Sternbild Orion und Orionnebel - Finden, beobachten, erkennen, suchen und fotografieren

Das Sternbild Orion – finden, beobachten und fotografieren

Orion – der Jäger am Himmel – ist wohl das Wintersternbild überhaupt und für viele das schönste Sternbild schlechthin. Der Orionnebel ist der bekannteste Nebel und neben der Andromedagalaxie und den Plejaden das am Besten mit bloßem Auge sichtbare Deep-Sky-Objekt.

Fotografisch ist Orion besonders dankbar, können doch auch Anfänger mit relativ wenig Equipment hier erste Deep-Sky-Bilder aufnehmen und den Orionnebel mit normaler Fotoausrüstung ablichten.

Doch Orion hat noch sehr viel mehr zu bieten. Davon möchte ich in diesem Artikel berichten.

1. Allgemeines
2. Griechische Mythologie
3. Objekte im Sternbild Orion
4. Sternbild Orion am Himmel finden und fotografieren
5. Fotografie Orionnebel im Speziellen
6. Galerie verschiedener Orionbilder mit Angaben zu Equipment und Aufnahmetechik.

 




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1. Allgemeines

Wenngleich Orion von Ende August bis Anfang April am Himmel zu sehen ist, so stellt es doch mit seinen leuchtkräftigen Sternen den zentralen Teil der Wintersternenhimmels dar. Blickt man in einer klaren, dunklen Winternacht nach Süden in den Himmel, so steht der Jäger unübersehbar da, umgeben von einigen weiteren markanten Sternbildern.
Aus den hellsten Sternen dieser Sternbilder lässt sich das sog. Wintersechseck bilden, in dessen Mitte der rote Riese Beteigeuze steht.
Orion ist somit ‚das Zentrum des Winters‘.

Wintersechseck am Winterhimmel mit der WintermilchstraßeOrion im Zentrum des Wintersechsecks – Mosaikpanorama aus dutzenden 85mm-Aufnahmen.

Orion hat aber nicht nur ausgesprochen helle Sterne zu bieten, sondern mit dem Orionnebel das aktivste Sternentstehungsgebiet.

Aufgrund seiner auffälligen Sterne bildeten bereits früh verschiedene Kulturen Sternbilder und ersannen Geschichten hierzu.
Am einfallsreichsten waren dabei die Griechen:

 

2. Das wilde Leben des Orion – Griechische Mythen

Wie bei einigen anderen Sternbildern, ranken sich auch um Orion wilde Mythen. Die Griechen waren einfallsreich und ersonnen Geschichten voll Leidenschaft und Gewalt, voll magischer Begebenheiten und nur allzu menschlichen Verhaltensweisen.
Und so macht auch die Sage von Orion einiges her, wenngleich es mehrere Versionen gibt, die nicht alle in Einklang zu bringen sind. Oftmals widersprechen sich die Geschichten, nennen andere Götter oder beschreiben andere Begebenheiten. Über die Jahrhunderte wurden von verschiedenen griechischen und römischen Poeten unterschiedlichste Geschichten erzählt, die teilweise nur in Fragmenten erhalten sind.
Ich habe versucht, aus den Quellen eine freie Nacherzählung zu erschaffen, die alle Sagen und Mythen möglichst nah zusammenbringt.

Bereits die Zeugung des Orion wird bei Dir, werter Leser, garantiert Verwunderung auslösen!
Gespannt? Dann viel Spaß mit der Erzählung!

 

1. Akt – Die Zeugung
An einem schönen Abend spazierten die drei Götter (welche, da gibt es unterschiedliche Aussagen) durch die Lande. Es waren wohl Zeus, Poseidon und Jupiter (möglicherweise waren aber auch Merkur, Hermes oder Ares mit von der Partie).
Sie näherten sich einem Feld, an dem ein ärmliches Haus stand und sahen einen Bauern, der nach dem Tageswerk seinen alten Ochsen vom Pflug abspannte.
Es war Hyrenus, der ihnen schon von weitem zuwinkte (und der in anderen Versionen der Sage ein König ist und ein Schloss bewohnt).
Als sie sich näherten, lud er die Herren, für ihn nicht als Götter zu erkennen, ein: „Ihr müsst müde sein, der Tag neigt sich dem Ende. Ich habe nicht viel, aber das will ich mit Euch teilen. Wärmet Euch an meinem Feuer, Fremde und bettet Euer Haupt in meinem Hause.“ Freundlich wie seine Worte, war auch seine Miene und so traten die Götter unerkannt ein.

Das kleine Bauernhaus war rußgeschwärzt, auf dem Herd standen zwei Töpfe und in einer Ecke eine irdene Karaffe mit Wein.
Ich habe nicht viel, aber esst und trinkt. Ich möchte mit Euch teilen.“ So aßen sie gemeinsam und ein Becher mit Wein ging herum. Nachdem Zeus getrunken hatte, sagte er: „Nun soll Jupiter als nächster trinken.
Erschreckt über die Anwesenheit der Götter lief Hyrenus zu seinem Ochsen umd schlachtete ihn, um den Göttern etwas angemessenes als Speise bieten zu können. Auch holte er den Wein hervor, den er seit Jahren zurückgehalten hatte.

Sie tranken und sie aßen. Da sagte Zeus: „Für Deine Gastfreundschaft mögest Du belohnt werden. Nenn‘ Deinen Wunsch!Die Zeugung des Orion
Der Alte zögerte nicht lange und sprach:
Ich hatte eine Frau, sie war mein Herz und meine Seele, doch sie verstarb ehe sie mir einen Sohn schenken konnte. Ich schwor mir, dass nur sie und keine andere je mein Bette teilen solle und diesen Schwur halte ich noch heute. So blieb ich kinderlos. Doch ein Sohn ist das, was ich wünsche. Einen kräftigen Sohn, einen großen Jäger.
So bring uns„, sprach Zeus, „die Haut des Ochsen, den wir gerade verspeist haben.“
Er brachte sie. Die drei Götter ließen die Hosen hinab und stellten sich im Kreise um die Haut des Tieres. Alles weitere, so die Sage „verbietet die Scham zu erzählen.“
Sie reichten ihm die feuchte Haut und sagten: „Vergrabe sie und in neun Monaten wird der Erde Dein Sohn entspringen.

