prozent mehr Pixel lassen sich recht einfach auf einen Chip packen – aber versuchen Sie mal die Auflösung einer guten Linse um zehn Prozent zu steigern. Das ist fast so aufwendig wie die Neuerfindung des Objektivs.“ [Quelle]

Es gibt viele hervorragende Objektive, die eine herausragende Schärfe liefern und Details wunderbar darstellen können. Aber eben auch eine ganze Reihe, die das nicht kann. Bei diesen wird man niemals die knackige Schärfe erwarten können, die man sich wünscht.

Ich werde hier nicht genau darauf eingehen, weise aber nur darauf hin, dass die Auflösung in Linienpaaren ein Maß ist, um die Abbildungsqualität und vor allem die Auflösung eines Objektivs zu bestimmten.
(Bei Tests ist für uns dabei vor allem auch der Abfall der Schärfe zu den Rändern relevant!)
Und ein vergleichendes Beispiel möchte ich auch nennen, damit Du als Leser eine Vorstellung bekommst, wie stark sich Objektive unterscheiden können:

Das relativ günstige Samyang 35 mm f1.4 löst in den Randbereichen (Sternabbildung!) offenblendig 2811 Linienpaare auf, wohingegen das mehrfach teurere Canon 35 mm f 1.4 L es nur auf 1437 bringt. Nebenbei zeigt das Canon auch das doppelte Maß an CAs. [Quellen: Canon bzw. Samyang]
Im Bildzentrum sind beide fast identisch, aber was nutzt uns das?!

Beides sind nicht nur klare Hinweise auf Schärfe und Auflösung, sondern machen erneut deutlich, dass auch teure Premium-Objektive in den Randbereichen Sterne oftmals wesentlich schlechter darstellen als herausragende Objektive des mittleren Preissegments. (Wir reden hier von ~400.- vs. ~1750.- Euro, wobei das günstigere schlichtweg deutlich besser ist.)

Zitat zweier Testlabore zu diesen 35 mm Objektiven:

„It’s worth emphasizing that the coma level, presented here by Samyang, is still much lower than that of the Nikkor 1.4/35 or the Canon 35L. In the case of the latter the coma was very bothersome“ [Quelle]
„Es ist es wert, hervorzuheben, dass das Coma-Level, das hier von Samyang präsentiert wird, wesentlich niedriger ist als das des Nikkor 35 mm oder des Canon 35 mm. Bei letzteren war das Coma sehr störend“

It may be a surprising news but this is easily superior to the results of the „mighty“ Canon EF 35mm f/1.4 USM L here. [Quelle]
„Es mag überraschen, aber die Ergebnisse sind dem „mächtigen“ Canon EF 35 mm 1,4  deutlich überlegen.“

„Aces of the photographical market, it’s high time you got down to work seriously! If Samyang is able to launch a 540$ lens which, when it comes to the image quality, is only slightly worse than the Canon 35L, which can compete on equal terms with the Nikkor 1.4/35G and leaves far behind the Sony 1.4/35G; if such a lens is able to correct the lateral chromatic aberration, coma and vignetting the best of all instruments in this group and it is not worse when it comes to the distortion and astigmatism correction, what else could be said here?“ [Quelle]
„Marktführer, es ist höchste Zeit, dass ihr Euch hinsetzt und Euch endlich mit Ernsthaftigkeit an die Arbeit macht. Wenn Samyang in der Lage ist, ein ~ 500.- Objektiv zu bauen, welches [in unseren Tests] nur minimal schlechter ist als das 1700.- Canon 35L, das dabei problemlos mit dem Nikkor 35G mithalten kann und das Sony 35G weit hinter sich lässt… wenn dieses Objektiv in der Lage ist, CAs, Coma und Vignettierung am Besten von allen Objektiven zu korrigieren und es nicht schlechter ist, wenn man Verzeichnung und Astimagtismus betrachtet… was kann man dann noch anderes [zu den großen Markenherstellern] sagen [außer: Macht endlich Eure Hausaufgaben!]?

