Ein jeder, der bereits detaillierte Bilder der Milchstraße gesehen hat, kennt die „dunklen Flecken“. Stellen, an denen scheinbar keine Sterne stehen. In bestimmten Bereichen erscheint die Milchstraße gar zweigeteilt. Und wer bereits einmal mit einem Feldstecher oder einem kleinen Teleskop am Nachthimmel „spazieren“ war, kennt die Überraschung, wenn sich neben einer sternenreichen Gegend urplötzlich ein „schwarzes Loch“ auftut.
Ein paar Hintergrundinformationen möchte ich in diesem Artikel liefern.

Im Zentralbereich unserer Milchstraße versperren oftmals viele Dunkelwolken den direkten Blick in das Sternenmeer. Nur an wenigen Stellen ist ein tiefer Blick in das Zentrum möglich, dort leuchtet die Milchstraße besonders hell. Beispiele sind die Schild-Wolke und die kleine Schützen-Wolke etwas weiter südlich. Dies sind zwei der wenigen Bereiche, an denen ein ungetrübter Tiefblick möglich ist.
Gäbe es keine Dunkelwolken, so würde die Milchstraße überall dermaßen hell leuchten und wir wären des nächtens wohl fast geblendet, würden wir einen Blick durch einen Feldstecher oder ein Teleskop in Richtung des Zentrums der Milchstraße riskieren. 😉
Doch so fasziniert der ständige Wechsel zwischen leuchtenden Bereichen voller Sterne, der beim Schwenk des Fernglases plötzlich von „schwarzen Löchern im Sternenmeer“ abgelöst wird.

Diese Dunkelnebel bestehen aus interstellarem Gas und Staub, aus dem dereinst Sterne entstanden sind und wieder entstehen werden. Auch helle Nebelgebiete, wie der Orionnebel in der Wintermilchstraße oder der Lagunennebel in der Sommermilchstraße, bestehen aus diesem Material. Dort sind jedoch energiereiche Sterne vorhanden, die die Materie zum (Eigen-)Leuchten anregen. In Dunkelwolken hingegen gibt es solche Sterne nicht oder die Materie ist so dicht, dass kein Licht durch sie hindurch zu uns vordringen kann.
„Dicht gepackt“ bedeutet hierbei jedoch nur eine Dichte von wenigen hundert Molekülen pro cm³. (Das ist praktisch nichts. Luft auf der Erde hat 3 x 1017 Moleküle pro cm³ und selbst das perfekteste Vakum, das wir auf der Erde erzeugen können, enthält noch mehr Teilchen.) Dennoch reicht diese Dichte aus, um bei Volumina von vielen Lichtjahren das Licht fast vollständig zu verdecken.
(Jetzt kann man sich mal vorstellen, wie leer der Weltraum ansonsten ist, wenn das schon „dicht gepackt“ ist.)

Der Dunkelnebel-Katalog von Edward Barnard

Wir als Amateure, die den Sternenhimmel bestaunen, sehen oftmals einfach nur Sterne, wir erkennen vielleicht die Sternbilder oder, so wir uns schon etwas länger und intensiver mit dem Nachthimmel befassen, auch die Objekte des Messier-Katalogs.
Weitaus weniger bekannt (Langzeitbeobachtern natürlich schon) sind hingegen die Dunkelnebel und die Tatsache, dass auch sie, ähnlich wie die Sternhaufen, Galaxien oder Emisssionsnebel von Charles Messier, von verschiedenen Astronomen erforscht und katalogisiert wurden.
Am bekanntesten ist hierbei der ab 1919 entstandene „Dunkelnebelkatalog“ (Barnard Catalogue of Dark Markings in the Sky) von Edward Barnard, dessen 349 Objekte die Bezeichnung „B“ tragen.
Die bekannteste Dunkelwolke auf der Nordhemisphäre ist zweifellos der Pferdekopfnebel B33, doch auch der rote bogenförmige Emissionsnebel im Sternbild Orion wurde von ihm entdeckt und trägt den Namen „Barnards Loop“.

Dunkelwolken als Sternbilder – Die Himmelsfiguren der Inka

Während wir und auch die meisten anderen Kulturen einzelne Sterne in Gedanken mit Linien zu Sternbildern verbinden und ihnen Sagen und Mythen andichten, gab es einst in Südamerika Kulturen, die in den Dunkelwolken Figuren am Himmel sahen. Die Inka erkannten darin u.a. ein Lama, eine Schlange, einen Fuchs oder auch Wachtel und Kröte. Sie sahen in der Milchstraße einen himmlischen Fluss, an den Tiere kamen, um zu trinken. Ihre Körper warfen Schatten, die die Inka zu sehen glaubten. Auch die Aborigines in Australien und die San in Afrika deuteten Dunkelwolken als Figuren.
Vielleicht hilft das, sich vorzustellen, wie dunkel die Nacht damals war und wie klar der Himmel in den Bergregionen der Anden erschien.
(Ein weiterer Grund die allgegenwärtige Lichtverschmutzung zu als Problem zu betrachten.)

Das Bild der Milchstraße links offenbart eines der Inka-Tiere, wenn man mit der Maus darüber fährt: Ganz unten findet sich der Fuchs mit leuchtend roten Augen („Krieg-und-Frieden“- und „Tatzen“-Emissionsnebel im Skorpion). Die meisten anderen Tiere befinden sich in der südlichen Milchstraße und sind somit von Europa aus nicht zu sehen.

Um eine Vorstellung von der Kleinteiligkeit der Dunkelnebelkategorisierung zu erhalten, habe ich in dem folgenden Bild beispielhaft einige Regionen gekennzeichnet. Hierbei fällt auf, dass nicht nur die großen Regionen Bezeichnungen haben, sondern auch vergleichsweise winzige Fetzen eine eigene Nummer tragen.
Zur besseren Orientierung sind Linien der Sternbilder Schwan, Schild und Schlange sowie weitere bekannte Objekte eingezeichnet. Beim Überfahren des oberen linken Bildes mit der Maus kommt eine Linie zum Vorschein, die diese Region kennzeichnet.

Dunkelnebel, Dunkelwolken im Sternenmeer, Sternbilder Inka, Zentrum der Milchstraße,m Schild-Wolke, Schildwolke, Sternbild Schild

Hier als Vergleich die Original-Aufnahme von Barnard mit den von ihm kartografierten Regionen:

Quelle

Hier eine weitere Aufnahme, die eine ganze Reihe Dunkelnebel zeigt:
Dunkelnebel, Dunkelwolken im Sternenmeer, Sternbilder Inka, Zentrum der Milchstraße, Nördlicher Kohlensack, Sternbild SchwanSternbild Schwan – 50mm – Zentral der nördliche Kohlensack.

 

Wenn man also Dunkelwolken sieht, „schwarze Flecken im Sternenmeer“, so mag dies vielleicht wirken, wie „Nichts“. Doch nichts wäre falscher. Denn gerade diese Ansammlungen von Gas und Staub sind die Brutstätte für zukünftige Sternengenerationen – Orte, an denen Sonnen wie die unsere entstehen können. Dieses „Nichts“ ist so gesehen die Keimzelle zukünftigen Lebens – es ist der Sternenstaub, aus dem wir bestehen.

Anmerkung

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