 
Und? Habe ich zu viel versprochen?
Aber das ist erst der Anfang. Das Leben des Orion wird spannend und wild.

 
2. Akt – Wilde Jahre
Nach neun Monaten kam am Morgen ein Kopf aus der Erde, bis zum Mittag der Körper eines Jünglings und bis zum frühen Abend war ein großer, kräftiger Mann herangewachsen, der sich aus der Erde stemmte. Er wuchs weiter, hatte zum Einbruch der Dunkelheit die Größe des Hauses erreicht und in der Nacht ragte er hoch auf wie die Bäume.
Er wird zu mächtig“ dachte Zeus und sah sich gezwungen, erneut seine Tunika zu heben, um so das Wachstum zu stoppen.

Orion war kräftig, gutaussehend und ein hervorragender Jäger. Aber auch eitel, eingebildet und unbarmherzig. Er zog durch die Lande und jagte. Ihm folgten zwei Hunde: Sirius (heute der hellste Stern am Nachthimmel und Teil des Sternbildes großer Hund) und Prokyon (hellster Stern im Sternbild kleiner Hund)
Doch Orion war kein gnädiger Jäger. Keiner, der die Tiere liebte, sie mit Bedacht erlegte und für den Ausgleich in Wald und Flur einstand.
Orion tötete. Radikal und gnadenlos.
Wo immer ein Volk Probleme mit wilden Tieren hatte (was damals wohl recht häufig der Fall war), erschien Orion und tötete die Bestien, doch auch andere Tiere der Gegend.

Eines Tages wurde er von König Oinopion auf dessen Insel gerufen, um sie von einer wilden Kreatur zu befreien. Während sie über den Preis feilschten, sah Orion die Tochter des Königs, die schöne Merope (einer der Sterne der Plejaden) und sprach: „Du musst mich nicht bezahlen, gib mir nur Deine Tochter. Ich möchte sie nicht ehelichen, gib sie mir nur für eine Nacht!
Dem König war das nicht recht und so entsann er einen Plan: „Ich gebe sie Dir, wenn es Dir gelingt, am heutigen Tag alle Tiere meines Königreichs zu töten.“ Das würde, so war sich der König sicher, Orion niemals schaffen.
Doch als es Abend wurde hatte der Jäger sein Werk vollbracht. Alle Tiere des Reiches waren getötet und er forderte seinen Preis. Den jedoch verweigerte der König ihm.
Orion trat die Tür zur Kammer der Merope ein und nahm sie sich mit Gewalt, ohne dass Oinophion es verhindern könnte.
In seiner Verzweiflung über die Schändung seiner Tochter wandte sich König Oinophion an seinen Vater, den Gott des Weines, Dionysos. Dieser gab ihm den Rat, eine Feier zur Befreiung von den wilden Tieren auszurichten. Auf diesem Fest solle er Orion betrunken zu machen, um sich daraufhin zu rächen.
Als Orion betrunken schlummerte, schlich sich der König an und stach Orion beide Augen aus. Er nahm dem größten Jäger das Augenlicht.

 
Brutal, nicht wahr?
Aber es geht noch weiter:

 
3. Akt – Das Drama
Orion sucht die SonneOrion wankte erblindet durch die Lande, als Eos, die Göttin der Morgenröte, auf den schönen Jäger aufmerksam wurde. Sie lenkte seine Schritte zur Werkstatt des Hephaistos, wo ein hinkender Zyklop arbeitete.
Dieser setzte sich auf die Schultern des Orion, ersetzte ihm das Augenlicht und leitete ihn so nach Osten ins Land ihres Bruders, des Sonnengottes Helios. Der Sonnengott blendete Orion, woraufhin er seine Sehkraft zurück erhielt und sich in die Schwester, in Eos, verliebte.

Zur selben Zeit hatte sich jedoch auch die Göttin der Jagd, Artemis, in den schönen Jäger verliebt.
Und das war ein Problem.
Nein, nicht für Orion, der ja nie ein Kostverächter gewesen war, auch nicht für Eos, die sich der Liebe des Orion sicher wähnte.
Für Artemis selber war es ein Problem, das ihr schwer zu schaffen machte:
Einerseits verspürte sie Liebe für Orion; ein schwer zu bändigendes Verlangen. Dazu kam die Eifersucht auf Eos, bei der ihr Schwarm im Bette lag.
Auf der anderen Seite jedoch verachtete sie Orion für seine Brutalität bei der Jagd. Artemis war eine Freundin der Tierwelt, ihre Jagd diente dem Ausgleich in der Natur.
Und noch etwas kam hinzu. Artemis hatte in jungen Jahren das Gelöbnis abgelegt bis in alle Ewigkeit jungfräulich zu bleiben. Wahrscheinlich hatte sie damals nicht begriffen, was dieses Versprechen bedeutet und wie lang diese Ewigkeit, als unsterbliche Göttin ist.
Sie war also innerlich zerrissen doch letztendlich gewann ihre Keuschheit und die Ablehnung der Jagdmethoden des Orion.

Ja, ein tiefgreifendes psychologisches Problem, das die alten Griechen beschreiben: Liebe und Verlangen, aber gleichzeitig Hass und Abscheu.
Und genau dieser Hass wird letztendlich auch zum Tode Orions führen, wenngleich es auch hier wieder verschiedene Versionen der Sagen gibt.

Um ihrem Leid zu entkommen, wandte sich Artemis an die Göttermutter Hera, die daraufhin den großen Erfinder Hephaistos, den Gott des Feuers anwies, ein Wesen zu erschaffen, das Orion töten sollte. Dieser erschuf ein Tier, winzig klein, doch mit einem Gift, das Orion würde töten können. So sei demnach der Skorpion in die Welt gekommen. (So erzählt es eine Version.)