Neben dem Beispiel mit der Auflösung in Linienpaaren soll das Dir noch etwas weiteres zeigen:
Ein hoher Preis oder der Name eines großen Herstellers muss keinesfalls für Qualität stehen!

Das hier von Laboren getestete Samyang 35 mm war mein erstes Samyang vor 6 oder 7 Jahren – ich habe damals rund 360.- Euro gezahlt und liebe es bis heute! Es ist mein am meisten genutztes Objektiv für nachgeführte Panoramen des Sternenhimmels.
Die anderen drei genannten Objektive bewegen sich alle bei weit über 1000.- bis hin zu über 1800.- Euro und sie sind alle für die Astrofotografie wesentlich schlechter geeignet, sie machen einfach die schlechteren Bilder, was mit Einschränkungen auch am Tage gilt.
Lass Dich also nicht von großen Namen und hohen Preisen verführen! 
Klar – Qualität hat ihren Preis, für 100.- bekommst Du kein gutes Objektiv. Aber es muss eben nicht zwangsläufig das 1500.- Marken-Ding das beste sein. 


An dieser Stelle haben wir nun die erste Gruppe wichtiger Kriterien abgearbeitet: Verarbeitungsqualität und Abbildungsleistung.
Es folgen aber noch weitere. Nämlich die Lichtstärke und die Verarbeitung des Fokusrings.

Lichtstärke

Die Lichtstärke ist neben der Abbildungsleistung mit das wichtigste Auswahlkriterium eines Astroobjektivs.

Auf dem Vergleichsbild oben kannst Du überdeutlich sehen, was Lichtstärke ausmacht. Die Bilder sind so, wie sie aus der Kamera kommen.
Wenn Du Dir nun verdeutlichst, dass das mit vielen Kameras mitgelieferte Kit-Objekitv (18-55mm) bei 50 mm eine maximale Offenblende von f5.6 hat, dann sagt das Bild fast alles: f3.5 sollte (nach dem Abblenden) eigentlich das Minimum sein. Objektive, die mit einer maximalen Offenblende kleiner als f2.8 (also beispielsweise f4) daherkommen, kann man getrost vergessen!


Die Lichtstärke ist tagsüber nur von untergeordneter Bedeutung.
Klar – lichtstarke Objektive bieten auch da einige Vorteile. Vor allem in der Portraitfotografie sind sie ausgesprochen wichtig, um das Objekt vom Hintergrund zu trennen.
Nachts hingegen ist Lichtstärke eines der wichtigsten Auswahlkriterien!

Das gilt im Speziellen für Weitwinkelobjektive, mit denen Landschaftsaufnahmen mit Sternenhimmel erstellt werden. Ein Punkt, der vielen sofort einleuchtet:

Da die Erde sich dreht und Sterne somit zwangsläufig zu Strichen verwischen, ist die maximale Belichtungszeit begrenzt und wird von der Brennweite vorgegeben. Man bekommt mit lichtstärkeren Objektiven einfach ein helleres Bild, mehr Informationen auf dem Sensor und somit auch mehr Möglichkeiten, die dunkle Landschaft, aber auch die Milchstraße herauszuarbeiten.

Allerdings ist Lichtstärke auch für gestackte Deep-Sky-Aufnahmen von Bedeutung. Und zwar nicht nur bei der Fotografie mit einem Objektiv: Das Gleiche gilt auch für Teleskope:

Hier ist jetzt, dank Nachführung, nicht mehr die Belichtungszeit eines einzelnen Fotos der beschränkende Faktor, sondern die Gesamtzeit:
Eine Vervierfachung des Signals verdoppelt das SNR bzw. halbiert die Belichtungszeit.
So kann bei f2.8 ein Objekt wesentlich schneller oder in gleicher Zeit wesentlich detaillierter fotografiert werden als beispielsweise bei f6.5.

Für Landschaftsastro mit Einzelbildern (und somit auch für Zeitraffer) bedeutet das:
Die Lichtinformation, die bei f5,6 in 20 Sekunden auf den Sensor gelangt ist, bei f2.8 bereits nach 5 Sekunden vorhanden. Das Bild ist in nur 5 Sekunden genauso hell, rauscharm und detailreich, bzw. bereits nach 10 Sekunden wesentlich ‚reicher‘ als es das gleiche Bild bei f5,6 und 20 Sekunden erreichen kann.
Nur lichtstarke Objektive lassen die Milchstraße leuchten und ermöglichen es in relativ kurzer Zeit, etwas Zeichnung in die andernfalls schwarze Landschaft zu bekommen.

Wenn Du also die Wahl hast, so bevorzuge immer ein möglichst lichtstarkes Objektiv. Besonders wichtig wird das, wenn Du mit Einzelbildern arbeitest, so z.B. bei Zeitraffern oder normaler Landschaftsastrofotografie ohne Nachführung.
f2.8 ist dabei ungefähr die obere Grenze. Lichtschwächer sollte es nicht sein, denn Du wirst jedes Objektiv noch etwas abblenden wollen! (Siehe unten)

Der letzte Punkt, den ich noch ansprechen  möchte, ja sogar muss, ist die Fokussierung. Denn nur mit einer guten Fokussierung bekommt man scharfe Bilder, die frei von Bildfehlern sind.

Fokussierung

Der Autofokus – eine geniale Erfindung! Doch nachts gänzlich unbrauchbar (vom Mond mal abgesehen).
Denn der Autofokus benötigt klare Kanten und deutliche Kontrastunterschiede an diesen. Beides ist nachts nicht gegeben. Es muss manuell fokussiert werden, da führt kein Weg daran vorbei.

Die Unterschiede in der Verarbeitungsqualität einzelner Objektive sind hier enorm:
Während bei vielen, nicht nur Billigobjektiven, der Fokusring ein wackliges und hakendes Plastikteil ist, bei dem eine geringfügige Drehung den Fokus bereits sehr weit verstellt und das Fokussieren somit zum nervenden Glückspiel wird, machen gute Objektive da einen hervorragenden Job:
Der Fokusring ist vergleichsweise schwergängig, lässt sich über einen langen Weg punktgenau einstellen und rutscht nicht einen mm nach. Besonders hervorzuheben sind da Videoobjektive, bei denen eine weite Drehung nur eine relativ geringe Fokusveränderung erzeugt. Perfekt für die Astrofotografie.

Auch gilt, dass manuelle Objektive ohne Autofokus (auch ältere Exemplare) da in aller Regel sehr gut aufgestellt sind. D.h. dass auch teure Autofokus-Objektive manuell oftmals schwieriger zu handhaben sind, als rein manuelle Objektive.

Wichtig ist:
Die perfekte Fokussierung hat nicht nur einen Einfluss  auf die Bildschärfe. 
Bereits ein minimaler Fehlfokus, der wahrscheinlich nicht mal auffallen würde, erzeugt aber zwei negative Effekte:
Erstens werden die Sterne etwas größer, sie sind ‚aufgeblasen‘. Aber das ist noch nicht das schlimmste.
Denn zwitens sind chromatische Aberrationen mit eine Folge der nicht perfekten Fokussierung. Ein leichter Fehlfokus führt so zu bunten Ringen oder Halos rund um die Sterne. (Stackt man mehrere Bilder, so ist das besonders unangenehm.)

Das führt dann mit etwas Pech zu einem ‚Doppelungseffekt‘:
Ein einfaches Objektiv, das von sich aus schon zu CAs neigt, wird, dankt der schwer oder sehr schlecht einzustellenden Schärfe, noch extremer zu bunten Farbsäumen um die Sterne neigen.
Und genau das ist der der Grund warum ich hier so ausschweifend auf den Fokusring eingehe.
Wenn Du mal selber ein gutes Objektiv mit einem butterweichen Fokusring in der Hand hattest und gleichzeitig ein ’normales‘ also eines mit einem mittelmäßigen oder schlechten Fokusring, so wirst Du mir sofort zustimmen.
Allen anderen kann ich nur raten, die Erfahrung selber zu machen!