Alternativ (nach einer anderen Version) wandte sich Artemis an die Göttin der Erde, Gaia, die Orion aufgrund seiner Brutalität gegenüber der Tierwelt ebenfalls ablehnte. Ebenso missfiel ihr seine Überheblichkeit, mit der er behauptete, kein Tier der Erde könne ihn töten. Hier schickte nun also Gaia den Skorpion.

Jedenfalls hatte sich Orion mittlerweile von Eos getrennt und jagte wieder durch die Lande – sowohl nach Tieren als auch nach schönen Frauen. Unter ihnen auch die Plejaden, denen er noch heute jede Nacht am Himmel folgt, ohne sie je zu erreichen.
So begegnete er eines Tages bei einer Rast dem Skorpion, den er, der bereits alle Tiere getötet hatte, noch nie zuvor gesehen hatte. „Wer bist Du?“ fragte Orion. „Ich bin ein neues Tier„, antwortete der Skorpion mit einer leisen Stimme, doch Orion verstand ihn kaum.
Ich verstehe Dich nicht. Sprich lauter!“ „Ich bin ein neues Tier. Du musst Dich zu mir herab beugen, damit Du mich verstehen kannst.“
Orion beugte sich hinab, ganz nah, so dass er das winzige Tier verstehen konnte:
Ich bin ein neues Tier. Ich wurde erschaffen, Dich zu töten. Ich bin der Skorpion„, sprach es und rammte dem erstaunten Jäger seinen Stachel tief in das Ohr, wo das Gift direkt seine Wirkung entfalten konnte.

 
In einigen Erzählungen verstirbt Orion an dieser Stelle. Andere haben noch eine weitere Begebenheit zu berichten, die manchmal sogar als einzige Geschichte genannt wird, so dass der Abschnitt mit dem Skorpion überhaupt nicht erwähnt wird.

Am spannendsten und tragischsten spielt es sich so ab:

 
4. Akt – Der Tod
Das Gift jedoch vermochte Orion nicht zu töten, so kräftig und groß war er. Aber grässliche Schmerzen fügte es ihm zu, Schmerzen, die auch für einen Jäger unerträglich waren.
So sprang Orion in die Fluten des Meeres und suchte seinen Schmerz mit Wasser zu kühlen.
Zur gleichen Zeit standen Artemis und eine weitere Mythengestalt (z.B. der Zentaur Cheiron oder der Bruder der Artemis Apollo) am Ufer. Sie sahen weit draußen einen kleinen Punkt im Wasser. Artemis konnte, im Gegensatz zu Apollo, nicht erkennen, dass dieser Punkt der Kopf des Orions war. „Du wirst diesen weit entfernten Punkt mit Deinen Pfeilen niemals treffen können, so gut Du auch zielen magst„, forderte Apollo seine Schwester listig auf, denn ihm war ihre Schwärmerei für Orion ein Dorn im Auge.
In ihrer Ehre als beste Jägerin gekränkt, zielte Artemis und traf.
So erfüllte sich letztendlich doch ihr Wunsch, den gleichermaßen geliebten wie gehassten Orion durch den Tode aus ihrem Dasein zu befördern.

Zeus, als einer der Väter, hatte Mitleid mit Orion und versetzte ihn als letzte Ehre an den Nachthimmel.
Dort jagt er nun in den Winternächten, gefolgt von seinen beiden Hunden, den Plejaden hinterher und stirbt jedes Jahr auf’s neue seinen Tod: Er versinkt am westlichen Horizont, wenn der Skorpion, ebenfalls von Zeus an den Himmel gesetzt, im Sommer auftaucht.

Quellen:

  • Die antiken Bilder entstammen der Wikipedia und unterliegen der Lizenz CC-BY.
  • Wer sich für andere Versionen der Orionsage interessiert, dem sei z.B. der Artikel in der englischen Wikipedia empfohlen. Dort werden alle Varianten angesprochen und die entsprechenden Quellen genannt.
  • Wer sich darüber hinaus auch für die Mythen der anderen Sternbilder interessiert, kann einen Blick in das Buch „Sternbilder und ihre Mythen“ von Gerhard Fasching werfen, das allerdings relativ altmodisch aufgemacht ist.
  • Unterhaltsamer geschrieben ist das Taschenbuch „In den Sternen – Die 88 Konstellationen im Portrait“.
  • Spannend für Eltern und Kinder gleichermaßen ist „Die Reise zu den Sternen: Sagen und Mythen der Sternbilder„.
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    3. Objekte im Sternbild Orion

    Innerhalb der Grenzen des Sternbildes Orion gibt es eine große Anzahl spannender Objekte.
    Neben den bekannten Emissionsnebeln finden sich z.B. auch einige Sternhaufen, planetarische Nebel, Reflexionsnebel und weitere Objekte, die gut sichtbar, aber vor allem (abhängig vom Equipment) hervorragend zu fotografieren sind.
    Große Gebiete des Orions sind durchzogen von Dunkelwolken, die jedoch nur unter sehr dunklem Himmel und mit sehr langen Belichtungszeiten sichtbar werden.
    Diese Wolken und Schlieren an ‚kosmischen Dreck‘ sind auch der Ausgangspunkt für die fantastischen Nebel, die sich ihrerseits zu Sternhaufen wie den Plejaden weiterentwickeln können.

    Orion ist fotografisch ein sehr dankbares Sternbild, lässt sich hier fast mit jeder Brennweite etwas Besonderes einfangen. Auch Anfänger werden mit beispielsweise 35 oder 50 mm Objektiven großartige Ergebnisse erzielen können und selbst ganz ohne astronomisches Zubehör ist es möglich, den großen Orionnebel sichtbar zu machen.

    Folgende Objekte befinden sich im Orion und werden hier mehr oder weniger ausführlich angesprochen.
    Die Liste ist natürlich nicht vollständig und enthält keine Objekte, die außerhalb der Reichweite mittlerer Teleskope liegen.
     
    Die grundsätzliche Figur des Orion:Objekte im Sternbild Orion
    Hier klicken für riesige Version des Bildes.

  • drei Gürtelsterne (Alnitak, Alnilam, Mintaka)
  • zwei Schultersterne (Beteigeuze und Bellatrix)
  • zwei Fußsterne (Saiph und Rigel)
  • Kopf (Meissa)
  • Hinzu kommen:

  • die Sternkette des Bogens oder Schildes
  • die Sternkette der erhobenen Hand
  • das Schwertgehänge mit dem Orionnebel
  • Eine ganze Reihe Deep-Sky-Objekte, von denen nur der große Orionnebel ohne Hilfmittel sichtbar ist. Alle anderen können mit Ferngläsern oder Teleskopen gesehen und mit mehr oder weniger Aufwand fotografiert werden:

    Im ‚Kerngebiet‘ (Orion molecular cloud complex):

  • M42, M43 – Großer Orionnebel und De Mairans Nebel
  • NGC 1977,73,75 – Running Man Nebel
  • NGC 1981
  • NGC 2024 – Flammennebel
  • B 33 – Pferdekopfnebel vor IC 434
  • NGC 2023
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    Darüber hinaus:

  • Sh 276 – Barnards Loop
  • NGC 1788
  • M78 mit NGC 2071
  • NGC 2174 – Affenkopfnebel mit offenem Sternhaufen NGC 2175
  • „Orion molecular cloud complex“, das Kerngebiet des Orions – Maus über Bild bewegen!
    Rechts: M43 Orionnebel und M42 De Mairans Nebel, daneben ‚Running Man‘. Links: Pferdekopfnebel und Flammennebel. Unterhalb des Pferdes der Reflexionsnebel NGC2023, hinter dem Pferd das rot leuchtende Gebiet IC434.

     

    4. Orion finden, beobachten und fotografieren

    Orion finden und beobachten

    „Wo finde ich Orion?“
    Orion zu finden ist wirklich einfach. Hat man die Figur einmal gesehen, sticht sie in jeder Winternacht sofort ins Auge. Man wundert sich dann, warum sie zuvor unbekannt war, ist die Struktur doch ähnlich deutlich am Himmel zu erkennen wie beispielsweise der große Wagen. Und ähnlich wie beim großen Wagen sind die hellsten Sterne sogar aus einer lichtverschmutzten Stadt zu sehen.

    Am Besten ist es – vor allem wenn Du den Orionnebel gut sehen und nicht nur fotografieren möchtest – wenn Du Dich an einem richtig dunklen Ort befindest und Deine Augen zumindest einige Minuten Zeit hatten, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. So wirst Du viel mehr erkennen können. Versuch Dir also die Figur des Orion einzuprägen, die Stellung der hellsten Sterne zueinander zu merken und schau dann zum Himmel.

    Um Orion zu finden, blickt man nach Süden (wenn Du Dir unsicher bist: Links vom Sonnenuntergang).
    Wenn Du Deine Hand ausstreckst und eine Faust bildest (so als würdest Du einen Bierkrug halten), die den Horizont berührt und nun diese Faust 3 Mal übereinander setzt, dann kommst Du recht gut zu dem Sternbild.
    Hier solltest Du eine Reihe von drei sehr hellen Sternen finden, die leicht schräg von links unten nach rechts oben ansteigt. Das ist der Gürtel des Orion.
    Hast Du Dir die Figur des Orion gut eingeprägt, dann wirst Du nun auch die restlichen Sterne erkennen. Anfangs allerdings wahrscheinlich nur die besonders leuchtstarken. Die schwächeren in der erhobenen Hand und dem Schild stechen in dem ‚Gewimmel‘ vieler weiterer Sterne nicht sofort ins Auge und sind bei Lichtverschmutzung meist überhaupt nicht zu sehen.
    Am Auffälligsten sind hierbei sicherlich Beteigeuze, der rötlich leuchtende linke Schulterstern und Rigel, der bläuliche, rechte Fuß. Beide sind etwa eine Faustgröße ober- bzw. unterhalb des Gürtels zu finden.
    Vielleicht hilft Dir auch das:
    Ich habe Orion früher, aus der hellen Stadt heraus, meistens als großes X am Himmel wahrgenommen.

    Das Sternbild Orion. Rechts oberhalb der Stier mit den Plejaden, links unterhalb Sirius. Maus über Bild bewegen!

    Wenn Du an einem dunklen Ort auf dem Land bist, dann erkennst Du oberhalb von Orion noch eine weitere Struktur, die aussieht, wie ein liegendes, nach links geöffnetes V. Das ist der Stier. Auch hier gibt es einen sehr hellen, rötlichen Stern, ähnlich Bereigeuze im Orion: Aldebaran, das blutunterlaufene Auge. Direkt darüber befindet sich der Sternhaufen der Plejaden, praktisch nicht zu übersehen. Sowohl Aldebaran als auch die Plejaden solltest Du sogar in der Stadt gut sehen.
    Rechts unterhalb des Orion erkennst du Sirius. Es ist der hellste Stern am Nachthimmel.
    Hast Du einen Feldstecher, ist es absolut lohnenswert ihn zu nutzen. Du wirst den Orionnebel gut erkennen können und staunen, wie viele Sterne sich dort oben befinden. Aber geb‘ Deinen Augen auf jeden Fall die Zeit, sich wirklich an die Dunkelheit zu gewöhnen und schau nicht zwischendurch mit einer Lampe in ein Buch oder auf Dein Mobiltelefon!

     

    Orion fotografieren

    Es gibt viele Möglichkeiten Orion zu fotografieren. Mir persönlich gefällt es immer sehr gut, Sternbilder mit Linien in Fotos einzuzeichnen, aber das ist Geschmackssache.
    Selbstverständlich gilt auch für dieses Sternbild das, was für alle Sternbilder richtig ist. Hier nochmals zusammengefasst:
    – Sternbilder sind sehr groß
    – Daher können sie praktisch mit jedem Objektiv aufgenommen werden
    – Besser eignen sich jedoch Linsen zwischen 35 und 85 mm (je nach Sternbildgröße)
    – Sehr schön sind hochauflösende Panoramabilder, die viele Details zeigen

    Orion im Speziellen ist ein relativ großes Sternbild. In seiner Gesamtheit ist es idealerweise mit 50 mm zu fotografieren. Bei ausreichenden Belichtungszeiten kommt der ‚rote Bogen‘ von Barnards Loop gut zur Geltung.
    Es ist aber auch tatsächlich möglich, die Struktur des Sternbildes und sogar den Orionnebel in sehr weitwinkligen Aufnahmen zu erkennen, wenn sie richtig aufgenommen wurden.