Hey! Du hast es geschafft! Wir sind durch!
Damit sind alle Punkte abgehandelt.


Zuletzt gehe ich nun noch darauf ein, wie man die Abbildungsleistung eines Objektivs verbessert bzw. maximiert.

Verbesserung der Abbildungsleistung und Schärfe


Natürlich ist die Abbildungsleistung (und Schärfe) eine Folge all der oben genannten Punkte.
Dennoch wird sie in aller Regel beim Abblenden an allen(!) Objektiven besser.

Warum hilft Abblenden gegen manche Objektivfehler?
Wie erwähnt, entstehen einige der Fehler, weil die Strahlen des Lichts, die durch die Linsen im Objektiv wandern, nicht alle auf die ‚richtige‘ Stelle des Sensors (Brennpunkt/Brennebene) treffen.
Gerade im Randbereich können Linsen größere Fehler aufweisen und Strahlen ‚falsch‘ leiten.
Durch das Abbblenden werden von den Blendenlamellen die Randbereiche der Linse verdeckt, es wird der genutzte Durchmesser der Linse verkleinert und nur der zentralere Bereich genutzt.
Damit verliert man zwar Lichtstärke (klar – die Öffnung wird verringert), aber man schließt praktisch die fehlerbehafteten Randbereiche einer Linse aus.

Die nur noch im Zentralbereich der Linse durch das Objektiv wandernden Strahlen werden alle in den jeweils richtigen Brennpunkten gebündelt – die Linsenfehler verschwinden oder werden weit reduziert.

Es ist keine Kunst, eine Linse so zu konstruieren, dass sie im Zentrum und drum herum gut abbildet, sprich das Licht korrekt auf den Sensor leitet.
In den Randbereichen einer Linse kommt es dann darauf an: Wie gut gelingt es einem Hersteller, die Glaslinse(ngruppen) im Objektiv so zu schleifen, zu vergüten und so gegeneinander zu versetzen, dass sie bis möglichst weit in die Ecken und Randbereiche hinein eine korrekte Darstellung ermöglichen? Wie weit gibt sich also ein Hersteller Mühe, seine Linsen hinsichtlich sphärischer Aberration, Coma, chromatischer Aberration und Astigmatismus zu korrigieren.

Die Frage, die sich für uns daraus ergibt, ist:
Wie weit muss ich das jeweilige Objektiv abblenden, damit die Sterne (auch im Randbereich) scharf werden und im ganzen Bild knackig und ohne CAs dargestellt werden (wenn sie es überhaupt werden)?
Auch hier trennt sich wieder die Spreu vom Weizen.

Im Folgenden siehst Du drei Bilder. Sie entstammen einer Testreihe zu 50-mm-Objektiven. Ganz oben habe ich schon eines gezeigt – ganz offenblendig mit diversen extrem stark ausgeprägen Bildfehlern. Jetzt zeige ich Dir drei Ausschnitte – abgeblendet:

Die drei Bilder sprechen eine deutliche Sprache:
1. Das Canon 50 mm f1.4 wird beim Abblenden auf 2.8 besser. Die Sterne sind aber weiterhin deutlich verzerrt und zeigen hartes Coma. (Bild 1 und 2)

2. Das Samyang 50 mm f1.4, das ich mit im Test hatte, ist bei f2.8 hingegen schon deutlich besser – nicht perfekt, aber so, dass man es ganz gut nutzen kann (ab f3 oder 3.2 ist es dann top!). Es ist schlichtweg das deutlich bessere Objektiv. (Bild 3)

3. Das Canon wird bei f5.6 auch sehr gut – aber will man ein f1.4 Objektiv wirklich so weit abblenden? (Bild 4)

(Das f5.6-Bild war natürlich deutlich dunkler als die beiden f2.8er. Ich habe es darum in Lightroom aufgehellt. Das sorgt dann für Bildrauschen, trotz gleichem ISO-Wert. Aber die Tatsache, dass nicht ein hoher ISO-Wert Bilder rauschen lässt, sondern Unterbelichtung, ist ein anderes Thema.)