    Der Orionnebel kann sinnvoll ab 85 mm, idealerweise ab 200 mm fotografiert werden. Bei ausreichend dunklem Himmel sind hier bereits nach 10 bis 20 Minuten Belichtungszeit erste Dunkelwolken zu erkennen.
    Eine Herausforderung stellt die Gruppe heller Sterne im Trapez des Nebels dar. Hierfür kann mit kürzeren Belichtungszeiten gearbeitet werden.

    Neben dem Orionnebel sind auch die meisten anderen Objekte im Orion mit normalem Foto-Equipment fotografierbar, solange ausreichende Belichtungszeiten* erreicht werden können. Sinnvoll ist das allerdings erst ab 135, besser 200 mm. Bei dieser Brennweite sind beispielsweise der Flammennebel und der Pferdekopfnebel detailliert zu erkennen. Auch M78 und NGC2024 werden hier bereits mit ersten Einzelheiten sichtbar.

    *Dafür ist eine sogenannte ‚astronomische Nachführung‚ nötig. Der Orionnebel selber ist allerdings eine Ausnahme. Er lässt sich auch ganz ohne Hilfmittel fotografieren.

     

    Einzelne Objekte im Orion

    Hier stelle ich Dir einige Objekte im Gebiet dieses großen und reichen Sternbildes vor. Objekte, die ich bereits selber fotografiert habe.
    Du erfährst jeweils, um was für ein Objekt es sich handelt und auch, wie ich es fotografiert habe.
    Im Abschnitt zum Orionnebel gehe ich dabei etwas ausführlicher darauf ein, wie man ihn auch als Anfänger ohne spezielle Hilfsmittel fotografieren kann und beleuchte auch das Problem des extrem hellen Kerngebiets und wie man es mit Belichtungsreihen lösen kann.

    Folgende Objekte spreche ich an:

  • Orionnebel mit Running-Man
  • Pferdekopfnebel B33 und Flammennebel NGC 2024
  • M78
  • Affenkopfnebel
  •  

    Großer Orionnebel M42, De Mairans Nebel M43 und Runnig Man NGC 1977

    Großer Orionnebel M42 und M43 sowie Running ManDer große Orionnebel M42, sein ‚Anhängsel‘ M43 und der Running Man – 750mm

    Allgemeines

    Der große Orionnebel M42 und sein tropfenförmiges ‚Anhängsel‘ M43 sind (überwiegend) Emissionsnebel, teilweise durchzogen mit Staubbändern. Hier wird interstellares Gas durch UV-Strahlung junger Sterne zum Leuchten angeregt.
    (Vereinfacht: Das Gas wird so aktiv und heiß, dass es von sich aus selber leuchtet. = Lichtemission).
    Der Orionnebel bzw. seine Umgebung ist eines der größten und aktivsten Stenenentstehungsgebiete in unserer Nähe.
    Die Sterne sind mit etwa 100.000 bis 1 Million Jahre relativ jung (vergl. die Erde mit 4,5 Mrd. Jahren). Der Nebel selber ist wohl erst seit rund 50.000 Jahren zu sehen.
    Er ist etwa 1350 Lichtjahre von der Erde entfernt und hat eine Ausdehnung von 24 Lichtjahren.
    Die jungen Sterne des Orionnebels werden sich wahrscheinlich zu einem Sternhaufen ähnlich den Plejaden weiterentwickeln.

    Der Running Man Komplex hingegen besteht überwiegend aus Reflexionsnebeln (weiter unten bei M78 genauer beschrieben).
    Genau genommen ist die Verwendung der Bezeichnung NGC 1977 nicht ganz zutreffend:
    Denn die steht eigentlich nur für den (in meinem Teleskop-Bild) unteren Bereich, der durch dunklere ‚Bänder‘ (den eigentlichen Running Man) von zwei weiteren Bereichen oberhalb abgegrenzt ist.
    Diese tragen die Nummern 1973 (rechts) und 1975 (links).
    Eine Dunkelwolke grenzt den Bereich des Running Man von M42 und M42 ab, wobei alle Bereiche zu ein und demselben großen Komplex gehören.


    Rechts: M43 Orionnebel und M42 De Mairans Nebel, daneben ‚Running Man‘ – 200mm 16*60sec – Ausschnitt

    Den Orionnebel sehen und fotografieren

    Sichtbar ist der Orionnebel unter einem dunklen Himmel bereits mit bloßem Auge. Direkt unterhalb der Kette der drei Gürtelsterne ist er als unscharfes Fleckchen auszumachen.
    In einem Feldstecher erscheint seine neblige Struktur schon klarer und es ist gerade für Anfänger ausgesprochen leicht und erzeugt eine große Freude, ihn erstmals so zu sehen.

    Fotografisch ist M43 relativ leicht einzufangen. Bereits auf Weitwinkelaufnahmen ist er, eine ausreichende Belichtungszeit von mind. 10 Sekunden vorausgesetzt, zu erkennen.
    Um ihn bildfüllend aufzunehmen sind Berennweiten ab 400mm geeignet. In Aufnahmen mit Brennweiten von 35mm bis 200mm sind auch Flammennebel und Pferdekopfnebel mit im Bildausschnitt und bei ausreichenden Belichtungszeiten gut zu erkennen.

    Einfache Orionnebel-Fotografie für Anfänger - Fotos ohne teures Zubehör

    Da dieses Deep-Sky-Objekt sehr leuchtkräftig ist, reichen bereits relativ kurze Belichtungszeiten aus, um es sichtbar zu machen. Daher ist es möglich, ohne spezielles ‚Astro-Equipment ein Foto des Nebelgebietes anzufertigen. Dabei solltest Du nur darauf achten, dass die Sterne (und somit auch der Nebel) keine Striche ziehen. Mit einer einfachen Formel lässt sich die maximal mögliche Belichtungszeit ausrechenen:
    300/Brennweite (Crop-Kamera) bzw. 500/Brennweite (Vollformat).

    So kann beispielsweise mit 50mm an einer Vollformatkamera bereits 10 Sekunden belichtet werden (500/50). Das ist auf jeden Fall ausreichend, um den Orionnebel gut zu sehen. Werden nun auch noch z.B. 50 Einzelbilder zu einem Summenbild verrechnet, kann das ein durchaus ansehnliches Ergebnis bringen. Ähnlich ist es mit 35mm an einer Crop-Kamera, auch hier sind Belichtungszeiten von knapp 10 Sekunden möglich.
    In beiden Fällen erscheint der Nebel nicht einfach nur als ‚kleiner weißer Klecks‘. Nein, es ist so durchaus möglich, ein farbenfrohes und scharfes Abbild im Sternenmeer zu erzeugen.

    Kamera, Objektiv und Stativ – das reicht für erste Fotos des Orionnebels!

    In Stichpunkten funktioniert es so:

  • Kamera auf Stativ
  • Alle Einstellungen manuell (Blende möglichst weit auf, ISO auf ca. 1600 oder auch höher)
  • Schärfe manuell einstellen (Anleitung zum Scharfstellen in der Nacht)
  • Möglichst viele Fotos machen (20, 50, 100, 150…)
  • Fotos mit DSS ’stacken‘ (zu einem Summenbild verrechnen*)
  • Entwickeln/Nachbearbeiten
  • Genau habe ich alle notwendigen Kamera-Einstellungen im Einsteigerkurs beschrieben

    *Mehrere Minuten Belichtungszeit erreichst Du, indem Du viele Einzelbilder zu einem Summenbild verrechnest. Das macht das kostenlose Programm DeepSkyStacker, kurz DSS. Du brauchst dafür kein astronomisches Zubehör, nur Kamera+Stativ.
    Das Bild hier ist genau so entstanden: Kamera mit 50mm Objektiv auf Stativ und dann 50 Bilder mit jeweils nur 4 Sekunden Belichtungszeit, denn da gibt es noch keine Strichbildung. Danach die 50 unbearbeiteten Rohbilder mit DSS verrechnet und in Photoshop nachbearbeitet. Einfaches Anfänger-Equipment und der Orionnebel ist gut zu erkennen.
    Ich habe allerdings eine Kamera genutzt, in der ein Filter ausgebaut ist. Mit einer normalen Kamera wird man den roten Bogen links (Barnards Loop) nicht ganz so gut sehen können. Den Orionnebel hingengen schon! Ein ‚Klick‘ zeigt eine sehr große Version des Bildes.


     
    Belichtungsreihen – Den ‚Kern‘ des Orionnebels retten – Notwendiges Übel bei langen Belichtungszeiten
    So einfach der Orionnebel im Prinzip auch zu fotografieren ist, so steckt dennoch eine kleine Tücke in diesem Objekt: Der große Helligkeitsumfang, der nicht mit einer einzigen Belichtungszeit zu erfassen ist.
    So werden für die feineren und leuchtschwächeren Nebelbereiche Einzel-Belichtungszeiten idealerweise ab 30 Sekunden, besser einige Minuten benötigt. Dies führt aber unweigerlich dazu, dass die hellen Bereiche, speziell das Zentrum, überstrahlt werden. Es geht jegliche Struktur verloren, so dass einfach nur ein ‚weißer Fleck‘ auf den Bildern zu sehen ist.
    Dies wird dadurch gelöst, dass mehrere Belichtungsreihen aufgenommen werden. Konkret: Möglichst lange für die leuchtschwächeren Nebel, wenige Sekunden für das Zentrum (als Anhaltspunkt 5-20 Sekunden, je nach Lichtstärke der Optik und verwendeter ISO). Diese Belichtungsreihen werden dann z.B. in Photoshop zusammengefügt, wobei es dafür mehrere Herangehensweisen gibt.
    Das ist allerdings nur von Bedeutung, wenn wirklich lange belichtet werden kann. Also dann, wenn die Kamera auf einer astronomischen Nachführung den Sternen folgt.

    Die folgenden Bilder sind Einzelaufnahmen, in Lightroom angepasst.

    Unterschiedliche Belichtungszeiten des Orionnebels für den Kern – 200mm (Ausschnitt) – Endergebnis im Bild ganz oben.


    Veränderte Belichtungszeit des Orionnebels, um das Ausbrennen zu vermeiden – 750mm. Raw, bzw. Lightroom

     

    Pferdekopfnebel – B33 und Flammennebel – NGC 2024

    M78 - Messier 78 Sternbild OrionPferdekopf, direkt unterhalb der Reflexionsnebel NGC 2023, links der Flammennebel NGC 2024 – 21*4min. – 750mm

    Allgemeines

    Der Pferdekopfnebel ist eine Dunkelwolke, die von unserer Blickrichtung aus zufälligerweise die Form eines Pferdekopfes hat.
    Er wirkt vor allem so eindrucksvoll, da er einen starken Kontrast zu dem dahinter befindlichen, rot leuchtenden Emissionsnebel IC 434 bildet.

    Dunkelwolken sind Ansammlungen interstellaren, relativ kühlen Gases und Staubs, darunter große Mengen molekularen Wasserstoffs. Aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Dichte und großen Ausdehnung können die Wolken nicht von Licht durchdrungen werden. Sie verdunkeln dahinter stehende Sterne und erzeugen so ’schwarze Flecken im Lichtermeer‘.
    Sie sind also immer nur als Silhouetten im Kontrast zur helleren Umgebung zu sehen.

    Dunkelwolken entstehen durch Abkühlung und Verdichtung von Materie, die nach Explosionen sterbender Sterne verbleibt. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass innerhalb der Dunkelwolken, aufgrund von Eingengravitation und zunehmender Verdichtung, neue Sterne entstehen, welche ihrerseits wiederum in ferner Zukunft explodieren können, was den Kreislauf zur Entstehung neuer Dunkelwolken schließen würde.