In einem einfachen Satz:
Das Samyang f1.4 erreicht bereits bei f2.8 die Schärfe, die das Canon f1.4 erst bei f4 erreicht.

Das Canon f1.4 offenblendig bei f1.4
Das Canon f1.4 verbessert sich, zeigt aber bei f2.8 noch deutlich comatische Sterne
Das Samyang f1.4 ist bei f2.8 schon ganz gut
Bei f5.6 wird das Canon 1.4 fast perfekt - aber will man wirklich so weit abblenden?


Tagsüber ist in vielen Fällen völlig egal, wie weit man abblendet, da ausreichend Licht zur Verfügung steht. Die Blende ist am Tage oftmals eher ein gestalterisches Mittel.
In der Nacht kommt uns dieses Objektivverhalten allerdings nicht gerade entgegen, denn wir verlieren somit wertvolle Lichtstärke.
Da man aber bei fast allen Objektiven immer etwas abblenden sollte, um die perfekte Abbildung zu erhalten, ist es von nicht unerheblicher Bedeutung, wie weit man abblenden muss: Nur 2/3 oder gar drei ganze Blendenstufen?
Das gleiche gilt übrigens auch für die Schärfe. So gut wie immer werden Sterne kleiner, knackiger und schärfer abgebildet, wenn abgeblendet wird. Auch hier gilt: Muss man kaum oder sehr weit abblenden?

Fazit „Verbesserung der Abbildung“

Ich denke, es wurde deutlich, warum die beiden zuletzt genannten Punkte „Lichtstärke“ und „Fokussierung“ nachts besonders wichtig sind:
– Ein f1.4 Objektiv auf f2.0 abzublenden, ist kein großes Problem. Aber ein gerade noch taugliches f4 Objektiv auf f6.5 abzublenden, raubt enorm viel Licht. Tagsüber egal, aber nachts deutlich nachteilig. Noch schlimmer wird es, wenn man sein vermeintlich lichtstarkes f1.4 erst ab f5.6 richtig nutzen kann.
– Ein Fokussring, der nachrutscht, nicht griffig ist, keinen Widerstand bietet, erschwert das Finden der optimalen Schärfe extrem (und das führt wieder zu den oben genannten Abbildungsfehlern: CAs, Coma, unschöne Sterne).

Übrigens:
Linsenteleskope haben keine verstellbare Blende. Man kann sie also nicht einfach so abblenden, um die Abbildungsleistung zu verbessern, indem man die Randbereiche ‚aussperrt‘.
Das ist auch nicht nötig, denn gute Linsenteleskope sind bis in die Ecken hinein scharf.

Jetzt fragst Du Dich vielleicht, wie es sein kann, dass Kameraobjektive das nicht schaffen, Linsenteleskope aber schon. Denn letztendlich handelt es sich bei beidem doch um denselben technischen Aufbau.

Tja. Das ist ganz einfach: 
In einigen (allen? vielen?) Linsenteleskopen ist eine feste Blende verbaut. Die schlechten Randbereiche werden direkt vom Hersteller ausgesperrt.

Wenn Du nun z.B. ein Linsenteleskop mit f5 nimmst, so kann es gut sein, dass es eigentlich f3 hätte, aber vom Hersteller mittels einer festen Blende auf f5 abgeblendet wird. 
Es ist also nix anders als ein Fotoobjektiv mit f3, dass Du selber auf f5 abblendest. Nur etwas teurer, weil „Teleskop“ drauf steht. 😉 

Bei einem Fotoobjektiv ist man enttäuscht, wenn man es von f2.8 auf f4 abblenden muss, um runde Sterne zu erhalten. 
Bei einem f5-Teleskop, bei dem der Hersteller eine feste Blende verbaut, wird das klaglos hingenommen. 
Darüber sollte man einmal nachdenken!
Evtl. ist dann das f2.8-Objektiv, dass man auf f3.5 oder f4 abblendet, doch die bessere (lichtstärkere) und gleichzeitig günstigere Wahl. Falls es denn eine ähnliche Brennweite gibt, was eher ein Problem darstellen dürfte.