    Die Formation, die wir als Pferdekopfnebel wahrnehmen, ist eine etwa 3 Lichtjahre (ca. 30 Billionen km) große Ausbuchtung einer noch wesentlich umfangreicheren Dunkelwolke, die sich in etwa 1500 Lichtjahren Entfernung von der Erde befindet. Die dunklen ‚Äste‘ im Flammennebel sind ebenfalls Teil dieser Staubwolke. Die rötlich leuchtende ‚Flamme‘ hinter den Verästelungen ist wiederum ein Emissionsnebel.

    Der helle Stern Alnitak, der scheinbar zwischen den beiden Objekten steht, hat tatsächlich keinerlei Bezug zu diesem System. Er befindet sich mit rund 800 Lichtjahren nur halb so weit von der Erde entfernt wie Pferdekopf- und Flammennebel.

    Direkt unterhalb des Pferdekopfes und daher hier kurz angesprochen befindet sich der Reflexionsnebel NGC 2023. Allerdings befindet sich im Sternbild Orion ein weiterer, wesentlich beeindruckender Reflexionsnebel: M78.


    Pferdekopfnebel, Flammennebel und Refelxionsnebel NGC 2023 – 200mm 16*60sec – Ausschnitt

    Den Pferdekopf- und Flammennebelnebel fotografieren

    Der Pferdekopf- und der Flammennebel sind bereits auf Fotos mit normalen Brennweiten und vergleichsweise moderaten Belichtungszeiten zu erkennen, wie mein Beispielfoto oben zeigt (200mm – 16 Minuten).
    Wirklich spannend wird es allerdings erst mit sehr langen Brennweiten, die vor allem Teleskope bieten, und enorm langen Belichtungszeiten.
    Mein obiges Foto mit einem 750mm-Telesksop bildet die Dunkelwolke selber schon relativ groß ab, die Belichtungszeit von etwas über einer Stunde ist jedoch noch deutlich zu kurz. Mit 5 oder gar 10 Stunden Gesamtbelichtungszeit wird es dann richtig spannend und der Kontrast zwischen dem roten Emissionnebel, feinen Staubwolken und dem Pferdekopf wird wirklich schön sichtbar.
    Der Flammennebel lässt sich bereits bei deutlich kürzeren Belichtungszeiten schön einfangen, wie nachfolgendes Bild mit nur 10*2 Minuten Belichtungszeit zeigt. Allerdings ist es unter ausgesprochen guten Bedingungen an einem extrem dunklen Standort aufgenommen worden.

    Flammennebel – 750mm – 10*2 Minuten

     

    M78 – Reflexionsnebel mit Dunkelwolken

    M78 - Messier 78 Sternbild OrionM78 und NGC 2071 – 23*4min. – 750mm

    Allgemeines

    M78 ist der hellste Reflexionsnebel am Nachthimmel.
    Im Gegensatz zum Orionnebel, einem Emissionsnebel, wird hier nicht ionisiertes Gas zum Eigenleuchten angeregt (Emission = Aussendung, Ausstrahlung). In einem Reflexionsnebel wird das Licht benachbarter Sterne von kosmischem Staub reflektiert (zurückgeworfen, gespiegelt) und gestreut.
    Emissions- und Reflexionsnebel unterscheiden sich also grundlegend, treten aber auch gemeinsam auf.
    Auch in der Farbe sind Unterschiede auszumachen. Wenngleich es einige Abweichungen gibt, gilt doch insgesamt, dass Emissionsnebel rot erscheinen, Reflexionsnebel hingegen blau. M78 ist somit ein typischer Vertreter.
    Direkt daneben (in meinem Bild links) befindet sich ein weiterer Reflexionsnebel, der mit zu demselben Komplex gehört: NGC 2071.
    Eingebettet ist M78 in Dunkelwolken, vor allem im (auf meinem Bild) oberen Bereich ist eine klare Begrenzung durch eine bogenförmige Staubstruktur zu erkennen.

    M78 fotografieren

    M78 ist vergleichsweise leuchtstark und groß.
    Daher kann er auch mit normalen Foto-Objektiven aufgenommen werden. Wirklich sinnvoll ist das allerdings erst ab 200 mm, wenngleich er auch in Aufnahmen mit nur 85 mm zu sehen ist.
    Auch wenn M78 eine sehr hohe Helligkeit besitzt, macht es Sinn sehr lange zu belichten. Erst nach einigen Stunden des ‚Lichtsammelns‘ kommen die feinen Strukturen der Dunkelnebel zur Geltung, in die M78, ähnlich wie der beim Pferdekopfnebel angesprochene Reflexionsnebel NGC 2023 eingebettet ist.
    Aber das ist dann ein Fall für fortgeschrittene Astrofotografen. Anfänger sollten sich freuen, wenn sie M78 auf Bildern entdecken können und das vielleicht als Ansporn nehmen, später mehr zu erreichen.

     

    NGC 2175 und NGC 2174
    Offener Sternhaufen und umgebender Affenkopfnebel

    Affenkopfnebel NGC 2174 im Sternbild OrionAffenkopfnebel NGC 2174, 21*4min – 750mm

    Affenkopfnebel NGC 2174, Quallennebel IC 443 und Sternhaufen M35,Affenkopfnebel (unten), Quallennebel und Sternhaufen M35 (beide im Sternbild Zwillinge) – 17*1min. – 200mm

    Allgemeines

    Der Sternhaufen NGC 2175 bzw. das eigentlich interessante Objekt, der Affenkopfnebel NGC 2174, befindet sich ganz am Rand des Sternbildes Orion, fast schon am Übergang zu den Zwillingen.
    Genau wie der große rote Bogen (Barnards Loop) ist auch der Affenkopfnebel ein Emissionsnebel, der in den bekannten roten Farben leuchtet.
    Er befindet sich mit etwa 6400 Lichtjahren etwa viermal so weit von der Erde entfernt wie das Kerngebiet mit Flammennebel, Pferdekopf und Orionnebel.
    Dieses Nebelgebiet wird Affenkopfnebel genannt, da sein Aussehen angeblich dem Kopf einen Makaken ähnelt.

    Den Affenkopfnebel fotografieren

    Der Affenkopfnebel lässt sich, besser noch als M78, bereits mit ’normaler‘ Fototechnik ganz ansehnlich aufnehmen. Natürlich sind hier lange Brennweiten wieder von Vorteil, aber bereits mit 135 mm ist der Nebel klar umrissen zu erkennen, ab 200 mm auch schon sehr deutlich, wie das Foto oben zeigt. Hierfür sind noch nicht einmal extrem lange Belichtungszeiten notwendig.

     

    Empfehlungen

    Zum Schluss möchte ich Dir gerne noch einige Empfehlungen mitgeben, die sehr sinnvoll, unterhaltsam oder praktisch sind.
    In jedem Fall werden sie Dir helfen, den Himmel – in welcher Art auch immer – besser zu erfahren:

  • Besorg Dir unbedingt das kostenlose Programm Stellarium – es wird Dir helfen, Dich am Nachthimmel zurechtzufinden. Es gibt auch eine (kostengünstige) Version für Mobilgeräte.
  • Bücher sind manchmal durch nichts zu ersetzen, auch in Zeiten des Internets. In meiner Liste für Geschenkideen habe ich einige wirklich gute Bücher vorgestellt.
    An dieser Stelle möchte ich jedoch ganz besonders auf das Buch Sternebeobachtung in der Stadt hinweisen. Der Name des Buches ist denkbar schlecht gewählt, denn dieses Buch bietet viel mehr. Es ist das ideale Einsteigerbuch, um sich am Nachthimmel umzusehen und interressante Objekte zu finden. Da es ‚für die Stadt‘ gemacht wurde, kannst Du Dir sicher sein, dass Du alle Objekte auch wirklich sehen kannst, da sie allesamt relativ hell sind, um gegen die Lichtverschmutzung anzukommen. Das schafft schnelle Erfolgserlebnisse. Das Buch ist hervorragend geschrieben und bietet wirklich mehr als man zunächst vielleicht erwarten könnte. Es bereitet lange Zeit Freude, da es ausgesprochen umfangreich ist. Für 8 Euro geradezu billig. In meiner Liste habe ich es nochmals genauer beschrieben.
  • Eine drehbare Sternenkarte ist ein weiteres Hilfmittel, um sich am Nachthimmel zu orientieren. Sie ist absolut simpel und so aufgebaut, dass Dir zu jeder Uhrzeit und an jedem Tag im Jahr genau der ‚richtige‘ Sternenhimmel gezeigt wird.
  • Zu den im Text immer wieder angesprochenen Astromontierungen, den Geräten die Kameras mit den Sternen mitbewegen, habe ich einen eigenen Übersichtsartikel-Artikel, sowie zwei Tests zu unterschiedlichen Modellen geschrieben. Wenngeleich man Orion (als eines der wenigen Deep-Sky-Objekte) auch ohne Nachführung fotografieren kann, macht es doch erst damit so richtig viel Freude.
  •  

    Freundliches Schlusswort

    Alles gelesen oder grob überflogen? Wie dem auch sei, Du hast mitbekommen, dass Orion wirklich sehr viel zu bieten hat.
    Vielleicht hat der Artikel Dich ja auf neue Ideen gebracht, Dir eine Anregung gegeben oder Dir sogar ganz konkret weiter geholfen?
    Lass es mich wissen. Darüber freue ich mich immer – denn für jeden Blogger sind die Kommentare der Leser das ‚Salz in der Suppe‘ (oder treffender ‚die Deep-Sky-Objekte im Sternenmeer‘).
    Natürlich ist auch ein ‚Like‘ bei Facebook nicht verkehrt. Dort veröffentliche ich viel häufiger kleine Berichte und zeige, genauso wie auch bei Instagram, aktuelle Fotos der Milchstraße, des Nachthimmels und verschiedener Deep-Sky-Objekte.
    Wenn Du hier auf dem Laufenden bleiben willst, dann trag Dich einfach in meinen Newsletter ein. Zu finden auf der Startseite ganz unten.

    Ich hoffe, es hat Dir gefallen, wie ich die Geschichte von Orion erzählt habe. Es war relativ aufwändig, das alles zu recherchieren und in eine schlüssige Geschichte zu verpacken.
    Auch hoffe ich, dass Du nun voller Elan daran gehst, Orion selber am Himmel zu finden und so Deine ‚Himmelskarte im Kopf‘ um einen weiteren ‚Kontinent‘ erweiterst.

    Vielleicht hast Du ja auch hier hergefunden, weil Du als Anfänger wissen möchtest wie man den Orionnebel mit einfachn Mitteln fotografiert. Ich hoffe, dass nun einige Fragen geklärt sind. Der Anfang ist wirklich nicht schwer. Versuch es einfach! Vielleicht hilft Dir ja mein Anfänger-Kurs zur Fotografie des Sternenhimmels und der Milchstraße weiter.
    Falls noch Fragen offen sind: Zögere nicht, einen Kommentar da zu lasen. Ich antworte gerne!

    Hast Du Lust noch weitere Sternbilder kennenzulernen?
    Dann schau doch mal beim Sternbild Kassiopeia vorbei. Auch dort gibt es tolle Himmelsobjekte und eine nicht minder spannende Story der alten Griechen zu lesen.

    Warum auch immer Du hier hergefunden hast:
    Ich wünsche Dir viel Spaß, Freude und das großartige Gefühl, unter einem fantastischen (Winter-)Sternenhimmel zu stehen, ganz nach dem Motto dieser Seite:
    „Du, die Nacht und die Weite des Himmels“.

     
    Zum Abschluss gibt es hier nochmals alle im Artikel genutzten Bilder und einige mehr. Sie sind nicht in jedem Fall besonders schön. Ich möchte jedoch alle Beispiele zeigen, um z.B. die Wirkung unterschiedlicher Brennweiten und Belichtungszeiten zu demonstrieren. Daher ist es sinnvoll, mit einem Klick auf das ‚i‘ die Bildinformationen einzublenden.

     

    Welches Sternbild soll ich ausführlicher fotografieren und in all seinen Facetten beschreiben?

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