Fazit und Zusammenfassung Part 1

Wow! Das war unfassbar viel, aber ich kann nichts dafür, dass es so viele Punkte gibt, auf die man achten kann und sollte. 😉

Wenn Du Dich durch all das gekämpft hast, so bist Du jetzt gerüstet, ein gutes Objektiv auszuwählen und wirst in Zukunft sicherlich Objektivfehler schneller erkennen.

Wahrscheinlich wirst Du auch mit der Zeit feststellen:
Das perfekte Objektiv gibt es nicht. Irgendeinen Haken hat es immer und (zumindest geringfügiges) Abblenden gehört bei dem Ziel „runde Sterne bis in die Ecken“ einfach dazu.

Bevor es nun zur Wahl Deiner persönlichen Brennweite geht, rekapitulieren wir nochmal schnell:

  • Die Herstellung entscheidet über die Qualität eines Objektivs.
  • Verarbeitungsqualität ist wichtig. Wichtiger ist aber die Abbildungsleistung.
  • Es gibt eine ganze Reihe von möglichen Abbildungsfehlern. Manche nicht so wichtig, andere ‚kriegsentscheidend‘. Vor allem die als ‚Coma‘ zusammengefasste Verzerrungen.
  • Schärfe und Auflösung sind weitere Punkte, die ungemein schwer einzuschätzen sind. Aber: Kaum ein Objektiv kann die Megapixel-Monster überhaupt bedienen.
  • Abblenden hilft gegen viele Objektivfehler.
  • Lichtstärke ist enorm wichtig.
  • Ein guter Fokusring erleichtert nicht nur das Scharfstellen, er verhindert somit auch Farbsäume um Sterne.

PART 2

Die Brennweite

Bevor ich auf die Wahl der richtigen Brennweite eingehe, möchte ich eine grundsätzliche Frage beantworten:

Zoom-Linse oder Festbrennweite?

Die einfache Antwort lautet …

Tja. An dieser Stelle geht es nicht weiter. 
Zumindest nicht hier. 
Der Artikel ist so ausufernd und umfangreich geworden, dass ich beschlossen habe, ihn in zwei Teile zu trennen. 

Wenn Du Dich also weiterhin für das Thema interessierst, etwas darüber erfahren möchtest, welche Brennweite sich für welches Motiv eignet und auch warum, so kannst Du gerne Teil 2 lesen (wenn er fertig ist).
Der Artikel ist dann (zum Glück!) auch nicht mehr so theoretisch und mit wesentlich mehr hübschen Bildern versehen, die das dort gesagte illustrieren.

Hier folgt nun zunächst ein obligatorisches:

Freundliches Schlusswort

Ich hoffe wirklich sehr, dass dieser Artikel für Dich hilfreich war. Persönlich bin ich hin- und hergerissen: Einerseits ist es so viel, so theoretisch und komplex, dass ich am liebsten alles noch stärker vereinfacht hatte. Andererseits will ich aber auch sinnvolle und tiefgehende Informationen liefern.
Diese beiden Ansprüche (Informationsgehalt und Übersichtlichkeit) zu kombinieren erscheint fast aussichtslos.
Wenn Du also für Dich etwas mitnehmen kannst, wenn Dir klar(er) geworden ist, worauf es sich lohnt zu achten, so habe ich mein Ziel erreicht.

So bleibt mir nun nur noch Dich zum nächsten Abschnitt einzuladen (der noch nicht fertig ist – leider).
Über eine Rückmeldung zum Artikel freue ich mich – wie jeder Blogger – natürlich sehr! 🙂

Anmerkung

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